Cybersicherheit in der Schweiz

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Cybersicherheit in der Schweiz umfasst die staatlichen, wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Massnahmen zum Schutz von Informations- und Kommunikationssystemen, digitalen Diensten, Daten und kritischen Infrastrukturen vor Cyberbedrohungen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung hat sie sich zu einem wichtigen Bestandteil der Sicherheits-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der Schweiz entwickelt.

Die Verantwortung für Cybersicherheit ist in der föderalistisch organisierten Schweiz auf zahlreiche Akteure verteilt. Eine zentrale Rolle spielt das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS), das seit dem 1. Januar 2024 als Kompetenzzentrum des Bundes für Cybersicherheit tätig ist. Daneben wirken die Kantone, Strafverfolgungsbehörden, die Schweizer Armee, Hochschulen, Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen an der Cyberresilienz des Landes mit.[1]

Cybersicherheit in der Schweiz
Staat Schweiz
Zentrale Bundesstelle Bundesamt für Cybersicherheit (BACS)
Departement VBS
Nationale Strategie Nationale Cyberstrategie (NCS)
Aktuelle Strategie seit 2023
Wichtige Rechtsgrundlagen Informationssicherheitsgesetz, Datenschutzgesetz, Strafgesetzbuch
Meldepflicht für kritische Infrastrukturen seit 1. April 2025
Militärischer Bereich Kommando Cyber der Schweizer Armee

Bedeutung

Nahezu alle Bereiche der schweizerischen Gesellschaft sind heute von digitalen Systemen abhängig. Banken, Energieversorgung, Telekommunikation, Verkehr, Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung und zahlreiche industrielle Prozesse können ohne funktionierende Informations- und Kommunikationstechnik nur noch eingeschränkt betrieben werden.

Cybersicherheit betrifft deshalb nicht nur die klassische Informatiksicherheit. Sie umfasst auch organisatorische Abläufe, Krisenmanagement, Datenschutz, Strafverfolgung, nationale Sicherheit, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit sowie die Fähigkeit, nach einem Cyberangriff den normalen Betrieb rasch wiederherzustellen.

Der Bund betrachtet Cybersicherheit als wesentliche Voraussetzung für die Digitalisierung und als Bestandteil der Sicherheitspolitik. Gleichzeitig ist sie für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Schweiz sowie zunehmend für die Aussenpolitik von Bedeutung.[2]

Bundesamt für Cybersicherheit

Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) ist die zentrale Fachstelle des Bundes für Cybersicherheitsfragen. Es gehört zum Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).

Das BACS entstand aus dem früheren Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC). Der Bundesrat beschloss am 2. Dezember 2022, das NCSC zu einem Bundesamt auszubauen. Am 1. Januar 2024 nahm das BACS seine Tätigkeit auf.[1]

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem:

  • Entgegennahme und Analyse von Meldungen zu Cybervorfällen;
  • Warnung der Bevölkerung und der Wirtschaft vor aktuellen Cyberbedrohungen;
  • Unterstützung von Betreiberinnen und Betreibern kritischer Infrastrukturen;
  • technische Analyse von Cyberangriffen;
  • Erkennung und Koordination bei Sicherheitslücken;
  • Förderung präventiver Schutzmassnahmen;
  • Informationsaustausch zwischen Behörden und Unternehmen;
  • Koordination der Umsetzung der Nationalen Cyberstrategie.

Das BACS ist dabei nicht mit einer Strafverfolgungsbehörde gleichzusetzen. Bei Straftaten sind insbesondere die kantonalen Polizeikorps und Staatsanwaltschaften sowie je nach Fall Bundesbehörden zuständig.

Nationale Cyberstrategie

Der Bund entwickelte erstmals 2012 eine nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyberrisiken. Nach mehreren Weiterentwicklungen verabschiedeten der Bundesrat und die Kantone im April 2023 die heutige Nationale Cyberstrategie (NCS).[2]

Sie verfolgt einen gesamtschweizerischen Ansatz und bezieht neben dem Bund und den Kantonen auch Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ein.

