S10 (S-Bahn Zürich)
| S10 | |
|---|---|
| System | S-Bahn Zürich |
| Bezeichnung | Uetlibergbahn |
| Betreiberin | Sihltal Zürich Uetliberg Bahn |
| Eigentümerin | Sihltal Zürich Uetliberg Bahn |
| Strecke | Uetlibergbahn |
| Talstation | Zürich Hauptbahnhof |
| Bergstation | Uetliberg |
| Wichtige Zwischenstation | Zürich Triemli |
| Stationen | 9 |
| Betriebslänge | 10,36 km |
| Fahrzeit | rund 20 Minuten |
| Grundtakt | 30 Minuten werktags 20 Minuten am Wochenende |
| Maximale Neigung | 79 ‰ |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Eröffnung der Bahnstrecke | 12. Mai 1875 |
| Bezeichnung S10 | seit 27. Mai 1990 |
| Rollmaterial | Be 510 und Be 570 |
Die S10 ist eine Linie der S-Bahn Zürich. Sie verbindet den unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU über Zürich Selnau, Binz, Friesenberg, Schweighof, Triemli und Uitikon Waldegg mit dem Uetliberg, dem Zürcher Hausberg. Die Linie wird von der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) betrieben und unter der traditionellen Bezeichnung Uetlibergbahn vermarktet.
Die S10 ist mit einer maximalen Neigung von 79 Promille eine der steilsten normalspurigen Adhäsionsbahnen Europas. Sie bewältigt den Höhenunterschied ohne Zahnstange. Der untere Abschnitt innerhalb der Stadt Zürich besitzt wegen der kurzen Stationsabstände, des dichten Fahrplans und des hohen Pendleraufkommens den Charakter einer städtischen Schnellbahn. Oberhalb von Zürich Triemli entwickelt sich die Strecke zu einer Bergbahn, die durch Waldgebiete und über den Westhang des Uetlibergs zur rund 400 Meter über dem Zürcher Stadtzentrum gelegenen Endstation führt.[1]
Die Uetlibergbahn wurde 1875 eröffnet und gehört zu den ältesten Bergbahnen der Schweiz. Seit der Verlängerung von Zürich Selnau zum Hauptbahnhof und der Gründung des Zürcher Verkehrsverbunds im Jahr 1990 wird ihr Personenverkehr als S-Bahn-Linie S10 geführt.
Linienführung
Die S10 bedient im regulären Fahrplan folgende Stationen:
| Nr. | Station | Gemeinde | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1 | Zürich HB SZU | Zürich | Unterirdlicher Endbahnhof und Anschluss an den Fern- und Regionalverkehr |
| 2 | Zürich Selnau | Zürich | Unterirdische Station im Stadtzentrum |
| 3 | Zürich Binz | Zürich | Erschliessung des Binz- und Giesshübelgebiets |
| 4 | Zürich Friesenberg | Zürich | Quartierstation |
| 5 | Zürich Schweighof | Zürich | Quartierstation |
| 6 | Zürich Triemli | Zürich | Zwischenendpunkt und wichtiger Umsteigepunkt |
| 7 | Uitikon Waldegg | Uitikon | Erschliessung von Uitikon und Waldegg |
| 8 | Ringlikon | Uitikon | Zugang zum westlichen Uetliberggebiet |
| 9 | Uetliberg | Uetliberggebiet | Bergstation und Ausgangspunkt für Wanderungen |
Die Betriebslänge zwischen Zürich Hauptbahnhof und Uetliberg beträgt 10,36 Kilometer. Die fahrplanmässige Reisezeit über die Gesamtstrecke liegt bei rund 20 Minuten.[2]
Streckenabschnitte
Zürich Hauptbahnhof–Selnau
Die S10 beginnt im unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU, der sich rund 13 Meter unter dem Bahnhofplatz befindet. Die beiden Perrongleise werden gemeinsam mit der S4 der Sihltalbahn benutzt.
