Wallis
| Wallis | |
|---|---|
| Amtliche Namen | Staat Wallis État du Valais |
| Kürzel | VS |
| Hauptort | Sitten |
| Beitritt zum Bund | 1815 |
| Fläche | 5'224 km² |
| Bevölkerung | 371'288 (31. Dezember 2024) |
| Bevölkerungsdichte | 71 Einwohner pro km² |
| Amtssprachen | Deutsch, Französisch |
| Bezirke | 13 |
| Gemeinden | 122 |
| Legislative | Grosser Rat (130 Mitglieder) |
| Exekutive | Staatsrat (5 Mitglieder) |
| Website | vs.ch |
Das Wallis (französisch Valais, italienisch Vallese, rätoromanisch Vallais), amtlich Kanton Wallis beziehungsweise Staat Wallis und französisch Canton du Valais beziehungsweise État du Valais, ist ein Kanton im Südwesten der Schweiz. Sein Hauptort ist Sitten (französisch Sion). Das Kantonsgebiet liegt vollständig in den Alpen und umfasst den grössten Teil des oberen Rhonetals von deren Quellgebiet am Rhonegletscher bis zum Genfersee sowie zahlreiche Seitentäler.
Das Wallis ist zweisprachig. Im Oberwallis wird vorwiegend Deutsch gesprochen, im Mittel- und Unterwallis vorwiegend Französisch. Dadurch gehört der Kanton sowohl zur Deutschschweiz als auch zur Romandie. Mit einer Fläche von 5'224 km² ist er der drittgrösste Kanton der Schweiz. Ende 2024 zählte er 371'288 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]
Das Wallis ist durch seine Hochgebirgslandschaft, den Aletschgletscher, das Matterhorn, seine grossen Wasserkraftanlagen sowie international bekannte Ferienorte wie Zermatt, Saas-Fee, Crans-Montana und Verbier geprägt. Zugleich bilden Landwirtschaft, Weinbau, Industrie, Energiewirtschaft und öffentliche Dienstleistungen wichtige wirtschaftliche Grundlagen.
Name
Die deutschen und französischen Namen Wallis und Valais gehen auf das lateinische Wort vallis für «Tal» zurück. In römischer Zeit wurde das Gebiet als Vallis Poenina bezeichnet. Der Name bezog sich auf das vom Oberlauf der Rhone geprägte Alpental und entwickelte sich in den verschiedenen Landessprachen unterschiedlich weiter. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden auf Deutsch Walliserinnen' und Walliser genannt; als Adjektiv ist walliserisch oder häufiger die unveränderte Form Walliser gebräuchlich.
Geographie
Lage und Grenzen
Das Wallis grenzt im Norden an die Kantone Waadt und Bern, im Osten an die Kantone Uri und Tessin, im Süden an die italienischen Regionen Aostatal und Piemont sowie im Westen an die französische Region Auvergne-Rhône-Alpes. Der Kanton erstreckt sich über rund 140 Kilometer entlang der Rhone. Im Osten beginnt das Haupttal beim Rhonegletscher im Goms, im Westen erreicht es bei Le Bouveret und Saint-Gingolph den Genfersee.
Hohe Gebirgsketten schliessen das Rhonetal auf beiden Seiten ein. Nördlich erheben sich die Berner Alpen, südlich die Walliser Alpen. Zahlreiche Übergänge verbinden das Wallis mit den Nachbarregionen, darunter der Furkapass, der Grimselpass, der Nufenenpass, der Simplonpass, der Grosse St. Bernhard und der Col de la Forclaz. Viele dieser Passverbindungen waren bereits in der Antike oder im Mittelalter von grosser Bedeutung.
Landschaft und Berge
Das Relief reicht vom Ufer des Genfersees auf rund 372 m ü. M. bis zur 4'634 m hohen Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv, dem höchsten Punkt der Schweiz. Zu den bekanntesten Gipfeln gehören ausserdem das 4'478 m hohe Matterhorn, der Dom, das Weisshorn, die Dent Blanche, der Grand Combin und das Bietschhorn. Der Dom ist der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Staatsgebiet liegt.
