Schlieren
| Schlieren | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Dietikon |
| BFS-Nummer | 0247 |
| Postleitzahl | 8952 |
| Koordinaten | 47° 24′ N, 8° 27′ O |
| Höhe | 393 m ü. M. |
| Fläche | 6,59 km² |
| Einwohner | 20'118 (31. Dezember 2025) |
| Einwohnerbezeichnung | Schlieremer, Schlieremerin |
| Stadtpräsident | Markus Bärtschiger (SP) |
| Gemeindeparlament | 36 Mitglieder |
| Website | schlieren.ch |
Schlieren ist eine politische Gemeinde und Stadt im Bezirk Dietikon des Kantons Zürich. Sie liegt im Limmattal unmittelbar westlich der Stadt Zürich und gehört zur Metropolregion Zürich. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Limmat im Norden über den dicht bebauten Talboden bis zu den bewaldeten Höhen des Schlieremer Bergs im Süden.
Schlieren entwickelte sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts von einem bäuerlich geprägten Dorf zu einem bedeutenden Industrieort. Besonders die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik, das Gaswerk der Stadt Zürich und die chemische Industrie prägten die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung. Nach dem Rückgang der traditionellen Industrie wandelte sich Schlieren zu einem dicht bebauten Wohn-, Dienstleistungs-, Gesundheits- und Technologiestandort.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gehört Schlieren zu den dynamischsten Stadtentwicklungsgebieten im westlichen Grossraum Zürich. Frühere Industrieareale wurden in neue Wohn- und Geschäftsquartiere umgewandelt. Gleichzeitig entstanden mit dem Bio-Technopark und weiteren Einrichtungen bedeutende Standorte der Biotechnologie, Medizintechnik und angewandten Forschung.
Ende 2025 lebten nach Angaben der Stadt 20'118 Menschen in Schlieren.[1] Die Nähe zu Zürich, die gute Erschliessung durch die S-Bahn Zürich, die Limmattalbahn und die Zürcher Tramlinie 2 machen Schlieren zu einem bedeutenden Wohn- und Arbeitsort im Limmattal.
Name
Schlieren wurde am 1. Juli 828 erstmals urkundlich erwähnt. In der mittelalterlichen Überlieferung erscheinen verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens.
Die genaue Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Eine verbreitete Deutung bringt ihn mit einem älteren Ausdruck für lehmigen oder von Geröll geprägten Boden beziehungsweise für eine Landschaft am Wasser in Verbindung. Das Gebiet des früheren Dorfes lag in der von Bächen, Schwemmland und feuchten Wiesen geprägten Ebene des Limmattals.
In der lokalen schweizerdeutschen Mundart wird der Ort meist Schliere genannt. Die Einwohnerinnen und Einwohner heissen Schlieremerinnen und Schlieremer.
Geografie
Lage
Schlieren liegt im unteren Limmattal zwischen der Stadt Zürich und Dietikon. Das historische Ortszentrum befindet sich südlich der Bahnlinie und der Zürcherstrasse. Der nördliche Teil des Gemeindegebiets reicht bis an die Limmat, während sich das Gelände im Süden zum Schlieremer Berg und zu den bewaldeten Höhen an der Grenze zu Urdorf erhebt.
Im Osten grenzt Schlieren unmittelbar an den Zürcher Stadtkreis Altstetten. Die Siedlungsgebiete beider Gemeinden sind weitgehend zusammengewachsen. Im Westen schliesst sich Dietikon an. Nördlich der Limmat liegen Oberengstringen und Unterengstringen.
Die Entfernung zum Zürcher Hauptbahnhof beträgt auf der Schiene nur wenige Kilometer. Mit der S-Bahn ist das Zentrum von Zürich in ungefähr elf Minuten erreichbar.[2]
Topografie
Der tiefste Teil des Gemeindegebiets liegt in der Limmatebene. Das Gelände ist dort weitgehend flach und wurde seit dem 19. Jahrhundert stark durch Verkehrswege, Industrieanlagen, Wohnquartiere und Gewässerkorrektionen verändert.
Südlich des Stadtzentrums steigt das Gelände zum Schlieremer Berg an. Die Hänge und Waldgebiete bilden einen deutlichen landschaftlichen Gegensatz zum dicht bebauten Talboden. Sie dienen als Naherholungsraum und als ökologische Verbindung zu den Waldgebieten von Urdorf, Uitikon und Zürich.
Die amtliche Höhe des Ortszentrums beträgt 393 Meter über Meer. Das Gemeindegebiet umfasst 6,59 Quadratkilometer und gehört damit flächenmässig zu den kleineren, aber dicht besiedelten Gemeinden des Kantons Zürich.
Gewässer
Die Limmat bildet über längere Abschnitte die nördliche Grenze des Gemeindegebiets. Der Fluss ist ein wichtiger Natur- und Erholungsraum und zugleich Bestandteil einer überregionalen ökologischen Verbindung durch das Limmattal.
Entlang der Limmat verlaufen Fuss- und Velowege. Die Uferbereiche werden teilweise landwirtschaftlich genutzt, teilweise bestehen Wald-, Wiesen- und Auenflächen. Im Rahmen des Projekts «Lebendige Limmat» sollen Gewässerraum, Artenvielfalt und Erholungsnutzung weiterentwickelt werden.
