Albert Einstein
| Albert Einstein | |
|---|---|
| Geboren | 14. März 1879 in Ulm |
| Gestorben | 18. April 1955 in Princeton, New Jersey |
| Beruf | Theoretischer Physiker, Hochschullehrer |
| Fachgebiet | Theoretische Physik |
| Staatsangehörigkeit | Schweizer seit 1901; zusätzlich deutsch bis 1933 und US-amerikanisch seit 1940 |
| Ausbildung | Kantonsschule Aarau, Eidgenössisches Polytechnikum Zürich |
| Doktorat | Universität Zürich, 1906 |
| Wirkungsorte | Bern, Zürich, Prag, Berlin, Princeton |
| Bekannt für | Spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, Lichtquantenhypothese, Erklärung der Brownschen Bewegung, Masse-Energie-Äquivalenz, Bose-Einstein-Statistik |
| Nobelpreis | Physik 1921 |
| Ehepartnerinnen | Mileva Marić, Elsa Einstein |
| Kinder | Lieserl, Hans Albert und Eduard Einstein |
| Unterschrift | |
Albert Einstein (* 14. März 1879 in Ulm, Königreich Württemberg; † 18. April 1955 in Princeton, New Jersey) war ein schweizerisch-deutsch-amerikanischer theoretischer Physiker. Er zählt zu den einflussreichsten Naturwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts und prägte mit seinen Arbeiten die moderne Vorstellung von Raum, Zeit, Gravitation, Licht und Materie.
Einstein entwickelte 1905 die spezielle Relativitätstheorie und leitete daraus die Äquivalenz von Masse und Energie ab, die gewöhnlich durch die Formel <math>E=mc^2</math> ausgedrückt wird. Mit seiner Lichtquantenhypothese lieferte er einen grundlegenden Beitrag zur Entstehung der Quantentheorie. Seine Erklärung der Brownschen Bewegung stärkte die physikalischen Belege für die Existenz von Atomen und Molekülen.
1915 vollendete Einstein die allgemeine Relativitätstheorie. Darin beschrieb er die Gravitation nicht mehr als gewöhnliche Kraft, sondern als Folge der Krümmung von Raum und Zeit durch Materie und Energie. Die Theorie veränderte die Grundlagen der Physik und wurde zu einem zentralen Ausgangspunkt der modernen Kosmologie.
Für seine Verdienste um die theoretische Physik, insbesondere für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts, erhielt Einstein den Nobelpreis für Physik des Jahres 1921. Der Preis wurde ihm 1922 zugesprochen und überreicht.[1]
Einsteins wissenschaftliche und persönliche Entwicklung war eng mit der Schweiz verbunden. Er besuchte die Kantonsschule in Aarau, studierte am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, wurde 1901 Schweizer Bürger, arbeitete am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern und lehrte an der Universität Zürich sowie an der ETH Zürich. Seine Schweizer Staatsangehörigkeit behielt er bis zu seinem Tod.
Herkunft und Familie
Albert Einstein wurde als Sohn von Hermann Einstein und Pauline Einstein, geborene Koch, in Ulm geboren. Die Familie war jüdischer Herkunft, lebte ihre Religion jedoch nur wenig traditionell.
Sein Vater und dessen Bruder Jakob Einstein waren als Unternehmer in der elektrotechnischen Industrie tätig. Sie betrieben zunächst in München und später in Italien Unternehmen, die elektrische Anlagen und Gleichstrommaschinen herstellten.
Einsteins jüngere Schwester Maria, genannt Maja, wurde 1881 geboren. Zwischen den Geschwistern bestand bis zu Majas Tod 1951 eine enge Beziehung.
1880 zog die Familie von Ulm nach München. Dort gründeten Hermann und Jakob Einstein eine elektrotechnische Firma. Albert wuchs in einem bürgerlichen Umfeld auf, das von technischem Unternehmertum, Musik und einer weitgehend liberalen Weltanschauung geprägt war.
Kindheit und Schulzeit
Einstein besuchte zunächst eine katholische Volksschule und danach das Luitpold-Gymnasium in München. Schon als Kind interessierte er sich stark für mathematische und naturwissenschaftliche Fragen.
Eine oft wiederholte Behauptung, Einstein sei ein schlechter Schüler gewesen oder in Mathematik durchgefallen, trifft nicht zu. Seine Leistungen in Mathematik und Physik waren ausgezeichnet. Schwierigkeiten hatte er vor allem mit dem autoritären Schulbetrieb und mit Unterrichtsfächern, die stark auf Auswendiglernen ausgerichtet waren.
Als Jugendlicher beschäftigte er sich selbstständig mit Geometrie, Algebra, Physik und philosophischen Fragen. Ein entscheidendes Erlebnis war nach seinen späteren Erinnerungen die Betrachtung eines Kompasses. Die unsichtbare Kraft, welche die Nadel ausrichtete, weckte sein Interesse an physikalischen Feldern.
1894 übersiedelte die Familie wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nach Italien. Albert blieb zunächst in München, verliess das Gymnasium jedoch ohne Abschluss und folgte seiner Familie nach Mailand und Pavia.
Um dem deutschen Militärdienst und den damit verbundenen staatsbürgerlichen Pflichten zu entgehen, beantragte er die Entlassung aus der württembergischen Staatsangehörigkeit. Von 1896 bis 1901 war er staatenlos.
Ausbildung in der Schweiz
Aufnahmeprüfung am Polytechnikum
1895 bewarb sich Einstein im Alter von sechzehn Jahren um die Aufnahme am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, der heutigen ETH Zürich.
Da er noch keinen anerkannten Mittelschulabschluss besass, musste er eine Aufnahmeprüfung ablegen. In Mathematik und Physik erzielte er sehr gute Ergebnisse. Seine Leistungen in Sprachen, Literatur und weiteren allgemeinbildenden Fächern reichten jedoch nicht für die sofortige Zulassung aus.
Der Direktor des Polytechnikums empfahl ihm, zunächst eine schweizerische Mittelschule zu besuchen und die Maturität abzulegen.
Kantonsschule Aarau
Einstein trat 1895 in die Kantonsschule Aarau ein. Während seines Aufenthalts wohnte er bei der Familie seines Lehrers Jost Winteler.
Der Unterricht in Aarau unterschied sich deutlich vom autoritären Schulmodell, das Einstein in München erlebt hatte. Die Schule förderte selbstständiges Denken, Diskussionen und anschauliche Experimente.
