Gossau SG
| Gossau | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | St. Gallen |
| Wahlkreis | St. Gallen |
| BFS-Nummer | 3443 |
| Postleitzahlen | 9200 Gossau 9212 Arnegg |
| Koordinaten | 47° 25′ N, 9° 15′ O |
| Höhe | 638 m ü. M. |
| Fläche | 27,51 km² |
| Einwohner | 18'916 |
| Einwohnerstand | 1. Januar 2026 |
| Bevölkerungsdichte | 688 Einwohner je km² |
| Sprache | Deutsch |
| Stadtpräsident | Wolfgang Giella |
| Website | www.stadtgossau.ch |
Gossau ist eine politische Gemeinde und Stadt im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Zur Unterscheidung von Gossau ZH wird sie üblicherweise als Gossau SG bezeichnet. Die Gemeinde gehört zum Wahlkreis St. Gallen und liegt im Fürstenland zwischen den Städten St. Gallen und Wil. Neben dem städtisch geprägten Hauptort Gossau gehört das Dorf Arnegg zum Gemeindegebiet.
Am 1. Januar 2026 zählte Gossau 18'916 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit ist die Gemeinde nach St. Gallen, Rapperswil-Jona und Wil die viertgrösste Stadt des Kantons St. Gallen.[1]
Gossau ist ein regional bedeutender Wohn-, Bildungs-, Industrie- und Dienstleistungsstandort. Die Stadt besitzt mehr als 10'000 Arbeitsplätze und ist insbesondere durch Lebensmittelbetriebe, Verteilzentren, Maschinen- und Metallbauunternehmen sowie zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe geprägt.[2]
Überregionale Bekanntheit besitzt Gossau durch den Walter Zoo, einen der grössten privat entstandenen Zoos der Schweiz. Weitere Wahrzeichen sind die katholische Andreaskirche im Stadtzentrum und das mittelalterliche Schloss Oberberg.
Geographie
Gossau liegt im westlichen Teil des Wahlkreises St. Gallen in einer breiten, leicht gewellten Landschaft zwischen der Stadt St. Gallen, dem Appenzellerland und dem unteren Toggenburg. Die Stadt bildet ein Zentrum des Fürstenlands, einer historischen und geografischen Region westlich von St. Gallen.
Das Gemeindegebiet umfasst 27,51 Quadratkilometer beziehungsweise 2'751 Hektaren.[1] Es reicht vom dicht bebauten Stadtgebiet über das Dorf Arnegg bis zu landwirtschaftlich genutzten Flächen, Weilern, Wäldern und Industriearealen. Trotz der städtischen Entwicklung wird ein grosser Teil des Gemeindegebiets weiterhin land- und forstwirtschaftlich genutzt.
Gossau grenzt im Osten an die Stadt St. Gallen und an Gaiserwald, im Norden an Andwil und Waldkirch, im Westen an Niederbüren, Oberbüren und Flawil sowie im Süden an Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden.
Landschaft und Gewässer
Das Gelände ist durch sanfte Hügel, Geländemulden und breite landwirtschaftliche Ebenen geprägt. Im Süden fällt das Gemeindegebiet zum Tal der Glatt ab. Der Fluss kommt aus dem Gebiet von Herisau und fliesst westwärts in Richtung Oberbüren, wo er in die Thur mündet.
Neben der Glatt durchziehen mehrere kleinere Bäche das Gemeindegebiet. Einige wurden im Zuge der Siedlungs- und Industrieentwicklung eingedolt oder kanalisiert. Hochwasserschutz, ökologische Aufwertung und die Freihaltung von Gewässerräumen gehören zu den Aufgaben der kommunalen Raumplanung.
Wälder und offene Landschaftsräume befinden sich unter anderem bei Oberberg, Neuchlen, Espel, Arnegg und entlang der Grenze zum Kanton Appenzell Ausserrhoden. Sie dienen der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und der Naherholung.
