Bahnhof Schlieren

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Bahnhof Schlieren
Name Schlieren
Art Durchgangsbahnhof
Gemeinde Schlieren
Kanton Zürich
Strecke Bahnstrecke Zürich–Baden
Eröffnung 9. August 1847
Bahngesellschaft bei der Eröffnung Schweizerische Nordbahn
Heutige Eigentümerin SBB
Verkehrsverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 154
S-Bahn-Linien S11 und S12
Nachtverkehr SN1
Perrongleise 4
Bahnhofsnummer 3509
Adresse Güterstrasse 2, 8952 Schlieren
Koordinaten 47.39942° N, 8.44732° O

Der Bahnhof Schlieren ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen in der Stadt Schlieren im Bezirk Dietikon des Kantons Zürich. Er liegt an der historischen Bahnstrecke Zürich–Baden und wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient. Zusammen mit der unmittelbar benachbarten Haltestelle Schlieren, Zentrum/Bahnhof bildet er den wichtigsten Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs in Schlieren.

Der Bahnhof wurde 1847 mit der ersten vollständig auf Schweizer Gebiet verlaufenden Eisenbahnstrecke zwischen Zürich und Baden eröffnet. Die im Volksmund als Spanisch-Brötli-Bahn bezeichnete Verbindung machte Schlieren zu einer der ältesten Bahnstationen der Schweiz.[1]

Das heutige Aufnahmegebäude entstand im Wesentlichen zwischen 1919 und 1921 nach Plänen von Albert Froelich. Es integriert Teile eines kleineren Bahnhofsgebäudes von 1867 und gilt als seltener Vertreter der neoklassizistischen Bahnarchitektur im Kanton Zürich. Aufnahmegebäude, Perronüberdachung und WC-Gebäude sind im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung mit regionaler Einstufung verzeichnet.[2]

Lage

Der Bahnhof befindet sich nördlich des historischen Ortskerns von Schlieren und südlich der ehemaligen Industriegebiete entlang der Bahnstrecke. Das Aufnahmegebäude steht an der Güterstrasse parallel zu den Gleisen.

Die Bahnhofstrasse verbindet den Bahnhof mit dem Stadtplatz und der Zürcherstrasse. Östlich des Bahnhofs überquert die Engstringerstrasse die Gleisanlagen und führt in Richtung der nördlichen Stadtquartiere, der Bernstrasse und der Limmat.

Das Bahnhofsareal bildet eine räumliche Grenze zwischen dem südlich gelegenen Stadtzentrum und den früheren Industrieflächen im Norden. Personenunterführungen verbinden die beiden Seiten der Gleisanlage. Diese Querungen besitzen für den innerstädtischen Fuss- und Veloverkehr eine ebenso grosse Bedeutung wie für die Fahrgäste.

Durch die Umwandlung ehemaliger Industrieareale in Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsquartiere verlagerte sich der Bahnhof zunehmend in die geografische Mitte des besiedelten Stadtgebiets. Er entwickelte sich dadurch von einer am Rand des historischen Dorfes gelegenen Station zu einem zentralen Bestandteil der modernen Stadt Schlieren.

Bahnanlage

Der Bahnhof ist als Durchgangsbahnhof ausgebildet. Die Gleise verlaufen annähernd in Ost-West-Richtung zwischen Zürich Altstetten und Dietikon.

Für den Personenverkehr stehen vier Gleise zur Verfügung. Die Perrons sind durch Unterführungen miteinander verbunden. Das historische Aufnahmegebäude und die dazugehörige Perronüberdachung befinden sich auf der Südseite der Gleisanlage.

Die beiden äusseren Gleise und die mittleren Durchfahrtsgleise dienen dem dichten S-Bahn-, Regional-, Fern- und Güterverkehr zwischen Zürich und dem Limmattal. Nicht alle durchfahrenden Züge halten in Schlieren.

Die Bahnstrecke ist vollständig elektrifiziert und mehrgleisig ausgebaut. Sie gehört zu den stark belasteten Zufahrtsachsen des Eisenbahnknotens Zürich. Neben den haltenden S-Bahn-Zügen verkehren durch den Bahnhof zahlreiche Personenzüge in Richtung Baden, Brugg, Basel, Bern und Westschweiz sowie Güterzüge.

Personenunterführungen

Die Perrons und die beiden Seiten des Bahnhofs werden durch Personenunterführungen miteinander verbunden. Die Unterführungen ermöglichen einen kreuzungsfreien Zugang zu den Gleisen und übernehmen zugleich die Funktion einer städtischen Nord-Süd-Verbindung.

