St. Peter (Zürich)
| St. Peter | |
|---|---|
| Ort | Zürich |
| Quartier | Altstadt |
| Adresse | St.-Peter-Hofstatt 1, 8001 Zürich |
| Konfession | Evangelisch-reformiert |
| Kirchliche Zugehörigkeit | Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich, Kirchenkreis eins |
| Patron | Apostel Petrus |
| Erste urkundliche Erwähnung | 21. Juli 857 |
| Ältester archäologisch nachgewiesener Bau | 8. oder 9. Jahrhundert |
| Baustil | Romanischer Chorturm und barockes Kirchenschiff |
| Bauzeit des heutigen Kirchenschiffs | 1705–1706 |
| Einweihung | November 1706 |
| Turmhöhe | 64 m |
| Durchmesser der Zifferblätter | 8,64 m |
| Glocken | Fünfstimmiges Geläut von 1880 |
| Orgel | Mühleisen-Orgel von 1974 mit 52 Registern |
| Eigentum | Kirchenschiff und Glocken: reformierte Kirchgemeinde; Turm: Stadt Zürich |
| Kulturgüterschutz | Kulturgut von nationaler Bedeutung |
| Website | reformiert-zuerich.ch/stpeter |
St. Peter ist eine evangelisch-reformierte Kirche in der Altstadt von Zürich. Sie steht auf einem kleinen Moränenhügel am linken Ufer der Limmat, zwischen dem Lindenhof und dem Münsterhof. Ihr 64 Meter hoher Turm mit den vier monumentalen Zifferblättern gehört neben den Türmen des Grossmünsters und des Fraumünsters zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
St. Peter gilt als wahrscheinlich älteste Pfarrkirche Zürichs. Archäologisch ist an dieser Stelle ein erster Kirchenbau aus dem 8. oder 9. Jahrhundert nachgewiesen. Die Kirche wurde am 21. Juli 857 erstmals urkundlich erwähnt, als König Ludwig der Deutsche sie zusammen mit ihrem Besitz seinen Töchtern Hildegard und Berta übertrug, die als Äbtissinnen dem Fraumünsterstift vorstanden.[1]
Der untere Teil des heutigen Turms stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert. Das barocke Kirchenschiff wurde 1705 und 1706 errichtet und im November 1706 eingeweiht. Es war der erste in der Stadt Zürich nach der Reformation eigens als reformierte Kirche errichtete Sakralbau und ist der bedeutendste erhaltene barocke Kirchenraum der Stadt.[2]
Besonders berühmt ist die Turmuhr. Ihre vier Zifferblätter besitzen einen Durchmesser von je 8,64 Metern und gelten als die grössten Kirchturmzifferblätter Europas. Der Turm diente nicht nur kirchlichen Zwecken, sondern über Jahrhunderte als öffentliche Uhr und Brandwache der Stadt. Diese doppelte Funktion erklärt die bis heute ungewöhnlichen Eigentumsverhältnisse: Der Turm gehört der Stadt Zürich, während das Kirchenschiff, der Glockenstuhl und die Glocken der reformierten Kirchgemeinde gehören.[3]
St. Peter war im Mittelalter das Zentrum einer ausgedehnten Grosspfarrei. Während der Reformation wirkte hier Leo Jud, einer der engsten Mitarbeiter Huldrych Zwinglis und Mitübersetzer der Zürcher Bibel. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche besonders durch den Pfarrer, Schriftsteller und Philosophen Johann Caspar Lavater geprägt.
Heute dient St. Peter als Gottesdienst-, Musik-, Kultur- und Begegnungsort. Die Kirche gehört zum Kirchenkreis eins der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich.
Name und Patrozinium
Die Kirche ist dem Apostel Simon Petrus geweiht.
Petrus zählt zu den wichtigsten Gestalten des Neuen Testaments. Nach christlicher Überlieferung gehörte er zum engsten Kreis der Jünger Jesu und spielte eine führende Rolle in der frühen Kirche.
Das Patrozinium des Apostels Petrus war im frühen und hohen Mittelalter weit verbreitet. Peterskirchen entstanden häufig an politisch oder verkehrsgeografisch bedeutenden Orten.
Der deutsche Name St. Peter entspricht dem lateinischen Sanctus Petrus. In älteren Zürcher Quellen erscheinen Bezeichnungen wie:
- ecclesia sancti Petri;
- St. Peterskirche;
- Peterskirche;
- Kirche zu St. Peter.
Der Platz um die Kirche wird als St.-Peter-Hofstatt bezeichnet. Das Wort Hofstatt verweist auf einen bebauten oder zur Bebauung bestimmten Platz sowie auf die unmittelbare Umgebung eines Hauses oder einer öffentlichen Anlage.
Lage
St. Peter steht auf einem natürlichen Moränenhügel im linksufrigen Teil der Zürcher Altstadt.
Der Hügel bildet zusammen mit dem nördlich gelegenen Lindenhof eine erhöhte Geländezone über der Limmat. Zwischen beiden Anhöhen führte seit vorgeschichtlicher Zeit ein Verkehrsweg zu einem wichtigen Flussübergang.
Die Kirche liegt zwischen:
- Bahnhofstrasse und Rennweg im Westen;
- Limmat und Weinplatz im Osten;
- Lindenhof im Norden;
- Münsterhof und Fraumünster im Süden.
Von der St.-Peter-Hofstatt führen schmale Altstadtgassen zum Weinplatz, zur Augustinergasse, zum Münsterhof und zur Bahnhofstrasse.
Die leicht erhöhte Lage machte die Kirche bereits im frühen Mittelalter weithin sichtbar. Der Turm prägt bis heute die Silhouette der linksufrigen Altstadt.
Frühgeschichte des Kirchenplatzes
Römische Spuren
Der Kirchenhügel lag in unmittelbarer Nähe des römischen Turicum.