Die Strategie konzentriert sich auf fünf strategische Ziele:

  • Stärkung der Selbstbefähigung der Bevölkerung;
  • Sicherheit digitaler Dienstleistungen und kritischer Infrastrukturen;
  • Abwehr und Bewältigung von Cyberangriffen;
  • Bekämpfung der Cyberkriminalität;
  • internationale Zusammenarbeit.

Im Jahr 2025 umfasste die Umsetzung der NCS mehr als 90 Vorhaben mit über 70 beteiligten Umsetzungspartnern.[3]

Ein Steuerungsausschuss begleitet die Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie. Dabei arbeiten Bund, Kantone, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen.

Cyberbedrohungen

Die Schweiz ist wie andere hoch digitalisierte Staaten einer Vielzahl von Cyberbedrohungen ausgesetzt. Die Angriffe reichen von automatisierten Betrugsversuchen gegen Privatpersonen bis zu gezielten Angriffen auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen.

Zu den häufig beobachteten Bedrohungen gehören:

  • Phishing;
  • Voice-Phishing und Smishing;
  • Ransomware;
  • Schadsoftware;
  • Diebstahl von Zugangsdaten;
  • Angriffe auf Webseiten und Server;
  • DDoS-Angriffe;
  • Datenabfluss und Datendiebstahl;
  • CEO-Betrug und Rechnungsmanipulation;
  • Angriffe auf Software-Lieferketten;
  • Ausnutzung nicht geschlossener Sicherheitslücken;
  • Kompromittierung von Routern und IoT-Geräten;
  • Cyberspionage;
  • Sabotageversuche;
  • KI-gestützte Betrugs- und Täuschungsversuche.

Das BACS veröffentlicht regelmässig Lageberichte und Wochenrückblicke über aktuelle Entwicklungen.[4]

Phishing und Social Engineering

Phishing gehört zu den verbreitetsten Cyberbedrohungen für Privatpersonen und Unternehmen in der Schweiz. Dabei versuchen Kriminelle, Benutzerinnen und Benutzer zur Preisgabe von Passwörtern, Kreditkartendaten, E-Banking-Zugangsdaten oder anderen vertraulichen Informationen zu bewegen.

Typische Köder sind gefälschte Mitteilungen von Banken, Paketdiensten, Behörden, Telekommunikationsunternehmen, Online-Shops oder bekannten Schweizer Unternehmen.

Zunehmend werden verschiedene Angriffskanäle miteinander kombiniert. Beim Voice-Phishing versuchen Täter beispielsweise telefonisch, Vertrauen aufzubauen. Beim Smishing werden betrügerische Links per SMS verschickt.

Im Jahr 2025 beobachtete das BACS auch sogenannte Real-Time-Phishing-Angriffe. Dabei werden eingegebene Zugangsdaten und Bestätigungscodes unmittelbar an die Angreifer weitergeleitet, wodurch auch Verfahren mit zusätzlicher Authentifizierung umgangen werden können.[4]

Ransomware

Ransomware stellt insbesondere für Unternehmen, Gemeinden, Spitäler und andere Organisationen eine erhebliche Bedrohung dar. Dabei verschlüsseln Angreifer Daten oder Systeme und verlangen für deren Freigabe ein Lösegeld.

In vielen Fällen werden Daten vor der Verschlüsselung zusätzlich kopiert. Anschliessend drohen die Täter mit einer Veröffentlichung der gestohlenen Informationen. Dieses Vorgehen wird als doppelte Erpressung bezeichnet.

Im zweiten Halbjahr 2025 wurden dem BACS 57 Ransomware-Vorfälle freiwillig oder aufgrund der gesetzlichen Meldepflicht mitgeteilt.[4]

Das BACS empfiehlt Organisationen unter anderem regelmässige und vom Produktivsystem getrennte Datensicherungen, aktuelle Sicherheitsupdates, eine restriktive Verwaltung von Zugriffsrechten sowie vorbereitete Notfall- und Wiederherstellungsprozesse.

