Zürcher Rathaus

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Zürcher Rathaus
Bezeichnung Rathaus Zürich
Standort Altstadt, Zürich
Adresse Limmatquai 55
8001 Zürich
Bauzeit 1694–1698
Einweihung 22. Juni 1698
Baustil Spätrenaissance mit barocken Elementen
Bauherrschaft Stadtrepublik Zürich
Bauleitung obrigkeitliche Baukommission unter Hans Heinrich Holzhalb
Eigentümer Kanton Zürich
Eigentum des Kantons seit 1803
Hauptnutzung Parlaments- und Repräsentationsgebäude
Nutzer Kantonsrat Zürich, Gemeinderat Zürich, Kirchenparlamente
Schutzstatus Schutzobjekt von nationaler und kantonaler Bedeutung
Aktueller Ratsbetrieb seit 2023 im provisorischen Rathaus Hard

Das Zürcher Rathaus, auch Rathaus Zürich genannt, ist ein historisches Parlaments- und Repräsentationsgebäude im Zentrum der Stadt Zürich. Es steht am Limmatquai 55 unmittelbar über der Limmat und gehört zu den bedeutendsten historischen politischen Bauwerken der Schweiz. Das heutige Gebäude entstand zwischen 1694 und 1698 an der Stelle zweier älterer hölzerner Rathausbauten.[1]

Das Rathaus wurde von der damaligen Stadtrepublik Zürich errichtet. Seit der Trennung des Vermögens von Stadt und Kanton im Jahr 1803 befindet es sich im Eigentum des Kantons Zürich. Neben dem Kantonsrat nutzte auch der Gemeinderat der Stadt Zürich den grossen Ratssaal. Zudem hielten die Synoden der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Körperschaften des Kantons hier ihre Sitzungen ab.[2]

Seit Anfang 2023 finden die regulären Sitzungen von Kantonsrat, Gemeinderat und Kirchenparlamenten vorübergehend im Rathaus Hard in der Bullingerkirche in Aussersihl statt. Hintergrund sind die geplante Gesamtinstandsetzung des historischen Rathauses und der Ersatz der benachbarten Rathausbrücke. Die Planung der Rathausinstandsetzung verzögerte sich jedoch wegen denkmalpflegerischer Fragen.[3]

Lage

Das Rathaus befindet sich im Kreis 1 am rechten Ufer der Limmat. Es steht nicht lediglich am Fluss, sondern teilweise direkt über ihm: Der Baukörper ruht auf Fundamenten im Bereich des Flussbetts.

Die Hauptfassade ist zum Limmatquai orientiert. Auf der gegenüberliegenden Seite der Limmat liegen der Weinplatz und die westliche Zürcher Altstadt. Unmittelbar südlich beziehungsweise südwestlich verbindet die Rathausbrücke die beiden Seiten der Altstadt.

Die Lage gehört zu den geschichtlich bedeutendsten Orten Zürichs. Schon die mittelalterlichen Vorgängerbauten des Rathauses standen an derselben Stelle und machten den Bereich zu einem Zentrum der städtischen politischen Macht.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich unter anderem:

Das Zürcher Rathaus darf nicht mit dem Stadthaus Zürich am Stadthausquai verwechselt werden. Das Stadthaus ist ein wichtiges Verwaltungsgebäude der Stadt Zürich, während das historische Rathaus vor allem parlamentarischen und repräsentativen Zwecken dient.

Vorgängerbauten

Am heutigen Standort bestanden bereits vor dem Bau von 1694 zwei hölzerne Rathausbauten.[1]

Das Rathaus war im mittelalterlichen Zürich nicht nur Verwaltungsgebäude, sondern politisches Zentrum der Stadt. Hier versammelten sich die städtischen Räte, wurden politische Entscheidungen getroffen und staatliche beziehungsweise kommunale Geschäfte behandelt.

Mit dem wirtschaftlichen und politischen Bedeutungsgewinn Zürichs genügte das ältere Rathaus den repräsentativen Ansprüchen der Obrigkeit zunehmend nicht mehr.