Mehrere kleinere Bäche entwässern die Hänge südlich der Stadt und den Talboden. Ein Teil dieser Gewässer wurde während der Industrialisierung eingedolt oder technisch verbaut. Neuere Planungen verfolgen das Ziel, offene Wasserläufe zu erhalten oder ökologisch aufzuwerten.
Landschaft und Erholungsräume
Trotz der dichten Bebauung verfügt Schlieren über unterschiedliche Naherholungsgebiete. Dazu gehören der Schlieremer Wald, die Limmatufer, der Stadtpark, der Rietpark und landwirtschaftlich genutzte Flächen am Rand des Siedlungsgebiets.
Der Schlieremer Berg bietet Spazier- und Wanderwege sowie Aussichtspunkte über das Limmattal. Der Gegensatz zwischen der urbanen Talebene und den bewaldeten Hängen gehört zu den charakteristischen Merkmalen der Stadt.
Der Rietpark entstand im Zusammenhang mit der Umwandlung früherer Industrie- und Gewerbeflächen westlich des Bahnhofs. Er bildet das Zentrum eines neuen Wohn- und Geschäftsquartiers und dient gleichzeitig der Erholung und dem ökologischen Ausgleich.
Stadtgliederung
Schlieren besitzt keine politisch selbstständigen Stadtteile. Im Alltag werden jedoch verschiedene Quartiere und Gebiete unterschieden.
Zu den gebräuchlichen Bezeichnungen gehören:
- Stadtzentrum und historischer Dorfkern;
- Bahnhofgebiet;
- Zelgli;
- Kalktarren;
- Kesslerplatz;
- Spitalquartier;
- Rietpark;
- Wagi-Areal;
- Gaswerkareal;
- Schlieren West;
- Schlieremer Berg;
- Industriegebiet Rietbach;
- Geissweid.
Das historische Zentrum liegt rund um die reformierte Kirche, das Stürmeierhuus und den Stadtpark. Das heutige kommerzielle Zentrum erstreckt sich entlang der Zürcherstrasse, der Badenerstrasse und des Bahnhofs.
Nördlich der Bahn befinden sich ausgedehnte frühere und heutige Industrie- und Gewerbegebiete. Mehrere dieser Areale werden schrittweise zu gemischten Stadtquartieren mit Wohnungen, Arbeitsplätzen und öffentlichen Freiräumen umgestaltet.
Bevölkerung
Schlieren blieb bis ins 19. Jahrhundert ein kleines Dorf. 1850 lebten weniger als 700 Menschen in der Gemeinde. Der Eisenbahnbau und die Ansiedlung grosser Industriebetriebe führten anschliessend zu einem starken Wachstum.
1961 wurde der zehntausendste Einwohner registriert. Damit erreichte Schlieren die damals in der schweizerischen Statistik übliche Schwelle zur Stadt.[3]
Nach einer Phase des Wachstums stagnierte die Bevölkerung während der späten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zeitweise. Gründe waren der industrielle Strukturwandel, der Abbau von Arbeitsplätzen und eine begrenzte Wohnbautätigkeit.
Seit den 2000er-Jahren wächst die Einwohnerzahl wieder stark. Neue Quartiere auf ehemaligen Industrieflächen, die Nähe zu Zürich und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs machten Schlieren zu einem gefragten Wohnort.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1850 | 689 |
| 1900 | 1'670 |
| 1950 | 6'074 |
| 1960 | 10'043 |
| 1970 | 11'869 |
| 1980 | 12'460 |
| 1990 | 13'142 |
| 2000 | 12'775 |
| 2010 | 16'103 |
| 2020 | 19'872 |
Die Bevölkerung ist kulturell, sprachlich und religiös vielfältig. Neben Deutsch werden zahlreiche weitere Sprachen gesprochen, darunter Italienisch, Albanisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch, Englisch und verschiedene südslawische Sprachen.
Die internationale Zusammensetzung hängt eng mit der Industriegeschichte und dem grossen Arbeitsplatzangebot zusammen. Bereits während des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg zogen zahlreiche Arbeitskräfte aus Italien, Spanien, Portugal und dem damaligen Jugoslawien nach Schlieren.
Geschichte
Frühzeit und erste Erwähnung
Archäologische Funde aus dem Limmattal belegen, dass die Region bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Die fruchtbaren Böden, die Limmat und die natürlichen Verkehrswege boten günstige Voraussetzungen für Landwirtschaft und Siedlungen.
Auch während der römischen Zeit führte eine bedeutende Verkehrsverbindung durch das Limmattal. In der Umgebung von Schlieren wurden römische Fundstücke und Siedlungsspuren entdeckt. Eine grössere römische Stadt bestand jedoch nicht.
Schlieren wurde 828 erstmals schriftlich erwähnt. Das Dorf gehörte im Mittelalter zu einem komplexen Geflecht geistlicher und weltlicher Herrschaftsrechte.
Mittelalterliche Herrschaftsverhältnisse
Das Fraumünster in Zürich besass in Schlieren bedeutende Grund- und Herrschaftsrechte. Das Kloster blieb bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft Inhaber von Twing und Bann sowie der niederen beziehungsweise mittleren Gerichtsbarkeit.
