Bahnhof Horgen
| Bahnhof Horgen | |
|---|---|
| Offizieller Name | Horgen |
| Ort | Horgen |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Horgen |
| Eigentümerin | Schweizerische Bundesbahnen (SBB) |
| Bahnhofstyp | Durchgangsbahnhof |
| Eröffnung | 20. September 1875 |
| Definitiver Standort | Seit 1888 |
| Heutiges Aufnahmegebäude | 1951 |
| Bahnstrecke | Linksufrige Zürichseebahn |
| Streckenkilometer | 16,43 |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Bahnsteig | 1 Mittelperron |
| Gleise im Personenverkehr | 3 und 4 |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Höhe | 408,7 m ü. M. |
| Betriebsstellenkürzel | HG |
| IBNR | 8503204 |
| S-Bahn-Linien | S2 und S8 |
| Nacht-S-Bahn | SN8 |
| Buslinien | 121, 131, 132, 133, 134, 136, 137, 145, 150 und 155 |
| Nachtbuslinien | N25 und N26 |
| Verkehrsverbund | Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) |
| Tarifzone | 151 |
Der Bahnhof Horgen ist ein Durchgangsbahnhof in der politischen Gemeinde Horgen im Kanton Zürich. Er liegt unmittelbar am linken Ufer des Zürichsees an der linksufrigen Zürichseebahn zwischen den Bahnhöfen Oberrieden und Au ZH. Im Personenverkehr wird er von den Linien S2 und S8 der Zürcher S-Bahn sowie in den Wochenendnächten von der Linie SN8 bedient.[1]
Der Bahnhof bildet zusammen mit dem unmittelbar angrenzenden Bushof, der Schiffstation Horgen und den Fusswegverbindungen zum Gemeindezentrum eine bedeutende Verkehrsdrehscheibe am linken Zürichseeufer. Vom Bahnhof bestehen direkte Bahnverbindungen zum Flughafen Zürich, zum Zürcher Hauptbahnhof, nach Winterthur, Wädenswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke. Zahlreiche Buslinien erschliessen das Siedlungsgebiet von Horgen, den Hirzel, das Sihltal sowie benachbarte Gemeinden.[2]
Der erste Bahnhof wurde 1875 von der Schweizerischen Nordostbahn eröffnet. Bereits zwei Tage nach Aufnahme des fahrplanmässigen Betriebs rutschten grosse Teile des neu aufgeschütteten Bahnhofareals in den Zürichsee. Das Aufnahmegebäude, der Güterschuppen und mehrere Gleise wurden so stark beschädigt, dass sie aufgegeben werden mussten. Erst 1888 erhielt Horgen am heutigen Standort eine definitive Bahnhofanlage.[3]
Name und Abgrenzung
Der offizielle Stationsname lautet Horgen. Im örtlichen Sprachgebrauch wird die Anlage häufig als Bahnhof Horgen oder zur Unterscheidung vom höher gelegenen Bahnhof als Horgen See bezeichnet.
Der Bahnhof darf nicht mit dem rund einen Kilometer entfernten Bahnhof Horgen Oberdorf verwechselt werden. Horgen Oberdorf liegt an der Bahnstrecke Thalwil–Zug und wird von der S-Bahn-Linie S24 bedient. Der Bahnhof Horgen befindet sich dagegen unmittelbar am Zürichsee und gehört zur linksufrigen Zürichseebahn.
Die Bushaltestelle vor dem Aufnahmegebäude trägt den Namen Horgen, Bahnhof. Die nahe gelegene Schiffstation wird im Fahrplan als Horgen (See) geführt.
Lage
Der Bahnhof liegt im Zentrum von Horgen zwischen der Seestrasse, dem Zürichsee und dem historischen Dorfkern. Die Gleisanlagen verlaufen annähernd von Nordwesten nach Südosten parallel zum Seeufer.
In Richtung Zürich führt die Bahnstrecke über Oberrieden, Thalwil, Rüschlikon, Kilchberg und Zürich Wollishofen. Südöstlich verläuft sie über Au ZH, Wädenswil, Richterswil und Pfäffikon SZ nach Ziegelbrücke.
Das Aufnahmegebäude und der Bushof befinden sich auf der bergseitigen Seite der Gleisanlage. Seeseitig liegen der Mittelperron, eine öffentliche Uferanlage, die Schiffstation und der Zürichsee.