Das breite Haupttal der Rhone bildet den wichtigsten Siedlungs- und Wirtschaftsraum. Von ihm zweigen zahlreiche Täler ab. Im Oberwallis liegen unter anderem das Lötschental, das Mattertal, das Saastal, das Binntal und das Goms. Zum französischsprachigen Kantonsteil gehören unter anderem das Val d'Anniviers, das Val d'Hérens, das Val de Bagnes, das Val d'Entremont und das Val d'Illiez.
Üblicherweise wird der Kanton in drei Grossregionen gegliedert. Das deutschsprachige Oberwallis reicht vom Goms bis zur Sprachgrenze bei Siders. Das Mittelwallis umfasst den zentralen Abschnitt des Rhonetals um Siders und Sitten. Das Unterwallis erstreckt sich von der Gegend um Martigny bis zum Genfersee.
Gewässer und Gletscher
Die Rhone, die im Oberwallis auch Rotten genannt wird, ist die landschaftliche Hauptachse des Kantons. Ihre Zuflüsse entwässern die Seitentäler und werden vielerorts zur Stromerzeugung genutzt. Bedeutende Nebenflüsse sind unter anderem Massa, Lonza, Vispa, Navisence, Borgne, Dranse und Vièze.
Das Wallis besitzt einen grossen Teil der vergletscherten Flächen der Schweiz. Der Grosse Aletschgletscher ist der flächenmässig grösste und längste Gletscher der Alpen. Zusammen mit den umliegenden Hochgebirgslandschaften gehört er zum UNESCO-Welterbe «Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch».[2] Weitere grosse Eisströme sind der Gornergletscher, der Fieschergletscher und der Otemmagletscher. Der seit Jahrzehnten beobachtete Rückgang der Gletscher verändert Wasserhaushalt, Landschaft und Naturgefahren.
Zahlreiche natürliche und künstliche Seen prägen das Hochgebirge. Zu den bedeutendsten Stauseen gehören der Lac des Dix mit der Staumauer Grande Dixence, der Lac de Mauvoisin, der Lac d'Emosson, der Mattmarksee, der Griessee und der Lac de Moiry.
Klima
Die hohen Gebirgsketten schirmen das innere Rhonetal gegen feuchte Luftmassen ab. Besonders das Mittelwallis zählt deshalb zu den trockensten Regionen der Schweiz. Sonnige, warme Sommer, kalte Winter, grosse örtliche Temperaturunterschiede und häufige Föhnlagen sind charakteristisch. Innerhalb kurzer Distanzen reicht das Klima von trockenen, beinahe steppenartigen Standorten im Haupttal bis zu niederschlagsreichen Hochgebirgszonen.
Die Trockenheit begünstigt den Anbau von Reben, Aprikosen und anderen Spezialkulturen, macht aber vielerorts künstliche Bewässerung erforderlich. Historische Wasserleitungen, im deutschsprachigen Teil Suonen und im französischsprachigen Teil bisses genannt, führen Schmelz- und Bachwasser über teils grosse Entfernungen zu Wiesen, Äckern und Rebbergen. Sie gehören heute zugleich zum Kulturerbe und zum touristischen Wegenetz.
Natur und Landschaftsschutz
Neben dem Welterbe Jungfrau-Aletsch besitzt das Wallis mehrere Landschaften und Lebensräume von nationaler Bedeutung. Der Naturpark Pfyn-Finges schützt unter anderem den Pfynwald, Auenlandschaften der Rhone und trockene Föhrenwälder. Der Landschaftspark Binntal ist für seine traditionelle Kulturlandschaft und seinen aussergewöhnlichen Mineralienreichtum bekannt. Alpine Rasen, Felsfluren, Gletschergebiete, Trockenwiesen und Auen bieten Lebensraum für eine grosse Artenvielfalt.
Naturgefahren gehören seit jeher zur Geschichte des Kantons. Lawinen, Hochwasser, Murgänge, Felsstürze und Gletscherabbrüche bedrohen Siedlungen und Verkehrswege. Mit der dritten Rhonekorrektion verfolgt der Kanton ein langfristiges Hochwasserschutz- und Landschaftsprojekt. Am 28. Mai 2025 verschüttete eine durch den Abbruch des Birchgletschers ausgelöste Schutt- und Eislawine grosse Teile des zuvor evakuierten Dorfes Blatten im Lötschental.[3] Das Ereignis verdeutlichte die zunehmenden Herausforderungen für bewohnte Hochgebirgsräume.
