Bahnstrecke Sulgen–Gossau

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Bahnstrecke Sulgen–Gossau
Alternativname Bischofszellerbahn
Strecke SulgenBischofszellGossau SG
Streckennummer 852
Länge 22,94 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Eröffnung 1. Februar 1876 (Sulgen–Bischofszell), 5. Juli 1876 (Gesamtstrecke)
Ursprüngliche Gesellschaft Eisenbahngesellschaft Sulgen–Bischofszell–Gossau
Spätere Gesellschaft Schweizerische Nordostbahn (NOB)
Heutige Eigentümerin Schweizerische Bundesbahnen (SBB)
Personenverkehr Thurbo
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Elektrifizierung 15. Mai 1936
Gleise 1
Maximale Neigung 17 ‰
Kantone Thurgau, St. Gallen

Die Bahnstrecke Sulgen–Gossau ist eine 22,94 Kilometer lange, normalspurige Eisenbahnstrecke in den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Sie verbindet Sulgen an der Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn über Kradolf, Bischofszell, Hauptwil und Arnegg mit Gossau SG an der Hauptstrecke Winterthur–St. Gallen. Die Linie wird traditionell als Bischofszellerbahn bezeichnet.

Die Strecke wurde 1876 in zwei Etappen eröffnet. Am 1. Februar nahm der Abschnitt Sulgen–Bischofszell den Betrieb auf, am 5. Juli 1876 folgte die vollständige Verbindung bis Gossau.[1] Sie stellte erstmals eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen dem Thurtal und dem Raum St. Gallen her.

Die Bahn wurde ursprünglich von der Eisenbahngesellschaft Sulgen–Bischofszell–Gossau gebaut. Der Betrieb lag jedoch bereits früh bei der Schweizerischen Nordostbahn (NOB), die die Linie später vollständig übernahm. Seit der Verstaatlichung der NOB im Jahr 1902 gehört die Strecke den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Heute wird der Personenverkehr von Thurbo durchgeführt. Die Strecke ist Teil der Linie S5 der S-Bahn St. Gallen und verbindet im Fahrplanjahr 2026 Weinfelden über Sulgen, Bischofszell und Gossau mit St. Gallen. Seit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2025 verkehren die S5-Züge zwischen Weinfelden und St. Gallen von Montag bis Samstag durchgehend im Halbstundentakt.[2]

Bezeichnung

Die Bezeichnung Bischofszellerbahn wurde ursprünglich für die private Eisenbahngesellschaft verwendet, welche die Strecke Sulgen–Bischofszell–Gossau errichtete. Der Name ging später auf die Bahnstrecke selbst über und wird bis heute verwendet.

In historischen Quellen erscheint die Gesellschaft unter der Bezeichnung Eisenbahngesellschaft Sulgen–Bischofszell–Gossau. Als Kurzbezeichnung wurde teilweise SG verwendet.

Der Name unterstreicht die zentrale Bedeutung der Stadt Bischofszell für die Entstehung der Linie. Das Städtchen lag im 19. Jahrhundert abseits der bereits bestehenden Hauptbahnen und setzte sich deshalb stark für einen eigenen Bahnanschluss ein.

Vorgeschichte

Eisenbahnbau im Thurgau

Der Kanton Thurgau erhielt bereits früh Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. 1855 eröffnete die Schweizerische Nordostbahn die Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn. Diese verlief über Frauenfeld, Weinfelden, Sulgen und Amriswil nach Romanshorn.

Die Strecke folgte weitgehend dem Thurtal beziehungsweise der Ost-West-Achse des Kantons. Mehrere Gemeinden südlich dieser Linie, darunter Bischofszell, blieben zunächst ohne direkten Bahnanschluss.

Bischofszell war damals ein regional bedeutender Markt- und Industriestandort. Besonders die Textilindustrie, verschiedene Gewerbebetriebe und der Handel benötigten leistungsfähige Verkehrsverbindungen.

Der Transport von Waren mit Pferdefuhrwerken zu den Bahnhöfen an den bestehenden Hauptlinien war zeitaufwendig und teuer. Ein eigener Eisenbahnanschluss wurde deshalb zunehmend als Voraussetzung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung betrachtet.

Erste Projekte

Bereits in den 1860er-Jahren entstanden verschiedene Projekte für eine Bahn nach Bischofszell.