Vom Bahnhof sind zu Fuss erreichbar:
- das Gemeindehaus;
- der Dorfplatz;
- die reformierte Kirche;
- das Ortsmuseum Sust;
- das Seeufer;
- die Schiffstation;
- die Einkaufs- und Dienstleistungsbetriebe im Zentrum;
- die Passerelle zwischen Dorfzentrum und See;
- die Seestrasse und die Bahnhofstrasse.
Die Bahnlinie trennt das Zentrum räumlich vom Seeufer. Eine Personenunterführung und eine Passerelle stellen deshalb wichtige Verbindungen zwischen den beiden Seiten der Gleise her.
Der Bahnhof liegt auf einer Höhe von 408,7 Metern über Meer und bei Streckenkilometer 16,43 der linksufrigen Zürichseebahn.
Geschichte
Frühe Eisenbahnprojekte
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden mehrere Projekte für Eisenbahnverbindungen am linken Zürichseeufer und durch das Gebiet von Horgen.
Horgner Unternehmer setzten sich für eine Strecke von Zürich über Thalwil und Horgen nach Richterswil ein. Die Bahn sollte nicht nur den lokalen Personen- und Güterverkehr verbessern, sondern auch Verbindungen in Richtung Glarus, Graubünden, Gotthard und zu europäischen Handelsplätzen ermöglichen.
Eine besondere Bedeutung hatte der Warenverkehr zwischen dem Zürichsee und den höher gelegenen Gebieten. Horgen besass seit Jahrhunderten eine Sust, in der Waren zwischen Schiffen und Landtransportmitteln umgeschlagen wurden.
Die lokalen Interessenvertreter verlangten deshalb einen Bahnhof möglichst nahe beim See und bei der Schiffstation. Diese Forderung beeinflusste die Wahl der Linienführung erheblich.[4]
Standortfrage
Für den Bahnhof wurden mehrere Standorte untersucht. Zur Diskussion standen unter anderem:
- ein Standort hinter der reformierten Kirche;
- ein Standort beim Institut Stapfer;
- ein Bahnhof unmittelbar bei der Schifflände und der Sust.
Der höher gelegene Standort hinter der Kirche wäre geologisch sicherer gewesen, hätte aber ungünstige Verbindungen zum Lokalverkehr und zur Schifffahrt geschaffen.
Der Standort am See erforderte umfangreiche Aufschüttungen. Dennoch entschied man sich für ein Gelände bei der Sust, weil dort der Umstieg zwischen Bahn und Schiff sowie der Güterumschlag besonders einfach möglich schienen.[5]
Bau des ersten Bahnhofs
Die Schweizerische Nordostbahn baute die linksufrige Zürichseebahn in den frühen 1870er-Jahren. Der Bahnhof Horgen entstand auf künstlich aufgeschüttetem Gelände am Seeufer.
Die erste Anlage umfasste:
- ein zweigeschossiges Aufnahmegebäude;
- drei Gleise;
- einen Güterschuppen;
- ein Toilettengebäude;
- Lade- und Freiverladeflächen;
- Verbindungen zur Schifflände.
Das Aufnahmegebäude entsprach einem standardisierten Bahnhofstyp der Nordostbahn. Im Erdgeschoss befanden sich Fahrkartenschalter, Wartesaal, Stationsbüro und Gepäckabfertigung. Das Obergeschoss enthielt eine Wohnung für das Bahnpersonal.
Der weiche Untergrund am Seeufer führte bereits während der Bauarbeiten zu erheblichen Problemen.
Erste Uferrutschung
Am 9. Februar 1875 stürzte eine für das Bahnprojekt errichtete Ufermauer auf einer Länge von rund 135 Metern ein. Teile der Aufschüttung, Arbeitsgleise, Rollwagen und ein angrenzendes Gartengrundstück verschwanden im Zürichsee.[4]
Untersuchungen ergaben, dass der aufgeschüttete Boden den weichen Seeschlamm seitlich verdrängt hatte. Die Pfähle und Sicherungen konnten die Belastung nicht vollständig aufnehmen.
Trotz des Ereignisses wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Die Strecke und einzelne Bahnhofsanlagen wurden teilweise verlegt und erneut gesichert.
Eröffnung im September 1875
Die linksufrige Zürichseebahn wurde am 18. September 1875 mit einem Festzug eröffnet. Der fahrplanmässige Betrieb begann am 20. September 1875.
Im ersten Fahrplan verkehrten täglich acht Züge pro Richtung. Die Strecke verband Zürich über Horgen, Wädenswil und Richterswil mit dem Glarnerland.[5]
Die Eröffnung wurde in den Gemeinden am linken Zürichseeufer feierlich begangen. Geschmückte Bahnhöfe, Fahnen, Musik, Böllerschüsse und grosse Menschenmengen begleiteten die Fahrt des Eröffnungszuges.
