Bahnstrecke Zug–Luzern

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Bahnstrecke Zug–Luzern ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in den Kantonen Zug und Luzern. Sie verbindet den Bahnhof Zug über Cham, Rotkreuz, Gisikon, Root und Ebikon mit dem Bahnhof Luzern. Die Strecke bildet einen zentralen Abschnitt der Bahnverbindung Zürich–Zug–Luzern und gehört heute den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Die Bahn wurde am 1. Juni 1864 von der Zürich-Zug-Luzern-Bahn (ZZL) eröffnet. Gleichzeitig ging die Verbindung von Zürich über das Knonaueramt nach Zug in Betrieb.[1] Die Strecke gehörte damit zu den frühen Hauptverbindungen zwischen den wirtschaftlich bedeutenden Zentren Zürich und Luzern.

Heute wird sie sowohl vom Fernverkehr zwischen Zürich, Zug und Luzern als auch von der Linie S1 der Stadtbahn Zug benutzt. Besonders der Abschnitt Zug–Rotkreuz besitzt wegen des dichten Regionalverkehrs eine grosse Bedeutung.

Bahnstrecke Zug–Luzern
Streckenanfang Zug
Streckenende Luzern
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Eröffnung 1. Juni 1864
Erbauer Zürich-Zug-Luzern-Bahn
Späterer Eigentümer Schweizerische Nordostbahn
Heutiger Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Elektrifikation 9. Oktober 1922
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Kantone Zug, Luzern
Regionalverkehr Stadtbahn Zug S1

Geschichte

Planungen einer Verbindung Zürich–Luzern

Die Entstehung der Bahnstrecke Zug–Luzern ist eng mit den frühen Planungen eines schweizerischen Eisenbahnnetzes verbunden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts bestand ein intensiver Wettbewerb zwischen verschiedenen privaten Bahngesellschaften um die wichtigsten Verkehrsachsen des Landes.

Eine direkte Bahnverbindung zwischen Zürich und Luzern galt wirtschaftlich als besonders attraktiv. Sie sollte das Gebiet zwischen den beiden Städten erschliessen und gleichzeitig eine Alternative zu den bereits bestehenden Verbindungen über das Mittelland schaffen.

Zunächst verfolgte die Schweizerische Ostwestbahn (OWB) das Projekt einer grossen Ost-West-Verbindung. Die Gesellschaft geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und ging 1861 in Konkurs.

Die Projektierung und die Konzession für die Verbindung Zürich–Zug–Luzern wurden anschliessend von der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) übernommen. Für den Bau bestand die eng mit der NOB verbundene Zürich-Zug-Luzern-Bahn.

Eröffnung 1864

Am 1. Juni 1864 wurde die neue Eisenbahnverbindung eröffnet.[2]

Damit erhielt Zug seine erste Eisenbahnverbindung und Luzern eine direkte Bahnverbindung nach Zürich.[3]

Die ursprüngliche Anlage unterschied sich deutlich vom heutigen Bahnnetz. Der erste Bahnhof Zug war ein Kopfbahnhof. Bei der Kollermühle beziehungsweise heutigen Chollermüli entstand ein grosses Gleisdreieck.

Dieses verband drei Verkehrsrichtungen:

  • Zürich beziehungsweise Knonaueramt–Zug;
  • Zug–Cham–Luzern;
  • Knonaueramt–Cham–Luzern ohne Fahrt in den Bahnhof Zug.

Damit konnten Züge zwischen Zürich und Luzern verkehren, ohne im Kopfbahnhof Zug die Fahrtrichtung wechseln zu müssen.

Zürich-Zug-Luzern-Bahn

Die Bahnstrecke war ursprünglich Bestandteil des Netzes der Zürich-Zug-Luzern-Bahn.

Der Betrieb wurde von der Schweizerischen Nordostbahn geführt. 1892 wurde die Zürich-Zug-Luzern-Bahn vollständig in die NOB integriert.[4]

Mit der Verstaatlichung der grossen Privatbahngesellschaften gelangte die Strecke zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die SBB.