Bevölkerung
Siedlungsentwicklung
Der grösste Teil der Bevölkerung lebt im Rhonetal. Dort bilden Sitten, Siders, Visp, Brig-Glis, Martigny und Monthey die wichtigsten städtischen und wirtschaftlichen Zentren. Die Seitentäler sind deutlich dünner besiedelt. In vielen Berggemeinden stehen Bevölkerungsrückgang und Alterung einem starken Wachstum touristischer Orte und der Agglomerationen im Haupttal gegenüber.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Bevölkerung deutlich gewachsen. Zuwanderung aus anderen Kantonen und aus dem Ausland trägt wesentlich zu dieser Entwicklung bei. Ende 2024 betrug die ständige Wohnbevölkerung 371'288 Personen; gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Wachstum von 1,5 Prozent.[4]
Sprachen
Deutsch und Französisch sind die beiden kantonalen Amtssprachen. Das Oberwallis ist mehrheitlich deutschsprachig, während im Mittel- und Unterwallis Französisch vorherrscht. Die traditionelle Sprachgrenze verläuft im Raum Siders: nördlich der Rhone ungefähr entlang der Raspille, südlich davon durch den Pfynwald.
Im Alltag des Oberwallis werden höchstalemannische Mundarten gesprochen, die unter dem Sammelbegriff Walliserdeutsch zusammengefasst werden. Sie unterscheiden sich in Lautung und Wortschatz deutlich vom Schweizerdeutsch des Mittellands. Im französischsprachigen Kantonsteil waren früher frankoprovenzalische Dialekte verbreitet. Diese als patois bezeichneten Mundarten werden heute nur noch von einer Minderheit gesprochen, jedoch durch Vereine, Wörterbücher und kulturelle Projekte gepflegt. Durch Zuwanderung haben ausserdem Italienisch, Portugiesisch und weitere Sprachen an Bedeutung gewonnen.
Religion
Das Wallis ist historisch stark durch den römisch-katholischen Glauben geprägt. Das Bistum Sitten zählt zu den ältesten Bistümern der Schweiz, und die Abtei Saint-Maurice gehört zu den traditionsreichsten Klöstern Europas. Prozessionen, Wallfahrten, Kapellen und lokale Kirchenfeste prägen viele Orte. Seit dem 20. Jahrhundert ist die religiöse Zusammensetzung vielfältiger geworden; neben reformierten Kirchgemeinden bestehen orthodoxe, muslimische und weitere Religionsgemeinschaften, während der Anteil der Konfessionslosen zunimmt.
Geschichte
Urgeschichte und römische Zeit
Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Wallis seit der Mittelsteinzeit. Über die Alpenpässe bestanden schon früh Verbindungen nach Norditalien und in das Schweizer Mittelland. Während der Eisenzeit lebten im Gebiet unter anderem die keltischen Stämme der Nantuaten, Veragrer, Seduner und Uberer.
Nach den römischen Alpenfeldzügen um 15 v. Chr. wurde das Gebiet schrittweise in das Römische Reich eingegliedert. Der Grosse St. Bernhard, damals Mons Poeninus, war eine wichtige Verbindung zwischen Italien und Gallien. Das heutige Martigny entwickelte sich unter dem Namen Forum Claudii Vallensium zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Vallis Poenina.[5] Römische Strassen, Gutshöfe, Heiligtümer und Siedlungen hinterliessen im Tal zahlreiche Spuren.
Mittelalter
Das Christentum verbreitete sich spätestens in der Spätantike. Der Bischofssitz befand sich zunächst in Octodurus, dem heutigen Martigny, und wurde später nach Sitten verlegt. Die 515 gegründete Abtei Saint-Maurice entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen und kulturellen Zentrum.