Nach den Unterlagen zum 150-Jahr-Jubiläum der Bischofszellerbahn wurden unterschiedliche Linienführungen untersucht. Der Ingenieur Fritz Looser projektierte unter anderem Verbindungen:

  • Bischofszell–Sulgen,
  • Bischofszell–Amriswil,
  • Bischofszell–Gossau,
  • Bischofszell–Uzwil,
  • Bischofszell–Schwarzenbach SG.[3]

Eine wichtige Grundsatzfrage war, ob die Bahn lediglich einen Anschluss an die bestehende Thurtallinie schaffen oder als durchgehende Verbindung zwischen dem Thurtal und dem Raum St. Gallen gebaut werden sollte.

Schliesslich setzte sich die Variante Sulgen–Bischofszell–Gossau durch. Sie bot Bischofszell nicht nur Zugang zur Hauptbahn Winterthur–Romanshorn, sondern gleichzeitig eine direkte Verbindung in Richtung St. Gallen.

Gründung der Bischofszellerbahn

Am 30. Oktober 1873 wurde die Eisenbahngesellschaft Sulgen–Bischofszell–Gossau gegründet.[1]

Grundlage waren Konzessionen der Kantone Thurgau und St. Gallen. Der Kanton Thurgau hatte seine Konzession am 9. September 1872 erteilt, der Kanton St. Gallen folgte am 20. Januar 1873.[1]

Die Finanzierung erfolgte durch Aktienkapital, öffentliche und private Beiträge sowie Kredite. Zu den Kreditgebern gehörten unter anderem die Basler Bank Labhardt & Cie. und die Thurgauische Hypothekenbank.

Auch Gemeinden und lokale Unternehmen beteiligten sich am Projekt.

Besonders stark engagierte sich Bischofszell. Nach Angaben der Stadt wurden für die Finanzierung des Bahnbaus unter anderem Grundstücke sowie Besitz der Bürgergemeinde verkauft.[4]

Auch in Hauptwil unterstützten lokale Unternehmer den Bahnbau. Die dort einflussreiche Familie Brunnschweiler beteiligte sich aktiv an der Förderung der Eisenbahnlinie.[5]

Bau

Die Bauarbeiten begannen in der ersten Hälfte der 1870er-Jahre.

Obwohl die Strecke mit weniger als 23 Kilometern vergleichsweise kurz ist, erforderte der Abschnitt südlich von Bischofszell mehrere aufwendige Ingenieurbauten.

Das Gelände zwischen dem Thurtal und Gossau steigt deutlich an. Während der Bahnhof Sulgen auf rund 450 Metern über Meer liegt, befindet sich Gossau auf mehr als 630 Metern über Meer.

Zwischen Bischofszell und Hauptwil musste zudem das tief eingeschnittene Tal der Sitter überwunden werden.

Die maximale Neigung der Strecke beträgt rund 17 Promille.

Eröffnung 1876

Der erste Abschnitt zwischen Sulgen und Bischofszell wurde am 1. Februar 1876 eröffnet.[1]

Damit erhielt Bischofszell erstmals Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz.

Die vollständige Strecke von Sulgen über Bischofszell nach Gossau folgte am 5. Juli 1876.[1]

Mit der Fertigstellung entstand erstmals eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen dem Thurtal und dem Raum St. Gallen.

In Gossau bestand Anschluss an die bereits 1856 eröffnete Hauptbahn nach St. Gallen und Winterthur. In Sulgen konnten Reisende auf die Züge der Nordostbahn in Richtung Winterthur, Weinfelden und Romanshorn umsteigen.

Die neue Bahn erschloss zugleich mehrere kleinere Ortschaften zwischen diesen Hauptachsen.

Betrieb durch die Nordostbahn

Die Bischofszellerbahn war zwar rechtlich eine selbstständige Gesellschaft, besass jedoch keine eigenständige grosse Betriebsorganisation.

Bereits 1875 wurde die Linie an die Schweizerische Nordostbahn verpachtet. Die NOB führte den Betrieb mit eigenem Personal und eigenem Rollmaterial.

Die Bischofszellerbahn besass deshalb keine bedeutende eigene Fahrzeugflotte.

Diese Konstruktion war bei kleineren Privatbahnen des 19. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Die Zusammenarbeit mit einer grossen Bahngesellschaft ermöglichte einen rationelleren Betrieb und bessere Anschlüsse an das bestehende Netz.

