Pfäffikersee
| Pfäffikersee | |
|---|---|
| Lage | Zürcher Oberland, Kanton Zürich |
| Gemeinden | Pfäffikon, Seegräben, Wetzikon |
| Koordinaten | 47° 21′ N, 8° 47′ O |
| Höhe | 537 m ü. M. |
| Fläche | rund 3,0 km² |
| Länge | 2,8 km |
| Breite | bis 1,5 km |
| Uferlänge | rund 8,5 km |
| Maximale Tiefe | 35 m |
| Mittlere Tiefe | rund 19 m |
| Volumen | rund 57,1 Mio. m³ |
| Einzugsgebiet | rund 26 km² |
| Hauptzufluss | Chämtnerbach |
| Abfluss | Ustermer Aa |
| Abflussweg | Ustermer Aa → Greifensee → Glatt → Rhein |
| Aufenthaltszeit | rund 2,4 Jahre |
Der Pfäffikersee ist ein See im Zürcher Oberland im Kanton Zürich. Er liegt zwischen der Gemeinde Pfäffikon im Norden, Seegräben im Südwesten und der Stadt Wetzikon im Süden. Mit einer Fläche von rund drei Quadratkilometern gehört er neben dem Zürichsee und dem Greifensee zu den bedeutendsten natürlichen Seen des Kantons Zürich.
Der See und die ihn umgebenden Ried-, Moor- und Uferlandschaften bilden eines der wertvollsten Natur- und Erholungsgebiete des Zürcher Oberlands. Besonders das Robenhauser Riet, die ausgedehnten Schilfgürtel und die ehemaligen Torfstichgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten. Das gesamte Gebiet steht unter weitreichendem Natur- und Landschaftsschutz.
Die Ufer des Pfäffikersees waren bereits während der Jungsteinzeit und Bronzezeit besiedelt. Die prähistorische Fundstelle Wetzikon-Robenhausen gehört seit 2011 zum seriellen UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Weitere kulturgeschichtliche Zeugnisse sind die Siedlungsstelle Pfäffikon-Burg und das römische Kastell Irgenhausen.
Heute ist der Pfäffikersee zugleich Naturreservat, Forschungsobjekt, Fischereigewässer und stark besuchtes Naherholungsgebiet. Ein fast vollständig ufernah verlaufender Rundweg verbindet Pfäffikon, Seegräben, Auslikon und Robenhausen.
Name
Der Name Pfäffikersee leitet sich von der am Nordufer gelegenen Gemeinde Pfäffikon ab. Die Bezeichnung bedeutet entsprechend «See bei Pfäffikon».
Zur Unterscheidung von Pfäffikon SZ am Zürichsee wird der Ort häufig als Pfäffikon ZH bezeichnet. Für den See selbst ist eine solche Ergänzung normalerweise nicht erforderlich, da der Name Pfäffikersee eindeutig ist.
In älteren Quellen finden sich unterschiedliche Schreibweisen. In der regionalen Mundart wird der Name ähnlich wie «Pfäffikersee» ausgesprochen.
Geografie
Lage
Der Pfäffikersee liegt in einer flachen, von eiszeitlichen Ablagerungen geprägten Senke am Übergang zwischen dem Glattal, dem Kempttal und dem Hügelland des Zürcher Oberlands.
Das Gewässer erstreckt sich in nord-südlicher Richtung. Sein Nordufer gehört überwiegend zur Gemeinde Pfäffikon, das Westufer zu Seegräben und das südliche sowie südöstliche Ufer zu Wetzikon. Das weiter gefasste Landschafts- und Naturschutzgebiet reicht teilweise bis auf das Gebiet von Fehraltorf.
Der alte Ortskern von Pfäffikon liegt nahe beim nördlichen Seeende. Seegräben befindet sich erhöht über dem Westufer. Im Süden schliessen die Wetziker Ortsteile Auslikon und Robenhausen an die Riedlandschaft an.
Ausdehnung
Die Wasserfläche beträgt rund 3,0 Quadratkilometer. Der See ist maximal etwa 2,8 Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit. Seine Uferlinie misst ungefähr 8,5 Kilometer.
