Schweizer Meer

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Schweizer Meer
Art Satirisches Internetprojekt
Thema Fiktive Schaffung eines Meeres und einer Küste für die Schweiz
Bezeichnung des Projekts «Volksinitiative Schweizer Meer»
Sprache Deutsch (Schweiz)
Vorgeschlagene Modelle Nordmeer-Modell, Südmeer-Modell und Doppelmeer-Lösung
Website schweizermeer.ch
Status Satire; keine reale eidgenössische Volksinitiative

Das Schweizer Meer ist ein satirisches Internetprojekt, das unter der Bezeichnung «Volksinitiative Schweizer Meer» die fiktive Forderung nach einer eigenen Meeresküste für die Schweiz erhebt. Das Projekt parodiert die direkte Demokratie, die schweizerische Verwaltungskultur, politische Grossprojekte und die Vorstellung, nahezu jedes Problem lasse sich mit ausreichender Planung, Finanzierung und einer passenden Verordnung lösen.

Auf der Website wird vorgeschlagen, die Bevölkerung in einem Referendum darüber abstimmen zu lassen, wo ein Schweizer Meer entstehen solle. Als Varianten werden das Ausheben eines Meeres auf dem Gebiet von Baden-Württemberg, der Erwerb eines Gebietsstreifens in Nordwestitalien bis zum Mittelmeer oder eine Kombination beider Modelle präsentiert.

Bei der «Volksinitiative Schweizer Meer» handelt es sich nicht um eine tatsächlich eingereichte oder geplante eidgenössische Volksinitiative. Die Website bezeichnet sämtliche Inhalte ausdrücklich als humorvolle Fiktion. Die angeblichen Abstimmungsfragen, Behörden, Formulare, Gebietsankäufe und Bauvorhaben sind Teil der satirischen Darstellung.

Hintergrund

Die Schweiz ist ein Binnenstaat und besitzt keinen unmittelbaren Zugang zu einem Meer. Ihre Staatsgrenzen verlaufen zu Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Liechtenstein.

Trotz ihrer Lage ohne Küste ist die Schweiz in verschiedener Weise mit der internationalen Schifffahrt verbunden. Der Rhein bietet über Basel einen schiffbaren Zugang zu den Nordseehäfen. Die Schweiz besitzt eine gesetzlich geregelte Hochseeschifffahrt unter Schweizer Flagge und ist an internationalen Organisationen und Abkommen des See- und Schifffahrtsrechts beteiligt.

Das Satireprojekt greift diesen scheinbaren Gegensatz auf: Die Schweiz verfügt über internationale maritime Beziehungen, eine Handelsflotte, Schifffahrtsrecht und Verwaltungsstrukturen, jedoch über keine eigene Küste. Daraus entwickelt die Website die fiktive Schlussfolgerung, ein eigenes Meer sei lediglich die noch fehlende Ergänzung der schweizerischen Infrastruktur.

Grundidee

Das Projekt geht von der satirischen Behauptung aus, der Status als Binnenland sei kein unveränderlicher geographischer Zustand, sondern ein lösbares Verwaltungs- und Infrastrukturproblem.

Die Schweiz wird als wohlhabender, technisch leistungsfähiger und organisatorisch präziser Staat dargestellt, der bereits Eisenbahntunnel durch die Alpen, grosse Staudämme und komplexe Verkehrssysteme errichtet habe. Ein Meer erscheine in dieser Logik lediglich als besonders umfangreiches Bauprojekt mit Wasser.

Die zentrale fiktive Abstimmungsfrage lautet sinngemäss, wo das Schweizer Meer gebaut werden solle und wann die erste Strandpromenade eröffnet werden könne.

Die satirische Wirkung entsteht vor allem dadurch, dass ein offensichtlich unrealistisches Vorhaben in der Sprache einer seriösen politischen Kampagne, eines Infrastrukturprojekts und eines amtlichen Verfahrens behandelt wird.

