Grüne Schweiz

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GRÜNE Schweiz
Deutscher Name GRÜNE Schweiz
Französischer Name Les VERT·E·S suisses
Italienischer Name VERDI svizzera
Rätoromanischer Name VERDA Svizra
Abkürzung GRÜNE, G
Gründung 28. Mai 1983
Sitz Bern
Präsidentin Lisa Mazzone
Fraktionspräsidentin Greta Gysin
Generalsekretär Luzian Franzini
Politische Ausrichtung grüne Politik, Ökologie, soziale Gerechtigkeit, progressive Gesellschaftspolitik
Nationalrat 23 Sitze
Ständerat 3 Sitze
Jugendorganisation Junge Grüne Schweiz
Website gruene.ch

Die GRÜNEN Schweiz sind eine schweizerische politische Partei mit einem Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimapolitik, sozialer Gerechtigkeit, Menschenrechten und einer nachhaltigen Wirtschaft. Die Partei bezeichnet sich in ihren Statuten auf Deutsch als «GRÜNE Schweiz», auf Französisch als «Les VERT·E·S suisses», auf Italienisch als «VERDI svizzera» und auf Rätoromanisch als «VERDA Svizra». Ihr Sitz befindet sich in Bern.[1]

Die nationale Partei wurde 1983 als Föderation der grünen Parteien der Schweiz gegründet und nahm 1986 den Namen Grüne Partei der Schweiz an.[2]

Die GRÜNEN gehören zu den etablierten Parteien des schweizerischen Parteiensystems. Bei den Nationalratswahlen 2023 erreichten sie einen gesamtschweizerischen Wähleranteil von 9,8 Prozent.[3]

In der Bundesversammlung bilden sie eine eigene Grüne Fraktion. Im Jahr 2026 gehören dieser 23 Mitglieder des Nationalrats und drei Mitglieder des Ständerats an.[4]

Parteipräsidentin ist seit 2024 die ehemalige Genfer Ständerätin Lisa Mazzone.[5]

Geschichte

= Entstehung der grünen Bewegung

Die Entstehung der Schweizer Grünen ist eng mit den Umwelt-, Anti-Atomkraft-, Friedens-, Frauen- und gesellschaftlichen Reformbewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre verbunden.

Eine wichtige frühe Entwicklung fand im Kanton Neuenburg statt. Ende der 1960er-Jahre planten die Behörden, die Nationalstrasse N5 entlang des Seeufers durch das Stadtgebiet von Neuenburg zu führen. Gegen das Vorhaben bildete sich eine Bürgerbewegung, die innerhalb weniger Monate rund 5000 Unterschriften sammelte.[2]

Aus solchen lokalen Umweltbewegungen entstanden in verschiedenen Kantonen politische Gruppierungen, die erstmals ökologische Anliegen ausdrücklich ins Zentrum ihrer Programme stellten.

1971 wurde im Kanton Neuenburg eine erste grüne Gruppierung gegründet, die später im Mouvement populaire pour l'environnement aufging.

Bei den eidgenössischen Wahlen 1979 gelang mit Daniel Brélaz aus dem Kanton Waadt erstmals einem Vertreter einer grünen Partei der Einzug in den Nationalrat. Er gilt als einer der ersten grünen Abgeordneten eines nationalen Parlaments weltweit.

= Gründung 1983

Zu Beginn der 1980er-Jahre existierten in mehreren Kantonen grüne und alternative Gruppierungen. Es bestanden jedoch erhebliche politische Unterschiede zwischen eher gemässigt-ökologischen Parteien und stärker links-alternativ ausgerichteten Bewegungen.

Im Januar 1983 begannen Gespräche über die Bildung einer gesamtschweizerischen Organisation.

Die Verhandlungen scheiterten im Mai 1983 insbesondere an unterschiedlichen Positionen zur Armee sowie an grundlegenden politischen und organisatorischen Fragen.[2]

Am 28. Mai 1983 gründeten Vertreterinnen und Vertreter mehrerer kantonaler Parteien in Freiburg die Föderation der grünen Parteien der Schweiz.

Zu den Gründungsorganisationen gehörten unter anderem grüne Parteien aus Genf, Waadt, Zürich, Neuenburg und der Nordwestschweiz.[2]

Zwei Wochen später gründeten links-alternative Gruppierungen eine separate Organisation unter dem Namen Grüne Alternative Schweiz.

Bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober 1983 erreichte die Föderation der grünen Parteien 1,7 Prozent der Stimmen und zunächst drei Sitze im Nationalrat. Durch den späteren Beitritt der Freien Liste Bern erhöhte sich die Zahl auf vier Sitze.[2]

= Grüne Partei der Schweiz

Die Organisation wuchs in den folgenden Jahren durch den Beitritt weiterer kantonaler Parteien.

1985 wählte die Partei mit Monica Zingg als erste gesamtschweizerische Partei eine Frau an ihre Spitze.[2]

1986 änderte die Föderation ihren Namen in Grüne Partei der Schweiz (GPS).

Im selben Jahr prägten zwei schwere Umweltkatastrophen die politische Diskussion: die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und der Grossbrand im Chemielager von Schweizerhalle bei Basel.

Bei den eidgenössischen Wahlen 1987 erreichte die Grüne Partei 5,1 Prozent der Stimmen und neun Mandate im Nationalrat.[2]

Im selben politischen Umfeld wurde die Rothenthurm-Initiative zum Schutz der Schweizer Moore angenommen. Der Erfolg der Initiative galt als wichtiger Meilenstein für die schweizerische Umweltbewegung.

= Wahlerfolg 1991

Bei den Nationalratswahlen 1991 steigerten die Grünen ihren Wähleranteil auf 6,1 Prozent und gewannen 14 Sitze.[2]

Die Grüne Fraktion war damals die erste Fraktion in der Bundesversammlung mit einer Mehrheit von Frauen.

Im September 1993 änderte die Partei ihren Namen in Grüne – Grüne Partei der Schweiz und führte gleichzeitig ein neues Erscheinungsbild ein.[2]

In den 1990er-Jahren mussten die Grünen zeitweise Stimmen- und Sitzverluste hinnehmen. Gleichzeitig wurden die unterschiedlichen Strömungen der grünen Bewegung zunehmend organisatorisch zusammengeführt.

= Konsolidierung seit den 1990er-Jahren

In den folgenden Jahren traten weitere kantonale grüne und alternative Gruppierungen der nationalen Partei bei.

Damit entwickelte sich aus mehreren regional unterschiedlichen ökologischen Bewegungen eine landesweit organisierte Partei.

Die Themenpalette wurde gleichzeitig breiter. Neben klassischem Natur- und Umweltschutz erhielten Klimapolitik, soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung, Migration, Menschenrechte, Verkehrspolitik und nachhaltige Wirtschaft grössere Bedeutung.

= Aufschwung nach 2003

Ab den eidgenössischen Wahlen 2003 erlebten die Grünen eine Phase deutlicher Wahlerfolge.

Besonders die zunehmende politische Bedeutung von Klimawandel, Energiepolitik und nachhaltigem Verkehr stärkte die Partei.

Bei den Nationalratswahlen 2007 erreichten die Grünen 9,6 Prozent der Stimmen und 20 Sitze.

Damit erzielten sie damals ihr bis dahin bestes Ergebnis.

Die Partei diskutierte daraufhin verstärkt über einen Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat, blieb aber weiterhin ohne eigene Vertretung in der Landesregierung.

= Entwicklung 2011 bis 2018

Bei den Wahlen 2011 und 2015 verloren die Grünen einen Teil ihrer zuvor gewonnenen Stimmen und Mandate.

Gleichzeitig lancierten oder unterstützten sie mehrere nationale Volksinitiativen zu Umwelt- und Energiefragen.

Zu den politischen Schwerpunkten dieser Zeit gehörten:

  • Energiewende;
  • Atomausstieg;
  • nachhaltige Raumplanung;
  • Ressourceneffizienz;
  • Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen;
  • Gleichstellung;
  • soziale Rechte.

2013 wurde mit Maya Graf erstmals eine Vertreterin der Grünen zur Nationalratspräsidentin gewählt.

Klimawahl 2019

Die eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 wurden stark durch die öffentliche Diskussion über den Klimawandel geprägt.

In den Monaten zuvor hatten in der Schweiz regelmässig grosse Klimademonstrationen stattgefunden. Besonders Jugendliche beteiligten sich im Rahmen der internationalen Klimastreikbewegung.

