Bahnhof Hinwil
| Bahnhof Hinwil | |
|---|---|
| Ort | Hinwil |
| Bezirk | Hinwil |
| Kanton | Zürich |
| Lage im Netz | End-, Anschluss- und Durchgangsbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Eröffnung | 17. August 1876 |
| Anschluss der Uerikon-Bauma-Bahn | 1. Juni 1901 |
| Umgestaltung | 1990–1992 |
| Bahnsteiggleise | 3 |
| Bahnsteige | 1 Hausperron 1 Mittelperron |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Höhe | 565 m ü. M. |
| Abkürzung | HI |
| IBNR | 8503130 |
| Bahnstrecken | Bahnstrecke Effretikon–Hinwil Hinwil–Bauma, ehemalige Uerikon-Bauma-Bahn |
| Tarifverbund | Zürcher Verkehrsverbund |
| Eigentümerin | SBB |
| Personenverkehr | S-Bahn Zürich, Linie S14 Museumszüge des DVZO |
| Anschlussverkehr | Buslinien 869, 870 und 875 Nachtbuslinien N88 und N89 Buxi |
| Adresse | Bahnhofplatz 1 8340 Hinwil |
| Website | sbb.ch |
Der Bahnhof Hinwil ist ein Bahnhof in der gleichnamigen politischen Gemeinde und im Hauptort des Bezirks Hinwil im Kanton Zürich. Er bildet den südöstlichen Endpunkt des regulären Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil und wird von der Linie S14 der S-Bahn Zürich bedient.
Südöstlich des Bahnhofs setzt sich die Eisenbahnstrecke über Ettenhausen-Emmetschloo und Bäretswil nach Bauma fort. Dieser Abschnitt gehörte ursprünglich zur Uerikon-Bauma-Bahn und wird heute nicht mehr im regulären Personenverkehr bedient. Er dient dem Museumsverkehr des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland sowie einzelnen Güter-, Bau- und Dienstfahrten.
Hinwil ist damit zugleich Endbahnhof des täglichen S-Bahn-Verkehrs, Anschlussbahnhof des regionalen Busnetzes und Ausgangspunkt einer der bekanntesten historischen Eisenbahnstrecken des Zürcher Oberlands. Das Bahnhofareal umfasst drei Bahnsteiggleise, weitere Betriebs- und Abstellgleise, einen Busbahnhof sowie mehrere Geschäfts- und Dienstleistungsräume.
Der Bahnhof wurde 1876 eröffnet. Mit der Inbetriebnahme der Uerikon-Bauma-Bahn im Jahr 1901 wandelte er sich vom Endbahnhof zum Durchgangsbahnhof. Seit der Einführung der S-Bahn Zürich 1990 wird der reguläre Personenverkehr nach Hinwil durch die Linie S14 abgewickelt.[1]
Lage
Der Bahnhof liegt westlich des historischen Dorfzentrums von Hinwil zwischen dem Bahnhofplatz, der Unteren Bahnhofstrasse, der Dürntnerstrasse und dem Industriegebiet Wässeri.
Das Zentrum mit der reformierten Kirche, dem Gemeindehaus und den wichtigsten öffentlichen Einrichtungen ist in wenigen Gehminuten erreichbar. Westlich und südwestlich des Bahnhofs schliessen sich grössere Gewerbe- und Industriegebiete an. Dort befinden sich unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Automatisierung, Motorsport, Logistik und Umwelttechnik.
Die Bahnstrecke führt nordwestlich in Richtung Wetzikon. Nach dem Verlassen des Bahnhofs verläuft sie zunächst durch das Siedlungs- und Industriegebiet von Hinwil und anschliessend über offene Flächen nach Wetzikon.
In südöstlicher Richtung beschreibt die ehemalige Uerikon-Bauma-Bahn eine weite Kurve. Sie führt durch den östlichen Teil des Gemeindegebiets, überquert mehrere Strassen und steigt anschliessend in Richtung Ettenhausen und Bäretswil an.
Der Bahnhofplatz ist entgegen seiner Bezeichnung kein kompakter Platz, sondern eine ungefähr 300 Meter lange Strasse entlang des Bahnhofareals. An ihr liegen der Busbahnhof, das Aufnahmegebäude, Geschäfte, Veloabstellanlagen, Parkplätze und technische Gebäude.[2]
Bedeutung im Bahnnetz
Der Bahnhof liegt am Kilometerende der von Effretikon über Pfäffikon und Wetzikon führenden Bahnstrecke. Diese Strecke wird aufgrund ihres Verlaufs durch das Kempttal auch als Kempttalbahn bezeichnet.
