Lindau ZH
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Lindau ZH |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
0176 |
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Postleitzahl |
8310–8317 |
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Koordinaten |
47.443333° N, 8.672222° E |
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Höhe |
519 m ü. M. |
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Fläche |
11.96 km² |
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Website |
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Lindau, zur Unterscheidung von der gleichnamigen deutschen Stadt häufig Lindau ZH genannt, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Pfäffikon des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt zwischen den Städten Zürich und Winterthur am Übergang vom Glatttal zum Kempttal. Zur Gemeinde gehören die Dörfer Lindau, Tagelswangen, Winterberg, Grafstal und Kemptthal sowie die Weiler Eschikon und Kleinikon.
Die Gemeinde weist keinen einzigen geschlossenen Siedlungskern auf, sondern besteht aus mehreren historisch gewachsenen Ortschaften. Tagelswangen ist heute der bevölkerungsreichste Gemeindeteil, während sich die Gemeindeverwaltung im Dorf Lindau befindet. Kemptthal und Grafstal sind durch die Industriegeschichte des Kempttals geprägt, insbesondere durch die ehemalige Nahrungsmittelfabrik Maggi.
Name
Lindau wurde im Jahr 774 erstmals als Lintauvia urkundlich erwähnt.[1] Der Ortsname wird gewöhnlich als Verbindung der Wörter Linde und Au gedeutet. Er bezeichnete demnach eine mit Linden bewachsene feuchte Niederung oder eine Auenlandschaft.
Das Gemeindewappen nimmt diese Namensdeutung auf und zeigt eine Linde. Der Zusatz ZH gehört nicht zum amtlichen Gemeindenamen, wird jedoch häufig verwendet, um Lindau von der Stadt Lindau am Bodensee und anderen gleichnamigen Orten zu unterscheiden.
Geographie
Lindau liegt im nördlichen Teil des Bezirks Pfäffikon zwischen Winterthur und der Stadt Zürich. Das Gemeindegebiet bildet einen Übergangsraum zwischen dem unteren Kempttal im Osten und dem Glatttal im Westen. Es gehört räumlich sowohl zum Zürcher Oberland als auch zur Agglomeration Zürich.
Die Fläche der Gemeinde beträgt knapp zwölf Quadratkilometer. Das Gelände ist leicht hügelig und wird von Landwirtschaftsflächen, Wäldern, Siedlungen und Verkehrsanlagen geprägt. Rund ein Drittel des Gemeindegebiets ist bewaldet.
Der tiefste Bereich liegt im Kempttal bei Kemptthal. Von dort steigt das Gelände nach Westen zu den Dörfern Lindau, Tagelswangen und Winterberg an. Die offene Landschaft zwischen den einzelnen Ortschaften wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
Durch den östlichen Teil der Gemeinde fliesst die Kempt. Sie durchquert Kemptthal und Grafstal und fliesst weiter nach Norden in Richtung Töss. Kleinere Bäche entwässern die Höhenlagen westlich des Kempttals.
Lindau grenzt an Winterthur, Illnau-Effretikon, Bassersdorf, Nürensdorf und Brütten. Aufgrund dieser Lage bestehen enge Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen sowohl zu Winterthur als auch zum Zürcher Unterland und zur Stadt Zürich.
Gemeindegliederung
Die politische Gemeinde setzt sich aus mehreren Dörfern und Weilern zusammen.
Lindau
Das Dorf Lindau liegt auf einer Anhöhe westlich des Kempttals. Es bildet den historischen kirchlichen und politischen Mittelpunkt der Gemeinde. Hier befinden sich die reformierte Kirche, die Gemeindeverwaltung und verschiedene öffentliche Einrichtungen.
Das Ortsbild wird von ehemaligen Bauernhäusern, Wohnbauten und öffentlichen Gebäuden geprägt. Obwohl Lindau der Gemeinde den Namen gibt, ist es nicht ihr bevölkerungsreichster Ortsteil.
