Hard (Zürich)
Hard ist ein Quartier der Stadt Zürich im Kreis 4. Es liegt westlich des inneren Aussersihl und gehört zu den dicht bebauten Wohn- und Arbeitsgebieten Zürichs. Das Quartier wird besonders durch seine Geschichte als Arbeiterquartier, die grossen Verkehrsachsen sowie bedeutende kommunale und genossenschaftliche Wohnsiedlungen geprägt.
Zu den markantesten Bauten gehören die Wohnsiedlung Lochergut und die vier Hochhäuser der Hardau, die weithin sichtbar sind und zur Zürcher Stadtsilhouette gehören. Gleichzeitig finden sich im Hard zahlreiche Blockrandbebauungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie grosszügige Wohnhöfe und öffentliche Freiräume.
Ende 2024 lebten 13'154 Personen im Quartier. Rund 43 Prozent der Wohnungen befinden sich im Eigentum von Wohnbaugenossenschaften oder der öffentlichen Hand, womit der gemeinnützige Wohnungsbau für das Hard eine überdurchschnittlich grosse Bedeutung besitzt.[1]
| Hard | |
|---|---|
| Stadt | Zürich |
| Stadtkreis | Kreis 4 |
| Stadtteil | Aussersihl |
| Kanton | Zürich |
| Land | Schweiz |
| Fläche | ca. 1,46 km² |
| Einwohner | 13'154 |
| Einwohnerstand | 31. Dezember 2024 |
| Postleitzahl | 8004 |
Geografie
Das Quartier Hard bildet den westlichen Teil des Stadtkreises 4. Es erstreckt sich vom Einschnitt der linksufrigen Zürichseebahn westwärts bis an die Grenze zu Altstetten.
Im Osten wird das Quartier durch den Bahneinschnitt zwischen Hohlstrasse und Badenerstrasse begrenzt. Von dort verläuft die Grenze entlang der Badenerstrasse bis in die Umgebung des Stadions Letzigrund. Danach folgt sie der Herdernstrasse sowie der Basler- und Hardgutstrasse um das Schlachthofareal. Im Norden bildet die Hohlstrasse über einen längeren Abschnitt die Quartiergrenze.[2]
Das Hard liegt grösstenteils auf relativ flachem Gelände im Limmattal. Im Gegensatz zu vielen anderen Zürcher Quartieren besitzt es praktisch keine grösseren natürlichen Landschaftsräume. Das Stadtbild wird deshalb besonders stark durch Gebäude, Strassen, Bahnlinien und künstlich angelegte Grünflächen geprägt.
Historisch gehörte das Gebiet zum sogenannten Sihlfeld. Die Bezeichnung Hard bezeichnete ursprünglich ein wesentlich grösseres Gebiet, das sich bis in die Nähe der Limmat erstreckte.
Name
Der Name Hard ist ein alter Flurname. Das Wort bezeichnete ursprünglich festes beziehungsweise bewaldetes Schwemmland.
Das historische Hard war wesentlich grösser als das heutige statistische Quartier. Es erstreckte sich über Teile des westlichen Aussersihl und des heutigen Industriequartiers.
Auch der Hardturm trägt diesen Flurnamen. Er liegt heute allerdings nicht im Quartier Hard, sondern nördlich der Bahn- und Industrieanlagen im Bereich von Zürich-West.
Der historische Name blieb unter anderem in Bezeichnungen wie Hardstrasse, Hardplatz, Hardau, Hardbrücke und Hardturm erhalten.
Geschichte
Vom Sihlfeld zur Gemeinde Aussersihl
Das Gebiet des heutigen Hard gehörte ursprünglich zur Grossmark Wiedikon. Im Mittelalter bestanden hier landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wald und einzelne Höfe.
Das weitgehend unbebaute Gelände ausserhalb der Zürcher Stadtbefestigung wurde lange als Acker-, Weide- und Allmendland genutzt.
Seit dem 18. Jahrhundert siedelten sich zunehmend Menschen ausserhalb des eigentlichen Dorfes Wiedikon an. Viele von ihnen suchten Arbeit in der nahe gelegenen Stadt Zürich. Diese Bevölkerung besass innerhalb der damaligen Gemeinde jedoch nur eingeschränkte politische und wirtschaftliche Rechte.