Bedeutung Rotkreuz

Bei der Eröffnung 1864 war Rotkreuz lediglich ein kleiner Weiler. Die neue Bahn erhielt dort eine Haltestelle.[5]

Die verkehrliche Bedeutung des Ortes nahm stark zu, als die Aargauische Südbahn Rotkreuz erreichte. 1881 wurde die Verbindung nach Muri eröffnet, 1882 folgte der Abschnitt über Immensee zur Gotthardbahn.[5]

Damit kreuzten sich in Rotkreuz die Ost-West-Achse Zürich–Zug–Luzern und die Nord-Süd-Verbindung in Richtung Gotthard.

Der Bahnhof entwickelte sich zum Mittelpunkt einer neuen Siedlung. Aus dem kleinen Weiler entstand im Laufe des 20. Jahrhunderts ein bedeutender Wohn-, Verkehrs- und Wirtschaftsstandort.

Veränderungen von 1897

Eine grundlegende Neuordnung des Bahnnetzes um Zug erfolgte 1897.

Am 1. Juni dieses Jahres wurden die Bahnstrecke Thalwil–Zug und die Bahnstrecke Zug–Arth-Goldau eröffnet. Dadurch entstand eine wesentlich direktere Verbindung zwischen Zürich, Zug und der Gotthardbahn.

Der bisherige Kopfbahnhof Zug war für die neuen Verkehrsströme ungeeignet und wurde durch einen neuen Bahnhof ersetzt.

Die neue Anlage ermöglichte durchgehende Züge auf den Relationen:

  • Zürich–Thalwil–Zug–Arth-Goldau;
  • Zürich–Thalwil–Zug–Luzern;
  • Luzern–Zug–Zürich.

Mit dieser Neuordnung verlagerte sich auch der Zürcher Fernverkehr nach Luzern von der älteren Strecke durch das Knonaueramt auf die neue Verbindung über Thalwil.

Zuger Schleife

Damit Züge aus Richtung Knonaueramt und Cham weiterhin sinnvoll in den neu ausgerichteten Bahnhof Zug einfahren konnten, wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Verbindungsschleife angelegt.

Diese sogenannte Zuger Schleife erlaubte Zügen die Einfahrt aus unterschiedlichen Richtungen.

Mit dem späteren Umbau der Bahnanlagen verlor sie ihre betriebliche Bedeutung. 1990 wurde die Schleife stillgelegt.

Die Veränderungen waren Teil des umfassenden Doppelspurausbaus zwischen Zug und Cham.

Stilllegung eines Schenkels des Gleisdreiecks

Das historische Gleisdreieck bei der Kollermühle blieb noch lange nach der Umgestaltung des Bahnhofs Zug bestehen.

Der direkte Verbindungsschenkel zwischen der Strecke aus dem Knonaueramt und der Strecke Richtung Cham ermöglichte insbesondere Güterzügen die Umfahrung des Bahnhofs Zug.

Mit Veränderungen im schweizerischen Güterverkehr verlor diese Verbindung ihre Bedeutung.

Am 19. November 1970 wurde der entsprechende Schenkel stillgelegt und später abgebrochen.

Heute erinnern die Lage der Bahnlinien und einzelne Geländespuren noch an die frühere Gleisgeometrie.

Elektrifikation

Die SBB elektrifizierten die Bahnstrecke Zug–Luzern am 9. Oktober 1922.

Der elektrische Betrieb erfolgte mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 kV Wechselstrom. Die Frequenz wurde früher mit 16⅔ Hz bezeichnet und beträgt heute nominell 16,7 Hz.

Die Elektrifikation fiel in eine Phase, in der die SBB grosse Teile ihres Hauptnetzes auf elektrische Traktion umstellten. Einer der Gründe war die während und nach dem Ersten Weltkrieg deutlich gewordene Abhängigkeit von importierter Kohle.

Die Schweiz konnte für den Bahnbetrieb stattdessen ihre umfangreichen Wasserkraftressourcen nutzen.

Streckenverlauf

Zug

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Zug, einer der wichtigsten Eisenbahnknoten der Zentralschweiz.

