Bahnhof Wiesendangen

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Bahnhof Wiesendangen
Ort Wiesendangen
Kanton Zürich
Bezirk Winterthur
Staat Schweiz
Koordinaten 47° 31′ 32″ N, 8° 46′ 34″ O
Höhe ca. 465 m ü. M.
Betriebsstellenart Durchgangsbahnhof
Bahnstrecke Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn
Eröffnung 16. Mai 1855
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Betreiber SBB und Thurbo
Gleise 3, davon 2 Perrongleise
Perrons 1 Mittelperron
Perronlänge 220 m
Abkürzung WD
DiDok-Nummer 8506017
Verkehrsverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 163
Linien S24, S30

Der Bahnhof Wiesendangen ist ein Bahnhof in der politischen Gemeinde Wiesendangen im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich. Er liegt an der Thurtallinie, der Hauptbahnstrecke von Winterthur über Frauenfeld und Weinfelden nach Romanshorn. Bedient wird der Bahnhof durch die Linien S24 und S30 der S-Bahn Zürich.[1]

Die Anlage gehört den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Die S24 wird von den SBB, die S30 von der Regionalbahn Thurbo geführt. Der Bahnhof befindet sich in der ZVV-Tarifzone 163 und bildet zusammen mit den angrenzenden Bushaltestellen einen wichtigen Umsteigepunkt für Wiesendangen und die ländlich geprägten Ortsteile der Gemeinde.

Lage

Der Bahnhof liegt westlich des historischen Dorfkerns von Wiesendangen zwischen der Stationsstrasse und der Alten Frauenfelderstrasse. Das Zentrum der Gemeinde mit dem Gemeindehaus, Einkaufsmöglichkeiten und der reformierten Kirche ist zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar.

Die Bahnlinie verläuft im Bereich des Bahnhofs ungefähr von Südwesten nach Nordosten. In Richtung Winterthur folgt als nächste Station der Bahnhof Oberwinterthur. In Richtung Frauenfeld liegt als nächste Station der Bahnhof Rickenbach-Attikon.

Nördlich beziehungsweise nordwestlich der Gleise befinden sich der Bahnhofplatz, die Bushaltestellen und ein Teil der Veloabstellanlagen. Über eine Personenunterführung sind die beiden Seiten des Bahnhofs miteinander verbunden. Südlich der Bahnlinie schliessen landwirtschaftlich genutzte Flächen sowie Gewerbe- und Wohngebiete an.

Durch seine Lage nahe der Grenze zur Stadt Winterthur dient der Bahnhof nicht nur der Gemeinde Wiesendangen, sondern teilweise auch den östlichen Quartieren von Oberwinterthur. Die Autobahnauffahrt Oberwinterthur der Autobahn A1 liegt wenige Fahrminuten entfernt.

Geschichte

Eröffnung der Bodenseebahn

Die Geschichte des Bahnhofs ist eng mit dem Bau der Zürich-Bodenseebahn verbunden. Diese sollte Zürich und Winterthur mit dem Bodensee verbinden und der Ostschweiz einen leistungsfähigen Zugang zum schweizerischen Eisenbahnnetz verschaffen.

In den ursprünglichen Planungen war im Raum zwischen Winterthur und Frauenfeld eine Station bei Ruchegg vorgesehen. Der Standort wurde jedoch zugunsten einer Station bei Wiesendangen geändert. Die Gemeinde erhielt dadurch bereits während der ersten Phase des schweizerischen Eisenbahnbaus einen eigenen Bahnanschluss.[2]

Am 16. Mai 1855 eröffnete die Schweizerische Nordostbahn die zunächst einspurige Strecke zwischen Winterthur und Romanshorn. Gleichzeitig nahm der Bahnhof Wiesendangen seinen Betrieb auf. Die Strecke zählt damit zu den ältesten Eisenbahnverbindungen der Schweiz.

Der Bahnanschluss verbesserte den Transport landwirtschaftlicher Produkte und erleichterte der Bevölkerung den Zugang zu den Märkten und Arbeitsplätzen in Winterthur, Frauenfeld und weiteren Orten der Ostschweiz. Rund um die Station entwickelte sich allmählich ein kleines Bahnhofquartier.

Doppelspurausbau und Elektrifizierung

Mit dem zunehmenden Personen- und Güterverkehr wurde die Thurtallinie zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Doppelspur ausgebaut. Der zweite Streckenabschnitt zwischen Oberwinterthur und Wiesendangen ging am 1. Mai 1906 in Betrieb. Die Fortsetzung von Wiesendangen nach Islikon folgte am 4. Juli 1907.[2]

Seitdem liegt Wiesendangen an einer durchgehend doppelspurigen Hauptstrecke. Der Ausbau erlaubte eine höhere Zahl von Zugfahrten und vereinfachte die Kreuzung und Überholung von Personen- und Güterzügen.

Am 4. Mai 1928 nahmen die SBB auf der Strecke Winterthur–Romanshorn den elektrischen Betrieb auf. Verwendet wird seither das schweizerische Normalstromsystem mit 15 Kilovolt Wechselstrom und einer Frequenz von 16,7 Hertz.