Nach römischer und burgundischer Herrschaft gehörte das Wallis zum Frankenreich und später zum Königreich Hochburgund. Im Jahr 999 übertrug König Rudolf III. von Burgund dem Bischof von Sitten Grafschaftsrechte. In den folgenden Jahrhunderten rangen die Bischöfe, regionale Adelsfamilien, Savoyen und die ländlichen Gemeinschaften um die politische Macht.
Im Oberwallis entstanden die sogenannten Zenden, weitgehend selbstständige Gerichts- und Verwaltungsgemeinschaften. Sie schlossen sich schrittweise zu einem politischen Bund zusammen und gewannen gegenüber dem Fürstbischof an Einfluss. Die oberen Zenden orientierten sich zunehmend an der Eidgenossenschaft. Nach den Burgunderkriegen eroberten sie 1475 mit bernischer Unterstützung das Unterwallis bis Saint-Maurice. Dieses blieb bis 1798 ein gemeinsames Untertanengebiet der sieben oberen Zenden.
Umbruch von 1798 bis 1815
Die Französische Revolution und der Einmarsch französischer Truppen beendeten 1798 die alte Herrschaftsordnung. Das Unterwallis erhob sich gegen die Oberwalliser Vorherrschaft, und das gesamte Gebiet wurde Teil der Helvetischen Republik. Nach Jahren politischer Konflikte und militärischer Besetzungen entstand 1802 die formal unabhängige Republik Wallis.
Napoleon gliederte das Wallis 1810 als Département du Simplon in das Französische Kaiserreich ein. Damit sollte insbesondere die strategisch wichtige Simplonstrasse gesichert werden. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft wurde der Kanton neu geordnet. Am 4. August 1815 trat das Wallis der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei.[6]
Kanton im Bundesstaat
Das 19. Jahrhundert war von Auseinandersetzungen zwischen konservativen und liberalen Kräften sowie zwischen den Kantonsteilen geprägt. 1847 gehörte das katholisch-konservative Wallis dem Sonderbund an. Nach dessen Niederlage wurde der Kanton Teil des 1848 gegründeten schweizerischen Bundesstaats. Die Zenden wurden in Bezirke umbenannt, und moderne staatliche Strukturen setzten sich schrittweise durch.
Der Ausbau der Verkehrswege veränderte das lange schwer zugängliche Tal grundlegend. Die Eisenbahn erreichte Sitten 1860, Brig 1878. Mit der Eröffnung des Simplontunnels 1906 und des Lötschbergtunnels 1913 wurde das Wallis zu einer wichtigen europäischen Nord-Süd-Verbindung. Gleichzeitig entwickelten sich der Alpinismus, Kurorte und der moderne Fremdenverkehr.
Im 20. Jahrhundert prägten Wasserkraft, Chemie-, Metall- und Baustoffindustrie sowie ein stark wachsender Tourismus die wirtschaftliche Modernisierung. Die grossen Stauseen wurden zu Symbolen dieser Entwicklung. Beim Abbruch des Allalingletschers über der Baustelle des Mattmark-Staudamms kamen 1965 insgesamt 88 Menschen ums Leben. Am 12. April 1970 führte das Wallis das Frauenstimm- und -wahlrecht auf kantonaler und kommunaler Ebene ein.[7]
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts stehen die räumliche Entwicklung des Rhonetals, die Zukunft peripherer Berggebiete, der Klimawandel, der Gletscherschwund, Naturgefahren und die Energiewende im Zentrum der öffentlichen Diskussion.
Politik und Verwaltung
Verfassung und politische Rechte
Die geltende Kantonsverfassung stammt vom 8. März 1907 und wurde seither mehrfach geändert. Ein vom Verfassungsrat ausgearbeiteter vollständiger Verfassungsentwurf sowie eine Variante ohne kommunale politische Rechte für ausländische Staatsangehörige wurden in der Volksabstimmung vom 3. März 2024 abgelehnt.[8]
Wie auf Bundesebene besitzt die Bevölkerung direktdemokratische Rechte. Verfassungsänderungen unterliegen der obligatorischen Volksabstimmung. Gegen Gesetze kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen das Referendum ergriffen werden; mit Volksinitiativen können Änderungen der Verfassung oder der Gesetzgebung verlangt werden.