Gemeindeteile
Der Hauptort Gossau umfasst das historische Zentrum und zahlreiche im 19. und 20. Jahrhundert entstandene Wohn- und Gewerbequartiere. Zu den traditionellen Ortsbezeichnungen gehören Oberdorf, Niederdorf, Mettendorf, Gerbhof, Hofegg, Haldenbüel und Mooswies.
Das westlich des Hauptorts gelegene Arnegg besitzt einen eigenständigen dörflichen Charakter. Es verfügt über einen Bahnhof, einen Dorfplatz, Schulen und örtliche Vereine. Obwohl Arnegg politisch zur Stadt Gossau gehört, bestehen enge kirchliche und schulische Verbindungen zur Nachbargemeinde Andwil.[3]
Weitere Weiler und Einzelhöfe liegen vor allem in den landwirtschaftlich geprägten Teilen der Gemeinde. Neuchlen im Nordosten ist insbesondere als Standort des Walter Zoos bekannt.
Name
Der Name Gossau ist alemannischen Ursprungs. Er wird auf die althochdeutsche Bezeichnung Gôzzes ouwa zurückgeführt und bedeutet sinngemäss «Au des Gôzzo». Eine Au bezeichnete ursprünglich ein feuchtes oder an einem Gewässer gelegenes Gelände.
Der Ort wurde am 24. Oktober 824 erstmals als Cozesaua beziehungsweise Cozesouva urkundlich erwähnt. In der betreffenden Urkunde übertrug ein Mann namens Freddo seinen Besitz in Gossau gegen lebenslangen Unterhalt an das Kloster St. Gallen.[4]
In der Ostschweizer Mundart wird Gossau als Gossau mit langem, offenem «o» ausgesprochen. Die Einwohnerinnen und Einwohner werden als Gossauer beziehungsweise Gossauerinnen bezeichnet.
Geschichte
Frühgeschichte und alemannische Besiedlung
Die frühe Besiedlungsgeschichte des heutigen Gemeindegebiets ist nur teilweise bekannt. Archäologische Funde und Flurnamen deuten darauf hin, dass die Gegend bereits während der keltischen und römischen Zeit genutzt wurde. Um 400 v. Chr. dürften keltische Siedler in der Region gelebt haben.[5]
Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Gruppen im Gebiet nieder. Die frühmittelalterliche Siedlung bestand aus einzelnen Höfen und kleinen Weilern, die sich auf den trockeneren Geländeerhebungen der ansonsten teilweise feuchten Landschaft befanden.
Bereits 721 erhielt das Kloster St. Gallen eine Liegenschaft in Arnegg. Die Schenkungsurkunde von 824 für Besitz in Gossau ist das älteste bekannte Schriftzeugnis, das den Namen des Ortes ausdrücklich nennt.[4]
Herrschaft des Klosters St. Gallen
Das Kloster St. Gallen erwarb im Früh- und Hochmittelalter umfangreiche Grundrechte im Gebiet von Gossau. Es errichtete einen Kehlhof, von dem aus der klösterliche Besitz verwaltet und Abgaben eingezogen wurden.
Eine Kirche dürfte bereits im 8. Jahrhundert bestanden haben. 910 wurde eine Gossauer Kirche erstmals ausdrücklich als Eigenkirche des Klosters erwähnt.[6] Sie befand sich am Standort der heutigen Andreaskirche und bildete das religiöse Zentrum einer weitläufigen Pfarrei.
Aus dem klösterlichen Kehlhof entwickelte sich das Gericht Gossau. Grundherrschaft, Niedergericht und später auch die hohe Gerichtsbarkeit lagen weitgehend bei der Abtei St. Gallen. Gossau gehörte damit zum Kerngebiet der späteren Fürstabtei St. Gallen.
