Bahnstrecke Lausanne–Genf

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Bahnstrecke Lausanne–Genf ist eine rund 60 Kilometer lange, normalspurige und elektrifizierte Hauptbahn in der Romandie. Sie verbindet Lausanne im Kanton Waadt mit Genf und verläuft grösstenteils entlang des nördlichen beziehungsweise nordwestlichen Ufers des Genfersees. Die Strecke gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und ist eine der wichtigsten und am stärksten belasteten Eisenbahnachsen der Westschweiz.[1]

Die heutige Verbindung entstand in mehreren Etappen. Der Abschnitt Renens–Morges wurde 1855 eröffnet, Lausanne erhielt 1856 seinen Bahnanschluss. 1858 wurde die Linie von Morges über Nyon und Coppet bis Genf verlängert.[2] Seit 1925 ist die Strecke elektrifiziert. Heute wird sie von InterCity-, InterRegio-, RegioExpress- und Regionalzügen sowie vom Güterverkehr genutzt.

Bahnstrecke Lausanne–Genf
Streckenanfang Lausanne
Streckenende Genf
Länge ca. 60 km
Kantone Waadt, Genf
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Erste Teilstrecke 1855
Durchgehend Lausanne–Genf 1858
Elektrifizierung 1. Februar 1925
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Eigentümerin SBB
Gleise mindestens 2, Genève–Coppet teilweise 3

Bedeutung

Die Bahnstrecke Lausanne–Genf bildet das Rückgrat des Eisenbahnverkehrs im westlichen Genferseeraum. Sie verbindet die beiden grössten Städte der Romandie miteinander und erschliesst gleichzeitig die dicht besiedelte Region zwischen Lausanne, Morges, Rolle, Nyon und Genf.

Auf der Strecke überlagern sich mehrere Verkehrsarten. Fernverkehrszüge verbinden Genf mit Lausanne und weiteren Teilen der Schweiz, Regionalzüge erschliessen die Gemeinden entlang des Genfersees, und Güterzüge nutzen die Achse unter anderem für Transporte zwischen Genf, Lausanne und dem übrigen Schweizer Bahnnetz.

Die hohe Zahl unterschiedlicher Züge führt zu einer starken Auslastung der vorhandenen Infrastruktur. Der Ausbau der Strecke gehört deshalb seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Eisenbahnprojekten der Westschweiz.

Vorgeschichte

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden zwischen Genf und Lausanne vor allem Strassen- und Schiffsverbindungen. Die Entwicklung der Eisenbahn in Europa führte jedoch bald zu Plänen für eine Bahnlinie durch die Westschweiz.

Von besonderer Bedeutung war die Frage, wie Genf, Lausanne, Yverdon und die übrigen Zentren der Westschweiz miteinander und mit den entstehenden Bahnnetzen Frankreichs und der Deutschschweiz verbunden werden sollten.

Im Kanton Waadt entstanden mehrere konkurrierende Projekte. Schliesslich erhielt die Compagnie de l'Ouest-Suisse die entscheidenden Konzessionen zum Bau eines Streckennetzes, das unter anderem Morges, Lausanne und Yverdon miteinander verbinden sollte.

Erste Strecken im Kanton Waadt

Die ersten Eisenbahnabschnitte der Westschweiz wurden 1855 eröffnet. Die Ouest-Suisse nahm eine Verbindung von Yverdon über Bussigny in Betrieb und verlängerte ihr Netz noch im selben Jahr nach Morges.

Der Abschnitt zwischen Renens und Morges wurde am 1. Juli 1855 eröffnet. Damit erhielt Morges als eine der ersten Städte der Romandie einen Eisenbahnanschluss.[2]

Lausanne lag aufgrund seiner topografischen Lage zunächst nicht unmittelbar an dieser Strecke. Eine Zweigstrecke von Renens nach Lausanne wurde am 5. Mai 1856 eröffnet. Der erste Lausanner Bahnhof entstand südlich des damaligen Stadtzentrums.[3]

Damit bestand eine Bahnverbindung Lausanne–Renens–Morges, die später zum östlichen Abschnitt der Hauptstrecke Lausanne–Genf wurde.