Vorgeschlagene Modelle

Die Website stellt drei Modelle für die Schaffung eines Schweizer Meeres vor.

Nordmeer-Modell

Das Nordmeer-Modell sieht vor, dass die Schweiz das deutsche Bundesland Baden-Württemberg erwirbt und auf dessen Gebiet ein Meer aushebt.

Der Rhein solle als historischer Hinweis erhalten bleiben, um anzuzeigen, dass sich an der betreffenden Stelle früher Land befunden habe.

Die Bezeichnung «Nordmeer» bezieht sich auf die Lage Baden-Württembergs nördlich der Schweiz und nicht auf eine Verbindung mit dem tatsächlichen Nordmeer beziehungsweise der Nordsee.

Das Modell parodiert grossräumige Infrastrukturplanungen, territoriale Erwerbungen und die Vorstellung, politische Grenzen könnten bei ausreichendem Budget wie Grundstücksgrenzen behandelt werden.

Südmeer-Modell

Beim Südmeer-Modell soll die Schweiz im Rahmen eines angeblich freundschaftlichen Dialogs einen Teil Nordwestitaliens bis zur Mittelmeerküste erwerben.

Dadurch würde ein zusammenhängender schweizerischer Zugang zum Mittelmeer entstehen. Das neue Küstengebiet wird auf der Website als «Schweizer Südmeer» bezeichnet.

Mit dieser Variante werden typische Vorstellungen von Ferien am Mittelmeer, Sonne, Strand, Salzluft und Küstentourismus mit schweizerischer Verwaltung und Regulierungsdichte verbunden.

Auch das Südmeer-Modell ist vollständig fiktiv. Es besteht weder ein entsprechendes politisches Vorhaben noch eine reale Absicht zum Erwerb italienischen Staatsgebiets.

Doppelmeer-Lösung

Die Doppelmeer-Lösung kombiniert das Nordmeer- und das Südmeer-Modell.

Die Schweiz würde dadurch zwei Meere und zwei Küsten erhalten. Das Projekt beschreibt diese Variante als besonders konsequente Lösung für einen Staat, der sich nicht mit nur einem Zugang zum Meer begnügen müsse.

Die Doppelmeer-Lösung übersteigert die bereits unrealistischen Einzelmodelle. Sie parodiert politische Kompromisse, bei denen nicht zwischen zwei Varianten gewählt, sondern eine kostspieligere Kombination beschlossen wird.

Satirische Volksinitiative

Die Bezeichnung «Volksinitiative» nimmt Bezug auf die Eidgenössische Volksinitiative, mit der Schweizer Stimmberechtigte eine Änderung der Bundesverfassung verlangen können.

Für eine reale eidgenössische Volksinitiative müssten innerhalb der gesetzlich festgelegten Frist 100'000 gültige Unterschriften gesammelt und bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. Anschliessend würden Bundesrat und Parlament die Vorlage behandeln, bevor sie Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet werden könnte.

Das Projekt «Schweizer Meer» durchläuft keines dieser Verfahren. Die auf der Website angebotene «digitale Unterschrift» wird lediglich durch eine humoristische Meldung bestätigt, wonach die Unterschrift entgegengenommen, abgestempelt, abgelegt und in einem neutralen Ordner versiegelt worden sei.

Diese Funktion sammelt nach der Darstellung der Website keine rechtsgültigen Unterschriften für eine politische Vorlage.

Parodie der direkten Demokratie

Die direkte Demokratie bildet eines der wichtigsten Themen des Projekts. Das Schweizer Stimmvolk soll über eine geographisch und völkerrechtlich unmögliche Vorlage entscheiden, als handle es sich um eine gewöhnliche Infrastruktur- oder Finanzfrage.

Die Satire richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen Volksabstimmungen. Sie verwendet vielmehr die vertrauten Formen einer politischen Kampagne, um das absurde Vorhaben möglichst amtlich und plausibel erscheinen zu lassen.