Der mittlere Seespiegel liegt auf 537 Metern über Meer. Die tiefste Stelle erreicht etwa 35 Meter, die mittlere Tiefe beträgt rund 19 Meter. Das Wasservolumen wird mit ungefähr 57 Millionen Kubikmetern angegeben.[1]
Die Ufer sind besonders im Süden und Osten sehr flach. Breite Verlandungszonen trennen dort die offene Wasserfläche von den höher gelegenen Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten.
Entstehung
Der Pfäffikersee entstand gegen Ende der letzten Eiszeit vor ungefähr 15'000 Jahren. Der Linth-Rhein-Gletscher hatte im Untergrund eine Mulde ausgeschürft und Moränenmaterial abgelagert.
Nach dem Rückzug des Eises füllte sich die Senke mit Schmelz- und Niederschlagswasser. End- und Seitenmoränen verhinderten einen direkten Abfluss nach Norden.
Der ursprüngliche See war grösser als die heutige Wasserfläche. Sedimente des Chämtnerbachs und anderer Zuflüsse lagerten sich in den flachen Randbereichen ab. Gleichzeitig breiteten sich Schilf, Seggen und Moorpflanzen aus.
Durch diese natürliche Verlandung entstanden besonders am südlichen Seeende ausgedehnte Ried- und Moorflächen. Das Robenhauser Riet ist der grösste erhaltene Teil dieser Landschaftsentwicklung.
Der Pfäffikersee und seine Umgebung gehören zur glazial geprägten Drumlin- und Moränenlandschaft des Zürcher Oberlands. Zahlreiche sanfte Hügel in der Umgebung bestehen aus Material, das der Gletscher transportiert und abgelagert hatte.
Hydrologie
Zuflüsse
Der wichtigste Zufluss ist der Chämtnerbach, hochdeutsch meist Kemptnerbach genannt. Er entspringt im Hügelland des westlichen Tössberglands und mündet am südöstlichen Seeufer in den Pfäffikersee.
Weitere kleine Bäche, Entwässerungsgräben und unterirdische Zuflüsse führen dem See Wasser zu. Ein Teil dieser Gewässer durchfliesst landwirtschaftlich genutzte oder besiedelte Gebiete.
Das hydrologische Einzugsgebiet umfasst ohne die eigentliche Seefläche rund 26 Quadratkilometer. Es weist einen vergleichsweise hohen Anteil an Landwirtschafts- und Siedlungsflächen auf.[1]
Abfluss
Der See wird am südlichen Ende durch die Ustermer Aa entwässert. Der Fluss wird regional auch als Aabach bezeichnet.
Die Ustermer Aa fliesst durch Wetzikon und Uster in den Greifensee. Dessen Wasser gelangt über die Glatt in den Rhein und schliesslich in die Nordsee.
Der mittlere Abfluss aus dem Pfäffikersee beträgt ungefähr 0,7 Kubikmeter pro Sekunde. Die theoretische mittlere Aufenthaltszeit des Wassers im See liegt bei rund 2,4 Jahren.[1]
Regulierung
Der Abfluss des Sees wurde im 19. Jahrhundert reguliert. Um 1860 wurde der Seespiegel künstlich abgesenkt, damit zusätzliche Flächen landwirtschaftlich genutzt und Moorgebiete leichter entwässert werden konnten.
Solche Eingriffe veränderten die Uferlinie, die Feuchtgebiete und den Wasserhaushalt. Heute wird der Wasserstand so bewirtschaftet, dass Hochwasserschutz, Gewässerökologie, Landwirtschaft und Erholungsnutzung berücksichtigt werden.
Wasserqualität
Historische Nährstoffbelastung
Der Pfäffikersee ist von Natur aus kein extrem nährstoffarmer Gebirgssee. Sedimentuntersuchungen zeigen jedoch, dass menschliche Einflüsse seinen Nährstoffhaushalt seit dem 18. Jahrhundert deutlich veränderten.
