Rhätische Bahn

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Rhätische Bahn
Zug der Rhätischen Bahn auf dem Landwasserviadukt
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Abkürzung RhB
Gründung 1889
Frühere Bezeichnung Schmalspurbahn Landquart–Davos
Sitz Chur, Kanton Graubünden
Direktor Renato Fasciati
Verwaltungsratspräsident Mario Cavigelli
Spurweite 1000 mm
Streckenlänge 385 km
Stationen und Haltestellen 102
Höchster Punkt Ospizio Bernina, 2253 m ü. M.
Tiefster Punkt Tirano, 429 m ü. M.
Längster Tunnel Vereinatunnel, 19'042 m
Mitarbeitende rund 1800
Eigentümer Mehrheitsbeteiligung von Bund und Kanton Graubünden
Website rhb.ch

Die Rhätische Bahn (RhB) ist ein schweizerisches Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Chur. Sie betreibt ein rund 385 Kilometer langes, überwiegend meterspuriges Bahnnetz im Kanton Graubünden sowie eine grenzüberschreitende Strecke ins italienische Tirano. Die RhB ist die grösste zusammenhängende Schmalspurbahn der Schweiz und eine der bedeutendsten Gebirgsbahnen Europas.

Das Netz verbindet unter anderem Chur, Landquart, Davos, Arosa, St. Moritz, Pontresina, Scuol, Disentis/Mustér und Tirano. Ein grosser Teil der Strecken führt durch hochalpine Landschaften und über zahlreiche Brücken, Viadukte und Tunnel. Besonders bekannt sind die Albulabahn, die Berninabahn, der Landwasserviadukt, der Kreisviadukt Brusio und der Vereinatunnel.

Die Albula- und Berninalinie gehören seit 2008 unter der Bezeichnung «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina» zum UNESCO-Welterbe. Neben dem regionalen Personenverkehr betreibt die RhB touristische Angebote wie den Bernina Express und beteiligt sich am Betrieb des Glacier Express. Darüber hinaus transportiert sie Güter und bietet durch den Vereinatunnel einen Autoverlad an.

Name

Die Bezeichnung «Rhätische Bahn» bezieht sich auf Rätien, den historischen Namen eines Gebiets, das grosse Teile des heutigen Graubündens und angrenzender Alpenregionen umfasste. Das Unternehmen trug zunächst den Namen Schmalspurbahn Landquart–Davos. Nach dem Ausbau des Netzes und der zunehmenden Bedeutung für den gesamten Kanton wurde es 1895 in Rhätische Bahn umbenannt.

Die offizielle Abkürzung lautet RhB. In rätoromanischen Texten wird der Name meist als Viafier retica, auf Italienisch als Ferrovia retica und auf Französisch als Chemins de fer rhétiques wiedergegeben.

Bedeutung für Graubünden

Die Rhätische Bahn erfüllt in Graubünden eine ähnliche Funktion wie die Schweizerischen Bundesbahnen in anderen Teilen der Schweiz. Sie verbindet die Täler und touristischen Zentren des flächenmässig grössten Schweizer Kantons mit dem nationalen Bahnnetz.

Vor dem Bau der Bahnlinien waren viele Bündner Regionen nur über beschwerliche Passstrassen erreichbar. Der Bahnbau verbesserte die Versorgung mit Lebensmitteln, Baumaterialien und Brennstoffen und erleichterte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Gleichzeitig förderte er die Entwicklung des Tourismus in Davos, St. Moritz, im Engadin, im Prättigau und in anderen Regionen.

Auch im 21. Jahrhundert ist die RhB eine wichtige öffentliche Verkehrsträgerin des Kantons. Ihr Angebot ist mit den Fahrplänen der SBB, von Postauto und weiteren regionalen Verkehrsbetrieben abgestimmt.

Geschichte

Ausgangslage im 19. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Graubünden zunehmend vom Ausbau des schweizerischen Eisenbahnnetzes abhängig. Die 1858 eröffnete Bahnlinie von Rorschach über Chur endete zunächst in der Kantonshauptstadt. Projekte für eine internationale Ostalpenbahn durch Graubünden konnten nicht verwirklicht werden.

Nach der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 verlor der traditionelle Güterverkehr über die Bündner Alpenpässe weiter an Bedeutung. Gleichzeitig wuchsen die Kurorte Davos und St. Moritz. Damit nahm der politische und wirtschaftliche Druck zu, die abgelegenen Täler mit modernen Verkehrsmitteln zu erschliessen.