Tagelswangen
Tagelswangen liegt südlich von Lindau an der historischen Verkehrsachse zwischen Zürich und Winterthur. Der Ort entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark und ist heute der grösste Gemeindeteil.
Neben ausgedehnten Wohnquartieren befinden sich in Tagelswangen Gewerbebetriebe, Einkaufsmöglichkeiten und eine Primarschulanlage. Die Nähe zu Effretikon und zur Autobahn A1 begünstigte die Siedlungsentwicklung.
Winterberg
Winterberg liegt nordwestlich von Lindau in erhöhter Lage. Das Dorf besteht aus einem historischen Kern mit Bauernhäusern und neueren Wohnquartieren.
Die ruhige Lage und die Nähe zu Winterthur machten Winterberg zu einem gefragten Wohnort. Im Dorf befindet sich eine Primarschulanlage.
Grafstal
Grafstal liegt im Kempttal zwischen Winterthur und Kemptthal. Der Ort ist mit Kemptthal weitgehend zusammengewachsen. In Grafstal befinden sich das Oberstufenschulhaus der Gemeinde und verschiedene Gewerbebetriebe.
Die Siedlungsentwicklung wurde durch die Bahnlinie Zürich–Winterthur und die Industrialisierung des Kempttals beeinflusst.
Kemptthal
Kemptthal ist eine historische Industrie- und Arbeitersiedlung an der Kempt. Der Ort entstand aus spätmittelalterlichen Einzelhöfen und Mühlen und entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Standort der Lebensmittelindustrie.[2]
Bekannt wurde Kemptthal insbesondere durch die Fabrik von Julius Maggi. Das ehemalige Industrieareal wird heute unter dem Namen The Valley für Unternehmen, Gastronomie, Veranstaltungen und weitere Nutzungen verwendet.
Eschikon und Kleinikon
Eschikon und Kleinikon sind kleinere ländliche Weiler. Sie bestehen aus historischen Hofgruppen, Wohnhäusern und Landwirtschaftsbetrieben.
Eschikon ist zudem als Standort landwirtschaftlicher Forschungs- und Bildungseinrichtungen bekannt. Beide Weiler bewahrten trotz der Entwicklung der umliegenden Gemeinden weitgehend ihren dörflichen Charakter.
Geschichte
Frühmittelalter
Das Gebiet von Lindau war spätestens im frühen Mittelalter besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung von 774 steht im Zusammenhang mit einer Güterschenkung an das Kloster St. Gallen.[1]
Auch einzelne Gemeindeteile werden bereits in frühmittelalterlichen Quellen genannt. Die damaligen Siedlungen bestanden überwiegend aus Einzelhöfen und kleinen Hofgruppen, die auf gerodeten Flächen angelegt worden waren.
Klöster, Adelsfamilien und weltliche Grundherren besassen im Gebiet von Lindau Land, Abgabenrechte und weitere Einkünfte. Die bäuerliche Bevölkerung bewirtschaftete Äcker, Wiesen, Wälder und gemeinschaftlich genutzte Flächen.
Mittelalterliche Herrschaft
Im Hochmittelalter gehörten Teile des Gemeindegebiets zum Einflussbereich der Grafen von Kyburg. Nach deren Aussterben gingen zahlreiche Rechte an die Habsburger über.
In Winterberg bestand ein lokales Freiherrengeschlecht. Angehörige der Familie von Winterberg sind im 12. und 13. Jahrhundert urkundlich belegt.[3] Von ihrem möglichen Herrschaftssitz sind keine bedeutenden sichtbaren Baureste erhalten geblieben.
Die hohe und mittlere Gerichtsbarkeit gelangte 1424 zusammen mit der Grafschaft Kyburg als Pfand an die Stadt Zürich. Nachdem das Pfand vorübergehend an Habsburg zurückgegeben worden war, übernahm Zürich das Gebiet 1452 endgültig.
Lindau gehörte danach bis 1798 zur zürcherischen Landvogtei Kyburg. Die einzelnen Dörfer verfügten jedoch weiterhin über lokale Nutzungsrechte und eigene dörfliche Organisationen.
