Museum für Kommunikation Bern
| Museum für Kommunikation | |
|---|---|
| Frühere Namen | Postmuseum, Schweizerisches PTT-Museum |
| Museumsart | Kommunikations-, Medien- und Technikmuseum |
| Ort | Bern |
| Adresse | Helvetiastrasse 16, 3000 Bern 6 |
| Eröffnung | 22. Juni 1907 |
| Heutiger Standort | seit 1990 |
| Trägerin | Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation |
| Stifterinnen | Schweizerische Post und Swisscom |
| Direktorin | Jacqueline Strauss |
| Sammlungsbereiche | Post, Verkehr, Philatelie, Telekommunikation, Rundfunk, digitale Kultur und Kunst |
| Besucher | 131'114 |
| Besucherjahr | 2025 |
| Auszeichnung | Museumspreis des Europarats 2019 |
| Website | www.mfk.ch |
Das Museum für Kommunikation ist ein Kommunikations-, Medien- und Technikmuseum im Kirchenfeldquartier der Stadt Bern. Es widmet sich als einziges Museum der Schweiz ausschliesslich der Kommunikation und behandelt deren technische, gesellschaftliche, kulturelle und politische Entwicklung.[1]
Die Institution entstand aus dem 1907 eröffneten schweizerischen Postmuseum. Sie wurde später zum Schweizerischen PTT-Museum erweitert und trägt seit 1997 ihren heutigen Namen. Das Museum wird von der Schweizerischen Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation getragen, deren Stifterinnen die Schweizerische Post und die Swisscom sind.
Die Sammlung umfasst rund drei Millionen Briefmarken, 500'000 Fotografien, 50'000 dreidimensionale Objekte, 50'000 Plakate und Pläne sowie etwa 5'000 Filme.[2] Sie dokumentiert die Geschichte der Post, des Verkehrs, der Telekommunikation, des Rundfunks, der Informatik und der digitalen Kommunikation in der Schweiz.
Das Museum ist für seine interaktiven Ausstellungen und seine persönliche Vermittlung durch sogenannte Kommunikatorinnen und Kommunikatoren bekannt. Für die 2017 eröffnete neue Kernausstellung und das damit verbundene Vermittlungskonzept erhielt es 2019 den Museumspreis des Europarats.[3]
Auftrag und Profil
Das Museum untersucht Kommunikation nicht nur als Übertragung von Nachrichten. Es versteht sie als grundlegenden Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens. Sprache, Gestik, Schrift, Bilder, Medien, technische Netze und digitale Plattformen werden deshalb gemeinsam betrachtet.
Zu seinen Aufgaben gehören:
- das Sammeln und Bewahren von Kulturgütern zur Kommunikationsgeschichte;
- die wissenschaftliche Erschliessung und Erforschung der Bestände;
- die Dokumentation gegenwärtiger Kommunikationsformen;
- die Vermittlung historischer und aktueller gesellschaftlicher Fragen;
- die Betreuung des historischen PTT-Archivs;
- die Bereitstellung von Sammlungs- und Archivdaten für Forschung und Öffentlichkeit.
Das Museum verbindet historische Gegenstände mit Fragen der Gegenwart. Themen wie Datenschutz, künstliche Intelligenz, soziale Medien, Informationsflut, Körpersprache, Überwachung, Desinformation und digitale Abhängigkeit werden in Ausstellungen und Veranstaltungen aufgegriffen.
Die Stiftung bezeichnet die Sicherung des nationalen historischen Erbes im Bereich der Kommunikation als ihren zentralen Zweck. Das Museum soll dieses Erbe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.[4]
Geschichte
Anfänge der Sammlung
Die Ursprünge des Museums reichen in das späte 19. Jahrhundert zurück. 1893 begann die Schweizerische Postverwaltung systematisch Gegenstände und Dokumente des Post- und Verkehrswesens sowie der Philatelie zu sammeln.[5]
Die Sammlung sollte die Entwicklung der eidgenössischen Post dokumentieren. Gesammelt wurden unter anderem Uniformen, Postschilder, Fahrzeuge, Briefkästen, Stempel, Briefmarken, Karten, technische Geräte und Verwaltungsunterlagen.