Eine zentrale Rolle spielte der niederländische Unternehmer Willem Jan Holsboer. Er war in Davos im Hotel- und Gesundheitswesen tätig und erkannte, dass der aufstrebende Kurort eine zuverlässige Bahnverbindung benötigte. Holsboer setzte sich für den Bau einer Schmalspurbahn von Landquart nach Davos ein.

Landquart–Davos-Bahn

Im Jahr 1888 wurde die Gesellschaft Schmalspurbahn Landquart–Davos gegründet. Die Wahl fiel auf eine Spurweite von 1000 Millimetern, weil sich eine meterspurige Bahn besser an das schwierige Gelände anpassen liess und engere Kurven sowie kleinere Kunstbauten ermöglichte.

Der erste Abschnitt von Landquart nach Klosters wurde am 9. Oktober 1889 eröffnet. Am 21. Juli 1890 folgte die Verlängerung nach Davos. Die Strecke führte durch das Prättigau und überwand zwischen Landquart und Davos einen beträchtlichen Höhenunterschied.

Die Bahn erwies sich wirtschaftlich als erfolgreich. Sie brachte Gäste in den Kurort Davos und verbesserte den Warenverkehr im Prättigau. Der Erfolg schuf die Grundlage für den weiteren Ausbau des Bündner Schmalspurnetzes.

Umbenennung und Netzausbau

Da sich das Unternehmen nicht mehr auf die Verbindung Landquart–Davos beschränkte, erhielt es 1895 den Namen Rhätische Bahn. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Streckennetz rasch erweitert.

1896 nahm die RhB die Linie von Landquart nach Chur in Betrieb. Dadurch entstand ein direkter Anschluss an die normalspurige Hauptbahn. 1897 folgte die Strecke von Chur nach Thusis. Von dort wurde die Bahn durch die Albularegion ins Engadin weitergeführt.

1903 erreichte die Albulabahn Celerina und St. Moritz. Die Verbindung über den Albulapass gehörte zu den technisch anspruchsvollsten Eisenbahnprojekten ihrer Zeit. Mit Spiraltunneln, Kehrtunneln und Viadukten wurde der grosse Höhenunterschied ohne Zahnradbetrieb überwunden.

1904 wurde die Strecke von Reichenau-Tamins durch die Surselva nach Ilanz eröffnet. 1912 wurde sie bis Disentis/Mustér verlängert. Dort entstand später der Anschluss an die heutige Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Weitere Linien erschlossen das Unterengadin und das Prättigau. 1913 wurde die Strecke Bever–Scuol-Tarasp eröffnet. Das RhB-Netz erreichte damit im Wesentlichen seine heutige Ausdehnung.

Übernahme anderer Bahngesellschaften

Mehrere heute von der RhB betriebene Linien wurden ursprünglich von selbstständigen Unternehmen gebaut. Dazu gehörten die Berninabahn, die Chur–Arosa-Bahn und die Bellinzona–Mesocco-Bahn.

Die Berninabahn verband ab 1910 St. Moritz über Pontresina und den Berninapass mit Tirano. Sie war von Anfang an elektrisch betrieben und vor allem für den touristischen Verkehr vorgesehen. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde sie rückwirkend auf den 1. Januar 1943 von der RhB übernommen.

Die Chur–Arosa-Bahn wurde 1914 eröffnet und 1942 in die RhB eingegliedert. Die ursprünglich isolierte Strecke von Bellinzona nach Mesocco kam ebenfalls 1942 zur RhB. Der Personenverkehr auf dieser Linie wurde 1972 eingestellt. Später wurde auch der verbliebene Güter- und Museumsbetrieb beendet; die Strecke gehört heute nicht mehr zum regulären RhB-Netz.

Elektrifizierung

Die frühen Strecken der RhB wurden zunächst mit Dampflokomotiven betrieben. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg begann das Unternehmen mit der Elektrifizierung. Die schwierige Versorgung mit Kohle während des Krieges beschleunigte diesen Prozess.

Auf dem Stammnetz setzte die RhB Wechselstrom mit 11 Kilovolt und einer Frequenz von 16⅔ Hertz ein. Die Berninabahn verwendete dagegen Gleichstrom. Aufgrund der unterschiedlichen Stromsysteme waren lange Zeit getrennte Fahrzeugflotten erforderlich.

Moderne Mehrsystemtriebzüge können sowohl auf dem Wechselstromnetz als auch auf der mit Gleichstrom betriebenen Berninalinie verkehren. Dadurch sind durchgehende Zugläufe ohne Lokomotivwechsel möglich.

Bau des Vereinatunnels

Der Vereinatunnel war das grösste Ausbauprojekt der RhB im späten 20. Jahrhundert. Er verbindet Klosters im Prättigau mit Sagliains im Unterengadin und ist 19'042 Meter lang. Der Tunnel wurde am 19. November 1999 eröffnet.