DDoS-Angriffe

Bei einem DDoS-Angriff werden Server oder Netzwerke mit einer grossen Zahl von Anfragen überlastet. Dadurch können Webseiten und digitale Dienstleistungen zeitweise nicht mehr erreichbar sein.

In der Schweiz waren in den vergangenen Jahren unter anderem Webseiten von Behörden, Unternehmen und Organisationen von solchen Angriffen betroffen.

DDoS-Angriffe können kriminelle, politische oder ideologische Motive haben. Insbesondere im Zusammenhang mit internationalen Konflikten treten sogenannte hacktivistische Gruppierungen auf, die öffentlichkeitswirksame Ziele angreifen.

Obwohl ein DDoS-Angriff nicht zwangsläufig bedeutet, dass interne Daten kompromittiert wurden, kann er erhebliche Auswirkungen auf die Verfügbarkeit digitaler Dienste haben.

Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz beeinflusst die Cybersicherheit sowohl auf Seiten der Angreifer als auch der Verteidiger.

Cyberkriminelle können generative KI einsetzen, um glaubwürdigere Phishing-Nachrichten zu erstellen, Webseiten zu imitieren, Bilder und Videos zu manipulieren oder Stimmen zu kopieren. Sprachliche Fehler, die früher häufig auf Betrugsversuche hinwiesen, verlieren dadurch zunehmend ihre Bedeutung.

Das BACS stellte 2026 fest, dass KI-generierte Texte, Webseiten, Bilder und Videos immer schwieriger von authentischen Inhalten zu unterscheiden sind. Deepfakes können beispielsweise zur Bewerbung betrügerischer Investitionsangebote oder für Erpressungsversuche verwendet werden.[5]

Gleichzeitig kann künstliche Intelligenz zur Erkennung von Anomalien, Schadsoftware, Sicherheitslücken und Angriffsmustern eingesetzt werden. Die Nationale Cyberstrategie berücksichtigt deshalb sowohl die Risiken als auch die Möglichkeiten von KI.[3]

Software-Lieferketten

Moderne IT-Systeme bestehen häufig aus zahlreichen Komponenten verschiedener Hersteller und aus Open-Source-Software. Eine einzelne kompromittierte Bibliothek oder ein manipuliertes Software-Update kann dadurch viele Organisationen gleichzeitig betreffen.

Das BACS beobachtete im zweiten Halbjahr 2025 verstärkt Angriffe auf internationale Software-Lieferketten. Betroffen waren auch Softwarekomponenten, die von Schweizer Unternehmen und Organisationen eingesetzt wurden.[4]

Die Absicherung der Lieferkette gewinnt deshalb an Bedeutung. Unternehmen müssen nicht nur ihre eigenen Systeme schützen, sondern auch die Sicherheitspraktiken ihrer Dienstleister, Cloud-Anbieter und Softwarelieferanten berücksichtigen.

Kritische Infrastrukturen

Besondere Bedeutung hat die Cybersicherheit für kritische Infrastrukturen. Darunter fallen Organisationen und Einrichtungen, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen auf Bevölkerung, Wirtschaft oder Staat haben kann.

Dazu gehören unter anderem Bereiche wie:

  • Energieversorgung;
  • Informations- und Kommunikationstechnologie;
  • Finanzwesen;
  • Versicherungen;
  • Gesundheitsversorgung;
  • öffentliche Verwaltung;
  • Verkehr;
  • Trinkwasserversorgung;
  • Lebensmittelversorgung;
  • Rettungs- und Sicherheitsorganisationen.

Durch die zunehmende Vernetzung industrieller Anlagen verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer Informationstechnik und betriebstechnischen Systemen. Cyberangriffe können dadurch nicht nur Daten betreffen, sondern auch physische Prozesse beeinträchtigen.

Meldepflicht für Cyberangriffe

Am 1. April 2025 trat in der Schweiz eine gesetzliche Meldepflicht für bestimmte Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen in Kraft.[6]

Betroffene Betreiberinnen und Betreiber müssen meldepflichtige Cyberangriffe grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden nach deren Entdeckung dem BACS melden.