Für Horgen schien die neue Bahn zunächst die gewünschte Verbindung von Eisenbahn, Schifffahrt und örtlichem Gewerbe zu schaffen.
Katastrophe vom 22. September 1875
Am Morgen des 22. September 1875 wurden bei der Schifflände erneut Risse in der Seemauer und im Bahnkörper festgestellt. Die Gleise senkten sich, und der Betrieb musste eingestellt werden.
In mehreren Rutschungen verschwanden rund 6570 Quadratmeter Gelände im Zürichsee. Das betroffene Gebiet war etwa 204 Meter lang und an der breitesten Stelle bis zu 48 Meter breit.[5]
Das Aufnahmegebäude und der Güterschuppen sanken ab und standen schief. Mehrere Gleise waren vollständig zerstört. Die erst wenige Tage zuvor eröffnete Bahnhofanlage musste abgebrochen werden.
Die Rutschung gehört zu den bedeutendsten Unglücksfällen der frühen schweizerischen Eisenbahngeschichte. Sie zeigte die Risiken grossflächiger Aufschüttungen auf instabilem Seegrund.
Unterbruch des Bahnbetriebs
Nach der Rutschung war kein durchgehender Bahnverkehr zwischen Horgen und Wädenswil möglich.
Die Nordostbahn führte die Züge zunächst:
- von Zürich bis Horgen;
- ab Wädenswil beziehungsweise Richterswil in Richtung Glarus.
Zwischen Horgen und Wädenswil übernahmen Dampfschiffe den Ersatzverkehr. Reisende mussten von der Eisenbahn auf das Schiff und anschliessend wieder auf einen Zug umsteigen.
Der durchgehende Bahnbetrieb konnte erst Ende Januar 1876 wieder aufgenommen werden.[4]
Provisorischer Bahnhof Meierhof
Nach der Katastrophe wurden die Gleise weiter bergwärts verlegt. Als provisorischer Personenbahnhof diente das Gebiet beim Meierhof.
Bei der Schifflände errichtete die Nordostbahn einen vorläufigen Güterschuppen. Personen- und Güterverkehr waren dadurch räumlich voneinander getrennt.
Das Provisorium blieb wesentlich länger in Betrieb als ursprünglich vorgesehen. Die Nordostbahn befand sich seit der zweiten Hälfte der 1870er-Jahre in einer schweren finanziellen Krise und konnte zahlreiche zugesagte Bahnprojekte und Bahnhofsbauten nicht rechtzeitig verwirklichen.
Die Gemeinde Horgen verlangte wiederholt eine definitive und leistungsfähige Bahnhofanlage.
Definitiver Bahnhof von 1888
1879 setzte die Gemeinde eine Eisenbahnkommission ein, welche die Verhandlungen mit der Nordostbahn vorantreiben sollte.
Nach mehreren Projekten, langwierigen Verhandlungen und Enteignungsverfahren wurde der heutige Standort festgelegt. Der definitive Bahnhof konnte 1888 dem Verkehr übergeben werden.[5]
Das Aufnahmegebäude lag bergseits der Gleise. Der Güterschuppen wurde seeseitig angeordnet und durch Lade- und Stumpengleise erschlossen.
Der Standort erwies sich als sicherer als das ursprüngliche, weiter in den See hinaus gebaute Areal. Er bildet bis heute den Kern des Bahnhofgeländes.
Übergang an die SBB
Die Schweizerische Nordostbahn wurde am 1. Januar 1902 verstaatlicht. Der Bahnhof Horgen und die linksufrige Zürichseebahn gingen an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.
Die SBB vereinheitlichten Tarife, Fahrpläne, Fahrzeuge und betriebliche Vorschriften. Die Verbindung entlang des Zürichsees wurde zunehmend in das nationale Eisenbahnnetz eingebunden.
Die Bahnlinie besass Bedeutung für:
- den Vorortsverkehr nach Zürich;
- den Verkehr ins Glarnerland;
- Verbindungen in Richtung Graubünden;
- den lokalen Güterverkehr;
- die Industriebetriebe am Zürichsee.
Verkehrsprobleme und Ausbaupläne
Bereits um 1910 war die Bahnhofanlage dem zunehmenden Verkehr nur noch eingeschränkt gewachsen.