Dazu gehören:

  • eine als «Vorlage» bezeichnete Projektbeschreibung;
  • mehrere Abstimmungsvarianten;
  • eine Begründung der Initiative;
  • angebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile;
  • neue Behörden und Vorschriften;
  • Hinweise auf Formulare, Bearbeitungsfristen und Bewilligungen;
  • Entwürfe für staatliche Symbole;
  • ein ausdrücklicher rechtlicher Hinweis.

Die Kombination aus unrealistischem Inhalt und formal seriöser Darstellung bildet das zentrale humoristische Mittel.

Bürokratie als satirisches Motiv

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Parodie der schweizerischen Bürokratie.

Die Website stellt Formulare, Stempel, Anhänge, Zuständigkeiten und Bearbeitungsfristen als unverzichtbare Voraussetzungen für den Betrieb des zukünftigen Meeres dar.

Zu den erfundenen Verwaltungselementen gehören:

  • das «Formular 17b/Meer»;
  • der «Anhang Welle-3»;
  • eine Stempelpflicht;
  • eine Bearbeitungsfrist von sechs bis acht Gezeiten;
  • ein salzbeständiger Eingangsstempel;
  • eine Aufenthaltsbewilligung für Möwen;
  • eine amtliche Regelung für Strandplätze und Sonnenschirme.

Anfragen sollen angeblich in dreifacher Ausführung eingereicht werden. Eine E-Mail gelte nur dann als eingegangen, wenn ihr ein ausgedrucktes PDF beigefügt werde.

Damit werden sowohl traditionelle Papierverwaltung als auch widersprüchliche Digitalisierungsprozesse karikiert.

Bundesamt für Meerwesen

Zur Umsetzung des Projekts soll nach der satirischen Darstellung ein neues Bundesamt für Meerwesen geschaffen werden. Als Abkürzung wird BfM verwendet.

Das fiktive Bundesamt wäre unter anderem zuständig für:

  • Küstenplanung;
  • Wellenzertifizierung;
  • Möwenregistrierung;
  • Strandetikette;
  • Kontrolle des Salzgehalts;
  • Verwaltung von Küstenformularen;
  • Normierung maritimer Einrichtungen.

Das Amt soll einem ebenfalls erfundenen «Departement für Gewässer, Gefühle und geordnete Freizeit» unterstellt werden.

Die genaue Bezeichnung des Departements bleibe provisorisch, bis das dafür notwendige Namensfindungsformular genehmigt worden sei.

Das Bundesamt für Meerwesen und das genannte Departement existieren nicht. Sie sind satirische Erfindungen des Projekts.

Formulare und Bewilligungen

Nach der fiktiven Küstenordnung wäre für das Betreten der Küstenzone das «Formular 17b/Meer» erforderlich.

Wer zusätzlich schwimmen möchte, müsste den «Anhang Welle-3» in dreifacher Ausführung einreichen.

Möwen sollen eine Aufenthaltsbewilligung des Typs «L-Flügel» erhalten. Eine Verlängerung wäre angeblich erst nach einem Sprachtest möglich. Als Grundwortschatz nennt das Projekt unter anderem die Wörter «Mine», «Frites» und «Neutralität».

Seesterne würden verwaltungsrechtlich als Saisonpersonal behandelt.

Die Bearbeitungszeiten sollen von der Mondphase, den Gezeiten und der Verfügbarkeit des Rundstempels «EINGEGANGEN (salzfest)» abhängen.

Diese Regelungen sind erfunden und dienen der Überzeichnung amtlicher Verfahren.

Schweizer Strandordnung

Die Website enthält den Entwurf einer angeblichen Schweizer Strandordnung.

Strandplätze sollen im Voraus online reserviert werden können. Sonnenschirme müssten symmetrisch aufgestellt werden.

Wellen wären verpflichtet, in genau festgelegten zeitlichen Abständen am Strand einzutreffen. Abweichungen wären nur bei «höherer Bürokratie» erlaubt.