Können bei der ersten Meldung noch nicht sämtliche erforderlichen Angaben gemacht werden, können die Informationen innerhalb einer zusätzlichen Frist ergänzt werden. Das BACS stellt hierfür eine elektronische Meldeplattform bereit.

Die gesetzliche Grundlage bildet das Informationssicherheitsgesetz (ISG). Ergänzende Bestimmungen enthält die Verordnung über die Cybersicherheit (CSV).[7]

Die Meldepflicht soll dem Bund ermöglichen, Cyberangriffe schneller zu erkennen, Zusammenhänge zwischen einzelnen Vorfällen festzustellen und andere potenziell betroffene Organisationen zu warnen.

Bis Ende 2025 gingen beim BACS 222 Meldungen im Rahmen der neuen Meldepflicht ein.[8]

Freiwillige Meldungen

Unabhängig von der gesetzlichen Meldepflicht können Privatpersonen, Unternehmen und Behörden Cybervorfälle freiwillig an das BACS melden.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Phishing-Nachrichten;
  • betrügerische Webseiten;
  • gefälschte Online-Shops;
  • Schadsoftware;
  • kompromittierte Benutzerkonten;
  • Anlagebetrug;
  • Erpressungsversuche;
  • verdächtige E-Mails;
  • Sicherheitslücken.

Diese Meldungen helfen dem BACS, Entwicklungen und Angriffswellen frühzeitig zu erkennen.

Im Jahr 2025 verarbeitete das BACS 64'733 freiwillige Meldungen zu Cybervorfällen. Dies waren rund 2'000 mehr als im Vorjahr.[8]

Cyber Security Hub

Der Cyber Security Hub (CSH) ist eine zentrale Plattform des BACS für den Austausch von Informationen über Cyberbedrohungen, Cybervorfälle und Schutzmassnahmen.

Die Plattform vernetzt insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen, Behörden und weitere Organisationen. Im Jahr 2026 waren über 1'600 Organisationen und rund 6'000 Nutzerinnen und Nutzer über den Cyber Security Hub vernetzt.[3]

Der Informationsaustausch soll dazu beitragen, neue Angriffsmuster schneller zu erkennen und Schutzmassnahmen zwischen verschiedenen Branchen zu koordinieren.

Sicherheitslücken und Bug Bounty

Ein weiterer Bereich der Cybersicherheit ist der Umgang mit technischen Schwachstellen.

Das BACS nimmt Meldungen von Sicherheitsforschenden und sogenannten ethischen Hackern entgegen und unterstützt die koordinierte Offenlegung von Schwachstellen. Ziel ist es, betroffene Hersteller oder Organisationen zu informieren und Sicherheitsprobleme zu beheben, bevor sie von Kriminellen ausgenutzt werden.

Im Jahr 2025 wurden dem BACS 525 Schwachstellen durch ethische Hacker gemeldet. Dies entsprach einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr.[8]

Das BACS erfüllt ausserdem Aufgaben als CVE Numbering Authority (CNA) und kann unter bestimmten Voraussetzungen international verwendete CVE-Kennungen für Schwachstellen vergeben.[9]

Datenschutz und Datenlecks

Cybersicherheit und Datenschutz überschneiden sich insbesondere bei Datenlecks.

Nach dem Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG) muss eine verantwortliche Organisation dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) eine Verletzung der Datensicherheit melden, wenn diese voraussichtlich zu einem hohen Risiko für die Persönlichkeit oder die Grundrechte betroffener Personen führen kann.[10]

Eine Meldung an den EDÖB erfüllt einen anderen Zweck als eine Meldung eines Cyberangriffs an das BACS. Je nach Vorfall können daher unterschiedliche gesetzliche Meldepflichten gleichzeitig bestehen.

Betroffene Personen müssen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls informiert werden.

Strafrecht und Cyberkriminalität

Cyberangriffe können nach schweizerischem Recht verschiedene Straftatbestände erfüllen.

Das Schweizerische Strafgesetzbuch (StGB) enthält unter anderem Bestimmungen über:

  • unbefugte Datenbeschaffung;
  • unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem;
  • Datenbeschädigung;
  • betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage.

