Werd (Zürich)

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Werd ist ein Quartier der Stadt Zürich und gehört zusammen mit Langstrasse und Hard zum Kreis 4. Das Quartier bildet den südöstlichen Teil des historischen Stadtgebiets Aussersihl und liegt unmittelbar westlich der Sihl.

Mit einer Fläche von nur 0,31 km² ist Werd eines der kleinsten statistischen Quartiere Zürichs. Es besitzt die Form eines annähernden Dreiecks, das im Norden von der Badenerstrasse, im Südosten von der Sihl sowie im Südwesten von der Seebahn- und Schimmelstrasse begrenzt wird.[1]

Werd ist ein dicht bebautes innerstädtisches Wohn- und Geschäftsquartier. Charakteristisch sind Blockrandbebauungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, der Hallwylplatz, die katholische Kirche St. Peter und Paul, das Werdhochhaus sowie die Überbauung Kalkbreite. Durch seine zentrale Lage zwischen Innenstadt, Stauffacher, Wiedikon und Langstrassenquartier besitzt Werd eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Werd
Stadt Zürich
Stadtkreis Kreis 4
Historisches Gebiet Aussersihl
Quartiernummer 041
BFS-Nr. 261-041
Fläche 0,31 km²
Einwohner 4'495
Einwohnerstand 31. Dezember 2024
Höhe ca. 410 m ü. M.
Postleitzahl 8004
Eingemeindung 1. Januar 1893 (als Teil von Aussersihl)
Gewässer Sihl
Koordinaten 47° 22′ 16″ N, 8° 31′ 41″ O

Geografie

Werd liegt unmittelbar südwestlich der Zürcher Innenstadt. Das Quartier grenzt im Norden entlang der Badenerstrasse an das Quartier Langstrasse. Im Südwesten bilden die Seebahn- und Schimmelstrasse beziehungsweise der Einschnitt der linksufrigen Zürichseebahn die Grenze zum Kreis 3 mit den Quartieren Alt-Wiedikon und Sihlfeld.

Im Südosten fliesst die Sihl. Auf der gegenüberliegenden Flussseite beginnt der Kreis 1 beziehungsweise der innere Stadtbereich.

Das Quartier besitzt eine charakteristische Dreiecksform. Seine Nordspitze liegt ungefähr beim Stauffacher, während sich das Gebiet in südwestlicher Richtung entlang der Sihl und der Bahnlinie verbreitert.

Mit 0,31 Quadratkilometern gehört Werd zu den flächenmässig kleinsten Quartieren der Stadt. Die geringe Fläche und die weitgehend geschlossene Bebauung führen zu einer hohen städtischen Dichte.

Name

Der Name Werd geht auf das althochdeutsche Wort warid beziehungsweise werid und das mittelhochdeutsche wert zurück. Der Begriff bezeichnete eine Insel, Halbinsel oder erhöhtes Land in einer Flussniederung.

Im Zusammenhang mit dem heutigen Zürcher Quartier dürfte sich der Name auf die Lage in einer früher stark von Gewässern geprägten Ebene beziehen. Das Gebiet lag zwischen der Sihl und dem früheren Wiediker Dorfbach beziehungsweise ehemaligen Armen und Überschwemmungsbereichen der Sihl.

Der gleiche Namensstamm findet sich an verschiedenen Orten im deutschsprachigen Raum und auch in weiteren Zürcher Bezeichnungen wie Werdhölzli.

Der Name Werd bezeichnet heute sowohl das statistische Quartier als auch verschiedene Strassen, Gebäude und Einrichtungen innerhalb des Gebiets.

Geschichte

Aussersihl und Wiedikon

Das Gebiet des heutigen Werd gehörte historisch zu Aussersihl. Aussersihl wiederum war ursprünglich Teil von Wiedikon.

Während die mittelalterliche Stadt Zürich innerhalb ihrer Befestigungen lag, befanden sich westlich der Sihl zunächst vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen, einzelne Höfe und kleinere Ansiedlungen.