Hier bestehen Verbindungen Richtung:

  • Zürich über Baar und Thalwil;
  • Arth-Goldau und Gotthard;
  • Luzern;
  • Knonaueramt und Zürich Altstetten.

Die Strecke nach Luzern verlässt den Bahnhof in westlicher Richtung.

Zug Chollermüli

Die heutige Haltestelle Zug Chollermüli liegt im Gebiet der historischen Kollermühle.

An dieser Stelle befand sich früher das für die Geschichte der Zürich-Zug-Luzern-Bahn bedeutende Gleisdreieck.

Bereits von 1902 bis 1966 bestand hier eine Haltestelle unter der Bezeichnung Kollermühle.

Mit der Einführung der Stadtbahn Zug wurde am 12. Dezember 2004 wieder eine Haltestelle eröffnet.

Cham Alpenblick

Die Haltestelle Cham Alpenblick entstand im Zusammenhang mit der Einführung der Stadtbahn Zug.

Sie erschliesst die dicht bebauten Wohn- und Arbeitsplatzgebiete zwischen Zug und dem Zentrum von Cham.

Die Einrichtung neuer Haltestellen war ein wesentliches Element des Stadtbahnkonzepts. Bestehende Eisenbahninfrastruktur sollte dadurch stärker für den innerkantonalen Nahverkehr genutzt werden.

Bahnhof Cham

Der Bahnhof Cham besteht seit der Eröffnung der Strecke im Jahr 1864.

Die Eisenbahn trug wesentlich zur industriellen und wirtschaftlichen Entwicklung Chams bei. Von besonderer Bedeutung waren Betriebe der Lebensmittel-, Papier- und Metallindustrie.

Heute ist Cham einer der wichtigsten Haltepunkte der Stadtbahn Zug.

Der Bahnhof besitzt Anschlüsse an das regionale Busnetz und dient als Verkehrsknoten für die Gemeinde und ihre Umgebung.

Hünenberg Zythus

Die Haltestelle Hünenberg Zythus wurde mit der Stadtbahn Zug eröffnet.

Damit erhielt die stark gewachsene Gemeinde Hünenberg erstmals einen direkten Zugang zum Schienenpersonenverkehr.

Die Haltestelle erschliesst insbesondere die nördlichen Wohngebiete von Hünenberg.

Hünenberg Chämleten

Auch Hünenberg Chämleten entstand im Rahmen der Stadtbahn.

Bei ihrer Eröffnung war die Anlage betrieblich ungewöhnlich gestaltet. Ein Gleis endete als Stumpfgleis an der Haltestelle, während durchgehende Züge auf dem benachbarten Streckengleis zunächst nicht halten konnten.

Im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau Cham–Freudenberg wurde die Haltestelle umgebaut und mit Perrons an beiden Streckengleisen ausgestattet.

Rotkreuz

Der Bahnhof Rotkreuz ist der wichtigste Zwischenknoten der Bahnstrecke.

Hier treffen mehrere Linien zusammen. Neben der Strecke Zug–Luzern bestehen Verbindungen:

Rotkreuz besitzt heute sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr eine grosse Bedeutung.

Rotkreuz–Gisikon

Westlich von Rotkreuz verlässt die Bahn den Kanton Zug und erreicht kurz darauf den Kanton Luzern.

Die Strecke führt durch das Reusstal in Richtung Gisikon.

Der Abschnitt wurde in den 1990er-Jahren auf Doppelspur ausgebaut und teilweise für höhere Geschwindigkeiten neu trassiert.

Gisikon-Root

Der Bahnhof Gisikon-Root erschliesst die Gemeinden Gisikon und Root.

Der Bahnhof liegt unmittelbar an der Reuss und bildet einen wichtigen regionalen Umsteigepunkt.

Mit dem Ausbau des Rontals zu einem bedeutenden Wohn- und Wirtschaftsraum gewann der Bahnhof zunehmend an Bedeutung für den Pendlerverkehr.

Root D4

Die Haltestelle Root D4 erschliesst das Arbeitsplatz- und Entwicklungsgebiet D4 in Root.

