Kerzers
Kerzers (französisch Chiètres) ist eine politische Gemeinde im Seebezirk des Kantons Freiburg in der Schweiz. Sie liegt am östlichen Rand des Grossen Mooses im Seeland, unmittelbar an der Kantonsgrenze zu Bern. Kerzers ist eine der grösseren Gemeinden des Freiburger Seebezirks und erfüllt aufgrund seiner Verkehrslage, seiner Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze eine regionale Zentrumsfunktion.
Die Gemeinde ist traditionell deutschsprachig, während der Seebezirk insgesamt zweisprachig ist. Kerzers ist insbesondere für den intensiven Gemüsebau im Grossen Moos, seinen bedeutenden Eisenbahnknoten und das Papiliorama bekannt. Verkehrsgünstig liegt der Ort an der Autobahn A1 sowie an den Bahnlinien Bern–Neuenburg und Lyss–Payerne.[1]
| Kerzers | |
|---|---|
| Kanton | Freiburg |
| Bezirk | Seebezirk |
| BFS-Nr. | 2265 |
| Postleitzahl | 3210 |
| Koordinaten | 46° 59′ N, 7° 12′ O |
| Höhe | 443 m ü. M. |
| Niedrigster Punkt | 433 m ü. M. |
| Höchster Punkt | 542 m ü. M. |
| Fläche | 12,23 km² |
| Einwohner | 5'490 |
| Einwohnerstand | 1. Februar 2025 |
| Gemeindepräsidentin | Andrea Kaufmann |
| Sprache | Deutsch |
| Website | www.kerzers.ch |
Geographie
Kerzers liegt im nordöstlichen Teil des Kantons Freiburg im Übergangsgebiet zwischen dem Grossen Moos und den leicht erhöhten Landschaften des westlichen Schweizer Mittellands. Das Gemeindegebiet umfasst 1223 Hektaren beziehungsweise 12,23 Quadratkilometer.[2]
Der Bahnhof liegt auf einer Höhe von 443 Metern über Meer. Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets befindet sich mit 433 Metern im Grossen Moos, während der höchste Punkt im Hubelwald 542 Meter erreicht.[2]
Das Dorf selbst liegt leicht erhöht am Rand der weiten Ebene des Grossen Mooses. Nach Westen und Südwesten öffnet sich die Landschaft in Richtung Murtensee und Neuenburgersee, während unmittelbar östlich und nördlich des Gemeindegebiets bereits bernisches Territorium liegt.
Kerzers gehört geografisch zum Drei-Seen-Land. Die Landschaft wurde stark durch die natürlichen und später vom Menschen regulierten Gewässer des Seelands geprägt. Besonders die Entwässerung und landwirtschaftliche Erschliessung des Grossen Mooses veränderten die Umgebung seit dem 19. Jahrhundert grundlegend.
Heute wechseln sich im Gemeindegebiet dicht bebaute Wohnquartiere, Gewerbe- und Industrieflächen, traditionelle Dorfbereiche, intensiv genutztes Landwirtschaftsland und Waldflächen ab.
Grosses Moos
Das Grosse Moos ist für die Landschaft und Wirtschaft von Kerzers von besonderer Bedeutung. Die Ebene zwischen Murten-, Neuenburger- und Bielersee gehört zu den wichtigsten Gemüseanbaugebieten der Schweiz und wird häufig als «Gemüsegarten der Schweiz» bezeichnet.[1]
Die fruchtbaren Böden und das weitgehend ebene Gelände bieten günstige Voraussetzungen für einen intensiven Landwirtschaftsbetrieb. In der Umgebung von Kerzers werden zahlreiche Gemüsearten angebaut und anschliessend in regionalen Handels-, Lager- und Verarbeitungsbetrieben sortiert, verpackt und verteilt.
Die heutige Kulturlandschaft ist eng mit den Juragewässerkorrektionen verbunden. Vor der grossräumigen Regulierung der Seen und Flüsse waren weite Teile des Grossen Mooses sumpfig und regelmässig von Überschwemmungen betroffen. Durch Entwässerung, Kanäle und Bodenverbesserungen entstanden aus den ehemaligen Feuchtgebieten grosse landwirtschaftlich nutzbare Flächen.
Die intensive Nutzung stellt zugleich hohe Anforderungen an den Schutz der fruchtbaren Moorböden. Bodensenkung, Entwässerung, Wasserhaushalt und die langfristige Sicherung der landwirtschaftlichen Produktionsflächen gehören deshalb zu den wichtigen regionalen Themen.