1784 beantragten Bewohner des Kräuels und des Hards deshalb die Abtrennung von Wiedikon. 1787 wurde die neue Aussersihlergemeinde geschaffen.[2]
Damit gehörte das Gebiet des heutigen Hard zur selbständigen Gemeinde Aussersihl.
Industrialisierung und Bevölkerungswachstum
Während des 19. Jahrhunderts wandelte sich Aussersihl grundlegend. Die Industrialisierung Zürichs führte zu einem starken Zustrom von Arbeiterinnen und Arbeitern.
Besonders in den Jahrzehnten nach 1850 nahm die Bevölkerung ausserhalb der damaligen Stadtgrenzen schnell zu. Aussersihl entwickelte sich zu einem der wichtigsten Arbeiterwohngebiete der Zürcher Agglomeration.
Zwischen 1787 und 1887 wuchs die Bevölkerung der Gemeinde Aussersihl von 558 auf 19'916 Personen.[2]
Der schnelle Bevölkerungsanstieg stellte die finanziell schwache Gemeinde vor grosse Probleme. Neue Schulen, Strassen, Kanalisationen und andere öffentliche Einrichtungen mussten gebaut werden, während gleichzeitig hohe Sozialausgaben anfielen.
Eingemeindung 1893
Die finanziellen Schwierigkeiten führten dazu, dass Aussersihl eine Vereinigung mit Zürich anstrebte.
Am 9. August 1891 stimmten die Stimmberechtigten von Aussersihl der Eingemeindung mit 4440 Ja- gegen lediglich 43 Nein-Stimmen zu.[2]
Am 1. Januar 1893 wurde Aussersihl gemeinsam mit zehn weiteren Aussengemeinden Teil der Stadt Zürich.
Aussersihl, Wiedikon und das damalige Industriequartier wurden zunächst zum Stadtkreis III zusammengefasst.
1912 wurde die Einteilung neu geordnet: Wiedikon bildete fortan den Kreis 3, Aussersihl den Kreis 4 und das Industriequartier den Kreis 5.[3]
Heute wird der Kreis 4 statistisch in die Quartiere Werd, Langstrasse und Hard gegliedert.
Entwicklung zum Arbeiterquartier
Das Hard wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert stark durch Arbeiterwohnungen geprägt.
Die Nähe zu Bahnarealen, Werkstätten, Lagerhäusern, Gewerbe- und Industriebetrieben führte dazu, dass sich viele Beschäftigte in unmittelbarer Nähe zu ihren Arbeitsplätzen niederliessen.
Charakteristisch wurden mehrgeschossige Mietshäuser, die häufig als geschlossene oder teilweise geschlossene Blockrandbebauungen angelegt waren.
Die hohe Bevölkerungsdichte und zunächst teilweise unzureichenden Wohnverhältnisse führten im frühen 20. Jahrhundert zu einer zunehmenden kommunalen und genossenschaftlichen Wohnbautätigkeit.
Damit entwickelte sich das Hard zu einem wichtigen Schauplatz des sozialen Wohnungsbaus in Zürich.
Gemeinnütziger Wohnungsbau
Ein auffälliges Merkmal des Hard ist bis heute der hohe Anteil gemeinnütziger Wohnungen.
Zu den bedeutenden Siedlungen des frühen 20. Jahrhunderts gehören unter anderem:
- Wohnkolonie Kanzleistrasse
- Wohnsiedlung Erismannhof
- Kolonie Seebahn
- Wohnsiedlung Bullingerhof
- verschiedene Siedlungen entlang der Hohl- und Seebahnstrasse
Mehrere dieser Anlagen entstanden gegen Ende der 1920er-Jahre, als Stadt und Baugenossenschaften versuchten, günstigen und gleichzeitig qualitativ besseren Wohnraum für Arbeiterfamilien bereitzustellen.[2]
Die Anlagen wurden häufig mit grosszügigen Innenhöfen, Grünflächen und Gemeinschaftseinrichtungen ausgestattet und unterschieden sich damit von den dicht bebauten Mietskasernen der vorangegangenen Jahrzehnte.
Auch heute besitzt der gemeinnützige Wohnungsbau im Hard grosse Bedeutung. 2024 gehörten 43,3 Prozent der Wohnungen Wohnbaugenossenschaften oder der öffentlichen Hand. Im gesamtstädtischen Durchschnitt lag dieser Anteil bei 25 Prozent.[1]
Bullingerhof
Die Wohnsiedlung Bullingerhof gehört zu den bedeutenden genossenschaftlichen Wohnanlagen des Quartiers.