Im Gebiet beim heutigen Stauffacher lag das Pfrundhaus St. Jakob. Seit dem 18. Jahrhundert liessen sich in dessen Umgebung zunehmend Menschen nieder, die ihren Lebensunterhalt in der Stadt Zürich verdienten.[2]

Die Sihl bildete lange eine deutliche räumliche Grenze zwischen der Stadt und den westlich gelegenen Vororten.

Wachstum im 19. Jahrhundert

Mit der Industrialisierung Zürichs änderte sich die Situation grundlegend.

Die Bevölkerung der Stadt und ihrer Vororte wuchs stark. Da Wohnraum innerhalb der historischen Stadtgrenzen knapp und teuer war, liessen sich zahlreiche Arbeiterfamilien in Aussersihl nieder.

Das Gebiet entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte von einer weitgehend ländlichen Umgebung zu einem dicht bebauten Arbeiter- und Wohnquartier.

Besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche mehrgeschossige Wohnhäuser. Die heute für Werd typischen Blockrandstrukturen stammen zu einem beträchtlichen Teil aus dieser Phase.

Das schnelle Bevölkerungswachstum stellte die damals selbständige Gemeinde Aussersihl vor erhebliche finanzielle Probleme. Schulen, Strassen, Wasserversorgung und soziale Einrichtungen mussten für eine rasch wachsende Bevölkerung ausgebaut werden.

Ende der 1880er-Jahre lebten rund 18 Prozent der in Zürich beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter in Aussersihl.[2]

Eingemeindung von 1893

Die finanzielle Lage Aussersihls verschlechterte sich zunehmend. Die Gemeinde unterstützte deshalb eine Vereinigung mit Zürich.

Am 9. August 1891 stimmten die Stimmberechtigten von Aussersihl mit 4440 Ja- gegen lediglich 43 Nein-Stimmen für die Vereinigung.[2]

Auf den 1. Januar 1893 wurden Aussersihl und zehn weitere Gemeinden in die Stadt Zürich eingemeindet. Zürich wurde dadurch zur ersten Schweizer Stadt mit mehr als 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.[3]

Aussersihl, Wiedikon und das damalige Industriequartier wurden zunächst zum neuen Stadtkreis III zusammengefasst.

1912 erfolgte eine erneute Neuordnung:

Werd gehört seither zum Kreis 4.

Eisenbahn

Die Entwicklung Werds wurde stark von der Eisenbahn beeinflusst.

Ab 1875 verlief die linksufrige Zürichseebahn entlang des heutigen südwestlichen Quartierrands. Sie verband den Zürcher Hauptbahnhof über Wiedikon, Enge und das linke Zürichseeufer mit weiteren Orten.

Die ursprünglich oberirdisch geführte Bahn bildete eine starke Barriere zwischen Aussersihl und Wiedikon.

Zahlreiche Bahnübergänge führten zu Konflikten zwischen Eisenbahn-, Strassen- und Fussverkehr. Mit dem starken Wachstum der Stadt wurde die Situation zunehmend problematisch.

Zwischen 1918 und 1931 wurde die linksufrige Zürichseebahn im Stadtgebiet umfassend umgebaut. Ein grosser Teil der Strecke wurde in den heute noch bestehenden Seebahneinschnitt verlegt.[4]

Strassen konnten dadurch mittels Brücken über die Bahn geführt werden. Der Einschnitt bildet jedoch bis heute eine deutlich sichtbare städtebauliche Grenze zwischen Werd und Wiedikon.

Stadtentwicklung um 1900

Die Jahrzehnte um 1900 waren die wichtigste Entstehungszeit des heutigen Stadtbilds.

Auf Grundlage von Bebauungsplänen entstanden regelmässige Strassenzüge und geschlossene Häuserblöcke. Die meisten Gebäude waren mehrgeschossige Mietshäuser mit Wohnungen in den Obergeschossen und teilweise Gewerberäumen im Erdgeschoss.