Besonders nach der Mitte des 17. Jahrhunderts wuchs der Wunsch nach einem steinernen Neubau, der die politische Stellung Zürichs sichtbar zum Ausdruck bringen sollte.

Politischer Hintergrund des Neubaus

Eine wichtige Voraussetzung für den Neubau war die veränderte staatsrechtliche Stellung der Eidgenossenschaft nach dem Westfälischen Frieden von 1648.

Mit der Anerkennung der schweizerischen Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich verstand sich Zürich zunehmend als souveräne Stadtrepublik. Die politische Elite wollte diesen Anspruch auch architektonisch sichtbar machen.[1]

Trotz einer wirtschaftlichen Krise in den Jahren 1688 bis 1693 entschied die Zürcher Obrigkeit, ein neues repräsentatives Rathaus zu errichten.

Der Bau sollte die Selbständigkeit und politische Bedeutung Zürichs verkörpern, gleichzeitig aber der in der Stadt verbreiteten Vorstellung von Zurückhaltung und Sparsamkeit entsprechen.

Bau 1694 bis 1698

Die Bauarbeiten begannen 1694. Planung und Ausführung wurden einer obrigkeitlichen Baukommission übertragen, die unter der Leitung von Hans Heinrich Holzhalb stand.[1]

Der Neubau entstand unmittelbar am Standort seiner Vorgänger und wurde auf massiven Fundamenten über beziehungsweise in der Limmat errichtet.

Nach einer Bauzeit von etwa vier Jahren wurde das Rathaus am 22. Juni 1698 offiziell eingeweiht.[1]

Das Gebäude erfüllte gleichzeitig politische, administrative und repräsentative Funktionen. Die verschiedenen Räume wurden für Sitzungen der Räte, Beratungen, Empfänge und andere staatliche Anlässe genutzt.

Architektur

Das Rathaus ist ein dreigeschossiger Steinbau mit einem mächtigen Walmdach. Seine architektonische Grundhaltung wird der Spätrenaissance zugerechnet, weist jedoch bereits zahlreiche barocke Elemente auf.[1]

Charakteristisch ist die reich gegliederte Sandsteinfassade. Trotz ihres repräsentativen Anspruchs wirkt sie im Vergleich zu vielen barocken Regierungspalästen anderer europäischer Staaten relativ zurückhaltend.

Die Architektur verbindet damit zwei unterschiedliche Ansprüche: Einerseits sollte die Souveränität der Zürcher Stadtrepublik sichtbar werden, andererseits wollte die Obrigkeit kein übermässig prunkvolles Residenzgebäude schaffen.

Besonders charakteristisch sind:

  • die symmetrisch gegliederten Fassaden;
  • die regelmässigen Fensterachsen;
  • die ornamentalen Steinmetzarbeiten;
  • das repräsentative Hauptportal;
  • das hohe Walmdach;
  • die unmittelbare Lage über der Limmat.

Hauptportal

Das Portal an der Seite des Limmatquais gehört zu den auffälligsten architektonischen Elementen des Rathauses.

Es besteht aus schwarzem Richterswiler Malmkalk. Korinthische Säulen rahmen den Eingang ein.[1]

Über dem Portal halten zwei Löwen den Zürcher Wappenschild. Die Tiere tragen einen Palmwedel und ein Schwert. Der Palmwedel symbolisiert den Frieden, das Schwert die staatliche Gewalt.

Damit bringt bereits der Eingang zentrale Vorstellungen des frühneuzeitlichen Staatsverständnisses zum Ausdruck: Die Obrigkeit sollte den Frieden sichern, verfügte dafür aber gleichzeitig über die notwendige Staatsgewalt.

Innenräume

Im Inneren besitzt das Rathaus zahlreiche historisch und kunstgeschichtlich bedeutende Räume. Teile der Ausstattung stammen unmittelbar aus der Bauzeit, andere wurden bei späteren Umbauten ergänzt.

