Alpenrhein

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Alpenrhein
Gewässer Rhein
Flussabschnitt Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein bis Bodensee
Beginn Reichenau bei Tamins
Beginn auf rund 585 m ü. M.
Ende Mündung in den Bodensee bei Fussach und Hard
Mündung auf rund 395 m ü. M.
Länge rund 90 km
Einzugsgebiet 6'119 km²
Mittlerer Abfluss rund 242 m³/s
Gefälle etwa 1–2 ‰
Flusssystem Rhein
Abflussweg Bodensee → HochrheinOberrheinMittelrheinNiederrheinNordsee
Staaten Schweiz, Liechtenstein, Österreich
Regionen Kanton Graubünden, Kanton St. Gallen, Liechtenstein, Vorarlberg
Wichtige Zuflüsse Plessur, Landquart, Tamina, Ill

Der Alpenrhein ist der rund 90 Kilometer lange Abschnitt des Rheins zwischen dem Zusammenfluss von Vorderrhein und Hinterrhein bei Reichenau im Kanton Graubünden und seiner Mündung in den Bodensee. Er durchfliesst zunächst vollständig schweizerisches Gebiet, bildet anschliessend die Grenze zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein und weiter nördlich die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich.

Der Fluss durchquert das Alpenrheintal, einen der bedeutendsten grenzüberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsräume der östlichen Alpen. Zu seinen Anrainergebieten gehören die Kantone Graubünden und St. Gallen, Liechtenstein sowie das österreichische Bundesland Vorarlberg. Im gesamten Alpenrheintal wohnen und arbeiten mehr als eine halbe Million Menschen.

Der Alpenrhein gehört zu den grössten Gebirgsflüssen Mitteleuropas und wird wegen seiner starken Geschiebeführung und seiner früheren Laufverlagerungen gelegentlich als «grösster Wildbach Europas» bezeichnet. Der ursprünglich stark verzweigte Fluss wurde seit dem 19. Jahrhundert auf weiten Strecken begradigt, eingedämmt und von seinen Auen sowie zahlreichen Zuflüssen abgetrennt.

Die Rheinregulierung verringerte die Hochwassergefahr und ermöglichte die intensive Besiedlung und wirtschaftliche Nutzung des Talbodens. Sie führte zugleich zu erheblichen ökologischen Veränderungen. Mit dem Entwicklungskonzept Alpenrhein und dem Hochwasserschutzprojekt Rhesi verfolgen die Anrainerstaaten das Ziel, den Schutz vor Überschwemmungen zu verbessern und dem Fluss wieder mehr Raum zu geben.[1]

Begriff und Abgrenzung

Als Alpenrhein wird nicht der gesamte Oberlauf des Rheins in den Alpen bezeichnet. Der Begriff beginnt erst am Zusammenfluss seiner beiden wichtigsten Quellflüsse.

Der Vorderrhein entspringt im Gebiet des Tomasees und durchfliesst die Surselva. Der Hinterrhein entspringt im Rheinwald und nimmt unter anderem die Albula auf. Beide Flüsse vereinigen sich bei Reichenau in der Gemeinde Tamins.

Vom Zusammenfluss bis zum Bodensee trägt der Fluss die Bezeichnung Alpenrhein. Nach dem Durchfluss durch den Bodensee setzt sich der Rhein bei Stein am Rhein als Hochrhein fort.

Der Begriff Alpenrhein wird sowohl geografisch als auch wasserwirtschaftlich verwendet. In der internationalen Zusammenarbeit umfasst er den gesamten Abschnitt von Reichenau bis zum Bodensee. Die Internationale Rheinstrecke bezeichnet dagegen nur den rund 26 Kilometer langen Unterlauf zwischen der Mündung der Ill und dem Bodensee.

Kennzahlen

Die offiziellen Kennzahlen können je nach Messmethode, Bezugszeitraum und genauer Abgrenzung leicht voneinander abweichen.

Hydrologische und geografische Kennzahlen
Merkmal Wert
Länge rund 90 km
Einzugsgebiet 6'119 km²
Mittlerer Abfluss rund 242 m³/s
Jahresabflussmenge rund 7,6 Milliarden m³
Typischer Niedrigwasserabfluss rund 40 m³/s
Historische Ausbaukapazität der Internationalen Rheinstrecke rund 3'100 m³/s
Zielkapazität des Projekts Rhesi rund 4'300 m³/s
Fliessgeschwindigkeit etwa 1–5 m/s
Mittleres Gefälle etwa 1–2 ‰
Grösste naturnahe Breite bis rund 250 m in den Mastrilser Rheinauen

Das Abflussregime wird durch Schneeschmelze, Niederschläge, Gletscher, Speicherseen und den Betrieb von Wasserkraftwerken geprägt. Höhere Wasserstände treten vor allem im Frühjahr und Sommer sowie nach grossflächigen Starkniederschlägen auf.

Verlauf

Reichenau und Bündner Rheintal

Der Alpenrhein entsteht bei Reichenau, wo sich Vorder- und Hinterrhein vereinigen. Der Zusammenfluss liegt westlich von Chur auf einer Höhe von ungefähr 585 Metern über Meer.

Von Reichenau fliesst der Rhein zunächst ostwärts an Domat/Ems und Felsberg vorbei. Das Tal ist hier von den nördlichen Ausläufern der Bündner Alpen und den Bergmassiven beidseits des Flusses begrenzt.