Die Nähe zur Innenstadt machte Werd sowohl für Arbeiterfamilien als auch für Handwerker, Gewerbetreibende und kleinere Unternehmen attraktiv.

Typisch für die Bebauung sind Innenhöfe, Fassaden aus Sichtbackstein oder verputztem Mauerwerk sowie eine dichte Mischung von Wohnen und Gewerbe.

Viele dieser Bauten sind bis heute erhalten und prägen den Charakter des Quartiers.

Hallwylplatz

Der Hallwylplatz bildet das wichtigste öffentliche Zentrum innerhalb des Wohnquartiers.

Der dreieckige Platz entstand 1892 auf Grundlage eines Bebauungsplans. Von ihm gehen sieben Strassen aus.[5]

Die umliegende Bebauung besteht überwiegend aus fünfgeschossigen Blockrandhäusern. Besonders charakteristisch sind mehrfarbige Sichtbacksteinfassaden.

Die Anlage gehört zu den frühen Beispielen einer relativ einheitlich geplanten geschlossenen Stadtbebauung in Zürich.

Seit einer Verkehrsberuhigung und Umgestaltung dient der Hallwylplatz verstärkt als Aufenthalts- und Begegnungsraum.[6]

Bäume, Sitzgelegenheiten und kleinere Freiflächen machen den Platz zu einer grünen Insel innerhalb des dicht bebauten Quartiers.

Werdhochhaus

Das Werdhochhaus gehört zu den markantesten Gebäuden des Quartiers und ist weithin sichtbar.

Der charakteristische Doppelturm wurde 1975 fertiggestellt. Er stellt einen deutlichen architektonischen Gegensatz zur überwiegend aus Häusern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts bestehenden Umgebung dar.

2001 kaufte die Stadt Zürich das Hochhaus, um verschiedene Verwaltungsstellen an einem zentralen Standort zusammenzufassen.[7]

Seit 2004 dient der Komplex als Verwaltungszentrum Werd. Unter anderem befinden beziehungsweise befanden sich dort zentrale Dienststellen des Finanz- und Sozialdepartements der Stadt.

Das Gebäude besitzt aufgrund seiner Höhe und seiner Lage nahe der Sihl eine besondere städtebauliche Präsenz.

Kirche St. Peter und Paul

Eine der bedeutendsten historischen Einrichtungen Werds ist die katholische Kirche St. Peter und Paul an der Werdstrasse.

Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil kam es 1873 innerhalb der Zürcher katholischen Kirchgemeinde zur Trennung zwischen christkatholischen und romtreuen Mitgliedern. Die bisher gemeinsam genutzte Augustinerkirche ging an die christkatholische Gemeinde.

Die römisch-katholische Minderheit benötigte deshalb ein neues Gotteshaus. Im damals noch selbständigen Aussersihl konnte ein Grundstück erworben werden.

Die Kirche wurde 1873 und 1874 unter der Leitung des Baumeisters Rudolf Gottlieb Gull errichtet. Bereits am 2. August 1874 fand dort der erste Gottesdienst statt.[8]

Aufgrund der geringen finanziellen Mittel war das Gebäude zunächst sehr schlicht ausgestattet und wurde teilweise als «Armeleutekirche» bezeichnet.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kirche erweitert und neugotisch ausgestaltet. 1894 bis 1896 erhielt sie ihre markante Turmfassade.

St. Peter und Paul gilt als Mutterkirche zahlreicher später gegründeter katholischer Pfarreien Zürichs und besitzt deshalb eine besondere Bedeutung für die Geschichte des Katholizismus in der Stadt.

Kalkbreite

Hauptartikel: Kalkbreite (Zürich)

Am westlichen Rand Werds liegt das Gebiet Kalkbreite.

Die Entwicklung dieses Bereichs wurde stark durch den öffentlichen Verkehr geprägt. Bereits im frühen 20. Jahrhundert entstanden hier Tramdepots und betriebliche Einrichtungen der städtischen Strassenbahn.