In Aarau beschäftigte sich Einstein mit Gedankenexperimenten, die später für seine Relativitätstheorie bedeutsam wurden. Er fragte sich unter anderem, wie eine Lichtwelle erscheinen würde, wenn sich ein Beobachter mit Lichtgeschwindigkeit neben ihr bewegte.
1896 bestand Einstein die schweizerische Maturitätsprüfung. Seine besten Noten erhielt er in Mathematik und Physik.[2]
Studium in Zürich
Im Oktober 1896 begann Einstein am Eidgenössischen Polytechnikum das Studium in der Fachlehrerabteilung für Mathematik und Physik.
Zu seinen Mitstudierenden gehörten:
- Marcel Grossmann;
- Michele Besso;
- Jakob Ehrat;
- Louis Kollros;
- Mileva Marić.
Mileva Marić stammte aus dem damaligen Österreich-Ungarn und war eine der wenigen Frauen, die zu dieser Zeit am Polytechnikum Naturwissenschaften studierten. Zwischen ihr und Einstein entstand eine enge persönliche und intellektuelle Beziehung.
Einstein interessierte sich besonders für theoretische Physik und las eigenständig Arbeiten von James Clerk Maxwell, Ludwig Boltzmann, Gustav Kirchhoff, Hermann von Helmholtz und Heinrich Hertz.
Den regulären Vorlesungsbetrieb besuchte er nicht immer zuverlässig. Er bevorzugte selbstständiges Lernen und nutzte teilweise die sorgfältigen Mitschriften Marcel Grossmanns.
Im Jahr 1900 schloss Einstein sein Studium mit dem Fachlehrerdiplom für Mathematik und Physik ab. Trotz seiner starken fachlichen Begabung erhielt er keine Assistentenstelle am Polytechnikum.
Schweizer Bürgerrecht
Einstein hatte bereits während seines Studiums die Absicht, Schweizer Bürger zu werden. Von seinem geringen Einkommen legte er regelmässig Geld für die Einbürgerungsgebühren zurück.
Am 21. Februar 1901 erhielt er das Schweizer Bürgerrecht. Gleichzeitig wurde er Bürger der Stadt Zürich.[2]
Die Schweizer Staatsangehörigkeit blieb ein dauerhafter Bestandteil seiner Identität. Auch als er später erneut eine deutsche und danach die US-amerikanische Staatsangehörigkeit besass, behielt er den Schweizer Pass.
Bei der militärischen Musterung wurde Einstein aus gesundheitlichen Gründen für dienstuntauglich erklärt.
Erste Berufsjahre
Nach dem Studienabschluss fand Einstein zunächst keine dauerhafte wissenschaftliche Stelle.
Er arbeitete zeitweise als Aushilfslehrer in Winterthur und Schaffhausen. Daneben gab er Privatunterricht und bereitete wissenschaftliche Veröffentlichungen vor.
Ende 1901 bewarb er sich auf Empfehlung der Familie seines Studienfreunds Marcel Grossmann um eine Stelle beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum in Bern.
Im Juni 1902 erhielt er die Anstellung als technischer Experte dritter Klasse. Seine Aufgabe bestand darin, Patentanmeldungen insbesondere für elektrotechnische und mechanische Erfindungen auf Neuheit, Funktionsweise und ausreichende Beschreibung zu prüfen.[3]
Jahre in Bern
Leben am Patentamt
Einstein arbeitete von 1902 bis 1909 am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum.
Die Tätigkeit verlangte, technische Ideen rasch auf ihre wesentlichen Prinzipien zu reduzieren. Diese Art des abstrakten Denkens entsprach Einsteins wissenschaftlicher Arbeitsweise.
Seine Vorgesetzten bewerteten ihn als zuverlässigen und fachlich begabten Mitarbeiter. 1906 wurde er zum technischen Experten zweiter Klasse befördert.
Die reguläre Anstellung gab Einstein wirtschaftliche Sicherheit und liess ihm ausserhalb der Arbeitszeit genügend Raum für theoretische Forschungen.
Das Patentamt befand sich damals an der Ecke Speichergasse und Genfergasse in Bern. Einstein arbeitete dort an einem Stehpult und prüfte unter anderem Erfindungen zur elektrischen Signalübertragung, Zeitmessung und Synchronisierung.[3]
Akademie Olympia
In Bern gründete Einstein mit seinen Freunden Maurice Solovine und Conrad Habicht einen informellen Gesprächskreis, den sie scherzhaft Akademie Olympia nannten.
Die Mitglieder trafen sich regelmässig, lasen wissenschaftliche und philosophische Werke und diskutierten über Physik, Erkenntnistheorie, Literatur und Gesellschaft.
Zu den behandelten Autoren gehörten:
- David Hume;
- Ernst Mach;
- Henri Poincaré;
- Baruch de Spinoza;
- Miguel de Cervantes;
- Sophokles.
Die Gespräche der Akademie Olympia waren für Einsteins geistige Entwicklung wichtig. Solovine und Habicht blieben ihm auch nach dem Ende der Berner Jahre freundschaftlich verbunden.
Ehe mit Mileva Marić
Albert Einstein und Mileva Marić heirateten am 6. Januar 1903 in Bern.
Bereits 1902 war ihre Tochter Lieserl geboren worden. Über ihr weiteres Leben liegen nur wenige gesicherte Informationen vor. Es ist nicht geklärt, ob sie früh starb oder zur Adoption freigegeben wurde.
1904 kam der Sohn Hans Albert Einstein zur Welt. Er wurde später ein bedeutender Ingenieur und Professor für Wasserbau an der University of California in Berkeley.
Der zweite Sohn, Eduard Einstein, wurde 1910 in Zürich geboren. Er studierte Medizin, erkrankte jedoch als junger Erwachsener schwer und verbrachte einen erheblichen Teil seines späteren Lebens in psychiatrischer Behandlung.
Von 1903 bis 1905 lebte die Familie an der Kramgasse 49 in der Berner Altstadt. In der damaligen Wohnung befindet sich heute das Einstein-Haus Bern.[4]
Das Wunderjahr 1905
Das Jahr 1905 wird als Einsteins Annus mirabilis oder Wunderjahr bezeichnet.