Das unbefugte Eindringen in ein fremdes, besonders gesichertes Datenverarbeitungssystem wird insbesondere durch Artikel 143bis StGB erfasst. Artikel 144bis betrifft die Datenbeschädigung.[11]

Cyberkriminalität ist häufig grenzüberschreitend. Täter, Server, Zahlungsströme und Opfer können sich in verschiedenen Staaten befinden. Die Strafverfolgung erfordert deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen kantonalen und nationalen Behörden sowie internationalen Partnern.

Kantonale Strafverfolgung

Die strafrechtliche Verfolgung vieler Cyberdelikte liegt aufgrund des föderalistischen Systems bei den Kantonen. Zahlreiche Kantonspolizeien und Staatsanwaltschaften verfügen inzwischen über spezialisierte Einheiten für digitale Ermittlungen und Cyberkriminalität.

Zur besseren Koordination bestehen gesamtschweizerische Kooperationsstrukturen. Dazu gehören unter anderem NEDIK sowie die Gremien Cyber-CASE und Cyber-STRAT. Sie sollen den Informationsaustausch verbessern und die Bearbeitung digitaler Straftaten beschleunigen.[3]

Die Sicherung digitaler Beweismittel spielt bei Cyberdelikten eine zentrale Rolle. Betroffenen Unternehmen wird deshalb empfohlen, bei schweren Vorfällen frühzeitig zu prüfen, ob Polizei oder Staatsanwaltschaft beigezogen werden sollen.

Schweizer Armee

Für die militärische Cybersicherheit ist insbesondere das Kommando Cyber der Schweizer Armee zuständig.

Das Kommando Cyber schützt die einsatzkritische Informations- und Kommunikationstechnik der Armee und erbringt Leistungen im Cyber- und elektromagnetischen Raum. Dazu gehören der Betrieb und Schutz militärischer IKT-Systeme sowie Fähigkeiten zur Analyse und Bewältigung von Cyberbedrohungen.[12]

Das Kommando Cyber nahm in seiner heutigen Organisationsform ebenfalls am 1. Januar 2024 seine Tätigkeit auf.

Die Armee bildet zusätzlich Cyber-Spezialistinnen und Cyber-Spezialisten im Milizsystem aus. Zu ihren Tätigkeiten können die Analyse von Cyberangriffen und Sicherheitslücken, digitale Forensik, Incident Management und die Entwicklung technischer Hilfsmittel gehören.

Cyber-Defence Campus

Der Cyber-Defence Campus (CYD Campus) des Bundesamtes für Rüstung armasuisse verbindet staatliche Stellen mit Hochschulen, Forschung und Industrie.

Er wurde 2019 gegründet und beschäftigt sich insbesondere mit:

  • Früherkennung technologischer Cybertrends;
  • Forschung und Entwicklung;
  • Bewertung neuer Technologien;
  • Ausbildung von Cyberspezialistinnen und Cyberspezialisten;
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen und Start-ups.

Der Campus dient als Wissens- und Innovationsplattform zwischen dem VBS, Wissenschaft und Wirtschaft.[13]

Standorte und Kooperationen im Umfeld von Hochschulen ermöglichen dabei den Austausch zwischen staatlicher Cyberabwehr und der schweizerischen Forschungslandschaft.

Hochschulen und Forschung

Die Schweiz verfügt über ein breit ausgebautes Forschungs- und Ausbildungsumfeld im Bereich Cybersicherheit.

Eine wichtige Rolle spielen unter anderem die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen ETH Zürich und EPFL, Universitäten, Fachhochschulen sowie spezialisierte Forschungszentren.

Forschungsbereiche umfassen beispielsweise:

  • Kryptografie;
  • Netzwerksicherheit;
  • sichere Softwaresysteme;
  • Datenschutztechnologien;
  • digitale Identitäten;
  • Sicherheit industrieller Steuerungssysteme;
  • künstliche Intelligenz;
  • digitale Forensik;
  • Quantenkryptografie.