Unbeaufsichtigte Handtücher dürften höchstens 90 Minuten auf einem Strandplatz liegen. Danach würden sie als herrenlos gelten und an ein Fundbüro für Textilien mit Meeresbezug übergeben.

Die Strandordnung verbindet bekannte Konflikte aus Ferienorten mit schweizerischer Normierung und Verwaltungssprache.

Wasserbeschaffung

Da die geplanten Meere nicht auf natürliche Weise entstehen würden, beschäftigt sich das Projekt auch mit der fiktiven Herkunft des Wassers.

Als mögliche Verfahren nennt die Website:

  • Meerwasser-Leasing;
  • saisonale Strömungsabonnemente;
  • Handel mit Gezeitenrechten;
  • diplomatisch geregelte Wellenimporte.

Das verwendete Wasser solle ausschliesslich in «Bioqualität» bezogen werden.

Eine Gruppe schweizerischer Ökologinnen und Ökologen würde eine Umweltverträglichkeitsprüfung erstellen. Eine zweite, unabhängige Gruppe solle ein nachhaltiges System für die Wasserzufuhr entwickeln.

Die absurde Verbindung von Umweltschutz, Grossprojekt und kommerziellen Abonnementmodellen ist ein weiterer Bestandteil der Satire.

Umweltverträglichkeit

Die Website behandelt ökologische Fragen in bewusst übertriebener Form.

Das Projekt verspricht eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die angeblich so überzeugend ausfallen solle, dass selbst die Möwen das entsprechende Formular unterschreiben würden.

Tatsächlich wären die beschriebenen Eingriffe weder ökologisch noch technisch oder politisch realisierbar. Das Ausheben eines Meeres auf der Fläche eines bestehenden deutschen Bundeslandes würde Landschaften, Städte, Verkehrswege, Flüsse und Lebensräume vollständig zerstören.

Auch ein territorialer Zugang durch Italien könnte nicht durch einen einfachen Kauf geschaffen werden. Staatsgebiete unterliegen dem Verfassungs- und Völkerrecht und können nicht wie gewöhnliche Immobilien übertragen werden.

Das Projekt erhebt jedoch keinen Anspruch auf technische Machbarkeit. Die offensichtliche Unmöglichkeit ist ein grundlegender Teil des humoristischen Konzepts.

Maritime Beziehungen der Schweiz

Obwohl die Schweiz keinen Meereszugang besitzt, ist sie maritim stärker organisiert, als es ihre Lage vermuten lässt.

Das Projekt verweist auf mehrere tatsächlich bestehende internationale Beziehungen.

Hochseeschifffahrt

Die Schweiz führte im 20. Jahrhundert eine Handelsflotte unter eigener Flagge ein. Die Hochseeschifffahrt sollte insbesondere in Krisenzeiten zur Versorgung des Landes beitragen.

Schweizer Hochseeschiffe werden von privaten Reedereien betrieben und unterliegen der schweizerischen Gesetzgebung sowie dem internationalen Seerecht.

Der Heimathafen der schweizerischen Hochseeflotte ist Basel, obwohl die Stadt nicht am Meer liegt.

Rheinschifffahrt

Über den Rhein ist die Schweiz mit den Häfen an der Nordsee verbunden.

Die Schweizerischen Rheinhäfen in der Region Basel sind bedeutende Umschlagplätze für Mineralölprodukte, Baustoffe, Container, Getreide und weitere Güter.

Der Rhein besitzt für den schweizerischen Aussenhandel und die Landesversorgung grosse Bedeutung.

Internationale Organisationen

Die Website verweist unter anderem auf folgende internationale Institutionen und Abkommen:

Die tatsächliche Beteiligung der Schweiz an maritimen Strukturen bildet den realen Ausgangspunkt für die satirische Forderung nach einem eigenen Meer.

Schweizer Marine

Im Rahmen des Projekts soll die Schweiz erstmals eine eigene Hochseemarine erhalten.