Übernahme durch die Nordostbahn

Die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft blieb schwierig.

Am 31. Juli 1885 ging die Bischofszellerbahn vollständig in den Besitz der Schweizerischen Nordostbahn über.[1]

Damit verschwand die ursprüngliche Eisenbahngesellschaft, der Name Bischofszellerbahn blieb jedoch für die Strecke erhalten.

Die Linie wurde nun unmittelbar Bestandteil des grossen NOB-Netzes in der Nordostschweiz.

Übergang an die SBB

Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die wichtigsten privaten Schweizer Eisenbahngesellschaften verstaatlicht.

Die Schweizerische Nordostbahn ging 1902 in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf.

Damit wurde auch die Bahnstrecke Sulgen–Gossau Eigentum der SBB.

Sie gehört bis heute zur SBB-Infrastruktur, während der regionale Personenverkehr seit dem frühen 21. Jahrhundert von Thurbo durchgeführt wird.

Dampfbetrieb

Während der ersten sechs Jahrzehnte wurde die Strecke mit Dampflokomotiven betrieben.

Insbesondere die Steigungen zwischen Bischofszell, Hauptwil, Arnegg und Gossau verlangten den damaligen Fahrzeugen erhebliche Leistungen ab.

Für die Dampflokomotiven musste an verschiedenen Stationen Wasser bereitgestellt werden.

In Bischofszell wurde Wasser am Bischofsberg gefasst und über eine Leitung zum Bahnhof geführt. Die Stadt Bischofszell erinnert mit dem sogenannten Brunnenmanndli an diese historische Wasserversorgung der Bahn.[4]

Von 1876 bis 1936 prägten Dampflokomotiven den Betrieb auf der Strecke.

Elektrifizierung

Am 15. Mai 1936 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen.[1]

Die Bahn erhielt das bei den SBB übliche Stromsystem mit 15 Kilovolt Einphasenwechselstrom. Die ursprüngliche Frequenz von 16⅔ Hertz wird heute mit 16,7 Hertz angegeben.

Die Elektrifizierung bedeutete eine erhebliche Modernisierung. Elektrische Fahrzeuge beschleunigten schneller, benötigten keine Kohle und waren insbesondere auf den steigungsreichen Abschnitten leistungsfähiger.

Die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus nennt 1936 ebenfalls als Jahr der Elektrifizierung der Strecke.[5]

Mit der Elektrifizierung endete nach rund 60 Jahren der reguläre Dampfbetrieb.

Streckencharakter

Die Bahnstrecke ist bis heute eingleisig.

Zugkreuzungen sind deshalb nur an entsprechend ausgebauten Bahnhöfen beziehungsweise Kreuzungsstellen möglich.

Die Strecke weist einen sehr unterschiedlichen Charakter auf. Zwischen Sulgen und Kradolf verläuft sie durch das vergleichsweise offene Thurgauer Landschaftsgebiet. Im Raum Bischofszell führt sie durch stärker gegliedertes Gelände.

Südlich von Bischofszell steigt die Bahn in Richtung Hauptwil und Arnegg an. Dabei bestimmen Brücken, Einschnitte, Dämme und bewaldete Hangabschnitte das Landschaftsbild.

Von Arnegg führt die Strecke weiter bergwärts nach Gossau.

Streckenverlauf

Sulgen

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Sulgen im Kanton Thurgau.

Sulgen liegt an der 1855 eröffneten Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn. Der Bahnhof war dadurch bereits mehr als zwanzig Jahre vor der Eröffnung der Bischofszellerbahn Teil des schweizerischen Eisenbahnnetzes.

Mit der Linie nach Bischofszell und Gossau wurde Sulgen zum Abzweigbahnhof.

Heute bestehen hier Anschlüsse in Richtung:

Der historische Bahnbetrieb hinterliess in Sulgen verschiedene Anlagen. Das Archiv von SBB Historic dokumentiert unter anderem das frühere Lokomotivdepot und weitere Bahnbauten aus den 1870er-Jahren.[6]

Kradolf

Von Sulgen führt die Strecke südwärts in Richtung Kradolf.

Kradolf gehört heute zur Gemeinde Kradolf-Schönenberg.

Die Eisenbahn war für die industrielle Entwicklung des Ortes von grosser Bedeutung. Die Region an Thur und Sitter verfügte über zahlreiche Betriebe, insbesondere aus der Textil- und Papierindustrie.

