Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans
Die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans, auch Walenseelinie genannt, ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in der Ostschweiz. Sie verbindet den Bahnhof Ziegelbrücke mit dem Bahnhof Sargans und verläuft über weite Strecken entlang des Walensees sowie durch das Seeztal. Die rund 33,6 Kilometer lange Strecke bildet einen wichtigen Abschnitt der Eisenbahnverbindung von Zürich nach Chur und ist zugleich Teil einer bedeutenden Verkehrsachse in Richtung Liechtenstein, Vorarlberg und Österreich.
| Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans | |
|---|---|
| Andere Bezeichnung | Walenseelinie |
| Streckenanfang | Ziegelbrücke |
| Streckenende | Sargans |
| Länge | ca. 33,6 km |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Eröffnung | 1859 |
| Eigentümer | SBB |
| Streckennummer | 890 |
| Fahrplanfeld | 900 |
| Höchstgeschwindigkeit | abschnittsweise bis 160 km/h |
Bedeutung
Die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans gehört zu den wichtigsten Eisenbahnverbindungen zwischen dem Raum Zürich und der Ostschweiz beziehungsweise Graubünden. In Ziegelbrücke schliesst sie an die von Zürich und Pfäffikon SZ kommende Strecke an. In Sargans bestehen Verbindungen in Richtung Chur sowie über das St. Galler Rheintal nach Buchs SG, Liechtenstein und Österreich.
Die Strecke wird sowohl vom Fern- und Regionalverkehr als auch vom Güterverkehr genutzt. Damit erfüllt sie gleichzeitig eine überregionale und eine lokale Funktion. Für die Gemeinden am Walensee und im Seeztal stellt sie eine zentrale Verbindung zu den regionalen Zentren und zum schweizerischen Fernverkehrsnetz dar.
Aufgrund ihrer Lage zwischen dem Walensee und den steilen Hängen des Kerenzerbergs war der Bau der Strecke technisch anspruchsvoll. Zahlreiche Tunnel, Brücken und spätere Linienverlegungen prägen ihre Geschichte.
Streckenverlauf
Die Strecke beginnt im Bahnhof Ziegelbrücke, einem bedeutenden Eisenbahnknoten an der Grenze der Kantone St. Gallen und Glarus. Hier treffen die Bahnlinien aus Richtung Zürich, Rapperswil, Linthal und Sargans zusammen.
Vom Bahnhof Ziegelbrücke führt die Strecke ostwärts durch den Biberlikopftunnel. Anschliessend überquert sie den Linthkanal und führt durch die Ebene am westlichen Ende des Walensees.
Westlich von Mühlehorn verläuft die heutige Bahn durch den mehrere Kilometer langen Kerenzerbergtunnel. Dieser Tunnel ersetzte einen besonders kurvenreichen und engen Abschnitt der ursprünglichen Strecke unmittelbar am Nordufer des Walensees.
In Mühlehorn erreicht die Bahn wieder das Seeufer. Danach folgt sie dem Walensee über Murg und Unterterzen bis Walenstadt. Die Streckenführung bietet auf mehreren Abschnitten einen direkten Blick auf den See und auf die gegenüberliegenden Churfirsten.
Ab Walenstadt verlässt die Bahn das unmittelbare Seeufer und führt durch das breite Seeztal. Über Flums und Mels erreicht sie schliesslich Sargans.
Im Bahnhof Sargans trifft die Strecke auf die Rheintallinie. Züge können von hier einerseits nach Bad Ragaz, Landquart und Chur, andererseits in Richtung Buchs SG und St. Gallen weiterfahren.
Bahnhöfe und Haltestellen
Entlang der Strecke befinden sich heute folgende für den Personenverkehr genutzte Stationen:
Die Stationen Unterterzen und Walenstadt besitzen neben ihrer Funktion für die Bevölkerung auch touristische Bedeutung. Unterterzen ist insbesondere ein Zugang zum Ferien- und Wintersportgebiet Flumserberg. In der Nähe mehrerer Stationen bestehen zudem Anschlüsse an die Schifffahrt auf dem Walensee oder an regionale Bus- und Seilbahnangebote.
Der frühere Bahnhof Weesen gehört nicht mehr zu den im regulären Personenverkehr bedienten Stationen. Die Erschliessung von Weesen erfolgt heute vor allem über Busverbindungen vom Bahnhof Ziegelbrücke.
Geschichte
Bau durch die Vereinigten Schweizerbahnen
Die heutige Strecke entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts während der ersten grossen Ausbauphase des schweizerischen Eisenbahnnetzes. Bauherrin war die Vereinigte Schweizerbahnen (VSB).