Die Post war im 19. Jahrhundert nicht nur für Briefe und Pakete zuständig. Sie betrieb auch Postkutschen, organisierte den Personenverkehr und war eng mit der Entwicklung von Telegrafie und Telefonie verbunden. Entsprechend breit war das historische Sammlungsspektrum.
Postmuseum am Bollwerk
Am 22. Juni 1907 wurde im Gebäude der Berner Bollwerk-Post das erste schweizerische Postmuseum eröffnet. Es war das dritte Postmuseum auf dem europäischen Festland.[5]
Die Ausstellung zeigte die Entwicklung des schweizerischen Postwesens, historische Postrouten, Fahrzeuge, Uniformen, Briefmarken und technische Einrichtungen. Das Museum richtete sich sowohl an das allgemeine Publikum als auch an Mitarbeitende der Postverwaltung.
Die Räume im Postgebäude wurden mit dem Wachstum der Telefonzentrale und der Museumssammlung zunehmend zu klein. Bereits wenige Jahrzehnte nach der Eröffnung musste deshalb ein neuer Standort gesucht werden.
Umzug an den Helvetiaplatz
1933 zog das Postmuseum in den Neubau des damaligen Schweizerischen Alpinen Museums am Helvetiaplatz. Das Gebäude bot grössere Ausstellungsflächen und lag in einem Quartier, in dem sich mehrere nationale und kantonale Kulturinstitutionen ansiedelten.
Nach einer längeren Einrichtungsphase erreichte das Museum dort jährlich rund 12'000 Besucherinnen und Besucher.[5]
Die Entwicklung der elektrischen Nachrichtenübermittlung führte zu einer Erweiterung des Sammlungsauftrags. Neben der Postgeschichte wurden zunehmend auch Telegrafie, Telefonie, Radio und weitere Formen der Telekommunikation berücksichtigt.
Schweizerisches PTT-Museum
1949 erhielt die Institution den Namen Schweizerisches PTT-Museum. Die Abkürzung PTT stand für Post, Telefon und Telegraf. Damit wurde der erweiterte Aufgabenbereich auch im Namen sichtbar.
Die Sammlungen dokumentierten nun sowohl den Transport physischer Sendungen als auch die elektrische und später elektronische Übertragung von Nachrichten. Geräte der Telefonvermittlung, Telegrafen, Funkanlagen, Kabel, Messinstrumente und Endgeräte ergänzten die klassischen Postbestände.
Mit der raschen technischen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Sammlung weiter. Fernsehen, Satellitenkommunikation, Computertechnik und neue Formen der Datenübertragung stellten das Museum vor zusätzliche räumliche und konzeptionelle Aufgaben.
Neubau an der Helvetiastrasse
Der Platz im gemeinsam mit dem Alpinen Museum genutzten Gebäude reichte schliesslich nicht mehr aus. Im Rahmen der Planungen für ein Kulturgüterschutzzentrum im unteren Kirchenfeld erhielt das PTT-Museum einen eigenen Neubau.
Das Gebäude an der Helvetiastrasse 16 wurde von 1986 bis 1989 nach Plänen des Berner Architekten Andrea Roost errichtet. 1990 zog das Museum an den heutigen Standort.[6]
Der geplante grössere Gebäudekomplex für mehrere Kulturinstitutionen wurde nur teilweise verwirklicht. Das Museumsgebäude und spätere Erweiterungen des benachbarten Naturhistorischen Museums blieben die wichtigsten realisierten Teile des Projekts.
Der Neubau ermöglichte grössere Dauerausstellungen, Sonderausstellungen, Veranstaltungsräume, Werkstätten und eine zeitgemässe technische Infrastruktur.