Der hohe Stellenwert von Banken, Versicherungen, Pharmaindustrie, Industrie und international tätigen Technologieunternehmen führt zusätzlich zu einer bedeutenden privaten Nachfrage nach Fachkräften für Cybersicherheit.

Finanzplatz

Der Finanzplatz Schweiz gehört aufgrund seines hohen Digitalisierungsgrades und der wirtschaftlichen Bedeutung zu den besonders sensiblen Bereichen.

Banken, Versicherungen, Börsen- und Zahlungsinfrastrukturen sind attraktive Ziele für Cyberkriminelle und staatliche Akteure. Mögliche Angriffe reichen von Phishing und Betrug gegen Kundinnen und Kunden bis zu Angriffen auf zentrale IT-Systeme und Dienstleister.

Zur branchenspezifischen Zusammenarbeit besteht unter anderem das Swiss Financial Sector Cyber Security Centre (Swiss FS-CSC). Das BACS arbeitet mit solchen sektorspezifischen Cyber Security Centres zusammen, um Informationen über Bedrohungen auszutauschen und die Widerstandsfähigkeit kritischer Branchen zu erhöhen.[8]

Gesundheitswesen

Auch das Gesundheitswesen ist stark von funktionierenden digitalen Systemen abhängig.

Spitäler, Arztpraxen, Labore, Versicherungen und weitere Gesundheitseinrichtungen verarbeiten besonders sensible Daten. Gleichzeitig können Ausfälle von IT-Systemen direkte Auswirkungen auf medizinische Abläufe haben.

Ransomware, gestohlene Zugangsdaten, kompromittierte Fernzugänge und Angriffe auf externe Dienstleister stellen deshalb besondere Risiken dar.

Für die Zusammenarbeit im Gesundheitssektor wurde ebenfalls ein sektorspezifisches Cyber Security Centre aufgebaut, das mit dem BACS zusammenarbeitet.[8]

Verkehr und Energie

Verkehrs- und Energieinfrastrukturen gehören zu den Bereichen, in denen digitale und physische Systeme besonders eng miteinander verbunden sind.

Bei Eisenbahnen, Strasseninfrastrukturen, Energieversorgern und weiteren technischen Anlagen kommen neben klassischer IT auch industrielle Steuerungs- und Kontrollsysteme zum Einsatz.

Im Juni 2026 beteiligte sich die Schweiz an der europäischen Übung Cyber Europe 2026. Unter Leitung des BACS trainierten Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen die Bewältigung von Cybervorfällen im Bahn- und Schifffahrtssektor.[14]

Solche Übungen sollen insbesondere die Zusammenarbeit zwischen technischen Fachstellen, Management, Behörden und Krisenorganisationen verbessern.

Kantone und Gemeinden

Neben dem Bund tragen auch die Kantone und Gemeinden Verantwortung für ihre eigene Cybersicherheit.

Sie betreiben zahlreiche digitale Verwaltungsdienste, Einwohnerregister, Steuer- und Finanzsysteme, Schulen und kommunale Infrastrukturen. Gerade kleinere Gemeinden verfügen jedoch teilweise nur über begrenzte personelle und technische Ressourcen.

Das BACS entwickelte deshalb unter anderem Instrumente zur Beurteilung der Cyberresilienz. Ein solches Assessment wurde 2026 erstmals unter realen Bedingungen im Kanton Aargau erprobt. Dabei zeigte sich, dass grundlegende Schutzmassnahmen bei vielen Organisationen vorhanden waren, jedoch teilweise noch umfassende und prozessorientierte Resilienzkonzepte fehlten.[15]

Kleine und mittlere Unternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden einen grossen Teil der Schweizer Wirtschaft und sind ebenfalls Ziel von Cyberangriffen.

Für Angreifer sind nicht nur grosse Konzerne interessant. Gerade kleinere Unternehmen verfügen teilweise über weniger spezialisierte Sicherheitsressourcen, während Betriebsunterbrechungen oder Datenverluste erhebliche wirtschaftliche Folgen haben können.

