Walter Zoo
| Walter Zoo | |
|---|---|
| Ort | Gossau SG, Kanton St. Gallen |
| Adresse | Neuchlen 200, 9200 Gossau SG |
| Eröffnung | 1961 |
| Gründer | Walter und Edith Pischl |
| Tierbestand | über 1'000 Tiere |
| Tierarten | über 100 |
| Fläche | rund 9,4 ha Gesamtareal |
| Zoodirektorin | Karin Federer |
| Trägerschaft | Walter Zoo AG Gossau |
| Mitgliedschaften | WAZA, EAZA, VdZ, IUCN, zooschweiz |
| Website | www.walterzoo.ch |
Der Walter Zoo ist ein wissenschaftlich geführter Zoo in Gossau SG im Kanton St. Gallen. Er gehört zu den bedeutenden zoologischen Einrichtungen der Ostschweiz und beherbergt über 1'000 Tiere aus mehr als 100 Tierarten.[1]
Der Zoo entstand 1961 aus einer privaten Schultierschau von Walter und Edith Pischl. Aus dem kleinen Familienbetrieb entwickelte sich über mehrere Generationen eine moderne zoologische Institution, die sich neben der Tierhaltung insbesondere den Bereichen Artenschutz, Umweltbildung und Erhaltung der biologischen Vielfalt widmet. Der Walter Zoo ist Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Zoo- und Naturschutzorganisationen.
Geschichte
Die Anfänge des Walter Zoos reichen ins Jahr 1961 zurück. Walter Pischl wollte insbesondere Kinder für Tiere begeistern und dadurch ihr Interesse an der Natur fördern. Gemeinsam mit seiner Frau Edith hielt er Tiere für eine Schultierschau. Rund um das Wohnhaus der Familie im Weiler Neuchlen bei Gossau entstanden erste Tieranlagen. Diese zogen zunehmend Spaziergänger und andere Interessierte an. Mit den Eintrittseinnahmen konnte unter anderem das Futter für die Tiere finanziert werden. Daraus entwickelte sich der spätere Walter Zoo.[1]
Walter Pischl wurde in der Region auch als «Tierli Walter» bekannt. Edith Pischl kümmerte sich neben der Familie um die Finanzen und die Versorgung zahlreicher Tiere. Der pädagogische Gedanke, Kindern Tiere unmittelbar näherzubringen, prägte den Zoo von Beginn an.
Bereits 1963 wurde der Gönnerverein Walter Zoo gegründet. Er unterstützte den Betrieb insbesondere bei finanziellen Engpässen und bei der Realisierung neuer Anlagen.[2]
1973 entstand das erste eigene Schimpansenhaus. Das Gebäude wurde später für die Haltung von Reptilien verwendet. Eine weitere bedeutende Erweiterung erfolgte 1983, als dank der Unterstützung des Gönnervereins ein zusätzliches Grundstück erworben werden konnte. Dort entstand unter anderem ein Stall für verschiedene Huftiere und Trampeltiere.[1]
Zweite Generation
1985 übergaben Walter und Edith Pischl den Zoo ihrer jüngsten Tochter Gabi und deren Ehemann Ernst Federer. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte der Zoo sieben Mitarbeitende. Unter ihrer Leitung wurde der Betrieb schrittweise ausgebaut und professionalisiert.
Zu den wichtigen Projekten dieser Epoche gehörte eine neue Anlage für Schimpansen mit Innen- und Aussenbereichen. Gleichzeitig entstanden betriebliche Einrichtungen wie Quarantänestation, Futterküchen und Werkstätten.
Die Verbindung von Tierwelt und Unterhaltung spielte ebenfalls eine Rolle in der Entwicklung des Walter Zoos. Aus früheren artistischen Darbietungen entwickelte sich das Zootheater, in dem Geschichten mit artistischen Elementen aufgeführt werden.
1997 wurde der Walter Zoo Mitglied der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA). Damit verstärkte sich die Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlich geführten europäischen Zoos insbesondere in den Bereichen Tierhaltung, Bildung, Forschung und Erhaltungszucht.[1]
Nach dem aussergewöhnlich heissen Sommer 2003 und entsprechend niedrigen Besucherzahlen entstand im Winter desselben Jahres das Tingel-Tangel Varieté. Es entwickelte sich zu einem regelmässigen kulturellen Angebot des Zoos.