Während er weiterhin vollzeitlich am Patentamt arbeitete, veröffentlichte er innerhalb weniger Monate mehrere Arbeiten, welche die Grundlagen der modernen Physik veränderten.
| Thema | Deutscher Titel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Lichtquanten | Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt | Erklärung des photoelektrischen Effekts und grundlegender Beitrag zur Quantentheorie |
| Brownsche Bewegung | Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen | Physikalische Bestätigung der atomistischen Materietheorie |
| Spezielle Relativitätstheorie | Zur Elektrodynamik bewegter Körper | Neue Theorie von Raum, Zeit und Bewegung |
| Masse und Energie | Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig? | Herleitung der Masse-Energie-Äquivalenz |
| Dissertation | Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen | Verfahren zur Bestimmung molekularer Grössen |
Lichtquantenhypothese
Max Planck hatte 1900 angenommen, dass Materie Energie nur in bestimmten Portionen aufnehmen oder abgeben könne.
Einstein ging 1905 einen entscheidenden Schritt weiter. Er schlug vor, dass sich auch Licht unter bestimmten Umständen so verhalte, als bestehe es aus einzelnen Energiequanten.
Die Energie eines solchen Lichtquants ist proportional zur Frequenz des Lichts:
- <math>E=h\nu</math>
Dabei bezeichnet <math>h</math> das Plancksche Wirkungsquantum und <math>\nu</math> die Frequenz.
Mit dieser Annahme erklärte Einstein den photoelektrischen Effekt. Trifft Licht auf bestimmte Metalloberflächen, können Elektronen herausgelöst werden. Entscheidend ist dabei nicht allein die Intensität, sondern vor allem die Frequenz des Lichts.
Diese Arbeit wurde zum Ausgangspunkt des späteren Photonenbegriffs und war der wichtigste konkrete Grund für die Verleihung des Nobelpreises.[1]
Brownsche Bewegung
Unter der Brownschen Bewegung versteht man die unregelmässige Bewegung sehr kleiner Teilchen in Flüssigkeiten oder Gasen.
Einstein zeigte mathematisch, dass diese Bewegung durch zufällige Zusammenstösse mit unsichtbaren Molekülen erklärt werden kann.
Seine Theorie ermöglichte es, aus beobachtbaren Bewegungen die Grösse von Molekülen und die Avogadro-Konstante zu bestimmen.
Die späteren experimentellen Bestätigungen durch Jean Perrin lieferten überzeugende Belege dafür, dass Atome und Moleküle reale physikalische Einheiten sind. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ihre tatsächliche Existenz unter einigen Wissenschaftlern noch umstritten.
Spezielle Relativitätstheorie
Die spezielle Relativitätstheorie beruht auf zwei Grundannahmen:
- Die Gesetze der Physik besitzen in allen gleichförmig bewegten Bezugssystemen dieselbe Form.
- Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum ist für alle gleichförmig bewegten Beobachter gleich.
Aus diesen Prinzipien ergeben sich weitreichende Konsequenzen.
Zeitabstände und Längen sind nicht für alle Beobachter identisch. Bewegte Uhren erscheinen langsamer, bewegte Gegenstände in Bewegungsrichtung verkürzt. Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, müssen für einen anderen Beobachter nicht gleichzeitig sein.
Raum und Zeit bilden somit keine voneinander unabhängigen, absolut feststehenden Grössen. Hermann Minkowski fasste diese Erkenntnis später im Begriff der vierdimensionalen Raumzeit zusammen.
Masse-Energie-Äquivalenz
In einer kurzen Ergänzung zur speziellen Relativitätstheorie zeigte Einstein, dass Masse und Energie zwei Erscheinungsformen derselben physikalischen Grösse sind.
Die Beziehung wird in ihrer bekanntesten Form geschrieben als:
- <math>E=mc^2</math>
Dabei bezeichnet <math>E</math> die Energie, <math>m</math> die Masse und <math>c</math> die Lichtgeschwindigkeit.
Da die Lichtgeschwindigkeit sehr gross ist, entspricht bereits eine geringe Masse einer ausserordentlich grossen Energiemenge.
Die Formel bildet eine Grundlage für das Verständnis von Kernreaktionen, Sternenenergie und Teilchenphysik. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Einstein die Atombombe erfunden hätte. An deren technischer Entwicklung war er nicht beteiligt.
Doktorat an der Universität Zürich
Einstein reichte seine Dissertation Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen 1905 an der Universität Zürich ein.
Das Eidgenössische Polytechnikum besass damals noch kein eigenes Promotionsrecht. Deshalb musste die Arbeit bei der Universität Zürich eingereicht werden.
Am 15. Januar 1906 wurde Einstein der Doktortitel verliehen.[5]
Die Dissertation entwickelte ein Verfahren zur Berechnung molekularer Dimensionen aus den Eigenschaften von Zuckerlösungen. Sie wurde zu einer seiner am häufigsten praktisch verwendeten wissenschaftlichen Arbeiten.
Einsteins Doktoratsurkunde gelangte nach mehreren Besitzerwechseln ins Ausland und kehrte im 21. Jahrhundert an die Universität Zürich zurück.
Beginn der akademischen Laufbahn
1908 habilitierte sich Einstein an der Universität Bern. Danach lehrte er dort als Privatdozent.
Die Vorlesungen waren zunächst nur schwach besucht. Ein Teil seiner Lehrveranstaltungen fand vor wenigen Studenten statt.
1909 erhielt Einstein seine erste ordentliche akademische Stellung als ausserordentlicher Professor für theoretische Physik an der Universität Zürich. Im Herbst desselben Jahres verliess er das Patentamt.[3]
Von 1909 bis 1911 forschte und lehrte er im damaligen Physikgebäude der Universität Zürich an der Rämistrasse 69.[5]
1911 nahm Einstein eine Professur an der Deutschen Universität in Prag an. Bereits 1912 kehrte er nach Zürich zurück und wurde Professor für theoretische Physik am Eidgenössischen Polytechnikum.
An seiner früheren Hochschule arbeitete er eng mit Marcel Grossmann zusammen. Grossmann machte Einstein mit dem Tensorenkalkül von Gregorio Ricci-Curbastro und Tullio Levi-Civita vertraut. Diese mathematischen Methoden wurden für die Entwicklung der allgemeinen Relativitätstheorie entscheidend.
Berlin und allgemeine Relativitätstheorie
1914 wechselte Einstein nach Berlin.
Er wurde Mitglied der Preussischen Akademie der Wissenschaften, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik und Professor ohne reguläre Lehrverpflichtung an der Universität Berlin.
Mileva und die beiden Söhne folgten ihm zunächst, kehrten jedoch bald nach Zürich zurück. Die Ehe war bereits schwer belastet und zerbrach endgültig.