Geschichte
Frühzeit und Römerzeit
Die Umgebung von Kerzers war bereits lange vor der ersten schriftlichen Erwähnung besiedelt. Archäologische Funde weisen auf menschliche Anwesenheit seit dem Mesolithikum hin. Auch aus der Bronzezeit und der römischen Zeit sind Siedlungsspuren bekannt.[3]
In römischer Zeit verlief durch das Gebiet eine bedeutende Verkehrsverbindung des Mittellandes. Sie verband unter anderem Aventicum, das heutige Avenches, mit Salodurum, dem heutigen Solothurn. Damit lag Kerzers bereits in der Antike an einem wichtigen Verkehrsweg.
Die Gemeinde bringt den römischen Ortsbezug mit der Bezeichnung «ad Carcerem» in Verbindung.[4]
Mittelalter
Die erste bekannte schriftliche Nennung stammt aus dem Jahr 926, als der Ort als Chartris Villa erscheint. Weitere historische Schreibweisen sind Kercers im Jahr 1153, Chiertri 1228, Kerzers 1276 und Chiertres 1285.[4]
Im Bereich der heutigen Kirche bestand bereits im frühen Mittelalter ein Bestattungsplatz. Die Kirche von Kerzers besitzt entsprechend weit zurückreichende Vorgängerbauten.
Eine historische Überlieferung bringt die Kirche und deren Besitz mit Königin Berta von Burgund und dem Kloster Payerne in Verbindung. Die Gemeindechronik nennt für die Schenkung das Jahr 961. Das Historische Lexikon der Schweiz weist allerdings darauf hin, dass die überlieferte Schenkungsurkunde später entstanden beziehungsweise gefälscht worden ist. Da die Besitzrechte 1148 bestätigt wurden, können entsprechende Verbindungen zum Kloster Payerne dennoch bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen.[3]
Im 12. Jahrhundert besass das Kloster Payerne wahrscheinlich eine klösterliche Niederlassung in Kerzers. Der Ort lag an einer wichtigen Durchgangsroute und hatte damit auch Bedeutung für Reisende und Pilger.
Herrschaft Savoyens
Im Mittelalter gelangten die weltlichen Herrschaftsrechte über Kerzers schrittweise in den Einflussbereich der Grafen beziehungsweise Herzöge von Savoyen. Der Ort gehörte politisch zum Murtenbiet.
Kerzers besass bereits damals gewisse Rechte, wie sie ansonsten eher bei kleineren Marktorten anzutreffen waren. Dazu gehörten unter anderem das Recht zur Aufnahme neuer Bürger, die Regelung der Landverteilung sowie eigene Einrichtungen und lokale Amtsträger.
Während des Laupenkriegs wurde Kerzers 1339 schwer zerstört.
Burgunderkriege
Im Jahr 1475 besetzten Bern und Freiburg gemeinsam das Murtenbiet. Damit endete die savoyische Herrschaft. Kerzers wurde Teil der gemeinsam von Bern und Freiburg verwalteten Gemeinen Herrschaft Murten.[4]
Bereits 1476 wurde das Dorf während der Burgunderkriege erneut verwüstet. Die Truppen Karls des Kühnen zogen im Zusammenhang mit der Belagerung von Murten durch die Region. Wenig später kam es zur entscheidenden Schlacht bei Murten.
Die bereits vorher bestehenden lokalen Rechte von Kerzers wurden unter der gemeinsamen bernisch-freiburgischen Herrschaft weitgehend bestätigt.
Reformation
Unter starkem Einfluss des reformierten Bern nahm Kerzers 1530 die Reformation an.[4]
Damit unterschied sich die religiöse Entwicklung der Gemeinde von grossen Teilen des katholisch gebliebenen Kantons Freiburg. Kerzers gehört zusammen mit anderen Gemeinden des Murtenbiets zum traditionell reformierten Teil des Kantons.
Die historische Verbindung zu Bern blieb auch sprachlich und kulturell spürbar. Der in Kerzers gesprochene Dialekt gehört zum bernisch geprägten Schweizerdeutschen.
Dorfbrände
Neben kriegerischen Zerstörungen wurde Kerzers mehrfach von schweren Bränden betroffen.