Vogtei- und Hochgerichtsrechte lagen zeitweise bei den Habsburgern und weiteren Herrschaftsträgern. 1415 eroberten die Eidgenossen den habsburgischen Aargau. Schlieren wurde daraufhin Teil der Grafschaft Baden, einer gemeinsam verwalteten Herrschaft mehrerer eidgenössischer Orte.
Die besondere Lage führte dazu, dass Schlieren politisch nicht zum Zürcher Stadtstaat gehörte, obwohl wirtschaftliche, kirchliche und grundherrschaftliche Beziehungen nach Zürich bestanden. Die Grafschaft Baden blieb bis 1798 bestehen.[4]
Das mittelalterliche Dorf bestand aus Bauernhöfen, Wohnhäusern, einer Kirche und gemeinschaftlich genutzten Flächen. Landwirtschaft, Viehzucht, Weinbau und Waldnutzung bildeten die wirtschaftliche Grundlage.
Reformation und frühe Neuzeit
Mit der Zürcher Reformation im 16. Jahrhundert wurde auch Schlieren evangelisch-reformiert. Die kirchlichen Besitz- und Verwaltungsverhältnisse veränderten sich, die historischen Rechte des ehemaligen Fraumünsterstifts blieben jedoch teilweise bis 1798 bestehen.
Das Dorf war wiederholt von Überschwemmungen, Missernten, Seuchen und kriegerischen Belastungen betroffen. Die Limmat und die kleineren Bäche konnten bei Hochwasser grosse Teile der Ebene überfluten.
1777 nahm der Schlieremer Pfarrer Heinrich Keller zwei gehörlose Knaben in sein Pfarrhaus auf und begann, sie systematisch zu unterrichten. Daraus entwickelte sich die erste Schule für gehörlose Kinder in der Schweiz. In historischen Quellen wird sie als erste «Taubstummenschule» des Landes bezeichnet.
Helvetik und Zugehörigkeit zum Kanton Zürich
Mit dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft endete 1798 die Herrschaft der Grafschaft Baden. Schlieren wurde dem neu geschaffenen helvetischen Kanton Baden zugeteilt.
Die Mediationsakte von 1803 ordnete die territorialen Verhältnisse neu. Schlieren kam zum Kanton Zürich und wurde Teil des Bezirks Zürich. Seit der Bildung des Bezirks Dietikon im Jahr 1989 gehört die Stadt zu diesem Bezirk.
Im 19. Jahrhundert wurden die alten feudalen Rechte schrittweise aufgehoben. Die politische Gemeinde entwickelte moderne Verwaltungsstrukturen und übernahm zunehmend Aufgaben in den Bereichen Schule, Verkehr, Armenfürsorge und Infrastruktur.
Eisenbahnbau
Die Eröffnung der Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden im Jahr 1847 war ein entscheidendes Ereignis für die Entwicklung Schlierens. Die Strecke führte durch das Gemeindegebiet und verband den Ort mit Zürich, Dietikon und Baden.
Das heutige Bahnhofsgebäude geht auf einen kleineren Bau von 1867 zurück. Seine heutige neoklassizistische Gestalt entstand zwischen 1919 und 1921 nach Plänen des Architekten Albert Froelich.[5]
Die Eisenbahn erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten. Grosse, bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen entlang der Bahnlinie wurden für Fabriken, Lagerhäuser und Arbeiterwohnungen erschlossen.
Industrialisierung
1868 siedelte sich die Leimfabrik von Heinrich Glättli in Schlieren an. Sie wurde 1880 von der Familie Geistlich übernommen und zu einem bedeutenden Unternehmen der chemischen und medizinischen Industrie ausgebaut.
1898 nahm das Gaswerk der Stadt Zürich seinen Betrieb in Schlieren auf. Es war zur Zeit seiner Eröffnung die grösste Energieanlage der Schweiz. Das Werk erzeugte aus Kohle Stadtgas, das über Leitungen nach Zürich transportiert wurde.
Zum Gaswerk gehörten Produktionshallen, Kohlenlager, Werkstätten, Verwaltungsgebäude, Wohnhäuser und grosse Gasbehälter. Das Ensemble bildete eine weitgehend eigenständige Industriesiedlung.
1899 wurde die Schweizerische Wagonsfabrik Schlieren gegründet. Das Unternehmen stellte Eisenbahnwagen, Strassenbahnfahrzeuge und später auch Aufzüge her. 1928 erhielt es den Namen Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren-Zürich.
Die als Wagi bekannte Fabrik entwickelte sich zu einem der wichtigsten Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen. Sie produzierte Personen- und Güterwagen, Speisewagen, Schlafwagen, Tramfahrzeuge und Spezialkonstruktionen.
Die in Schlieren entwickelte Leichtstahlbauweise beeinflusste den modernen Schweizer Reisezugwagenbau. Zusammen mit anderen Herstellern deckte die Fabrik einen grossen Teil des inländischen Bedarfs an Eisenbahnwagen.[6]
Weitere Unternehmen aus der Bau-, Metall-, Lebensmittel- und Chemiebranche siedelten sich an. Schlieren wurde zu einem der wichtigsten Industrieorte im Limmattal.
Wachstum im 20. Jahrhundert
Die Industrie zog Arbeitskräfte aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland an. Zwischen Fabriken, Verkehrswegen und dem alten Dorf entstanden neue Wohnquartiere.