Die Strecke führt zunächst durch den Sihltunnel zur unterirdischen Station Zürich Selnau. Dieser Abschnitt wurde am 5. Mai 1990 eröffnet und ersetzte den früheren oberirdischen Kopfbahnhof Selnau.
Der Tiefbahnhof Zürich HB SZU entstand ursprünglich als Teil der in den 1970er-Jahren geplanten Zürcher U-Bahn. Nachdem das U-Bahn-Projekt 1973 in einer Volksabstimmung abgelehnt worden war, blieben bereits erstellte Teile der Anlage zunächst ungenutzt. Sie wurden später für die Verlängerung der Sihltal- und Uetlibergbahn umgebaut.[3]
In Zürich HB bestehen Anschlüsse an den nationalen und internationalen Fernverkehr, an die übrigen Linien der Zürcher S-Bahn sowie an das Tram- und Busnetz der Verkehrsbetriebe Zürich.
Selnau–Binz
Die Station Zürich Selnau liegt unter dem Flussbett der Sihl und besitzt einen Mittelperron. Von dort führt die Strecke weiter durch den Sihltunnel in Richtung Giesshübel.
Die S10 durchfährt den Bereich des Bahnhofs Zürich Giesshübel ohne fahrplanmässigen Halt und verlässt anschliessend die gemeinsame Verkehrsachse mit der Sihltalbahn. Über die Sihlbrücke und einen kurzen oberirdischen Abschnitt erreicht sie Zürich Binz.
Die Station Binz erschliesst ein ehemaliges Industriegebiet, das sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu einem dicht bebauten Wohn- und Arbeitsplatzquartier entwickelt hat. In unmittelbarer Nähe befinden sich zahlreiche Bürogebäude, Bildungseinrichtungen und Gewerbebetriebe.
Binz–Triemli
Zwischen Binz und Triemli besitzt die S10 den Charakter einer städtischen Vorortsbahn. Die Haltestellenabstände sind kurz, und während der Hauptverkehrszeiten wird ein dichter Takt angeboten.
Nach Binz folgen die Stationen Friesenberg und Schweighof. Die Strecke führt durch die Zürcher Quartiere Wiedikon und Friesenberg und überquert mehrere Strassen auf niveaugleichen Bahnübergängen.
Die Station Friesenberg liegt in einer engen Kurve und besitzt nur beschränkte Platzverhältnisse. Die SZU plant deshalb eine Verlegung der Haltestelle auf die östliche Seite der Friesenbergstrasse. Gleichzeitig soll die bestehende Doppelspur verlängert werden. Das Vorhaben dient dem hindernisfreien Ausbau und soll die betriebliche Stabilität der S10 verbessern.[4]
Der Bahnhof Zürich Triemli liegt nahe dem Stadtspital Zürich und ist der wichtigste Zwischenbahnhof der Linie. Zahlreiche zusätzliche S10-Züge enden dort. Anschlüsse bestehen an die Tramlinie 14 und mehrere Buslinien.
Triemli besitzt Wende- und Kreuzungsmöglichkeiten. Im Wochenendfahrplan halten die durchgehenden Züge dort mehrere Minuten, damit kleinere Verspätungen abgebaut und Übertragungen auf entgegenkommende Züge vermieden werden können.
Triemli–Uitikon Waldegg
Oberhalb von Triemli beginnt der eigentliche Bergabschnitt. Die Bahn verlässt das dicht bebaute Zürcher Stadtgebiet und steigt am bewaldeten Nordwesthang des Uetlibergs an.
Die Strecke weist hier starke Neigungen und enge Kurven auf. Der grösste Neigungswert beträgt 79 Promille. Trotz dieser Steigung wird der gesamte Betrieb ausschliesslich durch die Haftung zwischen Rad und Schiene bewältigt.