Bau nach Genf

Nach der Erschliessung von Morges setzte die Ouest-Suisse den Bau entlang des Genfersees in Richtung Genf fort.

Am 14. April 1858 wurde der Abschnitt von Morges über Rolle und Nyon nach Coppet eröffnet. Am 21. April 1858 folgte die Verlängerung von Coppet nach Versoix.

Der letzte fehlende Abschnitt zwischen Versoix und Genf wurde von der Gesellschaft Chemin de fer Genève–Versoix errichtet und am 25. Juni 1858 eröffnet.

Damit war die Eisenbahnverbindung zwischen Lausanne und Genf vollständig hergestellt.

Die neue Strecke veränderte den Reiseverkehr entlang des Genfersees grundlegend. Orte wie Morges, Rolle, Gland, Nyon, Coppet und Versoix erhielten direkte Eisenbahnverbindungen zu den beiden wichtigsten Städten der Region.

Entwicklung der Bahngesellschaften

Die Eigentums- und Betriebsverhältnisse der Westschweizer Bahnen änderten sich im 19. Jahrhundert mehrfach.

Die Ouest-Suisse schloss sich mit anderen Eisenbahngesellschaften zusammen und wurde 1872 Teil der Suisse-Occidentale. 1881 entstand durch eine weitere Fusion die Suisse-Occidentale–Simplon.

1890 vereinigte sich diese Gesellschaft mit der Jura–Bern–Luzern-Bahn zur Jura-Simplon-Bahn (JS).[4]

Die Jura-Simplon-Bahn besass schliesslich ein ausgedehntes Netz von Genf über Lausanne bis in das Wallis, den Jura und die Zentralschweiz.

Im Zuge der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen ging die Jura-Simplon-Bahn 1902 an die neu geschaffenen Schweizerischen Bundesbahnen über. Seither gehört die Strecke Lausanne–Genf zum SBB-Netz.

Doppelspurausbau

Der Verkehr auf der Strecke nahm bereits wenige Jahre nach ihrer Eröffnung stark zu. Deshalb begann früh der Ausbau auf Doppelspur.

1868 wurden die Abschnitte Morges–Allaman und Gland–Genf zweigleisig. 1872 folgten Lausanne–Renens und Allaman–Gland.

Der Abschnitt Renens–Morges wurde 1879 ausgebaut. Damit war die gesamte Verbindung Lausanne–Genf bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zweigleisig.

Der frühe Doppelspurausbau zeigt die grosse Bedeutung der Strecke im entstehenden schweizerischen Eisenbahnnetz.

Elektrifizierung

Am 1. Februar 1925 nahmen die SBB auf der Strecke Lausanne–Genf den elektrischen Betrieb auf.

Zum Einsatz kam das schweizerische Einphasen-Wechselstromsystem mit 15'000 Volt und ursprünglich 16⅔ Hertz. Die Frequenz wird heute mit 16,7 Hertz angegeben.

Die Elektrifizierung war Teil des umfangreichen Programms der SBB zur Umstellung der wichtigsten Hauptstrecken von Dampf- auf elektrischen Betrieb.

Damit konnten leistungsfähigere Züge eingesetzt und die Reisezeiten weiter verkürzt werden. Gleichzeitig verringerte sich die Abhängigkeit der Schweiz von importierter Kohle.

Streckenverlauf

Lausanne

Die Strecke beginnt im Bahnhof Lausanne, einem der wichtigsten Eisenbahnknoten der Westschweiz.

Von Lausanne bestehen Verbindungen in Richtung Bern, Fribourg, Yverdon-les-Bains, Neuenburg, Vevey, Montreux, Wallis und Genf.