Die Gemeinde baute Schulhäuser, Strassen, Wasserleitungen, Kanalisationen und öffentliche Einrichtungen. Das frühere Bauerndorf wandelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer urbanen Industriegemeinde.
Das Gaswerk wurde bis in die 1930er-Jahre mehrfach erweitert. Während der Weltkriege führten Schwierigkeiten bei der Kohleversorgung zu Einschränkungen und zur Suche nach Ersatzbrennstoffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Schlieren einen weiteren wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung. Neue Mehrfamilienhäuser und Hochhäuser entstanden. Das Scheibenhochhaus am Kesslerplatz, erbaut von 1960 bis 1963, gilt als bedeutendes Beispiel des modernen Wohnungsbaus im Kanton Zürich.[7]
1961 überschritt die Einwohnerzahl die Marke von 10'000. In den folgenden Jahren setzte sich die Verstädterung fort.
Industrieller Strukturwandel
1972 stellte die Stadt Zürich ihre Gasversorgung auf Erdgas um. Damit endete die Gasproduktion in Schlieren. Die Gebäude und technischen Anlagen des Gaswerks verloren ihre ursprüngliche Funktion.
Die Wagons- und Aufzügefabrik geriet seit den 1970er-Jahren unter zunehmenden wirtschaftlichen Druck. 1983 wurde die Schliessung angekündigt, 1985 endete die Produktion. Bis dahin waren mehr als 14'000 Personen- und Güterwagen hergestellt worden.[6]
Die Schliessung der Wagi wurde zu einem Symbol für den industriellen Strukturwandel im Limmattal. Zahlreiche Arbeitsplätze gingen verloren, und grosse Fabrikflächen mussten neuen Nutzungen zugeführt werden.
Auch andere traditionelle Industriebetriebe wurden verkleinert, verlagert oder geschlossen. Gleichzeitig entstanden neue Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor, im Gesundheitswesen, in der Forschung und in spezialisierten Technologieunternehmen.
Entwicklung seit 2000
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wandelte sich Schlieren erneut grundlegend. Ehemalige Industrie- und Gewerbeareale in Bahnhofsnähe wurden mit Wohnungen, Büros, Parks und öffentlichen Einrichtungen überbaut.
Das Stadtentwicklungskonzept von 2005 und seine spätere Überarbeitung dienten als Grundlage für eine koordinierte Entwicklung. Schwerpunkte waren die Neugestaltung des Zentrums, die Umnutzung von Industriebrachen, neue Freiräume und die Planung der Limmattalbahn.[8]
Im Gebiet Rietpark entstanden mehrere tausend Wohnungen und zahlreiche Arbeitsplätze. Der Bahnhof, der Stadtplatz und die Hauptverkehrsachsen wurden neu gestaltet.
Die erste Etappe der Limmattalbahn zwischen Zürich Farbhof und Schlieren Geissweid wurde 2019 eröffnet. Seit Dezember 2022 verkehrt die vollständige Linie von Zürich Altstetten über Schlieren und Dietikon nach Killwangen-Spreitenbach.
Politik
Schlieren ist als Parlamentsgemeinde organisiert. Die Stimmberechtigten wählen den Stadtrat und das Gemeindeparlament und entscheiden an der Urne über kommunale Sachvorlagen.
Stadtrat
Der Stadtrat bildet die Exekutive. Er besteht aus sieben Mitgliedern, die für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt werden. Jedes Mitglied leitet ein Ressort der Stadtverwaltung.
Die Ressorts umfassen:
- Präsidiales;
- Alter und Soziales;
- Bau und Planung;
- Bildung und Jugend;
- Finanzen und Liegenschaften;
- Sicherheit und Gesundheit;
- Werke, Versorgung und Anlagen.
Für die Amtsperiode 2026–2030 wurde Markus Bärtschiger von der SP als Stadtpräsident wiedergewählt. Die Wahl des Stadtpräsidiums erfolgte am 14. Juni 2026 in einem zweiten Wahlgang.[9]
Gemeindeparlament
Das Gemeindeparlament bildet die Legislative. Es zählt 36 Mitglieder und wird alle vier Jahre im Proporzverfahren gewählt.
Das Parlament beschliesst kommunale Erlasse, Budgets, Rechnungen und grössere Ausgaben. Es kontrolliert den Stadtrat und die Verwaltung und behandelt parlamentarische Vorstösse.
In der Regel finden ungefähr zehn Parlamentssitzungen pro Jahr statt. Seit 2023 werden die Debatten zusätzlich als Audioprotokolle veröffentlicht.[10]
Direkte Demokratie
Die Stimmberechtigten entscheiden über Änderungen der Gemeindeordnung, grössere Investitionen und weitere Geschäfte, die dem obligatorischen oder fakultativen Referendum unterstehen.
Mit einer kommunalen Volksinitiative können Stimmberechtigte neue Regelungen oder politische Massnahmen vorschlagen. Das Referendumsrecht ermöglicht eine Volksabstimmung über bestimmte Parlamentsbeschlüsse.
Wappen
Das Stadtwappen zeigt in Blau eine silberne, fünfblättrige Lilie beziehungsweise eine stilisierte Blüte mit goldenem Mittelpunkt.