Eine wichtige Strassenverbindung überquerte die Gleise unmittelbar beim Bahnhof. Reisende und Beschäftigte mussten die Gleisanlagen auf gleicher Höhe überqueren, um zum Güterschuppen und zu den seeseitigen Anlagen zu gelangen.
1928 wurde der Bahnübergang aufgehoben und der Strassenverkehr auf die heutige Seestrasse verlegt.
Mehrere Projekte sahen eine vollständige Verlegung des Bahnhofs in Richtung Hirsacker vor. Diese Pläne wurden aus finanziellen und städtebaulichen Gründen nicht verwirklicht.
Elektrifizierung
Die linksufrige Zürichseebahn wurde in den 1920er-Jahren elektrifiziert. Im Raum Horgen bestand der elektrische Betrieb spätestens im Juni 1924.
Die Elektrifizierung brachte:
- kürzere Fahrzeiten;
- leistungsfähigere Züge;
- schnellere Beschleunigung;
- einen dichteren Fahrplan;
- weniger Rauch und Russ im dicht bebauten Bahnhofgebiet;
- eine wirtschaftlichere Betriebsführung.
Der Ausbau auf Doppelspur erfolgte abschnittsweise. Für die Verbreiterung des Bahnkörpers waren erneut umfangreiche Sicherungs- und Bauarbeiten am Seeufer erforderlich.
Neubau von 1951
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die SBB eine umfassende Erneuerung des Bahnhofs.
Ein älteres Projekt konnte wegen des Mangels an Zement und anderen Baustoffen zunächst nicht ausgeführt werden. 1951 wurde das Aufnahmegebäude von 1888 durch einen zeitgenössischen Neubau ersetzt.
Das neue Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Ziltener errichtet. Es besitzt zwei Geschosse, ein Satteldach und einen kleinen Uhrturm auf der Platzseite.
Zum Gebäude gehören beziehungsweise gehörten:
- Schalterhalle;
- Stationsbüros;
- Gepäckräume;
- Dienstwohnungen;
- Perrondach;
- öffentliche Toiletten;
- technische Räume.
Der Neubau bildet noch heute den baulichen Kern der bergseitigen Bahnhofanlage.
Gleisumbau der 1950er-Jahre
In den 1950er-Jahren wurden die Gleis- und Güteranlagen umfassend umgebaut.
Der alte Güterschuppen wurde 1959 abgebrochen. Dadurch entstand Platz für ein Mittelperron und für grössere Kurvenradien im Bahnhofbereich.
Gleichzeitig wurden:
- Anschlussgleise zu Industriebetrieben angepasst;
- die Personenunterführung bei der Seerose gebaut;
- die Perrons verlängert;
- Sicherungsanlagen modernisiert;
- die Trennung von Personen- und Güterverkehr verbessert.
Der Personenverkehr konzentrierte sich danach zunehmend auf die beiden durchgehenden Hauptgleise am Mittelperron.
Rückgang des Güterverkehrs
Horgen war während eines grossen Teils des 19. und 20. Jahrhunderts ein wichtiger lokaler Güterbahnhof.
Zu den transportierten Waren gehörten:
- Textilien;
- Papier und Karton;
- Maschinen;
- Kohle und Heizmaterial;
- Baumaterialien;
- Holz;
- landwirtschaftliche Produkte;
- Stückgut und Postsendungen.
Mehrere Industriebetriebe besassen eigene Anschlussgleise. Mit dem Strukturwandel und der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Strasse verloren diese Anlagen ihre Bedeutung.
Die meisten Lade-, Rangier- und Industriegleise wurden stillgelegt oder zurückgebaut. Der Bahnhof dient heute hauptsächlich dem Personenverkehr.
Zürcher S-Bahn
Am 27. Mai 1990 nahm die Zürcher S-Bahn ihren Betrieb auf.
Horgen wurde von Beginn an in das neue Liniennetz eingebunden. Die Einführung der S-Bahn brachte einen regelmässigen Halbstundentakt, moderne Doppelstockzüge und bessere Anschlüsse an Busse und andere Bahnlinien.
Die Perrons wurden erhöht und die Zugänge schrittweise verbessert. Die Zahl der Reisenden nahm deutlich zu, da Horgen sich zu einer grossen Wohn- und Arbeitsplatzgemeinde der Zürcher Agglomeration entwickelte.
Im heutigen Grundangebot bedienen die Linien S2 und S8 den Bahnhof.