Die fiktive Schweizer Marine wird als neutral, pünktlich und umfassend dokumentiert beschrieben.

Militärische Einsätze wären angeblich nur nach vorheriger Terminvereinbarung und mit gültiger Eingangsbestätigung möglich.

Kriegsschiffe sollen in unauffälligen Farben geliefert werden. Für Kanonen wären Lärmschutzauflagen und ein vollständiges Schussprotokoll vorgeschrieben.

Die Schweiz besitzt tatsächlich keine Hochseemarine. Die Schweizer Armee verfügt jedoch über Motorbootverbände, die unter anderem auf Grenzgewässern und Seen eingesetzt werden. Diese werden gelegentlich umgangssprachlich oder scherzhaft als «Schweizer Marine» bezeichnet.

Das Satireprojekt überträgt diese Bezeichnung auf eine fiktive Flotte für das neue Schweizer Meer.

Wirtschaftliche Vorstellungen

Die Initiative verspricht eine Reihe neuer Wirtschaftsbereiche, die nach der Schaffung einer Küste entstehen sollen.

Genannt werden unter anderem:

  • Küstenhotellerie;
  • Hafenlogistik;
  • Fischerei;
  • Strandgastronomie;
  • touristische Schifffahrt;
  • Produktion von Schweizer Meersalz;
  • Küstenverkehr;
  • Handel über direkte Meeresrouten.

Als touristische Angebote sind Fondue-Strandbars, zertifizierte Sonnenuntergänge und normierte Wellenhöhen vorgesehen.

Schweizer Meersalz soll in besonders hoher Qualität produziert werden. Die erwartete Exportmenge wird auf der Website satirisch mit null Tonnen angegeben, solle jedoch entsprechend selbstbewusst kommuniziert werden.

Hafeninfrastruktur

Ein Schweizer Meer würde nach der fiktiven Projektplanung neue Hafenanlagen benötigen.

Diese könnten dem Personenverkehr, dem Güterumschlag, der Fischerei und der Marine dienen.

Über künstliche Kanäle solle die Verbindung zu anderen Meeren und zum Weltmeer hergestellt werden. Die Schweizer Flotte könnte dadurch globale Handelsrouten direkt erreichen.

Die Hafenanlagen würden selbstverständlich nach schweizerischen Normen geplant. Hafenbecken, Liegeplätze, Leuchttürme und Wellenbrecher müssten entsprechend bewilligt, beschildert und dokumentiert werden.

Konkrete Standorte, Baupläne oder Finanzierungen bestehen nicht.

Fischerei und Meersalz

Die fiktive Küstenwirtschaft soll eine eigene Fischerei erhalten.

Die Website spielt mit der Vorstellung, Schweizer Meeresfische könnten eines Tages eine geschützte Ursprungsbezeichnung erhalten.

Auch die Gewinnung von Meersalz wird als möglicher Wirtschaftszweig genannt. Das Salz solle nur in kleinen Mengen, jedoch in besonders hoher schweizerischer Qualität erzeugt werden.

Die Verwendung von Qualitätsbezeichnungen wie AOP überträgt bekannte schweizerische und europäische Herkunftssysteme auf die erfundene maritime Wirtschaft.

Tourismus

Ein wichtiger Teil der Projektbegründung betrifft den Tourismus.

Die Bevölkerung könnte Strandferien innerhalb des eigenen Landes verbringen, ohne an eine ausländische Küste reisen zu müssen.

Vorgesehen sind:

  • Strandpromenaden;
  • Küstenhotels;
  • Strandbars;
  • reservierbare Liegezonen;
  • amtlich ausgeschilderte Küstenwanderwege;
  • Katamaranverbindungen;
  • geregelte Sonnenuntergänge;
  • schweizerische Strandbäder.

Der Ausdruck Badi solle durch das Meer eine neue nationale Bedeutung erhalten.

Die Satire greift damit die Bedeutung von Seen, Freibädern und Ferienreisen für die schweizerische Freizeitkultur auf.