Das Wappen ist seit der frühen Neuzeit in unterschiedlichen Formen belegt. Die genaue ursprüngliche Bedeutung des Motivs ist nicht abschliessend geklärt.
Die Farben Blau und Weiss prägen auch die städtische Fahne und verschiedene grafische Anwendungen der Stadtverwaltung.
Wirtschaft
Wirtschaftsstandort
Schlieren besitzt eine hohe Arbeitsplatzdichte und ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort im Limmattal. Die Nähe zu Zürich, zum Flughafen, zu den Hochschulen und zum nationalen Autobahn- und Eisenbahnnetz begünstigt die Ansiedlung von Unternehmen.
Ende 2025 waren nach Angaben der Stadt rund 1'440 Unternehmen registriert.[1] Die Wirtschaftsstruktur reicht von traditionellen Gewerbe- und Industriebetrieben über Handel und Logistik bis zu Forschung, Gesundheitswesen, Informatik und Unternehmensdienstleistungen.
Viele Beschäftigte pendeln täglich aus anderen Gemeinden nach Schlieren. Gleichzeitig arbeitet ein grosser Teil der Schlieremer Erwerbsbevölkerung in Zürich oder anderen Gemeinden der Agglomeration.
Biotechnologie und Medizintechnik
Schlieren entwickelte sich seit den 1990er-Jahren zu einem der wichtigsten Schweizer Standorte für Biotechnologie und medizinische Forschung.
Der Bio-Technopark Schlieren-Zürich bietet Labor-, Büro- und Infrastrukturflächen für junge und etablierte Unternehmen. Seine Nähe zur Universität Zürich, zur ETH Zürich, zum Universitätsspital Zürich und zum Spital Limmattal erleichtert den Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft.
Unternehmen am Standort arbeiten unter anderem in den Bereichen Krebsforschung, Immunologie, Diagnostik, Zellbiologie, Pharmazie und medizinische Geräte.
Der Healthtechpark Zürich-Schlieren ergänzt den Biotechnologiestandort mit einem Schwerpunkt auf Medizintechnik und Diagnostik. Das Projekt wurde durch die Standortförderung der Stadt initiiert und wird von Partnern aus Forschung, Industrie und Gesundheitswesen unterstützt.[11]
Ehemalige Industrieareale
Mehrere frühere Fabrik- und Gewerbeareale wurden zu gemischten Arbeits- und Wohnstandorten umgebaut.
Das Wagi-Areal erinnert an die ehemalige Wagons- und Aufzügefabrik. Teile der historischen Bausubstanz wurden erhalten, andere Flächen neu überbaut.
Das frühere Druckzentrum der Neuen Zürcher Zeitung wurde zum Innovations- und Geschäftszentrum JED umgenutzt. In den Hallen befinden sich Büros, Labore, Werkstätten, Veranstaltungsräume und gastronomische Angebote.
Das Gaswerkareal wird heute von Gewerbebetrieben, Kulturinstitutionen, Sportanlagen und weiteren Nutzungen belegt. Die historischen Gebäude und technischen Anlagen geben dem Gebiet einen besonderen industriellen Charakter.
Detailhandel und Dienstleistungen
Das Stadtzentrum besitzt Geschäfte, Restaurants, Arztpraxen und persönliche Dienstleistungen. Weitere Verkaufsflächen befinden sich entlang der Zürcherstrasse, der Badenerstrasse und in den Gewerbegebieten.
Mit dem Bevölkerungswachstum nahm die Bedeutung lokaler Dienstleistungen zu. Die Stadt fördert die Zusammenarbeit von Handel, Gastronomie und Standortentwicklung.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Schlieren liegt an der Bahnstrecke Zürich–Baden. Er wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient und bietet direkte Verbindungen nach Zürich, Dietikon, Baden, Aarau und in weitere Teile des Kantons.
Die Fahrt zum Zürcher Hauptbahnhof dauert ungefähr elf Minuten. Während eines grossen Teils des Tages besteht ein Viertelstundentakt.[2]
Die Bahnlinie teilt das Stadtgebiet in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Unterführungen und Brücken verbinden die Quartiere. Die Aufwertung und Ergänzung dieser Querungen gehört zu den langfristigen Aufgaben der Stadtentwicklung.
Das historische Aufnahmegebäude des Bahnhofs steht im kommunalen beziehungsweise regionalen Inventar und wurde in die Neugestaltung des Bahnhofumfelds integriert.
Limmattalbahn und Tram
Die Zürcher Tramlinie 2 wurde 2019 von Farbhof bis Schlieren Geissweid verlängert. Sie verbindet Schlieren direkt mit Altstetten, dem Zürcher Stadtzentrum und dem rechten Zürichseeufer.
Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 verkehrt die Limmattalbahn als ZVV-Linie 20 zwischen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach. Sie fährt über Schlieren, Urdorf, Dietikon und Spreitenbach im Viertelstundentakt.[12]
Die Limmattalbahn erschliesst innerhalb Schlierens unter anderem das Zentrum, den Bahnhof, das Spitalgebiet und die westlichen Entwicklungsgebiete. Am Bahnhof bestehen Anschlüsse an S-Bahn und Busse.