Vor dem Bau des Tunnels war das Unterengadin im Winter auf der Strasse häufig nur über lange Umwege erreichbar. Der Vereinatunnel verkürzte die Reisezeit zwischen dem Prättigau und dem Unterengadin erheblich. Neben Reise- und Güterzügen verkehren durch den Tunnel Autozüge.

Mit seiner Eröffnung wurde die bisherige Strecke über Davos und den Flüelapass als wichtigste ganzjährige Verbindung ins Unterengadin abgelöst. Der Vereinatunnel ist der längste Tunnel im Netz der RhB und einer der längsten meterspurigen Eisenbahntunnel der Welt.

Entwicklung seit 2000

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts modernisierte die RhB zahlreiche Bahnhöfe, Sicherungsanlagen, Tunnel und Brücken. Viele Stationen wurden barrierefrei ausgebaut. Gleichzeitig erneuerte das Unternehmen grosse Teile seiner Fahrzeugflotte.

2008 nahm die UNESCO die Albula- und Berninalinie mit der umgebenden Kulturlandschaft in die Welterbeliste auf. Die Auszeichnung stärkte die internationale Bekanntheit der RhB.

Im Jahr 2010 kamen die ersten Allegra-Triebzüge zum Einsatz. Ab 2015 wurden die Alvra-Gliederzüge für den Verkehr auf der Albulalinie geliefert. Seit 2020 werden die vierteiligen Capricorn-Triebzüge eingesetzt, die einen grossen Teil des Regionalverkehrs übernehmen.

Am 29. Oktober 2022 stellte die RhB im Albulatal einen Weltrekord auf. Ein aus 25 Capricorn-Triebzügen zusammengesetzter, rund 1,9 Kilometer langer Zug befuhr die Strecke von Preda nach Bergün. Die Fahrt wurde als längster schmalspuriger Personenzug der Welt bekannt.

Im Juni 2024 ging der neue Albulatunnel zwischen Preda und Spinas in Betrieb. Der historische Tunnel von 1903 wurde anschliessend zu einem Sicherheitstunnel umgebaut.

Streckennetz

Das Streckennetz der RhB umfasst rund 385 Kilometer. Es ist fast vollständig meterspurig und überwiegend eingleisig. Die wichtigsten Knotenpunkte sind Landquart, Chur, Reichenau-Tamins, Davos Platz, Samedan, St. Moritz und Pontresina.

Ein grosser Teil des Netzes liegt in schwierigem Gebirgsgelände. Etwa ein Drittel der Strecken befindet sich auf mehr als 1500 Metern über Meer. Rund ein Fünftel der gesamten Streckenlänge verläuft über Brücken, durch Tunnel oder entlang anderer Kunstbauten.[1]

Landquart–Davos

Die Strecke Landquart–Davos ist die älteste Linie der RhB. Sie führt von Landquart durch das Prättigau über Schiers, Küblis und Klosters nach Davos.

Zwischen Klosters und Davos überwindet die Bahn einen beträchtlichen Höhenunterschied. Zu den bekannten Bauwerken gehören der Klosterser Kehrtunnel und der Cavadürlertunnel. Die Strecke bildet weiterhin eine wichtige Verbindung für den regionalen und touristischen Verkehr.

In Klosters zweigt die Vereinalinie ins Unterengadin ab. Dadurch hat der Bahnhof eine wichtige Funktion als Knotenpunkt zwischen dem Prättigau, Davos und dem Engadin.

Landquart–Chur–Thusis

Die Linie von Landquart über Chur nach Thusis verläuft weitgehend im Bündner Rheintal. Sie verbindet das RhB-Netz mit dem normalspurigen Fernverkehr der SBB.

In Chur verkehren die Züge der RhB teilweise auf Dreischienengleisen, die sowohl von meterspurigen als auch von normalspurigen Fahrzeugen befahren werden können. Südlich von Chur führt die Strecke über Reichenau-Tamins nach Thusis.

Bei Reichenau-Tamins zweigt die Oberländerlinie nach Disentis/Mustér ab. Thusis ist der Ausgangspunkt der Albulabahn.

Albulabahn

Die Albulabahn führt von Thusis über Tiefencastel, Filisur, Bergün/Bravuogn und Preda durch den Albulatunnel ins Engadin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Gebirgsbahnstrecken der Welt.

Die Strecke wurde so angelegt, dass sie trotz grosser Höhenunterschiede ohne Zahnradabschnitte auskommt. Zwischen Bergün und Preda gewinnt sie mithilfe mehrerer Kehrtunnel und Schleifen an Höhe. Die Linienführung ist im Gelände mehrfach sichtbar und gilt als Meisterleistung des frühen Eisenbahnbaus.