Kirche und Reformation
Eine Kirche in Lindau könnte bereits im 9. Jahrhundert bestanden haben. Schriftlich belegt ist das dem heiligen Gallus geweihte Gotteshaus seit 1274.
Das Patronatsrecht lag zunächst bei weltlichen Herrschaftsträgern und gelangte später an die Stadt Zürich. Mit der Zürcher Reformation wurde die Kirche im 16. Jahrhundert evangelisch-reformiert.
Die Bewohnerinnen und Bewohner der heutigen Gemeinde waren ursprünglich auf verschiedene Pfarreien verteilt. Tagelswangen, Grafstal, Winterberg und Kleinikon gehörten teilweise zur weiter entfernten Pfarrei Illnau.
Am 8. April 1711 beschloss der Zürcher Rat eine Neuordnung der Pfarreigrenzen. Die genannten Ortschaften wurden der näher gelegenen Kirchgemeinde Lindau zugeteilt. Wegen der dadurch gestiegenen Zahl der Gottesdienstbesucher wurde die Kirche 1716 erweitert.
Helvetik und politische Gemeinde
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft wurden 1798 die alten Herrschaftsrechte aufgehoben. Während der Helvetischen Republik entstanden neue politische und administrative Strukturen.
Die heutige politische Gemeinde entwickelte sich aus den historisch eigenständigen Dorfgemeinschaften Lindau, Tagelswangen, Winterberg und Grafstal. Diese Orte bildeten später Zivilgemeinden innerhalb der politischen Gemeinde.
Die Zivilgemeinden erfüllten Aufgaben wie die Wasserversorgung, den Unterhalt der Flurwege, das Feuerwehrwesen und teilweise die Abfallentsorgung. Mit der zunehmenden Bevölkerungszahl und der wachsenden Komplexität der öffentlichen Aufgaben gingen ihre Zuständigkeiten schrittweise auf die politische Gemeinde über.
Im Jahr 1970 wurden die verbliebenen Zivilgemeinden aufgelöst. Die einzelnen Dörfer behielten jedoch ihre eigenen Ortsbilder und ausgeprägten lokalen Identitäten.
Bevölkerungsentwicklung
Im Jahr 1467 lebten auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde ungefähr 125 Menschen. 1634 wurden 281 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt, 1792 waren es rund 900.[1]
1850 betrug die Einwohnerzahl 1051. Mit dem Ausbau der Eisenbahn und der Industrialisierung des Kempttals setzte ein stärkeres Wachstum ein. Im Jahr 1900 lebten bereits 1627 Personen in der Gemeinde.
1950 zählte Lindau 1833 Einwohnerinnen und Einwohner. Danach beschleunigte sich die Entwicklung zur Wohn- und Pendlergemeinde. Neue Quartiere entstanden insbesondere in Tagelswangen, Winterberg und Lindau.
Im Jahr 2000 lebten mehr als 4000 Menschen in der Gemeinde. In den folgenden Jahrzehnten setzte sich das Wachstum fort. Zu Beginn des Jahres 2026 zählte Lindau rund 5900 Einwohnerinnen und Einwohner.[4]
Tagelswangen ist der grösste Gemeindeteil. Danach folgen Grafstal und Kemptthal, Winterberg sowie das Dorf Lindau.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in Silber eine ausgerissene grüne Linde mit Wurzeln und Blattwerk.
Es handelt sich um ein redendes Wappen. Die Linde verweist unmittelbar auf den Namen Lindau. Der silberne Hintergrund und der grüne Baum wurden im 20. Jahrhundert als verbindliche Gestaltung festgelegt.
Neben dem Gemeindewappen besitzen einzelne Dörfer eigene historische Wappen oder Ortszeichen. Sie werden teilweise von Vereinen, lokalen Organisationen und bei Dorfveranstaltungen verwendet.
Kemptthal und die Maggi-Fabrik
Die industrielle Entwicklung Kemptthals ist eng mit dem Unternehmer Julius Maggi verbunden. Dessen Vater Michael Maggi übernahm 1869 eine Mühle im Kempttal. Julius Maggi baute den Betrieb in den folgenden Jahren zu einem Unternehmen der Lebensmittelindustrie aus.