Das Zentrum der römischen Siedlung befand sich hauptsächlich am Lindenhof, an der Limmat und im Bereich des heutigen Weinplatzes.
Bei archäologischen Untersuchungen während der Renovation von 1970 bis 1974 wurde unter der Kirche ein römischer Mauerrest entdeckt. Seine ursprüngliche Funktion konnte nicht eindeutig geklärt werden.
Es bestehen keine ausreichenden Belege dafür, dass bereits in römischer Zeit ein christlicher Sakralbau auf dem Petershügel stand.
Frühmittelalterliche Gräber
Aus dem 6. Jahrhundert stammen mehrere Gräber im Bereich der späteren Kirche.
Sie werden einer frühmittelalterlichen, wahrscheinlich alemannischen Bevölkerung zugerechnet.
Die Gräber zeigen, dass der Hügel bereits vor dem archäologisch nachgewiesenen Kirchenbau als Bestattungsplatz genutzt wurde.
Erster Kirchenbau
Der älteste archäologisch gesicherte Kirchenbau entstand im 8. oder 9. Jahrhundert.
Er war ungefähr zehn Meter lang und sieben Meter breit. Es handelte sich um einen einfachen rechteckigen Saalbau mit einem abgetrennten Altarraum.
Der Bau gehörte zu den frühesten christlichen Kirchen im Raum Zürich und könnte zeitweise das wichtigste Gotteshaus der linksufrigen Siedlung gewesen sein.
Ein noch älterer Bau aus dem 7. Jahrhundert wird aufgrund der Lage und einzelner Befunde vermutet, konnte archäologisch jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.[4]
Erste urkundliche Erwähnung
Die Kirche wurde am 21. Juli 857 erstmals urkundlich erwähnt.
König Ludwig der Deutsche übertrug die Kirche St. Peter mit ihrem Grundbesitz seinen Töchtern Hildegard und Berta.
Beide waren eng mit dem Fraumünsterstift verbunden. Hildegard und später Berta standen der Abtei als Äbtissinnen vor.
Durch die königliche Schenkung wurde St. Peter in die Grundherrschaft des Fraumünsters einbezogen. Die Pfarrkirche blieb jedoch institutionell von der Klosterkirche des Fraumünsters unterschieden.
St. Peter war während des Mittelalters im Gegensatz zu Grossmünster und Fraumünster keinem eigenen Stift und keinem Kloster angegliedert. Sie war daher in besonderem Mass eine Kirche der Stadtbevölkerung.
Frühromanische Kirche
Im 10. Jahrhundert wurde der frühmittelalterliche Bau erweitert oder durch eine frühromanische Kirche ersetzt.
Die Siedlung Zürich war zu dieser Zeit ein königlicher und kirchlicher Mittelpunkt mit Markt, Münzstätte und mehreren geistlichen Einrichtungen.
Die frühromanische Kirche war grösser als ihr Vorgänger. Über ihr genaues Aussehen ist nur wenig bekannt, da spätere Neubauten grosse Teile der älteren Mauern beseitigten.
Wahrscheinlich besass sie:
- ein rechteckiges Langhaus;
- einen eingezogenen Chor;
- einen Altarraum im Osten;
- einen umgebenden Friedhof.
Spätromanische Chorturmkirche
Im 13. Jahrhundert wurde die ältere Kirche weitgehend abgebrochen und durch eine spätromanische Chorturmkirche ersetzt.
Bei einer Chorturmkirche erhebt sich der Turm über dem Chor beziehungsweise über dem östlichen Altarraum.
Der massive Unterbau des heutigen Turms stammt im Kern aus dieser Bauphase. Romanisches Mauerwerk ist bis unterhalb des zweiten Gurtgesimses erhalten, wird jedoch teilweise von späteren Verkleidungen und Umbauten verdeckt.
Das damalige Kirchenschiff war im Innern etwas mehr als 18 Meter lang und ungefähr zehn Meter breit.
Die spätromanische Kirche war wesentlich kleiner als der heutige Bau. Sie wurde im Verlauf der folgenden Jahrhunderte mehrfach erweitert, erhöht und umgestaltet.
Mittelalterliche Grosspfarrei
St. Peter war die wichtigste Pfarrkirche der linksufrigen Stadt und das Zentrum einer weit ausgedehnten Grosspfarrei.
Ihr kirchlicher Einflussbereich reichte zeitweise weit über die Stadtmauern hinaus.
Zur Pfarrei oder zu den von ihr abhängigen kirchlichen Gebieten gehörten in verschiedenen Epochen unter anderem Orte entlang:
- des linken Zürichseeufers;
- des Limmattals;
- des Sihltals;
- der Wege in Richtung Albis und Knonaueramt.
Mehrere spätere Kirchgemeinden waren ursprünglich Filialen oder Bestandteile von St. Peter. Dazu gehörten zeitweise Gebiete in Altstetten, Wiedikon, Enge, Wollishofen und Schlieren.
Der übergeordnete kirchliche Bezirk von St. Peter gehörte zum Bistum Konstanz.
Die grosse Ausdehnung der Pfarrei wurde seit der Reformation schrittweise verkleinert. Mit dem Bevölkerungswachstum, der Bildung neuer Kirchgemeinden und den Eingemeindungen des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die Zuständigkeit zunehmend auf die nähere Altstadt.
Pfarrrechte und Fraumünster
Das Fraumünsterstift besass während des Mittelalters wichtige Rechte an St. Peter.
Dazu gehörten insbesondere:
- das Recht zur Einsetzung oder Bestätigung von Geistlichen;
- Einkünfte aus Grundbesitz und Zehnten;
- Rechte an kirchlichen Gütern;
- Einfluss auf die Verwaltung der Pfarrei.
Die tatsächlichen Verhältnisse veränderten sich im Verlauf der Jahrhunderte. Die Stadt Zürich und einzelne städtische Amtsträger gewannen zunehmend Einfluss.