Aufnahmegebäude

Der ursprüngliche Bahnhof besass ein markantes Aufnahmegebäude im Chaletstil. Es umfasste Räume für den Stationsdienst, den Billettverkauf und die Abfertigung von Gepäck und Gütern. Das Gebäude prägte während mehr als einem Jahrhundert das westliche Ortsbild von Wiesendangen.

Im Jahr 1975 liessen die SBB das historische Aufnahmegebäude abbrechen. Der Abbruch wurde später wiederholt kritisiert, da das Gebäude als charakteristisches und erhaltenswertes Beispiel der frühen Schweizer Eisenbahnarchitektur galt.[2] Fotografien und Archivpläne dokumentieren sein früheres Erscheinungsbild.[3]

Nach dem Abbruch entstand kein vergleichbar grosses Stationsgebäude mehr. Mit der Automatisierung des Bahnbetriebs und der Verlagerung des Billettverkaufs an Automaten verlor ein klassisches Aufnahmegebäude für den täglichen Betrieb zunehmend an Bedeutung.

Zürcher S-Bahn

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Mai 1990 wurde Wiesendangen in das vertaktete S-Bahn-Netz des Kantons Zürich einbezogen. Die neue Betriebsform brachte regelmässigere Verbindungen nach Winterthur und Zürich.

Während verschiedener Fahrplanperioden wurde der Bahnhof durch unterschiedliche Linien bedient. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 hielt unter anderem die S8 in Wiesendangen. Danach übernahm die verlängerte S24 deren Aufgabe. Dadurch erhielt die Gemeinde eine umsteigefreie Verbindung zum Flughafen Zürich, nach Zürich und in Richtung Zug.

Die S30 ergänzt das Angebot zwischen Winterthur und Weinfelden. Durch die Überlagerung beider Linien besteht tagsüber grundsätzlich ein angenäherter Halbstundentakt.

Umbau von 2022

Von Februar bis Herbst 2022 bauten die SBB den Bahnhof entsprechend den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes um. Das zentrale Ziel war ein stufenfreier Einstieg in die eingesetzten Niederflurzüge.[4]

Vor dem Umbau befanden sich an beiden Seiten des Mittelperrons Hilfstritte mit einer Höhe von 42 Zentimetern. Für Personen im Rollstuhl sowie Reisende mit Kinderwagen, Rollator, Gepäck oder eingeschränkter Mobilität war ein selbständiger Einstieg dadurch nicht immer möglich.

Im Zuge der Arbeiten wurde das Perron um 13 Zentimeter auf die schweizweit festgelegte Regelhöhe von 55 Zentimetern angehoben. Die nutzbare Perronlänge beträgt seither 220 Meter. Wegen einer leichten Gleiskurve in Richtung Frauenfeld musste die Perronkante auf dieser Seite teilweise verkürzt werden, damit vorbeifahrende Fahrzeuge genügend Abstand einhalten.[4]

Weitere Arbeiten umfassten:

  • die Anpassung von Treppen und Rampen;
  • die Erneuerung der Perronkanten und Beläge;
  • den Umbau des Entwässerungssystems;
  • die Erneuerung der Beleuchtung und Beschallungsanlage;
  • neue Geländer und Handläufe;
  • einen neuen gedeckten Wartebereich;
  • moderne Fahrgastinformationsanlagen;
  • die Erneuerung des Billettautomaten.

Die Baukosten beliefen sich auf rund 5,3 Millionen Franken und wurden über die Leistungsvereinbarung zwischen dem Bund und den SBB finanziert. Da die Thurtallinie auch nachts von Personen- und Güterzügen befahren wird, musste ein grosser Teil der Arbeiten während begrenzter Betriebspausen ausgeführt werden.

Im Jahr 2021 passierten insgesamt 70'986 Züge den Bahnhof Wiesendangen. Dies entsprach durchschnittlich etwa 165 Personenzügen, 29 Güterzügen und einem Infrastrukturzug pro Tag. Vor dem Umbau wurden an Werktagen durchschnittlich rund 970 Ein- und Aussteigende gezählt.[4]

Anlage

Der Bahnhof Wiesendangen ist ein Durchgangsbahnhof an einer doppelspurigen Hauptstrecke. Die Anlage umfasst drei Gleise, von denen die Gleise 2 und 3 dem planmässigen Personenverkehr dienen. Zwischen ihnen liegt ein überdachter Mittelperron.

Der Zugang zum Perron erfolgt durch eine Personenunterführung. Rampen und Treppen verbinden die Unterführung mit dem Bahnhofplatz und dem Mittelperron. Seit dem Umbau von 2022 ist der Zugang weitgehend stufenfrei gestaltet.

Die Anlage verfügt über keine dauerhaft besetzte Verkaufsstelle. Billette können am Automaten, im Internet oder über mobile Anwendungen erworben werden. Elektronische Anzeigen und Lautsprecher informieren über Abfahrten, Verspätungen und betriebliche Änderungen.