Westlich des Bahnhofs führt die Strecke zunächst durch das dicht bebaute Stadtgebiet.

Prilly-Malley

Zwischen Lausanne und Renens liegt die 2012 eröffnete Haltestelle Prilly-Malley.

Sie erschliesst ein stark wachsendes Gebiet der Lausanner Agglomeration und ist insbesondere für den Regionalverkehr von Bedeutung.

Die Haltestelle ist Teil des Netzes der Waadtländer S-Bahn.

Renens

Der Bahnhof Renens gehört zu den wichtigsten Verkehrsknoten der Agglomeration Lausanne.

Hier zweigen verschiedene Strecken und Verbindungen ab. Unter anderem besteht die Verbindung in Richtung Bussigny und Yverdon.

Renens wurde in den vergangenen Jahren umfangreich modernisiert. Der Ausbau verbessert die Kapazität und ermöglicht einen leistungsfähigeren Regional- und Fernverkehr im Raum Lausanne.

Morges

Der Bahnhof Morges wurde 1855 eröffnet und gehört zu den ältesten Bahnhöfen der Westschweiz.

Morges ist ein wichtiger regionaler Verkehrsknoten. Hier beginnt die meterspurige Bière–Apples–Morges-Bahn, die heute von den Transports de la région Morges–Bière–Cossonay betrieben wird.

Westlich von Morges verläuft die Hauptstrecke weitgehend parallel zum Nordufer des Genfersees.

Allaman

Der Bahnhof Allaman dient als regionaler Umsteigepunkt und erschliesst unter anderem das Gebiet um Aubonne.

Aubonne selbst liegt mehrere Kilometer vom Bahnhof entfernt und erhielt trotz der unmittelbaren Nähe der Hauptbahn keinen eigenen Bahnhof im historischen Ortskern.[5]

Rolle

Der Bahnhof Rolle liegt nördlich des historischen Stadtzentrums von Rolle.

Die Stadt erhielt ihren Bahnanschluss 1858 mit der Eröffnung des Abschnitts Morges–Coppet.

Rolle entwickelte sich im 20. und 21. Jahrhundert zu einem bedeutenden Wohn- und Wirtschaftsstandort zwischen Lausanne und Genf.

Gland

Der Bahnhof Gland erschliesst die Stadt Gland, deren Bevölkerung insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark wuchs.

Der Bahnhof spielt heute eine wichtige Rolle im regionalen Pendlerverkehr in Richtung Lausanne, Nyon und Genf.

Nyon

Der Bahnhof Nyon ist einer der wichtigsten Zwischenbahnhöfe der Strecke.

Die Eröffnung der Eisenbahn 1858 förderte die Entwicklung eines neuen Stadtgebiets nördlich des historischen Zentrums.[6]

In Nyon beginnt zudem die meterspurige Bahnstrecke Nyon–Saint-Cergue–La Cure, welche die Stadt mit dem Waadtländer Jura verbindet.

Coppet

Der Bahnhof Coppet ist ein wichtiger End- und Wendepunkt des Regionalverkehrs.

Seit dem Ausbau des Abschnitts Coppet–Genf spielt Coppet insbesondere für den Léman Express eine zentrale Rolle.

Regionalzüge verkehren von Coppet über Versoix und Genève-Cornavin weiter durch den CEVA in Richtung Annemasse und zu verschiedenen Zielen in Frankreich.

Versoix

Der Bahnhof Versoix erschliesst die Stadt Versoix im Kanton Genf.

Die Eisenbahn beeinflusste die Entwicklung des Ortes stark. Gewerbe- und Wohngebiete entstanden insbesondere in der Umgebung des Bahnhofs.

Zwischen Coppet und Genf liegen neben Versoix mehrere weitere Regionalverkehrshaltestellen, darunter Mies, Tannay, Genthod-Bellevue und Chambésy.