Dritte Generation
Seit 2011 ist auch die dritte Generation der Betreiberfamilie in die Leitung eingebunden. Karin Federer und Jeannine Gleichmann-Federer, die Töchter von Gabi und Ernst Federer, traten in die Geschäftsleitung ein.
Karin Federer ist Tierärztin und seit 2018 Zoodirektorin. 2021 übergab Ernst Federer ihr den Vorsitz der Geschäftsleitung.[1]
2017 konnte der Walter Zoo ein angrenzendes Grundstück erwerben. Dadurch vergrösserte sich das Gesamtareal von rund 5,5 auf etwa 9,4 Hektaren. Teile dieser zusätzlichen Fläche sind für die langfristige Weiterentwicklung des Zoos vorgesehen.
Masterplan 2040
Die zukünftige räumliche und zoologische Entwicklung des Walter Zoos orientiert sich am sogenannten Masterplan 2040. Dieser soll eine langfristige Entwicklung der Tieranlagen und der Infrastruktur ermöglichen und gleichzeitig neue Erkenntnisse der modernen Zootierhaltung berücksichtigen.[1]
Der Ausbau ist in mehrere Etappen gegliedert. Ein erstes bedeutendes Projekt wurde im Juni 2022 mit einer neuen Gemeinschaftsanlage für Kleine Pandas und Zwergotter eröffnet. Die Anlage verbindet moderne Tierhaltung mit Informationen über die Gefährdung der Arten und ihrer natürlichen Lebensräume.
Im Mai 2023 kam das sogenannte Fliegende Klassenzimmer hinzu. Dort können Besuchende und Schulklassen Vögel während des Flugtrainings beobachten. Die Anlage verbindet Tierbeschäftigung mit Umweltbildung.
Tierbestand
Der Walter Zoo hält mehr als 1'000 Tiere aus über 100 Arten.[1] Vertreten sind Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und verschiedene Wirbellose.
Zu den besonders bekannten Tierarten gehören unter anderem:
- Schimpansen
- Amurtiger
- Berberlöwen
- Kleine Pandas
- Zwergotter
- Erdmännchen
- Zebras
- Vikunjas
- Trampeltiere
- Flamingos
- verschiedene Papageienarten
- Reptilien und Amphibien
Der Zoo beteiligt sich bei verschiedenen gefährdeten Arten an koordinierten Erhaltungs- und Zuchtprogrammen zoologischer Einrichtungen.
Tieranlagen
Die Anlagen des Walter Zoos sind über ein weitläufiges, teilweise bewaldetes Gelände verteilt. Dabei werden unterschiedliche Lebensräume dargestellt und Tierarten aus verschiedenen Regionen der Erde gezeigt.
Schimpansenanlage
Die Schimpansen gehören seit Jahrzehnten zu den prägenden Tierarten des Walter Zoos. Die heutige Anlage besteht aus Innen- und Aussenbereichen und soll den Menschenaffen vielfältige Beschäftigungs-, Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Die Haltung von Schimpansen ist zugleich mit der internationalen Artenschutzarbeit des Zoos verbunden. Der Walter Zoo unterstützt Projekte zum Schutz wildlebender Schimpansen in Afrika.
Löwenanlage
Nach einer rund zehnjährigen Unterbrechung kehrten 2018 Löwen in den Walter Zoo zurück. Löwen hatten bereits für den Zoogründer Walter Pischl eine besondere Bedeutung. Die neue Anlage wurde gemeinsam mit der Zooschule realisiert und bildet einen wichtigen Bereich des heutigen Zoogeländes.[1]
Tigeranlage
Der Walter Zoo hält Amurtiger, die zu den seltensten Grosskatzen der Welt gehören. Die Tierart dient im Zoo auch als Botschafter für den Schutz der Wälder des russischen Fernen Ostens und angrenzender Regionen Asiens.
Kleine Pandas und Zwergotter
Seit 2022 leben Kleine Pandas und Zwergotter in einer im Rahmen des Masterplans 2040 entstandenen Anlage. Besonders der Kleine Panda steht im Bildungsangebot des Zoos beispielhaft für die Folgen der Zerstörung und Zerschneidung natürlicher Lebensräume.
Savannenhaus
Im Savannenhaus werden Tier- und Pflanzenarten gezeigt, die an tropische beziehungsweise savannenartige Lebensräume angepasst sind. Es ermöglicht den Besuchenden, Tiere und Vegetation in einem thematisch gestalteten Innenbereich zu erleben.