St. Peter blieb im Unterschied zum Fraumünster eine Pfarrkirche ohne eigene klösterliche Gemeinschaft.
Rudolf Brun und die Stadt Zürich
1345 erwarb Rudolf Brun, der erste Bürgermeister Zürichs und Schöpfer der Brunschen Zunftverfassung, Rechte und Pflichten an St. Peter.
Dadurch verstärkte sich die Verbindung zwischen der Kirche und der städtischen Obrigkeit.
Rudolf Brun wurde nach seinem Tod 1360 in St. Peter bestattet. Sein Grab befand sich im Chorbereich der damaligen Kirche.
Bei späteren Umbauten und archäologischen Untersuchungen wurden Gräber und Bestattungsreste entdeckt, die mit der mittelalterlichen Führungsschicht Zürichs in Verbindung gebracht werden.
Bruns Grabstätte unterstrich die politische Bedeutung von St. Peter als Stadtkirche.
Ausbau des Kirchturms
Der romanische Chorturm wurde seit dem späten Mittelalter mehrfach erhöht.
Der Turm diente nicht nur der Aufnahme von Glocken, sondern zunehmend auch öffentlichen Aufgaben.
Im 14. Jahrhundert erhielt er eine mechanische Uhr. Im 16. Jahrhundert wurden die monumentalen Zifferblätter angebracht.
Der Turm entwickelte sich dadurch zur offiziellen Zeit- und Wachstation der Stadt.
Spätgotische Veränderungen
Um 1450 wurde die Kirche spätgotisch renoviert.
Dabei wurden wahrscheinlich:
- Fenster vergrössert;
- Gewölbe und Decken erneuert;
- Altäre umgestaltet;
- Kapellen oder Anbauten verändert;
- Teile des Kirchenschiffs erweitert.
Der Zustand des Gebäudes im 16. Jahrhundert ist auf dem Murerplan von 1576 dargestellt.
Das damalige Kirchenschiff war deutlich kleiner und anders proportioniert als der heutige Barockbau.
Reformation
Einführung der Reformation
Die Zürcher Reformation begann 1519 mit den Predigten Huldrych Zwinglis am Grossmünster.
Der Zürcher Rat führte die reformatorischen Veränderungen in den 1520er-Jahren schrittweise durch.
Auch St. Peter wurde reformiert.
Die katholische Messe wurde abgeschafft. Bilder, Reliquien, Nebenaltäre und weitere Bestandteile der mittelalterlichen Ausstattung wurden entfernt oder übermalt.
Die Predigt, die Bibelauslegung und der Gemeindegesang erhielten eine zentrale Stellung.
Leo Jud
Der erste reformierte Pfarrer von St. Peter war der aus dem Elsass stammende Theologe Leo Jud.
Er wirkte von 1523 bis zu seinem Tod 1542 an der Kirche.
Jud gehörte zum engsten Kreis um Huldrych Zwingli. Er war Prediger, Sprachgelehrter, Übersetzer und Verfasser theologischer Schriften.
Er beteiligte sich massgeblich an der Übersetzung der Zürcher Bibel. Besonders wichtig war seine Arbeit an den Büchern des Alten Testaments und an der sprachlichen Gestaltung der deutschen Ausgabe.
Leo Jud setzte sich auch mit Fragen der Armenfürsorge, Bildung und kirchlichen Ordnung auseinander.
Durch sein Wirken wurde St. Peter neben dem Grossmünster zu einem wichtigen Ort der Zürcher Reformation.
Reformierter Gottesdienst
Nach der Reformation wurde der Innenraum stärker auf das gesprochene Wort ausgerichtet.
Die Kanzel gewann gegenüber dem Altar an Bedeutung. Die Gemeinde sollte die Predigt gut hören und sehen können.
An die Stelle des katholischen Hochaltars trat ein schlichter Abendmahlstisch.
Die Taufe wurde in der versammelten Gemeinde gefeiert.
Diese Grundsätze beeinflussten später auch den Bau des barocken Kirchenschiffs.
Kirche im 16. und 17. Jahrhundert
Die Zürcher Bevölkerung nahm nach der Reformation zu. Das alte mittelalterliche Kirchenschiff wurde mehrfach verändert, reichte aber schliesslich nicht mehr aus.
St. Peter war eine der wichtigsten städtischen Pfarrkirchen. Zu ihren Gemeindegliedern gehörten zahlreiche Handwerker, Kaufleute, Ratsherren und Angehörige bedeutender Zürcher Familien.
Die Kirche diente für:
- Sonntagsgottesdienste;
- Taufen;
- Eheschliessungen;
- Abdankungen;
- kirchliche Unterweisung;
- öffentliche Bekanntmachungen;
- städtische Gedenkfeiern.
Im 17. Jahrhundert wurde zunehmend über einen umfassenden Neubau des Kirchenschiffs diskutiert.
Barocker Neubau
Anlass
Das mittelalterliche Kirchenschiff war gegen Ende des 17. Jahrhunderts baulich ungenügend und für die gewachsene Gemeinde zu klein.
Die Stadt und die Kirchgemeinde beschlossen deshalb einen weitgehenden Neubau.
Der romanische Turm sollte erhalten bleiben, während das alte Langhaus abgebrochen und durch einen grossen reformierten Predigtsaal ersetzt wurde.
Bauzeit
Die Arbeiten begannen 1705.
Das neue Kirchenschiff wurde 1706 vollendet und im November desselben Jahres feierlich eingeweiht.[1]
St. Peter war damit der erste Kirchenbau, der in Zürich nach der Reformation von Anfang an für den reformierten Gottesdienst errichtet wurde.
Ältere reformierte Kirchen der Stadt waren mittelalterliche katholische Sakralbauten, die nach 1523 umgestaltet worden waren.
Reformierter Barockbau
Der Neubau wurde als breite Saalkirche mit Emporen gestaltet.
Die Architektur sollte einer grossen Gemeinde freie Sicht auf Kanzel, Taufstein und Abendmahlstisch ermöglichen.