Volksbund und Appenzellerkriege
Im Spätmittelalter versuchten sich die Bewohner des Fürstenlands wiederholt von der Herrschaft des St. Galler Abts zu lösen. Am 17. Januar 1401 schloss sich Gossau einem von der Stadt St. Gallen initiierten Volksbund an. Zu diesem Bündnis gehörten auch Appenzell und mehrere Gemeinden des heutigen Fürstenlands und Appenzellerlands.[7]
Das auf dem Bündnisvertrag verwendete Siegel zeigte einen Bären und einen Lindwurm. Auf dieses Motiv geht das heutige Gemeindewappen zurück.
Die Auseinandersetzungen mündeten in die Appenzellerkriege. Gossau wurde mehrfach von Kriegshandlungen betroffen. 1428 wurden das Dorf und seine Kirche bei einem appenzellischen Angriff weitgehend zerstört. Nach dem Ende der Konflikte festigte die Fürstabtei ihre Herrschaft über Gossau erneut.
Das Schloss Oberberg spielte bei der Sicherung des äbtischen Territoriums eine wichtige Rolle. Es wurde während der Appenzellerkriege 1406 erobert und niedergebrannt, danach jedoch wieder aufgebaut.[8]
Reformation und frühe Neuzeit
Während der Reformation schloss sich ein Teil der Gossauer Bevölkerung der neuen Glaubensrichtung an. Zwischen 1528 und 1531 wurden reformierte Gottesdienste gehalten. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg setzte der Fürstabt jedoch die Rückkehr zum katholischen Glauben durch.
Dorfbrände richteten 1638 und 1731 schwere Schäden an. Bei beiden Ereignissen wurde auch die Pfarrkirche zerstört. Die heutige katholische Andreaskirche wurde 1737 geweiht und später mehrfach erweitert und restauriert.[9]
Die Bevölkerung lebte vorwiegend von Ackerbau, Viehzucht und Heimarbeit. Seit dem 15. Jahrhundert wurden Flachs angebaut und Leinwand für die Textilwirtschaft der Stadt St. Gallen hergestellt. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich örtliche Handwerksorganisationen.
Gossauer Volksbewegung
Im 18. Jahrhundert nahmen die Spannungen zwischen der Bevölkerung und der fürstäbtlichen Obrigkeit zu. Anlass waren unter anderem Abgaben, Steuern und die Einschränkung politischer Mitwirkungsrechte.
Ab 1793 entwickelte sich von Gossau aus eine Volksbewegung, die mehr Selbstverwaltung und politische Rechte verlangte. Zu ihren führenden Persönlichkeiten gehörte Johannes Künzle, der den Beinamen «Bot Künzle» trug.
Am 23. November 1795 versammelten sich mehrere Tausend Menschen zu einer Landsgemeinde in Gossau. Der dort zwischen den Untertanen und Fürstabt Beda Angehrn ausgehandelte Gütliche Vertrag gewährte der Bevölkerung verschiedene politische und wirtschaftliche Rechte.
1798 brach die fürstäbtliche Herrschaft zusammen. Gossau wurde Hauptort der kurzlebigen Republik Fürstenland. Ein gewählter Landrat übernahm die Regierungsgewalt, und Johannes Künzle wurde erster Landammann.[10]
Noch im selben Jahr wurde das Gebiet von französischen Truppen besetzt und in den helvetischen Kanton Säntis eingegliedert. Mit der Mediationsakte von 1803 kam Gossau zum neu gegründeten Kanton St. Gallen.
Eisenbahn und Industrialisierung
Im 19. Jahrhundert verlor der traditionelle Getreideanbau an Bedeutung. Viehzucht und Milchwirtschaft wurden ausgebaut, und 1850 entstand im Schloss Oberberg eine der ersten Käsereien der Region.