Tropen- und Reptilienbereiche
Reptilien, Amphibien und weitere Tiergruppen werden in klimatisch angepassten Innenanlagen präsentiert. Diese Bereiche vermitteln gleichzeitig Informationen über tropische Ökosysteme und die Bedrohung ihrer Artenvielfalt.
Huftiere und Streichelbereich
Zum Tierbestand gehören auch verschiedene Huftiere, darunter Zebras, Vikunjas und Trampeltiere. Für Kinder gibt es zudem Bereiche, in denen der direkte Kontakt zu dafür geeigneten Haustieren möglich ist.
Natur- und Artenschutz
Artenschutz bildet neben Tierhaltung und Bildung eine der zentralen Aufgaben des Walter Zoos. Der Zoo unterstützt Schutzprojekte sowohl in den Herkunftsgebieten seiner Zootiere als auch in der Schweiz.[3]
Der Walter Zoo arbeitet dabei mit internationalen Organisationen und Schutzgebieten auf mehreren Kontinenten zusammen.
Schutz des Amurtigers
Über die WildCats Conservation Alliance unterstützt der Zoo Projekte für den Amurtiger. Dazu gehören die Erforschung der Bestände, der Einsatz von Rangern, die Bekämpfung der Wilderei sowie Massnahmen gegen den Verlust geeigneter Lebensräume.[3]
Schutz der Schimpansen
Der Zoo unterstützt unter anderem das Tacugama Chimpanzee Sanctuary in Sierra Leone sowie das Jane Goodall Institut Schweiz. Die Projekte befassen sich mit dem Schutz der Schimpansen, der Wiederherstellung von Lebensräumen, Umweltbildung und der Bekämpfung von Wilderei.[3]
Schutzgebiete in Belize
In Belize beteiligt sich der Walter Zoo am Schutz der Shipstern Conservation & Management Area. Das Schutzgebiet umfasst rund 400 Quadratkilometer tropischer Landschaft. Dort kommen unter anderem Jaguare, Mittelamerikanische Tapire, Brüllaffen und zahlreiche Vogelarten vor.
Ein vom Walter Zoo finanziertes Ranger-Team unterstützt die Überwachung des Gebietes. Zusätzlich werden voneinander getrennte Waldflächen durch Aufforstungsprojekte wieder miteinander verbunden.[3]
Einheimische Wildtiere
Der Artenschutz beschränkt sich nicht auf exotische Tierarten. Der Walter Zoo engagiert sich ebenfalls für die einheimische Biodiversität.
2020 wurden zwei Wildtierpflegestationen eingerichtet. Eine Igelpflegestation befindet sich beim Naturlehrpfad auf dem Zoogelände. Eine vom Walter Zoo betriebene Wildvogelpflegestation ist beim Naturmuseum St. Gallen angesiedelt.[1]
In der Igelpflegestation werden jährlich zahlreiche verletzte oder geschwächte Tiere behandelt und, wenn möglich, wieder ausgewildert. Zusätzlich bietet der Zoo telefonische Beratungen zum Umgang mit Igeln und zur naturnahen Gestaltung von Gärten an.[3]
Zooschule und Umweltbildung
Die Vermittlung von Wissen gehört seit der Gründung zu den zentralen Aufgaben des Walter Zoos. Die heutige Zooschule bietet Programme für Kinder, Jugendliche, Schulklassen und Lehrpersonen an.
Die Bildungsangebote orientieren sich am schweizerischen Lehrplan 21. Zu den Themen gehören unter anderem Tierverhalten, Evolution, Artenschutz, Lebensräume, Nachhaltigkeit und moderne Tierhaltung.[4]
Neben Führungen und Workshops stehen Lernmaterialien und sogenannte Lernkoffer zur Verfügung. Themen dieser Unterrichtsmaterialien sind beispielsweise Affen, Raubtiere, Huftiere, tropischer Regenwald, bedrohte Tierarten, Evolution und die Aufgaben moderner Zoos.
Der Walter Zoo versteht sich damit auch als ausserschulischer Lernort. 2024 nahmen über 9'000 Personen an Bildungsangeboten des Zoos teil.[1]
Zootheater
Eine Besonderheit des Walter Zoos ist das Zootheater. Es knüpft an die lange Verbindung der Betreiberfamilie mit Artistik und Zirkustradition an.