Der Raum verzichtete auf die mittelalterliche Trennung zwischen Langhaus, Seitenschiffen und abgeschiedenem Chor.
Die Anordnung entsprach dem reformierten Verständnis der Gemeinde als versammelter Gemeinschaft.
Der Innenraum erhielt dennoch eine repräsentative barocke Gestaltung mit:
- weissen Stuckaturen;
- Säulen und Pilastern;
- reich gegliederten Emporen;
- braunem Holzwerk;
- grossen Fenstern;
- einer zentral ausgerichteten Kanzelanlage.
Das Kirchenschiff misst innen ungefähr 26,5 Meter in der Länge und 18 Meter in der Breite.
Architektur
Gesamtanlage
St. Peter verbindet Bauteile aus unterschiedlichen Epochen.
Der Bau besteht aus:
- dem mittelalterlichen Chorturm;
- dem barocken Kirchenschiff;
- dem Chor- und Kanzelbereich;
- Emporen;
- Sakristei- und Nebenräumen;
- dem umgebenden Kirchplatz.
Der massive Turm steht im Osten. Das breitere barocke Schiff schliesst westlich daran an.
Die Kombination eines romanischen Turms mit einem barocken Predigtsaal verleiht der Kirche ihr charakteristisches Erscheinungsbild.
Äusseres
Das Kirchenschiff besitzt verputzte Fassaden und grosse Rundbogenfenster.
Die Fassaden sind vergleichsweise schlicht gegliedert. Natursteinelemente markieren Ecken, Fenster und Eingänge.
Das steile Dach ist mit Ziegeln gedeckt.
Der Turm besteht in den unteren Geschossen aus kräftigem Sandsteinmauerwerk. Die oberen Teile zeigen spätere Veränderungen und werden von einem hohen Spitzhelm abgeschlossen.
Kirchenschiff
Das barocke Kirchenschiff ist ein heller und breit gelagerter Saal.
Die Emporen ziehen sich an mehreren Seiten des Raums entlang.
Die Stützen der Emporen und die rhythmisch angeordneten Fenster gliedern den Raum.
Die breite Anlage sorgt dafür, dass Kanzel und liturgisches Zentrum von möglichst vielen Plätzen aus sichtbar bleiben.
Die Akustik eignet sich besonders für Sprache, Chor und Instrumentalmusik.
Chorbereich
Der Chor befindet sich im östlichen Teil unterhalb des mittelalterlichen Turms.
Die mittelalterliche Funktion des Chors wurde durch den barocken Umbau und die reformierte Liturgie grundlegend verändert.
Kanzel, Taufstein und Abendmahlstisch bilden das liturgische Zentrum.
Der Chorbereich wurde bei späteren Renovationen mehrfach umgestaltet.
Emporen
Die Emporen boten zusätzliche Sitzplätze für die wachsende Gemeinde.
Sie gehören zu den wichtigsten architektonischen Merkmalen des reformierten Barockraums.
Auf der westlichen Empore befindet sich die Orgel.
Bei der Innenrenovation von 2024 und 2025 wurde die Nutzung der Emporen neu organisiert. Technische und betriebliche Einrichtungen wurden verbessert, ohne den denkmalgeschützten Raumeindruck grundsätzlich zu verändern.
Turm
Der Turm von St. Peter ist 64 Meter hoch.
Sein Grundriss bildet ein Quadrat mit einer Seitenlänge von ungefähr 9,2 Metern.
Der untere Teil geht auf die spätromanische Chorturmkirche des 13. Jahrhunderts zurück.
Der Turm wurde später mehrfach erhöht und umgebaut.
Der Spitzhelm ist mit rund 70'000 Lärchenschindeln gedeckt. Bis zur ehemaligen Turmwächterstube führen etwa 180 Stufen.[5]
Der Turm kann in der Regel nur im Rahmen besonderer Führungen besichtigt werden.
Eigentumsverhältnisse
St. Peter besitzt ungewöhnliche, historisch entstandene Eigentumsverhältnisse.
Der Turm gehört der Stadt Zürich.
Das Kirchenschiff, der Glockenstuhl und die Glocken gehören der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich.
Diese Aufteilung beruht auf den früheren öffentlichen Funktionen des Turms.
Die Stadt war für:
- die öffentliche Uhr;
- die amtliche Zeit;
- die Brandwache;
- den baulichen Unterhalt des Turms
verantwortlich.
Die Kirchgemeinde nutzte dagegen das Schiff und das Geläut für Gottesdienste und kirchliche Aufgaben.
Bis 1798 gehörte der Turm dem Stadtstaat Zürich. Seit der Neuordnung nach der Helvetischen Republik vertritt die politische Stadt Zürich die entsprechenden Eigentumsrechte.[3]
Turmuhr
Erste Uhr
St. Peter erhielt um 1366 beziehungsweise 1368 eine mechanische Turmuhr.
Die historischen Quellen und späteren Darstellungen nennen leicht unterschiedliche Jahreszahlen.
Die Uhr gilt als eine der frühesten öffentlichen Schlaguhren der Eidgenossenschaft.
Das erste Zifferblatt war zum Rathaus und zur Limmat ausgerichtet. Die Uhr besass zunächst nur einen Stundenzeiger.
Sie schlug die vollen Stunden und gab der Bevölkerung eine gemeinsame öffentliche Zeit.
Vier Zifferblätter
1538 erhielt der Turm vier grosse Zifferblätter.
Sie wurden vom Uhrmacher Hans Luterer aus Waldshut geschaffen.
Die Zifferblätter waren ursprünglich nicht alle genau gleich gross. Das grösste besass zeitweise einen Durchmesser von mehr als neun Metern.
Die heutigen Zifferblätter messen je 8,64 Meter im Durchmesser. Ihr Umfang beträgt ungefähr 27,3 Meter.