1915 wurde gegenüber einer älteren Depotanlage eine weitere Remise mit Verwaltungs- und Wohngebäude errichtet. Die Anlage wurde 1939 unter Stadtbaumeister Hermann Herter und erneut 1949 erweitert.

Das Tramdepot bildet bis heute einen wichtigen Betriebsstandort der Verkehrsbetriebe Zürich.

Genossenschaft Kalkbreite

Über dem Tramdepot entstand im frühen 21. Jahrhundert eines der international bekanntesten Zürcher Wohnbauprojekte.

Die Genossenschaft Kalkbreite erhielt das städtische Areal im Baurecht und entwickelte eine grossflächige Wohn- und Gewerbeüberbauung.

Die bestehende Tramabstellanlage wurde teilweise überdeckt und in den Gebäudekomplex integriert.[9]

Die 2014 bezogene Überbauung kombiniert unterschiedliche Wohnformen mit Gewerbe-, Kultur- und Gemeinschaftsräumen.

Zu den Besonderheiten des Projekts gehören gemeinschaftlich genutzte Flächen, ein geringer individueller Wohnflächenverbrauch und ein Mobilitätskonzept mit stark eingeschränktem privatem Autobesitz.

Die Siedlung wurde zu einem viel beachteten Beispiel für nachhaltigen und gemeinschaftlichen Wohnungsbau.

Sie bildet zugleich eine städtebauliche Verbindung über dem Tramdepot und trägt dazu bei, die frühere Trennwirkung der Verkehrsanlagen zwischen Aussersihl und Wiedikon zu reduzieren.

Stauffacher

Hauptartikel: Stauffacher (Zürich)

Unmittelbar nordöstlich von Werd liegt der Stauffacher, einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Kreises 4.

Die Bezeichnung wird sowohl für den Platzbereich als auch für die umliegenden Tramhaltestellen verwendet.

Mehrere Tramlinien kreuzen sich hier. Der Stauffacher verbindet Werd mit der Innenstadt, dem Hauptbahnhof, Wiedikon, Albisrieden, Altstetten und weiteren Teilen Zürichs.

Aufgrund seiner unmittelbaren Nähe besitzt der Verkehrsknoten für die Bewohnerinnen und Bewohner Werds eine zentrale Bedeutung.

Badenerstrasse

Die Badenerstrasse bildet die nördliche Grenze des Quartiers.

Sie gehört zu den wichtigsten historischen Ausfallstrassen Zürichs und verbindet die Innenstadt über Aussersihl und Altstetten mit dem Limmattal.

Der Abschnitt entlang Werds ist stark städtisch geprägt. Wohn- und Geschäftshäuser, Gastronomie, Detailhandel und Tramverkehr bestimmen das Strassenbild.

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite beginnt das statistische Quartier Langstrasse.

Sihl

Die Sihl bildet die südöstliche Begrenzung Werds.

Historisch war der Fluss für die Entwicklung des Gebiets von grosser Bedeutung. Überschwemmungen, Seitenarme und feuchte Niederungen beeinflussten die Nutzung der Flächen ausserhalb der alten Stadt.

Mit der Regulierung der Sihl und dem Ausbau der Stadt verlor der Fluss einen grossen Teil seines früheren Auencharakters.

Heute wird das Ufer von Verkehrswegen, Gebäuden und Fussverbindungen begleitet.

Über mehrere Brücken bestehen direkte Verbindungen von Werd in Richtung Innenstadt und Bahnhof Selnau.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2024 lebten 4'495 Personen in Werd.[10]

Aufgrund seiner sehr kleinen Fläche weist das Quartier eine hohe Bevölkerungsdichte auf.

Zwischen 2014 und 2024 nahm die Wohnbevölkerung um lediglich 1,5 Prozent zu. Das Wachstum war damit deutlich geringer als im Durchschnitt der gesamten Stadt Zürich.[10]

Das Medianalter betrug Ende 2024 rund 35,6 Jahre und lag unter dem gesamtstädtischen Wert von 37,9 Jahren.