Das bekannteste Bauwerk ist der Landwasserviadukt bei Filisur. Der 65 Meter hohe und 136 Meter lange Steinbogenviadukt führt in einer Kurve direkt in einen Tunnel. Er ist zu einem Wahrzeichen der RhB und des Kantons Graubünden geworden.

Weitere bedeutende Bauwerke sind der Solisviadukt, die Albula-Spiraltunnel und der Albulatunnel zwischen Preda und Spinas.

Reichenau-Tamins–Disentis/Mustér

Die sogenannte Oberländerlinie führt von Reichenau-Tamins durch die Surselva nach Disentis/Mustér. Sie folgt über weite Strecken dem Vorderrhein.

Die Strecke erschliesst unter anderem Ilanz, Trun und Disentis. Zwischen Versam-Safien und Ilanz durchquert sie die Rheinschlucht, die zu den landschaftlich eindrucksvollsten Abschnitten des RhB-Netzes gehört.

In Disentis besteht Anschluss an die Matterhorn-Gotthard-Bahn in Richtung Andermatt, Brig und Zermatt. Der Glacier Express nutzt diese Verbindung für seine durchgehenden Fahrten zwischen St. Moritz beziehungsweise Davos und Zermatt.

Engadinerlinie

Die Engadinerlinie führt von Bever über Samedan, Zuoz und Zernez nach Scuol-Tarasp. Sie erschliesst das Ober- und Unterengadin.

Samedan ist der wichtigste Eisenbahnknoten des Engadins. Von dort führen Strecken nach St. Moritz, Pontresina, Scuol und über die Albulabahn nach Chur. In Bever zweigt die Linie in Richtung Unterengadin von der Albulabahn ab.

Bei Sagliains besteht die Verbindung zum Vereinatunnel. Der Bahnhof Sagliains dient hauptsächlich als Umsteigepunkt und besitzt keinen direkten öffentlichen Zugang von der Strasse.

Berninabahn

Die Berninabahn führt von St. Moritz über Pontresina, den Berninapass und das Puschlav nach Tirano in Italien. Sie ist die höchstgelegene ganzjährig betriebene Adhäsionsbahn Europas.

Der höchste Punkt der Strecke liegt bei Ospizio Bernina auf 2253 Metern über Meer. Von dort fällt die Linie auf rund 40 Kilometern bis nach Tirano auf 429 Meter über Meer ab. Die maximale Steigung beträgt 70 Promille.

Anders als viele Hochgebirgsbahnen besitzt die Berninalinie weder Zahnstangenabschnitte noch einen langen Scheiteltunnel. Sie folgt dem Gelände mit engen Kurven, starken Steigungen und zahlreichen Kunstbauten.

Zu den bekanntesten Bauwerken gehören der Kreisviadukt Brusio und die Alp-Grüm-Kurve. In Tirano fährt der Zug teilweise im Strassenraum durch das Stadtgebiet.

Die Berninalinie wird mit 1000 Volt Gleichstrom betrieben. Das übrige Stammnetz der RhB verwendet Wechselstrom.

Chur–Arosa

Die Arosalinie verbindet Chur mit dem Ferienort Arosa. Sie wurde 1914 eröffnet und war ursprünglich eine eigenständige Bahn.

Die Strecke beginnt auf dem Churer Bahnhofplatz und verläuft zunächst als Strassenbahn durch das Stadtgebiet. Anschliessend folgt sie dem Tal der Plessur und steigt über zahlreiche Kurven und Kunstbauten nach Arosa an.

Das bedeutendste Bauwerk ist der Langwieser Viadukt. Die 1914 fertiggestellte Stahlbetonbrücke ist 285 Meter lang und war bei ihrer Eröffnung eine der grössten Eisenbahnbrücken aus Stahlbeton.

Davos–Filisur

Die Linie Davos–Filisur verbindet das Landwassertal mit der Albulabahn. Sie führt über Davos Glaris, Wiesen und den Wiesnerviadukt nach Filisur.

Die Strecke ist sowohl für den regionalen Verkehr als auch für touristische Rundreisen von Bedeutung. Zwischen Davos und Filisur verkehren regelmässig Regionalzüge, teilweise mit historischen Fahrzeugen.

Der Wiesnerviadukt ist mit einer Höhe von 89 Metern die höchste Brücke im Netz der RhB.

Vereinalinie

Die Vereinalinie zweigt bei Klosters von der Strecke nach Davos ab. Sie führt durch den Zugwaldtunnel und den Vereinatunnel nach Sagliains im Unterengadin.