Sie gelten als die grössten Kirchturmzifferblätter Europas.[5]
Zeiger und Zahlen
Der Minutenzeiger ist rund vier Meter lang und wiegt ungefähr 92 Kilogramm.
Der Stundenzeiger ist rund 3,1 Meter lang und wiegt etwa 74 Kilogramm.
Die römischen Stundenzahlen erreichen eine Höhe von ungefähr 90 bis 110 Zentimetern.
Der Minutenzeiger bewegt sich bei jedem Schritt um ungefähr 45,5 Zentimeter am äusseren Rand des Zifferblatts.
Die aussergewöhnliche Grösse ermöglicht das Ablesen der Zeit aus grossen Teilen der Altstadt und von der gegenüberliegenden Limmatseite.
Offizielle Zürcher Zeit
Die Uhr von St. Peter zeigte über Jahrhunderte die offizielle Lokalzeit Zürichs an.
Andere Uhren und öffentliche Abläufe richteten sich nach ihr.
Die Uhr hatte Bedeutung für:
- Marktzeiten;
- Ratssitzungen;
- Gottesdienste;
- Arbeitsbeginn und Arbeitsende;
- Öffnung und Schliessung der Stadttore;
- Wachtdienst;
- öffentliche Veranstaltungen.
Mit der Verbreitung privater Uhren, der Eisenbahnzeit und später der mitteleuropäischen Zeit verlor sie ihre Funktion als alleinige städtische Referenz.
Technische Erneuerungen
Das Uhrwerk wurde mehrfach erneuert.
1927 und 1928 erfolgte eine grundlegende Überarbeitung des Turmhelms und der Uhr.
1996 wurden Turm und Zifferblätter renoviert. Die Steuerung der Uhr wurde elektronisch modernisiert.
Das historische Erscheinungsbild blieb erhalten.
Feuerwache
Der Turm diente bis 1911 als Brandwache.
Die Turmwächterstube befindet sich in ungefähr 40 Metern Höhe.
Der Feuerwächter beobachtete die Stadt und die Umgebung in alle vier Himmelsrichtungen.
Er musste regelmässig Ausschau nach Rauch und Feuer halten.
Bei einem Brand:
- blies er in ein Feuerhorn;
- gab er am Tag mit einer roten Fahne die Richtung an;
- zeigte er in der Nacht mit einer roten Laterne die Brandstelle;
- alarmierte er die städtischen Löschmannschaften.
Die erhöhte Lage bot einen weiten Blick über Dächer, Gassen und Vorstädte.
Der Turmwächter überwachte zusätzlich die Uhr und teilweise das Läuten der Glocken.
Die Abschaffung der Feuerwache im Jahr 1911 stand im Zusammenhang mit moderner Telekommunikation, professioneller Feuerwehr und verbesserten Alarmanlagen.
Glocken
Mittelalterliche Glocken
Bis 1880 hingen sechs ältere Glocken im Turm.
Eine Glocke aus dem Jahr 1294 gilt als älteste erhaltene Glocke des Kantons Zürich und als eine der ältesten Glocken der Schweiz.
Sie befindet sich heute im Schweizerischen Nationalmuseum.
Die mittelalterlichen Glocken wurden für Gottesdienste, Gebet, Alarm und öffentliche Signale verwendet.
Heutiges Geläut
Das heutige fünfstimmige Geläut wurde 1880 von der Glockengiesserei Jakob Keller in Unterstrass gegossen.
| Glocke | Ton | Gewicht | Traditionelle Funktion |
|---|---|---|---|
| Grosse Glocke | As | 6'203 kg | Totenglocke und Festglocke |
| Zweite Glocke | C | 2'573 kg | Rufglocke vor dem Gottesdienst |
| Dritte Glocke | Es | 1'445 kg | Betzeitglocke |
| Vierte Glocke | As | 582 kg | Ehemalige Sturmglocke |
| Kleine Glocke | C | 312 kg | Taufglocke |
Das Gesamtgewicht beträgt rund 11'115 Kilogramm.[5]
Die grösste Glocke wird traditionell auch im Zusammenhang mit dem Sechseläuten geläutet.
Innenausstattung
Kanzel
Die Kanzel bildet einen Mittelpunkt des reformierten Kirchenraums.
Sie verdeutlicht die zentrale Bedeutung der Predigt und der öffentlichen Bibelauslegung.
Ihre erhöhte Lage ermöglicht den Sicht- und Hörkontakt mit der versammelten Gemeinde.
Die Kanzelanlage wurde im Laufe der Zeit verändert und restauriert, blieb aber Teil der barocken Raumordnung.
Taufstein
Der Taufstein steht im vorderen Bereich des Kirchenschiffs.
In der reformierten Tradition wird die Taufe als Handlung innerhalb der versammelten Gemeinde verstanden.
Die zentrale Aufstellung betont die Zugehörigkeit der Getauften zur Gemeinschaft.
Abendmahlstisch
Der Abendmahlstisch ersetzte nach der Reformation den katholischen Hochaltar.
Seine schlichte Form entspricht dem reformierten Verständnis des Abendmahls.
Der Tisch kann je nach Gottesdienst und Veranstaltung unterschiedlich im Raum angeordnet werden.
Stuckaturen
Die weissen Stuckaturen gehören zu den wichtigsten Schmuckelementen des barocken Innenraums.
Sie gliedern Decken, Emporen und architektonische Übergänge.
Pflanzliche Ornamente, Rahmen und plastische Formen setzen zurückhaltende Akzente.
Die helle Gestaltung verstärkt den Eindruck eines offenen und lichtreichen Predigtsaals.
Holzwerk
Das braune Holzwerk der Emporen, Brüstungen und Sitzbereiche bildet einen Kontrast zu den hellen Wänden und Stuckaturen.
Die Ausstattung wurde bei verschiedenen Renovationen erneuert, ergänzt oder restauriert.