Grosser Rat und Staatsrat
Die gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat. Er zählt 130 Abgeordnete, die für vier Jahre im Proporzverfahren gewählt werden. Zusätzlich werden 130 Suppleantinnen und Suppleanten gewählt, welche die Abgeordneten vertreten können.[9]
Die Exekutive bildet der fünfköpfige Staatsrat. Seine Mitglieder werden vom Volk für vier Jahre gewählt und leiten je ein Departement. In der Legislaturperiode 2025–2029 gehören Franziska Biner, Christophe Darbellay, Stéphane Ganzer, Mathias Reynard und Franz Ruppen der Regierung an.[10]
Auf Bundesebene entsendet der Kanton zwei Mitglieder in den Ständerat und entsprechend seiner Bevölkerungszahl mehrere Mitglieder in den Nationalrat.
Bezirke und Gemeinden
Das Wallis ist in 13 Bezirke gegliedert. Raron besteht dabei aus den beiden Halbbezirken Östlich Raron und Westlich Raron. Die Bezirke gehen historisch auf die Zenden zurück; die 13 Sterne im Kantonswappen symbolisieren die historischen Bezirke beziehungsweise Zenden. Seit 1987 sind die beiden Teile Rarons eigenständige Halbbezirke.[11]
| Region | Bezirk oder Halbbezirk | Hauptort |
|---|---|---|
| Oberwallis | Goms | Münster |
| Östlich Raron | Mörel-Filet | |
| Westlich Raron | Raron | |
| Brig | Brig-Glis | |
| Visp | Visp | |
| Leuk | Leuk | |
| Mittelwallis | Siders | Siders |
| Sitten | Sitten | |
| Hérens | Vex | |
| Conthey | Conthey | |
| Unterwallis | Entremont | Sembrancher |
| Martigny | Martigny | |
| Saint-Maurice | Saint-Maurice | |
| Monthey | Monthey |
Die politische Gemeinde bildet die unterste staatliche Ebene. Daneben bestehen vielerorts Burgergemeinden, die historisch aus den Gemeinschaften der alteingesessenen Ortsbürger hervorgegangen sind und eigenes Vermögen verwalten. Durch zahlreiche Gemeindefusionen ist die Zahl der politischen Gemeinden seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zurückgegangen.
Wirtschaft
Wirtschaftsstruktur
Die Walliser Wirtschaft verbindet alpine Landwirtschaft und Tourismus mit Industrie, Energieproduktion und einem wachsenden Dienstleistungssektor. Die wirtschaftlichen Schwerpunkte sind regional unterschiedlich verteilt. Im Rhonetal konzentrieren sich Verwaltung, Handel, Gesundheitswesen, Bildung, Logistik und Industrie; in den Seitentälern spielen Tourismus, Bauwirtschaft, Landwirtschaft und Energiewirtschaft eine besonders grosse Rolle.
Visp ist ein bedeutender Standort der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Im Raum Siders, Chippis und Steg hat die Aluminiumverarbeitung eine lange Tradition. Weitere wichtige Branchen sind Maschinenbau, Präzisionstechnik, Nahrungsmittelproduktion, Baugewerbe und Holzverarbeitung. Kleine und mittlere Unternehmen prägen einen grossen Teil der kantonalen Wirtschaftsstruktur.
Landwirtschaft und Weinbau
Die Landwirtschaft ist trotz ihres vergleichsweise kleinen Anteils an der Gesamtbeschäftigung landschaftlich und kulturell von grosser Bedeutung. Im Haupttal werden Reben, Aprikosen, Birnen, Äpfel und Gemüse angebaut. In den Berggebieten dominieren Viehzucht, Milchwirtschaft und Alpwirtschaft. Typische Nutztiere sind das Eringer Rind, das Schwarznasenschaf und die Walliser Schwarzhalsziege.