Der grossflächige Torfabbau und die Entwässerung der Moore führten zeitweise zu erhöhten Nährstoffeinträgen. Im 19. Jahrhundert kamen Industrialisierung und dichtere Besiedlung hinzu.
Besonders stark verschlechterte sich die Wasserqualität nach dem Zweiten Weltkrieg. Ungenügend gereinigte Abwässer, phosphathaltige Waschmittel und Einträge aus der Landwirtschaft verursachten eine massive Überdüngung.
Um 1970 erreichte die Phosphorbelastung ihren Höhepunkt. Der See befand sich in einem stark bis übermässig nährstoffreichen Zustand. Grosse Algenmengen sanken auf den Seegrund und verbrauchten bei ihrer Zersetzung den im Tiefenwasser vorhandenen Sauerstoff.[2]
Sanierung
Der Ausbau der Kanalisation und der Abwasserreinigungsanlagen verringerte die Nährstoffzufuhr erheblich. Weitere Verbesserungen brachten die Phosphorelimination in Kläranlagen, das Verbot phosphathaltiger Textilwaschmittel und Massnahmen in der Landwirtschaft.
1950 nahm in Pfäffikon eine frühe vollbiologische Abwasserreinigungsanlage ihren Betrieb auf. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage mehrfach ausgebaut.
Von 1992 bis 2011 unterstützte eine technische Anlage die winterliche Zirkulation des Seewassers. Eingebrachte Druckluft förderte die Durchmischung und den Sauerstofftransport in tiefere Wasserschichten.
Nachdem sich die Wasserqualität verbessert hatte, wurde der Betrieb eingestellt. Die Leitungen und Diffusoren wurden 2014 vollständig aus dem See entfernt.[3]
Heutiger Zustand
Der Phosphorgehalt ist gegenüber den Spitzenwerten der 1960er- und 1970er-Jahre stark zurückgegangen. Auch die Algenproduktion nahm deutlich ab.
Im Tiefenwasser kann während längerer Schichtungsperioden weiterhin Sauerstoffmangel auftreten. Ein Grund dafür sind organische Ablagerungen im Sediment, die noch aus der früheren Phase starker Überdüngung stammen.
Der See wird deshalb durch kantonale und eidgenössische Fachstellen regelmässig untersucht. Gemessen werden unter anderem Temperatur, Sauerstoff, Phosphor, Stickstoff, Algen und biologische Qualitätsmerkmale.
Natur- und Landschaftsschutz
Schutzgeschichte
Der Regierungsrat des Kantons Zürich stellte den Pfäffikersee und seine Umgebung 1948 unter Schutz. Damit gehörte das Gebiet zu den früh geschützten grossen See- und Moorlandschaften des Kantons.
Die Schutzbestimmungen wurden später mehrfach überarbeitet. Seit 1999 gilt eine umfassende Schutzverordnung, welche Natur-, Landschafts- und Erholungsinteressen räumlich aufeinander abstimmt.[4]
Das Schutzgebiet umfasst die offene Wasserfläche, Schilfbestände, Flachmoore, Übergangsmoore, Feuchtwiesen, Moorwälder und angrenzende Landschaftsräume. Es erstreckt sich über Gebiete der Gemeinden Pfäffikon, Seegräben, Wetzikon und Fehraltorf.
Der Pfäffikersee ist Bestandteil einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. Teile des Gebiets gehören zudem zu national bedeutenden Flachmooren und Wasser- und Zugvogelgebieten.
Schutzregeln
Zum Schutz empfindlicher Lebensräume gelten unterschiedliche Zonen und zeitliche Einschränkungen.
In den besonders geschützten Riedflächen müssen Besucherinnen und Besucher auf den markierten Wegen bleiben. Hunde sind an der Leine zu führen. Pflanzen dürfen nicht gepflückt und Wildtiere nicht gestört werden.
Für einzelne Bereiche der offenen Wasserfläche bestehen ganzjährige oder saisonale Seeschutzzonen. Dort sind unter anderem Baden, Fischen und das Befahren mit Booten oder anderen Schwimmkörpern untersagt.[5]
Feuer dürfen nur an dafür vorgesehenen Stellen entfacht werden. Das Campieren ist ausserhalb offizieller Plätze nicht erlaubt. Für Velos bestehen markierte Routen, die teilweise vom Wanderweg abweichen.
