Albert Einstein
| Albert Einstein | |
|---|---|
| Geboren | 14. März 1879 Ulm, Königreich Württemberg, Deutsches Reich |
| Gestorben | 18. April 1955 Princeton, New Jersey, Vereinigte Staaten |
| Staatsangehörigkeit | württembergisch beziehungsweise deutsch bis 1896 staatenlos 1896–1901 schweizerisch ab 1901 amerikanisch ab 1940 |
| Heimatort | Zürich |
| Beruf | Theoretischer Physiker |
| Fachgebiete | Relativitätstheorie, Quantentheorie, statistische Physik, Kosmologie |
| Ausbildung | Kantonsschule Aarau Eidgenössisches Polytechnikum Zürich Universität Zürich |
| Akademischer Grad | Dr. phil., Universität Zürich, 1906 |
| Wirkungsstätten | Eidgenössisches Amt für geistiges Eigentum Universität Bern Universität Zürich Deutsche Universität Prag ETH Zürich Preussische Akademie der Wissenschaften Institute for Advanced Study |
| Bekannt für | Spezielle und allgemeine Relativitätstheorie Lichtquantenhypothese photoelektrischer Effekt Brownsche Bewegung Masse-Energie-Äquivalenz Bose-Einstein-Statistik |
| Nobelpreis | Nobelpreis für Physik 1921 |
| Ehepartnerinnen | Mileva Marić (1903–1919) Elsa Einstein (1919–1936) |
| Kinder | Lieserl, Hans Albert und Eduard |
Albert Einstein (* 14. März 1879 in Ulm; † 18. April 1955 in Princeton) war ein schweizerisch-amerikanischer theoretischer Physiker deutscher Herkunft. Er gehört zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern der Neuzeit und prägte mit seinen Arbeiten das physikalische Weltbild des 20. Jahrhunderts.
Einstein begründete 1905 die spezielle Relativitätstheorie und formulierte die Äquivalenz von Masse und Energie, die durch die Formel E = mc2 bekannt wurde. 1915 vollendete er die allgemeine Relativitätstheorie, in der die Gravitation als Folge der Krümmung von Raum und Zeit beschrieben wird. Darüber hinaus lieferte er grundlegende Beiträge zur Quantentheorie, zur statistischen Physik, zur Molekülphysik und zur Kosmologie.
Für seine Verdienste um die theoretische Physik und insbesondere für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts erhielt Einstein den Nobelpreis für Physik des Jahres 1921. Der Preis wurde ihm 1922 zugesprochen und später überreicht.[1]
Die Schweiz spielte in Einsteins Leben eine zentrale Rolle. Er besuchte die Kantonsschule in Aarau, studierte am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, arbeitete am Patentamt in Bern, promovierte an der Universität Zürich und lehrte an der Universität Zürich sowie an der ETH Zürich. 1901 wurde er Schweizer Bürger mit Heimatort Zürich. Er behielt das Schweizer Bürgerrecht bis zu seinem Tod.[2]
Leben
Herkunft und Kindheit
Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm im Königreich Württemberg geboren. Seine Eltern waren Hermann Einstein und Pauline Einstein, geborene Koch. Die Familie war jüdischer Herkunft, lebte jedoch weitgehend säkular.
Hermann Einstein war Kaufmann und Unternehmer. Gemeinsam mit seinem Bruder Jakob gründete er Unternehmen der Elektrotechnik. Pauline Einstein war musikalisch gebildet und förderte insbesondere das Violinspiel ihres Sohnes.
Albert hatte eine jüngere Schwester, Maria, genannt Maja, die 1881 geboren wurde. Zwischen den Geschwistern bestand lebenslang eine enge Beziehung.
Kurz nach Alberts Geburt zog die Familie nach München. Dort betrieben Hermann und Jakob Einstein eine elektrotechnische Firma, die Gleichstromanlagen und elektrische Beleuchtungssysteme herstellte.
Albert besuchte zunächst eine katholische Volksschule und anschliessend das Luitpold-Gymnasium. Die stark autoritäre Unterrichtsform und der militärische Ton des damaligen deutschen Schulwesens widerstrebten ihm.
Schon als Kind interessierte er sich für Naturerscheinungen. Ein Kompass, den ihm sein Vater zeigte, hinterliess einen tiefen Eindruck, weil sich die Nadel ohne sichtbaren mechanischen Kontakt bewegte. Im Alter von ungefähr zwölf Jahren beschäftigte er sich selbstständig mit Geometrie, Algebra und naturwissenschaftlicher Literatur.
Seine spätere Berühmtheit führte zur Legende, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen. Tatsächlich erzielte er besonders in Mathematik und Physik sehr gute Leistungen. Schwierigkeiten hatte er vor allem mit autoritären Lehrmethoden und mit Fächern, die ihn weniger interessierten.
Italien und Staatenlosigkeit
Die Firma der Familie geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1894 zogen die Eltern mit Maja zunächst nach Mailand und später nach Pavia. Albert blieb vorerst in München, verliess das Gymnasium jedoch ohne Abschluss und folgte seiner Familie nach Italien.
1895 bewarb sich der erst sechzehnjährige Einstein um die Aufnahme am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, der späteren ETH Zürich. Da er keine anerkannte Matura besass, musste er eine Aufnahmeprüfung ablegen.
In Mathematik und Physik erzielte er ausgezeichnete Ergebnisse, bestand die Prüfung insgesamt aber nicht, weil seine Leistungen in mehreren sprachlichen und allgemeinbildenden Fächern nicht genügten.
Auf Empfehlung des Polytechnikums besuchte er anschliessend die Kantonsschule Aarau, um eine schweizerische Matura zu erwerben.
1896 beantragte Einstein die Entlassung aus der württembergischen Staatsangehörigkeit. Bis zu seiner Einbürgerung in der Schweiz im Jahr 1901 war er staatenlos.
Schulzeit in Aarau
In Aarau lebte Einstein bei der Familie des Lehrers Jost Winteler. Die offene und liberale Atmosphäre des Hauses unterschied sich stark von seinen Erfahrungen am Münchner Gymnasium.
Die Aargauer Kantonsschule legte Wert auf selbstständiges Denken, Anschauungsunterricht und Diskussion. Diese pädagogische Umgebung beeinflusste Einstein nachhaltig.
Während seiner Zeit in Aarau entwickelte er eines seiner bekanntesten Gedankenexperimente: Er fragte sich, was ein Beobachter wahrnehmen würde, wenn er sich mit der Geschwindigkeit des Lichts neben einer Lichtwelle bewegte. Diese Überlegung wurde später für seine Beschäftigung mit Raum, Zeit und Elektrodynamik bedeutsam.