Weg zur neuen Gravitationstheorie
Die spezielle Relativitätstheorie galt nur für gleichförmig bewegte Bezugssysteme und berücksichtigte die Gravitation nicht.
Einstein suchte deshalb nach einer umfassenderen Theorie, welche auch beschleunigte Bewegungen und Schwerkraft einbeziehen konnte.
Sein Ausgangspunkt war das Äquivalenzprinzip. Demnach sind die Wirkungen eines gleichförmig beschleunigten Bezugssystems lokal nicht von den Wirkungen eines Gravitationsfeldes zu unterscheiden.
Nach jahrelanger Arbeit legte Einstein im November 1915 die endgültigen Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie vor.
In moderner Schreibweise können sie mit kosmologischer Konstante als
- <math>G_{\mu\nu}+\Lambda g_{\mu\nu}=\frac{8\pi G}{c^4}T_{\mu\nu}</math>
dargestellt werden.
Die linke Seite beschreibt die Geometrie der Raumzeit, die rechte Seite die Verteilung von Materie und Energie.
Raumzeit und Gravitation
Nach der allgemeinen Relativitätstheorie krümmen Masse und Energie die Raumzeit. Frei bewegte Körper und Lichtstrahlen folgen den durch diese Geometrie bestimmten Bahnen.
Die Theorie erklärte unter anderem eine zuvor nicht vollständig verstandene Abweichung in der Bewegung des Planeten Merkur.
Einstein sagte weitere Effekte voraus:
- Ablenkung von Licht im Gravitationsfeld;
- gravitative Zeitdilatation;
- gravitative Rotverschiebung;
- Gravitationswellen;
- Veränderung von Umlaufbahnen durch Raumzeitkrümmung.
Diese Vorhersagen wurden im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts durch zahlreiche Beobachtungen und Experimente bestätigt.
Sonnenfinsternis von 1919
Während einer totalen Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 untersuchten britische Expeditionen unter der Leitung von Arthur Eddington und Frank Dyson die scheinbare Position von Sternen nahe der Sonne.
Die Ergebnisse wurden als Bestätigung der von Einstein vorhergesagten Lichtablenkung veröffentlicht.
Die internationale Presse machte Einstein daraufhin innerhalb weniger Tage weltberühmt. Er wurde zur öffentlichen Symbolfigur einer wissenschaftlichen Revolution.
Die Messungen von 1919 waren weniger genau, als zeitgenössische Berichte teilweise vermuten liessen. Spätere Beobachtungen bestätigten den Effekt jedoch mit wesentlich höherer Präzision.
Ehe mit Elsa Einstein
Die Ehe von Albert und Mileva Einstein wurde 1919 geschieden.
Im Scheidungsvertrag verpflichtete sich Einstein, ein mögliches künftiges Nobelpreisgeld an Mileva zu übertragen. Nach der Preisverleihung erhielt sie das Geld und verwendete es unter anderem für den Erwerb von Immobilien in Zürich.
Noch im Jahr 1919 heiratete Einstein seine Cousine Elsa Löwenthal, geborene Einstein.
Elsa begleitete ihn auf zahlreichen Reisen und schützte ihn zunehmend vor der grossen Zahl von Besuchern, Briefen und öffentlichen Verpflichtungen.
Sie starb 1936 in Princeton.
Nobelpreis für Physik
Einstein wurde bereits ab 1910 mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen.
Die Relativitätstheorie war im Nobelkomitee lange umstritten. Einigen Mitgliedern erschien ihre experimentelle Bestätigung noch nicht ausreichend.
1922 entschied die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, Einstein den zurückbehaltenen Nobelpreis für Physik des Jahres 1921 zu verleihen.
Die offizielle Begründung lautete, der Preis werde für seine Verdienste um die theoretische Physik und insbesondere für die Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts vergeben.[1]
Einstein befand sich zum Zeitpunkt der Preiszeremonie auf einer Reise in Ostasien und nahm nicht persönlich teil. Seine Nobelvorlesung hielt er 1923 in Göteborg. Dabei sprach er hauptsächlich über die Relativitätstheorie und nicht über den photoelektrischen Effekt.
Weitere wissenschaftliche Arbeiten
Quantentheorie
Obwohl Einstein zu den Mitbegründern der Quantentheorie gehörte, lehnte er ihre später verbreitete rein wahrscheinlichkeitstheoretische Deutung ab.
Zu seinen wichtigen Beiträgen gehören:
- Einführung der Lichtquantenhypothese;
- Theorie der spezifischen Wärme fester Körper;
- Beschreibung spontaner und stimulierter Emission;
- Grundlagen des Laserprinzips;
- Bose-Einstein-Statistik;
- Vorhersage des Bose-Einstein-Kondensats;
- Untersuchungen zum Welle-Teilchen-Dualismus.
1916 und 1917 entwickelte Einstein eine Theorie der Wechselwirkung zwischen Strahlung und Materie. Dabei führte er die Begriffe der spontanen und stimulierten Emission ein. Die stimulierte Emission bildet die physikalische Grundlage des Lasers.
Bose-Einstein-Statistik
1924 sandte der indische Physiker Satyendranath Bose Einstein eine Arbeit über die statistische Behandlung von Lichtquanten.
Einstein erkannte die Bedeutung des Ansatzes, übersetzte die Arbeit ins Deutsche und sorgte für ihre Veröffentlichung.
Er übertrug Boses Methode anschliessend auf Teilchen mit ganzzahligem Spin. Die daraus entstandene Bose-Einstein-Statistik beschreibt eine Klasse von Teilchen, die heute Bosonen genannt werden.
Einstein sagte voraus, dass sich bei sehr tiefen Temperaturen viele solcher Teilchen im gleichen Quantenzustand sammeln können. Dieses Bose-Einstein-Kondensat wurde 1995 erstmals experimentell in verdünnten atomaren Gasen erzeugt.
Debatte mit Niels Bohr
Einstein akzeptierte die mathematischen Erfolge der Quantenmechanik, bezweifelte jedoch, dass ihre übliche Deutung eine vollständige Beschreibung der Wirklichkeit liefere.
Besonders auf den Solvay-Konferenzen diskutierte er intensiv mit Niels Bohr.
Einstein entwickelte Gedankenexperimente, mit denen er mögliche Widersprüche oder Unvollständigkeiten der Quantentheorie aufzeigen wollte. Bohr antwortete jeweils mit einer Interpretation im Rahmen der Quantenmechanik.