Ranger, Seerettungsdienst, Fischereiaufsicht und weitere Aufsichtspersonen überwachen die Einhaltung der Vorschriften.
Moore und Riedlandschaften
Robenhauser Riet
Das Robenhauser Riet liegt am südlichen Ende des Sees zwischen Auslikon, Robenhausen und Seegräben. Es gehört zu den grössten und wertvollsten Moorgebieten des Kantons Zürich.
Die Landschaft besteht aus Schilfröhrichten, Seggenrieden, Pfeifengraswiesen, Moorgebüschen, Birken- und Erlenbeständen sowie ehemaligen Torfstichen.
Der Wasserstand, die nährstoffarmen Böden und die traditionelle Streuenutzung ermöglichten die Entstehung einer aussergewöhnlich vielfältigen Pflanzenwelt.
Landwirtschaftsbetriebe mähen ausgewählte Riedflächen erst spät im Jahr. Das Schnittgut wurde früher als Einstreu in Ställen verwendet. Diese Nutzung verhindert, dass die offenen Moore vollständig mit Büschen und Wald zuwachsen.
Torfriet
Das Torfriet erinnert an den historischen Torfabbau. Zahlreiche kleinere Weiher entstanden in ehemaligen Torfstichen.
Diese Gewässer sind heute wertvolle Lebensräume für Amphibien, Libellen, Wasserinsekten und Moorpflanzen.
Der Wechsel zwischen offenen Wasserflächen, feuchten Senken, Riedwiesen und Gehölzen schafft eine hohe landschaftliche und biologische Vielfalt.
Pflanzenwelt
Die Vegetation rund um den Pfäffikersee umfasst zahlreiche Pflanzengesellschaften, die im dicht besiedelten Schweizer Mittelland selten geworden sind.
Typisch sind:
- Schilfröhrichte;
- Gross- und Kleinseggenriede;
- Pfeifengraswiesen;
- Hochstaudenfluren;
- Übergangsmoore;
- Erlenbruchwälder;
- Birkenmoorwälder;
- Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen.
Zu den bemerkenswerten Pflanzenarten gehören verschiedene Orchideen, Sonnentauarten, Wollgräser, Fieberklee, Sumpfgladiole und weitere an nährstoffarme Feuchtstandorte angepasste Arten.
Die genaue Verbreitung verändert sich mit Wasserstand, Nährstoffeintrag und Pflege. Viele Pflanzen sind auf regelmässige, schonende Mahd und offene, nicht beschattete Moorflächen angewiesen.
Tierwelt
Vögel
Der Pfäffikersee ist ein bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel.
In den Schilfbeständen brüten unter anderem Teichrohrsänger, Drosselrohrsänger, Wasserralle und Zwergdommel. Auch Haubentaucher, Blässhuhn, Stockente und verschiedene Entenarten sind regelmässig zu beobachten.
Während des Vogelzugs nutzen Wat- und Wasservögel die flachen Uferzonen als Rastplatz. Störungen durch Menschen und Hunde können für brütende oder rastende Tiere erhebliche Folgen haben.
Am See und in seiner Umgebung kommen auch Weissstörche, Graureiher, Eisvögel und verschiedene Greifvögel vor.
Amphibien und Reptilien
Moorweiher, Torfstiche und flache Uferbereiche bieten Lebensraum für Frösche, Kröten und Molche.
Zu den möglichen Arten gehören Grasfrosch, Wasserfrosch, Erdkröte und verschiedene Molcharten. In trockeneren Randbereichen leben Ringelnattern und Eidechsen.
Amphibien sind auf ein dichtes Netz fischfreier Kleingewässer und ungestörter Landlebensräume angewiesen.
Insekten
Die Riedlandschaften sind besonders reich an Libellen und Schmetterlingen.
