Geschichte des Kantons Basel-Landschaft

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Geschichte des Kantons Basel-Landschaft
Älteste menschliche Spuren Altsteinzeit
Gründung von Augusta Raurica 1. Jahrhundert v. Chr.
Aufbau des Basler Untertanengebiets 14. bis 16. Jahrhundert
Basel tritt der Eidgenossenschaft bei 1501
Einführung der Reformation 1529
Bauernkrieg auf der Basler Landschaft 1653
Gleichheitsurkunde von Stadt und Land 1798
Birseck kommt zum Kanton Basel 1815
Partialtrennung und erste Kantonsverfassung 1832
Schlacht an der Hülftenschanz 3. August 1833
Anerkennung der Totaltrennung 26. August 1833
Direktdemokratische Verfassung 1863
Frauenstimmrecht 1968
Ablehnung der Wiedervereinigung 1969
Beitritt des Laufentals 1. Januar 1994

Die Geschichte des Kantons Basel-Landschaft umfasst die Entwicklung des Gebietes im nordwestlichen Schweizer Jura, im Ergolz-, Birs- und Leimental sowie am Hochrhein von der Urgeschichte bis zum heutigen Kanton Basel-Landschaft. Der Kanton entstand 1832 und 1833 durch die Trennung des früheren Kantons Basel in die beiden Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt.

Das heutige Kantonsgebiet war historisch kein einheitlicher Raum. Die Landschaft um Liestal, Sissach, Waldenburg und Farnsburg gehörte seit dem Spätmittelalter zur Herrschaft der Stadt Basel. Das Birseck und Teile des Leimentals blieben dagegen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bestandteil des Fürstbistums Basel. Der Bezirk Laufen gehörte nach 1815 zum Kanton Bern und wurde erst 1994 Basel-Landschaft angeschlossen.

Die Geschichte des Kantons ist stark vom Verhältnis zwischen Stadt und Land geprägt. Während die Stadt Basel über Jahrhunderte die politische Herrschaft ausübte, verfügten die Bewohner der Landschaft nur über beschränkte Mitwirkungsrechte. Die Forderung nach Gleichberechtigung führte zwischen 1830 und 1833 zu einer politischen Revolution und schliesslich zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Nach der Kantonsgründung entwickelte sich Basel-Landschaft von einem überwiegend landwirtschaftlich und durch Heimarbeit geprägten Gebiet zu einem Industrie-, Dienstleistungs- und Agglomerationskanton. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung blieb dabei eng mit Basel und der grenzüberschreitenden Region am Oberrhein verbunden.[1]

Urgeschichte

Das Gebiet des heutigen Kantons Basel-Landschaft war bereits während der Altsteinzeit zeitweise von Menschen besiedelt. Die Lage zwischen dem Rheintal, dem Schweizer Mittelland und den Jurapässen begünstigte Wanderungen und den Austausch zwischen verschiedenen Regionen.

In Höhlen, Felsschutzdächern und auf offenen Siedlungsplätzen wurden Werkzeuge aus Feuerstein, Tierknochen und weitere Spuren von Jägern und Sammlern gefunden. Während der letzten Eiszeit war die Landschaft stark von Gletschern, Kälte und wechselnden Vegetationszonen geprägt.

Nach dem Rückzug der Gletscher breiteten sich Wälder aus. Menschen der Mittelsteinzeit nutzten das Gebiet zur Jagd, zum Fischfang und zum Sammeln von Pflanzen. Sie errichteten kleinere saisonale Lager an Flüssen, Quellen und geschützten Anhöhen.

Seit der Jungsteinzeit wurden Ackerbau und Viehzucht zur Grundlage der Ernährung. Die Bevölkerung gründete dauerhafte Siedlungen, rodete Wälder und hielt Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen.

Archäologische Funde aus dem Ergolztal, dem Birstal und dem Laufental belegen eine zunehmende Besiedlungsdichte. Werkzeuge aus geschliffenem Stein, Keramik, Webgewichte und Vorratsgruben geben Einblick in den Alltag der frühen bäuerlichen Gemeinschaften.

Während der Bronzezeit wurden Metallverarbeitung und Fernhandel bedeutender. Bronzegegenstände, Schmuck und Waffen gelangten über regionale und überregionale Handelswege in das Gebiet.

Eisenzeit und keltische Bevölkerung

In der Eisenzeit gehörte die Region zum Siedlungsgebiet der keltischen Rauriker. Ihr Gebiet erstreckte sich beidseits des Rheins und umfasste Teile der heutigen Nordwestschweiz, des Elsass und Südbadens.

Die Bevölkerung lebte in Dörfern, Einzelhöfen und befestigten Höhensiedlungen. Landwirtschaft, Viehzucht, Metallverarbeitung und Handel bildeten die wirtschaftliche Grundlage.

Bedeutende eisenzeitliche Siedlungs- und Befestigungsplätze bestanden unter anderem auf dem Wartenberg bei Muttenz, auf der Sissacher Fluh und an weiteren strategisch gelegenen Anhöhen.

Die Rauriker unterhielten Handelsbeziehungen mit anderen keltischen Gebieten sowie mit dem Mittelmeerraum. Importierte Keramik, Schmuck und Münzen belegen diese Verbindungen.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. geriet die Region zunehmend in den Einflussbereich des Römischen Reiches. Nach den römischen Eroberungen wurde das Gebiet in die neue politische und wirtschaftliche Ordnung integriert.

Augusta Raurica

Hauptartikel: Augusta Raurica

Das bedeutendste antike Zentrum auf dem Gebiet des heutigen Kantons war Augusta Raurica. Die römische Kolonie wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet der heutigen Gemeinden Augst und Kaiseraugst gegründet.

Die traditionelle Überlieferung verbindet die Gründung mit dem römischen Feldherrn Lucius Munatius Plancus und dem Jahr 44 v. Chr. Die planmässige Entwicklung der späteren Stadt setzte jedoch wahrscheinlich erst unter Kaiser Augustus um 15 v. Chr. ein.

Augusta Raurica lag an einem wichtigen Verkehrsknoten. Hier trafen die Nord-Süd-Verbindungen von Italien zum Rhein auf die West-Ost-Verbindungen zwischen Gallien, dem Donaugebiet und Rätien.

In ihrer Blütezeit während des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. lebten in der Stadt wahrscheinlich mehr als 10'000 Menschen. Augusta Raurica war ein regionales Verwaltungs-, Handels-, Gewerbe- und Kulturzentrum.[2]

Die Stadt besass ein Forum, Tempel, öffentliche Bäder, Theater, Werkstätten, Wohnquartiere und ein weitläufiges Strassennetz. Das römische Theater von Augst gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Monumenten der römischen Schweiz.

Handwerker verarbeiteten Metall, Knochen, Glas, Leder und Ton. Landwirtschaftliche Betriebe in der Umgebung versorgten die Stadt mit Getreide, Fleisch, Wein und weiteren Lebensmitteln.

Im 3. Jahrhundert wurde Augusta Raurica von politischen Krisen, wirtschaftlichen Veränderungen und militärischen Angriffen betroffen. Teile der unbefestigten Oberstadt wurden verlassen oder zerstört.

Direkt am Rhein entstand in der Spätantike das befestigte Castrum Rauracense. Innerhalb und in der Umgebung des Kastells entwickelte sich die Siedlung, aus der später Kaiseraugst hervorging.

Die spätantike Kastellkirche von Kaiseraugst gehört zu den frühesten nachgewiesenen christlichen Sakralbauten der Schweiz. Sie belegt die Ausbreitung des Christentums während der römischen Spätzeit.

Augusta Raurica ist heute einer der grössten und bedeutendsten archäologischen Parks der Schweiz. Die Fundstätte dokumentiert die römische Geschichte beider Basel und der gesamten Oberrheinregion.

Frühmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft blieb die Region bewohnt. Alemannische Bevölkerungsgruppen liessen sich seit dem 5. und 6. Jahrhundert in den Tälern und auf bereits zuvor genutzten Siedlungsplätzen nieder.

Gräberfelder, Ortsnamen und archäologische Funde zeigen, dass sich römische und germanische Traditionen teilweise miteinander verbanden.