Stiftung und neuer Name
Im Zuge der Aufteilung der Schweizerischen PTT-Betriebe wurde 1996 die Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation gegründet. Sie übernahm 1997 den Betrieb des bisherigen PTT-Museums.
Im März 1997 wurde die Institution in Museum für Kommunikation umbenannt. Der neue Name stand für die Entwicklung vom Unternehmensmuseum zu einem thematisch breiter ausgerichteten Museum.[4]
Nach der Auflösung der PTT gingen die Rechte und Pflichten der Stifterin 1998 auf ihre Nachfolgeunternehmen, die Schweizerische Post und die Swisscom, über. Beide Unternehmen tragen die Stiftung gemeinsam.
Die Veränderung ermöglichte es dem Museum, neben der Technik- und Unternehmensgeschichte verstärkt die gesellschaftlichen, kulturellen und persönlichen Dimensionen der Kommunikation zu behandeln.
Entwicklung der Ausstellungen
2003 eröffnete Bundespräsident Pascal Couchepin die Dauerausstellung «nah und fern: Menschen und ihre Medien». Sie stellte erstmals konsequent den Menschen und seinen Umgang mit Medien in den Mittelpunkt und blieb bis 2016 bestehen.
2007 wurden die Ausstellungen «As Time Goes Byte» zur Computer- und Digitalgeschichte sowie «Bilder, die haften» zur Philatelie eröffnet.
Von 2016 bis 2017 blieb ein grosser Teil des Museums wegen umfassender Erneuerungsarbeiten geschlossen. Nach fünfjähriger Vorbereitung wurde im August 2017 die neue Kernausstellung eröffnet. Sie umfasst knapp 2'000 Quadratmeter und ersetzte die früheren thematisch getrennten Dauerausstellungen.[5]
Mit der Eröffnung wurde auch die neue Berufsgruppe der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren geschaffen. Diese Mitarbeitenden sind ständig in der Ausstellung anwesend und treten mit dem Publikum in einen direkten Dialog.
Museumspreis des Europarats
2019 erhielt das Museum den Museumspreis des Europarats. Die Auszeichnung wurde am 9. April 2019 in Strassburg übergeben.
Die Jury würdigte insbesondere den interaktiven, multisensorischen, partizipativen und zugänglichen Charakter des Museums. Hervorgehoben wurde, dass die Ausstellungen zur kritischen Auseinandersetzung mit neuen Technologien und Kommunikationsformen anregen.[3]
Der seit 1977 verliehene Preis ging damit zum dritten Mal an ein Museum in der Schweiz. Im selben Jahr verzeichnete das Museum mit mehr als 115'000 Eintritten einen damaligen Besucherrekord.
Trägerschaft und Organisation
Trägerin ist die Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation. Sie wurde 1996 von der Schweizerischen Eidgenossenschaft beziehungsweise den damaligen PTT-Betrieben gegründet.
Die Stiftung ist gemeinnützig und betreibt neben dem Museum auch das historische PTT-Archiv. Nach der Aufteilung der PTT wurden die Schweizerische Post und die Swisscom zu den beiden Stifterinnen.
Der Stiftungsrat ist für die strategische Leitung verantwortlich. Die operative Leitung des Museums liegt bei der Direktion. Direktorin ist Jacqueline Strauss.[7]
Die Finanzierung erfolgt durch Beiträge der Stifterinnen, Eintrittseinnahmen, Veranstaltungen, Vermietungen, Museumsshop und Café sowie durch projektbezogene Beiträge Dritter.
Das Museum gehört zu den meistbesuchten Museen der Stadt Bern. 2025 wurden 131'114 Besucherinnen und Besucher gezählt. Dies war nach dem Rekordjahr 2024 mit 140'233 Eintritten das zweitbeste Ergebnis der Museumsgeschichte.[8]
Gebäude
Architektur
Das Museumsgebäude liegt an der Helvetiastrasse 16 südöstlich des Helvetiaplatzes. Es wurde von 1986 bis 1989 durch den Architekten Andrea Roost errichtet und 1990 bezogen.