Im heutigen S-Bahn-Betrieb ist Hinwil der Endpunkt der S14. Die Linie verbindet die Gemeinde über Wetzikon, Uster, Wallisellen, Zürich Oerlikon und Zürich Hauptbahnhof mit dem Knonaueramt.
Die Fortsetzung nach Bauma gehört zur ehemaligen Uerikon-Bauma-Bahn. Diese verband ab 1901 den Zürichsee bei Uerikon mit dem Zürcher Oberland und dem Tösstal. Der Abschnitt Uerikon–Hinwil wurde nach dem Zweiten Weltkrieg stillgelegt und teilweise abgebrochen. Die Strecke Hinwil–Bauma blieb dagegen erhalten.
Durch diese historische Verbindung besitzt Hinwil bis heute die Funktion eines Übergangspunkts zwischen dem regulären SBB-Netz und dem Museumsbahnbetrieb.
Bahnhofanlage
Personenanlage
Der Bahnhof besitzt drei für den Personenverkehr nutzbare Gleise. Gleis 1 liegt am Hausperron unmittelbar vor dem Aufnahmegebäude. Die Gleise 2 und 3 liegen an einem überdachten Mittelperron.
Die regulären Züge der S14 verkehren in der Regel ab Gleis 1. Die Museumszüge des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland benutzen meistens Gleis 3 und bei besonderen betrieblichen Situationen auch Gleis 2.[3]
Das Mittelperron wurde im Rahmen des Bahnhofumbaus zu Beginn der 1990er-Jahre erstellt. Eine Personenunterführung verbindet es mit dem Aufnahmegebäude, dem Bahnhofplatz und der Unteren Bahnhofstrasse.
Die Perrons verfügen über:
- gedeckte Wartebereiche;
- Sitzgelegenheiten;
- digitale Abfahrtsanzeigen;
- Lautsprecheranlagen;
- Billettautomaten;
- Beleuchtung;
- Fahrgastinformationen;
- taktile Markierungen.
Die Anlage ermöglicht den gleichzeitigen Aufenthalt eines S-Bahn-Zuges und eines Museumszuges. Bei besonderen Veranstaltungen oder Bauarbeiten können weitere Gleise für Dienst- und Sonderzüge genutzt werden.
Betriebsgleise
Neben den drei Bahnsteiggleisen bestehen mehrere Neben-, Abstell- und Anschlussgleise. Sie dienen insbesondere:
- dem Abstellen von S-Bahn-Kompositionen;
- dem Bereitstellen von Museumszügen;
- dem Rangieren historischer Fahrzeuge;
- Güter- und Baudienstfahrten;
- der Zuführung von Fahrzeugen zur Strecke nach Bauma;
- dem Abstellen von Infrastrukturfahrzeugen.
Die Gleisanlage ist trotz früherer Rückbauten umfangreicher als bei einem gewöhnlichen regionalen Endbahnhof. Dies ist eine Folge der historischen Funktion als Verknüpfung zweier Bahnstrecken und der bis heute bestehenden Verbindung nach Bauma.
Der Bahnhof wird aus der Betriebszentrale Ost der SBB beim Flughafen Zürich ferngesteuert. Das örtliche Stellwerk wurde 2011 ausser Betrieb genommen. Teile der historischen Stellwerktechnik blieben erhalten und wurden später im Bahnhofsgebäude ausgestellt.[1]
Aufnahmegebäude
Das Aufnahmegebäude steht am Bahnhofplatz südwestlich der Gleise. Sein historischer Kern entstand für die Eröffnung der Bahnstrecke im Jahr 1876 und entspricht einem von der Schweizerischen Nordostbahn mehrfach verwendeten Stationstyp.
Ursprünglich enthielt das Gebäude:
- einen Wartsaal;
- einen Billettschalter;
- Diensträume;
- Räume für die Gepäck- und Güterabfertigung;
- eine Wohnung für den Bahnhofvorstand.