Der Bahnhof beziehungsweise die Haltestelle Kradolf ist heute Teil des Netzes der S5.

Im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der S-Bahn-Infrastruktur wurde Kradolf in den 2010er-Jahren als Kreuzungsstelle ausgebaut.[7]

Sitterdorf

Die nächste Station ist Sitterdorf.

Sie liegt in der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf.

Die heutige Haltestelle wurde im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Strecke geschaffen beziehungsweise weiterentwickelt.

Sitterdorf besitzt vor allem Bedeutung für den Regionalverkehr. Die Züge der S5 stellen direkte Verbindungen nach Bischofszell, Sulgen, Weinfelden, Gossau und St. Gallen her.

Die Landschaft wird hier bereits stärker durch die Sitter und ihre Seitentäler geprägt.

Bischofszell Nord

Nördlich des historischen Stadtzentrums liegt die Haltestelle Bischofszell Nord.

Sie erschliesst unter anderem Wohn- und Gewerbegebiete im nördlichen Teil der Stadt.

Zwischen Bischofszell Nord und Hauptwil befinden sich einige der technisch interessantesten Abschnitte der gesamten Strecke.

Bischofszell Stadt

Der Bahnhof Bischofszell Stadt ist der wichtigste Zwischenbahnhof der Linie.

Er liegt unmittelbar westlich beziehungsweise südwestlich des historischen Stadtkerns von Bischofszell.

Die Stadt verdankt der Eisenbahn einen wesentlichen Teil ihrer Verkehrsentwicklung seit dem späten 19. Jahrhundert.

Mit der Eröffnung des Abschnitts Sulgen–Bischofszell am 1. Februar 1876 war Bischofszell zunächst für einige Monate Endstation. Am 5. Juli desselben Jahres wurde die Strecke nach Gossau weitergeführt.

Heute ist Bischofszell Stadt ein wichtiger Knoten der S5.

Im Fahrplan 2026 verkehrt die S5 zwischen Weinfelden und Bischofszell Stadt täglich im Halbstundentakt. Zwischen Bischofszell und St. Gallen besteht von Montag bis Samstag ebenfalls bis gegen Mitternacht ein durchgehender Halbstundentakt.[2]

Sitterbrücke

Zu den markantesten Kunstbauten der Bahn gehört die Sitterbrücke im Gebiet von Bischofszell beziehungsweise Sitterdorf.

Die Brücke überwindet das tief eingeschnittene Tal der Sitter.

Sie prägte bereits die ursprüngliche Strecke von 1876 und wurde im Laufe der Eisenbahngeschichte mehrfach unterhalten und angepasst.

SBB Historic besitzt zahlreiche historische Fotografien der Brücke. Dazu gehören Aufnahmen des Jubiläumszuges zum 100-jährigen Bestehen der Bischofszellerbahn im Jahr 1976.[8]

Die Brücken der Strecke zwischen Bischofszell und Hauptwil waren aufgrund ihrer konstruktiven Eigenschaften über Jahrzehnte auch für die Wahl der eingesetzten Fahrzeuge von Bedeutung.

Fahrzeugbeschränkungen auf den Brücken

Die Bischofszellerbahn war lange für besondere Einschränkungen bei den zulässigen Fahrzeuggewichten bekannt.

Mehrere Brücken zwischen Bischofszell Nord und Hauptwil besassen vergleichsweise geringe zulässige Meter- und Achslasten.

Dadurch konnten nicht alle schweren SBB-Lokomotivtypen uneingeschränkt eingesetzt werden.

Für den Güterverkehr mussten deshalb teilweise leichtere Lokomotiven verwendet werden. Besonders bekannt wurde der Einsatz der Re 4/4 I, die auf der Bischofszellerbahn noch verwendet wurde, als diese Lokomotivserie auf vielen anderen Strecken bereits weitgehend verschwunden war.

Auch Gepäcktriebwagen der Reihen Fe 4/4 beziehungsweise De 4/4 wurden wegen ihrer vergleichsweise günstigen Achslasten auf der Strecke eingesetzt.

Die besonderen infrastrukturellen Bedingungen beeinflussten damit über Jahrzehnte die Fahrzeuggeschichte der Bischofszellerbahn.

Hauptwil

Nach der Querung des Sittertals steigt die Strecke in Richtung Hauptwil an.