Das Gebiet gehörte zunächst zum alemannischen Herzogtum und wurde später in das Fränkische Reich eingegliedert. Nach der Teilung des Karolingerreiches wechselten die politischen Zugehörigkeiten mehrfach.

Die Christianisierung wurde durch Kirchen, Klöster und das Bistum Basel gefördert. Frühmittelalterliche Kirchen entstanden an älteren Siedlungszentren und entlang wichtiger Verkehrswege.

Klöster wie St. Alban in Basel, Murbach im Elsass, Lützel und später Schönthal besassen Grundbesitz und Rechte in der Landschaft.

Die Dörfer entwickelten sich häufig um Kirchen, Herrenhöfe oder befestigte Plätze. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Ackerbau, Viehzucht, Waldwirtschaft und Weinbau.

Mittelalterliche Herrschaftsräume

Im Hochmittelalter war das Gebiet in zahlreiche weltliche und geistliche Herrschaften aufgeteilt. Der Bischof von Basel, Klöster und verschiedene Adelsfamilien verfügten über Grundbesitz, Gerichtsrechte, Burgen und Abgaben.

Die politische Zersplitterung wurde durch die geografische Gliederung des Juras verstärkt. Täler und Passwege bildeten teilweise eigenständige Wirtschafts- und Herrschaftsräume.

Zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern gehörten unter anderem die Frohburger, Homberger, Thiersteiner, Ramsteiner und Münch. Ihre Burgen kontrollierten Verkehrswege, Dörfer und landwirtschaftlich genutzte Gebiete.

Die Grafen von Frohburg beherrschten grosse Teile des oberen Baselbiets und des heutigen Kantons Solothurn. Sie gründeten oder förderten Städte wie Liestal und Waldenburg.

Die Burg Waldenburg sicherte den Weg über den Oberen Hauenstein. Dieser Pass gehörte zu den wichtigsten Verbindungen zwischen Basel, dem Mittelland und der Zentralschweiz.

Weitere bedeutende Anlagen waren die Burgen Farnsburg, Homburg, Ramstein, Wildenstein, Neu-Homberg und die drei Burgen auf dem Wartenberg.

Viele dieser Herrschaften gerieten im Spätmittelalter in finanzielle Schwierigkeiten. Erbschaften, Kriege und der wirtschaftliche Aufstieg der Städte führten dazu, dass adelige Familien ihre Rechte verpfändeten oder verkauften.

Fürstbistum Basel

Der Bischof von Basel war nicht nur geistlicher Amtsträger, sondern zugleich weltlicher Fürst des Heiligen Römischen Reiches.

Im Jahr 999 erhielt der Basler Bischof von König Rudolf III. von Burgund die Abtei Moutier-Grandval. Diese Schenkung gilt als eine wichtige Grundlage des späteren Fürstbistums Basel.

Das fürstbischöfliche Territorium umfasste im Laufe der Zeit Gebiete im heutigen Jura, im Berner Jura, im Laufental, im Birseck und im Leimental.

Die Macht des Bischofs war jedoch nicht geschlossen. Innerhalb seines Herrschaftsbereichs bestanden zahlreiche lokale Rechte, städtische Freiheiten und adelige Besitzungen.

Die Stadt Basel löste sich während des Mittelalters zunehmend von der bischöflichen Herrschaft. Gleichzeitig erwarb sie selbst Territorien auf der umliegenden Landschaft.

Das Birseck, das Laufental und Teile des Leimentals blieben dagegen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts unter der weltlichen Herrschaft des Bischofs von Basel.

Aufbau der Basler Landschaft

Seit dem 14. Jahrhundert begann die Stadt Basel, ausserhalb ihrer Mauern ein eigenes Territorium aufzubauen. Der Rat kaufte oder übernahm Herrschaften, Burgen, Gerichtsrechte und Pfandschaften.

Liestal gelangte im frühen 14. Jahrhundert unter die Herrschaft der Stadt. Als befestigte Kleinstadt, Marktort und regionales Verwaltungszentrum nahm Liestal eine besondere Stellung ein.

Im 15. Jahrhundert erwarb Basel unter anderem die Herrschaften Farnsburg, Waldenburg und Homburg. Weitere Käufe und Verträge vervollständigten das städtische Untertanengebiet.

Die Herrschaft der Stadt erstreckte sich schliesslich über einen grossen Teil des heutigen oberen und mittleren Baselbiets. Das Gebiet wurde in Ämter beziehungsweise Vogteien gegliedert.

Landvögte vertraten den Basler Rat. Sie waren für Verwaltung, Steuern, Polizei, militärische Organisation und Teile der Rechtsprechung zuständig.

Die Gemeinden behielten eigene Versammlungen und regelten lokale Angelegenheiten. Sie verwalteten Allmenden, Wälder, Wege, Brunnen und Gemeindevermögen.

Auf kantonaler Ebene besassen die Einwohner der Landschaft jedoch keine gleichberechtigte politische Vertretung. Die Regierung des gesamten Basler Staats lag bei den städtischen Räten.

Basel tritt der Eidgenossenschaft bei

Im Jahr 1501 trat Basel der Eidgenossenschaft bei. Der Beitritt umfasste die Stadt und das von ihr beherrschte Landschaftsgebiet.

Die Gebiete des Fürstbistums Basel wurden dagegen nicht Teil des eidgenössischen Standes Basel. Das Birseck, das Laufental und Teile des Leimentals blieben reichsrechtlich und politisch fürstbischöfisch.

Die unterschiedliche politische Zugehörigkeit wirkte sich langfristig auf Religion, Recht und lokale Identität aus.

Die Untertanen der Stadt Basel wurden mit dem Eintritt indirekt Teil eines eidgenössischen Ortes, verfügten aber weiterhin über keine eigene Stimme an der Tagsatzung.

Basel beteiligte sich an den gemeinsamen politischen und militärischen Angelegenheiten der Eidgenossenschaft. Auch die Bevölkerung der Landschaft musste Soldaten, Geld und Material bereitstellen.

Reformation

Hauptartikel: Basler Reformation

In den 1520er-Jahren verbreiteten sich die reformatorischen Ideen in Basel und auf der Landschaft.

Im Jahr 1529 setzte sich die Reformation in der Stadt durch. Der Rat schaffte die katholische Messe ab, löste Klöster auf und übernahm kirchlichen Besitz.

Die von der Stadt beherrschten Landgemeinden wurden ebenfalls reformiert. Pfarrer mussten sich an die neue Kirchenordnung halten, und Bilder, Altäre sowie andere Bestandteile der katholischen Liturgie wurden aus vielen Kirchen entfernt.

Kirche und Staat blieben eng miteinander verbunden. Der Basler Rat beaufsichtigte Gottesdienst, Schule, Ehe, Armenfürsorge und das sittliche Verhalten der Bevölkerung.

Die Gebiete des Fürstbistums Basel blieben dagegen katholisch. Dadurch entstand eine konfessionelle Grenze, die teilweise bis heute erkennbar ist.

Das Birseck, das Laufental und mehrere Gemeinden des Leimentals entwickelten andere kirchliche, politische und kulturelle Traditionen als die reformierte Basler Landschaft.[3]

Herrschaft der Stadt Basel

In der Frühen Neuzeit war das Gebiet der späteren Bezirke Liestal, Sissach und Waldenburg ein Untertanengebiet der Stadt Basel.

Der Basler Kleine Rat und der Grosse Rat erliessen Gesetze, bestimmten die wichtigsten Amtsträger und entschieden über Steuern, Militär und Aussenpolitik.

Die Landschaft war in Ämter gegliedert. Zu den wichtigsten gehörten Liestal, Farnsburg, Waldenburg, Homburg und Münchenstein.

Die Landvögte stammten in der Regel aus der städtischen Oberschicht. Das Amt konnte für sie eine wichtige Station der politischen Karriere darstellen.

Die Gemeinden besassen dennoch eine beträchtliche lokale Selbstverwaltung. Gemeindeversammlungen beschlossen über die Nutzung gemeinsamer Güter, Armenfürsorge, Schule und lokale Bauprojekte.