Das Wallis besitzt das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet der Schweiz. Terrassierte Rebberge ziehen sich besonders an den sonnenexponierten Hängen zwischen Leuk und Martigny entlang. Neben weit verbreiteten Sorten wie Chasselas, im Wallis meist Fendant genannt, und Pinot noir werden zahlreiche einheimische oder regionaltypische Sorten kultiviert, darunter Petite Arvine, Amigne, Cornalin, Humagne Rouge und Resi. Die Herkunftsbezeichnung AOC Wallis dient dem Schutz und der Qualitätskontrolle der Walliser Weine.[12]
Wasserkraft und Energie
Hohe Niederschläge im Gebirge, grosse Höhenunterschiede und ausgedehnte Einzugsgebiete bieten günstige Voraussetzungen für die Wasserkraft. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Speicherseen, Druckleitungen und Kraftwerke errichtet. Anlagen wie Grande Dixence, Mauvoisin und Emosson gehören zu den bedeutendsten Bauwerken der Schweizer Energieversorgung.
Die Wasserkraft schafft Arbeitsplätze und Einnahmen für Kanton und Gemeinden, wirft aber auch Fragen zu Restwasser, Landschaftsschutz, Konzessionsrechten und zur künftigen Nutzung der Speicherseen auf. Mit dem Ausbau der Solarenergie, insbesondere auf Gebäuden und alpinen Standorten, hat das Wallis zudem eine wichtige Rolle in der schweizerischen Energiewende übernommen.
Tourismus
Der Tourismus entwickelte sich im 19. Jahrhundert mit Alpinismus, Kurwesen und dem Bau von Bergbahnen und Hotels. Heute gehört das Wallis zu den wichtigsten Ferienregionen der Schweiz. Zermatt mit dem Matterhorn, Saas-Fee, Aletsch Arena, Leukerbad, Crans-Montana, 4 Vallées mit Verbier sowie Portes du Soleil sind international bekannte Destinationen.
Im Winter stehen Skisport, Langlauf, Winterwandern und Thermalbäder im Mittelpunkt. Im Sommer sind Wandern, Bergsteigen, Mountainbike, Klettern und der Besuch von Natur- und Kulturlandschaften bedeutend. Die touristische Entwicklung bringt Einkommen und Arbeitsplätze, führt in manchen Gemeinden aber auch zu einer hohen Zahl an Zweitwohnungen, saisonalen Schwankungen und Nutzungskonflikten.
Verkehr
Das Rhonetal bildet die wichtigste Verkehrsachse. Die Autobahn A9 verbindet das Unter- und Mittelwallis mit der Genferseeregion; ihr Ausbau im Oberwallis ist ein langfristiges Infrastrukturprojekt. Hauptstrassen führen über den Simplon und den Grossen St. Bernhard nach Italien sowie über mehrere Alpenpässe in die Nachbarkantone. Der Grosse-St.-Bernhard-Tunnel ermöglicht eine ganzjährige Strassenverbindung ins Aostatal.
Die Eisenbahnlinie entlang der Rhone verbindet Saint-Gingolph, Monthey, Martigny, Sitten, Siders, Visp und Brig. Über den Simplontunnel besteht eine Verbindung nach Italien. Der Lötschberg-Basistunnel bindet das Wallis schnell an Bern und die Deutschschweiz an. Regionalbahnen erschliessen unter anderem das Goms, Zermatt, das Val de Bagnes und das Val d'Entremont. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn, die Transports de Martigny et Régions sowie zahlreiche Seil- und Standseilbahnen sind für Alltag und Tourismus wichtig.
Der Flughafen Sitten wird militärisch, zivil und für Rettungsflüge genutzt. In den Berggebieten übernehmen Postautos, Ortsbusse und Seilbahnen eine zentrale Erschliessungsfunktion.
Bildung und Forschung
Das kantonale Bildungswesen wird in deutscher und französischer Sprache geführt. Neben der obligatorischen Schule bestehen Berufsfachschulen und Mittelschulen in mehreren regionalen Zentren. Die HES-SO Valais-Wallis bietet praxisorientierte Studiengänge in Ingenieurwesen, Wirtschaft, Gesundheit, Sozialer Arbeit und Gestaltung an. In Brig befindet sich die FernUni Schweiz, in Brig-Glis und Saint-Maurice bestehen traditionsreiche Kollegien.