Projekt Seeriegel
Nach der Jahrtausendwende planten die SBB und eine Investorin einen mehr als 200 Meter langen Neubau beim Bahnhof. Das Projekt sollte Wohnungen, Geschäfte, Dienstleistungen und einen integrierten Bushof umfassen.
Wegen seiner Länge und seiner möglichen Trennwirkung zwischen Dorf und See erhielt das Projekt in der Bevölkerung den Namen Seeriegel.
Gegen das Vorhaben entstanden politische und rechtliche Widerstände. Die Gemeindeversammlung stimmte schliesslich einer Vereinbarung zu, mit der die Investorin gegen eine Entschädigung auf die Realisierung verzichtete.
Die Gemeinde konnte dadurch ein offeneres Konzept für Bahnhof, Bushof und Seezugang verwirklichen.
Neuer Bushof und Begegnungszone
Auf den frei gewordenen Flächen entstand ein ebenerdiger Bushof. Gleichzeitig wurden der Bahnhofplatz und die angrenzenden Strassen als Begegnungszone gestaltet.
Die Gestaltung zeichnet sich durch grossflächige farbige Markierungen aus. Rote, blaue, gelbe und grüne Flächen verbinden Bahnhof, Bushof, Gemeindezentrum und Seezugang optisch miteinander.
Eine neue Passerelle schuf eine direkte Verbindung vom Dorfzentrum über die Gleise zum Mittelperron und weiter zum Seeufer.
Das Projekt erhielt 2010 den Verkehrspreis FLUX – Goldener Verkehrsknoten. Ausgezeichnet wurde insbesondere die Verbindung von Bahn, Bus, Schifffahrt, Fussverkehr und städtebaulicher Gestaltung.
Bahnhofsanlage
Gleise und Perron
Im regulären Personenverkehr werden die Gleise 3 und 4 benutzt. Sie liegen an einem überdachten Mittelperron.
| Gleis | Allgemeine Fahrtrichtung | Wichtigste Verbindungen |
|---|---|---|
| 3 | Richtung Thalwil und Zürich | Zürich Enge, Zürich HB, Zürich Oerlikon, Winterthur und Flughafen Zürich |
| 4 | Richtung Wädenswil und Pfäffikon SZ | Au ZH, Wädenswil, Richterswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke |
Die tatsächliche Gleisbelegung kann bei Bauarbeiten, Störungen oder betrieblichen Änderungen abweichen.
Weitere Gleise dienen beziehungsweise dienten dem Güterverkehr, betrieblichen Fahrten, Unterhaltsarbeiten und Anschlussgleisen. Ein Teil dieser Anlagen wurde im Laufe der Zeit zurückgebaut.
Mittelperron
Der Mittelperron entstand in seiner grundlegenden Form beim Bahnhofumbau der 1950er-Jahre.
Er verfügt über:
- ein langes Perrondach;
- Sitzgelegenheiten;
- elektronische Abfahrtsanzeigen;
- Lautsprecheranlagen;
- Billettautomaten;
- Uhren;
- taktile Sicherheitsmarkierungen;
- Zugänge zur Personenunterführung und Passerelle.
Die Perrons sind für die auf den Linien S2 und S8 eingesetzten S-Bahn-Kompositionen ausgelegt.
Personenunterführung
Eine Personenunterführung verbindet das Aufnahmegebäude und den Bahnhofplatz mit dem Mittelperron und der seeseitigen Bahnhofanlage.
Der Zugang wurde in den 2020er-Jahren heller und übersichtlicher gestaltet. Eine Öffnung zur Seeseite schafft Sichtbeziehungen zwischen Bahnhof, Gleisen und Zürichsee.
Die Unterführung dient sowohl Reisenden als auch dem öffentlichen Fussverkehr.
Passerelle
Die Passerelle führt vom höher gelegenen Gemeindezentrum über die Gleisanlagen zum Mittelperron und zum Seeufer.
Sie besitzt Treppen- und Liftverbindungen und bildet einen wichtigen Bestandteil der hindernisfreien Erschliessung des Bahnhofs.
Die Passerelle weist Korrosionsschäden und veraltete Liftanlagen auf. Der Gemeinderat bewilligte 2026 einen Projektierungskredit von 155'000 Franken für eine Sanierung, die nach damaliger Planung ab 2027 umgesetzt werden soll.[6]
Aufnahmegebäude
Das Aufnahmegebäude von 1951 steht bergseits der Gleise. Der verputzte Massivbau besitzt ein Satteldach und einen kleinen Uhrturm.