Bei Chur ändert der Fluss seine Richtung nach Norden. Von rechts mündet die Plessur, die das Schanfigg entwässert und durch das Churer Stadtgebiet fliesst.

Zwischen Chur und Landquart wird das Tal breiter. Der Fluss wird von Verkehrswegen, Industrieflächen, landwirtschaftlich genutzten Böden und Siedlungen begleitet.

Mastrilser Rheinauen

Zwischen Haldenstein, Untervaz, Mastrils und Landquart befinden sich die Mastrilser Rheinauen. Sie gehören zu den letzten längeren Abschnitten des Alpenrheins, in denen der Fluss noch vergleichsweise natürliche Kiesbänke, Seitenarme und Auenflächen bilden kann.

Der Rhein erreicht hier stellenweise eine Breite von etwa 250 Metern. Die Mastrilser Rheinauen zeigen, wie grosse Teile des Alpenrheins vor den umfassenden Flusskorrektionen ausgesehen haben.

Bei Landquart mündet von rechts die Landquart. Sie entwässert das Prättigau und ist einer der bedeutendsten Zuflüsse des Alpenrheins.

Bündner Herrschaft und Sarganserland

Unterhalb von Landquart fliesst der Rhein an Maienfeld, Jenins, Malans und Fläsch vorbei. Das Gebiet am linken Talhang wird als Bündner Herrschaft bezeichnet und ist besonders für seinen Weinbau bekannt.

Bei Bad Ragaz mündet von links die Tamina. Sie entspringt im Gebiet des Piz Sardona und durchfliesst unter anderem das Taminatal und die Taminaschlucht.

Westlich des Rheins liegt das Sarganserland. Im Raum Sargans nähert sich das Rheintal dem Tal der Seez, die über den Walensee, die Linth und den Zürichsee zum Hochrhein entwässert. Die niedrige Talwasserscheide bei Sargans ist eine geografische Besonderheit.

Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein

Beim Ellhorn in der Nähe von Balzers erreicht der Rhein die Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Von dort bildet er auf rund 27 Kilometern die westliche Staatsgrenze des Fürstentums.

Auf der schweizerischen Seite liegen Gemeinden des Kantons St. Gallen, darunter Wartau, Sevelen, Buchs, Grabs, Gams und Sennwald. Auf liechtensteinischer Seite liegen unter anderem Balzers, Triesen, Vaduz, Schaan, Gamprin und Ruggell.

Der Fluss verläuft in diesem Abschnitt weitgehend geradlinig zwischen Hochwasserdämmen. Binnenkanäle nehmen das Wasser kleinerer Bäche und Entwässerungsgräben auf, die wegen der Dämme nicht mehr unmittelbar in den Rhein münden können.

Zu den bedeutenden Verbindungen über den Fluss gehören die Strassenbrücken zwischen Sevelen und Vaduz sowie zwischen Buchs und Schaan. Die historische Alte Rheinbrücke Vaduz–Sevelen ist eine gedeckte Holzbrücke und heute dem Fuss- und Veloverkehr vorbehalten.

Grenze zwischen der Schweiz und Österreich

Am nördlichen Ende Liechtensteins beginnt der österreichisch-schweizerische Grenzabschnitt. Die Staatsgrenze verläuft zwischen dem Kanton St. Gallen und Vorarlberg.

Bei Feldkirch beziehungsweise Meiningen mündet von rechts die Ill in den Alpenrhein. Die Ill entwässert einen grossen Teil Vorarlbergs, darunter das Montafon, das Klostertal und den Walgau.

Mit der Illmündung beginnt die Internationale Rheinstrecke, für deren Hochwasserschutz die Internationale Rheinregulierung zuständig ist.

Der Rhein fliesst danach zwischen den schweizerischen Gemeinden Rüthi, Oberriet, Diepoldsau, Widnau, Au und St. Margrethen sowie den österreichischen Gemeinden Koblach, Mäder, Hohenems, Lustenau, Höchst, Fussach und Hard.

Mündung in den Bodensee

Unterhalb von Lustenau fliesst der Alpenrhein im künstlich angelegten Fussacher Durchstich direkt zum Bodensee.

Die Mündung wurde durch zwei parallel verlaufende Dämme weit in den See hinaus verlängert. Diese sogenannte Vorstreckung sorgt dafür, dass das vom Rhein transportierte Geschiebe und Feinmaterial in tiefere Bereiche des Bodensees gelangt.

Die Rheinmündung liegt im Rheindelta zwischen Fussach und Hard. Das Gebiet umfasst Kiesflächen, Schilfzonen, Flachwasserbereiche und Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung.

Mit der Mündung in den Bodensee endet der Alpenrhein. Der See wirkt als grosses Absetz- und Rückhaltebecken. Der Rhein verlässt ihn erst wieder bei Stein am Rhein.

Zuflüsse

Der Alpenrhein nimmt zahlreiche Gebirgsflüsse, Wildbäche und Entwässerungskanäle auf. Durch die Regulierung münden viele kleinere Gewässer nicht mehr direkt in den Rhein, sondern werden in parallel verlaufenden Binnenkanälen gesammelt.