Der langgestreckte Baukörper ist durch horizontale Fassadenbänder, geschlossene Wandflächen und unterschiedlich hohe Gebäudeteile gegliedert. Der Eingang liegt an einem Innenhof, der das Museum mit dem benachbarten Museumsgarten verbindet.
Das Gebäude war als erster Teil eines grösseren Kulturgüterschutzzentrums vorgesehen. Weitere Gebäudeflügel für das Bernische Historische Museum, universitäre Einrichtungen und gemeinsame Infrastruktur wurden nicht in der ursprünglich geplanten Form realisiert.
Im Bauinventar der Stadt Bern ist das ehemalige PTT-Museum als erhaltenswertes Gebäude verzeichnet.[6]
Umbau von 2016 bis 2017
Für die neue Kernausstellung wurden die Innenräume umfassend umgebaut. Die zuvor voneinander getrennten Dauerausstellungen wurden durch eine zusammenhängende, offene Ausstellungslandschaft ersetzt.
Die Gestaltung verbindet historische Objekte, digitale Medien, Videoinstallationen, interaktive Stationen und Bereiche für Gespräche oder Spiele. Ein grosser Teil der Ausstellung ist ohne feste Laufrichtung zugänglich.
Die Ausstellung wird laufend angepasst. Einzelne Objekte, Texte und digitale Inhalte werden ausgetauscht, damit aktuelle technische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgenommen werden können. Das Museum bezeichnet dieses Vorgehen als dynamisches Kuratieren.[8]
Aussenraum und Café
Vor dem Eingang befindet sich ein öffentlich zugänglicher Bereich mit Sitzgelegenheiten. Das Café Pavillon ist sowohl für Museumsbesucher als auch für Gäste aus dem Quartier geöffnet.
Das Museum grenzt an den Museumsgarten, der von mehreren Institutionen des Museumsquartiers Bern gemeinsam genutzt wird. Dort finden Veranstaltungen, Konzerte, Filmvorführungen, Feste und Vermittlungsangebote statt.
Kernausstellung
Die 2017 eröffnete Kernausstellung trägt keinen streng chronologischen Charakter. Sie verbindet historische Kommunikationsmittel mit persönlichen Erfahrungen und gegenwärtigen Fragestellungen.
Unter dem Leitmotiv «Von Höhenfeuern, Smartphones und Cyborgs» werden zahlreiche Formen menschlicher Kommunikation behandelt. Dazu gehören Sprache, Gestik, Schrift, Post, Telefon, Rundfunk, Computer, Internet und soziale Medien.
Die Ausstellung beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragen:
- Wie verständigen sich Menschen ohne Worte?
- Wie beeinflussen Medien Wahrnehmung und Beziehungen?
- Wem gehören persönliche Daten?
- Wie entstehen technische Kommunikationsnetze?
- Warum verbreiten sich Informationen, Gerüchte und Bilder?
- Wie verändern Smartphones und soziale Medien den Alltag?
- Welche Rolle spielen Maschinen und künstliche Intelligenz?
- Was geschieht, wenn Kommunikation misslingt?
Historische Objekte stehen neben digitalen Anwendungen und spielerischen Experimenten. Besucherinnen und Besucher können beispielsweise Nachrichten übermitteln, Filmsequenzen aufnehmen, Kommunikationssituationen testen oder die Wirkung unterschiedlicher Medien vergleichen.
Kommunikatorinnen und Kommunikatoren
Ein besonderes Merkmal des Museums sind die Kommunikatorinnen und Kommunikatoren. Sie sind während der Öffnungszeiten in der Ausstellung anwesend und sprechen die Besucher aktiv an.
Ihre Aufgabe besteht nicht in klassischen Führungen mit einem festgelegten Ablauf. Sie beantworten Fragen, führen Experimente durch, erzählen Geschichten zu Objekten und regen Gespräche zwischen den Besuchenden an.