Die Debatte betraf grundlegende Fragen:
- Besitzen physikalische Grössen unabhängig von einer Messung bestimmte Werte?
- Ist der Zufall ein grundlegender Bestandteil der Natur?
- Kann eine Theorie vollständig sein, wenn sie nur Wahrscheinlichkeiten vorhersagt?
- Welche Rolle spielt der Messvorgang?
EPR-Paradoxon
1935 veröffentlichten Einstein, Boris Podolsky und Nathan Rosen eine Arbeit, die später als EPR-Paradoxon bekannt wurde.
Sie beschrieben zwei miteinander wechselwirkende Quantensysteme, deren Messergebnisse auch nach grosser räumlicher Trennung eng miteinander verbunden bleiben.
Einstein sah darin einen Hinweis, dass die Quantenmechanik unvollständig sein müsse.
Spätere theoretische und experimentelle Arbeiten, insbesondere die Bellschen Ungleichungen und Versuche zur Quantenverschränkung, zeigten, dass die Natur keine Theorie lokaler verborgener Variablen zulässt.
Einsteins Einwände trugen damit wesentlich zur Klärung der Grundlagen der Quantenphysik und zur Entwicklung moderner Quantentechnologien bei.
Kosmologie
1917 wandte Einstein die allgemeine Relativitätstheorie auf das Universum als Ganzes an.
Da er zunächst von einem statischen Universum ausging, führte er die kosmologische Konstante <math>\Lambda</math> in seine Gleichungen ein.
Beobachtungen von Edwin Hubble und anderen Astronomen zeigten später, dass sich das Universum ausdehnt. Einstein akzeptierte das dynamische Weltbild.
Die kosmologische Konstante wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts erneut bedeutsam, als astronomische Beobachtungen auf eine beschleunigte Expansion des Universums hinwiesen.
Gravitationswellen
Einstein erkannte 1916, dass die Feldgleichungen wellenförmige Störungen der Raumzeit zulassen.
Diese Gravitationswellen breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus.
Indirekte Hinweise wurden seit den 1970er-Jahren durch Beobachtungen von Doppelsternsystemen gewonnen. 2015 gelang erstmals der direkte Nachweis von Gravitationswellen, die bei der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher entstanden waren.
Vereinheitlichte Feldtheorie
In seinen späteren Lebensjahrzehnten suchte Einstein nach einer vereinheitlichten Feldtheorie, welche Gravitation und Elektromagnetismus in einem gemeinsamen mathematischen Rahmen beschreiben sollte.
Er untersuchte verschiedene geometrische Ansätze, konnte jedoch keine allgemein überzeugende Theorie entwickeln.
Die starke und schwache Kernkraft waren zu dieser Zeit noch nicht ausreichend verstanden. Eine vollständige Vereinheitlichung der fundamentalen Wechselwirkungen blieb daher ausser Reichweite.
Obwohl Einsteins konkrete Versuche erfolglos blieben, beeinflusste die Idee einer vereinheitlichten Beschreibung spätere Forschungen in Teilchenphysik und Quantengravitation.
Politisches und gesellschaftliches Engagement
Einstein beschränkte sich nicht auf wissenschaftliche Fragen. Er äusserte sich regelmässig zu Krieg, Nationalismus, Antisemitismus, Menschenrechten, Bildung und internationaler Zusammenarbeit.
Pazifismus
Während des Ersten Weltkriegs gehörte Einstein zu den wenigen prominenten deutschen Wissenschaftlern, die sich nicht mit der nationalistischen Kriegsbegeisterung identifizierten.
Er unterstützte 1914 einen Gegenaufruf zum nationalistischen Manifest der 93 und trat für eine Verständigung zwischen den europäischen Völkern ein.
In den 1920er-Jahren engagierte er sich für Abrüstung, Kriegsdienstverweigerung und internationale Organisationen.
Einstein arbeitete zeitweise in der Internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit des Völkerbunds mit. Er stand dabei unter anderem mit Marie Curie und weiteren führenden Wissenschaftlern im Austausch.[6]
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gab er seinen uneingeschränkten Pazifismus teilweise auf. Er betrachtete militärischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Deutschland als notwendig.
Jüdisches Engagement und Zionismus
Einstein verstand sich kulturell als Jude, war jedoch nicht religiös im traditionellen Sinn.
Er unterstützte den Aufbau jüdischer Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen in Palästina und engagierte sich besonders für die Hebräische Universität Jerusalem.
1921 reiste er mit Chaim Weizmann in die Vereinigten Staaten, um Spenden für die geplante Universität zu sammeln.
Einstein befürwortete eine kulturelle und wissenschaftliche Erneuerung des Judentums. Gegenüber einem ausschliesslich nationalstaatlich ausgerichteten Zionismus blieb er skeptisch.
Er setzte sich für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung ein.[7]
Nach dem Tod des israelischen Staatspräsidenten Chaim Weizmann wurde Einstein 1952 das Amt des Präsidenten von Israel angeboten. Er lehnte ab und erklärte, ihm fehlten die für ein politisches Amt notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen.
Antirassismus und Bürgerrechte
In den Vereinigten Staaten setzte sich Einstein gegen Rassismus und Rassentrennung ein.
Er unterstützte afroamerikanische Bürgerrechtsorganisationen, pflegte Kontakt zu W. E. B. Du Bois und Paul Robeson und trat öffentlich gegen Diskriminierung auf.
Einstein bezeichnete den Rassismus in den Vereinigten Staaten als eine schwere gesellschaftliche Krankheit. Seine Haltung war auch durch die eigene Erfahrung von Antisemitismus und Verfolgung geprägt.
Sozialismus und Weltregierung
Einstein kritisierte die starke Konzentration wirtschaftlicher und politischer Macht.
1949 veröffentlichte er den Aufsatz Why Socialism?, in dem er für eine demokratisch kontrollierte, sozial orientierte Wirtschaftsordnung eintrat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg befürwortete er eine überstaatliche politische Ordnung, welche internationale Konflikte begrenzen und die Kontrolle über Atomwaffen ermöglichen sollte.
Dabei lehnte er sowohl unkontrollierten Nationalismus als auch autoritäre Herrschaftssysteme ab.
Nationalsozialismus und Emigration
Seit den frühen 1920er-Jahren wurde Einstein in Deutschland Ziel antisemitischer und nationalistischer Angriffe.
Gegner bezeichneten die Relativitätstheorie als angeblich «jüdische Physik». Politische Extremisten bedrohten ihn öffentlich.