Der östliche Zugang liegt beim Bahnhofsvorplatz und dem neuen Pavillon. Die westliche Unterführung erschliesst weitere Teile des Perrons und das westliche Bahnhofsumfeld.

Mit der Entwicklung der Quartiere nördlich der Bahn nahm die Bedeutung der Unterführungen stark zu. Die Stadt Schlieren verfolgt deshalb das Ziel, die Zugänge heller, grosszügiger und für den Fuss- und Veloverkehr besser nutzbar zu gestalten.

Geschichte

Spanisch-Brötli-Bahn

Am 9. August 1847 nahm die Schweizerische Nordbahn die Eisenbahnstrecke von Zürich nach Baden in Betrieb. Sie war die erste Eisenbahnlinie, die vollständig auf dem Gebiet der heutigen Schweiz verlief.

Schlieren erhielt von Beginn an eine Station. Der erste Bahnhof lag damals ausserhalb des eigentlichen Bauerndorfs. Dieses konzentrierte sich hauptsächlich entlang der heutigen Uitikonerstrasse, Freiestrasse, Brunngasse und Sägestrasse.[3]

Das erste Stationsgebäude von 1847 war eine einfache Anlage. Nach späteren Darstellungen bestand es im Wesentlichen aus einem erweiterten Wärterhaus. Gedeckte Trottoirs sollten die wartenden Reisenden vor Niederschlag schützen.[4]

Die Bahnverbindung verkürzte die Reisezeit nach Zürich und Baden erheblich. Für Schlieren bedeutete sie den Beginn eines wirtschaftlichen und räumlichen Wandels, der die Gemeinde innerhalb weniger Jahrzehnte von einem Bauerndorf zu einem Industriestandort machte.

Zweites Aufnahmegebäude

1867 ersetzte die inzwischen zuständige Schweizerische Nordostbahn das erste Stationsgebäude durch ein grösseres Aufnahmegebäude. Der Bau entsprach einem von Friedrich Jeremias Seitz entwickelten Normtyp der Nordostbahn.

Das Gebäude besass einen standardisierten Grundriss und war für die betrieblichen Bedürfnisse einer wachsenden Station ausgelegt. Teile dieses Baus sind im Mittelteil des heutigen Aufnahmegebäudes erhalten.

Die Lage an der Eisenbahn begünstigte die Ansiedlung erster Industriebetriebe. 1868 errichtete die Leimfabrik Heinrich Glättli, aus der später das Unternehmen Geistlich hervorging, eine Fabrik beim Bahnhof. Zwischen 1894 und 1900 folgten das Gaswerk der Stadt Zürich, die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik sowie weitere Unternehmen der Maschinen-, Metall-, Bau- und Chemieindustrie.[1]

Übergang an die SBB

Mit der Verstaatlichung der Schweizerischen Nordostbahn gelangte der Bahnhof 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen.

Der zunehmende Personen- und Güterverkehr machte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Ausbau notwendig. Um 1911 wurden verschiedene Projekte zur Erweiterung der Gleisanlagen und zur Verbesserung des Zugangs diskutiert. Der Erste Weltkrieg verzögerte deren Umsetzung.

Die unzureichenden Warteräume und fehlenden gedeckten Perronflächen führten zu wiederholter Kritik aus der Bevölkerung. Zeitweise wurde vorgeschlagen, ausrangierte Personenwagen als zusätzliche Warteräume aufzustellen.[4]

Umbau von 1919 bis 1921

Zwischen 1919 und 1921 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Albert Froelich stark vergrössert. Der kleinere Bau von 1867 blieb im Zentrum des neuen Gebäudes erhalten.

Froelich entschied sich für eine strenge neoklassizistische Gestaltung. Damit unterschied sich der ausgeführte Bau von einem zuvor vorgeschlagenen Entwurf im romantischen Heimatstil. Gleichzeitig entstanden die lange Perronüberdachung und das westlich angeordnete WC-Gebäude mit Wandbrunnen.[2]

Das neue Stationsgebäude wurde 1921 eröffnet. Es spiegelte sowohl die gewachsene Bedeutung des Bahnhofs als auch den wirtschaftlichen Aufstieg Schlierens zum Industriestandort wider.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Pendlerverkehr zwischen Schlieren und Zürich stark zu. Die Bevölkerung wuchs, und neue Wohnquartiere entstanden südlich und nördlich der Bahn.