Kirchenfenster
Die grossen Fenster tragen wesentlich zur hellen Wirkung des Kirchenschiffs bei.
Die heutige Verglasung entstand in mehreren Phasen.
Bei der Renovation von 1970 bis 1974 wurden ältere Bauteile freigelegt und der Chorbereich neu gestaltet. Die sichtbaren Fenster erhielten eine stärkere gestalterische Bedeutung.
Die Glasmalereien verbinden den historischen Barockraum mit moderner sakraler Kunst.
Farbe und Licht verändern die Wirkung des Raums je nach Tageszeit und Wetter.
Orgel
Heutige Orgel
Die heutige Orgel wurde 1974 von der Orgelbaufirma Mühleisen aus Strassburg erbaut.
Sie besitzt 52 Register auf drei Manualen und Pedal.[6]
Die Orgel ist als vielseitiges Instrument konzipiert und eignet sich für Musik unterschiedlicher Epochen.
Sie wird verwendet für:
- Gottesdienste;
- Orgelkonzerte;
- Chorbegleitung;
- Kammermusik;
- liturgische Feiern;
- musikalische Ausbildung.
2019 wurde das Instrument durch Thomas Wälti aus Gümligen revidiert.
Frühere Orgeln
Die reformierte Kirche Zürich stand Musikinstrumenten im Gottesdienst nach der Reformation zunächst zurückhaltend gegenüber.
Erst im 19. Jahrhundert wurden in den Altstadtkirchen wieder Orgeln eingebaut.
Die erste Orgel von St. Peter entstand 1871 bei Kuhn & Spaich.
1914 baute Carl Theodor Kuhn ein neues Instrument.
1945 wurde diese Orgel durch Orgelbau Kuhn umfassend umgebaut.
1974 ersetzte die heutige Mühleisen-Orgel das Vorgängerinstrument.
Kantorei St. Peter
Die Kantorei St. Peter wurde 1869 als Kirchenchor St. Peter gegründet.
Sie gilt als ältester noch bestehender Kirchenchor der Stadt Zürich.[6]
Die Kantorei führt geistliche Werke verschiedener Epochen auf.
Zum Repertoire gehören:
- Motetten;
- Kantaten;
- Oratorien;
- Psalmen;
- zeitgenössische Chormusik;
- Werke schweizerischer Komponisten.
Der Chor wirkt bei Gottesdiensten, Konzerten und kirchlichen Feiertagen mit.
Johann Caspar Lavater
Der bekannteste Pfarrer von St. Peter nach der Reformationszeit war Johann Caspar Lavater.
Er wurde 1741 in Zürich geboren und wirkte seit 1778 bis zu seinem Tod 1801 als Pfarrer an St. Peter.
Lavater war:
- reformierter Theologe;
- Schriftsteller;
- Philosoph;
- Seelsorger;
- politischer Publizist;
- Vertreter der Physiognomik.
Seine Schriften wurden in ganz Europa gelesen. Er unterhielt Kontakte zu zahlreichen Gelehrten, Künstlern, Fürsten und Schriftstellern.
Zu seinen Gesprächspartnern und Korrespondenten gehörten unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Moses Mendelssohn.
Lavater predigte vor grossen Zuhörerschaften. Seine emotionale, bildhafte Sprache und seine persönliche Ausstrahlung machten ihn weit über Zürich hinaus bekannt.
Während der französischen Besetzung geriet er in Konflikt mit den neuen politischen Machthabern.
1799 wurde Lavater bei einem Zwischenfall in Zürich von einem französischen Soldaten angeschossen. Er starb 1801 an den Folgen der Verletzung.
Das nahe gelegene Lavaterhaus erinnert an sein Leben und Wirken.
Lavaterhaus
Das Lavaterhaus steht an der St.-Peter-Hofstatt 6.
Es diente als Pfarrhaus und Wohnort Johann Caspar Lavaters.
Heute wird es für kirchliche, kulturelle und wissenschaftliche Veranstaltungen genutzt.
Im Lavatersaal finden statt:
- Vorträge;
- Lesungen;
- Konzerte;
- Gesprächsveranstaltungen;
- Ausstellungen;
- private und kirchliche Feiern.
Eine Sammlung vermittelt Einblicke in Lavaters Leben, Werk und internationale Beziehungen.
Friedhof und Bestattungen
Rund um St. Peter bestand während Jahrhunderten ein Friedhof.
Die Lage auf dem Kirchenhügel und die Funktion als Pfarrkirche machten das Gelände zu einem wichtigen Bestattungsplatz der linksufrigen Stadt.
Bestattet wurden:
- Pfarrer;
- Angehörige städtischer Familien;
- Handwerker und Bürger;
- Amtsträger;
- Bewohner der Pfarrei.
Auch im Innern der Kirche befanden sich Gräber.
Zu den bekanntesten dort bestatteten Personen gehörte Bürgermeister Rudolf Brun.
Mit dem Bevölkerungswachstum und aus hygienischen Gründen wurden Bestattungen innerhalb der Stadt zunehmend eingeschränkt und schliesslich auf neue Friedhöfe ausserhalb der dicht bebauten Altstadt verlegt.
Archäologische Grabungen brachten zahlreiche Gräber und menschliche Überreste zum Vorschein.
Kirchplatz
Die St.-Peter-Hofstatt bildet einen ruhigen Platz innerhalb der dicht bebauten Altstadt.
Historische Bürgerhäuser und das Lavaterhaus umgeben die Kirche.
Der Platz dient als:
- Zugang zur Kirche;
- Begegnungsraum;
- Ort für Führungen;
- Veranstaltungsfläche;
- ruhiger Aufenthaltsort.
Seine heutige Gestaltung entstand in mehreren Etappen.
Der offene Platz ermöglicht freie Blicke auf das Kirchenschiff und den Turm.
Renovation 1970–1974
Zwischen 1970 und 1974 wurde St. Peter umfassend renoviert.