Als Adolf Hitler im Januar 1933 zum deutschen Reichskanzler ernannt wurde, hielt sich Einstein in den Vereinigten Staaten auf.
Er entschied, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Im März 1933 erklärte er seinen Austritt aus der Preussischen Akademie der Wissenschaften und verzichtete auf seine deutsche Staatsangehörigkeit.
Sein Sommerhaus in Caputh wurde durchsucht, sein Eigentum in Deutschland beschlagnahmt und seine Schriften wurden öffentlich verbrannt.
Einstein hielt sich zunächst in Belgien und Grossbritannien auf. Noch 1933 nahm er eine Stellung am neu gegründeten Institute for Advanced Study in Princeton an.[8]
Leben in Princeton
Einstein gehörte von 1933 bis zu seinem Tod 1955 dem Institute for Advanced Study an.
Das Institut war keine Abteilung der Princeton University, arbeitete jedoch eng mit der Universität und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen.
Einstein hatte dort keine regulären Lehrverpflichtungen. Er konnte sich auf Forschung, Korrespondenz und öffentliche Tätigkeiten konzentrieren.
Sein Haus befand sich an der Mercer Street 112 in Princeton. Er lebte dort mit Elsa Einstein, seiner Stieftochter Margot und zeitweise seiner Schwester Maja.
1940 erhielt Einstein die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Seine Schweizer Staatsangehörigkeit behielt er.
In Princeton arbeitete er weiterhin an Feldtheorien, diskutierte mit jüngeren Wissenschaftlern und nahm zu politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung.
Einstein und die Atombombe
Im Sommer 1939 informierten die aus Europa emigrierten Physiker Leó Szilárd und Eugene Wigner Einstein über die Möglichkeit einer nuklearen Kettenreaktion und die Gefahr, dass das nationalsozialistische Deutschland Atomwaffen entwickeln könnte.
Szilárd entwarf einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, den Einstein am 2. August 1939 unterzeichnete.
Der Brief wies auf die militärische Bedeutung der Kernspaltung hin und empfahl, die Forschung in den Vereinigten Staaten zu unterstützen.
Einstein selbst arbeitete nicht am Manhattan-Projekt und erhielt wegen Sicherheitsbedenken keinen Zugang zu dessen geheimen Forschungen.
Nach dem Krieg bedauerte er die Entwicklung atomarer Massenvernichtungswaffen. Er erklärte, seine Unterstützung des Briefs sei durch die Befürchtung motiviert gewesen, Deutschland könne zuerst eine Atombombe bauen.
Einstein wurde Vorsitzender des Emergency Committee of Atomic Scientists und setzte sich für internationale Kontrolle der Atomenergie und nukleare Abrüstung ein.
Kurz vor seinem Tod unterzeichnete er das Russell-Einstein-Manifest. Darin warnten Bertrand Russell, Einstein und weitere Wissenschaftler vor den Folgen eines Atomkriegs und riefen zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte auf.
Persönlichkeit und Interessen
Einstein wurde für seine unkonventionelle Lebensweise, seinen Humor und seine Abneigung gegen gesellschaftliche Förmlichkeit bekannt.
Er kleidete sich häufig einfach und trug sein Haar lang. Das später weltberühmte Erscheinungsbild entstand vor allem während seiner amerikanischen Jahre.
Einstein spielte seit seiner Kindheit Violine. Besonders schätzte er die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Sebastian Bach.
Das gemeinsame Musizieren war für ihn sowohl Freizeitbeschäftigung als auch eine Form geistiger Erholung.
Ein weiteres Interesse war das Segeln. Einstein besass zwar keine ausgeprägte technische Begabung als Segler, verbrachte aber gerne Zeit auf Seen und an der Küste.
Er pflegte umfangreiche Korrespondenzen mit Wissenschaftlern, Künstlern, Politikern, Kindern und Privatpersonen. Tausende Briefe und Manuskripte sind in Archiven erhalten.
Religion und Philosophie
Einstein lehnte die Vorstellung eines persönlichen Gottes ab, der in menschliche Angelegenheiten eingreife oder Gebete erfülle.
Er bezog sich häufig auf Baruch de Spinoza und sprach von einer religiösen Ehrfurcht vor der Ordnung und Verständlichkeit der Natur.
Seine Aussagen über Religion wurden später von sehr unterschiedlichen Gruppen zitiert. Sie lassen sich jedoch weder einfach einer traditionellen Religiosität noch einem kämpferischen Atheismus zuordnen.
Einstein unterschied zwischen institutioneller Religion, persönlichem Glauben und einem kosmischen religiösen Gefühl, das aus dem Staunen über die Natur hervorgehe.
Er beschäftigte sich ausserdem mit Fragen der Erkenntnistheorie, der wissenschaftlichen Realität und der Beziehung zwischen Erfahrung, Mathematik und Begriffsbildung.
Tod
Einstein litt an einer Erweiterung der Bauchschlagader.
Am 17. April 1955 wurde er in das Krankenhaus von Princeton gebracht. Er lehnte eine weitere Operation ab.
Albert Einstein starb am frühen Morgen des 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren.
Sein Leichnam wurde noch am selben Tag eingeäschert. Die Asche wurde an einem nicht öffentlich bekannt gegebenen Ort verstreut.
Der Pathologe Thomas Stoltz Harvey entfernte bei der Obduktion Einsteins Gehirn, ohne zuvor eine eindeutige Zustimmung der Familie eingeholt zu haben. Teile davon wurden später für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet. Die Vorgehensweise und der wissenschaftliche Wert dieser Untersuchungen sind bis heute umstritten.
Einsteins schriftlicher Nachlass gelangte gemäss seinem Testament überwiegend an die Hebräische Universität Jerusalem.
Verhältnis zur Schweiz
Die Schweiz nahm in Einsteins Leben eine besondere Stellung ein.
Er verbrachte hier entscheidende Ausbildungs- und Berufsjahre und entwickelte einen grossen Teil seiner grundlegenden wissenschaftlichen Ideen.
| Zeitraum | Ort | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1895–1896 | Aarau | Besuch der Kantonsschule und Erwerb der Maturität |
| 1896–1900 | Zürich | Studium am Eidgenössischen Polytechnikum |
| 1901 | Zürich | Erwerb des Schweizer Bürgerrechts |
| 1901–1902 | Winterthur und Schaffhausen | Tätigkeit als Lehrer |
| 1902–1909 | Bern | Arbeit am Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum |
| 1903–1905 | Bern, Kramgasse 49 | Familienwohnung und Entstehung der Arbeiten des Wunderjahrs |
| 1905–1906 | Zürich | Dissertation und Promotion an der Universität Zürich |
| 1908–1909 | Bern | Privatdozent an der Universität Bern |
| 1909–1911 | Zürich | Professor an der Universität Zürich |
| 1912–1914 | Zürich | Professor am Eidgenössischen Polytechnikum |
Einstein sprach später häufig mit grosser Wertschätzung über die politische Freiheit und die vergleichsweise liberale Atmosphäre der Schweiz.