Die Grünen erzielten bei den Wahlen einen historischen Erfolg.

Ihr Wähleranteil stieg auf rund 13,2 Prozent. Die Partei gewann 28 Sitze im Nationalrat und wurde zur viertstärksten politischen Kraft des Landes.

Zusammen mit den Grünliberalen erzielten ökologische Parteien einen besonders starken Stimmenzuwachs.

Der Wahlerfolg führte erneut zu Forderungen nach einer Vertretung der Grünen im Bundesrat.

Fraktionspräsidentin Regula Rytz kandidierte im Dezember 2019 gegen FDP-Bundesrat Ignazio Cassis, wurde jedoch nicht gewählt.

Eidgenössische Wahlen 2023

Bei den eidgenössischen Wahlen vom 22. Oktober 2023 verloren die Grünen einen Teil der 2019 gewonnenen Stimmen.

Nach der korrigierten Berechnung des Bundesamtes für Statistik betrug der gesamtschweizerische Wähleranteil 9,8 Prozent.[3]

Die Grünen erhielten 23 der 200 Sitze im Nationalrat.

Trotz der Verluste gegenüber 2019 blieb die Partei deutlich stärker als vor dem grossen Wahlerfolg von 2019.

Organisation

Die GRÜNEN Schweiz sind als Verein nach Artikel 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches organisiert und haben ihren Sitz in Bern.[1]

Nach ihren Statuten bilden sie eine Föderation von Bewegungen, Netzwerken und politischen Parteien auf kantonaler und nationaler Ebene.[1]

Zu den wichtigsten Organen gehören:

  • Delegiertenversammlung;
  • Vorstand;
  • Geschäftsleitung;
  • Parteipräsidium;
  • Generalsekretariat;
  • Bundeshausfraktion.

Die Delegiertenversammlung ist ein zentrales Beschlussorgan der Partei.

Sie beschliesst unter anderem über politische Positionen, Programme, Statutenänderungen und Abstimmungsparolen.

Präsidium

Die Parteipräsidentin beziehungsweise ein mögliches Co-Präsidium koordiniert das Parteipräsidium.

Nach den Statuten wird das Präsidium von der Delegiertenversammlung jeweils für zwei Jahre gewählt.[1]

Seit 2024 ist Lisa Mazzone Präsidentin der GRÜNEN Schweiz.

Sie war zuvor unter anderem Nationalrätin und von 2019 bis 2023 Ständerätin des Kantons Genf.

Im März 2026 bestätigte die Delegiertenversammlung Lisa Mazzone im Amt.[6]

Zum Vizepräsidium gehören 2026:

  • Sibel Arslan;
  • Samantha Bourgoin;
  • Magdalena Erni;
  • Marionna Schlatter;
  • Michael Töngi;
  • Léonore Porchet.

Generalsekretär ist Luzian Franzini.[5]

Bundeshausfraktion

Die Grünen bilden in der Bundesversammlung eine eigene Fraktion.

Im Jahr 2026 besteht die Grüne Fraktion aus insgesamt 26 Mitgliedern:

  • 23 Nationalrätinnen und Nationalräten;
  • 3 Ständerätinnen und Ständeräten.

Von den 26 Fraktionsmitgliedern sind 16 Frauen und 10 Männer.[4]

Fraktionspräsidentin ist seit Frühjahr 2026 die Tessiner Nationalrätin Greta Gysin.[4]

Im Ständerat gehören 2026 folgende drei Mitglieder zur Grünen Fraktion:

Kantonalparteien

Die nationale Organisation besteht aus kantonalen Parteien.

2026 verfügen die Grünen über Kantonalparteien beziehungsweise angeschlossene Organisationen in fast allen Kantonen.

Auf der offiziellen Website werden Kantonalparteien in folgenden Kantonen aufgeführt:

  • Aargau;
  • Appenzell Ausserrhoden;
  • Appenzell Innerrhoden;
  • Basel-Landschaft;
  • Basel-Stadt;
  • Bern;
  • Freiburg;
  • Genf;
  • Glarus;
  • Graubünden;
  • Jura;
  • Luzern;
  • Neuenburg;
  • Nidwalden;
  • Obwalden;
  • Schaffhausen;
  • Schwyz;
  • Solothurn;
  • St. Gallen;
  • Tessin;
  • Thurgau;
  • Uri;
  • Waadt;
  • Wallis;
  • Zug;
  • Zürich.[7]

Die kantonalen Parteien besitzen aufgrund des föderalistischen politischen Systems der Schweiz beträchtliche Eigenständigkeit.