Der Bau der Bahn war mit einer umfassenden Neugestaltung der Strassenräume verbunden. Gleise, Haltestellen, Werkleitungen, Velowege, Plätze und Grünflächen wurden neu angelegt.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden den Bahnhof und die Stadtquartiere mit Urdorf, Dietikon, Unterengstringen, Weiningen, Uitikon und weiteren Gemeinden.
Der Bahnhof Schlieren und der Stadtplatz bilden die wichtigsten Umsteigepunkte. Die Buslinien ergänzen die radial nach Zürich und entlang des Limmattals verlaufenden Bahnverbindungen.
Strassenverkehr
Die Zürcherstrasse und die Badenerstrasse bilden wichtige Ost-West-Verbindungen. Die Bernstrasse erschliesst die nördlichen Industrie- und Gewerbegebiete.
Die nahe Autobahn A1 ist über Anschlüsse in Zürich-Altstetten, Urdorf und Dietikon erreichbar. Die gute Strassenanbindung trägt zur wirtschaftlichen Attraktivität bei, führt jedoch auch zu hohem Verkehrsaufkommen.
Die Stadt versucht, den Durchgangsverkehr stärker auf übergeordnete Achsen zu lenken und die Aufenthaltsqualität in den Wohnquartieren zu verbessern. In zahlreichen Quartierstrassen gilt Tempo 30.
Fuss- und Veloverkehr
Entlang der Limmat, der Bahnlinie und verschiedener Hauptachsen verlaufen Fuss- und Veloverbindungen. Schlieren ist Bestandteil geplanter und teilweise bereits realisierter Veloschnellrouten durch das Limmattal.
Neue Unterführungen, Brücken und Abstellanlagen sollen die durch Bahnlinien und Hauptstrassen getrennten Stadtteile besser miteinander verbinden.
Bildung
Die Stadt Schlieren führt die öffentliche Volksschule mit Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums wurden mehrere Schulanlagen erweitert oder neu gebaut.
Zu den bedeutenden Schulanlagen gehören unter anderem Zelgli, Kalktarren und Hofacker. Die Schulanlage Kalktarren wird in mehreren Etappen saniert und erweitert, um zusätzlichen Schulraum zu schaffen.[13]
Ende 2025 besuchten mehr als 2'000 Schülerinnen und Schüler die Schule Schlieren.[1]
Für die gymnasiale Ausbildung stehen insbesondere die Kantonsschulen in Urdorf und Zürich zur Verfügung. Berufsfachschulen, Hochschulen und Universitäten im Raum Zürich sind mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar.
Die 1777 gegründete Schule für gehörlose Kinder gehört zu den bedeutenden historischen Beiträgen Schlierens zur Schweizer Bildungsgeschichte.
Gesundheitswesen
Das Spital Limmattal befindet sich im südwestlichen Teil des Stadtgebiets. Es ist das zentrale Akutspital für das Limmattal und angrenzende Regionen.
Das Spital bietet stationäre und ambulante Leistungen, ein rund um die Uhr geöffnetes Notfallzentrum, spezialisierte medizinische Zentren und Langzeitpflege. Es besitzt 188 Betten im Akutbereich und 126 Betten in der Langzeitpflege.[14]
Der Neubau des Akutspitals wurde 2018 eröffnet. Das Spital ist mit Bus und Limmattalbahn erreichbar und gehört zu den grössten Arbeitgebern der Stadt.
Ergänzt wird das medizinische Angebot durch Arztpraxen, Therapiezentren, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Unternehmen der Medizintechnik und Biotechnologie.
Kultur
Schlieren besitzt ein vielfältiges Kulturleben, das sowohl von städtischen Einrichtungen als auch von Vereinen, privaten Initiativen und der internationalen Bevölkerung getragen wird.
Die Kulturkommission und der Bereich Gesellschaft organisieren Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Begegnungsangebote. Die städtische Kulturagenda bündelt Veranstaltungen unterschiedlicher Träger.[15]
Ortsmuseum
Das Ortsmuseum dokumentiert die Geschichte der Gemeinde vom Bauerndorf über die Industrialisierung bis zur modernen Stadt.
Die Sammlung umfasst Fotografien, Dokumente, Alltagsgegenstände, Pläne und Zeugnisse der lokalen Arbeits- und Sozialgeschichte. Sonderausstellungen behandeln historische und gegenwärtige Themen.
WAGI Museum
Das WAGI Museum befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Wagons- und Aufzügefabrik.
Es zeigt Dokumente aus der Gründungszeit, Fotografien, Filme, technische Gegenstände und Erzeugnisse der Fabrik. Das Museum bewahrt die Erinnerung an einen Betrieb, der die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Schlierens während fast neun Jahrzehnten prägte.[16]
Gasi-Museum
Das Gasi-Museum dokumentiert die Geschichte des ehemaligen Gaswerks. Die Ausstellung befindet sich in der früheren Kraftzentrale des Industrieensembles.
Thematisiert werden die Herstellung von Stadtgas aus Kohle, die Arbeitswelt, der Betrieb während der Weltkriege und die technische Entwicklung der Energieversorgung.
Kunsthalle Schlieren
Die Kunsthalle Schlieren befindet sich im Gaswerkareal und wird von der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauerinnen und Bildhauer getragen.
Sie zeigt Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und bietet Arbeits- und Präsentationsmöglichkeiten für Kunstschaffende.