Der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung betrug rund 35 Prozent.

Wohnen

Werd besitzt einen überwiegend urbanen Wohnungsbestand.

Ein erheblicher Teil der Wohnungen befindet sich in Gebäuden aus der Zeit des starken Wachstums von Aussersihl zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Rund ein Drittel der Wohnungen wurde zwischen 1893 und 1930 erstellt.[11]

Mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands besteht aus Wohnungen mit höchstens drei Zimmern.

Im Vergleich zu anderen Stadtteilen besitzt Werd einen relativ geringen Anteil von Wohnungen im Eigentum von Wohnbaugenossenschaften oder der öffentlichen Hand. Die Überbauung Kalkbreite bildet innerhalb des Quartiers eine bedeutende Ausnahme.

Zweitwohnungen und Apartments

Aufgrund seiner zentralen Lage besitzt Werd einen vergleichsweise hohen Anteil an Zweit- und Apartmentwohnungen.

2025 wurden rund 10,5 Prozent des Wohnungsbestands als Zweitwohnungen ausgewiesen. 2020 hatte dieser Anteil noch bei 6,2 Prozent gelegen.[12]

Auch Apartmentwohnungen sind überdurchschnittlich verbreitet. Ihr Anteil betrug 2025 rund fünf Prozent.

Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Nähe zur Innenstadt, dem grossen Arbeitsplatzangebot und der Nachfrage nach temporär nutzbaren Wohnungen.

Wirtschaft und Arbeitsplätze

Trotz seiner geringen Fläche ist Werd ein bedeutender Arbeitsplatzstandort.

2023 arbeiteten rund 12'570 Personen im Quartier.[10]

Die Zahl der Arbeitsplätze ist damit fast dreimal so hoch wie die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner.

Eine wichtige Rolle spielen:

  • öffentliche Verwaltung
  • Medien
  • Finanz- und Unternehmensdienstleistungen
  • Detailhandel
  • Gastronomie
  • Kultur
  • kleinere Gewerbebetriebe

Das Verwaltungszentrum Werd trägt wesentlich zur hohen Zahl der Arbeitsplätze bei.

Auch die Nähe zur Innenstadt und zur Badenerstrasse begünstigt die Ansiedlung von Büros und Dienstleistungen.

Medienstandort

Im Umfeld des Quartiers befinden sich bedeutende Schweizer Medienunternehmen.

Besonders die Gebäude der TX Group beziehungsweise des früheren Tamedia-Konzerns prägen den Bereich entlang der Sihl und der Werdstrasse.

Das Medienunternehmen besitzt hier seit Jahrzehnten einen wichtigen Standort. Verschiedene Zeitungen und digitale Medienangebote werden beziehungsweise wurden von diesem Standort aus produziert.

Der moderne Erweiterungsbau des Tamedia-Hauptsitzes wurde vom japanischen Architekten Shigeru Ban entworfen und 2013 fertiggestellt.

Die markante Holzkonstruktion gehört zu den architektonisch auffälligsten neueren Bürogebäuden im Umfeld von Werd.

Öffentlicher Verkehr

Werd gehört zu den am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossenen Quartieren Zürichs.

Direkt im Quartier beziehungsweise an seinen Grenzen verkehren zahlreiche Tram- und Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich.

Von besonderer Bedeutung sind die Haltestellen:

  • Stauffacher
  • Kalkbreite/Bhf. Wiedikon
  • Werd
  • Bezirksgebäude
  • Schmiede Wiedikon in der näheren Umgebung

Über den Stauffacher bestehen direkte Tramverbindungen in fast alle Richtungen der Stadt.

Eisenbahnanschluss

Werd besitzt keinen eigenen Bahnhof.

Der Bahnhof Zürich Wiedikon liegt jedoch unmittelbar südwestlich des Quartiers und ist zu Fuss oder mit dem Tram schnell erreichbar.