Im Gebäude und in seinen Anbauten befinden sich:
- das SBB-Reisezentrum;
- Fahrkarten- und Beratungsstellen;
- eine Arztpraxis;
- ein Kiosk;
- eine Bäckerei;
- ein Lebensmittelgeschäft;
- technische und betriebliche Räume.
Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit mehrfach renoviert und an die veränderten Anforderungen des Bahnbetriebs und der Kundschaft angepasst.
Bushof
Der Bushof liegt unmittelbar vor dem Aufnahmegebäude. Die Haltekanten sind in die farbig gestaltete Begegnungszone eingebunden.
Die Anlage ermöglicht kurze Wege zwischen:
- S-Bahn;
- Orts- und Regionalbussen;
- Taxi;
- Veloabstellplätzen;
- Gemeindezentrum;
- Schiffstation;
- Seeufer.
Die Busse wenden beziehungsweise halten auf mehreren über den Bahnhofplatz verteilten Haltekanten.
Bahnverkehr
Hauptartikel: Zürcher S-Bahn
Im Fahrplanjahr 2026 halten die Linien S2 und S8 in Horgen. In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen verkehrt zusätzlich die Linie SN8.[1]
| Linie | Grundlegende Streckenführung | Grundangebot |
|---|---|---|
| S2 | Zürich Flughafen–Zürich Oerlikon–Zürich HB–Zürich Enge–Thalwil–Horgen–Wädenswil–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke | Halbstündlich |
| S8 | Winterthur–Wallisellen–Zürich Oerlikon–Zürich HB–Zürich Enge–Thalwil–Oberrieden–Horgen–Au ZH–Wädenswil–Richterswil–Pfäffikon SZ | Halbstündlich |
| SN8 | Lachen SZ–Pfäffikon SZ–Horgen–Zürich HB–Effretikon–Pfäffikon ZH | In den Wochenendnächten |
Die S2 bedient zwischen Thalwil und Wädenswil weniger Zwischenstationen als die S8 und bietet dadurch eine vergleichsweise schnelle Verbindung nach Zürich.
Die S8 erschliesst zusätzlich Oberrieden und Au ZH. In Richtung Zürich fährt sie über den Hauptbahnhof weiter nach Wallisellen und Winterthur.
Durch die Überlagerung der S2 und S8 bestehen tagsüber in der Regel vier Verbindungen pro Stunde zwischen Horgen, Thalwil und Zürich.
Ungefähre Fahrzeiten betragen:
| Ziel | Ungefähre Fahrzeit |
|---|---|
| Thalwil | 4 bis 7 Minuten |
| Zürich Enge | rund 15 Minuten |
| Zürich Hauptbahnhof | rund 18 bis 25 Minuten |
| Flughafen Zürich | rund 35 bis 45 Minuten |
| Wädenswil | rund 5 bis 10 Minuten |
| Pfäffikon SZ | rund 20 bis 25 Minuten |
| Ziegelbrücke | rund 35 bis 45 Minuten |
Die tatsächlichen Fahrzeiten unterscheiden sich je nach Linie, Zwischenhalten und Betriebslage.
Busverkehr
Die Haltestelle Horgen, Bahnhof ist der wichtigste Busknoten der Gemeinde.[2]
| Linie | Grundlegende Verbindung |
|---|---|
| 121 | Horgen, Spital–Horgen, Bahnhof–Wädenswil, Bahnhof |
| 131 | Horgen, Bahnhof–Wädenswil, Hintere Rüti Ost |
| 132 | Horgen, Bahnhof–Horgen, Waldegg |
| 133 | Horgen, Bahnhof–Horgen, Panorama |
| 134 | Horgen, Bahnhof–Wädenswil, Hintere Rüti Ost |
| 136 | Horgen, Bahnhof–Oberrieden, Bahnhof |
| 137 | Horgen, Bahnhof–Horgenberg–Sihlbrugg, Alter Bahnhof |
| 145 | Horgen, Bahnhof–Oberrieden–Thalwil, Zentrum |
| 150 | Horgen, Bahnhof–Wädenswil, Bahnhof |
| 155 | Horgen, Bahnhof–Hirzel, Spitzen |
| N25 | Nachtbus Horgen–Oberrieden |
| N26 | Nachtbus Horgen–Hirzel |
Die Linien erschliessen sowohl die dicht bebauten Quartiere im Zentrum als auch höher gelegene Siedlungen, den Horgenberg, den Hirzel und das Sihltal.
Einzelne Linien verkehren nur zu bestimmten Tageszeiten oder besitzen je nach Fahrplan unterschiedliche Linienführungen.