1896 bestand Einstein die schweizerische Maturitätsprüfung. Im selben Jahr wurde er am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich aufgenommen.
Studium am Polytechnikum Zürich
Von Oktober 1896 bis 1900 studierte Einstein am Eidgenössischen Polytechnikum in der Abteilung für Fachlehrer in mathematisch-physikalischer Richtung.[3]
Zu seinen Mitstudierenden gehörten Marcel Grossmann, Michele Besso und Mileva Marić. Marić stammte aus dem damaligen Österreich-Ungarn und gehörte zu den ersten Frauen, die am Polytechnikum ein naturwissenschaftliches Studium aufnahmen.
Einstein besuchte Vorlesungen nicht immer regelmässig. Er arbeitete bevorzugt selbstständig und studierte die Schriften von James Clerk Maxwell, Ludwig Boltzmann, Heinrich Hertz, Gustav Kirchhoff und Ernst Mach.
Die sorgfältigen Vorlesungsnotizen Marcel Grossmanns halfen ihm bei der Vorbereitung auf Prüfungen. Grossmann wurde später zu einem wichtigen mathematischen Mitarbeiter bei der Entwicklung der allgemeinen Relativitätstheorie.
Im Jahr 1900 erhielt Einstein das Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik. Seine Diplomarbeit behandelte die Wärmeleitung.
Trotz seines Abschlusses fand er zunächst keine Assistentenstelle am Polytechnikum. Mehrere Professoren lehnten seine Bewerbungen ab. Gründe waren vermutlich sein eigenwilliges Auftreten, Konflikte mit Lehrpersonen und seine geringe Erfahrung in der experimentellen Laborarbeit.
Schweizer Bürgerrecht und erste Anstellungen
Am 21. Februar 1901 wurde Einstein in das Bürgerrecht der Stadt Zürich aufgenommen. Damit erhielt er gleichzeitig das Bürgerrecht des Kantons Zürich und das Schweizer Bürgerrecht.[2]
Einstein blieb bis zu seinem Lebensende Schweizer Staatsbürger. Als er 1940 zusätzlich die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten annahm, behielt er das Schweizer Bürgerrecht.
Nach dem Studium arbeitete er zeitweise als Aushilfslehrer am Technikum Winterthur und als Lehrer an einer Privatschule in Schaffhausen. Daneben erteilte er Privatunterricht und setzte seine theoretischen Studien fort.
1901 veröffentlichte er seinen ersten wissenschaftlichen Aufsatz über Folgerungen aus den Kapillaritätserscheinungen.
Umzug nach Bern
1902 zog Einstein nach Bern. Zunächst verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Privatunterricht. In Zeitungsanzeigen bot er Unterricht in Mathematik und Physik an.
Durch die Vermittlung seines Studienfreundes Marcel Grossmann und dessen Vater erhielt Einstein eine Stelle am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum, das umgangssprachlich als Patentamt bezeichnet wurde.
Am 23. Juni 1902 trat er die Stelle als technischer Experte dritter Klasse an. Seine Aufgabe bestand darin, Patentanmeldungen zu prüfen und technische Erfindungen verständlich, logisch und rechtlich eindeutig zu beurteilen.[4]
Die Arbeit betraf unter anderem elektrische Apparate, Messgeräte, Schreibmaschinen und Systeme zur Zeitübertragung. Die Beschäftigung mit der Synchronisierung von Uhren und mit elektrotechnischen Problemen dürfte Einsteins Denken über Zeitmessung und Gleichzeitigkeit zusätzlich angeregt haben.
Einstein arbeitete bis 1909 am Patentamt. 1906 wurde er zum technischen Experten zweiter Klasse befördert.
Akademie Olympia
In Bern traf sich Einstein regelmässig mit Maurice Solovine und Conrad Habicht zu gemeinsamen Lektüren und Diskussionen.
Die Freunde gaben ihrem informellen Kreis scherzhaft den Namen Akademie Olympia. Gelegentlich nahm auch Michele Besso an den Gesprächen teil.
Gelesen und diskutiert wurden Werke von David Hume, Baruch de Spinoza, Ernst Mach, Henri Poincaré, Miguel de Cervantes und weiteren Philosophen, Naturwissenschaftlern und Schriftstellern.
Die Akademie Olympia war keine formelle wissenschaftliche Gesellschaft. Sie bot Einstein jedoch einen lebendigen intellektuellen Austausch ausserhalb der etablierten Hochschulen.
Ehe mit Mileva Marić
Einstein und Mileva Marić hatten sich während des Studiums kennengelernt. Aus ihrer Beziehung ging 1902 eine Tochter hervor, die in den erhaltenen Briefen als Lieserl bezeichnet wird.
Über das weitere Schicksal des Kindes ist nichts Sicheres bekannt. Wahrscheinlich blieb es bei der Familie Marić, wurde zur Adoption freigegeben oder starb im frühen Kindesalter. Albert Einstein hat Lieserl möglicherweise nie persönlich gesehen.
Am 6. Januar 1903 heirateten Einstein und Marić in Bern. Am 14. Mai 1904 wurde ihr Sohn Hans Albert geboren. Der zweite Sohn Eduard kam am 28. Juli 1910 in Zürich zur Welt.
Hans Albert Einstein studierte später an der ETH Zürich Bauingenieurwesen und wurde ein anerkannter Fachmann für Sedimenttransport und Flussbau. Eduard begann ein Medizinstudium an der Universität Zürich, erkrankte jedoch schwer und verbrachte einen grossen Teil seines späteren Lebens in psychiatrischer Behandlung.
Das Wunderjahr 1905
Das Jahr 1905 wird als Einsteins Annus mirabilis oder Wunderjahr bezeichnet. Während er weiterhin am Berner Patentamt arbeitete, veröffentlichte er innerhalb weniger Monate mehrere Arbeiten, welche die Grundlagen der modernen Physik veränderten.[5]
Lichtquantenhypothese
In der Arbeit Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt schlug Einstein vor, dass Licht bei bestimmten Vorgängen nicht nur als kontinuierliche Welle, sondern als aus einzelnen Energiepaketen bestehend betrachtet werden müsse.
Die Energie eines solchen Lichtquants hängt von der Frequenz des Lichts ab. Einstein übertrug damit Max Plancks Quantenhypothese auf das Licht selbst.