Die grosszügige Anlage umfasst mehrere Wohnblöcke rund um begrünte Innenräume. Sie entstand in einer Epoche, in der Zürcher Baugenossenschaften neue Konzepte für gesundes und bezahlbares Wohnen entwickelten.
Der Bullingerhof bildet zusammen mit dem benachbarten Bullingerplatz ein wichtiges städtebauliches Ensemble.
Die Siedlung wurde im 21. Jahrhundert umfassend instand gesetzt. Dabei wurden die historischen Qualitäten der Anlage erhalten und gleichzeitig Wohnungen, Haustechnik und Aussenräume erneuert.
Bullingerplatz
Der Bullingerplatz liegt im Zentrum des westlichen Aussersihl und gehört zu den wichtigsten öffentlichen Räumen des Hard.
Der Platz ist nach dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger benannt. Er wird von Wohnhäusern, Quartiergeschäften und gastronomischen Angeboten umgeben.
Im Zuge verschiedener Umgestaltungen wurde der öffentliche Raum stärker auf die Bedürfnisse von Fussgängerinnen und Fussgängern sowie der Quartierbevölkerung ausgerichtet.
Heute dient der Bullingerplatz als lokaler Treffpunkt und Veranstaltungsort.
Lochergut
Zu den bekanntesten Bauwerken des Quartiers gehört die Wohnsiedlung Lochergut an der Badenerstrasse.
Die städtische Grossüberbauung wurde zwischen 1963 und 1966 nach Plänen des Architekten Karl Flatz errichtet. Sie umfasst 345 Wohnungen sowie Gewerbe-, Betreuungs- und weitere Nutzungen.[4]
Der Baukörper erreicht bis zu 22 Geschosse und bildet einen weithin sichtbaren städtebaulichen Akzent.
Zur Zeit seiner Errichtung wurde das Lochergut teilweise heftig kritisiert. Der grosse Gebäudekomplex wurde als Fremdkörper beziehungsweise als baulicher Riegel im traditionellen Stadtgefüge wahrgenommen.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Anlage jedoch zu einem charakteristischen Bestandteil des Zürcher Stadtbildes.
Zu den bekannten Bewohnern gehörte der Schriftsteller und Architekt Max Frisch, der während zweier Jahre eine Wohnung im obersten Bereich der Siedlung bewohnte.[2]
Hardau
Noch stärker prägen die Hochhäuser der Hardau die Silhouette des Quartiers.
Die Wohnsiedlung Hardau II wurde in den 1970er-Jahren nach Plänen des Architekten Max P. Kollbrunner gebaut.
Das Ensemble besteht unter anderem aus vier schlanken Wohntürmen mit Höhen zwischen 72 und 93 Metern sowie mehreren niedrigeren Gebäuden. Der höchste Turm war lange das höchste Gebäude der Stadt Zürich.[5]
Der Architekturwettbewerb für die Überbauung wurde 1965 durchgeführt. Max P. Kollbrunner setzte sich mit einem Konzept aus schlanken Türmen anstelle grosser Hochhausscheiben durch.
Die eigentliche Überbauung entstand zwischen 1973 und 1978. Zur Anlage gehören neben Wohnungen auch Einrichtungen für ältere Menschen, Gewerberäume und grosszügige Aussenräume.[6]
Die charakteristischen braunroten Hochhäuser sind aus verschiedenen Teilen Zürichs sichtbar und dienen als Orientierungspunkte im westlichen Stadtgebiet.
Hardaupark
Zwischen den Wohnsiedlungen und öffentlichen Einrichtungen liegt der Hardaupark.
Die Grünanlage entstand im Zusammenhang mit der städtebaulichen Aufwertung des Hardaugebiets und bietet Spiel-, Aufenthalts- und Erholungsflächen.
Besonders in einem dicht bebauten Quartier wie dem Hard besitzen solche öffentlichen Grünräume eine wichtige Funktion für das lokale Wohnumfeld.
In der Umgebung befinden sich Schulen, Sportanlagen und verschiedene soziale Einrichtungen.
Kirche Hard
Die Kirche Hard gehört zu den markanten Sakralbauten des Quartiers.