Die Arbeiten umfassten:
- archäologische Untersuchungen;
- Freilegung älterer Fundamente;
- Restaurierung des barocken Innenraums;
- Erneuerung technischer Anlagen;
- Umgestaltung des Chorbereichs;
- Einbau der neuen Orgel;
- denkmalpflegerische Sicherung des Bauwerks.
Bei den Grabungen wurden römische Mauerreste, frühmittelalterliche Gräber und Fundamente mehrerer Vorgängerkirchen dokumentiert.
Die Untersuchungen lieferten wesentliche Erkenntnisse zur frühen Kirchengeschichte Zürichs.
Die Renovation prägte das Erscheinungsbild des Innenraums bis zum erneuten Umbau von 2024 und 2025.
Turmrenovation von 1996
1996 wurde der Turm umfassend instand gesetzt.
Zu den Arbeiten gehörten:
- Erneuerung der Lärchenschindeln;
- Restaurierung der Zifferblätter;
- Vergoldung der Zeiger;
- Sanierung des Mauerwerks;
- Revision der Uhr;
- Einführung einer elektronischen Steuerung.
Das historische Erscheinungsbild des Turms blieb erhalten.
Innenrenovation 2024–2025
Von Juli 2024 bis Oktober 2025 wurde der Innenraum erneut umfassend instand gesetzt.
Die Arbeiten waren notwendig, weil Oberflächen, Stuckaturen und technische Anlagen deutliche Alterungserscheinungen aufwiesen.
Das Projekt umfasste:
- Restaurierung von Wänden und Stuckaturen;
- Erneuerung der Gebäudetechnik;
- Modernisierung von Beleuchtung und Audioanlage;
- Verbesserung der Lüftung;
- Neugestaltung von Emporenbereichen;
- Einrichtung einer kleinen Küche;
- Erneuerung der Toiletten;
- Schaffung zusätzlicher Lagerflächen;
- Einbau eines Lastenlifts;
- Verbesserung der betrieblichen Abläufe;
- Entwicklung eines flexibleren Bestuhlungskonzepts.
Die Kosten wurden mit rund 6,86 Millionen Franken angegeben. Die Planung und Ausführung erfolgte durch Schäublin Architekten AG.[2]
Der Turm war nicht Bestandteil dieses Projekts, da er der Stadt Zürich gehört.
Die renovierte Kirche wurde wieder stärker als multifunktionaler Gottesdienst-, Musik- und Festsaal ausgerichtet.
Kirchliche Organisation
St. Peter gehört zur Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich.
Seit der gesamtstädtischen Zusammenführung der reformierten Kirchgemeinden ist die Kirche Teil des Kirchenkreises eins.
Zum Kirchenkreis eins gehören mehrere Altstadtkirchen und kirchliche Einrichtungen.
St. Peter wird genutzt für:
- reformierte Gottesdienste;
- Abendmahlsfeiern;
- Taufen;
- Trauungen;
- Abdankungen;
- Seelsorge;
- Meditation;
- ökumenische Veranstaltungen;
- Bildungsangebote;
- kulturelle Feiern.
Musik und Kultur
St. Peter besitzt aufgrund seines grossen Saalraums und seiner ausgewogenen Akustik eine bedeutende Funktion als Konzertkirche.
Aufgeführt werden:
- Orgelmusik;
- Chormusik;
- Kammermusik;
- Barockmusik;
- klassische geistliche Werke;
- zeitgenössische Kompositionen;
- musikalische Gottesdienste.
Die Kirche wird ausserhalb der Gottesdienstzeiten auch für öffentliche Feiern, Vorträge und Dialogveranstaltungen genutzt.
Die Verbindung von kirchlichem Raum und städtischer Öffentlichkeit knüpft an die historische Funktion als Stadtkirche an.
Touristische Bedeutung
St. Peter gehört zusammen mit Grossmünster und Fraumünster zu den meistbesuchten historischen Kirchen Zürichs.
Besonders bekannt sind:
- die monumentalen Zifferblätter;
- der mittelalterliche Turm;
- der barocke Innenraum;
- die Mühleisen-Orgel;
- das Lavaterhaus;
- die Lage in der Altstadt.
Der Eintritt in das Kirchenschiff ist grundsätzlich kostenlos.
Besucherinnen und Besucher werden gebeten, Gottesdienste, Gebet und persönliche Andacht zu respektieren.
Der Turm ist normalerweise nicht frei zugänglich. Turmführungen werden zu bestimmten Terminen oder für angemeldete Gruppen angeboten.[7]
Denkmalpflege
St. Peter ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung eingestuft.
Der Denkmalwert beruht auf:
- den frühmittelalterlichen Ursprüngen;
- dem romanischen Chorturm;
- dem barocken Kirchenschiff;
- der historischen Turmuhr;
- der stadtgeschichtlichen Bedeutung;
- der Verbindung zur Reformation;
- der weitgehend erhaltenen Altstadtumgebung.
Bauliche Veränderungen müssen eng mit der Denkmalpflege abgestimmt werden.
Eine besondere Herausforderung besteht in der Erhaltung verschiedener Zeitschichten. Die Kirche soll weder auf einen vermeintlich einheitlichen mittelalterlichen noch auf einen ausschliesslich barocken Zustand zurückgeführt werden.
Bedeutung für die Stadtgeschichte
St. Peter dokumentiert mehr als zwölf Jahrhunderte Zürcher Geschichte.
Die Kirche steht für:
- die frühmittelalterliche Christianisierung;
- die königliche Herrschaft im Zürichgau;
- den Einfluss des Fraumünsterstifts;
- die Entwicklung der städtischen Pfarrorganisation;
- den Aufstieg der Stadtgemeinde;
- die Zunftverfassung Rudolf Bruns;
- die Zürcher Reformation;
- den reformierten Barock;
- die öffentliche Zeitmessung;
- die städtische Brandwache;
- das Wirken Johann Caspar Lavaters;
- die moderne Nutzung historischer Kirchen.