Die Dorfeliten, bestehend aus wohlhabenden Bauern, Wirten, Müllern, Handwerkern und Amtsträgern, vermittelten zwischen der Bevölkerung und der städtischen Obrigkeit.

Die Herrschaft beruhte somit auf einer Verbindung aus zentraler städtischer Kontrolle und lokaler Selbstorganisation. Politische Gleichberechtigung bestand jedoch nicht.

Landwirtschaft und dörfliche Gesellschaft

Bis ins 19. Jahrhundert lebte ein grosser Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Angebaut wurden Getreide, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse und in geeigneten Lagen Wein.

Die Dreizelgenwirtschaft regelte den Wechsel zwischen Wintergetreide, Sommergetreide und Brache. Gemeinsame Weiden und Wälder ergänzten die privaten Äcker.

Viehzucht und Milchwirtschaft spielten besonders in den höheren Juragebieten eine wichtige Rolle.

Die landwirtschaftlichen Betriebe waren unterschiedlich gross. Neben wohlhabenden Bauern lebten zahlreiche Kleinbauern, Tauner, Taglöhner und Dienstboten in den Dörfern.

Tauner besassen häufig nur ein kleines Haus und wenig Land. Sie waren auf Lohnarbeit, Heimgewerbe und saisonale Tätigkeiten angewiesen.

Die Verteilung von Allmenden und Bürgernutzen führte wiederholt zu Konflikten zwischen alteingesessenen Bürgern, Hintersassen und Zugezogenen.

Rappenkrieg

Der sogenannte Rappenkrieg von 1591 bis 1594 war ein Konflikt zwischen der Stadt Basel und Teilen der Landbevölkerung.

Auslöser war eine neue Verbrauchssteuer auf Wein, Fleisch und weitere Waren. Die Abgabe sollte zur Tilgung der hohen Staatsschulden beitragen.

Viele Landgemeinden betrachteten die Steuer als ungerecht. Sie beklagten, dass die Landschaft die finanziellen Probleme der städtischen Obrigkeit tragen müsse, ohne politisch gleichberechtigt zu sein.

Der Widerstand umfasste Versammlungen, Eingaben und die Verweigerung von Zahlungen. Die Stadt reagierte zunächst mit militärischem Druck.

Eidgenössische Vermittler trugen schliesslich zu einer Einigung bei. Die Steuer wurde nicht vollständig aufgehoben, aber die Auseinandersetzung endete ohne einen dauerhaften militärischen Aufstand.

Der Rappenkrieg gilt als früher Ausdruck der Spannungen zwischen der Stadt Basel und ihrer Landschaft.

Bauernkrieg von 1653

Hauptartikel: Schweizer Bauernkrieg

Im Jahr 1653 erfasste der Schweizer Bauernkrieg auch die Basler Landschaft.

Die Bevölkerung litt unter sinkenden Münzwerten, steigenden Abgaben und wirtschaftlicher Unsicherheit. Bauern und ländliche Gewerbetreibende verlangten eine Verringerung der Belastungen und eine stärkere Berücksichtigung ihrer Interessen.

Die Bewegung begann im Entlebuch und im Emmental und breitete sich auf weitere Regionen der Eidgenossenschaft aus.

Auf der Basler Landschaft organisierten sich Aufständische und stellten Forderungen an den Rat. Die städtische Obrigkeit fürchtete den Verlust ihrer Herrschaft.

Nach der militärischen Niederlage der Bauernbewegung ging Basel hart gegen die Anführer vor. Mehrere Beteiligte wurden hingerichtet, eingesperrt oder mit Geldstrafen belegt.

In Liestal erinnert das Bauernkriegsdenkmal an die Ereignisse. Die Erinnerung an den Aufstand wurde im 19. Jahrhundert mit dem Kampf um die kantonale Selbständigkeit verbunden.

Seidenbandweberei und Heimarbeit

Seit dem späten 17. und besonders im 18. Jahrhundert wurde die Seidenbandweberei zu einem der wichtigsten Erwerbszweige der Basler Landschaft.

Hugenottische und andere Unternehmer in Basel organisierten die Produktion im Verlagssystem. Sie beschafften Rohseide, liessen die Fäden vorbereiten und gaben sie an Weberfamilien auf der Landschaft weiter.

Die fertigen Bänder wurden in Basel gesammelt und auf internationalen Märkten verkauft. Die städtischen Kaufleute kontrollierten Rohstoffe, Absatz und Preise.

Auf der Landschaft standen die Webstühle häufig in den Wohnhäusern. Männer, Frauen und Kinder arbeiteten gemeinsam an der Herstellung der Bänder.

Die Heimarbeit liess sich mit einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb verbinden. Viele Familien konnten dadurch trotz geringen Landbesitzes eine bescheidene Existenz sichern.

Gleichzeitig waren die Posamenter stark von den Basler Verlegern und von der internationalen Nachfrage abhängig. Wirtschaftskrisen führten unmittelbar zu Arbeitslosigkeit und Armut.

Die Verbreitung der Posamenterei förderte das Bevölkerungswachstum in zahlreichen Dörfern. Besonders im oberen Baselbiet wurde sie zu einem prägenden Bestandteil der regionalen Kultur.[4]

Fürstbischöfische Gebiete

Das Birseck, das Laufental und Teile des Leimentals blieben während der Frühen Neuzeit Bestandteil des Fürstbistums Basel.

Die fürstbischöfliche Verwaltung unterschied sich von der Ordnung im städtischen Untertanengebiet. Lokale Gemeinden, Herrschaften und kirchliche Einrichtungen besassen eigene Rechte.

Die Bevölkerung blieb mehrheitlich katholisch. Klöster, Wallfahrten, Bruderschaften und katholische Feiertage prägten das gesellschaftliche Leben.

Seit der Reformation residierten die Basler Fürstbischöfe überwiegend in Pruntrut. Arlesheim entwickelte sich zu einem wichtigen kirchlichen Zentrum.

Das Domkapitel verlegte seinen Sitz 1679 von Freiburg im Breisgau nach Arlesheim. In der Folge entstand der Arlesheimer Dom, umgeben von repräsentativen Domherrenhäusern.

Der unterschiedliche konfessionelle und politische Hintergrund wirkte auch nach der Vereinigung mit dem Kanton Basel weiter.

Revolution von 1798

Die Französische Revolution stellte die ständische und obrigkeitliche Ordnung Europas infrage.

Auf der Basler Landschaft verlangten politisch aktive Bürger die Gleichberechtigung mit der Stadt. Die Erinnerung an frühere Konflikte verband sich mit den neuen Ideen von Freiheit, Volkssouveränität und Rechtsgleichheit.

Am 20. Januar 1798 errichteten Revolutionäre in Liestal einen Freiheitsbaum. Ähnliche Aktionen folgten in weiteren Gemeinden.

Die städtische Regierung erkannte, dass sie ihre Herrschaft nicht dauerhaft aufrechterhalten konnte. Stadt und Land vereinbarten eine Gleichheitsurkunde.

Die Untertanenverhältnisse wurden aufgehoben, und die Landschaft erhielt grundsätzlich dieselben politischen Rechte wie die Stadtbevölkerung.

Kurz darauf marschierten französische Truppen in die Schweiz ein. Die alte Eidgenossenschaft brach zusammen, und die Helvetische Republik wurde gegründet.

Helvetische Republik

In der Helvetischen Republik bildeten Stadt und Landschaft gemeinsam den Kanton Basel.

Die bisherigen städtischen Vorrechte wurden beseitigt. Die Einwohner sollten als Bürger des zentralistischen Einheitsstaates rechtlich gleichgestellt sein.

Die Gemeinden erhielten neue Verwaltungsorgane. Gleichzeitig verloren sie jedoch einen Teil ihrer traditionellen Selbständigkeit an die helvetische Zentralregierung.

Steuern, Militärdienst, Einquartierungen und die Folgen der europäischen Kriege belasteten die Bevölkerung.

Die neue Ordnung stiess sowohl bei Anhängern des alten Systems als auch bei Verteidigern lokaler Gemeinderechte auf Widerstand.