Während der Hauptsaison werden Geschichten mit Schauspiel und artistischen Elementen aufgeführt. Das Programm richtet sich insbesondere an Familien und Kinder. Die Vorstellungen sind üblicherweise im regulären Zooeintritt enthalten.[4]
Das Zootheater ist historisch eng mit der Familie Pischl-Federer verbunden. Gabi Federer Greulach war wesentlich an der Entwicklung des Theaters und später des Tingel-Tangel Varietés beteiligt. Auch Jeannine Gleichmann-Federer ist im Bereich Show tätig.[1]
Tingel-Tangel Varieté
Das Tingel-Tangel Varieté wurde 2003 ins Leben gerufen. Anlass war ein besonders heisser Sommer, der zu niedrigen Besucherzahlen geführt hatte. Mit einem wetterunabhängigen Winterangebot sollte ein zusätzlicher Anziehungspunkt geschaffen werden.
Das Varieté entwickelte sich zu einer eigenständigen Veranstaltung mit Artistik, Musik, Unterhaltung und Gastronomie und findet ausserhalb des eigentlichen Sommerbetriebs statt.
Besucherzahlen
Der Walter Zoo zählt jährlich mehrere hunderttausend Gäste und gehört damit zu den stark besuchten Freizeiteinrichtungen der Ostschweiz. Im Jahr 2022 wurde mit 291'511 Eintritten ein damaliger Besucherrekord verzeichnet.[5]
2024 besuchten mehr als 275'000 Personen den Zoo.[1] Langfristig bewegt sich die jährliche Besucherzahl damit in einer Grössenordnung von rund 300'000 Personen.
Mitgliedschaften und Zusammenarbeit
Der Walter Zoo ist in mehrere nationale und internationale zoologische Organisationen eingebunden. Dazu gehören unter anderem:
- World Association of Zoos and Aquariums (WAZA)
- European Association of Zoos and Aquaria (EAZA)
- Verband der Zoologischen Gärten (VdZ)
- International Union for Conservation of Nature (IUCN)
- zooschweiz
Diese Zusammenarbeit erleichtert den Austausch zoologischer Fachkenntnisse und die Koordination bei Erhaltungszucht, Forschung, Bildung und Artenschutz.[6]
Besuch
Der Walter Zoo liegt im Ortsteil Neuchlen am Rand von Gossau. Die Adresse lautet Neuchlen 200, 9200 Gossau SG.
Der Zoo ist grundsätzlich während des ganzen Jahres geöffnet. Die regulären Öffnungszeiten sind von März bis Oktober von 9 bis 18 Uhr und von November bis Februar von 9 bis 17 Uhr. Für aktuelle Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Eintrittspreise empfiehlt sich die Konsultation der offiziellen Website.[7]
Auf dem Gelände befinden sich neben den Tieranlagen gastronomische Angebote, Spielplätze, Grillstellen und weitere Einrichtungen für Familien und Gruppen.
Bedeutung
Der Walter Zoo entwickelte sich von einer kleinen privaten Schultierschau zu einer überregional bedeutenden zoologischen Institution. Charakteristisch ist die bis heute bestehende Verbindung von Tierhaltung, direktem Naturerlebnis, Bildung und familienorientierter Unterhaltung.
Gleichzeitig hat sich die Rolle des Zoos im Laufe seiner Geschichte verändert. Artenschutz, wissenschaftlich begründete Tierhaltung und Bildungsarbeit haben zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Mitgliedschaft in internationalen Zooorganisationen sowie die Beteiligung an Schutzprojekten in Europa, Afrika, Asien und Mittelamerika verdeutlichen diese Entwicklung.
Mit dem Masterplan 2040 verfolgt der Walter Zoo das Ziel, Tieranlagen und Infrastruktur langfristig weiterzuentwickeln und seine Funktion als Bildungs- und Artenschutzeinrichtung in der Ostschweiz auszubauen.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Walter Zoo: Jahresbericht 2024, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Gönnerverein Walter Zoo, Walter Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Natur- und Artenschutzprojekte, Walter Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Zooschule, Walter Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 291'511 Besucher:innen im Walter Zoo, Walter Zoo, 17. Februar 2023.
- ↑ Walter Zoo – offizielle Website, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Walter Zoo: Zoobesuch, abgerufen am 9. August 2026.