Die Grosse Moosjungfer nutzt Moorpfützen, Torfstiche und flache Kleingewässer. Sie gehört zu den stark gefährdeten Arten und wird durch gezielte Pflege gefördert.
Das Blauauge, ein auffälliger Tagfalter mit augenähnlichen Flecken, lebt in Pfeifengraswiesen. Seine Raupen sind auf typische Gräser der Riedflächen angewiesen.[5]
Weitere seltene Schmetterlinge, Heuschrecken, Käfer und Wildbienen finden in den unterschiedlich feuchten Lebensräumen geeignete Bedingungen.
Fische
Im Pfäffikersee leben unter anderem Felchen, Egli, Hecht, Brachsmen, Rotauge, Schleie, Karpfen und weitere Fischarten.
Die starke Überdüngung und der Sauerstoffmangel führten im 20. Jahrhundert wiederholt zu Fischsterben. Die Felchen verschwanden um 1930 zeitweise aus dem See. Spätere Besatzmassnahmen und die verbesserte Wasserqualität ermöglichten die Wiederherstellung eines Bestandes.
Die natürliche Fortpflanzung sauerstoffbedürftiger Arten ist in tieferen Bereichen weiterhin erschwert, weil der Seegrund zeitweise zu wenig Sauerstoff enthält.
Neobiota
Der Pfäffikersee soll möglichst vor invasiven gebietsfremden Wasserorganismen geschützt werden.
Muscheln, Wasserpflanzen und andere Organismen können unbemerkt an Booten, Stand-up-Paddles, Tauch- oder Fischereiausrüstung von einem Gewässer zum anderen transportiert werden.
Der Kanton Zürich führte am Pfäffikersee Pilotmassnahmen zur Verhinderung solcher Einschleppungen durch. Wasserfahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände sollen vor dem Wechsel zwischen Gewässern vollständig gereinigt, kontrolliert und getrocknet werden.[6]
Invasive Arten können einheimische Tiere und Pflanzen verdrängen, technische Anlagen beeinträchtigen und den natürlichen Stoffhaushalt des Sees verändern.
Ur- und Frühgeschichte
Prähistorische Ufersiedlungen
Die Ufer des Pfäffikersees waren bereits vor mehreren Jahrtausenden besiedelt. Archäologische Fundstellen stammen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit.
Die damaligen Siedlungen lagen nicht zwingend dauerhaft über der offenen Wasserfläche. Viele Häuser wurden auf feuchtem Uferboden oder in zeitweise überschwemmten Bereichen errichtet.
Die wassergesättigten Sedimente bewahrten Holz, Samen, Textilien und andere organische Materialien aussergewöhnlich gut. Dadurch lassen sich Bauweise, Landwirtschaft, Ernährung und Alltagsleben der frühen Bevölkerung detailliert untersuchen.
Am Pfäffikersee sind mehrere prähistorische Siedlungsplätze bekannt. Besonders bedeutend sind Wetzikon-Robenhausen und Pfäffikon-Burg.
Wetzikon-Robenhausen
Die Fundstelle Robenhausen wurde 1858 vom Landwirt und Altertumsforscher Jakob Messikommer entdeckt und über Jahrzehnte untersucht.
Messikommer barg Werkzeuge, Keramik, Textilien, Pflanzenreste und zahlreiche weitere Gegenstände. Seine Forschungen machten Robenhausen international bekannt und trugen wesentlich zur frühen Pfahlbauforschung bei.[7]
Die Fundstelle gehört seit 2011 zum UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Das serielle Welterbe umfasst 111 ausgewählte Fundstellen in sechs Alpenländern, darunter 56 in der Schweiz.[8]
Pfäffikon-Burg
Die Fundstelle Pfäffikon-Burg liegt am nördlichen Seeufer. Untersuchungen brachten Reste mehrerer jungsteinzeitlicher Siedlungsphasen zum Vorschein.
Zahlreiche Steinbeilklingen, Halbfabrikate und Bearbeitungsabfälle deuten auf eine umfangreiche Herstellung von Steinwerkzeugen hin.