Sie wurde 2002 zunächst unter der Bezeichnung Längenbold eröffnet und später in Root D4 umbenannt.

Die Haltestelle ist ein Beispiel für die zunehmende Ausrichtung des Regionalverkehrs auf grosse Arbeitsplatzgebiete entlang der bestehenden Bahnstrecken.

Buchrain

Der Bahnhof Buchrain erschliesst die Gemeinde Buchrain und Teile des Rontals.

Die starke Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden östlich von Luzern führte dazu, dass die Bahnstrecke zunehmend die Funktion einer städtischen und suburbanen Pendlerachse übernahm.

Ebikon

Der Bahnhof Ebikon ist der wichtigste Bahnhof im Rontal und einer der bedeutendsten Regionalverkehrsknoten ausserhalb der Stadt Luzern.

Hier bestehen zahlreiche Anschlüsse an das Busnetz.

Seit der Verlängerung der Luzerner RBus-Linie 1 besitzt Ebikon zudem eine besonders starke Verknüpfung zwischen Bahn und städtischem Busverkehr.

Westlich von Ebikon nähert sich die Strecke dem Rotsee.

Rotsee und Zufahrt nach Luzern

Der letzte Streckenabschnitt führt entlang beziehungsweise in der Nähe des Rotsees in das dicht bebaute Stadtgebiet von Luzern.

Die Bahnanlagen in diesem Gebiet bilden seit langem einen Kapazitätsengpass.

Während grosse Teile der Strecke Zug–Ebikon im Laufe des 20. und frühen 21. Jahrhunderts zweigleisig ausgebaut wurden, bestehen auf der Zufahrt zum Bahnhof Luzern weiterhin infrastrukturelle Einschränkungen.

Alle Bahnlinien erreichen den heutigen Bahnhof Luzern über eine begrenzte Zahl von Zufahrtsgleisen.

Bahnhof Luzern

Endpunkt ist der Bahnhof Luzern, der wichtigste Eisenbahnknoten der Zentralschweiz.

Der Bahnhof ist ein Kopfbahnhof und wird von zahlreichen SBB-, BLS- und Zentralbahn-Verbindungen bedient.

Von Luzern führen Bahnstrecken unter anderem nach:

  • Zug und Zürich;
  • Rotkreuz und Gotthard;
  • Olten und Basel;
  • Bern;
  • Wolhusen und ins Entlebuch;
  • Küssnacht am Rigi und Arth-Goldau;
  • Hergiswil, Stans und Engelberg;
  • über den Brünig nach Interlaken.

Die Verbindung nach Zug gehört aufgrund des Pendler- und Fernverkehrs zu den wichtigsten Zufahrtsachsen des Bahnhofs.

Doppelspurausbau

Die Bahnstrecke wurde ursprünglich weitgehend eingleisig angelegt.

Mit dem stetigen Wachstum des Verkehrs wurden immer mehr Abschnitte auf Doppelspur ausgebaut.

Zu den wichtigen Ausbauetappen gehören:

Abschnitt Doppelspurbetrieb
Zug–Cham seit 1990
Ebikon–Rotsee seit 1994
Ebikon–Gisikon-Root seit 1995
Gisikon-Root–Rotkreuz seit 1996
Cham–Freudenberg seit 14. Dezember 2008
Freudenberg–Rotkreuz seit 2016

Mit der Schliessung der letzten Doppelspurlücke zwischen Freudenberg und Rotkreuz im Sommer 2016 wurde der Abschnitt Zug–Rotkreuz vollständig zweigleisig.[6]

Auch zwischen Rotkreuz und Ebikon steht heute durchgehend eine leistungsfähige Doppelspurinfrastruktur zur Verfügung.

Stadtbahn Zug

Eine der wichtigsten Veränderungen im Regionalverkehr war die Einführung der Stadtbahn Zug.

Sie nahm am 12. Dezember 2004 ihren Betrieb auf.[6]

Das Konzept beruht darauf, die bereits vorhandenen Eisenbahnstrecken für einen wesentlich dichteren Regionalverkehr zu nutzen.