Zu den grundlegenden Schutzmassnahmen gehören:

  • regelmässige Sicherheitsupdates;
  • Mehrfaktor-Authentisierung;
  • sichere und getrennte Datensicherungen;
  • restriktive Benutzerrechte;
  • Schulung der Mitarbeitenden;
  • Schutz von Fernzugängen;
  • klare Prozesse für Zahlungsfreigaben;
  • Überprüfung externer IT-Dienstleister;
  • vorbereitete Notfallpläne;
  • regelmässige Tests der Wiederherstellung.

Das BACS stellt hierzu Empfehlungen, Checklisten und Informationsmaterial für Unternehmen zur Verfügung.[16]

Bevölkerung

Auch Privatpersonen spielen bei der Cybersicherheit eine wichtige Rolle. Viele Angriffe zielen nicht auf technische Sicherheitslücken, sondern auf menschliches Verhalten.

Betrüger versuchen beispielsweise, Opfer durch Zeitdruck, Angst, Vertrauen oder scheinbar attraktive Angebote zu einer Handlung zu bewegen.

Das BACS empfiehlt unter anderem, Betriebssysteme und Programme aktuell zu halten, unterschiedliche Passwörter zu verwenden, Mehrfaktor-Authentisierung zu aktivieren und wichtige Daten regelmässig zu sichern.

Bei unerwarteten Nachrichten sollte besonders sorgfältig geprüft werden, ob Absender, Internetadresse und Inhalt tatsächlich vertrauenswürdig sind. Zahlungs- oder Login-Aufforderungen sollten im Zweifelsfall über einen bekannten und unabhängig aufgerufenen Kommunikationskanal überprüft werden.[17]

Internationale Zusammenarbeit

Cyberangriffe halten sich nicht an Staatsgrenzen. Internationale Zusammenarbeit ist deshalb ein zentraler Bestandteil der Schweizer Cyberpolitik.

Die Schweiz beteiligt sich unter anderem an internationalen Dialogen, Übungen und Initiativen im Rahmen europäischer und globaler Organisationen. Sie engagiert sich in Prozessen der UNO und der OSZE und arbeitet mit ausländischen Cyber- und Strafverfolgungsbehörden zusammen.[3]

Auch Genf besitzt als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen eine besondere Bedeutung für die internationale Cyberdiplomatie. Veranstaltungen und Initiativen im Raum Genf sollen den Austausch zwischen Staaten, internationalen Organisationen, Wissenschaft und Privatwirtschaft fördern.

Cyberresilienz

Neben der Verhinderung von Angriffen gewinnt der Begriff Cyberresilienz an Bedeutung.

Vollständige Sicherheit lässt sich in komplexen digitalen Systemen nicht garantieren. Organisationen müssen deshalb davon ausgehen, dass Sicherheitsvorfälle trotz Schutzmassnahmen auftreten können.

Cyberresilienz bedeutet, einen Angriff frühzeitig erkennen, dessen Auswirkungen begrenzen, kritische Funktionen aufrechterhalten und Systeme anschliessend kontrolliert wiederherstellen zu können.

Dazu gehören insbesondere:

  • Inventarisierung wichtiger Systeme;
  • Risikoanalysen;
  • Überwachung und Angriffserkennung;
  • Notfallorganisation;
  • Datensicherungen;
  • Wiederherstellungspläne;
  • Krisenkommunikation;
  • Übungen und Tests;
  • klare Zuständigkeiten;
  • Zusammenarbeit mit externen Partnern.

Das BACS entwickelte hierzu eine Cybersicherheits- und Resilienzmethode (CSRM) sowie weitere Hilfsmittel für Organisationen.[8]

Aktuelle Lage

Die Cyberbedrohungslage gegen die Schweiz blieb auch 2025 und 2026 auf hohem Niveau.