Nach den Zerstörungen von 1339 und 1476 ereigneten sich grosse Dorfbrände in den Jahren 1558, 1764, 1799 und 1881.[4]
Die Brände beeinflussten das Erscheinungsbild des Dorfes erheblich. Gebäude mussten wiederholt neu errichtet werden, weshalb trotz der langen Siedlungsgeschichte nur ein begrenzter Bestand sehr alter Bausubstanz erhalten blieb.
Helvetische Republik und Kanton Freiburg
Mit dem französischen Einmarsch von 1798 und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft endete auch die gemeinsame Herrschaft Berns und Freiburgs über das Murtenbiet.
Während der Helvetischen Republik wurde die politische Ordnung grundlegend verändert. Mit der Mediationsakte von 1803 kam Kerzers endgültig zum Kanton Freiburg.[4]
Seither gehört die Gemeinde politisch zu Freiburg, liegt aber weiterhin unmittelbar an der Grenze zum Kanton Bern.
Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert
Während Jahrhunderten war Kerzers in erster Linie ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Entscheidende Veränderungen brachten im 19. Jahrhundert die Entwässerung des Seelands und der Ausbau moderner Verkehrswege.
Die verbesserten landwirtschaftlichen Bedingungen ermöglichten eine intensivere Nutzung des Grossen Mooses. Gleichzeitig eröffneten neue Verkehrsverbindungen den Produzenten grössere Absatzmärkte.
Von besonderer Bedeutung war die Eisenbahn. 1876 wurde die Verbindung Murten–Kerzers–Lyss eröffnet. 1901 kam die Bahnstrecke Bern–Kerzers–Neuenburg hinzu.[3]
Damit entwickelte sich Kerzers zu einem Eisenbahnknoten. Die neuen Verbindungen erleichterten sowohl den Personenverkehr als auch den Transport landwirtschaftlicher Produkte erheblich.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs das Dorf über seinen historischen Kern hinaus. Neue Wohnquartiere entstanden, und entlang der wichtigen Verkehrsachsen siedelten sich Gewerbe- und Industriebetriebe an.
Eine weitere Entwicklungsphase setzte mit dem Ausbau des Nationalstrassennetzes ein. Durch die Nähe zur Autobahn A1 erhielt Kerzers schnelle Strassenverbindungen in Richtung Bern, Murten, Yverdon und die Westschweiz.
Bevölkerung
Kerzers hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem grossen Landwirtschaftsdorf zu einer regionalen Wohn- und Zentrumsgemeinde entwickelt.
Am 1. Februar 2025 waren 5'490 Personen mit Hauptwohnsitz in Kerzers registriert. Hinzu kamen 51 Personen mit Zweitwohnsitz.[5]
Das Bevölkerungswachstum hängt unter anderem mit der guten Verkehrslage zusammen. Arbeitsplätze in Bern, Murten, Neuenburg, Biel und anderen Orten des Mittellandes sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto gut erreichbar.
Gleichzeitig verfügt Kerzers selbst über zahlreiche Arbeitsplätze im Gewerbe, in der Landwirtschaft, im Gemüsehandel, in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben.
Sprache
Kerzers ist eine überwiegend deutschsprachige Gemeinde. Der traditionelle Dialekt ist dem Berndeutschen nahe.
Diese sprachliche Situation erklärt sich auch historisch durch die jahrhundertelange gemeinsame Verwaltung des Murtenbiets durch Bern und Freiburg sowie durch die unmittelbare geografische Nähe zum Kanton Bern.
Der Seebezirk ist dagegen insgesamt zweisprachig. In mehreren Gemeinden und besonders in Murten beziehungsweise Morat sind Deutsch und Französisch im Alltag präsent.
Der französische Name von Kerzers lautet Chiètres. Er wird vor allem im französischsprachigen Kontext verwendet.
Politik und Verwaltung
Die politischen Organe der Gemeinde sind die Gemeindeversammlung und der Gemeinderat.
Die Gemeindeversammlung bildet das beschlussfassende Organ der stimmberechtigten Bevölkerung. Sie entscheidet unter anderem über Budget, Rechnung, grössere Investitionen und kommunale Reglemente.