An das Aufnahmegebäude schliesst der ehemalige Güterschuppen an. Bahnhof und Güterschuppen gelten als wichtige Zeugnisse der Hinwiler Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte und wurden in kommunalen Kulturunterlagen als Schutzobjekte von regionaler Bedeutung aufgeführt.[4]
Beim umfassenden Umbau von 1990 bis 1992 wurden die bestehenden Bauten in eine modernisierte Bahnhofanlage integriert. Weitere Umbauten folgten 2014. Dabei wurden das Bahnhofsgebäude und der ehemalige Güterschuppen renoviert und teilweise neu genutzt.
Heute befinden sich im Bahnhofbereich unter anderem ein Migrolino, ein Kiosk, eine Logopädiepraxis und weitere Dienstleistungsangebote. Das frühere SBB-Reisezentrum wurde 2022 geschlossen.[5]
Ausstattung
Der Bahnhof besitzt Geschäfte, öffentliche Toiletten, Billettautomaten und verschiedene Angebote der kombinierten Mobilität.
Nach Angaben der SBB stehen 45 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst 48 reguläre Parkplätze und zwei Parkplätze für Menschen mit Behinderung.[6]
Zu den Einrichtungen gehören:
- Migrolino;
- Kiosk;
- öffentliche Toilette;
- Billettautomaten;
- überdachte Veloabstellplätze;
- P+Rail-Anlage;
- Mobility-Carsharing;
- gedeckter Busbahnhof;
- Wartebereiche;
- Fahrgastinformationsanlagen.
Der bediente SBB-Schalter wurde 2022 aufgehoben. Billette werden seither hauptsächlich an Automaten, über die SBB-Mobile-App oder andere digitale Verkaufskanäle gekauft.
Bahnverkehr
S-Bahn Zürich
Im Jahresfahrplan 2026 wird Hinwil von der Linie S14 der S-Bahn Zürich bedient:[7]
- S14: Affoltern am Albis – Hedingen – Bonstetten-Wettswil – Birmensdorf – Urdorf – Zürich Altstetten – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Oerlikon – Wallisellen – Dübendorf – Schwerzenbach – Nänikon-Greifensee – Uster – Aathal – Wetzikon – Hinwil.
Die S14 verkehrt grundsätzlich alle 30 Minuten. Dadurch bestehen pro Stunde zwei direkte Verbindungen nach Zürich.
Die Fahrzeit beträgt ungefähr:
| Ziel | Ungefähre Fahrzeit |
|---|---|
| Wetzikon | 5 Minuten |
| Uster | 15 Minuten |
| Zürich Oerlikon | 35 Minuten |
| Zürich Hauptbahnhof | 40 Minuten |
| Zürich Altstetten | 50 Minuten |
| Affoltern am Albis | rund 75 Minuten |
Die S14 hält zwischen Hinwil und Wetzikon nur an den beiden Endpunkten. Ab Wetzikon bedient sie unter anderem Aathal, Uster und die Stationen entlang der Glattallinie.
Während der Randzeiten und bei Bauarbeiten können einzelne Verbindungen in Wetzikon enden oder durch Busse ersetzt werden.
Frühere Zugverbindungen
Vor der Einführung der S-Bahn Zürich verkehrten Regionalzüge zwischen Hinwil, Wetzikon, Pfäffikon und Effretikon. Einzelne Züge wurden über Effretikon hinaus nach Zürich oder Winterthur geführt.
Seit dem 27. Mai 1990 ist der tägliche Personenverkehr zwischen Wetzikon und Hinwil Bestandteil der S-Bahn Zürich. Die S14 übernahm den Abschnitt Wetzikon–Hinwil, während die damalige S3 den nördlichen Teil der Strecke zwischen Wetzikon und Effretikon bediente.[8]
Mit dem Ausbau des Zürcher S-Bahn-Netzes wurde die S14 mehrfach verlängert. Heute verbindet sie Hinwil ohne Umsteigen mit der Zürcher Innenstadt und dem Knonaueramt.
Museumsverkehr
Der Bahnhof Hinwil ist einer der beiden Endpunkte der historischen Bahnfahrten des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland.
Der Verein führt von Mai bis Oktober an ausgewählten Sonntagen öffentliche Züge zwischen Hinwil und Bauma. Zum Einsatz kommen Dampflokomotiven, historische Elektrolokomotiven, Triebwagen und Personenwagen unterschiedlicher Epochen.[3]
Die Museumsstrecke führt über:
- Ettenhausen-Emmetschloo;
- Bäretswil;
- Neuthal;
- Bauma.