Sie treten zu kantonalen und kommunalen Wahlen an und können bei einzelnen politischen Fragen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Junge Grüne

Die Jungen Grünen Schweiz bilden die Jugendorganisation der Partei.

Sie verfügen über eigene kantonale und regionale Sektionen und treten teilweise mit eigenen Listen zu Wahlen an.

Politisch positionieren sich die Jungen Grünen häufig stärker links und gesellschaftspolitisch progressiver als die Mutterpartei.

Sie beteiligen sich an Volksinitiativen, Referenden, Demonstrationen und politischen Kampagnen.

Nach den Statuten der GRÜNEN Schweiz besitzen die Jungen Grünen eine institutionelle Stellung innerhalb der Gesamtpartei.

Politische Ausrichtung

Die GRÜNEN verbinden ökologische Politik mit sozialen und gesellschaftspolitisch progressiven Positionen.

Die Partei beschreibt ihre Grundhaltung mit den Leitgedanken:

  • ökologisch konsequent;
  • sozial engagiert;
  • global solidarisch.[8]

Im schweizerischen Parteienspektrum werden die Grünen üblicherweise dem linken bis mitte-links orientierten Lager zugerechnet.

In gesellschaftspolitischen Fragen vertreten sie häufig liberale beziehungsweise progressive Positionen.

Umwelt- und Klimapolitik

Umwelt- und Klimaschutz bilden den historischen Kern der Partei.

Zu den zentralen Forderungen gehören:

  • deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen;
  • Ausstieg aus fossilen Energieträgern;
  • Ausbau erneuerbarer Energien;
  • höhere Energieeffizienz;
  • Schutz der Biodiversität;
  • Schutz von Böden, Gewässern und Landschaften;
  • nachhaltige Landwirtschaft;
  • Kreislaufwirtschaft;
  • sparsame Nutzung natürlicher Ressourcen.

Die Partei betrachtet Klimapolitik nicht nur als Umweltfrage, sondern auch als wirtschaftliche und soziale Aufgabe.[8]

Sie setzt sich für einen beschleunigten Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energiequellen ein.

Energiepolitik

Die Grünen gehören seit ihrer Gründung zu den stärksten Gegnern der Kernenergie im schweizerischen Parteiensystem.

Sie setzen sich für den langfristigen Ausstieg aus bestehenden Atomkraftwerken und gegen den Bau neuer Kernkraftwerke ein.

Stattdessen unterstützen sie insbesondere:

  • Solarenergie;
  • Windenergie;
  • Wasserkraft unter Berücksichtigung des Naturschutzes;
  • Energieeffizienz;
  • Gebäudesanierungen;
  • Wärmepumpen;
  • Speicherung und intelligente Energienetze.

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 erhielt die Forderung nach einer Energiewende zusätzliche politische Bedeutung.

Verkehrspolitik

Die Grünen setzen sich für eine Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel ein.

Dazu gehören insbesondere:

  • öffentlicher Verkehr;
  • Fussverkehr;
  • Veloverkehr;
  • Güterverkehr auf der Schiene.

Der motorisierte Individualverkehr soll nach Auffassung der Partei stärker auf emissionsarme oder emissionsfreie Antriebe umgestellt und insgesamt ressourcenschonender organisiert werden.

Beim Flugverkehr befürworten die Grünen Massnahmen zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen.

Natur- und Landschaftsschutz

Der Schutz von Landschaften und Ökosystemen gehört zu den ältesten politischen Themen der Partei.

Die Grünen engagieren sich unter anderem für:

  • Schutz gefährdeter Arten;
  • Erhalt natürlicher Lebensräume;
  • Renaturierung von Flüssen und Bächen;
  • Schutz von Mooren;
  • Begrenzung der Zersiedelung;
  • nachhaltige Waldwirtschaft.

Der Erfolg der Rothenthurm-Initiative von 1987 gilt als ein frühes Symbol der schweizerischen grünen Bewegung.

Sozialpolitik

Die Grünen verbinden ihre Umweltpolitik mit sozialpolitischen Forderungen.