Im Birseck und Laufental verlief die Entwicklung anders. Diese Gebiete waren bereits seit 1792 beziehungsweise 1793 von Frankreich besetzt und zeitweise in französische Départements eingegliedert.

Mediation und Restauration

Die Mediationsakte von 1803 beendete den helvetischen Einheitsstaat. Basel wurde wieder zu einem souveränen Kanton der Eidgenossenschaft.

Die politische Gleichheit von Stadt und Land blieb grundsätzlich bestehen, doch die Stadt gewann erneut stärkeren Einfluss.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft gab sich der Kanton 1814 eine konservative Verfassung.

Die Vertretung im Grossen Rat bevorzugte die Stadt deutlich. Obwohl die Landschaft die Mehrheit der Bevölkerung stellte, erhielt sie keine ihrer Einwohnerzahl entsprechende Zahl an Sitzen.

Diese Ordnung wurde von vielen Landbewohnern als Rückkehr zu den Verhältnissen vor 1798 empfunden.

Die städtische Regierung begründete ihre bevorzugte Stellung mit Bildung, Vermögen und der historischen Rolle Basels. Auf der Landschaft wuchs dagegen der Wunsch nach vollständiger politischer Gleichberechtigung.

Birseck und Leimental kommen zu Basel

Das Fürstbistum Basel wurde durch die Französische Revolution und die napoleonischen Kriege aufgelöst.

Am Wiener Kongress von 1815 wurden seine früheren Gebiete auf verschiedene Schweizer Kantone verteilt.

Das Birseck und Teile des Leimentals kamen zum Kanton Basel. Dazu gehörten unter anderem Arlesheim, Aesch, Pfeffingen, Reinach, Therwil, Oberwil, Ettingen, Allschwil und weitere Gemeinden.

Das Laufental wurde dagegen dem Kanton Bern zugeteilt.

Die neuen Basler Gebiete waren katholisch und hatten eine andere politische Vergangenheit als die reformierte alte Landschaft.

Die Integration verlief nicht konfliktfrei. Fragen des Kirchenwesens, der Gemeinderechte, der Steuern und der politischen Vertretung führten zu Spannungen.

Bei der späteren Kantonstrennung schlossen sich die meisten Birsecker und Leimentaler Gemeinden Basel-Landschaft an.

Regenerationsbewegung

Die französische Julirevolution von 1830 löste auch in der Schweiz eine liberale Erneuerungsbewegung aus.

Im Kanton Basel forderten Vertreter der Landschaft eine neue Verfassung und eine Vertretung nach der Bevölkerungszahl.

Am 18. Oktober 1830 unterzeichneten 40 Männer in Bad Bubendorf eine Bittschrift an den Basler Grossen Rat. Zu den führenden Persönlichkeiten gehörte der Therwiler Jurist Stephan Gutzwiller.

Die Petition verlangte Rechtsgleichheit, eine gerechtere politische Vertretung und die Anerkennung der Volkssouveränität.

Die konservative Mehrheit des Grossen Rates war zu begrenzten Reformen bereit, wollte aber die politische Vormachtstellung der Stadt erhalten.

Am 4. Januar 1831 versammelten sich mehrere Tausend Menschen in Liestal. Zwei Tage später wurde im Gasthaus Engel eine provisorische Regierung der Landschaft gewählt.

Die Stadt reagierte mit militärischen Massnahmen. Eidgenössische Truppen griffen wiederholt ein, um offene Kämpfe zu verhindern.

Basler Trennungswirren

Hauptartikel: Basler Kantonstrennung

Die Auseinandersetzung zwischen Stadt und Landschaft dauerte von 1830 bis 1833.

Nicht alle Landgemeinden unterstützten die Trennung. Einige blieben stadttreu oder hofften auf einen politischen Ausgleich innerhalb des gemeinsamen Kantons.

Die Trennungsbewegung war ebenfalls nicht einheitlich. Gemässigte Politiker wollten vor allem Gleichberechtigung, während radikalere Kräfte einen selbständigen Kanton anstrebten.

Gewaltsame Zwischenfälle, Verhaftungen, wirtschaftlicher Druck und politische Propaganda verschärften den Konflikt.

Die eidgenössische Tagsatzung entsandte Kommissäre und Truppen. Eine dauerhafte Verständigung kam dennoch nicht zustande.

Die städtischen Behörden versuchten, die Bewegung durch militärische Präsenz und die Unterstützung loyaler Gemeinden einzudämmen.

Partialtrennung und Kantonsgründung

Der Basler Grosse Rat beschloss Anfang 1832, zahlreiche aufständische Gemeinden aus dem Kantonsverband auszuschliessen.

Am 17. März 1832 erklärten Vertreter von 46 Gemeinden den Zusammenschluss zum Kanton Basel-Landschaft.

Liestal wurde zum Hauptort des neuen Kantons. Die Wahl knüpfte an seine Rolle als politisches und wirtschaftliches Zentrum der Landschaft an.

Am 4. Mai 1832 nahm die männliche Stimmbürgerschaft die erste Kantonsverfassung an. Sie führte die Gewaltenteilung, ein allgemeines Wahlrecht für Männer über 20 Jahre und ein gesetzgeberisches Vetorecht des Volkes ein.[5]

Die Tagsatzung erkannte zunächst nur eine vorläufige Teilung an. Die endgültige Zugehörigkeit mehrerer Gemeinden blieb umstritten.

Der neue Kanton musste Behörden, Gerichte, Schulen, eine Verwaltung und eine eigene Finanzordnung nahezu aus dem Nichts aufbauen.

Republik Diepflingen

Die Gemeinde Diepflingen nahm während der Trennungswirren eine besondere Stellung ein.

Ein Teil der Bevölkerung wollte weder dem neuen Kanton Basel-Landschaft noch uneingeschränkt dem städtischen Kantonsteil angehören.

Die Gemeinde wurde zeitweise als Republik Diepflingen bezeichnet. Der Ausdruck beschreibt eine kurze Phase faktischer Eigenständigkeit und politischer Unsicherheit.

Diepflingen wurde zum Schauplatz von Konflikten zwischen Anhängern beider Seiten. Bewaffnete Gruppen und politische Aktivisten versuchten, die Gemeinde unter ihre Kontrolle zu bringen.

Nach der Totaltrennung wurde Diepflingen endgültig Bestandteil des Kantons Basel-Landschaft.

Schlacht an der Hülftenschanz

Am 3. August 1833 marschierten städtische Truppen von Basel in Richtung Liestal. Sie sollten stadttreue Gemeinden unterstützen und die Trennungsbewegung zurückdrängen.

Bei der Hülftenschanz zwischen Pratteln und Frenkendorf wurden die Basler Truppen von Baselbieter Einheiten angegriffen.

Die Kämpfe endeten mit einer schweren Niederlage des städtischen Heeres. Zahlreiche Soldaten wurden getötet oder verwundet.

Die Schlacht war der blutige Höhepunkt der Basler Kantonstrennung. Sie machte eine Wiederherstellung des gemeinsamen Kantons mit militärischen Mitteln praktisch unmöglich.

Der Sieg erhielt im jungen Kanton eine grosse symbolische Bedeutung. Er wurde als erfolgreicher Freiheitskampf gegen die städtische Herrschaft dargestellt.

Die moderne Forschung betont zugleich, dass es sich um einen Bürgerkrieg zwischen Einwohnern eines bisher gemeinsamen Kantons handelte und dass auch auf der Landschaft unterschiedliche politische Haltungen bestanden.[6]

Totaltrennung von 1833

Nach der Schlacht griff die eidgenössische Tagsatzung erneut ein.

Am 26. August 1833 bestätigte sie die vollständige Trennung des Kantons Basel in die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Die Aufteilung des Staatsvermögens, der Archive, Waffen und weiteren öffentlichen Güter führte zu langwierigen Verhandlungen.

Basel-Landschaft erhielt einen Anteil am früheren kantonalen Vermögen, verfügte aber zunächst nur über beschränkte finanzielle und administrative Mittel.

Die Stadt Basel behielt die Universität und zahlreiche zentrale kulturelle und wirtschaftliche Institutionen.