Ein entscheidender Entwicklungsschritt war die Eröffnung der Eisenbahn. Am 15. Februar 1856 hielt der erste Zug in Gossau. Der damalige Bahnhof befand sich beim heutigen Marktplatz. Wenig später wurde die durchgehende Verbindung nach St. Gallen hergestellt.[11]
Die verbesserten Verkehrsverbindungen förderten die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben. Zunächst prägte die Stickereiindustrie die wirtschaftliche Entwicklung. Zahlreiche Familien arbeiteten in Heimstickereien oder kleineren Fabriken.
Ab 1886 lebte der Erfinder der Schifflistickmaschine, Isaak Gröbli, in Gossau und betrieb im Niederdorf ein Stickereigeschäft.[12]
Die Krise der Ostschweizer Stickereiindustrie nach dem Ersten Weltkrieg führte zu einem wirtschaftlichen Strukturwandel. Lebensmittelverarbeitung, Maschinenbau, Metallindustrie, Baugewerbe und Handel gewannen an Bedeutung.
Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert
Während des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Gossau von einer ländlichen Gemeinde zu einer Stadt und einem bedeutenden Wirtschaftsstandort der Ostschweiz. Neue Wohnquartiere entstanden rund um das historische Zentrum, den Bahnhof und die Industriegebiete.
Besonders im Osten der Stadt wurden Lebensmittelbetriebe, Lagerhäuser und Verteilzentren errichtet. Gossau entwickelte sich dadurch zu einer wichtigen Drehscheibe für die Versorgung der Ostschweiz.
Die zunehmende Bevölkerung erforderte den Bau neuer Schulen, Kirchen, Sportanlagen und Verwaltungsgebäude. Neben der Andreaskirche entstanden unter anderem die evangelisch-reformierte Kirche Haldenbüel und die katholische Pauluskirche.
Seit Anfang 2001 ist Gossau als Einheitsgemeinde organisiert. Die früher getrennten politischen und schulischen Behörden wurden in eine gemeinsame städtische Organisation überführt.[13]
2024 feierte Gossau mit zahlreichen Veranstaltungen das 1200-jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung.[14]
Bevölkerung
Am 1. Januar 2026 lebten 18'916 Menschen in der Stadt Gossau. Davon waren 9'505 weiblich. 3'723 Personen beziehungsweise 19,68 Prozent der Bevölkerung waren jünger als 20 Jahre, während 4'098 Personen mindestens 65 Jahre alt waren.[1]
Die Bevölkerungsentwicklung wurde seit dem 19. Jahrhundert wesentlich durch Industrialisierung, Eisenbahnbau und die Nähe zur Stadt St. Gallen beeinflusst. Besonders stark wuchs Gossau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine ostschweizerische Variante des Schweizerdeutschen gesprochen. Durch die Zuwanderung sind ausserdem Italienisch, Albanisch, Portugiesisch, Englisch, Türkisch und weitere Sprachen verbreitet.
Historisch war Gossau aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Fürstabtei St. Gallen fast vollständig römisch-katholisch. Anfang 2026 gehörten 7'215 Einwohnerinnen und Einwohner der katholischen und 2'823 der evangelisch-reformierten Kirche an. 8'878 Personen waren konfessionslos oder gehörten anderen Religionsgemeinschaften an.[1]
Politik und Verwaltung
Gossau ist als Einheitsgemeinde mit einem Stadtparlament und einem Stadtrat organisiert. Die stimmberechtigte Bevölkerung entscheidet ausserdem in kommunalen Abstimmungen über Sachgeschäfte und wählt die politischen Behörden.
Stadtparlament
Die Legislative ist das Stadtparlament. Es besteht aus 30 Mitgliedern, die alle vier Jahre nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt werden. Das Parlament hält in der Regel sieben öffentliche Sitzungen pro Jahr ab.[13]
Zu seinen Aufgaben gehören der Erlass kommunaler Reglemente, die Genehmigung des Budgets und der Jahresrechnung, die Festsetzung des Steuerfusses, die Bewilligung grösserer Kredite und die politische Kontrolle des Stadtrats.