Im Osten befindet sich der Bahnhof Zürich Selnau der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, der ebenfalls in geringer Entfernung liegt.

Der Zürich Hauptbahnhof ist mit Tram, Bus oder Velo in wenigen Minuten erreichbar.

Damit verfügt Werd trotz fehlender eigener Bahnstation über eine aussergewöhnlich gute regionale und nationale Verkehrsanbindung.

Fuss- und Veloverkehr

Die zentrale Lage und die kurzen Entfernungen machen den Fussverkehr besonders wichtig.

Die Zürcher Innenstadt, Langstrasse, Wiedikon, Bahnhofstrasse und das Sihlufer sind von praktisch allen Teilen des Quartiers zu Fuss erreichbar.

Auch das Velo besitzt eine grosse Bedeutung. Verbindungen entlang der Sihl und über verschiedene Quartierstrassen führen in Richtung Hauptbahnhof, Enge, Wiedikon und Zürich-West.

Durch Verkehrsberuhigungen und die Aufwertung von Quartierplätzen versucht die Stadt, die Aufenthaltsqualität und die Bedingungen für Fuss- und Veloverkehr weiter zu verbessern.

Architektur und Stadtbild

Werd besitzt ein ausgesprochen urbanes Stadtbild.

Die vorherrschende Bebauung besteht aus vier- bis sechsgeschossigen Häusern, die meist direkt an den Strassen stehen und geschlossene oder teilweise geschlossene Innenhöfe bilden.

Diese Struktur entstand vor allem zwischen etwa 1880 und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Dazwischen befinden sich einzelne markante Gebäude späterer Epochen:

  • Werdhochhaus
  • Überbauung Kalkbreite
  • Verwaltungs- und Gewerbebauten
  • moderne Bürogebäude
  • Tramdepot Kalkbreite

Dadurch treffen auf engem Raum unterschiedliche Phasen der Zürcher Stadtentwicklung aufeinander.

Ortsbild Hallwylplatz

Das Gebiet rund um den Hallwylplatz besitzt besondere städtebauliche Bedeutung.

Die Platzanlage mit ihren sternförmig ausgehenden Strassen und den weitgehend einheitlichen Blockrändern gehört zu den charakteristischen historischen Stadträumen Aussersihls.

Die mehrfarbigen Sichtbacksteinfassaden der umliegenden Häuser bilden einen für Zürich ungewöhnlich geschlossenen Bestand.[5]

Der Platz zeigt beispielhaft, wie aus dem ungeordnet gewachsenen Vorort Aussersihl gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein nach städtebaulichen Plänen strukturierter Teil der Grossstadt wurde.

Grünräume

Aufgrund seiner geringen Fläche und hohen Bebauungsdichte besitzt Werd nur wenige grössere Grünflächen.

Der Hallwylplatz ist deshalb als Quartierfreiraum besonders wichtig.

Weitere kleinere Grün- und Aufenthaltsräume befinden sich entlang der Sihl und innerhalb einzelner Wohnanlagen.

Der Anteil klassischer Parks, Sportanlagen oder landwirtschaftlicher Flächen ist äusserst gering.

Im Quartier selbst bestehen keine grösseren zusammenhängenden Wald- oder Naturflächen.

Freizeit und Kultur

Trotz seiner kleinen Fläche verfügt Werd über ein vielfältiges kulturelles und gastronomisches Angebot.

Die Nähe zu Langstrasse, Stauffacher und Wiedikon erweitert dieses Angebot zusätzlich.

In und um die Kalkbreite befinden sich Gastronomie, Kulturangebote und Veranstaltungsräume. Das genossenschaftliche Projekt wurde bewusst so gestaltet, dass öffentlich zugängliche Nutzungen das Quartier beleben.

Auch kleinere Restaurants, Bars und Geschäfte entlang der Badener-, Werd- und Zweierstrasse tragen zur urbanen Nutzungsmischung bei.