Bedeutende Zuflüsse und Zuflusssysteme
Zufluss Seite Mündungsgebiet Entwässerte Region
Plessur rechts Chur Schanfigg und Raum Arosa
Landquart rechts bei Landquart Prättigau und Silvrettagebiet
Tamina links Bad Ragaz Taminatal und Sardonagebiet
Saar links Sarganserland Gebiet um Mels und Sargans
Liechtensteiner Binnenkanal rechts nördliches Liechtenstein Talebene Liechtensteins
Werdenberger Binnenkanal links Werdenberg westliche Talebene zwischen Wartau und Sennwald
Ill rechts bei Meiningen Grossteil des südlichen Vorarlbergs
Frutz rechts Vorarlberger Rheintal Laternsertal und Vorderland

Vorder- und Hinterrhein werden geografisch als Quellflüsse und nicht als Zuflüsse des Alpenrheins betrachtet.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet des Alpenrheins umfasst 6'119 Quadratkilometer. Es erstreckt sich über grosse Teile Graubündens, Liechtensteins und Vorarlbergs sowie über Randgebiete der Kantone St. Gallen, Tessin und Uri.

Zu den höchsten Punkten des Einzugsgebiets gehören Gipfel der Gotthard-, Adula-, Albula-, Silvretta- und Rätikonkette. Zahlreiche Täler entwässern über Vorder- oder Hinterrhein zum Alpenrhein.

Das Einzugsgebiet umfasst:

  • Gletscher und hochalpine Felsregionen;
  • Alpweiden und Bergwälder;
  • grosse Speicherseen;
  • dicht besiedelte Talräume;
  • landwirtschaftliche Flächen;
  • Industrie- und Verkehrsgebiete.

Der hohe Anteil gebirgiger Flächen führt dazu, dass Niederschläge und Schneeschmelze rasch auf den Abfluss wirken können. Starkregen in mehreren Teileinzugsgebieten kann innerhalb kurzer Zeit einen erheblichen Anstieg des Rheinpegels verursachen.

Geologische Entwicklung

Während der letzten Eiszeit war das heutige Alpenrheintal von mächtigen Gletschern bedeckt. Nach deren Rückzug reichte der Bodensee wesentlich weiter nach Süden als heute.

Der Alpenrhein und seine Zuflüsse transportierten grosse Mengen Geschiebe, Sand und Schlamm aus den Alpen in das Tal. Diese Ablagerungen füllten den südlichen Teil des Seebeckens allmählich auf.

Das Rheintal entstand dadurch als breite Schwemmebene. Der Fluss wechselte seinen Lauf immer wieder, bildete Seitenarme, Kiesbänke, Inseln, Sümpfe und kleine Seen.

Der heutige Alpenrhein in seiner geologischen Gestalt ist vergleichsweise jung. Die Internationale Regierungskommission Alpenrhein gibt sein Alter mit ungefähr 4'000 Jahren an.[2]

Natürliche Flusslandschaft

Vor den grossen Regulierungsarbeiten war der Alpenrhein ein breiter, verzweigter Gebirgsfluss. Sein Hauptarm konnte sich nach Hochwassern verlagern und neue Rinnen bilden.

Typische Elemente der ursprünglichen Flusslandschaft waren:

  • offene Kies- und Sandbänke;
  • verzweigte Flussarme;
  • Altwasser und Tümpel;
  • Weichholzauen;
  • periodisch überflutete Wälder;
  • Feuchtwiesen und Moore;
  • natürliche Mündungen der Seitengewässer.

Diese dynamische Landschaft bot Lebensraum für zahlreiche Fische, Vögel, Amphibien, Insekten und spezialisierte Pflanzenarten.

Für die Menschen war der unregulierte Rhein zugleich eine ständige Gefahr. Überschwemmungen zerstörten Häuser, Felder, Wege und Brücken. Laufverlagerungen konnten innerhalb kurzer Zeit grosse Flächen unbrauchbar machen.

Besiedlung des Rheintals

Die älteren Siedlungen entstanden häufig an den Talrändern, auf Schwemmkegeln der Seitenbäche oder auf leicht erhöhten Geländestufen. Die zentrale Talebene blieb wegen Überschwemmungen, Sümpfen und wechselnden Flussläufen lange dünn besiedelt.

Erst die Eindämmung des Rheins, der Bau von Binnenkanälen und die Entwässerung der Ebene ermöglichten eine grossflächige landwirtschaftliche und industrielle Nutzung.

Im 20. Jahrhundert wuchsen die Siedlungen stark. Das Alpenrheintal entwickelte sich zu einem dicht besiedelten grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum mit bedeutenden Industrie-, Dienstleistungs- und Verkehrsstandorten.

Die Regulierung verringerte die Wahrscheinlichkeit häufiger Überschwemmungen, zugleich nahm das mögliche Schadensausmass bei einem Dammbruch erheblich zu. Heute befinden sich Wohngebiete, Unternehmen, Strassen, Eisenbahnen, Stromleitungen und Trinkwasseranlagen in potenziell gefährdeten Bereichen.

Hochwasser

Der Alpenrhein führte wiederholt katastrophale Hochwasser. Schriftliche Berichte über Überschwemmungen reichen bis ins Mittelalter zurück.