Genf

Die Strecke erreicht schliesslich den Bahnhof Genf-Cornavin, den Hauptbahnhof des Kantons Genf.

Von hier führen Eisenbahnstrecken weiter in Richtung Genève-Aéroport, La Plaine und Frankreich sowie über den CEVA nach Genève-Eaux-Vives und Annemasse.

Genf erhielt seinen ersten Bahnhof 1858.[3]

Dritte Spur Coppet–Genf

Die starke Zunahme des Regionalverkehrs führte gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu Kapazitätsproblemen auf dem Abschnitt zwischen Coppet und Genf.

Im Rahmen der ersten Etappe von Bahn 2000 wurde deshalb zwischen Coppet und Genf eine zusätzliche dritte Spur gebaut.

Sie wurde 2004 in Betrieb genommen und dient hauptsächlich dem Regionalverkehr. Dadurch können Regionalzüge mit häufigen Zwischenhalten weitgehend unabhängig vom schnelleren Fern- und Güterverkehr verkehren.

Der Ausbau war eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Verdichtung des Angebots und die Entwicklung des Léman Express.

Bahn 2000

Hauptartikel: Bahn 2000

Mit der Einführung von Bahn 2000 im Dezember 2004 wurde auch das Zugangebot zwischen Lausanne und Genf neu organisiert.

Ziel war eine dichtere und systematischere Bedienung der wichtigsten Zentren. Fernverkehrszüge sollten schnelle Verbindungen zwischen Lausanne und Genf ermöglichen, während Regionalzüge die dazwischenliegenden Gemeinden erschliessen.

Der Ausbau der dritten Spur Genève–Coppet gehörte zu den bedeutendsten Infrastrukturmassnahmen von Bahn 2000 in der Westschweiz.[1]

Personenverkehr

Die Strecke wird im Fahrplanjahr 2026 von zahlreichen Fern- und Regionalverkehrslinien benutzt.

Zu den wichtigen Fernverkehrsangeboten gehören unter anderem:

Linie Verbindung über Lausanne–Genf
IC1 St. Gallen–Zürich HB–Bern–Lausanne–Genf–Genève-Aéroport
IR15 Luzern–Bern–Lausanne–Genf–Genève-Aéroport
IR90 Brig–Sion–Montreux–Lausanne–Genf–Genève-Aéroport
IR95 Brig–Sion–Montreux–Lausanne–Genf–Genève-Aéroport
RE33 Wallis–Lausanne–Genf, teilweise weiter nach Annemasse

Die genaue Linienführung und einzelne Endpunkte können sich je nach Fahrplanlage unterscheiden.[7]

Zwischen Lausanne und Genf entsteht durch die Überlagerung verschiedener Linien ein sehr dichtes Fernverkehrsangebot.

RER Vaud

Im Raum Lausanne wird die Strecke von Linien der RER Vaud genutzt.

Regionalzüge bedienen unter anderem Prilly-Malley, Renens und Morges sowie je nach Linie weitere Stationen westlich von Lausanne.

Die Entwicklung des RER Vaud führte zu einer deutlichen Verdichtung des Nahverkehrs. Gleichzeitig mussten die Bahnhöfe Lausanne und Renens sowie verschiedene Streckenabschnitte für längere und häufigere Züge ausgebaut werden.

Léman Express

Hauptartikel: Léman Express

Auf dem Abschnitt Coppet–Genf verkehren Züge des Léman Express.

Das vollständige grenzüberschreitende Netz wurde im Dezember 2019 mit der Eröffnung des CEVA zwischen Genève-Cornavin, Genève-Eaux-Vives und Annemasse in Betrieb genommen.

Zwischen Coppet und Genf besteht dadurch ein dichtes Regionalverkehrsangebot. Die Züge fahren von Genève-Cornavin weiter durch den CEVA nach Annemasse und teilweise zu französischen Zielen wie Évian-les-Bains, Annecy, Saint-Gervais-les-Bains-Le Fayet und anderen Orten im Grossraum Genf.