Soziale Struktur

Werd gehört historisch zu Aussersihl, einem Gebiet, das lange durch die Arbeiterbewegung, Einwanderung und sozial vielfältige Bevölkerungsgruppen geprägt war.

Seit dem späten 20. Jahrhundert hat sich die soziale Struktur verändert.

Die Nähe zur Innenstadt und die hohe Nachfrage nach zentral gelegenem Wohnraum führten zu steigenden Immobilien- und Mietpreisen. Gleichzeitig bestehen weiterhin ältere Mietshäuser und einzelne gemeinnützige Wohnangebote.

Dadurch treffen unterschiedliche Einkommens- und Bevölkerungsgruppen auf engem Raum aufeinander.

Stadtentwicklung

Aufgrund der bereits sehr hohen Bebauungsdichte verfügt Werd nur über wenige grössere Entwicklungsflächen.

Neue Wohnungen entstehen vor allem durch:

  • Ersatzneubauten
  • Dachausbauten
  • Umnutzungen
  • Verdichtung bestehender Grundstücke
  • Umwandlung ehemaliger Gewerbeflächen

Die Überbauung Kalkbreite stellt eines der bekanntesten Beispiele dar, wie bestehende Verkehrsinfrastruktur für zusätzliche Wohn- und Gewerbenutzungen überbaut werden kann.

Zukünftige Projekte konzentrieren sich zunehmend auf die Qualität des öffentlichen Raums, Klimaanpassung, Verkehrsberuhigung und den Erhalt historisch wertvoller Bausubstanz.

Klima und Hitzeminderung

Wie viele dicht bebaute innerstädtische Gebiete ist Werd im Sommer von hohen Temperaturen betroffen.

Versiegelte Flächen und die dichte Blockrandbebauung speichern Wärme. Bäume und kleine Grünräume besitzen deshalb eine wichtige klimatische Funktion.

Massnahmen zur Begrünung von Strassen, Innenhöfen und Gebäuden sowie zusätzliche Schattenflächen gewinnen im Zuge der städtischen Klimaanpassung an Bedeutung.

Der Hallwylplatz und das Sihlufer bilden dabei wichtige bestehende Freiräume.

Charakter des Quartiers

Werd unterscheidet sich deutlich von den beiden anderen Quartieren des Kreises 4.

Das Quartier Langstrasse ist stärker durch Nachtleben, Gastronomie und die Langstrasse selbst geprägt. Hard besitzt grössere Wohnsiedlungen und ehemalige Industrie- und Bahnflächen.

Werd ist dagegen kleiner, zentraler und stärker durch eine Mischung aus historischem Wohnquartier, Verwaltung und Dienstleistungen charakterisiert.

Rund um den Hallwylplatz dominieren vergleichsweise ruhige Wohnstrassen, während Badenerstrasse, Stauffacher und Kalkbreite deutlich stärker vom Verkehr und städtischem Geschäftsleben geprägt sind.

Bedeutung innerhalb Zürichs

Werd ist trotz seiner geringen Fläche ein stadtgeschichtlich und städtebaulich bedeutendes Quartier.

Seine Entwicklung veranschaulicht mehrere zentrale Phasen der Zürcher Geschichte:

  • die Ausdehnung der Stadt über die Sihl
  • das schnelle Wachstum der Arbeitervororte im 19. Jahrhundert
  • die Eingemeindung Aussersihls 1893
  • den Ausbau der linksufrigen Zürichseebahn
  • die Entwicklung des Zürcher Tramnetzes
  • die Entstehung geschlossener Blockrandquartiere
  • den Ausbau der städtischen Verwaltung
  • neue Formen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus

Besonders deutlich zeigt sich die Verbindung von historischem und modernem Zürich am Gegensatz zwischen den Häuserzeilen um den Hallwylplatz, der neugotischen Kirche St. Peter und Paul, dem Werdhochhaus und der modernen Kalkbreite-Überbauung.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Werd (Zürich)