Hauptwil gehört zur heutigen Gemeinde Hauptwil-Gottshaus.

Die Eisenbahn erreichte den Ort 1876. Die Gemeindegeschichte hält fest, dass damals der erste Dampfzug in die Station Hauptwil einfuhr und die Strecke 1936 elektrifiziert wurde.[5]

Lokale Unternehmer, insbesondere die Familie Brunnschweiler, hatten den Eisenbahnbau aktiv unterstützt.

Die Bahn war für die damals bedeutende Textilindustrie von grossem Nutzen. Rohstoffe und Fertigwaren konnten erheblich einfacher transportiert werden.

Die Station liegt in der Nähe der historisch bedeutenden Hauptwiler Weiherlandschaft.

Heute wird Hauptwil von der S5 bedient. Thurbo bewirbt den Ort unter anderem als Ausgangspunkt für Freizeitangebote rund um die Hauptwiler Weiher.[9]

Im Rahmen des Infrastrukturausbaus wurde Hauptwil in den Jahren um 2017/2018 als zusätzliche Kreuzungsstelle ausgebaut beziehungsweise betrieblich verbessert.[7]

Sorntal

Zwischen Hauptwil und Arnegg führt die Strecke durch die hügelige Landschaft des Grenzgebietes zwischen den Kantonen Thurgau und St. Gallen.

Im Gebiet Sorntal befinden sich weitere historische Bahnbauten.

Die Bahn verlässt hier endgültig das Gebiet des Kantons Thurgau und erreicht den Kanton St. Gallen.

Die Landschaft war historisch stark durch Textilindustrie und Landwirtschaft geprägt.

Arnegg

Arnegg gehört zur politischen Gemeinde Gossau SG.

Der Bahnhof Arnegg ist die wichtigste Zwischenstation auf dem St. Galler Abschnitt der Strecke.

Das Dorf entwickelte sich durch die Eisenbahn und die industrielle Entwicklung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts weiter.

Heute hält hier die S5. Reisende erreichen ohne Umsteigen unter anderem Bischofszell, Sulgen, Weinfelden, Gossau und St. Gallen.

Die Strecke steigt von Arnegg weiter nach Gossau an.

Gossau SG

Endpunkt der Bischofszellerbahn ist der Bahnhof Gossau SG.

Gossau besass bereits seit 1856 einen Bahnanschluss an die Hauptstrecke Winterthur–St. Gallen.

Mit der Eröffnung der Strecke aus Bischofszell im Jahr 1876 wurde der Bahnhof zum Abzweig- und Umsteigebahnhof.

Heute treffen in Gossau mehrere wichtige Verbindungen aufeinander.

Die SBB-Hauptstrecke führt in Richtung:

Ausserdem beginnt in Gossau die Strecke der Appenzeller Bahnen über Herisau nach Appenzell und Wasserauen.

Die Züge der S5 aus Richtung Bischofszell fahren im Regelfall über Gossau hinaus nach St. Gallen weiter.

Bahnhöfe und Haltestellen

Die heutigen Stationen der Strecke sind von Nordwesten nach Südosten:

  1. Sulgen
  2. Kradolf
  3. Sitterdorf
  4. Bischofszell Nord
  5. Bischofszell Stadt
  6. Hauptwil
  7. Arnegg
  8. Gossau SG

Nicht alle Stationen besitzen dieselbe betriebliche Funktion. Sulgen und Gossau sind wichtige Anschlussbahnhöfe, während Kradolf und Hauptwil zugleich als Kreuzungsmöglichkeiten auf der eingleisigen Strecke von Bedeutung sind.

Personenverkehr

Historischer Verkehr

Nach der Eröffnung 1876 bestanden zunächst relativ wenige Zugpaare pro Tag.

Die Fahrpläne waren auf die Anschlüsse an die Hauptbahnen in Sulgen und Gossau abgestimmt.

Mit zunehmender Industrialisierung und wachsender Bevölkerung nahm das Angebot schrittweise zu.

Die Bahn diente sowohl dem Berufs- und Schülerverkehr als auch Fahrten zu Märkten und regionalen Zentren.

Von besonderer Bedeutung waren direkte Verbindungen in Richtung St. Gallen. Dadurch erhielt Bischofszell Zugang zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren der Ostschweiz.