Beide neuen Kantone wurden als Halbkantone bezeichnet. Sie erhielten je einen Sitz im Ständerat und verfügten bei eidgenössischen Verfassungsabstimmungen jeweils über eine halbe Standesstimme.

Die Bundesverfassung von 1999 verwendet die Bezeichnung Halbkanton nicht mehr. Die geringere Vertretung im Ständerat und die halbe Standesstimme blieben jedoch bestehen.

Aufbau des jungen Kantons

Der neue Kanton musste eine eigene staatliche Ordnung schaffen.

Der Landrat wurde zum Parlament, während der Regierungsrat die vollziehende Gewalt übernahm. Gerichte und Verwaltungsstellen wurden neu organisiert.

Es fehlte an geeigneten Gebäuden, ausgebildeten Beamten, Lehrern und finanziellen Mitteln. Zahlreiche Aufgaben wurden zunächst von nebenamtlichen Funktionären erfüllt.

Radikale und liberale Politiker bestimmten die frühe Kantonsentwicklung. Viele von ihnen betrachteten Basel-Landschaft als demokratisches Gegenmodell zum konservativ regierten Basel-Stadt.

Politische Flüchtlinge aus Deutschland und anderen europäischen Staaten fanden im Kanton zeitweise Zuflucht. Einige arbeiteten als Lehrer, Pfarrer, Ärzte, Journalisten oder Juristen.

Gleichzeitig war die politische Kultur von persönlichen Konflikten, scharfer Presse und häufigen Verfassungsdebatten geprägt.

Das allgemeine Männerwahlrecht galt nicht für die gesamte Bevölkerung. Frauen, Menschen ohne Bürgerrecht und teilweise wirtschaftlich abhängige Personen blieben von der politischen Macht ausgeschlossen.

Wappen und kantonale Identität

Nach der Trennung benötigte Basel-Landschaft ein eigenes Kantonswappen.

Als Grundlage diente das Wappen der Stadt Liestal mit dem roten Baslerstab. Der Stab wurde gegenüber dem Wappen von Basel-Stadt in die entgegengesetzte Richtung gedreht.

Die sieben sichtbaren Krabben oder Punkte werden im Volksmund als Siebedupf bezeichnet.

Das Wappen wurde zu einem Symbol der politischen Abwendung von der Stadt und der Eigenständigkeit des neuen Kantons.

Der Freiheitsbaum, das Bauernkriegsdenkmal in Liestal und die Erinnerung an die Hülftenschanz wurden weitere wichtige Bestandteile der kantonalen Identität.

Das Baselbieterlied entwickelte sich zu einer inoffiziellen Hymne. Es betont Landschaft, Heimatgefühl und Eigenständigkeit.

Basel-Landschaft im Bundesstaat

1848 unterstützte Basel-Landschaft die neue Bundesverfassung und wurde Gliedstaat des modernen Bundesstaates.

Der gemeinsame schweizerische Wirtschaftsraum erleichterte Handel, Verkehr und Industrialisierung.

Der Bund übernahm unter anderem das Zollwesen, die Aussenpolitik, das Münzwesen und wichtige militärische Aufgaben.

Die kantonalen Behörden blieben für Bildung, Polizei, Gemeindewesen, Strassen, Gesundheit und zahlreiche weitere Bereiche zuständig.

Während des Sonderbundskriegs von 1847 stand Basel-Landschaft auf der Seite der liberalen Tagsatzungsmehrheit.

Die revolutionären Bewegungen von 1848 in Deutschland und Frankreich fanden im Kanton grosse Aufmerksamkeit. Politische Flüchtlinge nutzten die Grenzregion als Aufenthalts- oder Durchgangsort.

Direkte Demokratie und Verfassung von 1863

In den 1850er-Jahren wuchs die Unzufriedenheit mit der politischen Führung.

Die sogenannte Revisionsbewegung verlangte eine stärkere unmittelbare Beteiligung des Volkes. Ihr bekanntester Vertreter war Christoph Rolle.

Kritiker warfen der liberalen Führung vor, nach der Kantonsgründung eine neue politische Elite gebildet zu haben.

1861 beschloss der Landrat, niemals einer Wiedervereinigung mit Basel-Stadt zuzustimmen. Der sogenannte Niemals-Beschluss löste starken Widerstand aus, weil viele Bürger die Entscheidung über diese Frage selbst treffen wollten.

Die Kantonsverfassung von 1863 baute die direkte Demokratie stark aus. Sie führte unter anderem die Volkswahl des Regierungsrats, das Initiativrecht und das obligatorische Gesetzesreferendum ein.

Auch die Möglichkeit, den Landrat vorzeitig abzuberufen, wurde verankert. Damit erhielt Basel-Landschaft eine der direktdemokratischsten Kantonsverfassungen seiner Zeit.

Am 4. März 1864 hob eine Volksabstimmung den Niemals-Beschluss wieder auf.[7]

Verkehrsausbau

Der Ausbau der Verkehrswege veränderte den jungen Kanton grundlegend.

Die traditionellen Passstrassen über den Oberen und Unteren Hauenstein verbanden Basel mit dem Mittelland. Sie waren für Post, Handel und Personenverkehr wichtig.

1858 wurde die Eisenbahnstrecke Basel–Olten durch den Hauensteintunnel eröffnet. Sie verband Basel-Landschaft mit dem schweizerischen Eisenbahnnetz.

Das Rümlinger Viadukt und der alte Hauensteintunnel gehörten zu den bedeutendsten Ingenieurbauten ihrer Zeit.

Weitere Bahnlinien erschlossen das Ergolztal, das Birstal und das Leimental. Die Waldenburgerbahn verband seit 1880 Liestal mit Waldenburg.

Der Eisenbahnbau erleichterte den Transport von Rohstoffen und Industrieprodukten. Gemeinden mit Bahnanschluss entwickelten sich schneller als abgelegene Dörfer.

Im 20. Jahrhundert wurden Strassen und Autobahnen ausgebaut. Die A2 durch das Ergolztal und den Belchentunnel wurde zu einer wichtigen europäischen Nord-Süd-Verbindung.

Salzgewinnung in Schweizerhalle

Im 19. Jahrhundert wurden bei Schweizerhalle in der Nähe von Pratteln umfangreiche Salzlager entdeckt.

Die industrielle Salzgewinnung begann in den 1830er-Jahren. Bohrungen erschlossen unterirdische Steinsalzschichten.

Die Saline Schweizerhalle entwickelte sich zu einem bedeutenden Betrieb. Sie versorgte mehrere Kantone mit Speise-, Gewerbe- und Industriesalz.

Die Salzgewinnung brachte dem jungen Kanton wichtige Einnahmen und förderte die wirtschaftliche Entwicklung am Rhein.

In der Umgebung entstanden später weitere Industrie-, Hafen- und Verkehrsanlagen.

Der Name Schweizerhalle wurde im 20. Jahrhundert auch mit der chemischen Industrie und der Umweltkatastrophe von 1986 verbunden.

Industrialisierung

Die Industrialisierung verlief regional unterschiedlich.

In den stadtnahen Gemeinden des Birs- und Leimentals entstanden Fabriken und Gewerbebetriebe. Entlang der Ergolz und anderer Gewässer nutzten Unternehmen zunächst die Wasserkraft.

Die ersten mechanischen Seidenbandfabriken auf Baselbieter Gebiet wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet. Mehrere waren Filialen von Basler Unternehmen.

Die Heimposamenterei blieb dennoch lange bestehen. Um die 1880er-Jahre erreichte die Zahl der Webstühle auf der Landschaft ihren Höchststand.

Fabrik- und Heimarbeit bestanden nebeneinander. Viele Familien kombinierten Weberei, Landwirtschaft und weitere Erwerbstätigkeiten.

Weitere Industriezweige waren Metallverarbeitung, Maschinenbau, Papierherstellung, Zementproduktion, Uhren- und Präzisionsindustrie sowie die Herstellung chemischer Produkte.

1864 wurde die Basellandschaftliche Kantonalbank gegründet. Sie sollte Kreditversorgung, Sparwesen und wirtschaftliche Entwicklung fördern.