Sie vertreten unter anderem:

  • gute öffentliche Sozialversicherungen;
  • Zugang zu bezahlbarer Gesundheitsversorgung;
  • Armutsbekämpfung;
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf;
  • Unterstützung von Familien;
  • bezahlbaren Wohnraum;
  • soziale Absicherung bei wirtschaftlichen Veränderungen.

Klimapolitische Massnahmen sollen nach Auffassung der Partei so gestaltet werden, dass Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen nicht unverhältnismässig belastet werden.

Gleichstellung

Die Gleichstellung der Geschlechter besitzt innerhalb der Partei traditionell hohe Bedeutung.

Bereits 1985 wählte die damalige Föderation der Grünen Parteien der Schweiz mit Monica Zingg eine Frau zur Parteipräsidentin.[2]

1991 verfügte die Grüne Bundeshausfraktion als erste Fraktion über eine Frauenmehrheit.

Die Grünen setzen sich unter anderem ein für:

  • Lohngleichheit;
  • bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienarbeit;
  • Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt;
  • politische und gesellschaftliche Gleichstellung;
  • Rechte von LGBTQ-Personen.

Gesellschaftspolitik

In gesellschaftspolitischen Fragen vertreten die Grünen überwiegend progressive Positionen.

Die Partei setzt sich für den Schutz individueller Freiheits- und Menschenrechte sowie gegen Diskriminierung ein.[8]

Sie unterstützt eine offene Gesellschaft und eine stärkere politische und gesellschaftliche Teilhabe verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Migration und Asyl

Die Grünen vertreten im Vergleich zu den bürgerlichen Parteien eine liberalere Migrations- und Asylpolitik.

Sie setzen sich für die Einhaltung internationaler Menschenrechts- und Flüchtlingsstandards ein.

Zu den politischen Forderungen gehören insbesondere:

  • menschenwürdige Asylverfahren;
  • Integration von Migrantinnen und Migranten;
  • Schutz besonders gefährdeter Flüchtlinge;
  • erleichterte gesellschaftliche und politische Teilhabe.

Wirtschaftspolitik

Die Grünen streben eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsordnung an.

Wirtschaftliches Wachstum soll nach ihrer Auffassung nicht auf einem ständig steigenden Verbrauch natürlicher Ressourcen beruhen.

Die Partei unterstützt Investitionen in:

  • erneuerbare Energien;
  • öffentliche Infrastruktur;
  • klimafreundliche Technologien;
  • Kreislaufwirtschaft;
  • Energieeffizienz;
  • nachhaltige Mobilität.

Gleichzeitig unterstützt sie einen vergleichsweise starken Sozialstaat und Arbeitnehmerrechte.

Aussenpolitik

Die Grünen vertreten eine internationalistische Ausrichtung.

Sie unterstützen internationale Zusammenarbeit, Menschenrechte, Friedenspolitik und Klimaschutz auf globaler Ebene.

Die Partei befürwortet grundsätzlich eine engere Zusammenarbeit der Schweiz mit der Europäischen Union und anderen internationalen Institutionen.

Sie tritt für internationales Recht und multilaterale Organisationen ein.

Direkte Demokratie

Wie andere Schweizer Parteien beteiligen sich die Grünen intensiv an den Instrumenten der direkten Demokratie.

Sie lancieren oder unterstützen:

  • Volksinitiativen;
  • Referenden;
  • kantonale Initiativen;
  • kommunale Abstimmungen.

Umweltpolitische Anliegen konnten in der Schweiz wiederholt über Volksabstimmungen auf die nationale politische Agenda gebracht werden.

Verhältnis zu anderen Parteien

Auf nationaler Ebene arbeiten die Grünen häufig mit der SP zusammen.

Gemeinsame Positionen bestehen insbesondere bei:

  • Sozialpolitik;
  • Klimapolitik;
  • Gleichstellung;
  • Arbeitnehmerrechten;
  • Migrationspolitik.

In Umweltfragen bestehen teilweise auch Überschneidungen mit der Grünliberalen Partei.

Die beiden Parteien unterscheiden sich jedoch deutlich in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Die Grünliberalen vertreten eine stärker marktwirtschaftliche Ausrichtung, während die Grünen stärkere staatliche und sozialpolitische Eingriffe befürworten.