Ein Abzweig im Tunnelbereich ermöglicht die Fahrt nach Susch. Die Vereinalinie wird von Regionalzügen, Güterzügen und Autozügen genutzt. Sie stellt eine wintersichere Verbindung zwischen Nordbünden und dem Engadin her.

Infrastruktur

Die RhB betreibt 102 Stationen und Haltestellen, 116 Tunnel, 46 Schutzgalerien und mehr als 600 Brücken. Der Anteil der Tunnel am gesamten Streckennetz beträgt ungefähr 15 Prozent.[1]

Das Netz ist aufgrund der Gebirgslage besonders Naturgefahren ausgesetzt. Lawinen, Steinschläge, Hochwasser, Murgänge und starke Schneefälle können den Betrieb beeinträchtigen. Die RhB unterhält deshalb umfangreiche Schutzbauten und überwacht gefährdete Hänge und Gewässer.

Viele Brücken und Tunnel stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Sie werden laufend saniert und an moderne Sicherheitsstandards angepasst. Dabei versucht die RhB, den historischen Charakter denkmalgeschützter Bauwerke zu bewahren.

Bedeutende Tunnel

Der Vereinatunnel ist mit 19'042 Metern der längste Tunnel der RhB. Der neue Albulatunnel ist 5860 Meter lang und verbindet Preda mit Spinas.

Weitere wichtige Tunnel sind der Klosterser Tunnel, der Zugwaldtunnel, der Tasnatunnel, der Charnadüratunnel und die verschiedenen Spiral- und Kehrtunnel der Albulabahn.

Bedeutende Brücken und Viadukte

Zu den bekanntesten Brücken gehören:

Viele historische Viadukte wurden aus Naturstein errichtet. Die Bauweise passte sich an die Landschaft an und nutzte häufig vor Ort gewonnenes Material.

UNESCO-Welterbe

Seit dem 7. Juli 2008 gehören die Albula- und Berninalinie mit Teilen der umgebenden Landschaft zum UNESCO-Welterbe. Die Welterbestätte trägt den offiziellen Namen «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina».

Das geschützte Gebiet erstreckt sich von Thusis über die Albulalinie und St. Moritz bis nach Tirano. Es liegt damit sowohl in der Schweiz als auch in Italien.

Die UNESCO würdigte insbesondere das Zusammenspiel von technischer Leistung und alpiner Kulturlandschaft. Die Bahnlinien erschlossen abgelegene Regionen, ohne die Landschaft vollständig umzugestalten. Ihre Trassierung, Kunstbauten und Bahnhöfe gelten als aussergewöhnliche Beispiele der Eisenbahntechnik um 1900.[2]

Die 67 Kilometer lange Albulalinie umfasst nach Angaben der UNESCO 42 Tunnel und gedeckte Galerien sowie 144 Viadukte und Brücken. Die 61 Kilometer lange Berninalinie besitzt 13 Tunnel und Galerien sowie 52 Viadukte und Brücken.[2]

Zum Welterbe gehören nicht nur die Gleise und Kunstbauten, sondern auch ausgewählte Bahnhöfe, technische Einrichtungen und die sie umgebende Landschaft.

Personenverkehr

Der regionale Personenverkehr bildet eine zentrale Aufgabe der RhB. Die Züge verbinden die Bündner Gemeinden untereinander und stellen Anschlüsse an das nationale und internationale Verkehrsnetz her.

Auf wichtigen Strecken verkehren die Züge im Stunden- oder Halbstundentakt. In touristisch stark frequentierten Gebieten wird das Angebot saisonal verstärkt.

Die Fahrausweise der RhB sind in das schweizerische Tarifsystem integriert. Auf dem Netz gelten unter anderem das Generalabonnement, das Halbtax und verschiedene Verbund- und Touristenangebote.

S-Bahn Chur

Ein Teil des Regionalverkehrs im Raum Chur wird als S-Bahn Chur vermarktet. Die RhB verbindet Chur unter anderem mit Rhäzüns, Thusis und Schiers.

Die S-Bahn verbessert die Erschliessung der Agglomeration und ermöglicht den Anschluss an den Fernverkehr der SBB sowie an regionale Buslinien.

Nacht- und Freizeitverkehr

Neben dem regulären Fahrplan bietet die RhB saisonale und anlassbezogene Verbindungen an. Dazu gehören Wintersportzüge, Sonderzüge zu Veranstaltungen und einzelne Nachtangebote.

Historische Dampf- und Elektrozüge verkehren bei besonderen Anlässen auf verschiedenen Streckenabschnitten.