Die Industrialisierung führte zu neuen sozialen Gruppen. Fabrikarbeiter, Angestellte und Unternehmer traten neben die traditionelle bäuerlich-handwerkliche Bevölkerung.

Niedergang der Heimposamenterei

Seit dem späten 19. Jahrhundert geriet die traditionelle Seidenbandweberei unter Druck.

Mechanische Webstühle, internationale Konkurrenz, veränderte Mode und Wirtschaftskrisen verschlechterten die Lage der Heimarbeiter.

Viele Posamenterfamilien arbeiteten lange Stunden für geringe Einkommen. Kinderarbeit und die Mitarbeit von Frauen waren weit verbreitet.

Die Elektrifizierung ermöglichte zeitweise den Betrieb mechanischer Webstühle in den Wohnhäusern. Dadurch konnte sich die Heimarbeit länger halten als in anderen Branchen.

Im 20. Jahrhundert verlor die Seidenbandindustrie dennoch zunehmend an Bedeutung. Die Weltwirtschaftskrise und der Wandel der Textilmärkte beschleunigten den Niedergang.

Die letzten Heimposamenter arbeiteten noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Lebens- und Arbeitswelt wurde in Fotografien, Filmen und Museumsbeständen dokumentiert.[8]

Arbeiterbewegung und soziale Frage

Mit der Industrialisierung wuchs die Zahl der Lohnarbeiter.

Arbeitszeiten waren lang, die Löhne niedrig und die Beschäftigungsverhältnisse unsicher. Umfassende Kranken-, Unfall- und Altersversicherungen bestanden zunächst nicht.

Arbeiter gründeten Unterstützungsvereine, Konsumgenossenschaften und Gewerkschaften. Sozialdemokratische und grütlianische Organisationen gewannen an Einfluss.

Die politische Mobilisierung verlief im ländlich geprägten Kanton langsamer als in grossen Industriezentren.

Viele Arbeiter besassen weiterhin kleine Grundstücke oder stammten aus Bauernfamilien. Dies schwächte teilweise die Ausbildung einer einheitlichen Arbeiteridentität.

Der Staat übernahm im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zunehmend Aufgaben in Gesundheit, Armenfürsorge, Bildung und Arbeiterschutz.

Genossenschaftliche Wohnprojekte wie die Siedlung Freidorf in Muttenz verbanden soziale Reformideen mit neuen Formen des gemeinschaftlichen Wohnens.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs leisteten viele Baselbieter Männer Aktivdienst.

Ihre Abwesenheit belastete Familien, Landwirtschaft und Betriebe. Lebensmittel, Brennstoffe und Rohstoffe verteuerten sich.

Die exportabhängige Industrie litt unter unterbrochenen Lieferketten und unsicheren Absatzmärkten.

Arbeiterfamilien waren besonders von der Teuerung betroffen. Demonstrationen und soziale Proteste nahmen zu.

Der Schweizer Landesstreik von 1918 fand auch im Kanton Unterstützung. In den industrialisierten Gemeinden war die Beteiligung stärker als in den ländlichen Gebieten.

Die politischen Gegensätze zwischen Bürgertum, Bauern und Arbeiterschaft prägten die Zwischenkriegszeit.

Wiedervereinigungsbewegung

Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde erneut über eine Vereinigung der beiden Basel diskutiert.

Die wirtschaftliche Entwicklung hatte die Kantonsgrenze zunehmend durchlässig gemacht. Viele Baselbieter arbeiteten in der Stadt, während Basler Unternehmen Fabriken und Anlagen auf der Landschaft betrieben.

Die stadtnahen Gemeinden wuchsen und waren mit sozialen sowie infrastrukturellen Aufgaben konfrontiert, die sie nur schwer allein bewältigen konnten.

1914 wurde ein Wiedervereinigungsverband gegründet. Er setzte sich für die Bildung eines gemeinsamen Kantons ein.

Neben wirtschaftlichen Argumenten spielte die Vorstellung eine Rolle, die Trennung von 1833 habe ihre historische Aufgabe erfüllt.

Gegner betonten dagegen die Eigenständigkeit des Baselbiets und befürchteten eine erneute politische Dominanz der Stadt.

Abstimmungen von 1936 und Bundesentscheid von 1947

1932 wurde eine Wiedervereinigungsinitiative lanciert.

1936 stimmten die Stimmberechtigten in beiden Kantonen grundsätzlich einer Wiedervereinigung zu.

Daraufhin wurden Verfassungsbestimmungen und weitere rechtliche Grundlagen vorbereitet. Der Zweite Weltkrieg verzögerte den Prozess.

1947 verweigerte die Bundesversammlung dem Wiedervereinigungsartikel die eidgenössische Gewährleistung.

Die Mehrheit des Bundesparlaments befürchtete, eine Vereinigung könnte das föderale Gleichgewicht verändern und weitere Kantonsfusionen auslösen.

Der Entscheid löste in der Region Enttäuschung aus. Die Bewegung bestand jedoch weiter.

Die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen wurde durch Schulabkommen, Zweckverbände und gemeinsame Einrichtungen ausgebaut.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Basel-Landschaft wegen seiner Nähe zu Deutschland und Frankreich ein sensibler Grenzraum.

Die Armee sicherte Verkehrswege, Industrieanlagen und Grenzübergänge. Zahlreiche Männer standen im Aktivdienst.

Die Bevölkerung war von Rationierung, Verdunkelung und der Anbauschlacht betroffen. Landwirtschaftliche Flächen wurden intensiver genutzt.

Flüchtlinge versuchten über die nordwestschweizerische Grenze in die Schweiz zu gelangen. Einige wurden aufgenommen, andere im Rahmen der restriktiven Flüchtlingspolitik zurückgewiesen.

Industriebetriebe mussten mit Rohstoffmangel und staatlicher Regulierung umgehen.

Der Kanton blieb von grossen Kriegsschäden verschont. Einzelne Bombenabwürfe und Grenzzwischenfälle machten die Bedrohung jedoch sichtbar.

Wachstum nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Region Basel einen starken Wirtschaftsaufschwung.

Chemie-, Pharma-, Metall-, Maschinen- und Logistikunternehmen bauten ihre Produktion aus. Besonders die Gemeinden am Rhein, im Birstal und in der Nähe der Stadt Basel entwickelten sich zu Industrie- und Dienstleistungsstandorten.

Zahlreiche Arbeitskräfte zogen aus anderen Kantonen sowie aus Italien, Spanien, Portugal, der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien zu.

Die Bevölkerung des Kantons wuchs stark. Ehemalige Dörfer wie Allschwil, Binningen, Münchenstein, Reinach, Muttenz, Pratteln und Birsfelden wurden Teil der städtischen Agglomeration.

Neue Wohnquartiere, Schulen, Spitäler, Strassen und Versorgungsnetze entstanden.

Die Landwirtschaft verlor an Bedeutung, während Industrie und Dienstleistungen zum wichtigsten wirtschaftlichen Fundament wurden.

Das starke Wachstum veränderte auch das Selbstbild des Kantons. Basel-Landschaft war nicht mehr nur eine ländliche Gegenwelt zur Stadt, sondern ein wesentlicher Teil des gemeinsamen Wirtschaftsraums Basel.

Frauenstimmrecht

Frauen waren trotz der direktdemokratischen Tradition lange von Wahlen und Abstimmungen ausgeschlossen.

Frauenvereine und politische Organisationen forderten seit dem frühen 20. Jahrhundert die politische Gleichberechtigung.

Kantonale Vorlagen zum Frauenstimmrecht scheiterten 1926, 1946 und 1955 an der männlichen Stimmbürgerschaft.

Am 23. Juni 1968 nahmen die Baselbieter Männer das kantonale Frauenstimm- und Wahlrecht mit 9'374 gegen 4'398 Stimmen an.

Basel-Landschaft war nach Basel-Stadt der zweite deutschsprachige Kanton, der Frauen auf kantonaler Ebene die vollständigen politischen Rechte gewährte.[9]

Das kommunale Frauenstimmrecht wurde anschliessend schrittweise verwirklicht.

Die Frauen konnten damit auch an der entscheidenden Abstimmung über die Wiedervereinigung von 1969 teilnehmen.