Gesellschaftliche Begründung

Nach Darstellung der Website würde das Schweizer Meer die Lebensqualität erhöhen.

Kinder könnten Brandung erleben, ohne zunächst ein Flugticket zu benötigen. Seniorinnen und Senioren erhielten Küstenwanderwege mit Bänken in genau gleichen Abständen.

Pendlerinnen und Pendler könnten während des Sommers mit Katamaranen zur Arbeit fahren.

Darüber hinaus würde ein Meer das nationale Selbstverständnis verändern. Die Schweiz wäre nicht länger nur ein Binnenland, sondern nach der Formulierung des Projekts ein «Binnenland mit Meer».

Der offensichtliche Widerspruch dieser Bezeichnung gehört zum satirischen Sprachgebrauch.

Neue Flagge

Das Projekt schlägt auch eine Änderung der Schweizer Flagge vor.

Das weisse Kreuz auf rotem Grund soll durch eine blaue, wellenförmige Linie ergänzt werden.

Die Position der Linie wäre vom gewählten Meeresmodell abhängig:

  • Beim Nordmeer-Modell verliefe die Welle am oberen Rand.
  • Beim Südmeer-Modell erschiene sie am unteren Rand.
  • Bei der Doppelmeer-Lösung würde die Flagge oben und unten von Wellen eingerahmt.

Die genaue Krümmung der Wellenlinie müsste in einer Verordnung festgelegt werden. Sie wäre angeblich von Gezeiten, Druckerkompatibilität und der Verfügbarkeit eines besonderen Genehmigungsstempels abhängig.

Die vorgeschlagenen Flaggen sind keine amtlichen Entwürfe. Änderungen an der Schweizer Flagge sind nicht Gegenstand einer realen politischen Vorlage.

Politische und rechtliche Unmöglichkeit

Die drei Modelle des Projekts sind nicht realistisch umsetzbar.

Baden-Württemberg ist ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Seine Bevölkerung, Städte, Landschaften und staatlichen Einrichtungen könnten weder von der Schweiz gekauft noch für ein künstliches Meer beseitigt werden.

Auch italienisches Staatsgebiet kann nicht durch eine einseitige schweizerische Entscheidung erworben werden. Eine Veränderung internationaler Grenzen würde die Zustimmung der beteiligten Staaten und umfangreiche verfassungs- und völkerrechtliche Verfahren voraussetzen.

Das Ausheben eines Meeres in der beschriebenen Grössenordnung würde ausserdem technische, ökologische und finanzielle Dimensionen erreichen, die weit ausserhalb realistischer Infrastrukturplanung liegen.

Die Unmöglichkeit der Forderungen ist auf der Website nicht verborgen, sondern bildet die Grundlage des Humors.

Verhältnis zu Deutschland und Italien

Deutschland und Italien erscheinen im Projekt als mögliche Partner von Gebietstransaktionen.

Die Website beschreibt die Verhandlungen in bewusst unverbindlicher Sprache als freundschaftlichen Dialog.

Tatsächliche politische Forderungen an die Regierungen Deutschlands oder Italiens werden nicht erhoben.

Der Disclaimer der Website schliesst ausdrücklich eine Verantwortung für diplomatische Spannungen und missverstandene Gespräche mit Deutschland und Italien aus.

Die beiden Nachbarstaaten dienen somit als Bestandteile der satirischen Geografie und nicht als Adressaten einer realen Initiative.

Sprache und Stil

Die Texte sind in Schweizer Standarddeutsch verfasst und verbinden politische Kampagnensprache mit Sarkasmus.

Typische Stilmittel sind:

  • amtlich klingende Bezeichnungen für erfundene Einrichtungen;
  • übertriebene Genauigkeit;
  • absurde Formulare und Bewilligungen;
  • scheinbar sachliche Kosten- und Nutzenargumente;
  • Wortspiele mit Wellen, Gezeiten und Stempeln;
  • Übertragung schweizerischer Verwaltungspraxis auf Tiere und Naturvorgänge;
  • ernsthafte Präsentation offensichtlich unmöglicher Vorhaben.