Das Vermittlungsmodell wird als «Berner Formel» bezeichnet. Es verbindet persönliche Gastfreundschaft, spielerische Elemente und fachliche Information. Das Konzept stiess auch bei Museen ausserhalb der Schweiz auf Interesse.[8]
Kinder und Familien
Die Ausstellung ist auf unterschiedliche Altersgruppen ausgerichtet. Zahlreiche Stationen können berührt, bedient oder gemeinsam ausprobiert werden.
Für jüngere Kinder bestehen besondere Rundgänge und Aufgaben. Die Figur Ratatösk begleitet Kinder durch ausgewählte Bereiche und vermittelt Kommunikationsformen auf spielerische Weise.
Familienangebote, Ferienprogramme und offene Ateliers ergänzen die Kernausstellung. Das Museum arbeitet ausserdem mit Kindertagesstätten und Schulen zusammen.
Sonderausstellungen
Das Museum zeigt regelmässig Sonderausstellungen zu historischen und aktuellen Themen der Kommunikation. Dabei werden Medien, Technik, Kunst und gesellschaftliche Fragen miteinander verbunden.
Zu den bekannten Ausstellungen der vergangenen Jahre gehören:
- «Sounds of Silence» über Stille und akustische Kommunikation;
- «Planetopia – Raum für Weltwandel» über Klimawandel und gesellschaftliche Veränderung;
- «NICHTS» über Abwesenheit, Leere und Nichtkommunikation;
- «DANCE!» über Tanz als körperliche und soziale Kommunikation;
- «Massen – Foules – Crowds» über das Verhalten und die Wahrnehmung von Menschenmengen;
- die jährlich wiederkehrende Ausstellung «Gezeichnet» mit Schweizer Pressezeichnungen.
Die Ausstellung «Sounds of Silence» erhielt mehrere internationale Preise für Szenografie, Klanggestaltung, Plakatgestaltung und Ausstellungskonzeption.
Sonderausstellungen werden häufig von Veranstaltungen, Workshops, Podcasts, Führungen und digitalen Angeboten begleitet.
Sammlungen
Die Museumssammlung dokumentiert Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft der Kommunikation in der Schweiz. Sie ist in sechs Schwerpunkte gegliedert:[9]
- Post und Verkehr;
- Philatelie;
- Telegrafie und Telefonie;
- Radio und Fernsehen;
- Computer und digitale Kultur;
- Kunst und Kommunikation.
Post und Verkehr
Dieser Bereich dokumentiert die Entwicklung des schweizerischen Postwesens und des öffentlichen Verkehrs. Zum Bestand gehören Uniformen, Briefkästen, Postschilder, Waagen, Stempel, Taschen, Fahrzeuge und Modelle.
Ein bekanntes Objekt ist ein Saurer-Kleinpostauto aus dem Jahr 1939. Weitere Fahrzeuge und grossformatige Gegenstände werden im Sammlungsdepot in Schwarzenburg aufbewahrt.
Die Sammlung zeigt, wie sich der Transport von Nachrichten, Personen und Waren gegenseitig beeinflusste. Postkutschen, Eisenbahn, Postauto und Luftpost gehören deshalb ebenso zum Themenfeld wie Sortieranlagen und Zustelldienste.
Philatelie
Die philatelistische Sammlung umfasst rund drei Millionen Briefmarken und gehört zu den bedeutendsten Beständen dieser Art.
Neben Schweizer Briefmarken enthält sie internationale Ausgaben, Entwürfe, Probedrucke, Ganzsachen, Stempel und postalische Dokumente. Die Sammlung erlaubt Untersuchungen zur Gestaltung, Herstellung, Nutzung und politischen Symbolik von Briefmarken.
Briefmarken werden nicht nur als Zahlungsmittel für Postleistungen betrachtet. Sie sind zugleich Bildmedien, staatliche Repräsentationsmittel und Zeugnisse gesellschaftlicher Wertvorstellungen.
Telegrafie und Telefonie
Die Sammlung zur Telekommunikation reicht von frühen elektrischen Telegrafen bis zu Mobiltelefonen und digitalen Netzen.