Die dritte Spur zwischen Coppet und Genf bildet eine wesentliche infrastrukturelle Grundlage dieses Angebots.

Güterverkehr

Neben dem umfangreichen Personenverkehr wird die Bahnstrecke auch von Güterzügen benutzt.

Von besonderer Bedeutung ist der Güterverkehr im Raum Lausanne und Genf. In Denges beziehungsweise westlich von Lausanne befindet sich der grosse Rangierbahnhof Lausanne-Triage.

Von dort werden Güterzüge in verschiedene Regionen der Schweiz zusammengestellt beziehungsweise verteilt.

Die hohe Auslastung der Strecke durch Züge unterschiedlicher Geschwindigkeiten erschwert die Planung zusätzlicher Güterzugtrassen.

Genève-Aéroport

Die eigentliche Bahnstrecke Lausanne–Genf endet historisch am Bahnhof Genève-Cornavin. Für den heutigen Personenverkehr ist jedoch die Fortsetzung zum Bahnhof Genève-Aéroport von grosser Bedeutung.

Die Flughafenstrecke wurde am 31. Mai 1987 eröffnet. Sie führt von der Hauptstrecke über das Gebiet von La Châtelaine zum Flughafen Genf.

Zahlreiche Fernverkehrszüge aus Richtung Lausanne fahren über Genève-Cornavin weiter nach Genève-Aéroport. Dadurch besitzt der Flughafen direkte Bahnverbindungen mit Lausanne, Bern, Zürich, dem Wallis und weiteren Teilen der Schweiz.

Léman 2030

Die steigenden Fahrgastzahlen führten Anfang des 21. Jahrhunderts zu einem umfassenden Ausbauprogramm unter dem Namen Léman 2030.

Am 21. Dezember 2009 schlossen die SBB, das Bundesamt für Verkehr sowie die Kantone Waadt und Genf eine Rahmenvereinbarung zur Weiterentwicklung der Bahnverbindung Lausanne–Genève-Aéroport.[8]

Das Programm verfolgt unter anderem das Ziel, die Kapazität des Eisenbahnsystems zwischen Lausanne und Genf langfristig stark zu erhöhen.

Zu den Projekten gehören Aus- und Umbauten der Bahnhöfe Lausanne, Renens und Genf, neue oder erweiterte Gleisanlagen sowie Massnahmen zur Verbesserung der Fahrplanstabilität.

Ausbau Bahnhof Lausanne

Hauptartikel: Bahnhof Lausanne

Der Bahnhof Lausanne ist eines der zentralen Ausbauprojekte des Programms Léman 2030.

Die vorhandenen Anlagen stammen teilweise aus einer Zeit, in der wesentlich kürzere und weniger zahlreiche Züge verkehrten.

Die Perrons sollen für Züge mit einer Länge von bis zu rund 400 Metern geeignet sein. Gleichzeitig werden Zugänge, Personenunterführungen und technische Anlagen erweitert.

Die Arbeiten sind technisch besonders anspruchsvoll, weil der Bahnhof während des Umbaus weiterhin von einer grossen Zahl von Zügen genutzt wird.

Ausbau Bahnhof Renens

Auch der Bahnhof Renens wurde umfassend modernisiert.

Neue Perronanlagen, verbesserte Zugänge und die städtebaulich markante Fussgängerbrücke Passerelle Rayon Vert verbesserten die Verknüpfung zwischen Bahn, Bus und den angrenzenden Quartieren.

Renens ist für den Betrieb der Strecke von besonderer Bedeutung, weil dort verschiedene Verkehrsströme aus Lausanne, Morges, Yverdon und weiteren Richtungen zusammentreffen.

Geplanter Ausbau Morges–Perroy

Zur langfristigen Erhöhung der Kapazität ist ein Ausbau der Infrastruktur zwischen Morges und dem Gebiet von Perroy vorgesehen.