Gleichzeitig verlief sein beruflicher Beginn im Land keineswegs geradlinig. Nach dem Studium erhielt er zunächst keine akademische Stelle und musste mehrere Jahre auf eine Hochschulkarriere warten.
Seine Tätigkeit am Berner Patentamt verschaffte ihm jedoch die wirtschaftliche Sicherheit, in der die Arbeiten von 1905 entstehen konnten.
Bern
Bern gilt als der wichtigste Schauplatz von Einsteins frühem wissenschaftlichem Durchbruch.
An der Kramgasse 49 befindet sich heute das Einstein-Haus. Die ehemalige Wohnung zeigt Dokumente, Möbel und Informationen über sein Berner Leben.
Das Bernische Historische Museum besitzt eine umfangreiche Einstein-Ausstellung. Sie behandelt sowohl seine Biografie als auch die wissenschaftliche und politische Geschichte seiner Zeit.
Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum erinnert mit historischen Dokumenten an Einsteins Tätigkeit als Patentexperte.
Zürich
In Zürich studierte Einstein, lernte Mileva Marić kennen, erwarb das Bürgerrecht, promovierte und übernahm seine ersten bedeutenden Professuren.
Die ETH-Bibliothek verwahrt Briefe, Fotografien und amtliche Dokumente aus Einsteins Zürcher Jahren.
Auch die Universität Zürich besitzt bedeutende Zeugnisse, darunter die zurückgekehrte Doktoratsurkunde.
Mehrere Wohn- und Wirkungsorte Einsteins sind im Zürcher Hochschulquartier erhalten oder dokumentiert.
Aarau
Der Aufenthalt an der Kantonsschule Aarau war kurz, aber prägend.
Die offene Unterrichtskultur und das Familienleben bei Jost Winteler unterschieden sich stark von Einsteins Erfahrungen im Deutschen Kaiserreich.
Mit der Familie Winteler blieb er lange verbunden. Seine Schwester Maja heiratete später Paul Winteler, einen Sohn der Familie.
Wissenschaftliche Bedeutung
Einsteins Werk veränderte mehrere Bereiche der Physik grundlegend.
Die spezielle Relativitätstheorie vereinigte Mechanik und Elektrodynamik in einer neuen Vorstellung von Raum und Zeit.
Die allgemeine Relativitätstheorie ersetzte Newtons Gravitationstheorie nicht für alle praktischen Anwendungen, ordnete sie jedoch als Näherung innerhalb einer umfassenderen Theorie ein.
Die Lichtquantenhypothese eröffnete einen neuen Zugang zur Wechselwirkung von Licht und Materie.
Die Erklärung der Brownschen Bewegung verband mikroskopische Teilchenbewegungen mit makroskopisch messbaren Grössen.
Die Bose-Einstein-Statistik wurde zu einem Grundpfeiler der Quantenphysik.
Auch Einsteins kritische Einwände gegen die Quantenmechanik wirkten wissenschaftlich produktiv. Sie führten zu präziseren Untersuchungen von Verschränkung, Lokalität und Messung.
Technische Anwendungen
Viele moderne Technologien beruhen unmittelbar oder mittelbar auf physikalischen Erkenntnissen, zu denen Einstein beigetragen hat.
Dazu gehören:
- Solarzellen und Lichtsensoren;
- Digitalkameras;
- Laser;
- Halbleitertechnik;
- Satellitennavigation;
- Teilchenbeschleuniger;
- Kernenergie;
- medizinische Bildgebung;
- Gravitationswellendetektoren;
- Quanteninformationstechnologie.
Das globale Satellitennavigationssystem muss sowohl Effekte der speziellen als auch der allgemeinen Relativitätstheorie berücksichtigen. Ohne relativistische Zeitkorrekturen würden sich rasch erhebliche Positionsfehler ergeben.
Auszeichnungen
| Jahr | Auszeichnung | Verleihende Institution |
|---|---|---|
| 1921 | Nobelpreis für Physik | Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften |
| 1925 | Copley-Medaille | Royal Society |
| 1926 | Goldmedaille | Royal Astronomical Society |
| 1929 | Max-Planck-Medaille | Deutsche Physikalische Gesellschaft |
| 1935 | Franklin-Medaille | Franklin Institute |
Einstein erhielt zahlreiche Ehrendoktorate und Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Akademien.
Mehrere Auszeichnungen, Forschungseinrichtungen, Schulen, Strassen und astronomische Objekte wurden nach ihm benannt.
Das chemische Element Einsteinium mit der Ordnungszahl 99 trägt ebenfalls seinen Namen.
Einstein als öffentliche Symbolfigur
Einsteins weltweite Bekanntheit ging weit über die Fachwelt hinaus.
Nach der Bestätigung der allgemeinen Relativitätstheorie im Jahr 1919 stellten Zeitungen ihn als wissenschaftliches Genie dar, das die Grundlagen von Raum und Zeit verändert habe.
Sein unverwechselbares Erscheinungsbild, seine pointierten Aussagen und sein politisches Engagement verstärkten diese öffentliche Wirkung.
Zahlreiche Zitate werden Einstein zugeschrieben, ohne dass sich eine zuverlässige Quelle nachweisen lässt. Bei angeblichen Einstein-Zitaten ist deshalb besondere Vorsicht geboten.
Ein häufig reproduziertes Foto zeigt ihn an seinem 72. Geburtstag im Jahr 1951 mit herausgestreckter Zunge. Das Bild wurde zu einer Ikone der Populärkultur.
1999 wählte das amerikanische Magazin Time Einstein zur Person des Jahrhunderts.
Nachlass und Forschung
Einsteins wissenschaftliche und private Dokumente bilden einen aussergewöhnlich umfangreichen Nachlass.
Die Albert Einstein Archives an der Hebräischen Universität Jerusalem verwahren Zehntausende Manuskriptseiten, Briefe, Notizbücher, Fotografien und persönliche Dokumente.