Die Station Uitikon Waldegg wurde 1964 eröffnet. Sie liegt am Rand der Gemeinde Uitikon und ist ein wichtiger Umsteigepunkt zu den lokalen und regionalen Buslinien. Von dort bestehen Verbindungen nach Uitikon Dorf, Birmensdorf, Schlieren und Zürich Triemli.
Uitikon Waldegg–Ringlikon
Von Uitikon Waldegg steigt die Strecke weiter durch Wald- und Wohngebiete nach Ringlikon. Der Ortsteil Ringlikon liegt am Westhang des Uetlibergs und gehört zur Gemeinde Uitikon.
Der Bahnhof Ringlikon dient als Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen auf den Uetliberg, in Richtung Albisrieden und ins Reppischtal. In der Nähe befinden sich mehrere historische Gebäude und landwirtschaftlich geprägte Flächen.
Zwischen Ringlikon und der Bergstation verläuft die Bahn überwiegend durch Wald. Wegen der starken Steigung und der exponierten Lage können Schnee, Eis, Sturm und umgestürzte Bäume den Betrieb beeinträchtigen.
Ringlikon–Uetliberg
Der letzte Streckenabschnitt führt in mehreren Kurven zur Endstation Uetliberg. Diese liegt unterhalb des eigentlichen Berggipfels auf einer Höhe von rund 810 Metern über Meer.
Von der Bahnstation führt ein ansteigender Fussweg zum Aussichtsturm, zum Hotel und Restaurant Uto Kulm sowie zum Gipfelplateau. Der Fussweg benötigt je nach Kondition ungefähr zehn Minuten.
Der Uetliberg bietet Aussicht auf die Stadt Zürich, den Zürichsee, das Limmattal und bei klarer Sicht auf die Alpen. Die Station ist Ausgangspunkt des Höhenwegs über den Albisgrat in Richtung Felsenegg, Buchenegg und Albispass.
Betrieb
Fahrplanangebot
Die S10 besitzt unterschiedliche Taktmuster an Werktagen und am Wochenende.
Von Montag bis Freitag verkehren die durchgehenden Züge zwischen Zürich Hauptbahnhof und Uetliberg grundsätzlich im Halbstundentakt. Zwischen diesen Fahrten werden zusätzliche Züge von Zürich Hauptbahnhof nach Zürich Triemli angeboten.
Während der Hauptverkehrszeiten besteht auf dem unteren Abschnitt bis Triemli zeitweise ein Zehnminutentakt. Ausserhalb der Hauptverkehrszeiten verkehren die zusätzlichen Triemli-Züge in einer ungleichmässigen Folge zwischen den durchgehenden Zügen.
Am Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen verkehren die Züge während des grössten Teils des Tages alle 20 Minuten über die gesamte Strecke bis Uetliberg. Damit wird dem besonders starken Freizeitverkehr Rechnung getragen.[2]
| Zeitraum | Zürich HB–Triemli | Triemli–Uetliberg |
|---|---|---|
| Montag bis Freitag, Hauptverkehrszeit | bis zu alle 10 Minuten | alle 30 Minuten |
| Montag bis Freitag, übrige Zeit | dichter als Halbstundentakt | alle 30 Minuten |
| Samstag | alle 20 Minuten | alle 20 Minuten |
| Sonn- und Feiertage | alle 20 Minuten | alle 20 Minuten |
| Spätverkehr | teilweise Halbstundentakt | teilweise nur bis Ringlikon |
Einzelne späte Züge enden montags bis donnerstags in Ringlikon. An Freitagen und vor Feiertagen werden sie bis Uetliberg verlängert.
Eine eigene Nacht-S-Bahn-Linie SN10 besteht nicht. Die S10 verkehrt jedoch an Wochenenden bis nach Mitternacht.
Haltepolitik
Die S10 hält bei den regulären durchgehenden Fahrten an allen neun Stationen. Zusätzliche Verstärkungszüge verkehren nur zwischen Zürich Hauptbahnhof und Zürich Triemli.