Der Campus Energypolis in Sitten vereint Einrichtungen der EPFL, der HES-SO Valais-Wallis und weiterer Partner. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in Energie, Umwelt, Gesundheit und Digitalisierung. Das Forschungsinstitut Idiap in Martigny ist international in den Bereichen künstliche Intelligenz, Sprachtechnologie und maschinelles Lernen tätig.
Kultur
Bau- und Kulturerbe
Die kulturelle Vielfalt des Wallis ist durch die Zweisprachigkeit, die abgeschiedenen Seitentäler und die historischen Verbindungen über die Alpen geprägt. In Sitten dominieren die Burghügel Valeria und Tourbillon das Stadtbild. Bedeutende Baudenkmäler sind ausserdem die Abtei Saint-Maurice, das Stockalperschloss in Brig, mittelalterliche Dorfkerne, hölzerne Speicherbauten und zahlreiche Kirchen und Kapellen.
Museen und Kulturinstitutionen vermitteln Geschichte, Kunst und Naturkunde. Dazu gehören die Walliser Kantonsmuseen in Sitten, die Fondation Pierre Gianadda in Martigny, die Mediathek Wallis und regionale Museen. Das Musikfestival von Ernen, das Sion Festival, das PALP Festival und zahlreiche lokale Veranstaltungen ergänzen das kulturelle Angebot.
Bräuche und Alltagskultur
Zu den bekannten Traditionen gehören die Kämpfe der Eringer Kühe, Alpaufzüge, Fronleichnamsprozessionen, Fastnachtsbräuche und die maskierten Tschäggättä des Lötschentals. Viele Bräuche verbinden religiöse, landwirtschaftliche und gemeinschaftliche Elemente.
Die Walliser Küche verwendet Produkte aus Tal und Alpen. Bekannt sind Raclette du Valais, Walliser Trockenfleisch, Roggenbrot, Safran aus Mund, Cholera, Aprikosen und Kastanien. Wein gehört im Mittel- und Unterwallis ebenso zur Alltagskultur wie Käse- und Trockenfleischspezialitäten in den Bergregionen.
Wappen und Flagge
Das Kantonswappen zeigt 13 fünfstrahlige Sterne in den Farben Rot und Weiss. Die Sterne stehen für die historischen Zenden beziehungsweise heutigen Bezirke. Ihre Anordnung und Zahl entwickelten sich im Lauf der politischen Geschichte; seit dem Beitritt zur Eidgenossenschaft 1815 sind 13 Sterne gebräuchlich. Die Kantonsflagge übernimmt das Wappenbild in rechteckiger Form.
Siehe auch
- Liste der Gemeinden des Kantons Wallis
- Liste der Berge des Wallis
- Liste der Seen im Kanton Wallis
- Geschichte des Wallis
- Walliserdeutsch
Literatur
- Arthur Fibicher: Walliser Geschichte. Mehrbändiges Werk.
- Historisches Lexikon der Schweiz: Wallis. Onlineausgabe.
- Staat Wallis: Statistisches Jahrbuch des Kantons Wallis. Fortlaufende Ausgabe.
Weblinks
- Offizielle Website des Kantons Wallis
- Valais/Wallis Promotion
- Vallesiana – Kulturerbeportal des Wallis
- Wallis im Historischen Lexikon der Schweiz
- Regionalporträt Wallis des Bundesamtes für Statistik
Einzelnachweise
- ↑ Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP), Staat Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Swiss Alps Jungfrau-Aletsch, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Bundesrat beantragt Soforthilfe für Gemeinde Blatten, Schweizerischer Bundesrat, 6. Juni 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Bevölkerungswachstum auf die Zuwanderung zurückzuführen, Staat Wallis, 27. August 2025, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Wallis, Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 4. April 2022, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Bestände und Sammlungen des Staatsarchivs Wallis, Staat Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Der Weg zur Bürgerin: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Wallis, Staat Wallis, 5. Februar 2021, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Ergebnis der kantonalen Abstimmung vom 3. März 2024, Staat Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Der Grosse Rat, Parlament des Kantons Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Staatsrat – Regierung, Staat Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Raron (Zenden, Bezirk), Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Amt für Rebbau und Wein, Staat Wallis, abgerufen am 23. Juli 2026.