Zweiter Kappelerkrieg

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Zweiter Kappelerkrieg
Zeitraum 9. Oktober bis 24. November 1531
Schauplätze Kappel am Albis, Baar, Menzingen und weitere Gebiete der heutigen Kantone Zürich und Zug
Konfliktparteien Reformierte Orte: Zürich, Bern und weitere Verbündete des Christlichen Burgrechts
Katholische Orte: Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug
Ursachen Konfessionelle Spannungen, Streit um die Gemeinen Herrschaften und die von Zürich und Bern verhängte Proviantsperre
Entscheidende Gefechte Schlacht bei Kappel am 11. Oktober 1531
Schlacht am Gubel am 23./24. Oktober 1531
Ausgang Sieg der fünf katholischen Orte
Friedensschluss Zweiter Kappeler Landfriede, gesiegelt am 20. und 24. November 1531

Der Zweite Kappelerkrieg war ein im Herbst 1531 ausgetragener konfessioneller und machtpolitischer Konflikt innerhalb der Alten Eidgenossenschaft. Er bildete die Fortsetzung des Ersten Kappelerkriegs von 1529 und stellte die schwerste militärische Auseinandersetzung der frühen Schweizer Reformation dar. Auf der einen Seite standen das reformierte Zürich und seine Verbündeten, auf der anderen die katholischen Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug.[1]

Die Zürcher erlitten am 11. Oktober 1531 in der Schlacht bei Kappel eine vernichtende Niederlage. Zu den mehr als 500 Gefallenen gehörte der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli. Nachdem ein später eingetroffenes reformiertes Heer in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober auch am Gubel geschlagen worden war, mussten Zürich und seine Verbündeten Friedensverhandlungen aufnehmen. Der Zweite Kappeler Landfriede stärkte die Stellung der katholischen Orte und prägte die konfessionelle Ordnung der Eidgenossenschaft bis ins frühe 18. Jahrhundert.[2]

Vorgeschichte

Ausbreitung der Reformation

Unter dem Einfluss Huldrych Zwinglis führte Zürich in den 1520er Jahren die Reformation ein. In den folgenden Jahren schlossen sich unter anderem Bern, Basel, Schaffhausen und die Stadt St. Gallen der reformatorischen Bewegung an. Die fünf Orte der Innerschweiz hielten dagegen am katholischen Glauben fest.

Die religiöse Spaltung war zugleich mit politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen verbunden. Besonders umstritten waren die Verhältnisse in den Gemeinen Herrschaften, die von mehreren eidgenössischen Orten gemeinsam verwaltet wurden. Dort versuchten sowohl die katholischen als auch die reformierten Orte, die Entwicklung der örtlichen Gemeinden zu beeinflussen.

Zur politischen und militärischen Absicherung der Reformation schlossen Zürich, Bern und weitere reformierte Städte das Christliche Burgrecht. Die katholischen Orte betrachteten dieses Bündnissystem als Bedrohung des überlieferten eidgenössischen Gleichgewichts.

Erster Kappelerkrieg

Im Frühjahr 1529 hatten sich die Spannungen erstmals bis an die Schwelle eines Krieges gesteigert. Zürich mobilisierte gegen die fünf katholischen Orte und rückte mit seinen Truppen in Richtung Kappel am Albis vor. Eine militärische Auseinandersetzung konnte jedoch durch Vermittlungen verhindert werden.

Der am 26. Juni 1529 geschlossene Erste Kappeler Landfriede beendete den Konflikt vorläufig. Mit dem Feldlager von 1529 ist die später entstandene Erzählung von der Kappeler Milchsuppe verbunden, nach der Soldaten beider Seiten gemeinsam eine Milchsuppe gegessen haben sollen.

Der Friedensvertrag beseitigte die grundlegenden Gegensätze jedoch nicht. Zürich verlangte weiterhin, dass reformatorische Predigten auch in den Gebieten der katholischen Orte zugelassen werden sollten. Die fünf Orte lehnten jede Einmischung in ihre inneren Glaubensverhältnisse ab. Auch die Bestimmungen über die Konfession in den Gemeinen Herrschaften wurden von beiden Seiten unterschiedlich ausgelegt.[3]

Eskalation im Jahr 1531

Zu Beginn des Jahres 1531 verschärften gegenseitige Beschimpfungen und Anschuldigungen die Lage. Die reformierten Orte warfen den katholischen Orten vor, Beleidigungen des evangelischen Glaubens nicht ausreichend zu bestrafen. Umgekehrt beklagten die katholischen Orte Angriffe auf ihre religiösen Überzeugungen.