Zwischen Zürich HB und Triemli erfüllt die Linie vor allem Aufgaben des städtischen Pendlerverkehrs. Oberhalb von Triemli überwiegen neben dem Berufs- und Schülerverkehr der Ausflugs- und Freizeitverkehr.
Velotransport
Die Mitnahme von Velos ist auf dem Abschnitt zwischen Uitikon Waldegg und Uetliberg nicht gestattet. Die Einschränkung gilt wegen der starken Steigung, der begrenzten Fahrzeugkapazität und des hohen Fahrgastaufkommens.[2]
Auf den übrigen Abschnitten gelten die allgemeinen Bestimmungen des Zürcher Verkehrsverbunds und der SZU für den Veloselbstverlad.
Tarif
Auf der gesamten S10 gilt der Zonentarif des Zürcher Verkehrsverbunds. Die Stationen innerhalb der Stadt Zürich liegen in der Tarifzone 110, die wegen des besonders dichten öffentlichen Verkehrsangebots tariflich als zwei Zonen zählt.
Für Fahrten über die Stadtgrenze nach Uitikon und auf den Uetliberg sind zusätzliche Zonen erforderlich. Innerhalb der gelösten Zonen können neben der S10 auch die übrigen S-Bahnen, Trams, Busse, Schiffe und Seilbahnen des Verbundgebiets benutzt werden.
Das Generalabonnement, das Halbtax und die üblichen nationalen Fahrausweise werden anerkannt.
Infrastruktur
Normalspur und Adhäsionsbetrieb
Die S10 verkehrt auf einer normalspurigen Strecke mit einer Spurweite von 1435 Millimetern. Anders als zahlreiche historische Bergbahnen besitzt die Uetlibergbahn keine Zahnstange.
Bereits bei der Planung in den 1870er-Jahren standen ein Zahnradbahnprojekt und eine reine Adhäsionsbahn zur Diskussion. Die Unternehmer entschieden sich für die technisch anspruchsvollere Adhäsionsbahn mit Steigungen von mehr als 70 Promille.[5]
Die maximale Neigung von 79 Promille stellt besondere Anforderungen an die Antriebs-, Brems- und Sicherungssysteme der Fahrzeuge. Die Triebzüge verfügen deshalb über eine leistungsfähige elektrische und mechanische Bremsausrüstung.
Ein- und Doppelspurabschnitte
Die Strecke ist nicht vollständig doppelspurig. Im unteren Stadtgebiet bestehen mehrere Doppelspurabschnitte und Kreuzungsmöglichkeiten, während die Bergstrecke über weite Teile eingleisig ist.
Kreuzungsstellen befinden sich unter anderem im Raum Triemli, Uitikon Waldegg und Ringlikon. Die beschränkte Zahl der Kreuzungsmöglichkeiten bestimmt wesentlich die Fahrplangestaltung.
Beim geplanten Ausbau der Haltestelle Friesenberg soll die Doppelspur im Bereich Borrweg verlängert werden. Dadurch können sich entgegenkommende Züge flexibler begegnen.
Stromversorgung bis 2022
Die Uetlibergbahn wurde 1923 mit 1200 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Die fast gleichzeitig elektrifizierte Sihltalbahn verwendete dagegen das schweizerische Vollbahnsystem mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16,7 Hertz.
Da beide Bahnen zwischen Selnau und Giesshübel dieselben Gleise benutzten, wurde die Gleichstromfahrleitung der Uetlibergbahn seitlich versetzt über dem Gleis angeordnet. Die Fahrzeuge besassen entsprechend seitlich verschobene Stromabnehmer.
Diese technische Besonderheit prägte die Uetlibergbahn während fast eines Jahrhunderts. Sie beschränkte jedoch die betriebliche Flexibilität, da S10- und S4-Züge nicht beliebig alle Gleise benutzen konnten.