In Bäretswil finden regelmässig Zugskreuzungen statt. In Bauma besteht Anschluss an die S26 der S-Bahn Zürich sowie an historische Postautokurse.
Die historischen Züge beginnen und enden in Hinwil meist an Gleis 3. Die Billette des Museumsbetriebs sind nicht Bestandteil des normalen ZVV-Tarifs. Der DVZO verkauft teilweise traditionelle Kartonbillette.
Neben den öffentlichen Fahrten verkehren auf der Strecke Charterzüge, Vereinsfahrten, Bauzüge und Sonderzüge zu Veranstaltungen.
Busverkehr
Der Busbahnhof befindet sich unmittelbar südlich der Bahnsteige und ist durch ein durchgehendes Dach geschützt. Er wurde im Zusammenhang mit dem Bahnhofumbau 1990 bis 1992 erstellt.
Im Jahresfahrplan 2026 wird die Haltestelle Hinwil, Bahnhof von folgenden Linien der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland bedient:[9]
| Linie | Streckenführung beziehungsweise Hauptfunktion |
|---|---|
| 869 | Hinwil – Hinwil Dorf – Hadlikon – Wetzikon ZH |
| 870 | Hinwil – Hadlikon – Dürnten – Tann – Rüti ZH |
| 875 | Hinwil – Wernetshausen – Girenbad – Ringwil |
| N88 | Nachtverbindung von Hinwil in Richtung Dürnten und Wald |
| N89 | Nachtverbindung Hinwil – Wetzikon |
Die Buslinien erschliessen die nicht an der Bahn gelegenen Hinwiler Aussenwachten und stellen Verbindungen nach Wetzikon, Rüti und Dürnten her.
Buxi
Das Buxi ist ein abendliches Rufbusangebot für das Gemeindegebiet von Hinwil. Es verkehrt täglich ab 19.55 Uhr im Halbstundentakt ab dem Bahnhof.
Der Kleinbus besitzt keine feste Route. Er bringt Fahrgäste nach Bedarf in das Dorfgebiet, in das Quartier Alpenblick sowie nach Ringwil, Girenbad, Wernetshausen und Hadlikon. Fahrten aus den Ortsteilen zum Bahnhof können telefonisch reserviert werden.
Seit 2026 wird für das Angebot ein elektrischer Kleinbus eingesetzt. Für die Fahrt ist ein gültiges ZVV-Billett erforderlich.[10]
Geschichte
Planung der Bahnverbindung
Am 8. November 1865 fand in Pfäffikon eine Versammlung zur Vorbereitung einer Eisenbahnstrecke durch das Zürcher Oberland statt. Vorgesehen war zunächst eine Verbindung von Effretikon über Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon, Wetzikon und Hinwil bis nach Wald.
Die Gemeinde Wald entschied sich später für einen Anschluss über Rüti. Das Projekt wurde deshalb auf die Strecke Effretikon–Hinwil verkürzt.
1873 entstand die Eisenbahngesellschaft Effretikon–Pfäffikon–Hinwil. Zu den Beteiligten gehörten Gemeinden, Privatpersonen und Unternehmen aus dem Zürcher Oberland. Die Gemeinde Hinwil beteiligte sich mit einem Aktienkapital von 180'000 Franken.[1]
Die Schweizerische Nordostbahn übernahm Planung, Bau und spätere Betriebsführung. Der Bau begann 1873. Überschwemmungen und Hangrutsche im Jahr 1875 verzögerten die Fertigstellung.
Eröffnung 1876
Die Strecke Effretikon–Wetzikon–Hinwil wurde am 17. August 1876 eröffnet.[11]
Nach der Hinwiler Ortschronik verliess am 27. August 1876 um 5.59 Uhr der erste reguläre Zug den neu erbauten Bahnhof in Richtung Wetzikon. Die dampfbetriebene Komposition führte Wagen der zweiten und dritten Klasse.[1]
Hinwil war zunächst Endbahnhof. Die Gleisanlagen umfassten ein Hauptgleis, Abstell- und Gütergleise, einen Güterschuppen und eine Drehscheibe zum Wenden der Dampflokomotiven.
Der Bahnanschluss verbesserte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Textilien, Holz, Maschinen und anderer Waren. Gleichzeitig verkürzte sich die Reisezeit nach Wetzikon, Uster und Zürich erheblich.