Pflanzen- und Tierfunde zeigen, dass die Bewohner Getreide, Lein und Mohn anbauten, Vieh hielten, jagten, fischten und Wildpflanzen sammelten.
Pfahlbauweg
Der Pfahlbauweg vermittelt die archäologische Geschichte des Sees. Zehn Informationsstationen liegen auf einer ungefähr 6,6 Kilometer langen Strecke zwischen Pfäffikon und Wetzikon.
Abbildungen, Fundrepliken und digitale Inhalte erklären die Entdeckung der Siedlungen, den Alltag der damaligen Bevölkerung und die moderne archäologische Forschung.
Der Weg verläuft weitgehend eben und ist grundsätzlich auch mit Kinderwagen und Rollstuhl befahrbar.[9]
Römische Zeit
In römischer Zeit führte eine bedeutende Verkehrsverbindung durch das Zürcher Oberland. Sie verband das Gebiet des Zürichsees mit Vitudurum, dem heutigen Oberwinterthur, und dem Rhein.
Auf dem Bürglenhügel bei Irgenhausen befinden sich die Ruinen des römischen Kastells Irgenhausen. Die Anlage liegt östlich des Pfäffikersees und bot einen weiten Blick über die Umgebung.
Das Kastell wurde wahrscheinlich in der Spätantike errichtet. Teile seiner Grundmauern, Türme und Tore sind erhalten und öffentlich zugänglich.
Auf dem Areal wurden auch Spuren eines älteren römischen Gutshofs festgestellt. Die früher vertretene Deutung eines Gebäudes als frühchristliche Kirche gilt heute als überholt.[10]
Nutzungsgeschichte der Moore
Nach der Rodung früherer Moorwälder wurden offene Feuchtflächen als Weiden und zur Gewinnung von Streue genutzt.
Ab 1715 begann in Pfäffikon ein systematischer Torfabbau. Wenig später wurde auch in Seegräben und im Robenhauser Riet Torf gestochen.
Torf diente als Brennmaterial für Haushalte und Gewerbebetriebe. Besonders während des Ersten und Zweiten Weltkriegs nahm der Abbau wegen der Knappheit anderer Energieträger stark zu.
Entwässerungsgräben senkten den Wasserstand der Moore und erleichterten die Arbeit. Zugleich veränderten sie den natürlichen Wasser- und Nährstoffhaushalt.
In den 1950er-Jahren endete der gewerbliche Torfabbau weitgehend. Viele ehemalige Torfstiche füllten sich mit Wasser und entwickelten sich zu ökologisch wertvollen Kleingewässern.
Fischerei
Der Pfäffikersee besitzt eine lange Fischereitradition. Neben der Berufsfischerei wird Sport- und Freizeitfischerei betrieben.
Für die patentpflichtige Fischerei gelten die kantonalen Fischereivorschriften. Am Pfäffikersee besteht unter bestimmten Bedingungen ein Freiangelrecht vom trockenen Ufer aus.
Mit einem entsprechenden Patent darf je nach Regelung auch mit mehreren Geräten oder vom Boot aus gefischt werden. Schonzeiten, Fangmindestmasse, Schutzgebiete und zulässige Köder sind einzuhalten.[11]
Im Schutzgebiet stehen mehrere Fischerstege zur Verfügung. Das Fischen ausserhalb der vorgesehenen Bereiche oder innerhalb gesperrter Seeschutzzonen ist nicht erlaubt.
Erholung und Tourismus
Rundweg
Ein ungefähr neun Kilometer langer Rundweg führt um den See. Die Strecke ist weitgehend flach und kann zu Fuss in etwa zwei bis drei Stunden zurückgelegt werden.
Der Weg verläuft durch Pfäffikon, Seegräben, Auslikon, Robenhausen und ausgedehnte Riedgebiete. Holzstege ermöglichen an einigen Stellen den Durchgang durch feuchte Landschaftsbereiche.
Mehrere Aussichtspunkte bieten Einblicke in Schilfgürtel und offene Wasserflächen. Informationstafeln erläutern Natur, Landschaft und Archäologie.