Mit dieser Vorstellung erklärte er den photoelektrischen Effekt. Dabei werden Elektronen aus einem Material gelöst, wenn Licht mit ausreichend hoher Frequenz auf dessen Oberfläche trifft.
Die Intensität des Lichts bestimmt vor allem die Zahl der ausgelösten Elektronen. Ihre maximale Energie hängt dagegen von der Frequenz des einfallenden Lichts ab.
Die Lichtquantenhypothese war ein grundlegender Schritt zur modernen Quantentheorie. Für diese Arbeit und nicht unmittelbar für die Relativitätstheorie erhielt Einstein später den Nobelpreis.
Brownsche Bewegung
In einer weiteren Arbeit erklärte Einstein die unregelmässige Bewegung kleiner Teilchen in Flüssigkeiten als Folge ständiger Zusammenstösse mit unsichtbaren Molekülen.
Die nach dem Botaniker Robert Brown benannte Brownsche Bewegung lieferte einen messbaren Nachweis für die molekulare Struktur der Materie.
Einsteins mathematische Vorhersagen wurden später unter anderem durch Jean Perrin experimentell bestätigt. Damit wurde die bis dahin noch umstrittene Realität von Atomen und Molekülen überzeugend gestützt.
Spezielle Relativitätstheorie
In der Arbeit Zur Elektrodynamik bewegter Körper entwickelte Einstein die spezielle Relativitätstheorie.
Sie beruht auf zwei Grundannahmen:
- Die Gesetze der Physik gelten in allen gleichförmig bewegten Bezugssystemen in derselben Form.
- Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum besitzt für alle gleichförmig bewegten Beobachter denselben Wert.
Daraus folgen Ergebnisse, die der Alltagserfahrung widersprechen können. Zeitabstände und Längen sind nicht für alle Beobachter gleich, sondern hängen vom Bewegungszustand ab.
Zwei Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, müssen für einen anders bewegten Beobachter nicht gleichzeitig sein. Bewegte Uhren erscheinen langsamer, und bewegte Körper werden in Bewegungsrichtung verkürzt gemessen.
Raum und Zeit sind daher nicht voneinander unabhängige absolute Grössen. Sie bilden gemeinsam die vierdimensionale Raumzeit.
Masse und Energie
Im kurzen Aufsatz Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig? zeigte Einstein, dass Masse und Energie äquivalent sind.
Die später berühmt gewordene Beziehung lautet:
- E = mc2
Dabei bezeichnet E die Energie, m die Masse und c die Lichtgeschwindigkeit.
Schon eine kleine Masse entspricht wegen des sehr grossen Werts von c2 einer erheblichen Energiemenge. Die Formel bildet eine Grundlage für das Verständnis von Kernreaktionen, Teilchenphysik und der Energieerzeugung in Sternen.
Sie bedeutet jedoch nicht, dass Einstein die Atombombe erfunden habe. Die Entwicklung von Kernwaffen beruhte auf späteren Entdeckungen der Kernphysik und auf umfangreicher experimenteller und technischer Arbeit.
Dissertation
1905 reichte Einstein an der Universität Zürich die Dissertation Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen ein.
Darin entwickelte er eine Methode zur Berechnung der Grösse von Molekülen und der Avogadro-Konstante aus messbaren Eigenschaften von Flüssigkeiten.
Am 15. Januar 1906 verlieh ihm die Universität Zürich den Doktortitel. Die Dissertation wurde später zu einer seiner meistzitierten Arbeiten.[6]
Akademische Laufbahn in der Schweiz
Universität Bern
Einsteins erster Versuch, sich 1907 an der Universität Bern zu habilitieren, scheiterte an formalen Anforderungen.
1908 wurde seine Habilitation angenommen. Er erhielt die Lehrberechtigung und hielt als Privatdozent Vorlesungen über Strahlungstheorie und theoretische Physik.
Anfangs nahmen nur wenige Studierende an seinen Veranstaltungen teil. Einstein arbeitete weiterhin hauptberuflich am Patentamt.
Universität Zürich
1909 wurde Einstein zum ausserordentlichen Professor für theoretische Physik an der Universität Zürich ernannt. Es war seine erste reguläre Professur.[7]
Mit dem Wechsel an die Universität endete seine Tätigkeit am Berner Patentamt.
In Zürich beschäftigte sich Einstein unter anderem mit statistischer Physik, Strahlung, Quantentheorie und den Grundlagen der Gravitation.
Seine Vorlesungen galten als anschaulich und lebendig. Gleichzeitig wuchs sein Ansehen in der internationalen Fachwelt rasch.
Prag
1911 nahm Einstein eine ordentliche Professur an der Deutschen Universität Prag an.
In Prag arbeitete er an einer Theorie der Gravitation und untersuchte die Ablenkung von Licht durch schwere Körper.
Er nahm ausserdem an der ersten Solvay-Konferenz in Brüssel teil, auf der führende Physiker über die entstehende Quantentheorie diskutierten.
Rückkehr an die ETH Zürich
1912 wurde Einstein als Professor für theoretische Physik an die ETH Zürich berufen. Er trat die Stelle am 1. Oktober 1912 an.[8]
In Zürich arbeitete er eng mit seinem früheren Studienkollegen Marcel Grossmann zusammen. Grossmann machte ihn mit der Tensorrechnung und der Differentialgeometrie vertraut.
Diese mathematischen Methoden waren entscheidend für die Beschreibung einer gekrümmten Raumzeit. Einstein und Grossmann veröffentlichten 1913 gemeinsam einen Entwurf einer verallgemeinerten Relativitäts- und Gravitationstheorie.
Die Zürcher Arbeiten enthielten bereits wesentliche Bausteine der späteren allgemeinen Relativitätstheorie, auch wenn die endgültigen Feldgleichungen noch nicht gefunden waren.
Berliner Jahre
Berufung nach Berlin
1914 wechselte Einstein nach Berlin. Er wurde Mitglied der Preussischen Akademie der Wissenschaften, erhielt eine Professur ohne regelmässige Lehrverpflichtung und wurde später Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik.
Die günstigen Arbeitsbedingungen ermöglichten ihm, sich weitgehend auf die Forschung zu konzentrieren.
Mileva Einstein und die beiden Söhne zogen zunächst ebenfalls nach Berlin. Die Ehe war jedoch bereits schwer belastet. Mileva kehrte 1914 mit Hans Albert und Eduard nach Zürich zurück.
Erster Weltkrieg
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs unterzeichneten zahlreiche deutsche Wissenschaftler das nationalistische Manifest der 93.
Einstein verweigerte seine Unterstützung. Stattdessen beteiligte er sich an einem Gegenaufruf für europäische Verständigung und eine friedliche Zusammenarbeit der Völker.