Die private Eisenbahngesellschaft blieb wirtschaftlich erfolglos. Am 1. Januar 1886 übernahm die Nordostbahn die Strecke.
Uerikon-Bauma-Bahn
Der Zürcher Industrielle und Eisenbahnpionier Adolf Guyer-Zeller initiierte gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Bahnverbindung von Uerikon am Zürichsee über Hombrechtikon, Bubikon, Dürnten, Hinwil und Bäretswil nach Bauma.
Die Uerikon-Bauma-Bahn nahm ihren Betrieb am 1. Juni 1901 auf. Hinwil wurde dadurch vom End- zum Durchgangsbahnhof.[12]
Für die neue Strecke mussten die Gleisanlagen erweitert und umgestaltet werden. Die Züge konnten fortan von Uerikon über Hinwil nach Bauma durchfahren.
Die Uerikon-Bauma-Bahn war wirtschaftlich schwach. Sie erschloss dünn besiedelte Gebiete und stand zunehmend in Konkurrenz zum Strassenverkehr.
Übernahme durch die SBB
Mit der Verstaatlichung der Nordostbahn ging der Bahnhof Hinwil am 1. Januar 1902 in das Eigentum der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.
Die Uerikon-Bauma-Bahn blieb zunächst eine eigenständige Privatbahn. Ihre Betriebsführung wurde jedoch zeitweise ebenfalls durch die SBB unterstützt.
Der Bahnhof besass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine grössere Zahl von Mitarbeitenden. Dazu gehörten Fahrdienstleiter, Rangierpersonal, Schalterangestellte, Gepäckarbeiter und Güterbedienstete.
Elektrifizierung
Der Kohlemangel während des Zweiten Weltkriegs beschleunigte die Elektrifizierung der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil.
Am 6. Mai 1944 erreichte die erste elektrisch geführte Zugskomposition den Bahnhof Hinwil. Der planmässige elektrische Betrieb wurde mit dem schweizerischen Stromsystem von 15 Kilovolt und 16⅔ Hertz aufgenommen.[1]
Durch die Elektrifizierung verlor die Drehscheibe ihre ursprüngliche Bedeutung, da elektrische Lokomotiven nicht mehr am Endbahnhof gewendet werden mussten.
Die Strecke Hinwil–Bauma wurde Ende der 1940er-Jahre elektrifiziert. Damit konnten elektrische Fahrzeuge durchgehend von Wetzikon über Hinwil nach Bauma verkehren.
Aufhebung der Uerikon-Bauma-Bahn
1946 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Uerikon–Hinwil durch Busse ersetzt. Zwei Jahre später übernahmen die SBB die verbleibenden Anlagen der Uerikon-Bauma-Bahn.
Der Abschnitt Uerikon–Hinwil wurde grösstenteils stillgelegt und später abgebrochen. Ein Teil des Trassees ist noch heute in der Landschaft oder im Strassennetz erkennbar.
Auf der Verbindung Hinwil–Bauma führten die SBB den Personen- und Güterverkehr zunächst weiter. Wegen geringer Nachfrage wurde der reguläre Personenverkehr 1969 eingestellt.[13]
Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland
1973 wurde der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland gegründet. Ziel war die Erhaltung historischer Eisenbahnfahrzeuge und des stillgelegten Streckenabschnitts zwischen Hinwil und Bauma.
1978 nahm der Verein den öffentlichen Museumsverkehr auf. Die Strecke entwickelte sich zu einer bedeutenden touristischen Attraktion des Zürcher Oberlands.
Der Erhalt der Bahnlinie verhinderte den vollständigen Abbruch der ehemaligen Uerikon-Bauma-Bahn. Neben dem Museumsbetrieb blieb sie für Güter- und militärische Transporte sowie als strategische Eisenbahnverbindung nutzbar.
Umbau für die S-Bahn
Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich beschlossen in den 1980er-Jahren den Aufbau der S-Bahn Zürich. Für deren Betrieb musste auch der Bahnhof Hinwil grundlegend modernisiert werden.
Die Bauarbeiten begannen 1990. Sie umfassten unter anderem:
- den Neubau des Mittelperrons zwischen den Gleisen 2 und 3;
- die Verlängerung und Überdachung der Perrons;
- eine neue Personenunterführung;
- den Umbau der Schalterhalle;
- einen gedeckten Busbahnhof;
- neue Veloabstellanlagen;
- die Anpassung der Sicherungs- und Fahrleitungsanlagen;
- die Neuordnung der Verkehrsflächen.