In den 1880er-Jahren entwickelte das Unternehmen eiweissreiche Leguminosenmehle, Suppenprodukte und die bekannte Maggi-Würze. Ziel war es, preiswerte und schnell zuzubereitende Nahrungsmittel für die wachsende Industriebevölkerung anzubieten.
Rund um die Fabrik entstanden Produktionsgebäude, Lagerhäuser, Verwaltungsbauten und Wohnhäuser für Angestellte und Arbeiterfamilien. Kemptthal entwickelte sich dadurch zu einer typischen Industriesiedlung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 1947 wurde Maggi vollständig in den Lebensmittelkonzern Nestlé integriert. Die industrielle Nutzung des Areals wurde später umstrukturiert und teilweise aufgegeben.
Das ehemalige Fabrikgelände wird heute als The Valley bezeichnet. In den historischen und neueren Gebäuden befinden sich Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungsbetriebe, gastronomische Angebote sowie Veranstaltungsräume. Das Areal gilt als bedeutendes Beispiel für die Umnutzung eines historischen Industriestandorts.
Strickhof und landwirtschaftliche Forschung
In Eschikon und Lindau befinden sich Einrichtungen des Strickhofs und der ETH Zürich. Der Standort gehört zu den bedeutenden Zentren für landwirtschaftliche Bildung, Forschung und Beratung im Kanton Zürich.
Die Einrichtungen befassen sich unter anderem mit Pflanzenbau, Tierhaltung, Agrartechnik, Ernährungssystemen und nachhaltiger Landwirtschaft. Versuchsfelder und Forschungsanlagen prägen Teile der Landschaft zwischen Lindau, Eschikon und Tagelswangen.
Die Zusammenarbeit zwischen kantonaler Landwirtschaftsschule, Hochschulen und landwirtschaftlicher Praxis besitzt überregionale Bedeutung. Der Standort verbindet damit die traditionelle bäuerliche Prägung der Gemeinde mit moderner Agrarforschung.
Wirtschaft
Die Landwirtschaft war bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste wirtschaftliche Grundlage. Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft, Obstbau und Waldnutzung bestimmten das Leben in den Dörfern und Weilern.
Im Kempttal wurden Mühlen und andere Gewerbebetriebe mit Wasserkraft betrieben. Mit der Maggi-Fabrik entstand im 19. Jahrhundert ein industrieller Schwerpunkt, der Arbeitskräfte aus der näheren und weiteren Umgebung anzog.
Heute verfügt Lindau über eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Neben Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft bestehen Betriebe aus den Bereichen Forschung, Technologie, Bau, Handel, Logistik und Dienstleistungen.
Wichtige Arbeitsplatzgebiete befinden sich in Kemptthal, Grafstal und Tagelswangen. Das ehemalige Maggi-Areal entwickelte sich zu einem Standort für verschiedene Unternehmen und innovative Betriebe.
Ein grosser Teil der Erwerbstätigen pendelt nach Zürich, Winterthur, Kloten, Wallisellen oder in andere Gemeinden der Region. Gleichzeitig reisen zahlreiche Beschäftigte zu den Unternehmen und Forschungsinstitutionen in Lindau.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Kemptthal liegt an der wichtigen Bahnstrecke Zürich–Winterthur. Er wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient und stellt die wichtigste Bahnverbindung der Gemeinde dar.
Vom Bahnhof bestehen direkte Verbindungen nach Winterthur, Zürich und in weitere Teile des Kantons. Der Bahnhof erschliesst insbesondere Kemptthal und Grafstal sowie das ehemalige Maggi-Areal.
Die Bahnstrecke wurde 1855 durch die Schweizerische Nordostbahn eröffnet. Sie förderte die Industrialisierung des Kempttals und verbesserte die Erreichbarkeit der umliegenden Dörfer.