Im Stadtparlament sind die Parteien SVP, Die Mitte, FDP, SP und GLP sowie die Freie Liste Gossau vertreten. Das Präsidium wechselt jährlich.
Stadtrat
Die Exekutive bildet der fünfköpfige Stadtrat. Seine Mitglieder leiten die Stadtverwaltung, die Schule und die Stadtwerke. Sie werden für eine Amtsdauer von vier Jahren direkt durch die Stimmberechtigten gewählt.
Stadtpräsident der Amtsperiode 2025–2028 ist Wolfgang Giella. Der Stadtpräsident führt das Präsidialdepartement und vertritt die Stadt nach aussen.[2]
Die Stadtverwaltung befindet sich im Rathaus an der Bahnhofstrasse 25. Wegen des Bevölkerungswachstums und zusätzlicher kommunaler Aufgaben wird eine Erneuerung oder Erweiterung des Verwaltungsstandorts geprüft.
Ortsgemeinden
Neben der politischen Gemeinde bestehen öffentlich-rechtliche Ortsgemeinden. Die Ortsgemeinde Gossau besitzt und verwaltet unter anderem Wald, landwirtschaftliche Grundstücke und Liegenschaften. Sie unterstützt kulturelle, soziale und gemeinnützige Projekte.
Wirtschaft
Gossau ist einer der wichtigsten Arbeitsplatzstandorte im Kanton St. Gallen. In der Gemeinde bestehen mehr als 10'000 Arbeitsplätze. Knapp 40 Prozent entfallen auf Handwerk und Industrie, mehr als die Hälfte auf den Dienstleistungssektor.[2]
Die Wirtschaft verteilt sich auf zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen sowie mehrere grosse Produktions- und Verteilbetriebe. Die gute Anbindung an Autobahn und Eisenbahn ist für die Standortentwicklung von grosser Bedeutung.
Lebensmittelindustrie und Logistik
Gossau hat sich im 20. Jahrhundert zu einer wichtigen Lebensmittel- und Logistikdrehscheibe der Ostschweiz entwickelt. Im Osten der Stadt befinden sich grosse Verteilzentren und lebensmittelverarbeitende Betriebe.
Zu den bedeutenden Arbeitgebern gehören die Betriebszentrale der Genossenschaft Migros Ostschweiz, Verteil- und Produktionsbetriebe von Coop und Spar, die Grossbäckerei Jowa sowie die Fleischverarbeiterin Ernst Sutter AG.[15]
Die Nähe zu den Autobahnen, zum Bahnnetz und zu den Absatzmärkten der Ostschweiz begünstigt die Lagerung und Verteilung von Lebensmitteln und Konsumgütern.
Industrie und Gewerbe
Weitere wichtige Branchen sind Maschinenbau, Metallverarbeitung, Druckguss, Bauwirtschaft, Holzbau, Elektroinstallation und die Herstellung von Farben und Beschichtungen.
Zu den in Gossau ansässigen oder mit der Stadt eng verbundenen Unternehmen gehören unter anderem Karl Bubenhofer, Blumer Lehmann, DGS Druckguss Systeme, Aepli Metallbau und Steinemann Technology.
Grössere Gewerbe- und Industriegebiete befinden sich im Osten der Stadt, entlang der Wilerstrasse, im Gebiet Sommerau und in Arnegg. Die Stadt verfolgt das Ziel, bestehende Arbeitsplatzgebiete besser zu erschliessen und gleichzeitig flächensparend weiterzuentwickeln.
Landwirtschaft
Trotz der starken Industrialisierung besitzt die Landwirtschaft weiterhin eine sichtbare Bedeutung. Auf Gemeindegebiet bestehen rund 90 land- und forstwirtschaftliche Betriebe.[1]
Vorherrschend sind Milchwirtschaft, Viehzucht, Ackerbau und Futterproduktion. Landwirtschaftliche Flächen prägen besonders die Umgebung von Arnegg, Oberberg und Neuchlen.