Seine pazifistische Haltung brachte ihn in Gegensatz zu vielen deutschen Kollegen. Während des Kriegs setzte er sich für internationale Kontakte und politische Verständigung ein.
Allgemeine Relativitätstheorie
Im November 1915 legte Einstein der Preussischen Akademie der Wissenschaften in mehreren Mitteilungen die endgültige Form der allgemeinen Relativitätstheorie vor.
Die Theorie erweitert die spezielle Relativitätstheorie auf beschleunigte Bewegungen und beschreibt die Gravitation nicht als gewöhnliche Kraft.
Materie und Energie verändern die Geometrie der Raumzeit. Körper und Licht bewegen sich in dieser gekrümmten Raumzeit auf den ihnen möglichen Bahnen.
Die Theorie erklärte die bis dahin rätselhafte zusätzliche Drehung der Bahn des Planeten Merkur. Sie sagte ausserdem voraus:
- die Ablenkung von Licht im Gravitationsfeld;
- eine gravitationsbedingte Verschiebung von Lichtfrequenzen;
- eine unterschiedliche Geschwindigkeit von Uhren in verschiedenen Gravitationsfeldern;
- die Existenz von Gravitationswellen;
- die Möglichkeit stark gekrümmter Raumzeitstrukturen.
Die allgemeine Relativitätstheorie wurde zur Grundlage der modernen Astrophysik und Kosmologie.
Sonnenfinsternis von 1919
Während der totalen Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 untersuchten britische Expeditionen unter der Leitung von Arthur Eddington und Frank Dyson die scheinbare Position von Sternen nahe der Sonne.
Die Messungen wurden als Bestätigung der von Einstein vorhergesagten Lichtablenkung interpretiert. Die Genauigkeit der damaligen Daten wurde später ausführlich diskutiert, doch die Ergebnisse stimmten grundsätzlich mit der allgemeinen Relativitätstheorie überein.
Internationale Zeitungen berichteten über eine wissenschaftliche Revolution. Einstein wurde nahezu über Nacht zu einer weltbekannten Persönlichkeit.[9]
Scheidung und zweite Ehe
Die Ehe von Albert und Mileva Einstein wurde 1919 geschieden.
In der Scheidungsvereinbarung verpflichtete sich Einstein, das Geld eines möglichen zukünftigen Nobelpreises Mileva zu überlassen. Nach der Verleihung des Preises wurde das Kapital entsprechend übertragen und hauptsächlich für den Erwerb von Immobilien in Zürich verwendet.
Im Juni 1919 heiratete Einstein seine Cousine Elsa Löwenthal, geborene Einstein. Sie brachte die Töchter Ilse und Margot aus ihrer ersten Ehe mit.
Elsa begleitete Einstein auf zahlreichen Reisen und übernahm einen grossen Teil der Organisation seines öffentlichen und privaten Lebens. Sie starb 1936 in Princeton.
Nobelpreis und internationale Berühmtheit
Der Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 wurde Einstein «für seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts» verliehen.[1]
Die Relativitätstheorie wurde in der Preisbegründung nicht ausdrücklich genannt. Ein Grund war, dass Teile des Nobelkomitees die Theorie noch nicht als ausreichend experimentell abgesichert betrachteten.
Die Entscheidung wurde erst 1922 bekannt gegeben. Einstein hielt sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Reise in Japan auf und nahm nicht an der Preiszeremonie teil.
Seine Nobelvorlesung hielt er 1923 in Göteborg. Dabei sprach er entgegen der engeren Preisbegründung hauptsächlich über die Relativitätstheorie.[10]
In den 1920er-Jahren reiste Einstein durch Europa, Nord- und Südamerika, den Nahen Osten und Asien. Er hielt Vorträge, unterstützte wissenschaftliche Einrichtungen und wurde zu einer öffentlichen Symbolfigur für Wissenschaft und intellektuelle Unabhängigkeit.
Beiträge zur Quantentheorie
Obwohl Einstein später zu einem bedeutenden Kritiker der üblichen Deutung der Quantenmechanik wurde, gehörte er zu ihren wichtigsten Wegbereitern.
Welle-Teilchen-Dualismus
Mit der Lichtquantenhypothese zeigte Einstein, dass elektromagnetische Strahlung bei bestimmten Vorgängen teilchenartige Eigenschaften besitzt.
Spätere Experimente bestätigten die Existenz der heute als Photonen bezeichneten Lichtquanten.
Die Verbindung von Wellen- und Teilcheneigenschaften wurde zu einem Grundprinzip der Quantenphysik.
Spezifische Wärme
1907 entwickelte Einstein ein quantenmechanisches Modell für die Wärmekapazität fester Körper.
Es erklärte, weshalb die Wärmekapazität bei tiefen Temperaturen vom klassischen Wert abweicht. Das Modell war noch vereinfacht, zeigte aber, dass die Quantentheorie nicht nur für Strahlung, sondern auch für Materie notwendig war.
Einstein-Koeffizienten
1916 und 1917 untersuchte Einstein die Wechselwirkung von Atomen und Strahlung.
Er unterschied zwischen:
- Absorption;
- spontaner Emission;
- stimulierter Emission.
Die stimulierte Emission wurde Jahrzehnte später zur physikalischen Grundlage von Maser und Laser.
Bose-Einstein-Statistik
1924 erhielt Einstein eine Arbeit des indischen Physikers Satyendranath Bose. Bose hatte eine neue statistische Herleitung des Planckschen Strahlungsgesetzes entwickelt.
Einstein erkannte die Bedeutung der Arbeit, übersetzte sie ins Deutsche und vermittelte ihre Veröffentlichung.
Er übertrug Boses Methode auf ein ideales Gas aus nicht unterscheidbaren Teilchen. Daraus entstand die Bose-Einstein-Statistik.
Einstein sagte voraus, dass sich bei sehr tiefen Temperaturen viele Teilchen im selben quantenmechanischen Zustand sammeln können. Dieser Zustand wird als Bose-Einstein-Kondensat bezeichnet und wurde 1995 erstmals experimentell erzeugt.
Debatte über die Quantenmechanik
Einstein akzeptierte die experimentellen Erfolge der Quantenmechanik, bezweifelte aber, dass ihre damals verbreitete Interpretation eine vollständige Beschreibung der Wirklichkeit darstelle.
Besonders die fundamentale Rolle des Zufalls und die Aufgabe einer vom Beobachter unabhängigen physikalischen Realität missfielen ihm.