Sie entstand im 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Wachstum der katholischen Bevölkerung in Aussersihl. Das Gebiet war durch die Zuwanderung von Arbeitskräften aus verschiedenen Regionen der Schweiz und später aus Südeuropa stark katholisch geprägt.
Die Kirche ist ein wichtiger Bestandteil der Architektur- und Sozialgeschichte des Quartiers.
Italienische Bevölkerung
Die Geschichte des Hard ist eng mit der Arbeitsmigration verbunden.
Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg zogen zahlreiche Menschen aus Italien nach Zürich. Viele von ihnen arbeiteten in Industrie, Baugewerbe, Verkehr und anderen Wirtschaftsbereichen und liessen sich in Aussersihl und den angrenzenden Quartieren nieder.
Im Hard entstanden deshalb verschiedene italienische Einrichtungen. In historischen Darstellungen wird ein Gebiet entlang der Seebahnstrasse gelegentlich als eine Art «Little Italy» Zürichs beschrieben.[2]
Italienische Vereine, Geschäfte, Restaurants und soziale Einrichtungen prägten das Quartier über Jahrzehnte und beeinflussten seine kulturelle Entwicklung nachhaltig.
Später kamen Bewohnerinnen und Bewohner aus zahlreichen weiteren Ländern hinzu. Das Hard gehört heute zu den international zusammengesetzten Quartieren Zürichs.
Bevölkerung
Ende 2024 lebten 13'154 Personen im Hard.[1]
Die Bevölkerungszahl blieb während der vergangenen Jahrzehnte vergleichsweise stabil. 2014 lebten 13'232 Menschen im Quartier; bis 2024 nahm die Bevölkerung damit leicht um 0,6 Prozent ab.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1930 | 11'320 |
| 1941 | 15'878 |
| 1950 | 15'760 |
| 1960 | 14'260 |
| 1970 | 13'345 |
| 1980 | 12'820 |
| 1990 | 12'211 |
| 2000 | 12'875 |
| 2010 | 12'883 |
| 2020 | 12'554 |
| 2024 | 13'154 |
Die höchste Bevölkerungszahl wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht. Danach führte unter anderem der steigende Wohnflächenbedarf pro Person zu einem Rückgang, obwohl die Bebauung weiterhin dicht blieb.
2024 betrug der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 34,5 Prozent. Das Medianalter lag bei 36 Jahren und damit unter dem gesamtstädtischen Wert von 37,9 Jahren.[1]
Wirtschaft
Das Hard ist ein gemischtes Wohn- und Arbeitsquartier.
2023 bestanden im Quartier rund 8360 Arbeitsplätze.[1]
Historisch waren Bahn, Industrie, Werkstätten, Lagerhäuser und handwerkliche Betriebe von grosser Bedeutung. Die Wirtschaftsstruktur hat sich inzwischen stark in Richtung Dienstleistungen verschoben.
Entlang der Hohlstrasse, Badenerstrasse und weiterer Hauptachsen befinden sich weiterhin zahlreiche Gewerbe-, Büro- und Detailhandelsbetriebe.
Kleinere Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungen tragen zur vielfältigen Quartierstruktur bei.
Schlachthofareal
Im westlichen Grenzbereich des Quartiers liegt das historische Schlachthofareal.
Das Gebiet zwischen Hohl-, Herdern-, Basler- und Hardgutstrasse wird seit mehr als hundert Jahren wesentlich durch die Fleischwirtschaft genutzt.
Zahlreiche Bauten und Anlagen besitzen kulturhistorische Bedeutung und sind in Inventaren der Schutzobjekte aufgeführt.
Die Stadt Zürich plant eine grundlegende Weiterentwicklung des Areals. Der Schlachtbetrieb soll ab 2030 eingestellt werden. Anschliessend soll das Gebiet schrittweise zu einem urbanen Arbeitsplatzgebiet mit Gewerbe, öffentlichen Freiräumen und schulischen Nutzungen weiterentwickelt werden.[7]
Die Öffnung des bisher stark abgeschlossenen Areals soll neue Verbindungen innerhalb des Quartiers schaffen.
Verkehr
Verkehrsanlagen haben die Entwicklung des Hard aussergewöhnlich stark beeinflusst.
Das Quartier wird von mehreren bedeutenden Strassen- und Bahnachsen berührt beziehungsweise begrenzt.