Zu den wichtigsten Räumen gehören:

  • Eingangshalle;
  • Südzimmer;
  • Festsaal;
  • Foyer beziehungsweise ehemalige Ratslaube;
  • grosser Ratssaal;
  • Regierungsratssaal.

Stuckdecken, Holzvertäfelungen, historische Kachelöfen, Porträts, Glasmalereien und politische Sinnsprüche verleihen dem Gebäude seinen besonderen Charakter.

Eingangshalle

Die Eingangshalle erschliesst die verschiedenen Stockwerke und Räume.

Ihre Grundstruktur stammt aus der Bauzeit von 1698. Das heutige Erscheinungsbild entstand jedoch wesentlich bei einer Umgestaltung im Jahr 1868. Damals wurden unter anderem die Stuckdecke und graue Stuckmarmorsäulen eingebaut.[1]

Über verschiedenen Portalen befinden sich lateinische Inschriften.

Im Vestibül steht zudem eine Büste des Schriftstellers und Zürcher Staatsschreibers Gottfried Keller. Das bronzene Werk wurde 1979 nach einem älteren Gipsmodell angefertigt.

Seit 1938 befindet sich in der Eingangshalle ausserdem ein Satz aus Kellers Bettagsmandat von 1862:

«Lass unser Vaterland niemals im Streit um das Brot geschweige denn im Streit um Vorteil und Überfluss untergehen.»

Südzimmer

Das Südzimmer im Erdgeschoss gehört zu den am besten erhaltenen Räumen aus der Bauzeit.

Seine Ausstattung umfasst eine 1697 vollendete kassettierte Stuckdecke und eine aufwendige Nussbaumtäferung von 1698.[1]

Hinzu kommt ein Kachelofen aus dem Jahr 1798.

Der Raum wurde vor der Verlagerung des Ratsbetriebs unter anderem für Sitzungen einzelner Kommissionen des Kantonsrates, Besprechungen von Fraktionen und andere politische Zusammenkünfte verwendet.

Festsaal

Der Festsaal im Erdgeschoss zählt zu den bedeutendsten barocken Innenräumen des Gebäudes.

Sein Erscheinungsbild ist seit der Fertigstellung des Rathauses 1698 weitgehend erhalten geblieben.[1]

Besonders auffällig ist die reich plastisch gestaltete Stuckdecke. Ihre allegorischen Darstellungen beziehen sich auf politische und moralische Werte wie Gerechtigkeit, Mässigung, Stärke und Weisheit.

Im Festsaal befindet sich ausserdem eine historische Standestafel aus dem Jahr 1567. Sie zeigt die Zürcher Standesschilde zusammen mit dem bekrönten Wappen des Heiligen Römischen Reichs und erinnert damit an die frühere Stellung Zürichs als Reichsstadt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Ausstattung ist ein 1753 durch die Zürcher Manufaktur von Leonhard Locher geschaffener Turmofen.

Der Festsaal diente unter anderem für offizielle Empfänge, Bankette, Medienkonferenzen und Kommissionssitzungen.

Foyer und Ratslaube

Vor dem grossen Ratssaal im ersten Obergeschoss befindet sich das Foyer, das historisch als Ratslaube bezeichnet wurde.

Während des regulären Parlamentsbetriebs war dieser Raum ein wichtiger informeller Treffpunkt der politischen Akteurinnen und Akteure. Gespräche zwischen Mitgliedern verschiedener Parteien, Verhandlungen und kurzfristige Absprachen fanden häufig hier statt.

Die Raumstruktur ist seit 1698 weitgehend erhalten geblieben.[1]

Die Stuckdecke zeigt allegorische Darstellungen der Staatshoheit, Fürsorglichkeit und Einsicht. Über den Portalen befinden sich weitere lateinische Devisen, darunter «Pax et Justitia» – Frieden und Gerechtigkeit.

Bemerkenswert sind auch 1709 entstandene Tafeln, auf denen im Zürichsee vorkommende Fischarten zusammen mit ihren damaligen Schonzeiten dargestellt sind.