Umstellung auf Wechselstrom
Im Sommer 2022 stellte die SZU die Uetlibergbahn von 1200 Volt Gleichstrom auf 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16,7 Hertz um. Seither verwenden S4 und S10 dasselbe Stromsystem.[6]
Für die Umstellung mussten unter anderem:
- Fahrleitungsmasten und Mastfundamente erneuert werden,
- neue Kettenwerke montiert werden,
- Stromversorgungs- und Sicherungsanlagen angepasst werden,
- die seitlich versetzte Fahrleitung durch eine mittige Fahrleitung ersetzt werden,
- Übergangs- und Kreuzungsbauwerke erstellt werden.
Die Vereinheitlichung der Stromsysteme erhöht die betriebliche Flexibilität zwischen Zürich Hauptbahnhof und Giesshübel. S4- und S10-Züge können seither leichter auf andere Gleise ausweichen.
Rollmaterial
Be 510
Die SZU beschaffte 2013 sechs dreiteilige Triebzüge des Typs Be 510 bei Stadler Rail. Sie waren die ersten Zweistromfahrzeuge der Uetlibergbahn und konnten sowohl unter 1200 Volt Gleichstrom als auch unter 15 Kilovolt Wechselstrom verkehren.
Die Zweistromfähigkeit war erforderlich, weil die Fahrzeuge bereits mehrere Jahre vor der Umstellung der Strecke auf Wechselstrom eingesetzt wurden.
Die Be 510 bestehen aus zwei Endwagen und einem angetriebenen Mittelwagen. Ihre Fahrzeugstruktur verbindet technische Merkmale der Stadler-Fahrzeugfamilien Flirt und GTW.
Be 570
Als Ersatz für die älteren Gleichstromtriebwagen Be 520 bestellte die SZU fünf weitere dreiteilige Triebzüge. Sie tragen die Bezeichnung Be 570 und wurden zwischen 2021 und 2022 ausgeliefert.
Die Be 570 beruhen weitgehend auf dem Konzept der Be 510. Auch sie sind für Gleich- und Wechselstrom ausgelegt, obwohl nach der Umstellung der Strecke im Regelbetrieb nur noch Wechselstrom benötigt wird.
Die elf Triebzüge der Reihen Be 510 und Be 570 werden häufig paarweise gekuppelt eingesetzt. Eine Doppelkomposition besitzt eine Länge von rund 100 Metern.[7]
Ein einzelner Triebzug bietet Platz für bis zu 317 Fahrgäste. Zur Ausstattung gehören:
- stufenfreie Niederflureinstiege,
- vier breite Türen auf jeder Fahrzeugseite,
- grosse Mehrzweckbereiche,
- Plätze für Rollstühle und Kinderwagen,
- Klimaanlagen,
- elektronische Fahrgastinformationen,
- automatische Kupplungen.
Die Fahrzeuge wurden sowohl für den städtischen Kurzstreckenverkehr als auch für die steile Bergstrecke entwickelt. Breite Türen und eine hohe Beschleunigung ermöglichen kurze Aufenthalte im Stadtgebiet, während leistungsfähige Antriebs- und Bremssysteme den sicheren Betrieb auf den Steigungen gewährleisten.
Frühere Fahrzeuge
Nach der Elektrifizierung von 1923 kamen zunächst elektrische Triebwagen der Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg zum Einsatz. Später folgten unter anderem Triebwagen der Typen BDe 4/4 und Be 8/8.
Die 1976 eingeführten Doppeltriebwagen Be 8/8 prägten das Erscheinungsbild der Bahn während mehrerer Jahrzehnte. Sie wurden schrittweise durch neuere Fahrzeuge ersetzt.
Von 1992 bis 2022 verkehrten acht orangefarbene Triebwagen des Typs Be 520. Ab 2003 wurden sie durch niederflurige Zwischenwagen ergänzt. In ihren letzten Betriebsjahren dienten sie vor allem als Verstärkungszüge zwischen Zürich Hauptbahnhof und Triemli.