Verhältnis zum Bundesrat

Die Grünen gehören zu den grössten Parteien der Schweiz, sind jedoch nicht im Bundesrat vertreten.

Besonders nach dem Wahlerfolg von 2019 forderte die Partei eine Veränderung der traditionellen parteipolitischen Zusammensetzung des Bundesrates.

Im Dezember 2019 kandidierte Regula Rytz gegen FDP-Bundesrat Ignazio Cassis, blieb jedoch erfolglos.

Die Frage einer grünen Bundesratsvertretung wird insbesondere nach starken Wahlergebnissen regelmässig diskutiert.

Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten

Im Lauf ihrer Geschichte wurde die Partei von verschiedenen Persönlichkeiten geführt.

Zu den bekannten Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten gehören unter anderem:

  • Monica Zingg;
  • Hanspeter Thür;
  • Ruedi Baumann;
  • Ruth Genner;
  • Ueli Leuenberger;
  • Adèle Thorens Goumaz;
  • Regula Rytz;
  • Balthasar Glättli;
  • Lisa Mazzone.

Lisa Mazzone übernahm das Präsidium 2024 von Balthasar Glättli und wurde im März 2026 für eine weitere Amtsperiode bestätigt.[6]

Parteistärke bei Nationalratswahlen

Die Wahlergebnisse zeigen den langfristigen Aufstieg der Grünen von einer kleinen Umweltbewegung zu einer der bedeutenden politischen Parteien der Schweiz.

Wahljahr Wähleranteil Sitze im Nationalrat
1983 1,7 % 3
1987 5,1 % 9
1991 6,1 % 14
2007 9,6 % 20
2019 13,2 % 28
2023 9,8 % 23

Die Angaben für die frühen Wahljahre beziehen sich auf die jeweilige nationale grüne Parteiorganisation. Aufgrund von Abspaltungen, Zusammenschlüssen und unterschiedlichen kantonalen Listen sind historische Vergleiche teilweise nur eingeschränkt möglich.[2]

Internationale Zusammenarbeit

Die GRÜNEN Schweiz sind Teil der internationalen grünen Parteienfamilie.

Sie arbeiten mit grünen Parteien aus anderen europäischen Staaten zusammen und beteiligen sich an internationalen politischen Netzwerken.

Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere:

  • Klimaschutz;
  • Biodiversität;
  • Menschenrechte;
  • Frieden;
  • soziale Gerechtigkeit;
  • nachhaltige Wirtschaft.

Auf europäischer Ebene bestehen enge Beziehungen zur Europäischen Grünen Partei.

Parteisitz

Das Generalsekretariat befindet sich am:

Waisenhausplatz 21
3011 Bern

Von dort werden die nationale Parteiorganisation, Kommunikation, politische Kampagnen und die Zusammenarbeit mit den Kantonalparteien koordiniert.[7]

Bedeutung

Die Grünen haben die schweizerische Politik insbesondere im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes nachhaltig geprägt.

Themen, die in den 1970er- und 1980er-Jahren vor allem von ökologischen Bewegungen vertreten wurden, gehören inzwischen zu zentralen politischen Fragen aller grossen Parteien.

Dazu zählen unter anderem:

  • Klimawandel;
  • erneuerbare Energien;
  • Biodiversität;
  • öffentlicher Verkehr;
  • nachhaltige Landwirtschaft;
  • Landschaftsschutz.

Die Grünen beeinflussten diese Entwicklung sowohl durch parlamentarische Arbeit als auch durch Volksinitiativen, Referenden und ausserparlamentarische Bewegungen.

Der historische Wahlerfolg von 2019 zeigte zugleich, dass Umwelt- und Klimapolitik in der Schweiz zeitweise zu den wichtigsten wahlentscheidenden Themen gehören können.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Statuten der GRÜNEN Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 Geschichte der GRÜNEN, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Nationalratswahlen 2023 – korrigierte nationale Parteistärken, Bundesamt für Statistik, 25. Oktober 2023, abgerufen am 25. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 GRÜNE im Bundeshaus, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Präsidium und Geschäftsleitung, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Fossilausstieg – Delegiertenversammlung vom 21. März 2026, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Kontakt und Kantonalparteien, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 Unsere Schwerpunkte, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 25. August 2026.

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