Die Planungen umfassen zusätzliche Gleise beziehungsweise eine neue Doppelspur, um die bestehende Strecke zu entlasten und eine alternative Verkehrsführung zu ermöglichen.[9]

Eine zusätzliche Infrastruktur ist auch deshalb von Bedeutung, weil auf grossen Teilen der heutigen Strecke keine leistungsfähige Ausweichroute existiert. Störungen oder Bauarbeiten können daher erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Bahnverkehr zwischen Lausanne und Genf haben.

Kapazitätsprobleme

Die Strecke gehört zu den am stärksten beanspruchten Bahnverbindungen der Schweiz.

Fernverkehr, Regionalverkehr und Güterzüge benutzen teilweise dieselben Gleise. Da schnelle Fernverkehrszüge langsamere Regional- und Güterzüge überholen müssen, lässt sich die theoretische Kapazität einer Doppelspur nicht vollständig für zusätzliche Züge nutzen.

Besonders problematisch ist die fehlende Redundanz. Wird eines der beiden Hauptgleise durch eine Störung blockiert, stehen nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung.

Die kantonale Eisenbahnstrategie des Kantons Waadt sieht deshalb langfristig zusätzliche Kapazitäten zwischen Lausanne und Genf als zentrale Voraussetzung für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs.[10]

Verkehrliche Bedeutung

Die Bahnstrecke Lausanne–Genf verbindet zwei der wichtigsten Wirtschafts-, Bildungs- und Verwaltungszentren der Schweiz.

Entlang der Linie befinden sich zudem zahlreiche internationale Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie stark wachsende Wohngebiete. Insbesondere die Region zwischen Nyon und Genf gehört funktional zum grenzüberschreitenden Grossraum Genf.

Die Bahn besitzt deshalb eine zentrale Bedeutung für Pendlerinnen und Pendler. Gleichzeitig ist sie Teil wichtiger nationaler Verbindungen zwischen Genf und Bern, Zürich, St. Gallen sowie dem Wallis.

Durch den Anschluss an Genève-Aéroport besitzt die Strecke auch für den internationalen Reiseverkehr eine grosse Bedeutung.

Landschaft

Die Strecke verläuft durch eine der bekanntesten Kulturlandschaften der Westschweiz.

Zwischen Lausanne und Morges bieten sich teilweise Ausblicke auf den Genfersee und die Savoyer Alpen. Weiter westlich führt die Bahn durch Weinbau- und Landwirtschaftsgebiete sowie die zunehmend dicht besiedelten Agglomerationen um Nyon und Genf.

Im Unterschied zur Simplonstrecke zwischen Lausanne und Montreux verläuft die Linie jedoch nur abschnittsweise unmittelbar am Seeufer.

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Jean-Pierre Bastian: La ligne du lac: 150 ans de chemin de fer Lausanne–Genève. Publikationen zur Westschweizer Eisenbahngeschichte.
  • Schweizerische Bundesbahnen: Léman 2030 – Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur zwischen Lausanne und Genève-Aéroport. Lausanne.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Kanton Waadt: Lausanne–Genève – Rail 2000, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Historisches Lexikon der Schweiz: Morges, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Historisches Lexikon der Schweiz: Gares, abgerufen am 9. August 2026.
  4. Historisches Lexikon der Schweiz: Jura-Simplon-Bahn, abgerufen am 9. August 2026.
  5. Historisches Lexikon der Schweiz: Aubonne, abgerufen am 9. August 2026.
  6. Historisches Lexikon der Schweiz: Nyon, abgerufen am 9. August 2026.
  7. SBB: Direktverbindungen Fernverkehr, Fahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  8. SBB: Léman 2030, abgerufen am 9. August 2026.
  9. SBB: Projekte Léman 2030, abgerufen am 9. August 2026.
  10. Kanton Waadt: Stratégie cantonale ferroviaire – Vision 2050, 2024.