Mit der Umstellung auf Wechselstrom endete im April 2022 der reguläre Einsatz der reinen Gleichstromfahrzeuge.
Geschichte
Planung und Bau
Der Uetliberg entwickelte sich während des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Ausflugsziel der Zürcher Bevölkerung. Der Aufstieg war jedoch beschwerlich und erfolgte zu Fuss, mit Pferden oder in Kutschen.
Im Jahr 1872 wurden konkrete Pläne für eine Eisenbahn auf den Uetliberg vorgelegt. Zunächst war eine Zahnradbahn vorgesehen. Ein Konkurrenzprojekt schlug dagegen eine normalspurige Adhäsionsbahn mit damals aussergewöhnlichen Steigungen von mehr als 70 Promille vor.
Die Uetlibergbahn-Gesellschaft entschied sich für die Adhäsionslösung. Die Strecke begann beim damaligen oberirdischen Bahnhof Selnau und führte über Giesshübel und den Friesenberg auf den Uetliberg.
Nach einer Eröffnungsfeier am 10. Mai 1875 begann am 12. Mai der fahrplanmässige Betrieb.[8]
Die Züge wurden zunächst von Dampflokomotiven geführt. Wegen der starken Steigungen mussten besonders leistungsfähige Maschinen eingesetzt werden.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten
Die Bahn war stark vom Ausflugsverkehr abhängig. Schlechtes Wetter, saisonale Schwankungen und die Folgen des Ersten Weltkriegs belasteten das Unternehmen.
Nach Kriegsausbruch 1914 wurde der Fahrplan stark eingeschränkt. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich weiter, bis der Betrieb 1920 vollständig eingestellt und die Uetlibergbahn-Gesellschaft liquidiert wurde.
Im Jahr 1922 entstand die neue Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg. Sie nahm den Dampfbetrieb wieder auf und bereitete gleichzeitig die Elektrifizierung vor.
Elektrifizierung 1923
Bereits 1923 wurde die Strecke mit 1200 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Die elektrische Traktion ermöglichte einen wirtschaftlicheren Betrieb, bessere Beschleunigung und kürzere Fahrzeiten.
Das gewählte Gleichstromsystem liess die Möglichkeit offen, die Bahn später über Strassenbahngleise weiter in die Zürcher Innenstadt zu führen. Eine solche Verbindung kam jedoch nicht zustande.
Die Sihltalbahn übernahm 1932 die Verwaltung und Betriebsführung der Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg. Beide Unternehmen blieben rechtlich selbstständig, arbeiteten aber eng zusammen.
Ausbau der Vorortsbahn
Mit dem Wachstum der Stadt Zürich wurde der untere Abschnitt zunehmend für den Pendlerverkehr bedeutend. Neue Haltestellen erschlossen die Quartiere am Friesenberg und in Wiedikon.
Im Jahr 1950 setzte die Bahn ihren ersten Pendelzug ein. 1964 wurden die neue Station Uitikon Waldegg und die Ausweichstelle Berghof eröffnet.
Die Einführung neuer Doppeltriebwagen Be 8/8 und des kondukteurlosen Betriebs im Jahr 1976 erhöhte die Leistungsfähigkeit und senkte die Betriebskosten.
Gründung der SZU
1973 fusionierten die Sihltalbahn und die Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg zur heutigen Sihltal Zürich Uetliberg Bahn.
Die Fusion vereinheitlichte Verwaltung, Betriebsführung und Fahrzeugunterhalt. Die unterschiedlichen Stromsysteme von Sihltal- und Uetlibergbahn blieben jedoch bestehen.
Verlängerung zum Hauptbahnhof
Bis 1990 endeten die Züge im oberirdischen Bahnhof Zürich Selnau. Dieser lag am Rand des Stadtzentrums und bot nur beschränkte Anschlüsse an das übrige Bahnnetz.