Ein weiterer Streitpunkt entstand während des Müsserkriegs. Im März 1531 griff Gian Giacomo Medici, der Kastellan von Musso, Gebiete der Drei Bünde an. Die fünf katholischen Orte weigerten sich, Truppen zur Unterstützung der Bündner zu entsenden. In Zürich wurde diese Entscheidung als Verletzung eidgenössischer Verpflichtungen und als möglicher Teil einer grösseren katholischen Politik gegen die Reformation verstanden.

Zwingli und ein Teil der Zürcher Führung drängten auf ein entschlossenes militärisches Vorgehen. Bern und die übrigen reformierten Bündnispartner wollten dagegen einen offenen Krieg vermeiden. Als Kompromiss beschlossen die Mitglieder des Christlichen Burgrechts am 16. Mai 1531 eine wirtschaftliche Blockade. Am 27. Mai verkündeten Zürich und Bern eine Proviantsperre gegen die fünf Orte.[3]

Die Sperre betraf insbesondere die Lieferung von Salz und Getreide. Mit ihr sollten die katholischen Orte zur Annahme der Zürcher Forderungen gezwungen werden. Die Massnahme traf jedoch auch die Bevölkerung und verstärkte in der Innerschweiz die Bereitschaft zum Widerstand. Mehrere Vermittlungsversuche französischer Gesandter und neutraler eidgenössischer Orte blieben erfolglos.

Kriegsausbruch

Am 9. Oktober 1531 erklärten die fünf katholischen Orte Zürich den Krieg. Ihre Truppen wurden rasch mobilisiert und rückten über Zug in Richtung der Zürcher Grenze vor. Die Zürcher Führung reagierte dagegen nur langsam. Ein Teil der Verantwortlichen rechnete weiterhin mit Verhandlungen oder ging davon aus, dass ein grösserer Angriff nicht unmittelbar bevorstehe.

Die Zürcher Truppen waren zudem durch organisatorische Probleme geschwächt. Eine nach dem Ersten Kappelerkrieg eingeführte Kriegsordnung hatte die Bestände und den Sold reduziert. Das Verbot fremder Kriegsdienste führte dazu, dass weniger erfahrene Söldner und Offiziere zur Verfügung standen. Zwischen der Stadt Zürich und Teilen der Landschaft bestanden ausserdem politische Spannungen, welche die Mobilisierung erschwerten.[2]

Schlacht bei Kappel

Am 11. Oktober 1531 standen bei Kappel am Albis rund 2000 Zürcher einem katholischen Heer von mindestens 7000 Mann gegenüber. Die erwartete Unterstützung aus Bern und anderen reformierten Gebieten war noch nicht eingetroffen.

Die Zürcher bezogen eine ungünstige Stellung auf offenem und teilweise unübersichtlichem Gelände. Als die katholischen Truppen angriffen, gelang es den Zürchern nicht, eine geschlossene Schlachtordnung zu bilden. Nach heftigem Widerstand brachen ihre Reihen auseinander. Zahlreiche Soldaten wurden während der Flucht getötet.

Mehr als 500 Zürcher kamen ums Leben. Unter den Gefallenen befanden sich zahlreiche Mitglieder der politischen, kirchlichen und militärischen Führung Zürichs. Auch Huldrych Zwingli, der das Heer als Feldprediger begleitet hatte, wurde verwundet und getötet.[2]

Zwinglis Tod war nicht nur für Zürich, sondern für die gesamte reformierte Bewegung von grosser Bedeutung. Mit ihm verlor die Zürcher Reformation ihren wichtigsten politischen und theologischen Wortführer. Sein Nachfolger am Grossmünster wurde Heinrich Bullinger, der die Zürcher Kirche stärker auf Konsolidierung und Zusammenarbeit mit den übrigen reformierten Gebieten ausrichtete.[4]

Fortsetzung der Kämpfe

Die Niederlage bei Kappel beendete den Krieg zunächst nicht. In den folgenden Tagen trafen Truppen aus Bern, Schaffhausen, St. Gallen, dem Thurgau und dem Toggenburg ein. Gemeinsam mit den verbliebenen Zürchern bildeten sie ein neues reformiertes Heer.