Viele Pointen beruhen auf dem Gegensatz zwischen dem grossen, unkontrollierbaren Meer und dem Wunsch, jedes Detail rechtlich zu normieren.

Darstellung der Schweiz

Die Schweiz wird im Projekt zugleich liebevoll und kritisch karikiert.

Sie erscheint als:

  • wohlhabend;
  • technisch leistungsfähig;
  • demokratisch;
  • neutral;
  • ordnungsliebend;
  • stark reguliert;
  • formularorientiert;
  • stolz auf hochwertige Produkte;
  • überzeugt von der Lösbarkeit grosser Infrastrukturaufgaben.

Die Satire richtet sich damit weniger gegen einzelne politische Parteien als gegen verbreitete Selbstbilder und Klischees über die Schweiz.

Website

Die Website des Projekts ist unter der Adresse schweizermeer.ch erreichbar.

Sie präsentiert sich gestalterisch als Mischung aus politischer Kampagnenseite, Informationsportal und amtlicher Projektwebsite.

Zu den Bestandteilen gehören:

  • eine Einleitung zur angeblichen Volksinitiative;
  • die drei Abstimmungsoptionen;
  • ein maritimer Faktencheck;
  • eine Projektbegründung;
  • das Bundesamt für Meerwesen;
  • Formulare und Bewilligungsverfahren;
  • die Schweizer Strandordnung;
  • die Schweizer Marine;
  • wirtschaftliche und touristische Argumente;
  • Entwürfe für eine neue Flagge;
  • ein Disclaimer.

Eine Schaltfläche erlaubt eine symbolische digitale «Unterschrift». Diese löst lediglich eine humoristische Bestätigung aus.

Disclaimer

Am Ende der Website wird ausdrücklich festgehalten, dass das Projekt satirisch gemeint ist.

Die «Volksinitiative Schweizer Meer» existiert demnach nicht. Sämtliche Inhalte seien humorvolle Fiktion und nicht ernst zu nehmen.

Der Disclaimer nennt beispielhaft Bauprojekte, diplomatische Spannungen, tektonische Überraschungen, plötzlich auftauchende Küstenlinien und importierte Gezeiten als Ereignisse, für die keine Verantwortung übernommen werde.

Durch diesen Hinweis wird die satirische Natur des Projekts eindeutig von einer realen politischen Kampagne abgegrenzt.

Einordnung

Das Schweizer Meer gehört zur Tradition politischer Satire, in der reale Institutionen und Verfahren auf absurde Gegenstände übertragen werden.

Vergleichbare Projekte verwenden fingierte Parteien, Behörden, Volksinitiativen oder Gesetzesentwürfe, um Bürokratie, politische Kommunikation und nationale Selbstbilder zu kommentieren.

Die Website weist zugleich Elemente einer fiktiven Weltgestaltung auf. Behörden, Formulare, Marine, Flagge und Küstenwirtschaft bilden zusammen ein in sich verbundenes imaginäres System.

Das Projekt kann daher sowohl als politische Satire als auch als humoristisches Internetkunstprojekt verstanden werden.

Abgrenzung zu geographischen Bezeichnungen

Der Ausdruck «Schweizer Meer» ist keine amtliche geographische Bezeichnung.

Gelegentlich werden grosse Schweizer Seen in touristischer oder poetischer Sprache mit einem Meer verglichen. Dazu gehören insbesondere der Genfersee, der Bodensee, der Neuenburgersee, der Vierwaldstättersee und der Zürichsee.

Diese Seen sind Binnengewässer und besitzen keine natürliche Verbindung mit einem Ozean über eine Meeresküste.

Der Name des Satireprojekts bezieht sich nicht auf einen bestimmten bestehenden See, sondern auf die fiktive Schaffung eines tatsächlichen Meereszugangs.

Siehe auch

Einzelnachweise