S-Bahn St. Gallen

Mit der Einführung und dem Ausbau der S-Bahn St. Gallen wurde die Strecke Teil eines systematischen regionalen Bahnnetzes.

Heute wird sie von der Linie S5 bedient.

Die S5 verbindet grundsätzlich:

Weinfelden–Sulgen–Kradolf–Bischofszell–Hauptwil–Arnegg–Gossau–St. Gallen.

Ein Teil der Verbindungen wird über St. Gallen hinaus in Richtung Bodensee und Rheintal weitergeführt.

Damit besitzt die ehemalige lokale Nebenbahn heute eine regionale Durchmesserfunktion.

Fahrplan 2026

Mit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2025 wurde das Angebot auf der S5 erneut erweitert.

Zwischen Weinfelden und St. Gallen verkehren die Züge seitdem von Montag bis Samstag bis gegen Mitternacht durchgehend im Halbstundentakt.[2]

Zwischen Weinfelden und Bischofszell Stadt besteht der Halbstundentakt weiterhin täglich.

Zusätzlich wurden Abendverbindungen zwischen Bischofszell und St. Gallen verbessert.[2]

Diese Entwicklung verdeutlicht die wachsende Bedeutung der Strecke für Pendler- und Freizeitverkehr zwischen dem Mittelthurgau und der Agglomeration St. Gallen.

Thurbo

Der Regionalverkehr auf der Bahnstrecke wird von Thurbo durchgeführt.

Thurbo ist ein Bahnunternehmen der SBB mit Beteiligung des Kantons Thurgau und betreibt einen grossen Teil des Regionalverkehrs in der Ostschweiz.[10]

Die Bischofszellerbahn gehört zu den charakteristischen Strecken des Thurbo-Netzes.

Über die S5 verbindet das Unternehmen Gemeinden zweier Kantone mit den wichtigen Bahnknoten Weinfelden, Gossau und St. Gallen.

Fahrzeuge

Im Laufe von 150 Jahren wurden auf der Strecke zahlreiche unterschiedliche Fahrzeugtypen eingesetzt.

Dampflokomotiven

Zwischen 1876 und 1936 dominierten Dampflokomotiven.

Da die Bahn durch die NOB und später die SBB betrieben wurde, kamen Fahrzeuge dieser Gesellschaften zum Einsatz.

Die Steigungen und beschränkten Brückenlasten beeinflussten die Auswahl geeigneter Lokomotiven.

Elektrische Triebwagen

Nach der Elektrifizierung übernahmen elektrische Lokomotiven und Triebwagen den Personen- und Güterverkehr.

Zu den charakteristischen Fahrzeugen gehörten über längere Zeit SBB-Gepäcktriebwagen der Reihen Fe 4/4 und De 4/4.

Später kamen unter anderem Pendelzüge und verschiedene SBB-Triebwagen zum Einsatz.

Re 4/4 I

Eine besondere Rolle spielte die leichte Elektrolokomotive Re 4/4 I.

Wegen der beschränkten Brückenlasten konnte sie auf der Strecke auch dann noch eingesetzt werden, als schwerere Lokomotiven auf anderen Teilen des SBB-Netzes längst üblich waren.

Die Bischofszellerbahn gehörte dadurch zu den letzten regulären Einsatzgebieten dieser Lokomotivserie.

Thurbo GTW

Im frühen 21. Jahrhundert prägten insbesondere die niederflurigen Gelenktriebwagen GTW von Stadler Rail den Regionalverkehr.

Die Fahrzeuge eigneten sich aufgrund ihrer Beschleunigung, ihrer vergleichsweise leichten Bauweise und der Niederflureinstiege gut für die Regionalstrecke mit zahlreichen Halten.

Thurbo ersetzt seine bisherige GTW-Flotte seit 2026 schrittweise durch neue Triebzüge des Typs FLIRT Evo.[11]

Güterverkehr

Die Bahn wurde nicht nur für den Personenverkehr gebaut. Für die Industriebetriebe entlang der Strecke war der Gütertransport von grosser Bedeutung.

Bischofszell, Hauptwil und die umliegenden Gemeinden besassen im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Textil- und Lebensmittelbetriebe.

Die Eisenbahn ermöglichte den Transport von:

  • Rohstoffen,
  • Textilien,
  • Maschinen,
  • landwirtschaftlichen Produkten,
  • Kohle,
  • Baumaterialien und
  • weiteren Industrieerzeugnissen.