Besonders folgenschwere Ereignisse ereigneten sich unter anderem in den Jahren:

Bedeutende Hochwasserereignisse
Jahr Auswirkungen
1817 Weite Teile des Vorarlberger Rheintals und des Rheindeltas wurden überflutet.
1868 Dammbrüche und Überschwemmungen verursachten schwere Schäden im St. Galler und Vorarlberger Rheintal.
1888 Ein grosses Hochwasser beschleunigte die Verhandlungen über eine gemeinsame internationale Regulierung.
1927 Erneute schwere Überschwemmungen im Rheintal.
1954 Hochwasser zeigte weitere Schwächen der bestehenden Schutzbauten.
1987 Ein Dammbruch im Raum Fussach und Hard führte zu grossflächigen Überschwemmungen.

Die Gefahr entsteht nicht allein durch hohe Wassermengen. Der Rhein transportiert auch grosse Mengen Kies, Sand, Schlamm und Schwemmholz. Auflandungen können den Flussquerschnitt verkleinern, während Eintiefungen Dämme, Brücken und die Mündungen von Zuflüssen beeinträchtigen.

Der Bodensee nimmt Hochwasser des Alpenrheins auf und dämpft die Abflussspitze. Bei grossen Ereignissen kann der Seespiegel jedoch deutlich ansteigen.

Frühe Schutzmassnahmen

Bereits im Mittelalter errichteten Gemeinden lokale Uferbefestigungen und Wuhre. Diese Bauwerke sollten Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen schützen oder den Rhein vom eigenen Ufer weglenken.

Die Massnahmen waren unter den Gemeinden und Herrschaftsgebieten nur unzureichend abgestimmt. Ein Bauwerk auf einer Flussseite konnte die Strömung auf die gegenüberliegende Seite drücken und dort neue Schäden verursachen.

Im 19. Jahrhundert wurden die Schutzbauten systematischer. Dennoch blieb der Rhein ein breiter, unruhiger Fluss, dessen Bett sich durch Geschiebeablagerungen ständig erhöhte oder verlagerte.

Die wiederkehrenden Katastrophen wurden unter dem Begriff Rhein-Not zusammengefasst. Sie führten schliesslich zur internationalen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Österreich-Ungarn.[3]

Internationale Rheinregulierung

Staatsvertrag von 1892

Am 30. Dezember 1892 schlossen die Schweiz und Österreich-Ungarn einen Staatsvertrag über die Regulierung des Rheins zwischen der Illmündung und dem Bodensee.

Mit dem Vertrag wurde die Internationale Rheinregulierung gegründet. Sie plante und verwirklichte die gemeinsamen Bauwerke und ist bis heute für Hochwasserschutz und Unterhalt auf der Internationalen Rheinstrecke zuständig.

Das Regulierungskonzept sah eine Begradigung des Flusses, neue Hochwasserdämme und zwei grosse Durchstiche vor. Der Flusslauf sollte verkürzt und das Wasser schneller in den Bodensee geleitet werden.

Fussacher Durchstich

Der Fussacher Durchstich wurde zwischen 1895 und 1900 gebaut. Er ersetzte den stark gekrümmten Unterlauf über St. Margrethen, Rheineck und Gaissau.

Der neue Flusslauf führte von Höchst und Lustenau auf rund fünf Kilometern geradlinig in Richtung Fussach und Hard. Dadurch wurde der Rheinlauf um ungefähr sieben Kilometer verkürzt.

Der ehemalige Unterlauf blieb als Alter Rhein erhalten. Er fliesst über Rheineck und Gaissau zum Bodensee und bildet heute ein wertvolles Natur- und Erholungsgebiet.

Diepoldsauer Durchstich

Der Diepoldsauer Durchstich wurde nach einer langen Planungs- und Bauzeit im Jahr 1923 eröffnet. Er durchschnitt die ausgedehnte Hohenemser Kurve und verkürzte den Rheinlauf um weitere rund drei Kilometer.

Der Rhein fliesst seither westlich an Diepoldsau vorbei. Der frühere Flussbogen blieb als Alter Rhein erhalten und umschliesst Teile des Gemeindegebiets.

Der Bau wurde durch schwierigen Untergrund, Dammsenkungen, politische Auseinandersetzungen und den Ersten Weltkrieg verzögert.

Vorstreckung

Der zweite Staatsvertrag von 1924 regelte unter anderem die Verlängerung des Flussbetts in den Bodensee.

Die beidseitigen Leitdämme werden fortlaufend in den See hinausgeführt. Sie sollen das Geschiebe in tiefere Seebereiche leiten und verhindern, dass die Fussacher und Harder Bucht rasch verlandet.

Die Vorstreckung verändert das Rheindelta kontinuierlich. Zwischen den Dämmen entstehen neue Kies- und Sandflächen, während sich ausserhalb wertvolle Flachwasser- und Schilfgebiete entwickeln.

Umbauprojekt IIIb

Der dritte Staatsvertrag von 1954 bildete die Grundlage für weitere Verbesserungen. Das sogenannte Umbauprojekt IIIb umfasste unter anderem:

  • die Verstärkung und Erhöhung der Hochwasserdämme;
  • die Einengung des Mittelgerinnes;
  • den Bau von Mittelgerinnewuhren;
  • Anpassungen an Brücken und weiteren Bauwerken;
  • Massnahmen zur Kontrolle des Geschiebetransports.