Nach Angaben der SBB verfügt der Bahnhof über 49 Veloabstellplätze. Die P+Rail-Anlage umfasst 35 reguläre Parkplätze und einen Behindertenparkplatz.[5]

Fernverkehrs- und Güterzüge durchfahren den Bahnhof ohne Halt. Die Thurtallinie gehört zu den wichtigen Ost-West-Verbindungen des Güterverkehrs in der Ostschweiz. Sie wird unter anderem von Zügen in Richtung Rangierbahnhof Limmattal sowie von Güterzügen für den Raum Frauenfeld benutzt.

Verkehr

S-Bahn

Im Fahrplanjahr 2026 halten folgende Linien der S-Bahn Zürich in Wiesendangen:[1]

Beide Linien verkehren grundsätzlich stündlich und ergänzen sich zwischen Winterthur und Weinfelden zu einem annähernden Halbstundentakt. Die Fahrzeit von Wiesendangen nach Winterthur beträgt ungefähr sechs Minuten. Frauenfeld ist je nach Verbindung in rund zehn Minuten erreichbar.

Die S24 bietet direkte Verbindungen zum Flughafen Zürich, zum Zürcher Hauptbahnhof und nach Zug. Die S30 dient vor allem dem Regionalverkehr im Thurtal und wird von Thurbo betrieben.

Busverkehr

Unmittelbar beim Bahnhof befindet sich die Bushaltestelle Wiesendangen, Bahnhof. Sie wird im Fahrplanjahr 2026 von folgenden Linien von Stadtbus Winterthur bedient:[1]

  • Linie 610: Winterthur, Bahnhof Oberwinterthur – Wiesendangen, Bahnhof – Wiesendangen, Hinterdorf
  • Linie 611: Wiesendangen, Bahnhof – Bertschikon bei Attikon – Gundetswil
  • Linie N67: Winterthur, Bahnhof Oberwinterthur – Wiesendangen – Winterthur, Hauptbahnhof

Die Linie 610 erschliesst das Siedlungsgebiet von Wiesendangen und stellt eine zusätzliche Verbindung zum Bahnhof Oberwinterthur her. Die Linie 611 verbindet den Bahnhof mit den seit der Gemeindefusion von 2014 zu Wiesendangen gehörenden Ortsteilen Bertschikon und Gundetswil.

Die Nachtbuslinie N67 verkehrt in den Nächten mit ZVV-Nachtverkehr und verbindet Wiesendangen mit Oberwinterthur und dem Hauptbahnhof Winterthur.

Bedeutung

Der Bahnhof Wiesendangen besitzt vor allem für den Pendler-, Ausbildungs- und Freizeitverkehr Bedeutung. Die Gemeinde entwickelte sich im 20. Jahrhundert von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einer Wohngemeinde in der Agglomeration Winterthur. Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet in Winterthur, Zürich, Frauenfeld oder anderen regionalen Zentren.

Durch die S24 verfügt Wiesendangen über eine direkte Verbindung zum Flughafen Zürich und zum Zürcher Hauptbahnhof. Die S30 stärkt die regionale Erschliessung des Thurtals und bietet zusätzliche Verbindungen nach Frauenfeld und Weinfelden.

Als Umsteigepunkt zu den Buslinien 610 und 611 erschliesst der Bahnhof auch Ortsteile ohne eigenen Bahnanschluss. Besonders für Bertschikon, Gundetswil und das Hinterdorf von Wiesendangen bildet er den wichtigsten Zugang zum schweizerischen Eisenbahnnetz.

Neben seiner lokalen Funktion ist Wiesendangen Teil einer stark belasteten Hauptstrecke. Zahlreiche Fernverkehrs-, Regional- und Güterzüge passieren den Bahnhof täglich. Die Trennung zwischen haltenden S-Bahn-Zügen und durchfahrenden Zügen stellt hohe Anforderungen an Fahrplan, Sicherungsanlagen und Unterhalt.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Peter Bärtschi, Adrian Ramsauer, Jürg Hauswirth: Die Bodenseebahn 1855–2005. Romanshorn–Winterthur–Zürich. Minirex, Luzern 2005, ISBN 3-907014-18-9.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Schweers + Wall: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln 2012, ISBN 978-3-89494-130-7.
  • Hans Kläui, Karl Mietlich: Geschichte der Gemeinde Wiesendangen. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Winterthur 1970.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Haltestellen- und Linienfahrpläne Wiesendangen, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 4. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Hans-Peter Bärtschi, Adrian Ramsauer, Jürg Hauswirth: Die Bodenseebahn 1855–2005. Romanshorn–Winterthur–Zürich. Minirex, Luzern 2005, ISBN 3-907014-18-9, S. 79–82 und 152.
  3. Archivplansuche zum Bahnhof Wiesendangen, SBB Historic, abgerufen am 4. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Dominic Duss: Bequemeres Ein- und Aussteigen. In: De Wisidanger, Juli 2022, S. 4–10, abgerufen am 4. August 2026.
  5. Bahnhof Wiesendangen, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
  6. Linienfahrplan S24, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 4. August 2026.
  7. Linienfahrplan S30, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 4. August 2026.

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