Zu den Beständen gehören Morseapparate, Vermittlungsschränke, Telefonstationen, Kabel, Messgeräte, Funktelefone und Geräte für Bild- oder Datenübertragung.
Das Museum besitzt vier historische Telefonzentralen mit weitgehend erhaltener elektromechanischer Vermittlungstechnik. Sie befinden sich in Magden, Rifferswil, Versam und Frieswil.[10]
Radio und Fernsehen
Dieser Bereich dokumentiert die Entwicklung des Rundfunks in der Schweiz. Gesammelt werden Empfangsgeräte, Studiotechnik, Aufnahmegeräte, Mikrofone, Kameras, Fernsehgeräte und audiovisuelle Dokumente.
Die Objekte zeigen den Übergang vom gemeinschaftlich gehörten Radio zum individuellen und mobilen Medienkonsum. Auch die politische und kulturelle Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird dokumentiert.
Computer und digitale Kultur
Die Informatiksammlung umfasst Rechenmaschinen, Computer, Speichermedien, Eingabegeräte, Mobiltelefone und digitale Anwendungen.
Das Museum bewahrt unter anderem einen Apple I, frühe Schweizer Computertechnik und Geräte aus der Entwicklung des mobilen Internets. Neben Hardware werden auch digitale Inhalte, Internetphänomene und soziale Medien gesammelt.
Die Bewahrung digitaler Kultur stellt besondere Anforderungen. Software, Plattformen und Dateiformate können rasch veralten, während viele Kommunikationsformen keine dauerhaften materiellen Gegenstände hinterlassen.
Kunst und Kommunikation
Die Kunstsammlung untersucht die Beziehung zwischen künstlerischer Arbeit und Kommunikation. Sie enthält Plakate, Grafiken, Fotografien, Mail-Art, Medienkunst und Werke, die Kommunikationsmittel oder -prozesse thematisieren.
Zur Sammlung gehören auch künstlerische Auseinandersetzungen mit Post, Telefon, Überwachung, Massenmedien und digitaler Vernetzung.
Fotografien, Plakate und Filme
Das Museum besitzt rund 500'000 Fotografien zur schweizerischen Kommunikationsgeschichte. Sie dokumentieren Poststellen, Fahrzeuge, technische Anlagen, Arbeitsabläufe, Mitarbeitende und Veränderungen der gebauten Infrastruktur.
Hinzu kommen rund 50'000 Plakate und Pläne. Dazu zählen Werbeplakate der Post und Telekommunikationsunternehmen, technische Zeichnungen, Netzpläne und Entwürfe.
Der Filmbestand umfasst ungefähr 5'000 Produktionen. Er enthält Werbe-, Schulungs-, Dokumentar- und Unternehmensfilme sowie audiovisuelle Zeugnisse technischer Entwicklungen.[2]
Ein wachsender Teil der Sammlungen kann über ein gemeinsames Onlineportal recherchiert werden.
Sammlungsdepot Schwarzenburg
Ein grosser Teil der nicht ausgestellten Objekte wird im ehemaligen Kurzwellensender Schwarzenburg aufbewahrt. Die Anlage war ursprünglich ein wichtiger Standort des internationalen schweizerischen Funkverkehrs.
Das Museum nutzt die historischen Gebäude als Sammlungsdepot. Dort befinden sich unter anderem Fahrzeuge, technische Grossgeräte, Möbel, Posteinrichtungen und umfangreiche Objektbestände.
Ein moderner Depotneubau ergänzt die historische Anlage. Das Projekt erhielt 2015 den nationalen Prix Lignum in Gold.[11]
Das Depot ist nicht regulär öffentlich zugänglich. Gelegentlich werden Führungen und besondere Veranstaltungen angeboten.
PTT-Archiv
Das PTT-Archiv ist das historische Unternehmensarchiv der Schweizerischen Post und der Swisscom. Es wird von der Stiftung im Auftrag der beiden Unternehmen geführt.