Die engere Flussrinne erhöhte bei mittleren Abflüssen die Strömungsgeschwindigkeit. Dadurch sollte das Geschiebe besser in Richtung Bodensee transportiert und eine Auflandung der Sohle vermindert werden.

Die Geschichte der Durchstiche und der internationalen Regulierung ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des unteren Rheintals verbunden.[4]

Binnenkanäle und Entwässerung

Die Hochwasserdämme trennten den Rhein von zahlreichen Seitenbächen und Entwässerungsgräben. Das Wasser der Talebene konnte deshalb nicht mehr überall direkt in den Fluss gelangen.

Zur Lösung dieses Problems wurden beidseits des Rheins Binnenkanäle geschaffen. Sie sammeln Wasser aus Bächen, Drainagen, Siedlungen und landwirtschaftlichen Flächen und leiten es zu geeigneten Mündungsstellen.

Bedeutende Systeme sind:

  • der Werdenberger Binnenkanal;
  • der Rheintaler Binnenkanal;
  • der Liechtensteiner Binnenkanal;
  • der Vorarlberger Rheintalbinnenkanal;
  • verschiedene lokale Entwässerungs- und Sickerkanäle.

Die Kanäle ermöglichten die Trockenlegung weiter Teile der Talebene. Heute besitzen sie neben ihrer wasserwirtschaftlichen Funktion teilweise auch Bedeutung als Lebensraum und Erholungsgebiet.

Gewässerökologie

Die Regulierung veränderte den Alpenrhein von einem breiten, verzweigten Fluss zu einem über weite Strecken geradlinigen Gerinne.

Die wichtigsten ökologischen Defizite sind:

  • geringe Vielfalt der Strömungs- und Tiefenverhältnisse;
  • fehlende Seitenarme und Altwasser;
  • Verlust grosser Auenflächen;
  • harte Uferverbauungen;
  • unterbrochene Verbindungen zu Zuflüssen;
  • starke tägliche Abflussschwankungen;
  • gestörter Geschiebehaushalt;
  • geringe Zahl geeigneter Laich- und Jungfischhabitate.

Viele Zuflüsse liegen wegen der Eintiefung der Rheinsohle mehrere Meter über dem Fluss. Rampen, Abstürze und technische Mündungsbauwerke können die Wanderung von Fischen behindern.

Die Mastrilser Rheinauen und einzelne aufgeweitete Abschnitte zeigen, dass sich auf Kiesflächen rasch vielfältige Lebensräume entwickeln können.

Das ökologische Monitoring der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein untersucht regelmässig Fische, wirbellose Wassertiere, Algen, Kiesbänke und weitere Elemente des Flussökosystems.[5]

Schwall und Sunk

Im Einzugsgebiet des Alpenrheins befinden sich zahlreiche Speicherkraftwerke. Sie produzieren besonders dann Strom, wenn die Nachfrage hoch ist.

Beim Anfahren der Turbinen steigt der Abfluss in den unterhalb liegenden Flüssen rasch an. Dieser künstliche Anstieg wird als Schwall bezeichnet. Wird die Produktion reduziert oder eingestellt, sinkt der Wasserstand wieder ab; dies wird Sunk genannt.

Am Alpenrhein können sich die Auswirkungen mehrerer Kraftwerke überlagern. Dadurch entstehen teilweise innerhalb eines Tages grosse Schwankungen von Wasserstand und Strömung.

Schwall und Sunk können:

  • Jungfische und wirbellose Tiere verdriften lassen;
  • flache Uferbereiche wiederholt überfluten und trockenlegen;
  • Fische in zurückbleibenden Tümpeln einschliessen;
  • die Entwicklung natürlicher Ufervegetation beeinträchtigen;
  • die ökologische Wirkung von Aufweitungen vermindern.

Die Anrainergebiete und Kraftwerksunternehmen prüfen deshalb Massnahmen zur Dämpfung der künstlichen Abflussschwankungen.

Geschiebehaushalt

Der Alpenrhein transportiert Kies, Sand und feinere Schwebstoffe aus einem grossen alpinen Einzugsgebiet.

Der Geschiebehaushalt wurde durch Wildbachverbauungen, Kiesentnahmen, Wasserkraftanlagen, Flussbegradigungen und Ufersicherungen stark verändert.

Auf einzelnen Strecken gräbt sich der Rhein tiefer ein. An anderen Stellen lagert er Material ab und erhöht die Flusssohle. Beide Entwicklungen können den Hochwasserschutz und die Stabilität von Bauwerken beeinträchtigen.

Durch die Eintiefung entstanden an mehreren Zuflüssen grosse Höhenunterschiede zwischen Bach- und Rheinsohle. Gleichzeitig muss im Unterlauf regelmässig Kies entnommen werden, damit die Abflusskapazität erhalten bleibt.

Beim Projekt Rhesi sind zusätzliche Geschiebeentnahmestellen vorgesehen. Diese sollen helfen, die Lage der Flusssohle langfristig zu kontrollieren.

Grundwasser und Trinkwasser

Unter dem Alpenrheintal liegt ein mächtiger Grundwasserleiter. Das Wasser wird durch Niederschläge, Seitenbäche, den Rhein und unterirdische Zuflüsse gespeist.

Das Grundwasser ist für die Trinkwasserversorgung der Region von grosser Bedeutung. Im unteren Rheintal befinden sich mehrere grosse Pumpwerke in unmittelbarer Nähe des Flusses.