Der Gemeinderat ist die Exekutive und besteht aus sieben Mitgliedern. Die Legislaturperiode dauert im Kanton Freiburg fünf Jahre.[6]
Für die Legislaturperiode 2026–2031 setzt sich der Gemeinderat aus folgenden Personen zusammen:
- Andrea Kaufmann – Gemeindepräsidentin, Ressort Präsidiales
- Adrian Tschachtli – Vizeammann, Ressort Tiefbau
- Jörg Bönzli – Ressort Finanzen
- Corinne Nippel – Ressort Planung
- Evelyne Aubry – Ressort Bildung
- Christian Neuhaus – Ressort Umwelt, Kultur und Freizeit
- Michelle Stirnimann – Ressort Soziales und Gesellschaft
Die Gemeindeverwaltung befindet sich am Herresrain 1.
Wirtschaft
Die Wirtschaft von Kerzers besitzt eine ungewöhnlich starke Verbindung zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Gewerbe und Verkehr.
Landwirtschaft und Gemüsebau
Die Landwirtschaft prägt grosse Teile des Gemeindegebiets. Besonders bedeutend ist der Gemüsebau im Grossen Moos.[1]
Die landwirtschaftlichen Betriebe haben sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts stark spezialisiert. Während früher Viehhaltung, Milchwirtschaft und klassischer Ackerbau eine grössere Rolle spielten, konzentrieren sich viele Betriebe heute auf Gemüse und andere intensive Kulturen.
Durch die Nähe zu grossen Verkehrsachsen können frische Produkte rasch zu Verteilzentren, Detailhändlern und Grossverbrauchern in der ganzen Schweiz transportiert werden.
Gewerbe und Industrie
Kerzers besitzt grössere Gewerbe- und Industriegebiete. Dort befinden sich Betriebe aus den Bereichen Lebensmittelhandel, Logistik, Bau, Handwerk, Technik und verschiedenen Dienstleistungen.
Die Kombination aus Autobahnanschluss, Eisenbahnknoten und verfügbaren Gewerbeflächen hat die Entwicklung als Wirtschaftsstandort begünstigt.[1]
Daneben verfügt der Dorfkern über Detailhandel, Gastronomie und verschiedene lokale Dienstleistungsunternehmen.
Wohngemeinde
Kerzers ist gleichzeitig eine bedeutende Wohngemeinde für Pendler. Besonders die direkten Bahnverbindungen in Richtung Bern und Neuenburg sowie die Strassenverbindungen machen den Ort für Personen attraktiv, die ausserhalb der Gemeinde arbeiten.
Die starke Wohnbautätigkeit führte zu einer deutlichen Erweiterung des Siedlungsgebiets. Die Raumplanung steht deshalb vor der Aufgabe, weiteres Wachstum mit dem Schutz des Kulturlandes und der bestehenden Dorfstruktur zu vereinbaren.
Verkehr
Kerzers ist für eine Gemeinde seiner Grösse aussergewöhnlich gut an das Verkehrsnetz angeschlossen.
Eisenbahn
Der Bahnhof Kerzers ist ein regional bedeutender Eisenbahnknoten. Hier treffen die Bahnstrecken Bern–Neuenburg und Lyss–Payerne aufeinander.[7]
Im Fahrplanjahr 2026 wird Kerzers unter anderem durch Linien der S-Bahn Bern bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Bern, Neuenburg, Murten, Payerne, Ins und Lyss.[8]
Die Eisenbahn besitzt für Kerzers seit dem späten 19. Jahrhundert eine wichtige wirtschaftliche und siedlungspolitische Bedeutung.
Schienenkreuz Kerzers
Eine technische Besonderheit befindet sich unmittelbar südwestlich des Bahnhofs. Dort kreuzen sich die Bahnlinien Lyss–Payerne und Bern–Neuenburg niveaugleich.
Nach Angaben der Gemeinde handelt es sich um das einzige normalspurige Schienenkreuz dieser Art in der Schweiz.[7]
An derselben Stelle steht ein historisches Stellwerk aus dem Jahr 1901. Das ehemalige Stellwerk wird als Museumsanlage erhalten und erinnert an die Entwicklung der Eisenbahntechnik in Kerzers.
Das Schienenkreuz und das Stellwerk gehören zu den besonderen verkehrsgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten der Gemeinde.
Haltestelle Kerzers Papiliorama
Neben dem Hauptbahnhof besitzt Kerzers die Bahnhaltestelle Kerzers Papiliorama. Sie liegt unmittelbar beim Papiliorama und ermöglicht eine direkte Anreise mit dem öffentlichen Verkehr.