Bernina Express

Der Bernina Express ist eines der bekanntesten touristischen Angebote der RhB. Er verbindet Chur, Tiefencastel oder St. Moritz über die Albula- und Berninalinie mit Tirano.

Die Züge führen Panoramawagen mit grossen Fenstern. Für die Panoramawagen ist zusätzlich zum Fahrausweis eine Platzreservation erforderlich.

Der Bernina Express überquert den Alpenhauptkamm ohne Scheiteltunnel. Die Fahrt führt vom hochalpinen Berninapass durch das Puschlav in die von südlichem Klima geprägte Region um Tirano.

Teilweise wird eine Busverbindung zwischen Tirano und Lugano als Ergänzung zum Bahnangebot vermarktet.

Glacier Express

Der Glacier Express verbindet St. Moritz und zeitweise Davos mit Zermatt. Die Strecke wird gemeinsam von der RhB und der Matterhorn-Gotthard-Bahn bedient.

Auf dem RhB-Netz fährt der Zug über die Albulabahn, durch die Rheinschlucht und nach Disentis/Mustér. Dort erfolgt der betriebliche Übergang zur Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Der Glacier Express ist kein Hochgeschwindigkeitszug, sondern ein touristischer Panoramazug. Die Reise dauert mehrere Stunden und führt über zahlreiche Brücken, durch Tunnel und über den Oberalppass.

Güterverkehr

Die RhB betreibt neben dem Personenverkehr einen umfangreichen Güterverkehr. Dieser ist für die Versorgung des Kantons Graubünden besonders wichtig.

Transportiert werden unter anderem Mineralölprodukte, Lebensmittel, Getränke, Holz, Baustoffe, Abfälle und Postsendungen. Güter werden an verschiedenen Umschlagplätzen von normalspurigen Wagen oder Strassenfahrzeugen auf die meterspurige Bahn verladen.

Ein Teil der normalspurigen Güterwagen kann mithilfe besonderer Rollschemel oder Rollböcke auf dem Schmalspurnetz transportiert werden. Moderne Logistiklösungen nutzen zunehmend Wechselbehälter und Container.

Der Güterverkehr trägt dazu bei, Lastwagenfahrten auf den Bündner Strassen zu vermeiden. Besonders bei Baustellen und in engen Alpentälern besitzt die Bahn logistische Vorteile.

Autoverlad Vereina

Der Autoverlad durch den Vereinatunnel verbindet Selfranga bei Klosters mit Sagliains im Unterengadin. Personenwagen, Motorräder, Wohnmobile und kleinere Nutzfahrzeuge werden auf speziellen Transportwagen befördert.

Die Fahrt durch den Tunnel dauert deutlich weniger lang als die Strassenverbindung über den Flüelapass. Im Winter ist der Autoverlad besonders wichtig, da der Flüelapass üblicherweise gesperrt ist.

Je nach Tageszeit und Saison verkehren die Autozüge in kurzen Abständen. Für grössere Fahrzeuge und Gefahrgut gelten besondere Bestimmungen.

Rollmaterial

Die Fahrzeugflotte der RhB umfasst rund 1000 Lokomotiven, Triebzüge, Personenwagen, Güterwagen, Dienstfahrzeuge und Autotransportwagen.[3]

Aufgrund der unterschiedlichen Stromsysteme und Einsatzgebiete verfügt die RhB über verschiedene Fahrzeugtypen. Neben modernen Triebzügen werden weiterhin Lokomotiven und historische Fahrzeuge eingesetzt.

Allegra

Die von Stadler Rail gebauten Allegra-Triebzüge wurden ab 2009 geliefert. Die dreiteiligen Zweistromfahrzeuge der Reihe ABe 8/12 können sowohl unter Wechselstrom als auch unter Gleichstrom verkehren.

Sie werden unter anderem auf der Berninalinie und vor dem Bernina Express eingesetzt. Dank ihrer hohen Leistung können sie auch schwere Züge auf steilen Strecken befördern.

Daneben besitzt die RhB vierteilige Allegra-Triebzüge für den Betrieb auf dem Stammnetz.

Alvra

Die Alvra-Gliederzüge wurden für den Fern- und Freizeitverkehr auf der Albulalinie beschafft. Sie bestehen aus sechs fest miteinander verbundenen Wagen und werden in der Regel von einer Lokomotive oder einem Allegra-Triebzug gezogen.

Die Züge verfügen über Niederflureinstiege, Familienbereiche, Veloabteile und grosse Fenster. Ein spezieller Foto- und Aussichtswagen bietet zu öffnende Fenster.

Capricorn

Die vierteiligen Capricorn-Triebzüge bilden die jüngste grosse Fahrzeuggeneration der RhB. Sie werden seit 2020 im Regionalverkehr eingesetzt.