Änderungen der Rheinsohle und des Wasserstands können den Grundwasserspiegel beeinflussen. Flussbauprojekte müssen deshalb sorgfältig auf Trinkwasserfassungen, Landwirtschaft, Gebäude und Entwässerungsanlagen abgestimmt werden.

Im Projektgebiet von Rhesi stammen rund zwei Drittel der Trinkwassermenge aus Brunnen in der Nähe des Rheins. Während der Bauarbeiten sollen Ersatzversorgungen und neue Fassungen die Versorgungssicherheit gewährleisten.[6]

Internationale Zusammenarbeit

Internationale Regierungskommission Alpenrhein

Die Internationale Regierungskommission Alpenrhein, abgekürzt IRKA, koordiniert wasserwirtschaftliche und ökologische Fragen entlang des gesamten Alpenrheins.

In ihr arbeiten die Regierungen beziehungsweise zuständigen Behörden von:

  • Graubünden;
  • St. Gallen;
  • Liechtenstein;
  • Vorarlberg

zusammen.

Die Kommission behandelt unter anderem Hochwasserschutz, Gewässerökologie, Geschiebe, Grundwasser, Wasserkraft und Raumplanung.

Internationale Rheinregulierung

Die Internationale Rheinregulierung, abgekürzt IRR, ist eine gemeinsame Organisation der Schweiz und Österreichs. Ihr Zuständigkeitsgebiet umfasst die Internationale Rheinstrecke von der Illmündung bis zum Bodensee.

Ihre Aufgaben umfassen:

  • Unterhalt und Kontrolle der Hochwasserdämme;
  • Geschiebemanagement;
  • Betrieb und Pflege der Rheinvorstreckung;
  • Hochwasserbeobachtung und Alarmierung;
  • Planung und Bau neuer Schutzmassnahmen;
  • Umsetzung des Projekts Rhesi.

Die IRR wurde 1892 gegründet und beruht auf Staatsverträgen zwischen der Schweiz und Österreich.

Entwicklungskonzept Alpenrhein

2005 verabschiedeten die Regierungen der vier Anrainergebiete das Entwicklungskonzept Alpenrhein.

Es betrachtet den Fluss erstmals auf seiner gesamten Länge als zusammenhängendes System. Zuvor wurden Hochwasserschutz, Ökologie, Energie, Grundwasser und Raumnutzung häufig getrennt und regional behandelt.

Das Konzept verfolgt folgende Ziele:

  • Schutz von Menschen und Sachwerten;
  • langfristig stabiler Geschiebehaushalt;
  • Verbesserung des ökologischen Zustands;
  • bessere Vernetzung mit Zuflüssen und Auen;
  • Schutz des Grundwassers;
  • abgestimmte Nutzung von Energie und Rohstoffen;
  • Aufwertung als Naherholungsraum;
  • grenzüberschreitende Koordination.

Vorgesehen sind unter anderem Flussaufweitungen, die Sanierung von Fischwanderhindernissen, Revitalisierungen der Zuflüsse und Massnahmen gegen Schwall und Sunk.

Projekt Rhesi

Ziele

Rhesi ist die Abkürzung für Rhein – Erholung und Sicherheit. Das Projekt bildet die erste grosse Umsetzungsetappe des Entwicklungskonzepts Alpenrhein.

Es betrifft die 26 Kilometer lange Internationale Rheinstrecke zwischen der Illmündung und dem Bodensee.

Die wichtigsten Ziele sind:

  • Erhöhung der Abflusskapazität;
  • Schutz vor einem statistisch etwa alle 300 Jahre auftretenden Hochwasser;
  • Sanierung oder Neubau der Hochwasserdämme;
  • Verbreiterung des Flussraums;
  • Schaffung dynamischer Kiesbänke und Auen;
  • Verbesserung der Fischlebensräume;
  • Sicherung von Grund- und Trinkwasser;
  • Aufwertung des Rheinraums für Freizeit und Erholung.

Die heutige Strecke ist grundsätzlich auf ungefähr 3'100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgelegt. Mit Rhesi soll die Kapazität auf rund 4'300 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden.

Das Projekt soll den Hochwasserschutz für mehr als 300'000 Menschen verbessern.[7]

Gestaltung

Der Rhein soll innerhalb des bestehenden äusseren Hochwasserschutzsystems mehr Raum erhalten. Die heutigen Mittelgerinnewuhre werden auf längeren Abschnitten entfernt.

An geeigneten Stellen entstehen breite Kernlebensräume mit Kiesbänken, Inseln, Nebenarmen und Auenwald. An Engstellen bleiben stärkere technische Sicherungen erforderlich.

Die äusseren Hochwasserdämme werden nicht ersatzlos entfernt. Sie werden saniert, verstärkt oder neu gebaut.

Drainagen und Sickerkanäle sollen verhindern, dass der Grundwasserspiegel in Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten unerwünscht ansteigt.

Staatsvertrag von 2024

Die Schweiz und Österreich unterzeichneten am 17. Mai 2024 einen vierten Staatsvertrag über den Hochwasserschutz am Alpenrhein.