Verkehr
Gossau ist ein bedeutender Verkehrsknoten zwischen St. Gallen, Wil, Herisau und dem Appenzellerland. Eisenbahn, Autobahn, Hauptstrassen und regionale Buslinien erschliessen die Stadt.
Eisenbahn
Der Bahnhof Gossau SG liegt an der Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen. Er wird von Fernverkehrs-, Regional- und S-Bahn-Zügen bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach St. Gallen, Wil, Winterthur, Zürich, Bern, Lausanne, Genf, Rorschach und Sargans.[16]
Gossau ist zudem Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Herisau, Appenzell und Wasserauen. Die Linie wird von den Appenzeller Bahnen als S-Bahn-Linie S23 betrieben.[17]
Der Bahnhof Arnegg liegt ebenfalls an dieser Strecke. Er erschliesst das westliche Gemeindegebiet sowie Teile der Nachbargemeinde Andwil.
Der erste Gossauer Bahnhof wurde 1856 beim heutigen Marktplatz eröffnet. Wegen der wachsenden Bedeutung des Bahnverkehrs wurde die Anlage später an den heutigen Standort verlegt und mehrfach erweitert.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden den Bahnhof Gossau mit den Wohnquartieren, den Industriegebieten, Arnegg, Andwil, Waldkirch, Herisau, Flawil und der Stadt St. Gallen.
Der Walter Zoo wird während seiner Öffnungszeiten regelmässig durch eine Buslinie ab dem Bahnhof Gossau bedient. Das lokale und regionale Verkehrsangebot gehört zum Tarifverbund Ostwind. Gossau liegt in der Tarifzone 212.
Strassenverkehr
Gossau liegt unmittelbar an der Autobahn A1 zwischen Zürich und St. Gallen. Der Autobahnanschluss Gossau erschliesst sowohl die Stadt als auch die grossen Industrie- und Gewerbegebiete.
Hauptstrassen führen nach St. Gallen, Wil, Flawil, Herisau, Waldkirch und Bischofszell. Der starke Pendler-, Einkaufs- und Güterverkehr stellt hohe Anforderungen an die Verkehrsplanung.
Die Stadt fördert neben dem öffentlichen Verkehr auch den Fuss- und Veloverkehr. Neue Verbindungen sollen Wohnquartiere, Bahnhof, Schulen und Arbeitsplatzgebiete sicherer miteinander verbinden.
Bildung
Gossau besitzt ein breites Bildungsangebot. Die städtische Volksschule umfasst Kindergärten, Primarschulen und die Oberstufe. Schulzentren befinden sich unter anderem in den Quartieren Büel, Haldenbüel, Othmar und Rosenau.
Die Schülerinnen und Schüler aus Arnegg besuchen teilweise Einrichtungen der gemeinsamen Schulgemeinde Andwil-Arnegg.[18]
Die katholisch getragene Mädchensekundarschule Gossau, örtlich als Maitlisek bezeichnet, führt Klassen der Real- und Sekundarstufe.[19]
Das private Gymnasium Friedberg wurde 1926 durch Pallottiner gegründet. Es führt Schülerinnen und Schüler zur eidgenössisch anerkannten Maturität.
In Gossau bestehen ausserdem Standorte der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Die Musikschule Fürstenland bietet Instrumental- und Gesangsunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Kultur und gesellschaftliches Leben
Das kulturelle Leben wird durch Vereine, Kirchen, Musikformationen, private Veranstalter und städtische Einrichtungen getragen. Der Fürstenlandsaal dient als Veranstaltungsort für Konzerte, Versammlungen, Theateraufführungen, Ausstellungen und politische Anlässe.