Grosser Ratssaal

Der grosse Ratssaal ist der politisch wichtigste Raum des Rathauses.

Hier tagte traditionell der Kantonsrat Zürich, das Parlament des Kantons mit 180 Mitgliedern. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde der Saal ausserdem regelmässig vom Gemeinderat Zürich, dem Parlament der Stadt Zürich, genutzt.[2]

Auch die Synoden der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Körperschaften hielten hier ihre Sitzungen ab.

Die heutige Raumhöhe entstand 1833, als ein Zwischenboden entfernt und dadurch der Saal über zwei ursprüngliche Geschosse geöffnet wurde.[1]

Sein heutiges grundlegendes Erscheinungsbild stammt aus dem Jahr 1938.

An der Stirnwand befindet sich ein grosser Wandteppich, der unter der Leitung der Zürcher Künstlerin Lissy Funk-Düssel in fünfjähriger Arbeit geschaffen wurde. Er hängt seit dem 8. Mai 1945, dem Tag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa, im Ratssaal.[1]

Die Fenster enthalten Standesscheiben der Schweizer Kantone. Sie wurden Zürich zum 600. Jahrestag seines Beitritts zur Eidgenossenschaft im Jahr 1951 geschenkt. 2004 kam die Scheibe des Kantons Jura hinzu.

Im Saal hängen ausserdem Porträts früherer Zürcher Bürgermeister.

Regierungsratssaal

Ebenfalls im ersten Obergeschoss liegt der Regierungsratssaal. Er wurde früher als kleiner Ratssaal bezeichnet.

Hier hielt der siebenköpfige Regierungsrat des Kantons Zürich traditionell seine nichtöffentlichen wöchentlichen Sitzungen ab.

Der Raum ist seit 1698 in wesentlichen Teilen nahezu unverändert erhalten.[1]

Zu seiner Ausstattung gehört ein besonders wertvoller Turmofen von 1697. Er wurde vom Hafnermeister David II. Pfau geschaffen und von Hans Heinrich III. Pfau bemalt. Der Ofen trägt insgesamt 72 Sinnsprüche und Leitsätze, die sich an die im Rathaus tätigen Amtsträger richten.

Die Nussbaumtäferung mit Ahorn-Einlagen stammt ebenfalls aus der Bauzeit.

Vom Stadtstaat zum Kanton

Bis zum Ende des Ancien Régime war das Rathaus das politische Zentrum der Stadtrepublik Zürich.

Die damals herrschende Stadt Zürich kontrollierte nicht nur ihr unmittelbares Stadtgebiet, sondern grosse Teile des heutigen Kantons. Die Bürgermeister und städtischen Räte regierten damit zugleich über ein umfangreiches Untertanengebiet.

Mit der Helvetischen Revolution von 1798 endete diese politische Ordnung.

Nach den politischen Veränderungen der folgenden Jahre wurden Stadt und Kanton als getrennte staatliche Ebenen organisiert.

Im Zuge der Gütertrennung zwischen Stadt und Kanton ging das Rathaus 1803 in das Eigentum des Kantons Zürich über.[1]

Diese Eigentumsverhältnisse bestehen bis heute. Für den baulichen Unterhalt ist die kantonale Baudirektion zuständig.

Kantonsrat

Der Kantonsrat Zürich ist das Parlament des Kantons Zürich und zählt 180 Mitglieder.

Das historische Rathaus wurde über lange Zeit zu seinem eigentlichen politischen Zentrum. Die Sitzungen fanden in der Regel am Montagmorgen statt.

Der Ratssaal mit seiner halbkreisförmigen beziehungsweise parlamentarischen Sitzordnung, der Besuchertribüne und der technischen Infrastruktur war jedoch für die Anforderungen eines modernen Parlamentsbetriebs zunehmend knapp bemessen.

Seit 2023 tagt der Kantonsrat deshalb im provisorischen Rathaus Hard.[4]

Gemeinderat der Stadt Zürich

Auch der Gemeinderat der Stadt Zürich nutzte das kantonseigene Rathaus während mehr als eines Jahrhunderts.