Dafür entstanden zusätzliche Haltestellen, bestehende Bahnhöfe wurden modernisiert und die Gleisinfrastruktur ausgebaut.

Linie S1

Die Linie S1 bildet die wichtigste Regionalverkehrslinie auf der Bahnstrecke.

Sie verkehrt grundsätzlich auf der Relation:

Baar–Zug–Cham–Rotkreuz–Luzern.

Zwischen Zug und Rotkreuz besteht ein besonders dichtes Angebot. Die Stadtbahn fährt dort grundsätzlich im Viertelstundentakt, während zwei Züge pro Stunde weiter über das Rontal nach Luzern verkehren.[6]

Zu den von der S1 bedienten Haltepunkten auf der Strecke gehören:

Haltestelle Gemeinde Kanton
Zug Zug Zug
Zug Chollermüli Zug Zug
Cham Alpenblick Cham Zug
Cham Cham Zug
Hünenberg Zythus Hünenberg Zug
Hünenberg Chämleten Hünenberg Zug
Rotkreuz Risch Zug
Gisikon-Root Gisikon Luzern
Root D4 Root Luzern
Buchrain Buchrain Luzern
Ebikon Ebikon Luzern
Luzern Luzern Luzern

Fernverkehr

Neben der S1 wird die Strecke von Fernverkehrszügen zwischen Zürich und Luzern benutzt.

Die direkte Verbindung führt heute grundsätzlich über:

Zürich–Thalwil–Baar–Zug–Rotkreuz–Luzern.

Damit bildet die Bahnstrecke Zug–Luzern einen Abschnitt einer der wichtigsten Städteverbindungen der Deutschschweiz.

Die Fernverkehrszüge halten normalerweise nicht an den kleineren Stadtbahnstationen. Dadurch verkehren auf derselben Infrastruktur Züge mit sehr unterschiedlichen Haltemustern und Geschwindigkeiten.

Dies erhöht die Anforderungen an Fahrplan und Infrastruktur.

Güterverkehr

Die Strecke war seit ihrer Eröffnung auch für den Güterverkehr von Bedeutung.

Besonders Rotkreuz entwickelte sich durch die Verbindung mit der Aargauischen Südbahn zu einem wichtigen Güterverkehrsknoten.

Heute nutzt der Güterverkehr insbesondere die Verbindung über Rotkreuz zur Nord-Süd-Achse.

Güterzüge können von Rotkreuz über Immensee und Arth-Goldau in Richtung Gotthard sowie über die Aargauische Südbahn in Richtung Freiamt und Limmattal geführt werden.

Der Güterverkehr auf den stark von Personenzügen genutzten Abschnitten muss eng mit dem Taktfahrplan abgestimmt werden.

Bedeutung für Cham und Rotkreuz

Die Eisenbahn hatte erheblichen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung entlang der Strecke.

Besonders deutlich zeigt sich dies in Rotkreuz. Der Ort entstand im Wesentlichen rund um den Bahnhof und entwickelte sich durch die Kreuzung mehrerer Bahnlinien zu einem regionalen Zentrum.[5]

Auch Cham profitierte stark von der Eisenbahn. Die Verbindung erleichterte den Transport von Rohstoffen und Industrieprodukten und förderte die Entwicklung grosser Unternehmen.

Im 20. und frühen 21. Jahrhundert verlagerte sich die Bedeutung zunehmend auf den Pendlerverkehr.

Rontal

Zwischen Rotkreuz und Luzern durchquert die Bahnstrecke das Rontal.

Die Gemeinden Gisikon, Root, Buchrain und Ebikon haben in den vergangenen Jahrzehnten ein starkes Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum erlebt.

Die Eisenbahn bildet die zentrale leistungsfähige öffentliche Verkehrsachse des Tals.

Insbesondere die Stationen Gisikon-Root, Root D4, Buchrain und Ebikon ermöglichen direkte Verbindungen nach Luzern sowie über Rotkreuz in den Kanton Zug.