Badenerstrasse
Die Badenerstrasse gehört zu den wichtigsten historischen Verkehrsachsen im Westen Zürichs.
Sie verbindet die Innenstadt über Aussersihl mit Albisrieden, Altstetten und dem westlichen Limmattal.
Durch die Strasse verkehren mehrere Tramlinien der Verkehrsbetriebe Zürich.
Wichtige Haltestellen für das Quartier sind unter anderem Lochergut', Zypressenstrasse und Albisriederplatz beziehungsweise Haltestellen in dessen unmittelbarer Umgebung.
Hohlstrasse
Die Hohlstrasse verläuft parallel zum grossen Bahnareal und bildet auf einem längeren Abschnitt die nördliche Begrenzung des Hard.
Historisch war sie besonders für Gewerbe, Lagerhäuser und den Güterverkehr von Bedeutung.
Im Zuge der langfristigen Entwicklung des westlichen Zürichs verändert sich auch der Charakter der Hohlstrasse zunehmend.
Hardplatz und Hardstrasse
Die Hardstrasse gehört zu den wichtigen Nord-Süd-Verbindungen Zürichs.
Am Hardplatz kreuzen sich mehrere Verkehrslinien. Von hier führt die Hardstrasse nach Norden zur Hardbrücke und weiter in Richtung Zürich-West und Wipkingen.
Der Platz bildet gleichzeitig einen wichtigen lokalen Orientierungspunkt zwischen den Wohngebieten des Hard und den nördlich anschliessenden Bahn- und Gewerbegebieten.
Hardbrücke und Bahnhof
Unmittelbar nördlich des Quartiers befindet sich der Bahnhof Zürich Hardbrücke, einer der stark frequentierten Bahnhöfe der S-Bahn Zürich.
Über die Hardbrücke ist das Quartier mit Zürich-West, Wipkingen und den nördlichen Teilen der Stadt verbunden.
Die gross dimensionierten Verkehrsbauwerke bilden gleichzeitig eine erhebliche städtebauliche und akustische Belastung für Teile des Quartiers.
Velo- und Fussverkehr
Aufgrund der relativ flachen Topografie eignet sich das Hard grundsätzlich gut für den Veloverkehr.
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Strassenräume zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs umgestaltet. Gleichzeitig stellen stark befahrene Achsen wie Badener-, Hohl- und Hardstrasse weiterhin Barrieren innerhalb des Quartiers dar.
Quartierplätze und Wohnstrassen werden zunehmend als Aufenthaltsräume verstanden und entsprechend aufgewertet.
Stadtentwicklung
Das Hard ist weitgehend bebaut. Stadtentwicklung findet deshalb weniger durch die Erschliessung neuer Flächen als durch Ersatzneubauten, Sanierungen und Verdichtung bestehender Areale statt.
Ein wichtiges Beispiel sind die genossenschaftlichen Siedlungen entlang der Seebahnstrasse. Mehrere fast hundertjährige Wohnanlagen sollen langfristig erneuert und dichter bebaut werden.
Im Projekt Seebahn-Höfe planen die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ) und die Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals (BEP) eine umfassende Erneuerung ihrer Bestände. Dadurch soll künftig deutlich mehr Wohnraum geschaffen werden.[2]
Gleichzeitig werden die historischen Qualitäten des ehemaligen Arbeiterquartiers zunehmend als wichtiger Bestandteil des Zürcher Ortsbildes betrachtet.
Ein weiteres grosses Entwicklungspotenzial besteht beim Schlachthofareal.
Soziale Struktur
Das Hard besitzt traditionell eine stark durchmischte Bevölkerung.
Arbeiterfamilien, Arbeitsmigrantinnen und -migranten, genossenschaftliche Haushalte, Studierende, ältere Menschen und jüngere urbane Haushalte leben teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft.
Der hohe Anteil gemeinnütziger Wohnungen trägt dazu bei, dass das Quartier trotz des starken Drucks auf den Zürcher Wohnungsmarkt eine vergleichsweise breite soziale Zusammensetzung aufweist.
Die Veränderung älterer Wohnsiedlungen und steigende Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt führen jedoch auch im Hard zu Diskussionen über Verdrängung und die langfristige soziale Durchmischung.
Bildung und Sport
Im Quartier befinden sich mehrere Kindergarten- und Schulanlagen.