Wandernde und Velofahrende benutzen teilweise getrennte Routen. In empfindlichen Naturschutzbereichen sind die signalisierten Wege zwingend einzuhalten.
Baden
Zu den wichtigsten Badeanlagen gehören das Strandbad Baumen in Pfäffikon und das Strandbad Auslikon auf Wetziker Gebiet.
Die Anlagen bieten geregelte Seezugänge und weitere Einrichtungen für Badegäste. Ausserhalb der Badeplätze ist das Baden nur dort zulässig, wo keine Schutz- oder Sicherheitsbestimmungen entgegenstehen.
Die hygienische Qualität des Badewassers wird während der Badesaison durch die zuständigen Behörden kontrolliert.
Bootfahren
Auf dem See werden Ruder-, Paddel- und Segelboote sowie Stand-up-Paddles genutzt. Am Nordufer besteht eine Bootsvermietung.
Motorisierte Freizeitschifffahrt ist stark eingeschränkt. Für sämtliche Wasserfahrzeuge gelten die Vorschriften der Schifffahrts- und Naturschutzgesetzgebung.
Die besonders markierten Seeschutzzonen dürfen ganzjährig oder während festgelegter Zeiträume nicht befahren werden. Die Schutzräume dienen vor allem brütenden, rastenden und überwinternden Wasservögeln.
Naturbeobachtung
Der Pfäffikersee ist ein beliebtes Gebiet für Vogelbeobachtung und Naturfotografie.
Beobachtungsplattformen und Stege ermöglichen Einblicke, ohne die besonders empfindlichen Uferbereiche betreten zu müssen.
Das Füttern von Wasservögeln ist zu vermeiden. Zusätzliches Futter kann Krankheiten fördern, die Wasserqualität beeinträchtigen und das natürliche Verhalten der Tiere verändern.
Naturzentrum Pfäffikersee
Das Naturzentrum Pfäffikersee befindet sich am nördlichen Seeufer in Pfäffikon.
Es informiert über die Entstehung der Landschaft, Moorökologie, Tiere, Pflanzen, Gewässerschutz und die Geschichte menschlicher Nutzungen.
Zum Angebot gehören Ausstellungen, Führungen, Exkursionen, Schulprogramme, Vorträge und Beobachtungsmöglichkeiten. Das Zentrum arbeitet mit dem Kanton Zürich, den umliegenden Gemeinden, Naturschutzorganisationen und weiteren Partnern zusammen.
Ein Rangerdienst informiert Besucherinnen und Besucher, beobachtet die Entwicklung des Gebiets und achtet auf die Einhaltung der Schutzregeln.[12]
Zufrieren des Sees
Während längerer Kälteperioden kann der Pfäffikersee vollständig zufrieren. Wegen seiner vergleichsweise kleinen Fläche und geschützten Lage bildet sich Eis leichter als auf dem Zürichsee.
Eine begehbare Eisfläche entsteht jedoch nur selten. Ob der See betreten werden darf, entscheiden die zuständigen Behörden und der Seerettungsdienst nach regelmässigen Eismessungen.
Auch bei geschlossener Eisdecke können Strömungen, Zuflüsse, Quellen und wechselnde Temperaturen gefährliche Schwachstellen verursachen.
Offiziell freigegebene Seegfrörnen ziehen jeweils zahlreiche Menschen zum Eislaufen und Spazieren an.
Verkehr und Erreichbarkeit
Der Pfäffikersee ist mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar.
Der Bahnhof Pfäffikon ZH liegt nördlich des Sees. Von dort führen Fusswege zum Seequai, zum Naturzentrum und zum Rundweg.
Das südliche Ufer ist über den Bahnhof Wetzikon und verschiedene Busverbindungen erreichbar. Weitere Bushaltestellen liegen bei Seegräben, Auslikon und Irgenhausen.
Wegen des hohen Besucheraufkommens an schönen Wochenenden fördern Kanton und Gemeinden die Anreise mit Bahn, Bus, Velo und zu Fuss.