Der Vertrag regelt die gemeinsame Umsetzung und Finanzierung von Rhesi sowie die Neuorganisation der Internationalen Rheinregulierung. Nach der Zustimmung beider Parlamente trat er am 1. Juli 2025 in Kraft.[8]

Die Projektkosten liegen nach den bisherigen Berechnungen bei rund zwei Milliarden Franken beziehungsweise Euro. Die Schweiz und Österreich tragen grundsätzlich je die Hälfte. Auf Schweizer Seite übernimmt der Bund den grössten Teil, der Kanton St. Gallen beteiligt sich am verbleibenden Anteil.

Stand des Genehmigungsverfahrens

Am 20. Mai 2026 reichte die Internationale Rheinregulierung das Projekt in Österreich zur Genehmigung und in der Schweiz zur Vorprüfung ein.

In Österreich begann damit das Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren. Im Kanton St. Gallen dient die Vorprüfung der Vorbereitung der späteren öffentlichen Auflage.

Das Projektdossier umfasst mehrere hundert Einlagen und zehntausende Seiten. Nach Abschluss der Verfahren und Behandlung möglicher Einsprachen soll die Umsetzung in Bauabschnitten erfolgen. Die Bauarbeiten werden sich voraussichtlich über mehrere Jahrzehnte erstrecken.[9]

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Alpenrheintal gehört zu den wirtschaftlich dynamischen Regionen im Grenzraum von Schweiz, Liechtenstein und Österreich.

Am Fluss und in seiner Nähe befinden sich:

  • Industrie- und Gewerbegebiete;
  • landwirtschaftliche Nutzflächen;
  • internationale Verkehrsachsen;
  • Eisenbahnlinien;
  • Autobahnen und Hauptstrassen;
  • Hochspannungsleitungen;
  • Trinkwasserfassungen;
  • Freizeit- und Sportanlagen.

Der Hochwasserschutz ist deshalb nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Versorgung und die internationale Wirtschaft von Bedeutung.

Landwirtschaftliche Flächen im Rheinvorland dienen heute teilweise als Überflutungsraum. Die Verbreiterung des Flusses führt bei Rhesi zu Nutzungskonflikten, da Boden für Hochwasserschutz und ökologische Aufwertungen benötigt wird.

Verkehr

Das Rheintal bildet eine wichtige Nord-Süd-Verkehrsachse zwischen dem Bodenseeraum und den Alpenpässen.

Auf der schweizerischen Seite verlaufen die Autobahn A13 und die Bahnstrecke Chur–Sargans–St. Margrethen. Auf österreichischer Seite liegen wichtige Strassen- und Bahnverbindungen des Vorarlberger Rheintals.

Zwischen den Ländern bestehen zahlreiche Strassen-, Bahn-, Fuss- und Velobrücken. Die Querungen verbinden Arbeitsmärkte, Siedlungen und öffentliche Verkehrsnetze.

Brücken stellen zugleich Engstellen im Hochwasserprofil dar. Bei Neubauten und Sanierungen müssen genügend Durchflusshöhe und Schutz vor Schwemmholz berücksichtigt werden.

Nutzung als Erholungsraum

Die Rheindämme und Vorländer werden intensiv für Freizeit und Naherholung genutzt.

Zu den verbreiteten Aktivitäten gehören:

  • Wandern und Spazieren;
  • Velofahren;
  • Joggen;
  • Naturbeobachtung;
  • Reiten;
  • Modellflug und weitere Freizeitnutzungen;
  • Baden an dafür geeigneten Altarmen und Baggerseen.

Der internationale Rheinradweg folgt auf langen Abschnitten dem Alpenrhein. Er verbindet Graubünden, Liechtenstein, Vorarlberg und den Bodensee.

Das Baden im Hauptstrom ist wegen starker Strömung, kalten Wassers, rasch wechselnder Pegel und steiler Ufer gefährlich. Besonders Schwallereignisse können den Wasserstand unerwartet ansteigen lassen.

Rhesi soll zusätzliche zugängliche Uferbereiche schaffen. Gleichzeitig müssen störungsempfindliche Naturzonen vor intensiver Nutzung geschützt werden.

Rheindelta und Alter Rhein

Das Rheindelta am Bodensee ist durch natürliche Ablagerungen und technische Eingriffe entstanden.

Der Neue Rhein transportiert den grössten Teil des Wassers und Geschiebes direkt in den Bodensee. Die Vorstreckung verschiebt die Mündung allmählich weiter in den See.

Der Alte Rhein bei St. Margrethen und Rheineck folgt dem früheren Flusslauf. Er wird nur noch durch Binnengewässer und lokale Zuflüsse gespeist.

Heute bildet der Alte Rhein ein ruhiges Gewässer mit Schilfgürteln, Auwäldern und Badeplätzen. Teile des Gebiets stehen unter Naturschutz.

Auch der frühere Rheinbogen bei Diepoldsau wird als Alter Rhein bezeichnet. Beide Altläufe erinnern an den Flussverlauf vor den grossen Durchstichen.

Bedeutung für den Bodensee

Der Alpenrhein ist der wasserreichste Zufluss des Bodensees. Er bringt zugleich den grössten Teil des mineralischen Geschiebes und der Schwebstoffe in den See.

Im Mündungsgebiet lagern sich Kies und Sand ab. Feinere Teilchen werden weiter in den Bodensee transportiert.