Die verschiedenen Abschnitte wurden nicht gleichzeitig eröffnet. Am 15. Februar 1859 nahmen die VSB den Verkehr zwischen Sargans und Murg sowie zwischen Ziegelbrücke und Weesen auf. Die noch fehlende Verbindung zwischen Weesen und Murg folgte am 1. Juli 1859. Damit bestand erstmals eine durchgehende Eisenbahnverbindung entlang des Walensees.[1]
Die Strecke war Teil eines grösseren Netzes der Vereinigten Schweizerbahnen. Bereits am 1. Juli 1858 war die Bahnverbindung zwischen Sargans und Chur eröffnet worden. Nach der Fertigstellung der Walenseelinie konnten Züge aus Richtung Zürich über Ziegelbrücke und Sargans nach Chur geführt werden.
In den ersten Jahrzehnten war die Verkehrsführung nach Zürich jedoch anders als heute. Schnellzüge benutzten zunächst die Verbindung über Rapperswil und Uster. Die direktere Verbindung über Pfäffikon SZ, Wädenswil und Thalwil entstand erst mit dem weiteren Ausbau des Netzes der Schweizerischen Nordostbahn (NOB).
Übergang an die SBB
Im Zuge der Verstaatlichung der grossen privaten Eisenbahngesellschaften gingen die Vereinigten Schweizerbahnen 1902 in den neu geschaffenen Schweizerischen Bundesbahnen auf. Damit gelangte auch die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans in den Besitz der SBB.
Die neue Staatsbahn begann in den folgenden Jahrzehnten mit der Modernisierung der Strecke. Dazu gehörten die Elektrifizierung, der Ausbau auf Doppelspur und verschiedene Neutrassierungen.
Elektrifizierung
Die Walenseelinie wurde im Rahmen des grossen Elektrifizierungsprogramms der SBB in den 1920er-Jahren elektrifiziert. Seit 1927 wird die Strecke mit dem bei den SBB üblichen Einphasen-Wechselstromsystem betrieben.
Die Fahrleitung wird mit 15 Kilovolt bei heute 16,7 Hertz gespeist. Die Elektrifizierung ermöglichte den Ersatz der Dampflokomotiven und erleichterte insbesondere die Führung schwerer Personen- und Güterzüge auf der wichtigen Ost-West-Verbindung.
Ausbau und Neutrassierungen
Die ursprüngliche Bahnlinie war weitgehend einspurig und folgte stellenweise sehr eng dem Ufer des Walensees. Besonders der Abschnitt am Kerenzerberg erforderte zahlreiche kleine Tunnel und Kunstbauten.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Strecke deshalb schrittweise ausgebaut. Archivbestände von SBB Historic dokumentieren unter anderem den Doppelspurausbau zwischen Flums, Walenstadt, Unterterzen und Murg sowie die umfangreichen Arbeiten zwischen Ziegelbrücke, Gäsi und dem Kerenzerberg.[2]
1941 wurde die Linienführung beim Bommerstein östlich von Mols verändert. Dabei entstand ein neuer beziehungsweise verlängerter Bommersteintunnel.
Einen besonders bedeutenden Schritt stellte die Eröffnung des neuen doppelspurigen Kerenzerbergtunnels 1961 dar. Der Tunnel ermöglichte es, die alte, kurvenreiche Bahnstrecke entlang des steilen Nordufers zwischen dem Raum Gäsi und Mühlehorn aufzugeben.
Teile des früheren Bahntrassees wurden später für den Ausbau der Walenseestrasse verwendet. Die historische Linienführung der Eisenbahn beeinflusste damit auch die Entwicklung der heutigen Strassenverbindung entlang des Walensees.
Neutrassierung bei Weesen
Ende der 1960er-Jahre erfolgte eine weitere umfangreiche Neugestaltung der Strecke westlich des Walensees. 1969 wurde die Bahn zwischen dem Kerenzerbergtunnel und Ziegelbrücke neu trassiert.
Im Rahmen dieser Arbeiten entstanden unter anderem der Biberlikopftunnel und eine neue Querung des Linthkanals. Gleichzeitig wurde der Bahnhof Weesen von seiner früheren Lage nördlich des Linthkanals auf die Südseite verlegt.
Die neue Linienführung war geradliniger und besser für den modernen Eisenbahnbetrieb geeignet. Der Bahnhof Weesen verlor später zunehmend an Bedeutung und wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 für den regulären Personenverkehr aufgegeben.