Busverkehr
Die Ortsteile Lindau, Tagelswangen und Winterberg werden durch regionale Buslinien mit Effretikon, Bassersdorf, Kemptthal und Winterthur verbunden.
Wichtige Umsteigepunkte befinden sich an den Bahnhöfen Kemptthal und Effretikon. Das gesamte öffentliche Verkehrsangebot ist in den Zürcher Verkehrsverbund integriert.
Strassenverkehr
Durch Tagelswangen verläuft die Hauptstrasse zwischen Zürich und Winterthur. Sie war bereits vor dem Bau der Autobahn eine bedeutende regionale Verkehrsverbindung.
Die Autobahn A1 durchquert den südlichen Teil der Gemeinde zwischen Tagelswangen und Effretikon. Nahe gelegene Autobahnanschlüsse bestehen bei Effretikon, Winterthur-Töss und Kemptthal.
Die gute Verkehrslage gehört zu den Gründen für das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig führt sie zu Belastungen durch Strassenverkehr, Lärm und Flächenverbrauch.
Bildung
Die Gemeinde verfügt über Primarschulanlagen in Tagelswangen und Winterberg. In diesen Dörfern befinden sich auch Kindergärten und Einrichtungen für die schulergänzende Betreuung.
Das Oberstufenschulhaus liegt in Grafstal. Es wird von Jugendlichen aus den verschiedenen Gemeindeteilen besucht.
Für Mittelschulen, Berufsfachschulen und Hochschulen orientieren sich die Schülerinnen und Schüler vor allem nach Winterthur, Zürich und Uster.
Die Geschichte des Schulwesens reicht mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurück. Ein Schriftstück von 1638 belegt, dass damals bereits ein Schulmeister in Lindau tätig war. Eigene Schulhäuser entstanden in den Gemeindeteilen jedoch erst wesentlich später.
Politik und Verwaltung
Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden an ihr über das Budget, die Jahresrechnung, kommunale Erlasse und grössere Sachgeschäfte.
Der Gemeinderat ist die Exekutive und trägt die politische Gesamtverantwortung. Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Tagelswangerstrasse im Dorf Lindau.[5]
Für einzelne Aufgaben arbeitet Lindau mit Nachbargemeinden und regionalen Zweckverbänden zusammen. Dies betrifft unter anderem Abwasser, Abfallentsorgung, Sicherheit, Gesundheit und soziale Einrichtungen.
Die räumliche Gliederung in mehrere Dörfer stellt besondere Anforderungen an die kommunale Planung. Öffentliche Einrichtungen, Schulen und Verkehrsangebote müssen auf verschiedene Siedlungsschwerpunkte verteilt werden.
Reformierte Kirche Lindau
Die reformierte Kirche steht im historischen Dorfkern von Lindau. Das ursprünglich dem heiligen Gallus geweihte Gotteshaus ist seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt.
Nach der Zuteilung zusätzlicher Dörfer zur Kirchgemeinde wurde das Gebäude 1716 erweitert. Spätere Renovationen veränderten die Innenausstattung und Teile der äusseren Gestaltung.
Die Kirche bildet zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Friedhof und den umliegenden historischen Gebäuden ein wichtiges Ensemble. Sie dient weiterhin als Gottesdienst- und Veranstaltungsort.
Die reformierte Kirchgemeinde umfasst die verschiedenen Ortsteile der politischen Gemeinde. Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zu einer regionalen katholischen Kirchgemeinde.
Ortsbilder und Baukultur
Die einzelnen Dörfer weisen unterschiedliche bauliche Strukturen auf. Lindau, Winterberg, Tagelswangen sowie die Weiler Eschikon und Kleinikon besitzen historische Kerne mit Bauernhäusern, Scheunen und ehemaligen Handwerkerhäusern.
Typisch sind Vielzweckbauten, bei denen Wohnteil, Stall und Scheune unter einem gemeinsamen Dach angeordnet sind. Mehrere Gebäude weisen sichtbares Fachwerk auf.
In Tagelswangen und Winterberg entstanden seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Wohnquartiere. Dennoch blieben Teile der alten Dorfkerne erhalten.