Das Gebiet Hardau entwickelte sich seit den 1970er-Jahren zu einem wichtigen lokalen Bildungs- und Sportzentrum. In unmittelbarer Umgebung der Hochhaussiedlung befinden sich Schulen, Sporthallen und weitere öffentliche Einrichtungen.
Westlich des Quartiers liegt das Stadion Letzigrund, eines der bedeutendsten Sportstadien Zürichs. Obwohl das Stadion statistisch bereits ausserhalb des Hard liegt, prägt es die Umgebung des westlichen Quartierrands stark.
Es dient als Austragungsort für Fussballspiele, Leichtathletikveranstaltungen und Grosskonzerte.
Grün- und Freiräume
Hard gehört zu den dicht bebauten Quartieren Zürichs und verfügt im Vergleich zu den äusseren Stadtgebieten über relativ wenige grosse Grünflächen.
Besondere Bedeutung besitzen deshalb kleinere Quartierparks, begrünte Innenhöfe und Plätze.
Zu den wichtigen Freiräumen zählen:
- Bullingerplatz
- Hardaupark
- Innenhöfe genossenschaftlicher Wohnsiedlungen
- Grünflächen innerhalb der Hardau
- kleinere Spiel- und Quartierplätze
Historische Genossenschaftssiedlungen wurden häufig bewusst mit grossen gemeinschaftlichen Innenhöfen angelegt. Diese bilden heute wichtige grüne Rückzugsräume innerhalb des dicht bebauten Quartiers.
Architektur und Stadtbild
Kaum ein anderes Zürcher Quartier verbindet so unterschiedliche Wohnbaukonzepte auf engem Raum.
Blockrandbebauungen aus der Zeit um 1900 stehen neben Genossenschaftssiedlungen der Zwischenkriegszeit und grossen Wohnbauprojekten der Nachkriegsmoderne.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung an drei Bautypen:
- traditionellen Mietshausblöcken des Arbeiterquartiers
- grosszügigen Genossenschaftshöfen der 1920er- und 1930er-Jahre
- Hochhaus- und Grosssiedlungen wie Lochergut und Hardau
Dadurch lässt sich im Hard die Geschichte des Zürcher Wohnungsbaus über mehr als ein Jahrhundert besonders gut nachvollziehen.
Charakter des Quartiers
Hard ist eines der am stärksten urban geprägten Quartiere Zürichs.
Sein Erscheinungsbild wird nicht von historischen Dorfstrukturen oder grossen Landschaftsräumen bestimmt, sondern von der Entwicklung der modernen Grossstadt: Eisenbahn, Industrie, Arbeiterwohnungsbau, Verkehrsachsen und kommunale Grosssiedlungen haben das Gebiet geprägt.
Gleichzeitig entstanden durch den starken gemeinnützigen Wohnungsbau zahlreiche Wohnhöfe und Nachbarschaften mit einer ausgeprägten lokalen Identität.
Mit den Hochhäusern der Hardau und dem Lochergut besitzt das Quartier zwei der bekanntesten Zürcher Wohnbauensembles des 20. Jahrhunderts.
Die künftige Entwicklung wird insbesondere von der Erneuerung älterer Wohnsiedlungen, der Transformation des Schlachthofareals, der Verbesserung öffentlicher Räume und dem Umgang mit den stark belasteten Verkehrsachsen bestimmt.
Siehe auch
- Kreis 4 (Zürich)
- Aussersihl
- Werd (Zürich)
- Langstrasse (Zürich)
- Hardau
- Wohnsiedlung Lochergut
- Bullingerplatz
- Hardplatz
- Hardbrücke
- Bahnhof Zürich Hardbrücke
- Stadion Letzigrund
- Geschichte der Stadt Zürich
- Stadtkreise der Stadt Zürich
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Bevölkerungsbefragung 2025 – Quartierbericht, Stadt Zürich, Februar 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Quartierspiegel Hard, Statistik Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Brunnenguide Kreise 3, 4, 5, 9, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Wohnsiedlung Lochergut – dicht, lebendig, vielseitig, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Wohnsiedlung Hardau II – zwischen Himmel und Stadt, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.
- ↑ Hardau II: Instandsetzung der Fassaden und Brandschutz, Stadt Zürich, 15. Juli 2022.
- ↑ Schlachthof-Areal, Stadt Zürich, abgerufen am 8. August 2026.