Die Biblio Gossau befindet sich im ehemaligen Happy-Gebäude und bietet Bücher, Zeitschriften, digitale Medien, Filme, Spiele und kulturelle Veranstaltungen an.[20]
Zu den traditionellen Veranstaltungen gehören der Maimarkt, die Fasnacht, verschiedene Quartierfeste und der Chläusler. Der Chläusler findet im November statt und gilt als bedeutendster Jahrmarkt der Stadt.
Auf dem Marktplatz und in der Markthalle werden regelmässig Wochenmärkte mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und regionalen Produkten durchgeführt.
Sehenswürdigkeiten
Andreaskirche und Bibelgarten
Die katholische Andreaskirche prägt den Kirchplatz und das Stadtzentrum. Eine erste Kirche am Standort ist für das Jahr 910 belegt. Nach mehreren Zerstörungen wurde der heutige Bau 1737 geweiht.
Die Kirche wurde im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach erweitert und restauriert. Ihre heutige Gestaltung geht wesentlich auf die Gesamtrenovation von 1990 bis 1992 zurück.[9]
Auf dem Gelände des früheren Friedhofs befindet sich ein frei zugänglicher Bibelgarten. Dort wachsen rund 50 Pflanzenarten, die in der Bibel erwähnt werden.[21]
Schloss Oberberg
Das Schloss Oberberg steht auf einer Anhöhe südöstlich des Stadtzentrums. Es wurde 1262 erstmals erwähnt und diente zur Sicherung des fürstäbtlichen Gebiets.
Nach seiner Zerstörung während der Appenzellerkriege wurde die Anlage wieder aufgebaut. Abt Diethelm Blarer von Wartensee liess sie 1545 weitgehend in ihre heutige Form bringen. Bis 1789 residierten fürstäbtliche Obervögte im Schloss und hielten dort Gericht.[22]
Nach der Aufhebung der Fürstabtei gelangte das Schloss in Privatbesitz. Es wurde unter anderem als Käserei, Stickerei, Steindruckwerkstatt und Gastwirtschaft genutzt. Heute beherbergt es ein Restaurant und ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Schwarzer Adler
Der Schwarze Adler am Kirchplatz wurde 1750 für einen wohlhabenden Tuchhändler errichtet. Das Gebäude diente später als Wirtschaft, Gasthaus sowie Tuch- und Wäschegeschäft.
Die Stadt erwarb das baufällig gewordene Haus 1979 und liess es umfassend restaurieren. Seit 1990 beherbergt es Gastronomie, Gewerberäume und ein Trauzimmer des regionalen Zivilstandsamts.[23]
Weibelhaus
Das 1731 errichtete Weibelhaus gehört zu den historisch bedeutenden Profanbauten Gossaus. Im Innern sind wertvolle Wandmalereien erhalten, die nach Voranmeldung besichtigt werden können.
Walter Zoo
Der Walter Zoo liegt im Weiler Neuchlen. Er wurde 1961 von Walter und Edith Pischl gegründet. Walter Pischl, der als «Tierli Walter» bekannt war, besuchte zunächst mit einzelnen Tieren Schulen in der Region. Die wachsende Tiersammlung wurde später nach Gossau verlegt und für Besucherinnen und Besucher geöffnet.[24]
Der wissenschaftlich geführte Zoo hält mehr als 1000 Tiere aus über 100 Tierarten. Zu den Anlagen gehören Lebensräume für Löwen, Tiger, Schimpansen, Kleine Pandas, Zwergotter, Reptilien und verschiedene Vogelarten.
Der Zoo engagiert sich in den Bereichen Artenschutz, Bildung, Forschung und Erholung. Er ist Mitglied internationaler und nationaler Zooorganisationen, darunter die European Association of Zoos and Aquaria und die World Association of Zoos and Aquariums.[25]
Sport und Freizeit
Gossau verfügt über Sporthallen, Fussballplätze, Tennisanlagen, ein Freibad, Leichtathletikanlagen und weitere Einrichtungen. Das Vereinsleben umfasst Fussball, Handball, Volleyball, Turnen, Leichtathletik, Radsport, Schiessen und zahlreiche weitere Sportarten.