Der Gemeinderat ist das Parlament der Stadt Zürich und besteht aus 125 Mitgliedern. Seine ordentlichen Sitzungen fanden jeweils am Mittwochabend im grossen Ratssaal statt.

Die gemeinsame Nutzung durch Kantons- und Stadtparlament ist eine Besonderheit des Zürcher Rathauses und verdeutlicht die historische Verbindung zwischen Stadt und Kanton.

Seit Februar 2023 tagt auch der Gemeinderat im Rathaus Hard.[5]

Kirchenparlamente

Neben den politischen Parlamenten wurde das Rathaus auch von den gesetzgebenden Organen der kantonalen Landeskirchen genutzt.

Hier tagten die Synode der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich und das Parlament der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich.

Auch diese Sitzungen wurden im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau in das Rathaus Hard verlegt.

Umbauten und Renovationen

Das Rathaus wurde seit seiner Fertigstellung mehrfach den veränderten politischen und betrieblichen Anforderungen angepasst.

Zu den bedeutenden Veränderungen gehören:

Jahr Massnahme
1694–1698 Bau des heutigen Rathauses
1833 Entfernung eines Zwischenbodens und Vergrösserung des Ratssaals
1868 Umgestaltung der Eingangshalle
1938 umfassende Neugestaltung verschiedener Innenbereiche, insbesondere des Ratssaals
1974 bislang letzte tiefgreifende Renovation
2009 Einbau von Lift und Hebebühnen für einen stufenlosen Zugang

Die Renovation von 1974 war die letzte grundlegende bauliche Erneuerung vor den aktuellen Planungen.[1]

Seit 2009 ist das Rathaus dank einer Liftanlage und Hebebühnen im Eingangsbereich stufenlos zugänglich.

Geplante Gesamtinstandsetzung

Nach mehreren Jahrzehnten intensiver Nutzung besteht ein umfassender Sanierungsbedarf.

Zu den geplanten Arbeiten gehören insbesondere die Erneuerung der Gebäudetechnik und der Lüftungsanlagen, Verbesserungen des Brandschutzes und der Sicherheitstechnik sowie weitere Anpassungen an heutige Anforderungen. Gleichzeitig soll das Gebäude für einen zeitgemässen Ratsbetrieb optimiert werden.[6]

Eine Machbarkeitsstudie von 2021 untersuchte zwei grundlegende Varianten.

Die erste sah vor, den bestehenden Ratssaal an seiner historischen Position zu belassen und mit einer neuen Bestuhlung zu optimieren.

Die zweite Variante sah vor, einen neuen Ratssaal im zweiten Obergeschoss unter dem Dach einzurichten. Dadurch sollte den Mitgliedern des Parlaments wesentlich mehr Platz zur Verfügung stehen.[3]

Regierungsrat und Kantonsrat bevorzugten die zweite Variante.

Konflikt mit dem Denkmalschutz

Die geplante Verlegung des Ratssaals stiess jedoch auf erhebliche denkmalpflegerische Bedenken.

Sowohl die Kantonale Denkmalpflegekommission als auch die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege gelangten zur Einschätzung, dass die vorgesehenen Eingriffe die Authentizität und den historischen Zeugniswert des Gebäudes erheblich beeinträchtigen würden.[3]

Der ursprünglich vorbereitete Projektwettbewerb wurde deshalb im Sommer 2023 unterbrochen.

Im Juni 2024 teilten Kantonsrat und Regierungsrat mit, zunächst den Schutzumfang des Gebäudes rechtlich klären zu wollen. Eine ursprünglich für 2025 bis 2026 geplante Sanierung konnte damit nicht wie vorgesehen durchgeführt werden.[3]

Nach dem öffentlich dokumentierten Planungsstand blieb der parlamentarische Ratsbetrieb deshalb auch 2026 weiterhin im Rathaus Hard.