Auf den Solvay-Konferenzen führte er berühmte Diskussionen mit Niels Bohr. Einstein entwarf Gedankenexperimente, mit denen er vermeintliche Widersprüche der Quantentheorie aufzeigen wollte. Bohr versuchte jeweils zu zeigen, dass die Theorie konsistent blieb.
1935 veröffentlichte Einstein gemeinsam mit Boris Podolsky und Nathan Rosen den Aufsatz Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality Be Considered Complete?
Das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon sollte zeigen, dass die Quantenmechanik entweder unvollständig sein oder ungewöhnliche Fernbeziehungen zwischen räumlich getrennten Systemen enthalten müsse.
Die später als Quantenverschränkung bezeichneten Beziehungen wurden zu einem wichtigen Forschungsgebiet. Experimente zu den Bellschen Ungleichungen bestätigten, dass die Quantenwelt keine einfache lokal-realistische Beschreibung zulässt.
Einsteins Kritik erwies sich damit nicht als Widerlegung der Quantenmechanik, führte aber zu grundlegenden Untersuchungen ihrer begrifflichen Struktur.
Kosmologie
1917 wandte Einstein die allgemeine Relativitätstheorie auf das Universum als Ganzes an.
Da er von einem statischen Kosmos ausging, ergänzte er seine Feldgleichungen um die kosmologische Konstante. Sie sollte eine anziehende Wirkung der Gravitation auf grossen Skalen ausgleichen.
In den 1920er-Jahren zeigten Alexander Friedmann und Georges Lemaître, dass Einsteins Gleichungen auch ein expandierendes oder sich zusammenziehendes Universum beschreiben.
Astronomische Beobachtungen Edwin Hubbles wurden als Beleg für die Expansion des Universums verstanden. Einstein gab daraufhin sein ursprüngliches statisches Modell auf.
Die kosmologische Konstante gewann gegen Ende des 20. Jahrhunderts erneut Bedeutung, als Beobachtungen auf eine beschleunigte Expansion des Universums hinwiesen.
Einstein untersuchte ausserdem Gravitationswellen, Gravitationslinsen und die Beziehung zwischen Materieverteilung und Geometrie des Kosmos.
Suche nach einer einheitlichen Feldtheorie
In seinen späteren Jahrzehnten versuchte Einstein, Gravitation und Elektromagnetismus in einer einheitlichen klassischen Feldtheorie zu verbinden.
Er hoffte, Materie und physikalische Wechselwirkungen als verschiedene Erscheinungsformen einer gemeinsamen geometrischen Struktur darstellen zu können.
Diese Arbeiten führten nicht zu einer allgemein anerkannten Theorie. Einstein blieb zunehmend ausserhalb der Hauptentwicklung der Quantenfeldtheorie und Kernphysik.
Seine Suche beeinflusste dennoch spätere Bestrebungen, die fundamentalen Kräfte der Natur mathematisch zu vereinheitlichen.
Flucht aus Deutschland
Nationalsozialistische Machtübernahme
Als Adolf Hitler im Januar 1933 zum deutschen Reichskanzler ernannt wurde, hielt sich Einstein in den Vereinigten Staaten auf.
Einstein war als Jude, Pazifist, Demokrat und international bekannter Gegner des Nationalsozialismus besonders gefährdet. Nationalsozialistische Organisationen hetzten bereits zuvor öffentlich gegen ihn und bezeichneten die Relativitätstheorie als «jüdische Physik».
Er erklärte seinen Austritt aus der Preussischen Akademie der Wissenschaften und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück. Sein Eigentum wurde beschlagnahmt, seine Schriften wurden öffentlich verbrannt und seine deutsche Staatsangehörigkeit wurde ihm entzogen beziehungsweise von ihm aufgegeben.
Zeitweise hielt er sich in Belgien und Grossbritannien auf. Im Herbst 1933 liess er sich endgültig in den Vereinigten Staaten nieder.
Princeton
Einstein wurde eines der ersten Mitglieder des neu gegründeten Institute for Advanced Study in Princeton.
Von 1933 bis zu seinem Tod 1955 arbeitete er dort als Professor. Das Institut verpflichtete ihn nicht zu regelmässigem Unterricht, sodass er sich auf Forschung, Korrespondenz und öffentliche Aufgaben konzentrieren konnte.[11]
1940 erhielt Einstein die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sein Schweizer Bürgerrecht behielt er bei.
1945 trat er offiziell in den Ruhestand, setzte seine wissenschaftliche Arbeit jedoch fort.
Einstein lebte in Princeton vergleichsweise zurückgezogen. Gleichzeitig erhielt er täglich zahlreiche Briefe von Wissenschaftlern, Politikern, Hilfesuchenden, Bewunderern und Gegnern.
Politisches und gesellschaftliches Engagement
Pazifismus
Einstein war über weite Teile seines Lebens ein entschiedener Gegner von Militarismus und Krieg.
Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützte er internationale Verständigung, Abrüstung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung.
Der Aufstieg des Nationalsozialismus veränderte seine Haltung. Angesichts der militärischen Bedrohung durch Hitler hielt er einen rein absoluten Pazifismus zeitweise nicht mehr für ausreichend.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich erneut intensiv für Abrüstung, internationale Kontrolle von Atomwaffen und eine überstaatliche Friedensordnung ein.
Zionismus und Judentum
Einstein war nicht religiös-orthodox, fühlte sich aber zunehmend mit dem jüdischen Volk und seiner kulturellen Tradition verbunden.
Er unterstützte den Aufbau der Hebräischen Universität Jerusalem und half bei der Einwerbung von Mitteln. Sein wissenschaftlicher und literarischer Nachlass wurde später der Universität übertragen.
Einstein befürwortete eine jüdische kulturelle Heimstätte in Palästina. Gleichzeitig warnte er vor aggressivem Nationalismus und setzte sich für eine friedliche Zusammenarbeit von Juden und Arabern ein.
Nach dem Tod Chaim Weizmanns bot ihm die israelische Regierung 1952 das Amt des Staatspräsidenten von Israel an. Einstein lehnte ab und erklärte, ihm fehlten die Erfahrung und die Fähigkeiten für ein politisches Amt.[12]
Warnung vor der Atombombe
Im Sommer 1939 informierten die Physiker Leó Szilárd, Eugene Wigner und Edward Teller Einstein über die Möglichkeit einer nuklearen Kettenreaktion und über die Gefahr, dass das nationalsozialistische Deutschland eine Atombombe entwickeln könnte.
Szilárd entwarf einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, den Einstein am 2. August 1939 unterzeichnete.