Am 5. Mai 1990 eröffneten die SZU und der Kanton Zürich die unterirdische Verlängerung nach Zürich Hauptbahnhof. Der alte Bahnhof Selnau wurde stillgelegt und durch eine neue unterirdische Station unter der Sihl ersetzt.
Mit dem Fahrplanwechsel vom 27. Mai 1990 wurde die Uetlibergbahn als Linie S10 in die neu eröffnete S-Bahn Zürich und den Zürcher Verkehrsverbund integriert.[5]
Die direkte Anbindung an den Hauptbahnhof erhöhte die Fahrgastzahlen deutlich und stärkte die Bedeutung der Linie für den Pendlerverkehr.
Entwicklung seit 1990
Nach der Eröffnung der S-Bahn wurden Fahrplan und Fahrzeugkapazität schrittweise ausgebaut. Zwischen Zürich Hauptbahnhof und Triemli entstanden zusätzliche Verbindungen, während der Freizeitverkehr auf den Uetliberg weiter zunahm.
1999 beschädigte der Orkan Lothar Teile der Uetlibergstrecke zweimal schwer. Umgestürzte Bäume und beschädigte Fahrleitungen führten zu längeren Betriebsunterbrüchen.
Im Jahr 2013 nahm die SZU die ersten Be-510-Zweistromentriebzüge in Betrieb. Von 2021 bis 2022 folgten die Be 570.
Die Umstellung auf Wechselstrom im Sommer 2022 beendete eine fast hundertjährige technische Besonderheit der Uetlibergbahn.
Umbau des Bahnhofs Zürich HB 2026
Die SZU erneuert und erweitert den unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU zwischen 2025 und Ende 2026. Das Projekt umfasst unter anderem breitere Perrons, neue Rolltreppen, modernisierte technische Anlagen und eine verbesserte Fahrgastinformation.
Wegen der Bauarbeiten ist die Strecke zwischen Zürich Hauptbahnhof und Zürich Selnau vom 29. April bis zum 18. Oktober 2026 vollständig gesperrt. Während dieses Zeitraums endet und beginnt die S10 in Zürich Selnau.[9]
Reisende zwischen dem Hauptbahnhof und Selnau können zu Fuss gehen oder die Tramlinien 3 und 14 bis zur Haltestelle Stauffacher benutzen. Für Fahrten nach Triemli steht zusätzlich die Tramlinie 14 zur Verfügung.
Der Fahrplan der S10 ist während der Sperre entsprechend angepasst. Nach Abschluss der Hauptarbeiten soll der reguläre Betrieb bis Zürich Hauptbahnhof wieder aufgenommen werden.
Modernisierungsprogramm
Die SZU rechnet langfristig mit einem starken Wachstum der Fahrgastzahlen. Im Rahmen des Programms SZU 4.0 werden deshalb zahlreiche Bahnhöfe, Gleise und technische Anlagen erneuert.
Zu den Projekten auf der S10 gehören:
- Ausbau und Erneuerung des Bahnhofs Zürich HB SZU,
- Verlegung und hindernisfreier Ausbau der Haltestelle Friesenberg,
- Verlängerung von Doppelspurabschnitten,
- Erneuerung der Fahrbahn zwischen Triemli und Uetliberg,
- Modernisierung der Station Uitikon Waldegg,
- Verbesserung der Fahrgastinformation,
- Vorbereitung eines künftig dichteren Fahrplans.
Die Fahrbahn zwischen Triemli und Uitikon Waldegg sowie zwischen Ringlikon und Uetliberg war vor den jüngsten Arbeiten letztmals 1983 umfassend erneuert worden.[10]
Bedeutung
Die S10 erfüllt gleichzeitig die Aufgaben einer städtischen S-Bahn, einer Vorortsbahn und einer touristischen Bergbahn.