Die Haltestelle liegt an der Bahnstrecke in Richtung Lyss und ist vor allem für Besucher des zoologischen Erlebniszentrums von Bedeutung.
Strassenverkehr
Kerzers liegt nahe der Autobahn A1, einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen der Schweiz.
Über die Autobahn bestehen gute Verbindungen nach Bern, Murten, Payerne, Yverdon-les-Bains und weiter in die Genferseeregion. Regionalstrassen verbinden Kerzers ausserdem mit den umliegenden Gemeinden des Freiburger und Berner Seelands.
Papiliorama
Die bekannteste touristische Attraktion von Kerzers ist das Papiliorama.
Das naturkundliche und zoologische Erlebniszentrum befand sich ursprünglich in Marin im Kanton Neuenburg. 2003 wurden das neue Papiliorama und das Nocturama in Kerzers für das Publikum eröffnet.[9]
In grossen Tropenkuppeln können Besucher frei fliegende Schmetterlinge, tropische Pflanzen und verschiedene Tierarten beobachten.
Zum Komplex gehören unter anderem:
- das eigentliche Papiliorama mit tropischen Schmetterlingen
- das Nocturama mit nachtaktiven Tieren
- der Jungle Trek
- Anlagen zur einheimischen Tier- und Pflanzenwelt
- Natur- und Kinderspielbereiche
2008 wurde mit dem Jungle Trek die dritte grosse Tropenkuppel eröffnet.[9]
Das Papiliorama ist über die Region hinaus bekannt und gehört zu den bedeutenden touristischen Einrichtungen des Freiburger Seelands.
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche Kerzers steht an einem historisch besonders alten Siedlungsplatz.
Archäologische und historische Hinweise reichen bis ins Frühmittelalter zurück. Eine Kirche ist im 12. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Teile früherer Vorgängerbauten konnten archäologisch festgestellt werden.[3]
Während des Laupenkriegs von 1339 und erneut während der Burgunderkriege wurde das Gotteshaus beschädigt beziehungsweise zerstört und anschliessend wieder aufgebaut.
Der heutige Bau enthält verschiedene historische Bauteile. Besonders bedeutend sind der spätgotische Chor sowie Ausstattungs- und Bauelemente aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Seit der Annahme der Reformation 1530 dient die Kirche der reformierten Kirchgemeinde.
Burgstatthäuser
Zu den kulturhistorisch bemerkenswerten Gebäuden gehören die Burgstatthäuser im alten Dorfbereich.
Sie erinnern an die frühere Struktur von Kerzers als landwirtschaftlich und handwerklich geprägter Markt- und Durchgangsort. Die historischen Gebäude wurden erhalten und restauriert und sind Teil des lokalen kulturellen Erbes.
Die Gemeinde hat sich im Rahmen ihrer ortsgeschichtlichen Arbeit ausführlich mit der Entstehung und Renovation der Burgstatthäuser beschäftigt.[4]
Bildung
Kerzers besitzt ein regional bedeutendes Schulangebot. Neben Kindergärten und Primarschulen bestehen Einrichtungen für die Sekundarstufe.
Die Schulen werden auch von Kindern und Jugendlichen aus umliegenden Gemeinden besucht. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wurden die schulischen Anlagen in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erweitert.
Zum Bildungs- und Betreuungsangebot gehören ausserdem Tagesstrukturen, Kindertagesstätten, Spielgruppen, eine Bibliothek sowie Angebote der Kinder- und Jugendarbeit.
Für weiterführende Schulen und Berufsbildung bestehen gute Verkehrsverbindungen nach Murten, Freiburg, Bern und in andere regionale Zentren.
Kultur und Freizeit
Kerzers verfügt über ein vielfältiges Vereinsleben. Sport-, Musik-, Kultur- und Freizeitvereine tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Leben der Gemeinde bei.
Zu den öffentlichen Einrichtungen gehören unter anderem die Seelandhalle, Sportanlagen, ein Schwimmbad, eine Eisbahn, die Gemeindebibliothek sowie verschiedene Räume und Anlagen für Vereine und Veranstaltungen.
In der landwirtschaftlich geprägten Umgebung bestehen zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und Velofahren. Das ebene Grosse Moos eignet sich besonders für Velotouren und verbindet Kerzers mit Murten, dem Neuenburgersee, dem Bielersee und zahlreichen Orten im Seeland.