Der Brief warnte vor dem militärischen Potenzial der Kernspaltung und empfahl der amerikanischen Regierung, die Forschung auf diesem Gebiet zu unterstützen.
Einstein war nicht am Manhattan-Projekt beteiligt und besass keine Sicherheitsfreigabe für die Entwicklung der amerikanischen Atombombe.[13]
Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki engagierte er sich für internationale Kontrolle der Kernenergie. 1946 übernahm er den Vorsitz des Emergency Committee of Atomic Scientists.
Weltregierung und Menschenrechte
Einstein hielt Nationalstaaten allein nicht für fähig, den Frieden im Zeitalter der Atomwaffen dauerhaft zu sichern.
Er befürwortete eine demokratisch kontrollierte überstaatliche Organisation, die internationale Konflikte friedlich regeln und Atomwaffen überwachen sollte.
In den Vereinigten Staaten unterstützte er Bürgerrechtsorganisationen und wandte sich gegen Rassismus und Diskriminierung.
Während der antikommunistischen Kampagnen der 1950er-Jahre verteidigte er die Freiheit von Wissenschaft, Lehre und politischer Meinungsäusserung.
Persönlichkeit und Weltanschauung
Einstein galt als unkonventionell, humorvoll und gegenüber gesellschaftlichen Rangordnungen skeptisch.
Er vermied formelle Kleidung, legte wenig Wert auf Besitz und lehnte Personenkult um seine eigene Person ab. Gleichzeitig war er sich seiner öffentlichen Wirkung bewusst und nutzte sie für politische und humanitäre Anliegen.
Einstein spielte seit seiner Kindheit Violine. Besonders schätzte er die Musik Johann Sebastian Bachs, Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens.
Seine religiöse Haltung war von Spinozas Philosophie beeinflusst. Er lehnte die Vorstellung eines persönlichen Gottes ab, der in menschliche Ereignisse eingreift.
Unter Religion verstand er eher ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Gesetzmässigkeit, Ordnung und Verständlichkeit der Natur.
Einstein verwendete in Briefen und Gesprächen häufig religiöse Begriffe wie «Gott», meinte damit jedoch in der Regel keine traditionelle Glaubenslehre.
Krankheit und Tod
Einstein litt in seinen letzten Lebensjahren an gesundheitlichen Problemen. Bereits 1948 war ein Aneurysma der Bauchschlagader operativ behandelt worden.
Am 17. April 1955 kam es zu inneren Blutungen infolge des erneut aufgebrochenen Aneurysmas. Einstein lehnte eine weitere Operation ab.
Er starb am frühen Morgen des 18. April 1955 im Krankenhaus von Princeton im Alter von 76 Jahren.
Sein Leichnam wurde eingeäschert. Die Asche wurde entsprechend seinem Wunsch an einem nicht öffentlich bekannten Ort verstreut, damit kein Grab zu einer Kultstätte werden konnte.
Seine wissenschaftlichen Manuskripte, Briefe und literarischen Rechte vermachte Einstein der Hebräischen Universität Jerusalem.
Einstein und die Schweiz
Bedeutung der Schweizer Jahre
Einstein verbrachte wichtige Phasen seiner Ausbildung, seines Privatlebens und seiner wissenschaftlichen Entwicklung in der Schweiz.
Zu den zentralen Stationen gehörten:
| Zeitraum | Ort | Tätigkeit |
|---|---|---|
| 1895–1896 | Aarau | Schüler an der Kantonsschule und Erwerb der Matura |
| 1896–1900 | Zürich | Studium am Eidgenössischen Polytechnikum |
| 1901 | Zürich | Erwerb des Schweizer Bürgerrechts |
| 1901 | Winterthur | Aushilfslehrer am Technikum |
| 1901–1902 | Schaffhausen | Lehrer und Privatlehrer |
| 1902–1909 | Bern | Technischer Experte am Patentamt |
| 1905–1906 | Zürich | Dissertation und Promotion an der Universität Zürich |
| 1908–1909 | Bern | Privatdozent an der Universität Bern |
| 1909–1911 | Zürich | Ausserordentlicher Professor an der Universität Zürich |
| 1912–1914 | Zürich | Professor für theoretische Physik an der ETH Zürich |
Die Jahre am Berner Patentamt waren wissenschaftlich ausserordentlich produktiv. Einstein entwickelte dort die Arbeiten des Wunderjahrs 1905 und weitere Grundlagen seiner Physik.
Zürich war zugleich Studienort, Heimatort und akademische Wirkungsstätte. Seine erste Professur erhielt er an der Universität Zürich, und an der ETH arbeitete er gemeinsam mit Marcel Grossmann an der mathematischen Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie.
Einstein-Haus in Bern
Von 1903 bis 1905 lebten Albert und Mileva Einstein mit ihrem Sohn Hans Albert in einer Wohnung an der Kramgasse 49 in der Berner Altstadt.
Die frühere Wohnung ist heute als Einstein-Haus öffentlich zugänglich. Sie zeigt Möbel, Dokumente, Fotografien und Informationen über Einsteins Leben in Bern.[14]
Das Gebäude liegt nur wenige Gehminuten vom damaligen Patentamt entfernt.
Universität Zürich
Einsteins originale Doktoratsurkunde wird seit 2022 im Hauptgebäude der Universität Zürich öffentlich ausgestellt.
Die Universität erinnert damit an seine Promotion von 1906 und an seine Tätigkeit als Professor von 1909 bis 1911.
Seine Dissertation gehört zu den wichtigsten frühen Arbeiten zur Molekülphysik und wurde in zahlreichen späteren Publikationen zitiert.
ETH Zürich
Die ETH Zürich bewahrt umfangreiche Dokumente, Fotografien, Vorlesungsunterlagen und Korrespondenzen zu Einstein auf.
Ein Teil der Bestände ist über die Plattform Einstein Online der ETH-Bibliothek zugänglich.
Einstein gilt heute als einer der bekanntesten Alumni und früheren Professoren der Hochschule. Seine Studienzeit wird dabei differenziert dargestellt: Er war kein erfolgloser Student, zeigte aber wenig Interesse an vorgeschriebenen Laborübungen und geriet mit einzelnen Professoren in Konflikt.[3]
Aarau
Die Alte Kantonsschule Aarau erinnert mit dem Albert-Einstein-Haus und weiteren Angeboten an ihren berühmten ehemaligen Schüler.
Einsteins Aufenthalt bei der Familie Winteler und die liberale Aargauer Schultradition gelten als prägende Erfahrungen seiner Jugend.