Der Bahnbetrieb wurde während der Bauarbeiten weitgehend aufrechterhalten. Vom 14. bis 16. Mai 1992 wurde die erneuerte Anlage mit einem Bahnhofsfest eingeweiht.[14]
Der Umbau machte den Bahnhof zu einem kombinierten Bahn- und Busknoten. Gleichzeitig entstanden grössere gedeckte Wartebereiche und bessere Zugänge zu den Bahnsteigen.
Güterverkehr
Der Güterverkehr besass früher eine grosse Bedeutung. Über Hinwil wurden unter anderem transportiert:
- landwirtschaftliche Erzeugnisse;
- Holz;
- Kohle und Brennstoffe;
- Baustoffe;
- Maschinen;
- Textilien;
- Produkte der örtlichen Industrie;
- Abfälle und Recyclingmaterialien.
Mehrere Gewerbe- und Industriebetriebe verfügten über eigene Anschlussgleise. Mit der Verlagerung des Stückgutverkehrs auf die Strasse wurden zahlreiche Güteranlagen zurückgebaut.
Einzelne Güter- und Infrastrukturtransporte finden weiterhin statt. Die Verbindung nach Bauma kann auch für Bauzüge und besondere Überführungsfahrten genutzt werden.
Historisches Stellwerk
Das mechanische Stellwerk des Bahnhofs stammte ursprünglich aus dem späten 19. Jahrhundert. Es war zunächst in einem anderen Bahnhof eingesetzt und wurde später nach Hinwil versetzt.
Die Anlage arbeitete nach dem System Bruchsal und steuerte Weichen, Signale und Fahrstrassen. Sie wurde im Juni 2011 ausser Betrieb genommen, nachdem die Fernsteuerung durch die SBB-Betriebszentrale übernommen worden war.
Teile des Stellwerks blieben erhalten. Beim Umbau des Bahnhofsgebäudes im Jahr 2014 wurden sie in die neue Nutzung integriert und als technikgeschichtliches Ausstellungsobjekt sichtbar gemacht.
Entwicklung des Bahnhofplatzes
Der Bahnhofplatz wurde mit dem Ausbau von 1992 neu geordnet. Durch das Wachstum der Gemeinde und des Busverkehrs stösst die Anlage jedoch zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen.
Die Gemeinde plant eine umfassende Sanierung und Neugestaltung der Bahnhofstrasse und des Bahnhofplatzes. Vorgesehen sind unter anderem:
- eine Begegnungszone mit Tempo 20;
- eine Neuordnung der Bushaltestellen;
- Verbesserungen für Fussgängerinnen und Fussgänger;
- hindernisfreie Buskanten;
- neue Veloabstellanlagen;
- eine Aufwertung der Aufenthaltsbereiche;
- zusätzliche Bäume und Grünflächen;
- eine Neuordnung der Kurzzeitparkplätze.
Die Projektunterlagen wurden 2025 öffentlich aufgelegt. Im Jahr 2026 befand sich das Vorhaben weiterhin in der Planungs- und Einsprachephase.[15]
Geplante Serviceanlage
Die SBB, der Kanton Zürich, der ZVV und die Gemeinde Hinwil prüfen das Industriegebiet westlich des Bahnhofs als möglichen Standort für eine neue Serviceanlage der Zürcher S-Bahn.
Die Anlage soll der regelmässigen Wartung, Reinigung und Bereitstellung künftiger längerer S-Bahn-Züge dienen. Hinwil gilt betrieblich als geeigneter Standort, weil mehrere Linien des Zürcher Oberlands in der Region enden und dadurch Leerfahrten vermieden werden könnten.
Das Projekt könnte ungefähr 60 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Untersuchungen berücksichtigen jedoch auch Raumplanung, Verkehr, Umwelt, Siedlungsentwicklung und weitere geplante Infrastrukturvorhaben im Gebiet Industrie West.[16]
Eine definitive Standort- oder Baubewilligung lag im August 2026 noch nicht vor.
Bedeutung für die Gemeinde
Der Bahnhof ist der wichtigste öffentliche Verkehrsknoten der Gemeinde Hinwil. Er verbindet den Bezirkshauptort mit Wetzikon, Uster, dem Glattal und der Stadt Zürich.