Das Einstein Papers Project am California Institute of Technology veröffentlicht seit 1987 die wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe The Collected Papers of Albert Einstein.[9]
Die Bände enthalten:
- wissenschaftliche Veröffentlichungen;
- unveröffentlichte Manuskripte;
- private und berufliche Korrespondenz;
- politische Stellungnahmen;
- Reiseberichte;
- amtliche Dokumente;
- zeitgenössische Reaktionen.
Digitale Ausgaben ermöglichen den weltweiten Zugang zu einem grossen Teil der Quellen.
Einsteins Leben und Werk sind weiterhin Gegenstand physikhistorischer, wissenschaftstheoretischer, politischer und biografischer Forschung.
Rezeption und Kontroversen
Einsteins wissenschaftliche Leistungen werden teilweise in stark vereinfachter Form dargestellt.
Die Relativitätstheorie entstand nicht ohne Vorläufer. Arbeiten von Hendrik Antoon Lorentz, Henri Poincaré, Hermann Minkowski, Marcel Grossmann und vielen weiteren Forschern waren für ihre Entwicklung bedeutsam.
Einsteins besondere Leistung bestand darin, bekannte Probleme in einen neuen physikalischen und begrifflichen Zusammenhang zu stellen.
Auch die Rolle Mileva Marićs wird kontrovers diskutiert. Briefe zeigen, dass das Paar während der Studien- und frühen Ehejahre intensiv über Physik sprach. Für eine Miturheberschaft Marićs an den grundlegenden Arbeiten von 1905 gibt es jedoch keine allgemein anerkannten dokumentarischen Belege.
Einige politische Aussagen Einsteins werden aus ihrem historischen Zusammenhang gelöst oder für heutige Debatten vereinnahmt. Seine Positionen veränderten sich im Laufe seines Lebens, insbesondere sein Verhältnis zum Pazifismus angesichts des Nationalsozialismus.
Bedeutung für die Schweiz
Einstein gehört zu den international bekanntesten Personen der Schweizer Wissenschaftsgeschichte.
Obwohl er nicht in der Schweiz geboren wurde, entstanden seine akademische Ausbildung, seine Staatsbürgerschaft und sein wissenschaftlicher Durchbruch wesentlich im schweizerischen Umfeld.
Seine Laufbahn verbindet mehrere bedeutende Institutionen:
- Kantonsschule Aarau;
- ETH Zürich;
- Universität Zürich;
- Universität Bern;
- Eidgenössisches Amt für geistiges Eigentum.
Einsteins Lebensweg zeigt zugleich die Bedeutung internationaler Migration und akademischer Offenheit für die Entwicklung der Schweizer Wissenschaft.
Die Schweiz bot ihm als jungem Staatenlosen Zugang zu Bildung, Bürgerrecht und einer gesicherten beruflichen Tätigkeit. Einstein trug seinerseits wesentlich zum internationalen Ansehen der schweizerischen Hochschulen und Forschungslandschaft bei.
Werke
Wissenschaftliche Hauptwerke
- Folgerungen aus den Capillaritätserscheinungen. 1901.
- Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt. 1905.
- Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen. 1905.
- Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen. 1905.
- Zur Elektrodynamik bewegter Körper. 1905.
- Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?. 1905.
- Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie. 1916.
- Kosmologische Betrachtungen zur allgemeinen Relativitätstheorie. 1917.
- Quantentheorie der Strahlung. 1917.
- Quantentheorie des einatomigen idealen Gases. 1924–1925.
- mit Boris Podolsky und Nathan Rosen: Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality Be Considered Complete?. 1935.
Bücher und allgemeinverständliche Schriften
- Über die spezielle und die allgemeine Relativitätstheorie. 1917.
- mit Sigmund Freud: Warum Krieg?. 1933.
- mit Leopold Infeld: Die Evolution der Physik. 1938.
- Mein Weltbild. Sammlung von Essays, Reden und Briefen.
- Ideas and Opinions. Sammlung politischer, philosophischer und wissenschaftlicher Texte.
Literatur
- Albrecht Fölsing: Albert Einstein. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main.
- Jürgen Neffe: Einstein. Eine Biographie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.
- Abraham Pais: Raffiniert ist der Herrgott. Albert Einstein – eine wissenschaftliche Biographie. Vieweg, Braunschweig.
- Walter Isaacson: Einstein. Sein Leben, sein Universum. C. Bertelsmann, München.
- Thomas Levenson: Einstein in Berlin. Aufbau-Verlag, Berlin.
- John Stachel: Einstein’s Miraculous Year. Princeton University Press, Princeton.
- Diana Kormos-Buchwald und Michael D. Gordin: Free Creations of the Human Mind. The Worlds of Albert Einstein. Oxford University Press, Oxford 2025.
- The Collected Papers of Albert Einstein. Princeton University Press, Princeton, fortlaufende Ausgabe.
- Universität Zürich: Publikationen zu Einsteins Dissertation und Zürcher Professur.
- ETH-Bibliothek: Albert Einstein’s Zurich. Zürich.
- Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum: Publikationen zu Einstein am Patentamt.
Siehe auch
- Relativitätstheorie
- Spezielle Relativitätstheorie
- Allgemeine Relativitätstheorie
- Masse-Energie-Äquivalenz
- Photoelektrischer Effekt
- Brownsche Bewegung
- Bose-Einstein-Statistik
- Bose-Einstein-Kondensat
- Quantenmechanik
- ETH Zürich
- Universität Zürich
- Universität Bern
- Einstein-Haus Bern
- Nobelpreis für Physik
- Wissenschaft in der Schweiz
Weblinks
- Einstein Papers Project
- Albert Einstein Archives der Hebräischen Universität Jerusalem
- Albert Einstein bei Nobelprize.org
- Albert Einstein beim Institute for Advanced Study
- Albert Einstein und die Universität Zürich
- Albert Einstein beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum
- Einstein-Haus Bern
- Einstein – Image and Impact
- Bilder und Mediendateien zu Albert Einstein
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Nobel Prize: Albert Einstein – Facts, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 ETH-Bibliothek: Albert Einstein’s Zurich, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum: Einstein beim Amt, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Einstein-Haus Bern: Einstein und Bern, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Universität Zürich: Einsteins Dissertation, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ American Institute of Physics: Einstein – Image and Impact, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Einstein Papers Project: The Collected Papers of Albert Einstein, Band 17, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Institute for Advanced Study: Albert Einstein, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Einstein Papers Project am California Institute of Technology, abgerufen am 23. Juli 2026.