Dieses Heer zog durch das Reusstal in Richtung Zug. Auf dem Vormarsch kam es zu Plünderungen und Verwüstungen. Die zahlenmässig schwächeren Truppen der fünf Orte vermieden zunächst eine offene Feldschlacht und bezogen eine befestigte Stellung in der Umgebung von Inwil und Baar.

Die reformierten Befehlshaber versuchten, die katholische Stellung durch ein Umgehungsmanöver zu bedrohen. Ein mehrere Tausend Mann starkes Heer zog über Sihlbrugg, Neuheim und Menzingen auf den Gubel, eine Anhöhe zwischen dem Ägerital und Menzingen.

Schlacht am Gubel

Am Abend des 23. Oktober 1531 schlugen nach zeitgenössischer Datierung etwa 5000 bis 6000 reformierte Soldaten in der Umgebung des Gubels ihr Nachtlager auf. Die Truppen waren nach dem anstrengenden Marsch und den Plünderungen des Tages nur unzureichend gesichert.

Eine kleine Gruppe katholischer Kämpfer aus Zug, Menzingen und dem Ägerital entschloss sich zu einem eigenmächtigen nächtlichen Angriff. Nach lokaler Überlieferung umfasste sie ungefähr 630 Mann. Die Angaben zu den Truppenstärken und Verlusten unterscheiden sich jedoch je nach Quelle erheblich.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober überraschten die katholischen Angreifer das reformierte Lager. In der Dunkelheit entstand Panik, und die zahlenmässig weit überlegenen reformierten Truppen konnten keine geordnete Verteidigung aufbauen. Sie wurden in die Flucht geschlagen und erlitten schwere Verluste.[5]

Der Erfolg am Gubel entschied den Zweiten Kappelerkrieg endgültig zugunsten der fünf katholischen Orte. Das reformierte Heer zerfiel zunehmend, während Zürich und Bern unter politischen und wirtschaftlichen Druck gerieten.

Friedensverhandlungen

Nach der Niederlage am Gubel begannen Vertreter neutraler Orte und ausländischer Mächte mit der Vermittlung. Die fünf Orte verlangten die Auflösung des Christlichen Burgrechts, die Aufhebung des Ersten Kappeler Landfriedens und weitreichende Zugeständnisse in den Gemeinen Herrschaften.

Zürich führte die Verhandlungen seit dem 14. November ohne Bern und seine übrigen Verbündeten weiter. Am 16. November einigten sich Zürcher Gesandte und Vertreter der fünf Orte in Deinikon bei Baar auf einen vorläufigen Frieden. Die endgültige Urkunde zwischen Zürich und den fünf Orten wurde am 20. November 1531 in Zug gesiegelt.

Bern gab seinen Widerstand auf, nachdem katholische Truppen durch die Freien Ämter bis an die Grenze des Berner Aargaus vorgedrungen waren und sich das Berner Heer zunehmend auflöste. Der Friedensvertrag zwischen Bern und den fünf Orten wurde am 24. November in Bremgarten gesiegelt. Basel, Schaffhausen und weitere reformierte Verbündete wurden später ebenfalls in die Friedensordnung einbezogen.[3]

Bestimmungen des Zweiten Kappeler Landfriedens

Der Zweite Kappeler Landfriede bestätigte das Recht jedes souveränen eidgenössischen Ortes, die Konfession im eigenen Herrschaftsgebiet selbst zu bestimmen. Zürich musste damit seine Forderung aufgeben, in den katholischen Orten reformatorische Predigten zuzulassen.

In den Gemeinen Herrschaften erhielten reformierte Gemeinden ausdrücklich die Möglichkeit, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Das im Ersten Kappeler Landfrieden enthaltene Recht, die Reformation durch einen Mehrheitsbeschluss neu einzuführen, wurde dagegen nicht erneuert. Katholische Minderheiten erhielten einen besonderen Schutz und konnten die Wiederherstellung des katholischen Gottesdienstes verlangen.

Die Gebiete der Freien Ämter, Gaster und Weesen sowie die Stadt Rapperswil waren von den allgemeinen Regelungen ausgenommen und wurden weitgehend rekatholisiert. Auch der Fürstabt von St. Gallen wurde wieder in seine Herrschaftsrechte eingesetzt, während sich die Reformation in der Stadt St. Gallen und in Teilen des Toggenburgs behauptete.