Der bekannteste Fussballverein ist der FC Gossau. Er trägt seine Heimspiele im Sportpark Buechenwald aus und spielte zeitweise in der zweithöchsten Schweizer Liga.
Der Handballclub Fortitudo Gossau besitzt eine lange Tradition und war während mehrerer Spielzeiten in der höchsten Schweizer Spielklasse vertreten.
Die ländlichen Gebiete, Wälder und Wege rund um Oberberg, Arnegg und Neuchlen werden zum Wandern, Joggen und Velofahren genutzt.
Wappen
Das Wappen zeigt in Gold einen aufrecht stehenden schwarzen Bären, der einem grünen Lindwurm mit einem silbernen Kreuz im Rachen gegenübersteht.
Das Motiv geht auf das Siegel des Volksbunds von 1401 zurück. Der Bär verweist auf die Verbindung zur Stadt und zum Kloster St. Gallen, während der Lindwurm vermutlich für die überwundene Bedrohung oder eine ältere örtliche Wappentradition steht.[7]
Persönlichkeiten
In Gossau geboren
- Alois Scheiwiler (1872–1938), römisch-katholischer Bischof von St. Gallen
- Elisabeth Gerter (1895–1955), Schriftstellerin
- Fritz Honegger (1917–1999), Politiker und Bundesrat
- Paul Hälg (* 1954), Chemiker und Manager
- Bruno Damann (* 1957), Arzt und Politiker
- Daniel Bösch (* 1988), Schwinger
Mit Gossau verbunden
- Johannes «Bot» Künzle (1749–1818), Führer der Gossauer Volksbewegung und Landammann der Republik Fürstenland
- Isaak Gröbli (1822–1917), Erfinder der Schifflistickmaschine
- Walter Pischl (1920–1995), Tierlehrer und Gründer des Walter Zoos
Siehe auch
- Kanton St. Gallen
- Wahlkreis St. Gallen
- Fürstenland
- Arnegg SG
- Bahnhof Gossau SG
- Bahnstrecke Gossau–Wasserauen
- Schloss Oberberg
- Walter Zoo
- FC Gossau
- Liste der Gemeinden des Kantons St. Gallen
- Liste der Städte in der Schweiz
Literatur
- Paul Staerkle: Geschichte von Gossau. Gossau 1961.
- Paul Staerkle: Gossau. 2. Auflage, Cavelti, Gossau 1962.
- Daniel Studer, Isabella Studer-Geisser: Gossau – gestern und heute. Gossau 1988.
- Walter Bianchi: Inventar der Ortsbilder und Kulturobjekte. Stadt Gossau, Gossau 2022.
- Stadt Gossau: Ortsbild Gossau. Baukultur und Siedlungsentwicklung. Gossau 2020.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Gossau
- Geschichte von Gossau
- Sehenswürdigkeiten in Gossau
- Offizielle Website des Walter Zoos
- Gossau im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Gossau in Zahlen, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Willkommen in Gossau, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Arnegg, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Erste urkundliche Erwähnung, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Erste Besiedlung, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Paul Staerkle: Gossau (SG), in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 7,0 7,1 Volksbund, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Schloss Oberberg, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 9,0 9,1 Andreas-Kirche, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Eigenständigkeit, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Die Eisenbahn kommt, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Isaak Gröbli, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ 13,0 13,1 Politik, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Abgeschlossene Projekte, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Bericht und Antrag vom 26. September 2024, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Bahnhof Gossau SG, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Fahrplan Gossau–Appenzell–Wasserauen, Appenzeller Bahnen, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Primarschule, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Mädchensekundarschule, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Biblio Gossau, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Sehenswertes, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Schloss Oberberg, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Schwarzer Adler, Stadt Gossau, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Unser Zoo, Walter Zoo, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Walter Zoo, offizielle Website, abgerufen am 6. August 2026.
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