Die Parkmöglichkeiten in Seenähe sind begrenzt. Verkehrs- und Besucherlenkung sollen Wohnquartiere, Landwirtschaft und Naturschutzgebiete vor übermässiger Belastung schützen.
Bedeutung
Der Pfäffikersee besitzt für Natur, Kulturgeschichte, Wissenschaft und Erholung eine aussergewöhnliche Bedeutung.
Die Moore bewahren seltene Lebensgemeinschaften und dokumentieren die nacheiszeitliche Landschaftsentwicklung. Die Sedimente des Sees bilden ein Archiv früherer Klima-, Vegetations- und Nährstoffverhältnisse.
Die prähistorischen Siedlungsreste ermöglichen detaillierte Einblicke in das Leben der ersten bäuerlichen Gesellschaften des Schweizer Mittellands.
Das Gebiet zeigt zugleich die Folgen intensiver menschlicher Nutzung. Torfabbau, Entwässerung, Abwassereinleitung und Überdüngung veränderten den See tiefgreifend.
Die Verbesserung der Wasserqualität und der Erhalt grosser unbebauter Uferabschnitte gelten als bedeutende Leistungen des schweizerischen Gewässer- und Naturschutzes.
Die wachsende Erholungsnutzung, der Klimawandel, invasive Arten und verbleibende Nährstoffprobleme stellen das Gebiet weiterhin vor grosse Herausforderungen.
Literatur
- Robert Hantke und weitere: Der Pfäffikersee. Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, Zürich 2016.
- Baudirektion Kanton Zürich: Entwicklung des Gesamtphosphors im Pfäffikersee anhand der im Sediment eingelagerten Kieselalgen. Zürich 2001.
- Bundesamt für Umwelt: Der Pfäffikersee – Zustand bezüglich Wasserqualität. Bern 2016.
- Kantonsarchäologie Zürich: Die prähistorischen Feuchtbodensiedlungen am Pfäffikersee. Zürich.
- Jakob Messikommer: Veröffentlichungen zu den Pfahlbauten von Robenhausen. Zürich.
- Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich: Naturschutzgebiet Pfäffikersee. Zürich.
- Vereinigung Pro Pfäffikersee: Publikationen zur Natur- und Kulturlandschaft des Pfäffikersees.
Siehe auch
- Liste der Seen in der Schweiz
- Zürcher Oberland
- Pfäffikon ZH
- Seegräben
- Wetzikon
- Greifensee
- Ustermer Aa
- Kemptnerbach
- Kastell Irgenhausen
- Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
- Moorlandschaften in der Schweiz
- Naturschutz im Kanton Zürich
Weblinks
- Naturzentrum Pfäffikersee
- Informationsblatt des Kantons Zürich zum Naturschutzgebiet
- Informationen des Bundesamts für Umwelt zur Wasserqualität der Seen
- Informationen der Gemeinde Pfäffikon
- Pfahlbauweg am Pfäffikersee
- UNESCO-Fundstelle Wetzikon-Robenhausen
- Bilder und Mediendateien zum Pfäffikersee
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Bundesamt für Umwelt: Der Pfäffikersee – Zustand bezüglich Wasserqualität, 1. Juli 2016, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Baudirektion Kanton Zürich: Entwicklung des Gesamtphosphors im Pfäffikersee anhand der im Sediment eingelagerten Kieselalgen, Juni 2001, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Belüftungsanlage im Pfäffikersee wird ganz abgebaut, 2014, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Naturschutzgebiete und Schutzverordnungen, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich: Naturschutzgebiet Pfäffikersee, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Pfäffikersee soll frei bleiben von Neobiota, 2016, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Die Ufer des Pfäffikersees – eine archäologische Schatzkammer, 2011, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ UNESCO World Heritage Centre: Prehistoric Pile Dwellings around the Alps, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kantonsarchäologie Zürich: Unterwegs am Pfäffikersee – Das UNESCO-Welterbe unter unseren Füssen, 2023, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kantonsarchäologie Zürich: Das Kastell Irgenhausen, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Fischerei, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Naturzentrum Pfäffikersee, abgerufen am 23. Juli 2026.