Bedeutung im schweizerischen Bahnnetz

Die Bahnstrecke Zug–Luzern erfüllt heute mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • Fernverkehrsachse Zürich–Luzern;
  • Regionalverkehrsachse der Stadtbahn Zug;
  • wichtigste Eisenbahnverbindung zwischen dem Kanton Zug und Luzern;
  • Erschliessung des Rontals;
  • Verbindung zum Bahnknoten Rotkreuz;
  • Teil wichtiger Güterverkehrsrelationen.

Die hohe Zahl unterschiedlicher Verkehrsarten erklärt den kontinuierlichen Ausbau der Strecke seit dem 19. Jahrhundert.

Zukünftiger Ausbau

Die Bahnverbindung Zürich–Zug–Luzern gehört weiterhin zu den Schwerpunkten der langfristigen schweizerischen Bahnentwicklung.

Im Raum Zürich–Zug ist der Zimmerberg-Basistunnel II vorgesehen. Die SBB planen eine rund 10,8 Kilometer lange neue Doppelspurverbindung zwischen Thalwil und dem Raum Baar.[7]

Zusätzlich sind Anpassungen der Bahninfrastruktur in Baar, Zug, Cham und Rotkreuz vorgesehen.

Diese Massnahmen sollen langfristig unter anderem mehr Schnellzüge zwischen Zürich, Zug und der Zentralschweiz ermöglichen.[7]

Durchgangsbahnhof Luzern

Am Luzerner Ende der Strecke ist der geplante Durchgangsbahnhof Luzern das bedeutendste langfristige Infrastrukturprojekt.

Der heutige Kopfbahnhof hat nur begrenzte Zufahrtskapazitäten. Der geplante Durchgangsbahnhof soll deshalb neue unterirdische Gleise und Zufahrten erhalten.

Für die erste Etappe ist eine neue, rund 3,5 Kilometer lange doppelspurige unterirdische Zufahrt ab dem Raum Ebikon vorgesehen. Sie wird als Dreilindentunnel bezeichnet.[8]

Der Bundesrat legte im Januar 2026 für beide Etappen des Durchgangsbahnhofs einen Kostenrahmen von rund 5,1 Milliarden Franken fest.[9]

Der neue Bahnhof soll langfristig auch die Kapazität der Bahnverbindung aus Richtung Zug und Rotkreuz deutlich erhöhen.

Landschaft und Siedlungsraum

Die Strecke durchquert sehr unterschiedliche Landschaftsräume.

Zwischen Zug und Cham führt sie durch ein heute nahezu zusammenhängendes Siedlungs- und Wirtschaftsgebiet.

Westlich von Cham folgen die stärker aufgelockerten Gebiete von Hünenberg und Risch. Rotkreuz bildet dort einen grossen Verkehrsknoten und Wirtschaftsstandort.

Zwischen Rotkreuz und Gisikon überquert beziehungsweise begleitet die Bahn den Raum der Reuss.

Anschliessend führt sie durch das stark urbanisierte Rontal nach Ebikon und schliesslich in die Stadt Luzern.

Die Strecke zeigt damit exemplarisch, wie eine im 19. Jahrhundert durch weitgehend ländliche Gebiete gebaute Eisenbahn im Laufe der Zeit zur zentralen Verkehrsachse einer stark gewachsenen Agglomeration wurde.

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. Generalsekretariat SBB, Bern 1980.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.

Einzelnachweise

  1. Zug, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 9. August 2026.
  2. Bahndaten – Liste der Schweizer Bahnen, Eintrag Zürich–Zug–Luzern, abgerufen am 9. August 2026.
  3. Luzern, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 9. August 2026.
  4. Schweizerische Nordostbahn, Bahndaten, abgerufen am 9. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Rotkreuz, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 9. August 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 Stadtbahn Zug, Kanton Zug, abgerufen am 9. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Zimmerberg-Basistunnel 2, SBB, abgerufen am 9. August 2026.
  8. Sachplan Verkehr, Teil Infrastruktur Schiene – Raum Luzern, Bundesamt für Verkehr, abgerufen am 9. August 2026.
  9. Durchgangsbahnhof Luzern – Zeitplan und Finanzierung, SBB, abgerufen am 9. August 2026.