Bibliothek und Gemeinschaftszentren
Die Bibliothek Schlieren stellt Bücher, Zeitungen, digitale Medien und Arbeitsplätze zur Verfügung. Sie organisiert Lesungen, Veranstaltungen und Angebote für Kinder und Erwachsene.
Das Stürmeierhuus dient als Gemeinschafts- und Veranstaltungszentrum. Es liegt beim Stadtpark und ist ein wichtiger Ort für Vereine, Versammlungen und kulturelle Anlässe.
Sehenswürdigkeiten
Gaswerk Schlieren
Das ehemalige Gaswerk ist das bedeutendste Industrieensemble der Stadt. Es wurde ab den 1890er-Jahren für die Gasversorgung Zürichs errichtet.
Zum Areal gehören Produktionshallen, Werkstätten, die ehemalige Kraftzentrale, Verwaltungs- und Wohnbauten sowie ein grosser Gasometer. Die Gebäude zeigen den Stand der Industriearchitektur und Stahlbautechnik um 1900.
Der 35 Meter hohe Gasometer gehört zu den Wahrzeichen Schlierens. Der Kanton Zürich unterstützte seine Erhaltung als bedeutenden industriegeschichtlichen Zeugen.[17]
Das Gaswerkensemble ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung erfasst.[18]
Alte reformierte Kirche
Die alte reformierte Kirche steht im historischen Dorfzentrum. Ihre Vorgängerbauten reichen bis ins Mittelalter zurück.
Das heutige Erscheinungsbild entstand durch mehrere Umbauten. Kirche, Pfarrhaus, Stürmeierhuus und Stadtpark bilden zusammen den historischen Kern Schlierens.
Katholische Kirche St. Josef
Die römisch-katholische Kirche St. Josef entstand im 20. Jahrhundert als Folge des starken Wachstums der katholischen Bevölkerung.
Der markante Kirchturm ist weithin sichtbar und prägt gemeinsam mit der reformierten Kirche das Zentrum.
Bahnhof Schlieren
Das Bahnhofsgebäude wurde in seiner heutigen Form zwischen 1919 und 1921 errichtet. Der neoklassizistische Bau gehört zu den bemerkenswerten frühen Bahnhofsgebäuden im Kanton Zürich.
Zum Ensemble gehören die Perronüberdachung und ein kleines Nebengebäude mit einem künstlerisch gestalteten Brunnen.
Scheibenhochhaus am Kesslerplatz
Das zwischen 1960 und 1963 errichtete Scheibenhochhaus gehört zu den bedeutenden Wohnbauten der Nachkriegsmoderne im Kanton Zürich.
Seine innere Erschliessung orientiert sich teilweise an den Wohnkonzepten von Le Corbusier. Das Gebäude markiert den westlichen Eingang in das zentrale Stadtgebiet.
Abdankungshalle
Die Abdankungshalle auf dem Friedhof wurde zwischen 1967 und 1969 nach Plänen des Architekten Benedikt Huber errichtet.
Der Sichtbetonbau verbindet Kapellenraum, offene Wartehalle und Landschaftsarchitektur. Er ist im regionalen Inventar der schützenswerten Bauten eingetragen.[19]
Religion
Schlieren war seit der Reformation überwiegend evangelisch-reformiert. Mit der Industrialisierung zogen zahlreiche römisch-katholische Arbeitskräfte in die Gemeinde.
Heute bestehen reformierte, römisch-katholische, christlich-orthodoxe, freikirchliche, muslimische, hinduistische und weitere religiöse Gemeinschaften.
Der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner ohne Zugehörigkeit zu einer Landeskirche nahm in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu.
Die religiöse Vielfalt spiegelt die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung und die Entwicklung Schlierens zu einer urbanen Agglomerationsstadt wider.
Sport und Freizeit
Schlieren besitzt zahlreiche Sportvereine und Freizeitanlagen. Fussball, Turnen, Kampfsport, Tennis, Schwimmen, Radsport und verschiedene Mannschaftssportarten sind im Vereinsleben vertreten.
Das Gartenbad Im Moos verfügt über Schwimmbecken, Liegewiesen und Sportflächen. Es dient während der Sommersaison als wichtiges Freizeit- und Begegnungszentrum.
Im ehemaligen Gaswerk befindet sich eine grosse Kletter- und Boulderanlage, die zu den bekanntesten Einrichtungen dieser Art in der Region Zürich gehört.[20]
Weitere Erholungsmöglichkeiten bieten die Wege entlang der Limmat, der Schlieremer Wald, der Stadtpark und der Rietpark. Die Stadt verfügt über ein dichtes Netz von Spielplätzen und Quartierfreiräumen.
Stadtentwicklung
Schlieren gilt als bedeutendes Beispiel für die Umwandlung einer traditionellen Industriegemeinde in eine moderne Agglomerationsstadt.
Die Stadtentwicklung wird durch die begrenzte Fläche, das starke Bevölkerungswachstum, die Nähe zu Zürich und die zahlreichen ehemaligen Industrieareale bestimmt.