Denkmalschutz

Das Zürcher Rathaus besitzt aussergewöhnliche bau-, kunst- und politikgeschichtliche Bedeutung.

Es steht unter dem Schutz des Bundes und ist zugleich als Schutzobjekt von kantonaler Bedeutung im Inventar des Kantons Zürich verzeichnet.[3]

Besonders wertvoll ist nicht nur die äussere Architektur, sondern auch die ungewöhnlich umfangreich erhaltene historische Innenausstattung.

Einzelne Räume weisen noch weitgehend ihre Ausstattung aus dem späten 17. Jahrhundert auf. Dadurch dokumentiert das Gebäude die politische Repräsentationskultur der Zürcher Stadtrepublik in aussergewöhnlicher Geschlossenheit.

Rathaus Hard

Für die Zeit der geplanten Instandsetzung wurde die Bullingerkirche mit dem angrenzenden Kirchgemeindehaus in Hard zum provisorischen Rathaus umgebaut.

Das Gebäudeensemble liegt an der Bullingerstrasse im Kreis 4.

Die Umbauarbeiten dauerten von April bis Dezember 2022. Die Kreditsumme betrug rund 9,96 Millionen Franken.[4]

Seit Anfang 2023 finden dort die Sitzungen von Kantonsrat, Gemeinderat und Kirchenparlamenten statt.

Der grosse Kirchenraum wurde mit einer reversiblen parlamentarischen Einrichtung ausgestattet. Die technische Konferenz-, Abstimmungs- und Übertragungsanlage wurde so konzipiert, dass wesentliche Teile später im sanierten historischen Rathaus weiterverwendet werden können.

Rathausbrücke

Unmittelbar neben dem Rathaus befindet sich die Rathausbrücke, eine der zentralen Verbindungen zwischen den beiden Seiten der Zürcher Altstadt.

Die bestehende Brückenkonstruktion aus den frühen 1970er-Jahren war sanierungsbedürftig und bildete zugleich eine Engstelle für den Hochwasserabfluss der Limmat.

Am 12. Januar 2026 begannen die Arbeiten für einen vollständigen Ersatzneubau.[7]

Die neue Brücke erhält weniger Pfeiler, während gleichzeitig die Flusssohle abgesenkt wird. Dadurch soll die Abflusskapazität der Limmat verbessert werden.

Die Hauptarbeiten sollen voraussichtlich bis Ende 2028 dauern; weitere Abschlussarbeiten sind für Anfang 2029 vorgesehen.[7]

Die Arbeiten an der Brücke sind mit der zukünftigen Instandsetzung des historischen Rathauses räumlich und organisatorisch eng verbunden.

Politische Bedeutung

Das Rathaus gehört seit mehr als drei Jahrhunderten zu den wichtigsten politischen Orten Zürichs.

Während der Stadtrepublik repräsentierte es die politische Macht der Stadt über ihr ausgedehntes Untertanengebiet.

Nach der Entstehung des modernen Kantons entwickelte sich das Gebäude zu einem Zentrum der kantonalen parlamentarischen Demokratie.

Gleichzeitig blieb es durch die Sitzungen des Gemeinderates auch ein zentraler Ort der Stadtpolitik.

Damit verbindet das Rathaus auf engem Raum mehrere Phasen der Zürcher Verfassungsgeschichte: die oligarchisch regierte Stadtrepublik des Ancien Régime, die politischen Umwälzungen um 1800 und den modernen demokratischen Kanton.

Kunsthistorische Bedeutung

Die kunsthistorische Bedeutung des Gebäudes beruht auf dem Zusammenspiel von Architektur, Innenausstattung und politischer Symbolik.

Stuckaturen, Holzarbeiten, Glasmalereien, Porträts, Öfen und Inschriften wurden nicht lediglich dekorativ eingesetzt. Zahlreiche Darstellungen vermitteln Vorstellungen von Gerechtigkeit, Weisheit, Staatsgewalt, Frieden und Verantwortung.

Besonders die fast vollständig erhaltenen Räume aus der Zeit um 1700 ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das politische Selbstverständnis der damaligen Zürcher Führungsschicht.