Die ungewöhnliche Aufteilung des Eigentums zwischen Stadt und Kirchgemeinde erinnert an die frühere Einheit von kirchlichen, politischen und öffentlichen Aufgaben.
Vergleich mit anderen Altstadtkirchen
| Kirche | Historische Hauptfunktion | Besonderheit |
|---|---|---|
| Grossmünster | Chorherrenstift und Reformationszentrum | Doppeltürme, Zwingli und Prophezei |
| Fraumünster | Frauenstift | Chagall- und Giacometti-Fenster |
| St. Peter | Stadt- und Pfarrkirche | Grösste Kirchturmzifferblätter Europas |
| Wasserkirche | Kirche am Ort der Stadtheiligenlegende | Verbindung zu Felix und Regula |
| Predigerkirche | Klosterkirche der Dominikaner | Hoher neugotischer Turm und Bibliotheksgeschichte |
St. Peter unterscheidet sich von Grossmünster und Fraumünster dadurch, dass die Kirche während des Mittelalters keinem eigenen Stift oder Kloster angehörte.
Sie war deshalb besonders eng mit der städtischen Bevölkerung und der kommunalen Obrigkeit verbunden.
Zeittafel
| Zeitraum oder Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Römische Zeit | Im Bereich des späteren Kirchenplatzes entstehen römische Mauern und Siedlungsspuren. |
| 6. Jahrhundert | Frühmittelalterliche Gräber werden auf dem Petershügel angelegt. |
| 8. oder 9. Jahrhundert | Errichtung des ältesten archäologisch nachgewiesenen Kirchenbaus. |
| 21. Juli 857 | Erste urkundliche Erwähnung der Kirche in einer Urkunde Ludwigs des Deutschen. |
| 10. Jahrhundert | Ausbau oder Neubau einer frühromanischen Kirche. |
| 13. Jahrhundert | Errichtung einer spätromanischen Chorturmkirche; der untere Teil des heutigen Turms entsteht. |
| 1345 | Bürgermeister Rudolf Brun erwirbt Rechte und Pflichten an St. Peter. |
| 1360 | Rudolf Brun wird in der Kirche bestattet. |
| um 1366/1368 | Der Turm erhält eine frühe mechanische Schlaguhr. |
| um 1450 | Spätgotische Renovation der Kirche. |
| 1523 | Leo Jud wird erster reformierter Pfarrer von St. Peter. |
| 1520er-Jahre | Entfernung katholischer Altäre, Bilder und liturgischer Einrichtungen. |
| 1538 | Hans Luterer schafft vier grosse Zifferblätter für den Turm. |
| 1542 | Tod Leo Juds. |
| 1705 | Beginn des Neubaus des barocken Kirchenschiffs. |
| November 1706 | Einweihung der neuen reformierten Barockkirche. |
| 1778 | Johann Caspar Lavater übernimmt das Pfarramt an St. Peter. |
| 1799 | Lavater wird während der französischen Besetzung angeschossen. |
| 1801 | Tod Johann Caspar Lavaters. |
| 1871 | Einbau der ersten neuzeitlichen Orgel. |
| 1869 | Gründung des Kirchenchors St. Peter, der heutigen Kantorei. |
| 1880 | Guss und Einbau des heutigen fünfstimmigen Geläuts. |
| 1911 | Aufhebung der städtischen Feuerwache im Turm. |
| 1914 | Einbau einer neuen Orgel von Carl Theodor Kuhn. |
| 1927–1928 | Erneuerung des Turmhelms und Überarbeitung der Uhr. |
| 1945 | Grosser Umbau der Orgel. |
| 1970–1974 | Archäologische Untersuchungen und umfassende Renovation der Kirche. |
| 1974 | Einbau der heutigen Mühleisen-Orgel. |
| 1996 | Renovation von Turm, Zifferblättern und Uhr. |
| 2019 | Revision der Orgel. |
| Juli 2024 | Beginn der umfassenden Innenrenovation. |
| Oktober 2025 | Abschluss der Innenrenovation und Wiederaufnahme der regulären Nutzung. |
Siehe auch
- Zürich
- Altstadt (Zürich)
- Geschichte der Stadt Zürich
- Grossmünster
- Fraumünster
- Wasserkirche
- Predigerkirche Zürich
- Zürcher Reformation
- Leo Jud
- Johann Caspar Lavater
- Rudolf Brun
- Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich
- Liste der Kirchen in Zürich
- Liste der Kulturgüter in Zürich
Weblinks
- Offizielle Website der Kirche St. Peter
- Geschichte und Bauwerk
- Musik in St. Peter
- Informationen für Besucherinnen und Besucher
- Geschichte der St. Peterskirche bei der Stadt Zürich
- Informationen zum St. Petersturm
- Informationen zu Turm, Uhr und Eigentumsverhältnissen
- Innenrenovation 2024–2025
Literatur
- Regine Abegg, Christine Barraud Wiener: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Neue Ausgabe, Band II.I: Die Stadt Zürich II.I – Altstadt links der Limmat, Sakralbauten. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2002.
- Arnold Nüscheler: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zürich 1864.
- Stadt Zürich: Geschichte der St. Peterskirche. Unterrichtsmaterial «Gang dur Züri», Zürich.
- Reformierte Kirchgemeinde St. Peter: St. Peter in Zürich. Kirche, Turm und Gemeinde. Zürich.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Geschichte der Kirche St. Peter, Reformierte Kirche Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Instandsetzung Innenraum Kirche St. Peter, Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Die grösste Stoppuhr Europas, Stadt Zürich, 26. Juni 2013.
- ↑ Geschichte der St. Peterskirche, Stadt Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Informationen zum St. Petersturm, Stadt Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Orgel der Kirche St. Peter, Reformierte Kirche Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Häufige Fragen zum Besuch von St. Peter, Reformierte Kirche Zürich, abgerufen am 23. Juli 2026.