Abstimmung über die Wiedervereinigung von 1969

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde die Wiedervereinigungsfrage erneut aufgenommen.

1958 stimmte eine Mehrheit der Baselbieter einer neuen Initiative zu. Vertreter beider Kantone arbeiteten eine Verfassung für einen vereinigten Kanton Basel aus.

Inzwischen hatte sich Basel-Landschaft jedoch stark verändert. Der wirtschaftliche Aufschwung und der Ausbau von Schulen, Spitälern, Strassen und Verwaltung stärkten das Vertrauen in die eigene kantonale Leistungsfähigkeit.

Die Bewegung Selbständiges Baselbiet setzte sich gegen die Fusion ein.

Am 7. Dezember 1969 wurde die Wiedervereinigungsverfassung in Basel-Landschaft deutlich abgelehnt. In Basel-Stadt fand sie dagegen eine Mehrheit.

Da beide Kantone zustimmen mussten, war das Vereinigungsprojekt gescheitert.

Der Entscheid festigte die eigenständige Identität Basel-Landschafts und leitete den Übergang von der Fusionspolitik zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ein.[10]

Partnerschaft mit Basel-Stadt

1974 nahmen beide Kantone Partnerschaftsbestimmungen in ihre Verfassungen auf.

Basel-Landschaft strich gleichzeitig den Wiedervereinigungsauftrag aus seiner Verfassung.

Die Zusammenarbeit wurde in Bildung, Gesundheit, Kultur, öffentlichem Verkehr, Universität und weiteren Bereichen ausgebaut.

Gemeinsame Institutionen und Staatsverträge sollten ermöglichen, regionale Aufgaben trotz der politischen Kantonsgrenze gemeinsam zu lösen.

Basel-Landschaft beteiligte sich zunehmend an der Finanzierung der Universität Basel.

Auch das Universitäts-Kinderspital beider Basel und zahlreiche Verkehrs- und Planungsprojekte wurden gemeinsam getragen.

Die Partnerschaft blieb politisch umstritten. Regelmässig wurde über die Verteilung von Kosten, Nutzen und Entscheidungsrechten diskutiert.

Umweltbewegung und Kaiseraugst

Seit den 1960er-Jahren wurden Umwelt- und Landschaftsschutz zu wichtigen politischen Themen.

Der geplante Bau eines Kernkraftwerks bei Kaiseraugst im benachbarten Kanton Aargau löste in der gesamten Region Widerstand aus.

1975 besetzten Gegnerinnen und Gegner das vorgesehene Baugelände. Die Aktion wurde zu einem der bedeutendsten Ereignisse der schweizerischen Anti-Atomkraft-Bewegung.

Viele Beteiligte stammten aus Basel-Landschaft. Parteien, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und kirchliche Gruppen unterstützten den Widerstand.

Das Kraftwerk wurde letztlich nicht gebaut.

Die Baselbieter Verfassung verpflichtete den Kanton später, darauf hinzuwirken, dass auf seinem Gebiet und in der Nachbarschaft keine Atomkraftwerke errichtet werden.

Diese Bestimmung machte Basel-Landschaft zu einem Pionierkanton der kantonalen Umweltpolitik.

Neue Kantonsverfassung

Von 1981 bis 1984 wurde die Kantonsverfassung umfassend überarbeitet.

Die neue Verfassung modernisierte die Grundrechte, die staatlichen Institutionen und die Beziehungen zwischen Kanton und Gemeinden.

Sie bestätigte die direktdemokratischen Instrumente und formulierte Ziele in den Bereichen Umwelt, soziale Sicherheit, Bildung und Raumplanung.

Die Totalrevision löste die Verfassung von 1892 ab.

Die starke Betonung des Umweltschutzes entsprach den politischen Erfahrungen mit Industrialisierung, Verkehr, Kernenergie und chemischen Risiken.

Die Verfassung trat Mitte der 1980er-Jahre in Kraft und bildet mit späteren Änderungen die Grundlage der heutigen Staatsordnung.

Brandkatastrophe von Schweizerhalle

Am 1. November 1986 brach in einer Lagerhalle des Chemieunternehmens Sandoz in Schweizerhalle bei Muttenz ein Grossbrand aus.

In der Halle lagerten grosse Mengen an Pflanzenschutzmitteln und weiteren Chemikalien. Feuerwehren verhinderten ein Übergreifen auf benachbarte gefährliche Anlagen.

Mit dem Löschwasser gelangten jedoch giftige Stoffe in den Rhein. Das Wasser verfärbte sich rot, und auf einer langen Flussstrecke starben Fische und andere Wasserorganismen.

Die Bevölkerung der Region wurde in der Nacht durch Sirenen und Medienmeldungen alarmiert. Unklare Informationen über die verbrannten Stoffe verstärkten die Angst.

Die Katastrophe führte zu Kritik an Industrie, Behörden, Katastrophenschutz und Umweltkontrollen.

In der Folge wurden Sicherheitsvorschriften, Informationssysteme und der internationale Gewässerschutz verbessert.[11]

Schweizerhalle wurde zu einem Symbol für die Risiken der chemischen Industrie und zu einem wichtigen Ereignis der europäischen Umweltgeschichte.

Laufentalfrage

Hauptartikel: Laufental

Das Laufental gehörte seit 1815 zum Kanton Bern. Es bildete dort den deutschsprachigen Amtsbezirk Laufen.

Während des Jurakonflikts entschied sich die Bevölkerung des Laufentals gegen einen Beitritt zum neu entstehenden Kanton Jura.

Mit der Gründung des Kantons Jura wurde das Laufental zu einer vom übrigen Berner Kantonsgebiet weitgehend abgetrennten Region.

Die Berner Verfassung räumte dem Bezirk das Recht ein, über den Anschluss an einen benachbarten Kanton zu entscheiden.

Als mögliche Partner wurden Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn geprüft. Die politischen, wirtschaftlichen und verkehrsmässigen Beziehungen sprachen besonders für Basel-Landschaft.

1983 unterzeichneten Delegationen des Laufentals und Basel-Landschafts einen Anschlussvertrag.

Eine erste Abstimmung über den Kantonswechsel war von heftigen politischen Auseinandersetzungen begleitet und wurde später wegen unzulässiger finanzieller Einflussnahme aufgehoben.

In der erneuten Abstimmung von 1989 sprach sich die Bevölkerung des Bezirks für den Wechsel zu Basel-Landschaft aus.[12]

Anschluss des Laufentals

Nach der Zustimmung der betroffenen Bevölkerung mussten der Kanton Bern, Basel-Landschaft sowie Volk und Stände der Schweiz den Gebietswechsel bestätigen.

Am 1. Januar 1994 trat der Bezirk Laufen dem Kanton Basel-Landschaft bei.

Basel-Landschaft erhielt damit seinen fünften Bezirk. Die Kantonsfläche und die konfessionelle sowie politische Vielfalt nahmen zu.

Die Laufentaler Gemeinden behielten eigene regionale Institutionen und Identitäten.

Der Anschluss stellte den ersten freiwilligen Kantonswechsel eines ganzen Schweizer Bezirks in der modernen Bundesgeschichte dar.

Die Integration erforderte Anpassungen in Verwaltung, Schule, Justiz, Polizei, Gesundheitswesen und Infrastruktur.

Das gemeinsame Symbol des Baslerstabs erinnerte an die historische Zugehörigkeit des Laufentals zum Fürstbistum Basel.

Wirtschaftlicher Strukturwandel

Seit dem späten 20. Jahrhundert entwickelte sich Basel-Landschaft stärker zu einem Dienstleistungs-, Forschungs- und Hochtechnologiestandort.

Die chemische und pharmazeutische Industrie blieb besonders im Raum Muttenz, Pratteln und Schweizerhalle von grosser Bedeutung.

Weitere wichtige Bereiche wurden Maschinenbau, Medizintechnik, Logistik, Detailhandel, Bauwesen und Unternehmensdienstleistungen.

Der Hafen Birsfelden und der Auhafen Muttenz verbanden den Kanton mit der Rheinschifffahrt und den europäischen Seehäfen.

Der Rangierbahnhof Muttenz entwickelte sich zu einer zentralen Anlage des schweizerischen Güterverkehrs.