Mehrere Unternehmen verfügten über eigene Anschlussgleise.

Auch die Industrie in Bischofszell nutzte die Bahn intensiv. Die Strecke war deshalb über viele Jahrzehnte sowohl eine Personen- als auch eine Güterbahn.

Mit dem Ausbau des Strassenverkehrs und der Konzentration des Schienengüterverkehrs auf grössere Anlagen verlor der lokale Güterverkehr später an Bedeutung.

Bedeutung für Bischofszell

Keine Gemeinde entlang der Strecke ist so eng mit ihrer Entstehung verbunden wie Bischofszell.

Vor 1876 lag die Stadt abseits der grossen Eisenbahnlinien. Die Eröffnung der Bahn verbesserte ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten erheblich.

Unternehmen erhielten direkten Zugang zu den Märkten in St. Gallen, Zürich und am Bodensee.

Auch für die Einwohner verkürzten sich die Reisezeiten deutlich.

Die Bahn beeinflusste zugleich die bauliche Entwicklung. Rund um die Station entstanden Gewerbebauten, Wohnhäuser und neue Verkehrsachsen.

Die Stadt Bischofszell betrachtet die Eisenbahn deshalb als wichtigen Bestandteil ihrer modernen Ortsgeschichte.[4]

Bedeutung für Hauptwil

Auch Hauptwil besass bereits vor der Bahn eine bemerkenswerte Industriegeschichte.

Der Ort war seit dem 17. Jahrhundert ein Zentrum von Textilgewerbe, Färberei und später industrieller Produktion.

Die Bahn ermöglichte einen erheblich effizienteren Warentransport.

Die lokale Unternehmerfamilie Brunnschweiler unterstützte den Bau entsprechend stark.[5]

Die Verbindung trug dazu bei, Hauptwil enger mit Bischofszell, Gossau und den grossen Ostschweizer Wirtschaftsräumen zu verbinden.

Bedeutung für Gossau

Für Gossau machte die Bischofszellerbahn den bereits bestehenden Bahnhof zu einem regionalen Knoten.

Mit der Bahn nach Bischofszell und Sulgen entstand eine direkte Verbindung zwischen St. Gallen und dem Thurtal.

Später kam die Verbindung der Appenzeller Bahnen nach Herisau und Appenzell hinzu.

Gossau entwickelte sich dadurch zu einer wichtigen Drehscheibe zwischen dem Fürstenland, Appenzellerland, Thurgau und der Hauptachse Zürich–St. Gallen.

Bedeutung als Querverbindung

Die besondere Bedeutung der Strecke liegt in ihrer Lage zwischen zwei grossen Ost-West-Bahnachsen.

In Sulgen trifft sie auf die Strecke:

Winterthur–Frauenfeld–Weinfelden–Romanshorn.

In Gossau erreicht sie die Strecke:

Winterthur–Wil–Gossau–St. Gallen.

Dadurch bildet die Bischofszellerbahn eine Querverbindung zwischen dem Thurtal und dem St. Galler Raum.

Diese Funktion war bereits 1876 eines der wichtigsten Argumente für den Bau und besteht bis heute.

Infrastrukturentwicklung

Die eingleisige Struktur setzt dem Fahrplan grundsätzlich Grenzen.

Damit ein dichter Takt möglich ist, müssen entgegenkommende Züge an geeigneten Stellen kreuzen.

In den 2010er-Jahren wurden deshalb unter anderem zusätzliche beziehungsweise verbesserte Kreuzungsmöglichkeiten in Kradolf und Hauptwil geschaffen.[7]

Diese Investitionen ermöglichten eine Verdichtung des S-Bahn-Angebots.

Der Ausbau zeigt, dass auch eine historische eingleisige Nebenbahn durch gezielte Infrastrukturmassnahmen ein leistungsfähiges modernes Regionalverkehrssystem tragen kann.

Tarifverbund

Die gesamte Strecke liegt im Gebiet des Tarifverbunds OSTWIND.

Dadurch können Bahn- und Busverbindungen innerhalb des Verbundgebiets mit gemeinsamen Zonentarifen genutzt werden.

Der Tarifverbund erleichtert insbesondere kombinierte Fahrten zwischen kleineren Gemeinden und den regionalen Zentren Bischofszell, Weinfelden, Gossau und St. Gallen.