Natur und Landschaft
Obwohl grosse Teile des Gemeindegebiets intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, besitzt Kerzers auch Waldflächen und naturnahe Bereiche.
Der Hubelwald bildet mit 542 Metern den höchsten Punkt der Gemeinde.[2]
Das Grosse Moos ist eine vom Menschen stark veränderte Kulturlandschaft. Gleichzeitig befinden sich im weiteren Seeland bedeutende Feuchtgebiete und Vogellebensräume. Die Region liegt auf wichtigen Zugrouten zahlreicher Vogelarten.
Das Papiliorama engagiert sich auf seinem Gelände zusätzlich für die Förderung der regionalen Biodiversität und zeigt neben tropischen Ökosystemen auch einheimische Tiere und Pflanzen.
Religion
Kerzers ist historisch eine reformierte Gemeinde. Die Einführung der Reformation erfolgte 1530 unter dem starken politischen und kirchlichen Einfluss Berns.[4]
Durch Bevölkerungswachstum und Migration hat sich die konfessionelle Zusammensetzung seit dem 20. Jahrhundert deutlich verändert. Heute leben in Kerzers neben Angehörigen der reformierten und römisch-katholischen Kirchen auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften sowie viele konfessionslose Personen.
Neben der reformierten Kirche besteht in Kerzers auch eine römisch-katholische Kirche.
Bedeutung als regionales Zentrum
Kerzers nimmt innerhalb des östlichen Seebezirks eine wichtige Zentrumsfunktion ein.
Dazu tragen die Bevölkerungsgrösse, das Schulangebot, Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Einrichtungen, Gewerbe- und Industriebetriebe sowie insbesondere die gute Verkehrsanbindung bei.
Die Lage an der Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Bern führt dazu, dass sich der funktionale Einzugsbereich nicht an den Kantonsgrenzen orientiert. Kerzers ist wirtschaftlich und verkehrstechnisch sowohl mit dem Freiburger Seebezirk als auch mit dem bernischen Seeland und der Agglomeration Bern verbunden.
Damit besitzt die Gemeinde trotz ihrer klaren politischen Zugehörigkeit zum Kanton Freiburg eine ausgeprägt interkantonale Orientierung.
Besonderheiten
Kerzers verbindet mehrere für die Schweizer Entwicklung typische Landschafts- und Siedlungselemente auf engem Raum.
Das historische Dorf entstand an einer alten Verkehrsroute, die bereits in römischer Zeit genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert veränderten die Entwässerung des Grossen Mooses und der Eisenbahnbau die wirtschaftlichen Voraussetzungen grundlegend. Im 20. Jahrhundert kamen Nationalstrasse, Industrie- und Gewerbezonen sowie neue Wohnquartiere hinzu.
Gleichzeitig blieb der Gemüsebau ein sichtbarer und wirtschaftlich wichtiger Bestandteil der Gemeinde.
Mit dem Papiliorama besitzt Kerzers zudem eine Sehenswürdigkeit von überregionaler Bedeutung. Das historische Schienenkreuz macht die Gemeinde auch für Eisenbahninteressierte zu einem besonderen Ziel.
Siehe auch
- Seebezirk
- Kanton Freiburg
- Grosses Moos
- Seeland (Schweiz)
- Papiliorama
- Bahnhof Kerzers
- Murten
- Ried bei Kerzers
- Fräschels
- Juragewässerkorrektion
Literatur
- Gemeinde Kerzers: Beiträge zur Ortsgeschichte. Kerzers.
- Hans Herren: Kerzers. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Kerzers
- Geschichte der Gemeinde Kerzers
- Zahlen und Fakten der Gemeinde Kerzers
- Kerzers im Historischen Lexikon der Schweiz
- Offizielle Website des Papilioramas
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Portrait. In: Gemeinde Kerzers. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Zahlen und Fakten. In: Gemeinde Kerzers. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Kerzers. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Geschichte. In: Gemeinde Kerzers. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Gemeindeinformationen – Einwohnerstatistik per 1. Februar 2025. In: Gemeinde Kerzers. 2025-03-05. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Gemeinderat. In: Gemeinde Kerzers. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 7,0 7,1 Sehenswürdigkeiten – Das Schienenkreuz. In: Gemeinde Kerzers. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Die Linien der BLS. In: BLS AG. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 9,0 9,1 Geschichte. In: Papiliorama. Abgerufen am 2026-08-09.
Wikimedia Commons: Medien zu Kerzers