Der See wirkt als natürlicher Puffer. Hochwasserwellen des Alpenrheins führen nicht unmittelbar zu einem gleich grossen Abfluss im Hochrhein, sondern zunächst zu einem Anstieg des Bodenseespiegels.

Die Wasserqualität und der Geschiebeeintrag des Alpenrheins besitzen deshalb Bedeutung für alle Bodensee-Anrainerstaaten.

Klimawandel

Der Klimawandel beeinflusst den Wasserhaushalt des Alpenrheins.

Mögliche Entwicklungen sind:

  • häufigere intensive Niederschläge;
  • steigende Schneefallgrenze;
  • frühere Schneeschmelze;
  • Rückgang der Gletscher;
  • längere sommerliche Trockenperioden;
  • wärmeres Flusswasser;
  • veränderte Geschiebe- und Schwemmholzmengen.

Die genaue Entwicklung grosser Hochwasserereignisse ist mit Unsicherheiten verbunden. Der hohe Wert der geschützten Siedlungs- und Wirtschaftsgebiete macht jedoch eine Anpassung des Schutzsystems notwendig.

Rhesi wird auf ein wesentlich selteneres und grösseres Ereignis ausgelegt als die bisherige Regulierung.[10]

Chronologie

Wichtige Ereignisse am Alpenrhein
Zeitraum Ereignis
Ende der letzten Eiszeit Rückzug der Gletscher und Entstehung eines weit in das Rheintal reichenden Bodensees.
folgende Jahrtausende Rhein und Zuflüsse füllen den südlichen Teil des Seebeckens mit Geschiebe und Sedimenten auf.
Mittelalter Gemeinden errichten erste lokale Wuhre und Uferbefestigungen.
1817 Eines der schwersten bekannten Hochwasser überschwemmt grosse Teile des unteren Rheintals.
1868 Dammbrüche und Überschwemmungen verursachen schwere Schäden.
1888 Ein weiteres grosses Hochwasser erhöht den Druck für eine internationale Regulierung.
1892 Die Schweiz und Österreich-Ungarn schliessen den ersten Staatsvertrag; Gründung der Internationalen Rheinregulierung.
1895–1900 Bau des Fussacher Durchstichs.
1900 Eröffnung des neuen direkten Rheinlaufs zum Bodensee.
1909–1923 Bau des Diepoldsauer Durchstichs.
1923 Eröffnung des Diepoldsauer Durchstichs.
1924 Zweiter Staatsvertrag mit Regelungen zur Vorstreckung und weiteren Regulierung.
1954 Dritter Staatsvertrag und Grundlage für das Umbauprojekt IIIb.
1987 Dammbruch und Überschwemmungen im Raum Fussach und Hard.
1995 Gründung der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein.
2005 Verabschiedung des Entwicklungskonzepts Alpenrhein.
2011 Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie für Rhesi.
2018 Vorstellung der Bestvariante des Projekts Rhesi.
17. Mai 2024 Unterzeichnung des vierten Staatsvertrags zwischen der Schweiz und Österreich.
1. Juli 2025 Inkrafttreten des vierten Staatsvertrags.
20. Mai 2026 Einreichung des Projekts Rhesi bei den Genehmigungsbehörden.

Siehe auch

Literatur

  • Internationale Regierungskommission Alpenrhein, Internationale Rheinregulierung: Entwicklungskonzept Alpenrhein. Kurzbericht. 2005.
  • Internationale Regierungskommission Alpenrhein: Morphologie und Geschiebehaushalt Alpenrhein. 2001.
  • Internationale Regierungskommission Alpenrhein: Fischökologisches Monitoring Alpenrhein. Verschiedene Jahrgänge.
  • Internationale Rheinregulierung: Wir sind Hochwasserschutz. Geschichte und Zukunft der Internationalen Rheinregulierung. St. Margrethen und Lustenau 2022.
  • Bundesamt für Umwelt: Rhesi – Rhein, Erholung und Sicherheit. Bern.
  • Markus Kaiser: Der Alpenrhein und seine Regulierung. St. Gallen.
  • Daniel L. Vischer: Die Geschichte des Hochwasserschutzes in der Schweiz. Bundesamt für Wasser und Geologie, Bern 2003.

Einzelnachweise

  1. Der Alpenrhein. In: Zukunft Alpenrhein. Hrsg.: Internationale Regierungskommission Alpenrhein und Internationale Rheinregulierung. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Entwicklungsgeschichte des Alpenrheins. In: Zukunft Alpenrhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Die Rhein-Not und der Beginn der Rheinregulierung. In: Zukunft Alpenrhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Geschichte der Internationalen Rheinregulierung. In: Internationale Rheinregulierung. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Der Alpenrhein als Lebensraum für Fische. In: Zukunft Alpenrhein. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Projekt Rhesi – aktueller Planungsstand. In: Internationale Rheinregulierung. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Das ist Rhesi. In: Internationale Rheinregulierung. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Rhesi: Staatsvertrag in Kraft und neue Organisation der IRR. In: Internationale Rheinregulierung. 2025-07-01. Abgerufen am 2026-07-23.
  9. Projekt Rhesi zur Genehmigung eingereicht. In: Internationale Rheinregulierung. 2026-05-20. Abgerufen am 2026-07-23.
  10. Alpenrhein. In: Bundesamt für Umwelt. Abgerufen am 2026-07-23.