Das Rathaus gilt deshalb nicht nur als Verwaltungs- und Parlamentsbau, sondern zugleich als bedeutendes Denkmal der Schweizer Staats- und Kulturgeschichte.

Gottfried Keller im Rathaus

Eine besondere Verbindung besteht zwischen dem Rathaus und dem Schriftsteller Gottfried Keller.

Keller war nicht nur einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, sondern von 1861 bis 1876 auch Staatsschreiber des Kantons Zürich.

Damit gehörte die kantonale Politik zu seinem beruflichen Alltag.

An Keller erinnern im Rathaus eine Büste und der bereits erwähnte Satz aus seinem Bettagsmandat von 1862.

Diese Verbindung von Literatur- und Politikgeschichte gehört zu den besonderen kulturellen Aspekten des Gebäudes.

Verkehrsanbindung

Das Rathaus liegt im verkehrsberuhigten Abschnitt des Limmatquais und ist besonders gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

In unmittelbarer Nähe befinden sich die Tramhaltestellen Rathaus und Helmhaus. Mehrere Linien der Verkehrsbetriebe Zürich verbinden das Gebiet mit dem Hauptbahnhof, Bellevue und anderen Teilen der Stadt.

Der Hauptbahnhof ist zu Fuss in ungefähr zehn Minuten erreichbar.

Durch seine zentrale Lage ist das Rathaus Teil eines stark von Fussgängerinnen und Fussgängern sowie vom öffentlichen Verkehr geprägten Altstadtbereich.

Touristische Bedeutung

Das Rathaus gehört aufgrund seiner Lage und Architektur zu den auffälligen historischen Gebäuden entlang der Limmat.

Von der gegenüberliegenden Flussseite ist die Fassade besonders gut sichtbar. Gemeinsam mit Grossmünster, Fraumünster, St. Peter und den historischen Häuserzeilen des Limmatquais bildet das Rathaus einen wichtigen Teil des Zürcher Altstadtbilds.

Das Innere war ausserhalb des parlamentarischen Betriebs teilweise im Rahmen von Führungen und politischen Bildungsangeboten zugänglich.

Während der Verlagerung des Ratsbetriebs und der Vorbereitung der Instandsetzung ist die öffentliche Besichtigung des historischen Gebäudes eingeschränkt. Der Kantonsrat stellt deshalb einen virtuellen Rundgang durch das Rathaus zur Verfügung.[8]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 Kantonsrat Zürich: Das Rathaus, abgerufen am 8. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Kanton Zürich: Rathaus, 20. Oktober 2010.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Kanton Zürich: Instandsetzung des Zürcher Rathauses: Rasch Rechtssicherheit schaffen, 19. Juni 2024.
  4. 4,0 4,1 Kanton Zürich: Rathaus Hard in der Bullingerkirche Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
  5. Stadt Zürich: Gemeinde- und Kantonsrat tagen ab 2023 in der Kirche Hard, 28. September 2022.
  6. Kanton Zürich: Regierungsrat bewilligt Investitionen und Mietvertrag für Rathausprovisorium Hard, 14. Oktober 2021.
  7. 7,0 7,1 Stadt Zürich: Baustart: Ersatz Rathausbrücke, 12. Januar 2026.
  8. Kantonsrat Zürich: Virtuelles Rathaus, abgerufen am 8. August 2026.

Literatur

  • Kantonsrat Zürich: Das Zürcher Rathaus – Geschichte, Architektur und Ausstattung. Zürich.
  • Baudirektion Kanton Zürich, Hochbauamt: Dokumentationen zum Rathaus Zürich und zur geplanten Gesamtinstandsetzung.
  • Stadt Zürich, Baugeschichtliches Archiv: Bild- und Dokumentensammlung zum Rathaus und zum Limmatquai.
  • Kunstdenkmäler des Kantons Zürich: Dokumentationen zur Zürcher Altstadt und zu den öffentlichen Bauten.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Zürcher Rathaus