Zu den langfristigen Schwerpunkten gehören:
- die Stärkung des Stadtzentrums;
- die Gestaltung des Stadtparks und der «Grünen Mitte»;
- die Aufwertung der Bahnquerungen;
- die Verbindung der Quartiere;
- die Entwicklung des Limmatbogens;
- die Umgestaltung der Bernstrasse;
- die Schaffung zusätzlicher Grün- und Freiräume;
- die Umnutzung untergenutzter Gewerbeflächen;
- die Förderung des öffentlichen Verkehrs sowie des Fuss- und Veloverkehrs.
Das Stadtentwicklungskonzept sieht attraktive Querverbindungen zwischen dem Schlieremer Berg und der Limmat vor. Damit sollen die unterschiedlichen Landschafts- und Siedlungsräume besser miteinander vernetzt werden.[8]
Die Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung soll eine qualitätsvolle Verdichtung ermöglichen. Neue Wohn- und Arbeitsflächen sollen möglichst innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets entstehen.[21]
Umwelt und Energie
Schlieren trägt das Label Energiestadt und wurde mehrfach mit der Goldauszeichnung des European Energy Award bewertet.
Die kommunale Energiepolitik umfasst Gebäudesanierungen, erneuerbare Wärmeversorgung, Energieberatung, klimafreundliche Mobilität und die energetische Optimierung städtischer Anlagen.
Die dichte Bebauung und grosse versiegelte Flächen führen im Sommer zu einer erhöhten Wärmebelastung. Bäume, Parks, offene Gewässer, begrünte Dächer und unversiegelte Böden gewinnen deshalb an Bedeutung.
Die Limmat, der Stadtpark, der Rietpark und die Wälder am Schlieremer Berg bilden zentrale Elemente des städtischen Natur- und Freiraumsystems.
Bedeutung und Wahrnehmung
Schlieren wurde lange vor allem als Industrie- und Arbeiterstadt wahrgenommen. Fabriken, Bahnlinien, Hauptstrassen und grossflächige Gewerbegebiete prägten das Bild des Ortes.
Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts veränderte sich diese Wahrnehmung. Neue Wohnquartiere, Parks, Technologieunternehmen und die Limmattalbahn machten den städtebaulichen Wandel sichtbar.
Die Stadt verwendet den Leitspruch «Schlieren – wo Zürich Zukunft hat». Er verweist auf die unmittelbare Nähe zur Stadt Zürich und auf die Rolle Schlierens als Entwicklungs-, Wohn- und Wirtschaftsstandort.
Gleichzeitig bleibt die industrielle Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der lokalen Identität. Das Gaswerk, das WAGI Museum und erhaltene Fabrikbauten erinnern an die Unternehmen und Arbeitskräfte, die Schlieren geprägt haben.
Literatur
- Karl Grunder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band 9: Der Bezirk Dietikon. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1997, ISBN 978-3-909164-57-8.
- Ursula Fortuna: Beharren und Wandel in Schlieren, einer Limmattaler Gemeinde im 19. Jahrhundert. In: Zürcher Taschenbuch, Band 125, Zürich 2005.
- Stadt Schlieren: Jahrhefte der Kommission Ortsgeschichte. Schlieren.
- Stadt Schlieren: Stadtentwicklungskonzept Schlieren. Schlieren.
- Museum Wagonsfabrik Schlieren: Geschichte der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren-Zürich. Schlieren.
- Timo von Wirth, Nora Muggli, Michael Stauffacher: Lebensqualität und Ortsverbundenheit aus Sicht der Schlieremer Bevölkerung. ETH Zürich, Zürich 2014.
Siehe auch
- Kanton Zürich
- Bezirk Dietikon
- Limmattal
- Limmat
- Bahnhof Schlieren
- Limmattalbahn
- Spanisch-Brötli-Bahn
- Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren-Zürich
- Gaswerk Schlieren
- Spital Limmattal
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der politischen Gemeinden des Kantons Zürich
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Schlieren
- Geschichte der Stadt Schlieren
- Stadtentwicklungskonzept Schlieren
- Sehenswürdigkeiten in Schlieren
- Museum Wagonsfabrik Schlieren
- Spital Limmattal
- Limmattalbahn beim Zürcher Verkehrsverbund
- Bilder und Mediendateien zu Schlieren
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadt Schlieren: Geschäftsbericht 2025 – Kennzahlen, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Stadt Schlieren: Willkommen in Schlieren, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Schlieren hat 10'000 Einwohnerinnen und Einwohner, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Schlieren, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Bahnhof Schlieren, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Museum Wagonsfabrik Schlieren: Historie, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Scheibenhochhaus Kesslerplatz, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Stadt Schlieren: Stadtentwicklungskonzept, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Stadtrat 2026–2030 – Konstituierung und Ressortverteilung, 1. Juli 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Gemeindeparlament, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Healthtechpark macht den Kanton Zürich zum Hub für Medizintechnik und Diagnostik, 5. April 2022, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Das Projekt Limmattalbahn, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Sanierung und Erweiterung der Schulanlage Kalktarren, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Spital Limmattal: Über uns, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Kulturagenda, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: WAGI Museum, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: 4,5 Millionen Franken für den Gasometer in Schlieren, 13. Dezember 2001, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schweiz Tourismus: Das letzte Gaswerk seiner Art – Schlieren, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Abdankungshalle, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Sport, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadt Schlieren: Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung, abgerufen am 23. Juli 2026.