Schiffsverkehr
Die Schiffstation Horgen (See) liegt wenige Schritte vom Bahnhof entfernt.
Sie wird von Kursschiffen der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft bedient. Das Angebot ist saisonabhängig und umfasst Verbindungen zu verschiedenen Orten am Zürichsee sowie nach Zürich.
Die Nähe von Bahn und Schiff knüpft an Horgens historische Funktion als Umschlagplatz zwischen Wasser- und Landverkehr an.
Die Personenunterführung und die Passerelle ermöglichen kurze Fusswege zwischen dem Mittelperron und dem Schiffsteg.
Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
Die Autofähre zwischen Horgen und Meilen besitzt ihren Horgner Anleger südlich des Bahnhofs.
Sie transportiert:
- Personenwagen;
- Lastwagen;
- Motorräder;
- Velos;
- Fussgängerinnen und Fussgänger.
Im Sommerfahrplan 2026 verkehrten die Fähren tagsüber grundsätzlich im Zehnminutentakt. Während besonders nachfragestarker Zeiten waren Intervalle von siebeneinhalb Minuten vorgesehen.[7]
Der Fähranleger liegt nicht unmittelbar auf dem Bahnhofplatz, ist aber zu Fuss, mit dem Velo und über lokale Busverbindungen erreichbar.
Dienstleistungen
Der Bahnhof verfügt über ein bedientes SBB-Reisezentrum.[8]
Angeboten werden unter anderem:
- Billette und Abonnemente;
- nationale und internationale Reiseberatung;
- Gepäckdienstleistungen;
- Fluggepäckversand;
- Fundservice;
- Geldwechsel;
- Billettautomaten.
Im Bahnhof befinden sich zudem:
- eine Arztpraxis;
- ein Kiosk;
- ein SPAR-express-Lebensmittelgeschäft;
- eine Bäckerei mit Caféangebot;
- öffentliche Toiletten;
- Mobility-Carsharing.
Nach Angaben der SBB stehen 190 überdachte Veloabstellplätze und 35 weitere überdachte Zweiradplätze zur Verfügung.[8]
Die P+Rail-Anlage umfasst 44 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung.
Barrierefreiheit
Der Mittelperron ist über Liftanlagen erreichbar. Die Perrons wurden für den S-Bahn-Betrieb erhöht und ermöglichen bei geeigneten Niederflurfahrzeugen einen weitgehend stufenfreien Einstieg.
Zu den Einrichtungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gehören:
- Lifte;
- erhöhte Perronkanten;
- taktile Sicherheitsmarkierungen;
- optische Abfahrtsanzeigen;
- akustische Durchsagen;
- Behindertenparkplatz;
- stufenfreie Verbindungen zwischen Bushof und Aufnahmegebäude.
Bei einzelnen Fahrzeugtypen oder betrieblich notwendigen Ersatzkompositionen kann Unterstützung erforderlich sein.
Die geplante Sanierung der Passerelle soll die Zuverlässigkeit und den Komfort der Liftanlagen langfristig verbessern.[6]
Tarif
Der Bahnhof Horgen liegt in der ZVV-Tarifzone 151.
Innerhalb der gelösten Zonen können Bahn, Bus, Tram, Schiff und weitere in den Verbundtarif einbezogene Verkehrsmittel während der zeitlichen Gültigkeit des Fahrausweises grundsätzlich frei kombiniert werden.
Für Fahrten in die Stadt Zürich muss zusätzlich die Zone 110 gelöst werden. Diese zählt wegen ihres dichten Verkehrsangebots tariflich als zwei Zonen.
Für Fahrten über das ZVV-Gebiet hinaus gelten je nach Verbindung der nationale Direkte Verkehr oder anschliessende Verbundtarife.
Die Autofähre Horgen–Meilen besitzt einen eigenen Tarif.
Bedeutung für die Gemeindeentwicklung
Der Eisenbahnanschluss beeinflusste die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung Horgens erheblich.
Die Bahn erleichterte den Transport von:
- Seiden- und Textilwaren;
- Papier;
- Maschinen;
- Rohstoffen;
- Kohle;
- Baumaterialien;
- landwirtschaftlichen Erzeugnissen;
- Post- und Stückgut.
Die direkte Verbindung nach Zürich unterstützte die Entwicklung Horgens zum Industrie-, Handels- und später zum Wohn- und Dienstleistungsstandort.