In stadtnahen Gemeinden entstanden Büro-, Einkaufs- und Dienstleistungszentren.

Der obere Kantonsteil blieb stärker durch kleinere und mittlere Betriebe sowie Landwirtschaft geprägt.

Die Unterschiede zwischen Agglomeration, Ergolztal, Jurahöhen und Laufental blieben ein wichtiges Thema der kantonalen Politik.

Agglomerationsentwicklung

Die Siedlungsgebiete von Basel-Stadt und Basel-Landschaft wuchsen im 20. Jahrhundert weitgehend zusammen.

Gemeinden wie Birsfelden, Muttenz, Münchenstein, Binningen, Bottmingen, Allschwil, Oberwil und Reinach entwickelten städtische Strukturen.

Viele Einwohner pendeln täglich über die Kantonsgrenze. Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Verkehr und Freizeitangebote funktionieren weitgehend regional.

Die politische Zersplitterung erschwert jedoch teilweise eine einheitliche Raum- und Verkehrsplanung.

Der öffentliche Verkehr wurde durch Bahn-, Tram- und Buslinien ausgebaut. Mehrere Basler Tramlinien führen in Baselbieter Gemeinden.

Die Zersiedelung, der Verlust landwirtschaftlicher Flächen und die Verkehrsbelastung führten zu verstärkten raumplanerischen Massnahmen.

Gleichzeitig wuchs das Interesse an der Erhaltung historischer Dorfkerne, Kulturlandschaften und Naturgebiete.

Fusionsinitiative von 2014

2012 wurde eine Initiative eingereicht, die eine gemeinsame Verfassungsplanung für die Fusion von Basel-Landschaft und Basel-Stadt verlangte.

Die Initianten argumentierten, dass die bestehenden Kantonsgrenzen den funktionalen Wirtschafts- und Lebensraum zerschnitten.

Gegner warnten vor dem Verlust der Baselbieter Eigenständigkeit und bezweifelten finanzielle Vorteile.

Am 28. September 2014 wurde die Initiative in Basel-Landschaft deutlich abgelehnt. Basel-Stadt stimmte ihr zu.

Da die Zustimmung beider Kantone notwendig gewesen wäre, wurde keine gemeinsame Verfassung ausgearbeitet.

Das Ergebnis bestätigte erneut, dass eine Mehrheit der Baselbieter Bevölkerung die politische Selbständigkeit beibehalten wollte.

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit wurde dennoch in zahlreichen Sachgebieten fortgesetzt.

Gesellschaftlicher Wandel

Die Bevölkerung des Kantons wurde seit der Nachkriegszeit vielfältiger.

Zuwanderer aus anderen Schweizer Kantonen und aus dem Ausland liessen sich besonders in den Agglomerationsgemeinden nieder.

Die konfessionelle Zusammensetzung veränderte sich. Neben reformierten und katholischen Christen leben heute Angehörige orthodoxer Kirchen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und Konfessionslose im Kanton.

Die traditionelle Trennung zwischen reformierter alter Landschaft und katholischem Birseck beziehungsweise Laufental verlor im Alltag an Bedeutung.

Bildung und berufliche Mobilität nahmen zu. Viele Einwohner arbeiten ausserhalb ihrer Wohngemeinde oder des Kantons.

Die starke Alterung der Bevölkerung, steigende Wohnkosten und die Finanzierung sozialer Einrichtungen gehören zu den neueren Herausforderungen.

Vereine, Fasnacht, Banntag, lokale Museen und Gemeindeanlässe tragen weiterhin zur lokalen Identität bei.

Geschichtsforschung und Erinnerungskultur

Das Staatsarchiv Basel-Landschaft bewahrt die Unterlagen des Kantons seit seiner Gründung sowie zahlreiche ältere Bestände zur ehemaligen Basler Landschaft.

Die Kantonsbibliothek Baselland sammelt Literatur, Zeitungen und Dokumente zur regionalen Geschichte.

Das Museum.BL in Liestal vermittelt Natur-, Kultur- und Kantonsgeschichte. Es befindet sich im ehemaligen Korn- und Zeughaus.

Die Römerstadt Augusta Raurica ist die bedeutendste archäologische Institution des Kantons.

Lokale Museen, Heimatkunden und historische Vereine dokumentieren die Geschichte der einzelnen Gemeinden und Regionen.

Die sechsbändige Kantonsgeschichte Nah dran, weit weg erschien 2001 und behandelt Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in vergleichender und problemorientierter Form.[13]

Die Erinnerung an die Kantonstrennung bleibt ein zentraler Bestandteil der Baselbieter Identität. Gleichzeitig wird sie heute stärker als komplexer Bürgerkrieg und nicht nur als eindeutiger Freiheitskampf dargestellt.

Der 3. August wird als Erinnerungstag an die Hülftenschanz wahrgenommen, besitzt aber keinen einheitlichen offiziellen Stellenwert im gesamten Kanton.

Historische Bedeutung

Die Geschichte Basel-Landschafts zeigt den langfristigen Wandel eines städtischen Untertanengebiets zu einem demokratischen und eigenständigen Kanton.

Die Gemeinden verfügten bereits vor 1798 über lokale Selbstverwaltung, waren jedoch von der kantonalen politischen Macht ausgeschlossen.

Die Revolution von 1798 führte erstmals zur rechtlichen Gleichheit zwischen Stadt und Land. Die Restauration von 1814 schränkte diese Gleichheit erneut ein.

Die Kantonstrennung von 1832 und 1833 war das Ergebnis politischer Benachteiligung, gesellschaftlichen Wandels und des Scheiterns eines verfassungsrechtlichen Ausgleichs.

Der junge Kanton entwickelte früh weitreichende direktdemokratische Institutionen. Diese wurden zu einem wichtigen Teil des politischen Selbstverständnisses.

Die wirtschaftliche Entwicklung blieb trotz der politischen Trennung eng mit Basel verbunden. Seidenbandweberei, Industrie, Chemie, Handel und Verkehr bildeten einen gemeinsamen regionalen Wirtschaftsraum.

Die Abstimmungen von 1969 und 2014 bestätigten die politische Eigenständigkeit. Partnerschaftliche Institutionen zeigen gleichzeitig die enge funktionale Verbindung beider Kantone.

Der Anschluss des Laufentals von 1994 erweiterte den Kanton um eine Region mit eigener historischer und konfessioneller Tradition.

Basel-Landschaft verbindet heute römisches Kulturerbe, mittelalterliche Herrschaftsräume, ländliche Traditionen, Industriegeschichte und moderne Agglomerationsentwicklung.

Siehe auch

Literatur

  • Ruedi Epple, Anna C. Fridrich, Daniel Hagmann, Fridolin Kurmann, Martin Leuenberger und Albert Schnyder: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft. 6 Bände, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2001.
  • Roger Blum: Die Beteiligung des Volkes im jungen Kanton Basel-Landschaft. Liestal 1977.
  • Fritz Grieder: Glanz und Niedergang der Baselbieter Heimposamenterei im 19. und 20. Jahrhundert. Liestal 1985.
  • Martin Meier: Die Industrialisierung im Kanton Basel-Landschaft. Eine Untersuchung des demografischen und wirtschaftlichen Wandels 1820–1940. Liestal 1997.
  • Staatsarchiv Basel-Landschaft (Hrsg.): Basel-Landschaft in historischen Dokumenten. Mehrere Bände, Liestal.
  • Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft (Hrsg.): Bericht des Regierungsrates zur Katastrophe von Schweizerhalle vom 1. November 1986. Liestal 1987.
  • Museum.BL und Archäologie Baselland (Hrsg.): Publikationen zur Archäologie, Kultur- und Naturgeschichte des Kantons Basel-Landschaft.
  • Gesellschaft für Baselbieter Heimatforschung (Hrsg.): Baselbieter Heimatbuch. Liestal, seit 1942.
  • Fritz Klaus: Basel-Landschaft in historischen Dokumenten. Liestal.
  • Karl Gauss: Geschichte der Landschaft Basel und des Kantons Basel-Landschaft. Liestal.

Einzelnachweise