Der Halbjahresbericht des BACS für die zweite Hälfte 2025 beschrieb zunehmend gezielte und komplexe Angriffe. Neben Ransomware und Phishing spielten insbesondere Angriffe auf Software-Lieferketten sowie kompromittierte, internetfähige Geräte eine grössere Rolle.[4]

Bei den meldepflichtigen Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen dominierten im zweiten Halbjahr 2025 Hacking-Vorfälle und DDoS-Angriffe. Daneben wurden unter anderem der Diebstahl von Zugangsdaten, Malware, Datenabfluss und Ransomware gemeldet.[4]

Im Jahr 2026 rückte zusätzlich der Missbrauch künstlicher Intelligenz stärker in den Fokus. Das BACS berichtete über KI-generierte Betrugsinhalte, Deepfakes, gefälschte Videokonferenzen und zunehmend professionell gestaltete betrügerische Webseiten.[5]

Gleichzeitig beurteilt das BACS die Cyberresilienz der Schweiz insgesamt als grösstenteils robust. Digitale Abhängigkeiten zwischen Organisationen, Branchen und Staaten bleiben jedoch eine zentrale Herausforderung.[4]

Herausforderungen

Die langfristige Stärkung der Cybersicherheit in der Schweiz wird durch mehrere Entwicklungen geprägt.

Eine Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Gleichzeitig erhöht die wachsende Zahl vernetzter Geräte die potenzielle Angriffsfläche. Cloud-Dienste und komplexe Software-Lieferketten schaffen neue Abhängigkeiten, während Angreifer bekannte Schwachstellen zunehmend automatisiert ausnutzen können.

Weitere Herausforderungen sind die Sicherheit kritischer Infrastrukturen, der Schutz kleiner Unternehmen und Gemeinden, die zunehmende Professionalisierung der Cyberkriminalität und die rasche Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, Sicherheitsanforderungen mit wirtschaftlicher Innovation, Benutzerfreundlichkeit, Datenschutz und offenen digitalen Systemen in Einklang zu bringen.

Die schweizerische Cyberpolitik setzt deshalb zunehmend auf Zusammenarbeit: Staatliche Stellen allein können die Sicherheit des Cyberraums ebenso wenig gewährleisten wie einzelne Unternehmen. Entscheidend sind der Austausch von Informationen, gemeinsame Standards, Ausbildung und die Fähigkeit, auf Vorfälle koordiniert zu reagieren.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Bundesamt für Cybersicherheit: Bundesamt für Cybersicherheit, abgerufen am 15. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Bundesamt für Cybersicherheit: Nationale Cyberstrategie NCS, abgerufen am 15. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Bundesrat: Fortschritte bei der Stärkung der Cybersicherheit, 20. Mai 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Bundesamt für Cybersicherheit: Halbjahresbericht 2025/2, 30. März 2026.
  5. 5,0 5,1 Bundesamt für Cybersicherheit: Aktuelle Beiträge zu Cyberbedrohungen und künstlicher Intelligenz, abgerufen am 15. August 2026.
  6. Bundesamt für Cybersicherheit: Gesetzliche Grundlagen zur Meldepflicht, abgerufen am 15. August 2026.
  7. Bundesgesetz über die Informationssicherheit beim Bund (Informationssicherheitsgesetz, ISG).
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 Bundesamt für Cybersicherheit: Jahresbericht 2025, 16. Februar 2026.
  9. Bundesamt für Cybersicherheit: CVE-Liste, abgerufen am 15. August 2026.
  10. Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter: FAQ Datenschutz – Meldung eines Datenlecks, abgerufen am 15. August 2026.
  11. Schweizerisches Strafgesetzbuch.
  12. Schweizer Armee: Kommando Cyber, abgerufen am 15. August 2026.
  13. Cyber-Defence Campus: Über den Cyber-Defence Campus, abgerufen am 15. August 2026.
  14. Bundesamt für Cybersicherheit: «Cyber Europe»-Übung 2026, 12. Juni 2026.
  15. Bundesamt für Cybersicherheit: Cyberresilienz-Assessment für Gemeinden und Unternehmen, 25. Juni 2026.
  16. Bundesamt für Cybersicherheit: Informationen für Unternehmen, abgerufen am 15. August 2026.
  17. Bundesamt für Cybersicherheit: Informationen für Private, abgerufen am 15. August 2026.