Wissenschaftliche Bedeutung
Einsteins Arbeiten veränderten mehrere Bereiche der Physik grundlegend.
Die spezielle Relativitätstheorie führte zu einem neuen Verständnis von Raum, Zeit, Energie und Bewegung.
Die allgemeine Relativitätstheorie ersetzte Newtons Beschreibung der Gravitation in Bereichen mit hohen Geschwindigkeiten, grossen Massen oder starken Gravitationsfeldern.
Einsteins Beiträge zur Quantentheorie halfen, Licht, Atome, Moleküle und Wärmestrahlung neu zu verstehen.
Seine statistischen Arbeiten lieferten experimentell überprüfbare Methoden zur Bestimmung molekularer Grössen.
Moderne Technologien und Forschungsgebiete, die direkt oder indirekt auf Einsteins Arbeiten aufbauen, umfassen:
- Satellitennavigation;
- Laser;
- Solarzellen und Lichtsensoren;
- Kernenergie;
- Teilchenbeschleuniger;
- Gravitationswellenastronomie;
- Kosmologie;
- Quantenoptik;
- Quanteninformation;
- Halbleiterphysik.
Bei Satellitennavigationssystemen müssen sowohl Effekte der speziellen als auch der allgemeinen Relativitätstheorie berücksichtigt werden. Ohne entsprechende Zeitkorrekturen würden die berechneten Positionen rasch ungenau.
Rezeption und öffentliche Wahrnehmung
Einstein wurde zu einem Symbol des wissenschaftlichen Genies.
Sein Gesicht, seine ungeordnete Frisur und die Formel E = mc2 gehören zu den bekanntesten Bildzeichen der modernen Wissenschaft.
Die populäre Darstellung vereinfacht sein Werk jedoch häufig. Einstein arbeitete nicht isoliert, sondern stand in einem dichten wissenschaftlichen Austausch mit Kollegen wie Marcel Grossmann, Michele Besso, Max Planck, Niels Bohr, Hendrik Lorentz, Paul Ehrenfest und Satyendranath Bose.
Auch seine Theorien entstanden auf Grundlage früherer Arbeiten. Die spezielle Relativitätstheorie knüpfte unter anderem an die Elektrodynamik Maxwells sowie an Untersuchungen von Lorentz und Poincaré an.
Einsteins besondere Leistung bestand darin, verschiedene physikalische Probleme in einer neuen, begrifflich klaren Struktur zusammenzuführen und weitreichende Folgerungen daraus abzuleiten.
Häufige Irrtümer
Schlechter Mathematikschüler
Die Behauptung, Einstein sei in Mathematik durchgefallen, ist falsch.
Er beherrschte bereits als Jugendlicher grosse Teile der Schulmathematik und erzielte bei der Aufnahmeprüfung des Polytechnikums besonders in Mathematik und Physik sehr gute Resultate.
Der Irrtum wird teilweise mit unterschiedlichen schweizerischen Notensystemen erklärt. An manchen Schulen bedeutete die Note 6 die beste Leistung, während in anderen Systemen die 1 die beste Note war.
Nobelpreis für die Relativitätstheorie
Einstein erhielt den Nobelpreis nicht ausdrücklich für die Relativitätstheorie.
Die offizielle Begründung nannte seine Verdienste um die theoretische Physik und besonders die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts.
Erfinder der Atombombe
Einstein war weder Konstrukteur der Atombombe noch Mitarbeiter des Manhattan-Projekts.
Seine Masse-Energie-Beziehung war für die Kernphysik grundsätzlich bedeutsam. Die konkrete Entwicklung von Kernwaffen beruhte jedoch auf der Entdeckung der Kernspaltung und auf der Arbeit zahlreicher Physiker, Ingenieure und militärischer Einrichtungen.
Einsteins unmittelbare Rolle beschränkte sich vor allem auf die Unterzeichnung des Warnbriefs an Präsident Roosevelt.
Mitarbeit Mileva Marićs
Über einen möglichen wissenschaftlichen Beitrag Mileva Marićs zu Einsteins frühen Arbeiten wird seit Jahrzehnten diskutiert.
Die erhaltenen Briefe zeigen, dass das Paar über physikalische Fragen sprach und Mileva Einsteins wissenschaftliche Interessen teilte.
Es existieren jedoch keine eindeutigen Quellen, die eine Mitautorschaft an den Veröffentlichungen von 1905 belegen. Die genaue Bedeutung ihres intellektuellen und persönlichen Austauschs bleibt Gegenstand wissenschaftshistorischer Untersuchungen.
Auszeichnungen und Ehrungen
Einstein erhielt zahlreiche wissenschaftliche Preise, Ehrendoktorate und Mitgliedschaften.
Zu den bedeutendsten Auszeichnungen gehören:
| Jahr | Auszeichnung |
|---|---|
| 1920 | Barnard-Medaille |
| 1921 | Nobelpreis für Physik |
| 1921 | Matteucci-Medaille |
| 1925 | Copley-Medaille der Royal Society |
| 1926 | Goldmedaille der Royal Astronomical Society |
| 1929 | Max-Planck-Medaille |
| 1935 | Franklin-Medaille |
Er war Mitglied oder Ehrenmitglied zahlreicher Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften.
Mehrere Universitäten verliehen ihm die Ehrendoktorwürde, darunter Hochschulen in Europa, Amerika und Asien.
Das chemische Element Einsteinium, der Asteroid Einstein, ein Mondkrater und zahlreiche Schulen, Strassen, Institute und Preise tragen seinen Namen.