Die Bestände umfassen rund 7'500 Laufmeter Archiv- und Bibliotheksdokumente zur Geschichte der eidgenössischen Post, Telegrafie und Telefonie von 1848 bis 1997.[12]
Hinzu kommen Unterlagen älterer Postorganisationen seit dem frühen 18. Jahrhundert sowie neuere Dokumentationen und Oral-History-Interviews.
Zu den Beständen gehören:
- Verwaltungsakten der eidgenössischen Post;
- Unterlagen der Telegrafen- und Telefonverwaltung;
- Telefonbücher und Poststellenverzeichnisse;
- technische Vorschriften und Betriebsanleitungen;
- Karten, Pläne und Fotografien;
- Werbemittel und interne Publikationen;
- audiovisuelle Interviews mit ehemaligen PTT-Mitarbeitenden.
Das Archiv befindet sich an der Sägestrasse 77 in Köniz. Es untersteht dem Bundesgesetz über die Archivierung und steht der wissenschaftlichen Forschung nach Voranmeldung offen.
Forschung und Digitalisierung
Das Museum erschliesst seine Sammlungen in einer digitalen Datenbank. Objekte werden inventarisiert, fotografiert und mit Angaben zu Herkunft, Nutzung, Material und historischem Zusammenhang versehen.
Die Digitalisierung soll Bestände zugänglich machen, die aus Platz- oder Erhaltungsgründen nicht ausgestellt werden können. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für wissenschaftliche Forschung, Schulen und private Interessierte.
Eine besondere Herausforderung bildet das Urheberrecht. Bei Fotografien, Filmen, Plakaten und digitalen Werken können rechtliche Beschränkungen eine vollständige Veröffentlichung verhindern.
Das Museum beteiligt sich an Forschungsprojekten mit Hochschulen, Archiven und anderen Museen. Zudem untersucht es gemeinsam mit Post und Swisscom die Geschichte der beiden Unternehmen und ihrer technischen Infrastruktur.
Bildung und Vermittlung
Das Museum bietet Führungen, Workshops, Schulprogramme, Familienangebote und Weiterbildungen an. Der Schwerpunkt liegt auf dialogischen und experimentellen Formen der Vermittlung.
Schulklassen können Programme zu Medienkompetenz, Datenschutz, Körpersprache, Digitalisierung, Postgeschichte oder künstlicher Intelligenz besuchen.
Neben dem Ausstellungsbesuch bestehen Podcasts, Blogbeiträge, digitale Spiele und Onlineangebote. Veranstaltungen wie Mittagsführungen, Diskussionsrunden und Spielwochenenden verbinden theoretische Inhalte mit praktischen Erfahrungen.
2025 besuchten 1'504 Schulklassen das Museum. Insgesamt wurden 696 geführte Gruppenveranstaltungen durchgeführt.[8]
Museumsquartier Bern
Das Museum für Kommunikation gehört zum Museumsquartier Bern. In diesem Netzwerk arbeiten elf Kultur-, Bildungs-, Wissenschafts- und Archivinstitutionen des Kirchenfeldquartiers zusammen.[13]
Zum Museumsquartier gehören unter anderem:
- das Bernische Historische Museum;
- das Naturhistorische Museum Bern;
- das ALPS Alpines Museum der Schweiz;
- die Kunsthalle Bern;
- die Schweizerische Nationalbibliothek;
- das Schweizerische Bundesarchiv;
- das Schweizer Schützenmuseum;
- das Stadtarchiv Bern.
Die Institutionen entwickeln gemeinsame Veranstaltungen, Kommunikationsangebote und Projekte für den Museumsgarten. Langfristig soll das Gebiet als zusammenhängender Kultur- und Stadtraum weiterentwickelt werden.
2025 verzeichneten die Einrichtungen des Museumsquartiers zusammen 525'876 Eintritte.[8]
Nachhaltigkeit
Das Museum verfolgt ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele. Der Energieverbrauch wurde durch technische und organisatorische Massnahmen gesenkt; die Gebäude werden ohne fossile Brennstoffe betrieben.