Doppelspur
Die Bahnstrecke ist heute grösstenteils doppelspurig. Zwischen Ziegelbrücke und Mühlehorn sowie vom Bereich Tiefenwinkel östlich von Murg bis Sargans stehen grundsätzlich zwei Streckengleise zur Verfügung.
Ein kurzer Abschnitt im Raum Mühlehorn–Tiefenwinkel ist weiterhin einspurig. Dieser Abschnitt stellt betrieblich eine Besonderheit innerhalb der ansonsten weitgehend zweigleisigen Verbindung zwischen Zürich und Sargans dar.
Der Doppelspurausbau erfolgte über mehrere Jahrzehnte und erforderte wegen der schwierigen topografischen Verhältnisse am Walensee erhebliche bauliche Eingriffe.
Kerenzerbergtunnel
Der Kerenzerbergtunnel ist das bedeutendste Kunstbauwerk der Strecke. Der heutige Eisenbahntunnel ist knapp vier Kilometer lang und führt durch den Kerenzerberg zwischen dem westlichen Walenseegebiet und Mühlehorn.
Vor seiner Eröffnung verlief die Bahn unmittelbar entlang des steilen Seeufers. Dort waren mehrere kleinere Tunnel notwendig, darunter der Hechlenhorn-, Glattwand-, Standenhorn- und Weisswandtunnel.
Die alte Linienführung war landschaftlich spektakulär, aus betrieblicher Sicht jedoch ungünstig. Enge Kurven, die Nähe zum See und die Gefahr von Steinschlag erschwerten einen leistungsfähigen Eisenbahnbetrieb.
Mit dem neuen Kerenzerbergtunnel konnte die Strecke wesentlich geradliniger und leistungsfähiger gestaltet werden. Die alte Bahntrasse wurde anschliessend teilweise für den Strassenverkehr umgebaut.
Sarganser Verbindungsschleife
Für den internationalen Verkehr in Richtung Österreich besitzt die Verbindungsschleife bei Sargans eine besondere Bedeutung.
Züge aus Richtung Ziegelbrücke, die über Buchs SG und Feldkirch nach Österreich weiterfahren, müssten aufgrund der ursprünglichen Gleisgeometrie im Bahnhof Sargans die Fahrtrichtung wechseln. Um diese Spitzkehre zu vermeiden, wurde eine direkte Verbindung zwischen der Walenseelinie und der Rheintallinie in Richtung Trübbach gebaut.
Die rund 5,3 Kilometer lange Sarganser Schleife wurde am 29. Mai 1983 eröffnet. Sie wurde vor allem im Hinblick auf den Güter- und internationalen Fernverkehr geschaffen und ermöglicht direkte Fahrten zwischen Zürich und Buchs SG beziehungsweise Österreich ohne Fahrtrichtungswechsel in Sargans.
Die Verbindung wird auch von Reisezügen benutzt, die Sargans umfahren.
Personenverkehr
Die Bahnstrecke ist Bestandteil der wichtigen Fernverkehrsachse Zürich–Sargans–Chur. Fernverkehrszüge verbinden den Raum Zürich über Ziegelbrücke und Sargans mit Graubünden.
Zu den regelmässigen Angeboten gehört der InterRegio IR35, der über die Walenseelinie zwischen Zürich und Chur beziehungsweise auf weiterführenden Relationen verkehrt. Die genaue Linienführung und die Halte einzelner Fernverkehrszüge können sich mit den Fahrplanperioden ändern.[3]
Im Regionalverkehr wird die Strecke durch die S-Bahn St. Gallen erschlossen. Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt die Linie S17 auf der Verbindung Sargans–Ziegelbrücke–Uznach–Rapperswil und bedient die regionalen Stationen entlang der Walenseelinie.[4]
Die Kombination aus Regional- und Fernverkehr ermöglicht an mehreren Stationen Anschlüsse in Richtung Zürich, Chur, Rapperswil, Glarnerland und St. Galler Rheintal.
Güterverkehr
Neben dem Personenverkehr besitzt die Bahnstrecke eine wichtige Funktion im Güterverkehr. Sie verbindet den Wirtschaftsraum Zürich und den Rangierbahnhof Limmattal mit dem St. Galler Rheintal sowie mit dem Grenzübergang bei Buchs SG.
Über Buchs und Feldkirch besteht eine Verbindung zum österreichischen Eisenbahnnetz. Güterzüge in Richtung Vorarlberg, Tirol und weiter nach Österreich nutzen deshalb regelmässig die Achse Ziegelbrücke–Sargans.