In Bahnhofsnähe entstanden:
- Hotels und Gasthäuser;
- Banken;
- Geschäfte;
- Verwaltungsgebäude;
- Wohnhäuser;
- Gewerbe- und Industriebetriebe;
- öffentliche Einrichtungen.
Heute ist die schnelle S-Bahn-Verbindung nach Zürich ein wichtiger Standortvorteil. Der Bahnhof dient täglich zahlreichen Berufspendlerinnen und Berufspendlern, Schülerinnen und Schülern sowie Besucherinnen und Besuchern.
Verbindung von Dorf und See
Die besondere Bedeutung des Bahnhofs liegt in seiner Lage zwischen dem Gemeindezentrum und dem Zürichsee.
Die Bahnlinie erschliesst Horgen, bildet aber zugleich eine bauliche Barriere. Unterführung und Passerelle sollen diese Trennwirkung vermindern.
Die Gestaltung des Bahnhofplatzes verfolgt deshalb nicht nur verkehrliche, sondern auch städtebauliche Ziele:
- kurze Umsteigewege;
- sichere Fussverbindungen;
- direkter Zugang zum See;
- gute Erreichbarkeit der Geschäfte;
- Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum;
- Verbindung von Bushof, Bahn und Schiff.
Die farbige Begegnungszone macht den Bahnhof zu einem gut erkennbaren Teil des Horgner Ortsbilds.
Uferrutschung als Erinnerungsort
Die Rutschung von 1875 ist bis heute ein wichtiges Thema der Horgner Lokalgeschichte.
Unter Wasser befinden sich weiterhin Spuren der damaligen Aufschüttungen, Mauern und Bahnanlagen. Historische Fotografien zeigen das abgesunkene Aufnahmegebäude und den schief stehenden Güterschuppen.
Zum 150. Jahrestag der Katastrophe stellte die Gemeinde 2025 einen digitalen Spaziergang bereit. Er vermittelt an mehreren Stationen Informationen zur Planung, zum Bau und zu den geologischen Folgen des Eisenbahnprojekts.[3]
Die Geschichte verdeutlicht den Konflikt zwischen technischen und wirtschaftlichen Erwartungen sowie den natürlichen Bedingungen des Zürichseeufers.
Eisenbahngeschichtliche Bedeutung
Der Bahnhof Horgen dokumentiert mehrere wichtige Phasen der schweizerischen Eisenbahngeschichte:
- den privaten Bahnbau im 19. Jahrhundert;
- die Erschliessung des linken Zürichseeufers;
- frühe geotechnische Probleme bei Seeaufschüttungen;
- die Verstaatlichung der grossen Privatbahnen;
- die Elektrifizierung und den Doppelspurausbau;
- die Modernisierung der Bahnhöfe in den 1950er-Jahren;
- den Rückgang des lokalen Güterverkehrs;
- die Einführung der Zürcher S-Bahn;
- die Entwicklung multimodaler Verkehrsknoten.
Die heutige Anlage verbindet ein Aufnahmegebäude der frühen Nachkriegszeit mit moderner Verkehrs- und Freiraumgestaltung.
Siehe auch
- Horgen
- Linksufrige Zürichseebahn
- Schweizerische Nordostbahn
- Schweizerische Bundesbahnen
- Bahnhof Horgen Oberdorf
- Bahnhof Oberrieden
- Bahnhof Au ZH
- Bahnhof Wädenswil
- Zürcher S-Bahn
- Zürcher Verkehrsverbund
- Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft
- Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
- Liste der Bahnhöfe im Kanton Zürich
Weblinks
- Bahnhof Horgen bei den Schweizerischen Bundesbahnen
- S-Bahn-Linien am Bahnhof Horgen
- Buslinien am Bahnhof Horgen
- Offizielle Website der Gemeinde Horgen
- Digitaler Spaziergang zur Uferrutschung von 1875
- Geschichte der Eisenbahn in Horgen
- Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft
- Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Bahnhof Horgen: Haltestellen- und Linienfahrpläne, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Horgen, Bahnhof: Buslinien, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 150 Jahre Uferrutschung 1875–2025, Gemeinde Horgen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Als die Eisenbahn nach Horgen kam, Verein 150 Jahre Linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 100 Jahre Eisenbahnlinie Zürich–Richterswil, Verein 150 Jahre Linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Sanierung Passerelle Bahnhof Horgen geplant, Gemeinde Horgen, 26. Mai 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Anpassungen auf den Sommerfahrplan 2026, Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen AG, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 8,0 8,1 Bahnhof Horgen, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Horgen