Beim Ausstellungsbau werden wiederverwendbare Bauteile und Materialien eingesetzt. Nach dem Abbau von Ausstellungen werden geeignete Elemente weitergegeben oder verkauft.
Das Museum beschäftigt sich ausserdem mit Barrierefreiheit, Diversität und diskriminierungskritischer Vermittlung. Ausstellungen und Programme sollen für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, Sprachen und Lebenssituationen zugänglich sein.
Besucherentwicklung
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts stiegen die Besucherzahlen deutlich. 2001 wurden erstmals mehr als 50'000 Eintritte gezählt.
Die neue Kernausstellung führte nach 2017 zu einem weiteren Wachstum. 2019 besuchten mehr als 115'000 Menschen das Museum. Nach den durch die COVID-19-Pandemie geprägten Jahren wurden neue Rekorde erreicht:
| Jahr | Besucherinnen und Besucher |
|---|---|
| 2023 | 128'491 |
| 2024 | 140'233 |
| 2025 | 131'114 |
Das Museum gehört damit zu den drei meistbesuchten Museen der Stadt Bern.[8]
Bedeutung
Das Museum für Kommunikation dokumentiert einen Bereich, der nahezu alle Teile des gesellschaftlichen Lebens betrifft. Die Sammlungen zeigen, wie technische Netze, staatliche Institutionen und private Kommunikationsformen die Entwicklung der Schweiz beeinflussten.
Seine Bestände sind zugleich Zeugnisse der Schweizer Wirtschafts-, Sozial-, Technik- und Designgeschichte. Postautos, Briefmarken, Telefonzentralen, Fotografien und Computer dokumentieren nicht nur technische Fortschritte, sondern auch Veränderungen von Arbeit, Mobilität und Alltag.
Durch die Verbindung historischer Objekte mit aktuellen Fragen unterscheidet sich das Museum von einem rein technikgeschichtlichen Haus. Die Ausstellung thematisiert auch Macht, Zugang, Vertrauen, Missverständnisse und gesellschaftliche Folgen der Kommunikation.
Siehe auch
- Schweizerische Post
- Swisscom
- Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe
- Geschichte der Schweizer Post
- Telekommunikation in der Schweiz
- Internet in der Schweiz
- Museumsquartier Bern
- Bernisches Historisches Museum
- Naturhistorisches Museum Bern
- ALPS Alpines Museum der Schweiz
- Liste der Museen in der Schweiz
Literatur
- Schweizerische PTT-Betriebe: Das neue PTT-Museum. Bern 1990.
- Museum für Kommunikation: Museum für Kommunikation Bern. Dauerausstellungen 2003–2016. Bern 2015.
- Museum für Kommunikation: Sammlungskonzept 2025. Bern 2025.
- Juri Jaquemet: Die historischen Telefonzentralen des Museums für Kommunikation. Bern.
- Schweizerische Stiftung für die Geschichte der Post und Telekommunikation: Jahresberichte des Museums für Kommunikation. Bern.
Weblinks
- Offizielle Website des Museums für Kommunikation
- Kernausstellung
- Museumssammlung
- PTT-Archiv
- Onlineportal des PTT-Archivs und der Museumssammlung
- Museumsquartier Bern
Einzelnachweise
- ↑ Museum für Kommunikation, offizielle Website, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Infos Museumssammlung, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Museumspreis des Europarats 2019, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Die Stiftung, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Geschichte des Museums für Kommunikation, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Helvetiastrasse 16, Bauinventar der Stadt Bern, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Organisation und Team, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 Jahresbericht 2025, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Unsere Sammlungsschwerpunkte, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Sammlungsdepot Schwarzenburg und Telefonzentralen, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Unser Depot mit Geschichte, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Infos PTT-Archiv, Museum für Kommunikation, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Das Museumsquartier Bern, abgerufen am 3. August 2026.