Die Züge können automatisch gekuppelt und getrennt werden. Dadurch lassen sich Zugteile auf gemeinsamen Strecken zusammenführen und später in verschiedene Richtungen weiterleiten. Dieses Flügelzugkonzept ermöglicht direkte Verbindungen bei effizientem Fahrzeugeinsatz.

Die Capricorn-Flotte ersetzte zahlreiche ältere Lokomotivzüge und Triebwagen. Insgesamt bestellte die RhB 56 Einheiten.

Lokomotiven

Zu den bekannten Elektrolokomotiven gehören die Reihen Ge 4/4 I, Ge 4/4 II und Ge 4/4 III. Die Ge 4/4 III werden vor allem vor schweren Reisezügen und auf der Albulalinie eingesetzt.

Viele Lokomotiven tragen Namen und Wappen von Bündner Gemeinden oder Persönlichkeiten. Einzelne Fahrzeuge besitzen Werbegestaltungen.

Historische Fahrzeuge

Die RhB bewahrt zahlreiche historische Fahrzeuge. Dazu gehören Dampflokomotiven, frühe Elektrolokomotiven, Triebwagen, Salonwagen, offene Aussichtswagen und historische Personenwagen.

Mehrere Vereine unterstützen die Erhaltung und den Betrieb des historischen Rollmaterials. Bei Sonderfahrten kommen unter anderem die Dampflokomotiven G 3/4 und G 4/5 zum Einsatz.

Bahnhöfe und Werkstätten

Der Bahnhof Landquart ist einer der wichtigsten Betriebsstandorte der RhB. Dort befinden sich Werkstätten, Abstellanlagen, Verwaltungsbereiche und Einrichtungen für den Güterumschlag.

Weitere bedeutende Betriebsstandorte liegen in Samedan, Poschiavo und Chur. In den Werkstätten werden Triebfahrzeuge und Wagen gewartet, repariert und teilweise modernisiert.

Der Bahnhof Chur ist der wichtigste Übergang zwischen RhB und SBB. St. Moritz bildet einen zentralen Knotenpunkt für den touristischen Verkehr im Oberengadin. Pontresina ist wegen des Wechsels zwischen den Stromsystemen und der Verbindung zur Berninalinie betrieblich bedeutend.

Eigentumsverhältnisse und Organisation

Die Rhätische Bahn ist als Aktiengesellschaft organisiert. Die Mehrheit der Aktien befindet sich im Besitz des Bundes und des Kantons Graubünden. Kleinere Anteile gehören Gemeinden, Unternehmen und privaten Aktionärinnen und Aktionären.[4]

Der Verwaltungsrat legt die strategische Ausrichtung fest. Präsident des Verwaltungsrats ist Mario Cavigelli. Die operative Leitung liegt bei der Geschäftsleitung unter Direktor Renato Fasciati.

Die RhB beschäftigt rund 1800 Mitarbeitende in den Bereichen Verkehr, Infrastruktur, Rollmaterial, Güterverkehr, Vertrieb, Finanzen und Verwaltung.[5]

Sicherheit und Naturgefahren

Der Betrieb einer Gebirgsbahn stellt besondere Anforderungen an die Sicherheit. Strecken und Fahrzeuge müssen grossen Temperaturunterschieden, Schneefall, Eis, Lawinen und Steinschlägen standhalten.

Im Winter setzt die RhB Schneepflüge, Schneeschleudern und weitere Räumfahrzeuge ein. Lawinengefährdete Abschnitte werden durch Galerien, Dämme, Netze und kontrollierte Sprengungen geschützt.

Messsysteme überwachen Hänge, Felsen, Brücken und Gewässer. Bei akuter Gefahr können Strecken vorsorglich gesperrt werden. Die RhB arbeitet dabei mit kantonalen Fachstellen, Gemeinden und lokalen Sicherheitsdiensten zusammen.

Denkmalpflege

Ein grosser Teil der RhB-Infrastruktur besitzt historischen und architektonischen Wert. Bahnhofsgebäude, Stellwerke, Brücken und Tunnel werden deshalb nicht nur technisch, sondern auch denkmalpflegerisch betreut.

Bei Sanierungen sollen charakteristische Materialien, Formen und Farben möglichst erhalten bleiben. Moderne Sicherheitseinrichtungen werden häufig so eingebaut, dass das historische Erscheinungsbild wenig beeinträchtigt wird.

Die Aufnahme der Albula- und Berninalinie in die Welterbeliste erhöhte die Anforderungen an Planung und Unterhalt. Grössere bauliche Veränderungen müssen mit dem Schutzwert der Anlage und der umgebenden Landschaft vereinbar sein.