Die Bahnverbindung spielt eine wichtige Rolle für:
- den täglichen Pendlerverkehr;
- Schülerinnen und Schüler;
- die Erschliessung der Gewerbe- und Industriegebiete;
- den Zugang zu kantonalen und kommunalen Behörden;
- den regionalen Busverkehr;
- den Freizeit- und Museumsverkehr;
- die touristische Erschliessung des Zürcher Oberlands.
Der Bahnhof erschliesst nicht nur das eigentliche Dorf Hinwil, sondern über die Buslinien auch die Aussenwachten Hadlikon, Ringwil, Wernetshausen und Girenbad.
Die direkte S-Bahn-Verbindung nach Zürich trug dazu bei, Hinwil von einer landwirtschaftlich und industriell geprägten Gemeinde zu einem bedeutenden Wohn- und Arbeitsplatzstandort innerhalb der Zürcher Agglomeration zu entwickeln.
Freizeitverkehr
Hinwil ist ein Ausgangspunkt für Ausflüge in das Zürcher Oberland. Vom Bahnhof bestehen Bus- und Wanderverbindungen zum Bachtel, nach Girenbad, Ringwil, Bäretswil und in das Tösstal.
Zu den Zielen in der Umgebung gehören:
- der Bachtel mit dem Bachtelturm;
- das Ortsmuseum Hinwil;
- das Industrieensemble Neuthal;
- das Fahrzeugmuseum des DVZO;
- die historische Bahnstrecke nach Bauma;
- das Naturschutzgebiet Hinwiler Riet;
- die Aussenwachten Girenbad und Wernetshausen;
- Wanderwege in Richtung Bäretswil, Wald und Rüti.
Die Kombination aus S-Bahn, Museumsbahn, Postauto und Wanderwegen macht den Bahnhof insbesondere an den Betriebstagen des DVZO zu einem wichtigen Ausgangspunkt des regionalen Freizeitverkehrs.
Siehe auch
- Hinwil
- Bahnstrecke Effretikon–Hinwil
- Uerikon-Bauma-Bahn
- Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland
- Bahnhof Wetzikon
- Bahnhof Bäretswil
- Bahnhof Bauma
- S-Bahn Zürich
- Zürcher Verkehrsverbund
- Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland
- Adolf Guyer-Zeller
Literatur
- Walter Aeschimann, Hugo Wenger: Uerikon-Bauma-Bahn. Rückblick und Ausblick. Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, Bauma.
- Walter Boesch: Die Uerikon-Bauma-Bahn. Orell Füssli, Zürich 1948.
- Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland: Die Eisenbahnstrecke Bauma–Hinwil. Bauma.
- Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
- 100 Jahre Kempttalbahn 1876–1976. Effretikon–Wetzikon–Hinwil. Jubiläumsschrift, Pfäffikon 1976.
Weblinks
- Bahnhof Hinwil bei den SBB
- Haltestellenfahrplan Hinwil
- Linienfahrplan der S14
- Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland
- Offizielle Website der Gemeinde Hinwil
- Geschichte des Bahnhofs bei Hinwilpedia
- Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Bahnhof Hinwil, Hinwilpedia, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bahnhofplatz, Hinwilpedia, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Öffentliche Fahrten mit Dampfzügen, Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Kultur-Auslegeordnung Hinwil, Gemeinde Hinwil, 11. April 2022, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Hinwiler Bahnhofsgebäude, Hinwilpedia, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bahnhof Hinwil, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ S14 Affoltern am Albis–Zürich HB–Hinwil, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Aufnahme des S-Bahn-Betriebs, Gemeinde Hinwil, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Hinwil und Hinwil, Bahnhof, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Elektrisch heimwärts: Erster E-Bus für Hinwil, Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland, 23. Februar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Regionale Streckenjubiläen 2026–2029, SBB, 12. Mai 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Betriebsaufnahme der Uerikon-Bauma-Bahn, Gemeinde Hinwil, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Eisenbahnstrecke Bauma–Hinwil, Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Neuer Bahnhof, Gemeinde Hinwil, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Rückblick auf die Tätigkeiten 2025, Gemeinde Hinwil, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Serviceanlage Zürcher S-Bahn: SBB und Kanton Zürich prüfen Optionen in Hinwil, SBB und Zürcher Verkehrsverbund, 20. März 2025, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Hinwil