Die Sarganser Verbindungsschleife ermöglicht es diesen Zügen, den Bahnhof Sargans ohne Fahrtrichtungswechsel zu umfahren. Dies vereinfacht insbesondere den Betrieb langer Güterzüge.
Landschaftliche Bedeutung
Die Walenseelinie gehört wegen ihrer Lage zu den landschaftlich markanten Eisenbahnstrecken der Schweiz. Zwischen Mühlehorn und Walenstadt verläuft sie unmittelbar am Walensee.
Auf der gegenüberliegenden Seeseite erhebt sich die steile Bergkette der Churfirsten. Besonders charakteristisch sind die Abschnitte bei Murg und Unterterzen, wo Bahn, See und Berghänge eng aufeinander treffen.
Die Eisenbahn trug seit dem 19. Jahrhundert wesentlich zur besseren Erschliessung der Walenseeregion bei. Der Bau der Linie beschleunigte den Personen- und Güterverkehr und verringerte die frühere Bedeutung des Schiffsverkehrs als wichtigstes Transportmittel entlang des Sees.[1]
Touristische Bedeutung
Die Strecke erschliesst mehrere touristisch bedeutende Gebiete. Unterterzen dient als Ausgangspunkt für Fahrten auf den Flumserberg. Von der Nähe des Bahnhofs führt eine Luftseilbahn über den Walensee hinauf nach Flumserberg.
Walenstadt bildet einen Zugang zu den Churfirsten und zu verschiedenen Wandergebieten. Murg ist Ausgangspunkt für Wanderungen in die Umgebung des Murgtals und der Murgseen.
Die Kombination aus Eisenbahn, Schifffahrt, Buslinien und Bergbahnen macht die Walenseelinie auch für den Freizeitverkehr bedeutend.
Technische Merkmale
Die Bahnstrecke ist in Normalspur mit einer Spurweite von 1435 Millimetern ausgeführt und mit 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom elektrifiziert.
Die Strecke ist überwiegend zweigleisig. Auf modernisierten Abschnitten sind Geschwindigkeiten von bis zu etwa 160 km/h möglich. Aufgrund der topografischen Verhältnisse, der Kurven und des kurzen einspurigen Abschnitts gelten lokal niedrigere Geschwindigkeiten.
Die Strecke ist für einen gemischten Betrieb aus Fernverkehrs-, Regional- und Güterzügen ausgelegt. Dies stellt hohe Anforderungen an Fahrplanplanung und Infrastrukturkapazität.
Bedeutung im Schweizer Bahnnetz
Gemeinsam mit der Strecke Zürich–Thalwil–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke und der Strecke Sargans–Chur bildet die Walenseelinie die klassische Eisenbahnachse zwischen Zürich und Graubünden.
Darüber hinaus ist sie ein Teil der Verbindung zwischen der Nord- und Ostschweiz sowie dem österreichischen Vorarlberg. Ihre Funktion reicht deshalb deutlich über die regionale Erschliessung des Walensees und des Seeztals hinaus.
Die Bahnhöfe Ziegelbrücke und Sargans übernehmen dabei eine wichtige Knotenfunktion: Ziegelbrücke stellt Verbindungen zum Glarnerland, nach Rapperswil und Zürich her, während Sargans die Verkehrsströme nach Chur, ins Rheintal und in Richtung Österreich verknüpft.
Siehe auch
- Bahnhof Ziegelbrücke
- Bahnhof Sargans
- Walensee
- Kerenzerberg
- Schweizerische Bundesbahnen
- Vereinigte Schweizerbahnen
- S-Bahn St. Gallen
- Eisenbahnverkehr in der Schweiz
- Bahnstrecke Sargans–Chur
- Bahnstrecke Zürich–Ziegelbrücke
Literatur
- Hans Karl Pfyffer: Bahnen in der Region Glarnerland und Walensee. Minirex, Luzern 2004, ISBN 978-3-907014-20-2.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
Weblinks
- Schweizerische Bundesbahnen (SBB)
- SBB Historic – Historisches Archiv
- Tarifverbund OSTWIND und Liniennetz der Ostschweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Historisches Lexikon der Schweiz: Walensee, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ SBB Historic: Archivplansuche – Doppelspurausbauten im Raum Walensee und Ziegelbrücke, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Schweizerische Bundesbahnen: Direktverbindungen Fernverkehr von Ziegelbrücke nach Sargans, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ SBB: Liniennetzplan S-Bahn St. Gallen 2026, gültig ab 14. Dezember 2025.