Tourismus

Die RhB gehört zu den bekanntesten touristischen Verkehrsmitteln der Schweiz. Ihre Strecken verbinden Wintersportorte, Wandergebiete, historische Dörfer und hochalpine Landschaften.

Neben Bernina Express und Glacier Express bietet das Unternehmen Themenfahrten, kulinarische Reisen und historische Sonderzüge an. Zu den bekannten Angeboten gehören Fahrten mit dem Gourmino-Speisewagen und dem historischen Alpine Classic Pullman Express.

Entlang der Albulalinie verläuft der Bahnerlebnisweg zwischen Preda und Bergün. Informationstafeln erklären dort die Linienführung, die Tunnel und die Geschichte des Bahnbaus.

In Bergün befindet sich das Bahnmuseum Albula. Es dokumentiert die Geschichte der RhB, den Bau der Albulabahn und das Leben der Menschen entlang der Strecke.

Weltrekordzug von 2022

Anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Schweizer Eisenbahnen organisierte die RhB am 29. Oktober 2022 eine Weltrekordfahrt auf der Albulalinie.

Der Zug bestand aus 25 vierteiligen Capricorn-Triebzügen und damit aus insgesamt 100 Wagen. Er war rund 1910 Meter lang und wog ungefähr 2990 Tonnen. Der Zug fuhr auf dem kurvenreichen Abschnitt von Preda nach Alvaneu.

Für die Fahrt mussten die Bremsen und die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen besonders vorbereitet werden. Sieben Lokführer koordinierten den Zug. Die Strecke wurde während des Rekordversuchs für den übrigen Verkehr gesperrt.

Die Veranstaltung wurde international übertragen und machte die RhB auch ausserhalb Europas bekannter.

Unfälle und Betriebsstörungen

Trotz der schwierigen topografischen Verhältnisse gilt die RhB als sicheres Verkehrsmittel. In ihrer Geschichte kam es jedoch zu verschiedenen Unfällen und Naturereignissen.

Am 11. August 2014 entgleiste bei Tiefencastel ein Zug nach einem Erdrutsch. Mehrere Personen wurden verletzt; ein Reisender starb später an seinen Verletzungen.

Im Januar 2019 wurde die Strecke der Berninabahn bei Cavaglia durch eine Lawine unterbrochen. Auch Hochwasser, Felsstürze und Murgänge führten wiederholt zu zeitweisen Streckensperrungen.

Nach grösseren Ereignissen untersucht die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle die Ursachen und veröffentlicht Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit.

Rhätische Bahn in der Kultur

Die roten Züge der RhB, der Landwasserviadukt und die Berninalinie gehören zu den bekanntesten Bildmotiven Graubündens. Sie erscheinen auf Plakaten, Briefmarken, Münzen, Modellbahnanlagen und in Tourismuswerbung.

Die RhB ist bei Modelleisenbahnherstellern besonders beliebt. Fahrzeuge und Bauwerke werden in verschiedenen Massstäben angeboten. Wegen der engen Kurven und spektakulären Landschaften eignet sich das Vorbild gut für kompakte Modellbahnanlagen.

Auch in Filmen, Fernsehdokumentationen und Reiseberichten ist die Bahn regelmässig vertreten. Der Landwasserviadukt wird häufig als Symbol für Schweizer Ingenieurkunst verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • Gian Brüngger, Tibert Keller und Renato Mengotti: Abenteuer Berninabahn. Terra Grischuna, Chur 2010.
  • Hans-Bernhard Schönborn: Die Rhätische Bahn. Geschichte und Gegenwart. GeraMond, München 2009.
  • Claude Jeanmaire: Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge Schweizerischer Eisenbahnen. Die Rhätische Bahn. Verlag Eisenbahn, Villigen 1973.
  • Wolfgang Finke und Hans Schweers: Die Fahrzeuge der Rhätischen Bahn. Schweers + Wall, Aachen.
  • Katharina Hess und Paul Emanuel Müller: Über den Weltrekord hinaus. Die Rhätische Bahn. Somedia, Chur 2023.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Rhätische Bahn: Infrastruktur, abgerufen am 25. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 UNESCO World Heritage Centre: Rhaetian Railway in the Albula/Bernina Landscapes, abgerufen am 25. Juli 2026.
  3. Rhätische Bahn: Rollmaterial, abgerufen am 25. Juli 2026.
  4. Rhätische Bahn: Rechtsform und Aktionariat, abgerufen am 25. Juli 2026.
  5. Rhätische Bahn: Organisation, abgerufen am 25. Juli 2026.

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