Chronologie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1879 | Geburt am 14. März in Ulm |
| 1880 | Umzug der Familie nach München |
| 1894 | Übersiedlung der Familie nach Italien |
| 1895 | Aufnahmeprüfung am Eidgenössischen Polytechnikum und Eintritt in die Kantonsschule Aarau |
| 1896 | Schweizer Matura und Beginn des Studiums in Zürich |
| 1900 | Diplom am Eidgenössischen Polytechnikum |
| 1901 | Erwerb des Schweizer Bürgerrechts mit Heimatort Zürich |
| 1902 | Eintritt in das Eidgenössische Patentamt in Bern |
| 1903 | Heirat mit Mileva Marić |
| 1904 | Geburt des Sohnes Hans Albert |
| 1905 | Veröffentlichung der Arbeiten des Wunderjahrs |
| 1906 | Promotion an der Universität Zürich |
| 1908 | Privatdozent an der Universität Bern |
| 1909 | Professor an der Universität Zürich |
| 1910 | Geburt des Sohnes Eduard |
| 1911 | Professor an der Deutschen Universität Prag |
| 1912 | Professor an der ETH Zürich |
| 1914 | Übersiedlung nach Berlin |
| 1915 | Vollendung der allgemeinen Relativitätstheorie |
| 1919 | Scheidung von Mileva und Heirat mit Elsa Einstein; Sonnenfinsternisbeobachtungen |
| 1922 | Bekanntgabe des Nobelpreises für Physik des Jahres 1921 |
| 1924 | Entwicklung der Bose-Einstein-Statistik |
| 1933 | Flucht aus Deutschland und Übersiedlung in die Vereinigten Staaten |
| 1935 | Veröffentlichung des Einstein-Podolsky-Rosen-Aufsatzes |
| 1939 | Unterzeichnung des Briefs an Präsident Roosevelt |
| 1940 | Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft unter Beibehaltung des Schweizer Bürgerrechts |
| 1946 | Vorsitz im Emergency Committee of Atomic Scientists |
| 1952 | Ablehnung des Amts des israelischen Staatspräsidenten |
| 1955 | Tod am 18. April in Princeton |
Werke
Wissenschaftliche Hauptschriften
- Folgerungen aus den Capillaritätserscheinungen. 1901.
- Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt. 1905.
- Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen. 1905.
- Zur Elektrodynamik bewegter Körper. 1905.
- Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?. 1905.
- Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen. Dissertation, Zürich 1905.
- Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie. 1916.
- Kosmologische Betrachtungen zur allgemeinen Relativitätstheorie. 1917.
- Quantentheorie des einatomigen idealen Gases. 1924 und 1925.
- Albert Einstein, Boris Podolsky und Nathan Rosen: Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality Be Considered Complete?. 1935.
Allgemeinverständliche und politische Schriften
- Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie. 1917.
- Mein Weltbild. 1934.
- The World As I See It. 1934.
- Albert Einstein und Sigmund Freud: Warum Krieg?. 1933.
- Out of My Later Years. 1950.
Nachlass
Der grösste Teil von Einsteins wissenschaftlichem und persönlichem Nachlass befindet sich im Albert Einstein Archives der Hebräischen Universität Jerusalem.
Die Sammlung umfasst:
- wissenschaftliche Manuskripte;
- Notizbücher;
- Briefe;
- Fotografien;
- persönliche Dokumente;
- Vortragsmanuskripte;
- politische Stellungnahmen;
- Entwürfe und Berechnungen.
Das Einstein Papers Project veröffentlicht seit 1987 eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe seiner Schriften und Korrespondenzen.
Auch die ETH-Bibliothek, die Universität Zürich, das Schweizerische Bundesarchiv und die Schweizerische Nationalbibliothek bewahren bedeutende Dokumente zu Einsteins Schweizer Jahren auf.
Bedeutung
Albert Einstein veränderte das Verständnis von Raum, Zeit, Materie, Energie, Gravitation und Licht.
Seine wissenschaftliche Bedeutung beschränkt sich nicht auf eine einzelne Theorie. Er verband grundlegende begriffliche Fragen mit mathematischer Physik und mit experimentell überprüfbaren Vorhersagen.
Seine Schweizer Jahre waren für diese Entwicklung entscheidend. Die Ausbildung in Aarau und Zürich, die Arbeit in Bern, die Promotion an der Universität Zürich und die Professur an der ETH bildeten wesentliche Stationen seines wissenschaftlichen Aufstiegs.
Einstein war zugleich eine öffentliche Persönlichkeit, die sich zu Krieg, Nationalismus, Atomwaffen, Menschenrechten, jüdischer Kultur und internationaler Zusammenarbeit äusserte.
Sein Name steht heute weltweit für wissenschaftliche Kreativität, kritisches Denken und die Fähigkeit, scheinbar selbstverständliche Begriffe grundlegend neu zu untersuchen.
Literatur
- Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993.
- Jürgen Neffe: Einstein. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005.
- Walter Isaacson: Einstein. His Life and Universe. Simon & Schuster, New York 2007.
- Abraham Pais: Raffiniert ist der Herrgott. Albert Einstein. Eine wissenschaftliche Biographie. Vieweg, Braunschweig 1986.
- Max Jammer: Einstein und die Religion. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1995.
- Dennis Overbye: Einstein in Love. Viking, New York 2000.
- John Stachel: Einstein from B to Z. Birkhäuser, Boston 2002.
- Thomas Levenson: Einstein in Berlin. Bantam Books, New York 2003.
- Hubert Goenner: Einstein in Berlin 1914–1933. C. H. Beck, München 2005.
- The Collected Papers of Albert Einstein. Princeton University Press, Princeton, seit 1987.
- Günter Scharf: Einstein, Albert. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Siehe auch
- Relativitätstheorie
- Spezielle Relativitätstheorie
- Allgemeine Relativitätstheorie
- Photoelektrischer Effekt
- Brownsche Bewegung
- Bose-Einstein-Statistik
- Quantenmechanik
- ETH Zürich
- Universität Zürich
- Universität Bern
- Einstein-Haus Bern
- Mileva Marić
- Marcel Grossmann
- Michele Besso
- Nobelpreis für Physik
- Geschichte der Physik
Weblinks
- Albert Einstein im Historischen Lexikon der Schweiz
- Einstein Online der ETH-Bibliothek
- Albert Einstein an der Universität Zürich
- Einstein-Haus Bern
- Albert Einstein beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum
- Albert Einstein auf der Website des Nobelpreises
- Albert Einstein beim Institute for Advanced Study
- The Digital Einstein Papers
- Albert Einstein Archives
- Bilder und Mediendateien zu Albert Einstein
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Nobel Prize: Albert Einstein – Facts, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Günter Scharf: Einstein, Albert. Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 ETH Zürich: Albert Einstein – vom mässigen Studenten zum Nobelpreisträger, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum: Einstein am Patentamt, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Universität Zürich: Albert Einstein – Nobelpreis für Physik 1921, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Universität Zürich: Einsteins Dissertation, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Universität Zürich: Albert Einsteins Doktoratsurkunde ist zurück an der UZH, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ ETH-Bibliothek: Professor an der ETH Zürich 1912–1914, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ American Museum of Natural History: General Theory of Relativity, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Nobel Prize: Albert Einstein – Nobel Lecture, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Institute for Advanced Study: Albert Einstein, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ American Institute of Physics: Albert Einstein in Brief, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ American Institute of Physics: Einstein and the Nuclear Age, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Einstein-Haus Bern, abgerufen am 23. Juli 2026.
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