Kemptthal besitzt ein ausgeprägt industrielles Ortsbild. Die ehemaligen Maggi-Gebäude, Arbeitersiedlungen und technischen Anlagen bilden ein kulturgeschichtlich bedeutendes Ensemble.
Die Gemeindeplanung versucht, die weitere bauliche Entwicklung mit dem Schutz historischer Ortsbilder und der Erhaltung offener Landschaftsräume zu verbinden.
Natur und Landschaft
Die Wälder, Landwirtschaftsflächen und Bachräume der Gemeinde bieten Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Besonders wichtig sind Waldränder, Hecken, Hochstammobstgärten und naturnahe Bachabschnitte.
Das Kempttal bildet einen ökologischen und landschaftlichen Korridor zwischen dem Zürcher Oberland und dem Raum Winterthur. Die Kempt und ihre Seitenbäche wurden teilweise renaturiert oder ökologisch aufgewertet.
Die bewaldeten Höhen zwischen Lindau, Winterberg und Brütten dienen der Forstwirtschaft und der Naherholung. Wander- und Velowege verbinden die einzelnen Dörfer mit den Nachbargemeinden.
Die offene Kulturlandschaft steht unter zunehmendem Siedlungs- und Verkehrsdruck. Landwirtschaft, Naturschutz, Kiesabbau, Infrastruktur und Wohnungsbau führen deshalb wiederholt zu raumplanerischen Diskussionen.
Kultur und gesellschaftliches Leben
Das gesellschaftliche Leben ist dezentral organisiert. In jedem grösseren Ortsteil bestehen Vereine, lokale Veranstaltungen und eigene Treffpunkte.
Sportvereine, Musikgesellschaften, Schützenvereine, Kulturorganisationen und kirchliche Gruppen tragen zum Gemeindeleben bei. Öffentliche Anlagen und Mehrzweckräume stehen für Veranstaltungen und Vereinsaktivitäten zur Verfügung.
Das kommunale Mitteilungsblatt Der Lindauer informiert über politische Geschäfte, Veranstaltungen, Vereine und das lokale Leben.
Trotz der administrativen Zusammenfassung bewahrten Lindau, Tagelswangen, Winterberg, Grafstal und Kemptthal ihre jeweils eigene Identität. Diese Vielfalt gilt als charakteristisches Merkmal der Gemeinde.
Persönlichkeiten
- Julius Maggi (1846–1912), Unternehmer und Pionier der industriellen Lebensmittelproduktion; baute den Betrieb in Kemptthal aus
- Arthur Frey (1897–1955), Journalist, Theologe und Leiter des Schweizerischen Evangelischen Pressedienstes; geboren in Winterberg
- Bernhard Otto (1752–1816), Buchdrucker und Buchhändler; geboren in Lindau
Siehe auch
- Bezirk Pfäffikon
- Kemptthal
- Tagelswangen
- Winterberg ZH
- Kempt (Töss)
- Maggi
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
Literatur
- Ueli Müller: Lindau ZH. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Gemeinderat Lindau, Reformierte Kirchenpflege Lindau und Schulpflege Lindau: Die Gemeinde Lindau. Ihre Gemeindegeschichte, ihre Kirchengeschichte und ihre Schulgeschichte. Band 1, Lindau 2013.
- Verein LindauLebt: Die Gemeinde Lindau. Die neuere Geschichte: Gemeinde, Kirche, Schule. Band 2, Lindau 2013.
- Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1978, ISBN 3-7643-0991-1.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Lindau
- Lindau ZH im Historischen Lexikon der Schweiz
- Gemeindeporträts des Kantons Zürich
- Geschichte der Gemeinde Lindau
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Ueli Müller: Lindau ZH, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 24. Januar 2008, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Ueli Müller: Kemptthal, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 13. November 2008, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Winterberg, von, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Lindau: Lindau in Zahlen – Einwohnerstatistik, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Lindau: Gemeindeverwaltung, abgerufen am 26. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Lindau ZH