Im unteren Abschnitt erschliesst sie dicht bewohnte Zürcher Quartiere und bedeutende Arbeitsplatzgebiete. Die Station Triemli dient dem Stadtspital, den umliegenden Wohnquartieren und dem Umstieg auf Tram und Bus.
Für Uitikon und Ringlikon ist die S10 eine direkte Bahnverbindung in das Zürcher Stadtzentrum. Die Fahrt von Uitikon Waldegg zum Hauptbahnhof dauert nur wenige Minuten.
Der obere Streckenabschnitt gehört zu den wichtigsten Zugängen zum Naherholungsgebiet Uetliberg. Besonders an sonnigen Wochenenden, Feiertagen und bei Schnee wird die Linie von zahlreichen Wandernden, Familien und Touristinnen und Touristen benutzt.
Die Kombination aus dichter städtischer Erschliessung, aussergewöhnlicher Steigung und hohem Freizeitverkehr macht die S10 innerhalb des Netzes der Zürcher S-Bahn einzigartig.
Touristische Bedeutung
Der Uetliberg ist einer der meistbesuchten Aussichtspunkte im Raum Zürich. Die S10 ermöglicht eine direkte Fahrt vom Hauptbahnhof bis nahe an den Gipfel.
Von der Bergstation führen Wanderwege:
- zum Aussichtsturm und zum Uto Kulm,
- über den Planetenweg nach Felsenegg,
- entlang des Albisgrats nach Buchenegg und zum Albispass,
- nach Ringlikon und Uitikon,
- nach Albisrieden, Leimbach und Stallikon.
Der Planetenweg stellt die Entfernungen im Sonnensystem im Massstab 1:1 Milliarde dar. Er beginnt in der Nähe der Station Uetliberg und führt über den Albisgrat nach Felsenegg.
An der Felsenegg besteht eine Verbindung mit der Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg nach Adliswil. Dadurch sind Rundreisen mit S10, Wanderweg, Luftseilbahn und S4 möglich.
Siehe auch
- S-Bahn Zürich
- Uetlibergbahn
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- S4 (S-Bahn Zürich)
- Uetliberg
- Bahnhof Zürich Selnau
- Bahnhof Zürich Triemli
- Bahnhof Uitikon Waldegg
- Bahnhof Uetliberg
- Luftseilbahn Adliswil–Felsenegg
Literatur
- Hans Waldburger, Hans Tempelmann: Die Uetlibergbahn. Geschichte einer aussergewöhnlichen Eisenbahn. Minirex, Luzern.
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Unter der Sihl ins Zentrum. Die Geschichte der SZU 1875–1990. Zürich.
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: 150 Jahre Uetlibergbahn. Zürich 2025.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
Weblinks
- Informationen zur S10 und Uetlibergbahn auf der Website der SZU
- Linienfahrplan der S10 beim Zürcher Verkehrsverbund
- Jahresfahrplan 2026 der S10 beim Zürcher Verkehrsverbund
- 150 Jahre Uetlibergbahn bei der SZU
- Modernisierungsprojekte der SZU
Einzelnachweise
- ↑ Sihltalbahn und Uetlibergbahn. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Fahrplanjahr 2026: S10 Zürich HB–Uetliberg. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Wie die SZU an den Hauptbahnhof kam. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Verlegung der Haltestelle Friesenberg. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 5,0 5,1 Die Geschichte der SZU. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Hintergrundinformationen zur Umstromung der Uetlibergbahn. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Vom Gleichstrom zum Wechselstrom. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Uetlibergbahn. Hrsg.: Uetliberg-Verein. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Uetlibergbahn S10: Streckensperrung Zürich HB–Selnau. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Erneuerung der Fahrbahn Triemli–Uetliberg. Hrsg.: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-08-04.
Wikimedia Commons: Medien zu S10 (S-Bahn Zürich)