Zürich musste seine neueren Bündnisse und damit insbesondere das Christliche Burgrecht auflösen. Der Erste Kappeler Landfriede verlor seine Gültigkeit. Ausserdem mussten Zürich und seine Verbündeten Entschädigungszahlungen zurückerstatten, die ihnen nach dem Konflikt von 1529 zugesprochen worden waren.[3]

Folgen

Konfessionelle Teilung

Der Zweite Kappelerkrieg beendete die Hoffnung Zwinglis auf eine von Zürich geführte, weitgehend reformierte Eidgenossenschaft. Die Reformation blieb in Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen und weiteren Gebieten bestehen, konnte sich jedoch in der deutschsprachigen Schweiz vorerst nicht mehr wesentlich ausbreiten.

Die konfessionelle Grenze wurde durch den Friedensschluss weitgehend stabilisiert. Katholische und reformierte Orte blieben Mitglieder desselben eidgenössischen Bündnissystems, verfügten jedoch über eigene konfessionelle Bündnisse und unterschiedliche aussenpolitische Beziehungen.

Politisches Gleichgewicht

Der Sieg stärkte den politischen Einfluss der katholischen Orte innerhalb der Tagsatzung und in den Gemeinen Herrschaften. Dieses Übergewicht wurde im Ersten Villmergerkrieg von 1656 nochmals bestätigt.

Erst der Sieg Zürichs und Berns im Zweiten Villmergerkrieg von 1712 veränderte das konfessionelle Machtverhältnis grundlegend. Der anschliessende Vierte Landfriede ersetzte wesentliche Bestimmungen des Zweiten Kappeler Landfriedens.[3]

Entwicklung der Zürcher Reformation

Nach Zwinglis Tod übernahm Heinrich Bullinger die Leitung der Zürcher Kirche. Unter ihm wurde die Reformation institutionell gefestigt. Bullinger setzte stärker als Zwingli auf theologische Verständigung und den Aufbau langfristiger Beziehungen zu anderen reformierten Kirchen.

Die militärische Niederlage führte in Zürich zugleich zu einer vorsichtigeren Politik gegenüber den übrigen eidgenössischen Orten. Der Versuch, konfessionelle Ziele mit militärischem und wirtschaftlichem Druck durchzusetzen, war gescheitert.

Erinnerungskultur

Die Schlacht bei Kappel wurde sowohl in der katholischen als auch in der reformierten Geschichtsschreibung unterschiedlich gedeutet. In Zürich stand lange der Tod Zwinglis als Märtyrer der Reformation im Mittelpunkt. Auf katholischer Seite wurden die Siege bei Kappel und am Gubel als Bewahrung des alten Glaubens verstanden.

In Kappel am Albis erinnert ein Denkmal an Zwingli und die Gefallenen der Schlacht. Auf dem Gubel entstand eine Schlachtkapelle, die zu einem katholischen Wallfahrtsort wurde. Im 19. Jahrhundert wurde dort das Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf gegründet.

Zeitgenössische und spätere Chronisten hielten den Krieg in Texten und Bildern fest. Zu den wichtigen Berichten gehören Aufzeichnungen des Zürcher Artilleriehauptmanns Peter Füssli sowie Darstellungen von Heinrich Bullinger und Aegidius Tschudi. Die Schlacht bei Kappel wurde später auch in literarischen und künstlerischen Werken behandelt.

Siehe auch

Literatur

  • Christian Bäder, Oliver Bangerter: Kappeler Kriege 1529/1531. Kampf um Vorherrschaft und Souveränität, ums Wort und den wahren Glauben. Au 2003.
  • Helmut Meyer: Der Zweite Kappeler Krieg. Die Krise der Schweizerischen Reformation. Zürich 1976.
  • Gottfried W. Locher: Die Zwinglische Reformation im Rahmen der europäischen Kirchengeschichte. Göttingen und Zürich 1979.

Einzelnachweise

  1. Helmut Meyer: Kappelerkriege. In: Historisches Lexikon der Schweiz, 12. November 2009, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Andrej Abplanalp: Der Zweite Kappelerkrieg. Blog des Schweizerischen Nationalmuseums, 11. Oktober 2021, aktualisiert am 17. Dezember 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Andreas Zecherle: Zweiter Kappeler Landfrieden vom 20./24. November 1531 – Einleitung. In: Europäische Religionsfrieden Digital, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. Bruce Gordon u. a.: Reformation. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. Einwohnergemeinde Oberägeri: Die Schlacht auf dem Gubel entscheidet den ersten eidgenössischen Religionskrieg, abgerufen am 27. Juli 2026.