Freizeitverkehr

Neben dem Berufs- und Schülerverkehr besitzt die Linie auch Bedeutung für den Freizeitverkehr.

Thurbo bewirbt mehrere Ziele entlang der S5.

Dazu gehören:

  • die historische Altstadt von Bischofszell,
  • die alte Thurbrücke bei Bischofszell,
  • die Hauptwiler Weiher,
  • Wander- und Velorouten im Mittelthurgau,
  • die Stadt St. Gallen.

Die Strecke führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Flusstälern, Wäldern, historischen Industrieorten und landwirtschaftlich geprägten Gebieten.

Jubiläum 2026

Im Jahr 2026 feierte die Bischofszellerbahn ihr 150-jähriges Bestehen.

Am 20. und 21. Juni 2026 fand bei der Lokremise Sulgen ein grosses Eisenbahnfest statt.[12]

Zum Programm gehörten unter anderem:

  • Extrafahrten auf der Bischofszellerbahn,
  • historische Eisenbahnfahrzeuge,
  • Vorführungen bei der Lokremise Sulgen,
  • Führerstandsfahrten mit einer Dampflokomotive,
  • Präsentationen verschiedener Organisationen rund um die Eisenbahn.

Anlässlich des Jubiläums erschien auch eine Publikation zur Geschichte der Strecke unter dem Titel Anschluss an die Zukunft: Wie Bischofszell zur Eisenbahn gekommen ist. Einblicke in die Eisenbahnstrecke Sulgen – Bischofszell – Gossau SG.[12]

Das Jubiläum unterstrich die bis heute starke regionale Identifikation mit der Bahn.

Eisenbahnhistorische Bedeutung

Die Bahnstrecke Sulgen–Gossau ist ein typisches Beispiel für die zahlreichen regionalen Eisenbahnen, die während des grossen Schweizer Eisenbahnbaus der 1870er-Jahre entstanden.

Anders als viele spätere Nebenbahnen wurde die Strecke nie stillgelegt.

Mehrere Faktoren trugen zu ihrem Fortbestand bei:

  • die Verbindung zweier wichtiger Hauptbahnstrecken,
  • die zentrale Lage von Bischofszell,
  • der Pendlerverkehr nach St. Gallen und Weinfelden,
  • die Einbindung in das Netz der S-Bahn St. Gallen,
  • gezielte Modernisierung der Infrastruktur.

Die Bischofszellerbahn hat sich dadurch von einer privat finanzierten Lokalbahn des 19. Jahrhunderts zu einer modernen Regionalverkehrsachse entwickelt.

Zukunft

Die weitere Entwicklung der Bahn ist eng mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs in den Kantonen Thurgau und St. Gallen verbunden.

Der durchgehende Halbstundentakt zwischen Weinfelden und St. Gallen von Montag bis Samstag seit Dezember 2025 stellt einen wichtigen Ausbauschritt dar.[2]

Langfristige Planungen zielen auf weitere Verbesserungen der Bahnangebote in der Ostschweiz.

Dabei spielen insbesondere folgende Themen eine Rolle:

  • ausreichende Kreuzungsmöglichkeiten auf der eingleisigen Strecke,
  • Fahrplanstabilität,
  • barrierefreie Haltestellen,
  • moderne Fahrzeuge,
  • gute Anschlüsse in Sulgen, Gossau und Weinfelden,
  • weitere Verbesserungen in den Rand- und Abendstunden.

Die Strecke dürfte damit auch künftig eine wichtige Rolle im öffentlichen Verkehr zwischen dem Mittelthurgau und dem Raum St. Gallen spielen.

Siehe auch

Literatur

  • Historisches Museum Bischofszell, Michael Mente (Hrsg.): Anschluss an die Zukunft: Wie Bischofszell zur Eisenbahn gekommen ist. Einblicke in die Eisenbahnstrecke Sulgen – Bischofszell – Gossau SG. 2026.
  • 100 Jahre Bischofszeller-Bahn Sulgen–Gossau 1876–1976. Bischofszell 1976.
  • Willi Loepfe: Aufstieg und Untergang der Thurgauischen Hypothekenbank (1851–1914). Thurgauer Beiträge zur Geschichte, Band 151, Verlag des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, Frauenfeld 2014, ISBN 978-3-9524186-0-4.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.

Einzelnachweise