Das Bahnhofsgebäude wurde 1968 umgebaut. Weitere bauliche Massnahmen waren:

Jahr Massnahme
1968 Umbau des Aufnahmegebäudes
1989 Ersatz der Eindeckung der Perronüberdachung
2002 Umbau des Erdgeschosses und Einbau eines Reisebüros
2011 Sanierung von Innenräumen und Fenstern
2014 Umbau der WC-Anlage

Die Veränderungen wurden so vorgenommen, dass wesentliche Teile der historischen Bausubstanz erhalten blieben.[2]

S-Bahn Zürich

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 wurde der Bahnhof Schlieren in ein leistungsfähiges regionales Taktsystem eingebunden. Die S-Bahn verbesserte die Verbindungen nach Zürich und in die übrige Agglomeration deutlich.

Das Angebot wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert. Schlieren entwickelte sich zu einer wichtigen Wohngemeinde für Pendlerinnen und Pendler, die in Zürich, Baden, Dietikon oder anderen Orten des Limmattals arbeiten.

Im Fahrplanjahr 2026 bestehen tagsüber durch die Linien S11 und S12 in der Regel vier Verbindungen pro Stunde nach Zürich. Die Fahrzeit zum Zürcher Hauptbahnhof beträgt ungefähr elf Minuten.[5]

Aufnahmegebäude

Das Aufnahmegebäude ist ein dreigeschossiger Massivbau mit dreizehn mal drei Fensterachsen. Es wird von einem geknickten Walmdach abgeschlossen.

Die Fassaden sind hell verputzt und durch Kunststeinelemente horizontal gegliedert. Hochrechteckige Fenster sind streng axial angeordnet. Die drei mittleren Achsen der Längsfassaden werden durch dekorative Elemente hervorgehoben.

Der Haupteingang auf der Südseite besitzt eine monumentale, zwei Geschosse hohe Blendarchitektur aus Pilastern und einem schlichten Gebälk. Über der Eingangstür ist eine runde Uhr eingelassen, die von Akanthusranken umgeben wird. Rosetten- und Blütenmotive schmücken die Pilaster des ersten Obergeschosses.

Im Innern sind Teile der historischen Ausstattung erhalten. Dazu gehören Elemente der früheren Schalterhalle und des als Durchgang bezeichneten Erschliessungsbereichs.

Das Gebäude wurde sowohl für die Abfertigung der Reisenden als auch für den Bahnbetrieb genutzt. Es enthielt ursprünglich Wartesäle, Schalterräume und das Büro des Bahnhofvorstands. Ein später angebauter Vorbau diente dem Stellwerk.

Perronüberdachung und WC-Gebäude

Die historische Perronüberdachung erstreckt sich über eine Länge von rund 93 Metern entlang des Aufnahmegebäudes. Sie schützt den Hausperron sowie einen Zugang zur Unterführung.

Das flache Dach wird von Kunststeinsäulen getragen. Besondere konstruktionsgeschichtliche Bedeutung besitzen die bügelförmigen Hetzerbinder aus Holz. Vergleichbare Konstruktionen sind am ebenfalls von Albert Froelich gestalteten Bahnhof Brugg erhalten.

Das WC-Gebäude befindet sich unter dem westlichen Ende der Perronüberdachung. Es wurde formal an das Aufnahmegebäude angepasst. An seiner Ostseite befindet sich ein aufwendig gestalteter Wandbrunnen.

Die Rückwand des Brunnens wird von Pilastern eingefasst. Pflanzenornamente und ein Eierstabmotiv umgeben die Brunnenröhre, die in einem Delfinkopf endet.

Denkmalschutz

Der Bahnhof ist im kantonalen Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung als Objekt von regionaler Bedeutung eingetragen.

Die Schutzbegründung hebt insbesondere folgende Merkmale hervor:

  • das neoklassizistische Aufnahmegebäude als seltenen Vertreter dieser Stilrichtung in der Zürcher Bahnarchitektur;
  • die Verbindung eines standardisierten Grundrisses mit einem repräsentativen Äusseren;
  • die erhaltene Substanz des Vorgängerbaus von 1867;
  • die Fassadengestaltung und feste Innenausstattung;
  • die Perronüberdachung mit ihren historischen Hetzerbindern;
  • das WC-Gebäude mit dem kunstvoll gestalteten Wandbrunnen.

Die Aufnahme in das Inventar bedeutet eine Schutzvermutung. Bei baulichen Veränderungen muss geprüft werden, welche Teile der Anlage erhalten werden müssen.[2]

Eisenbahnverkehr

Der Bahnhof wird im fahrplanmässigen Personenverkehr hauptsächlich durch die S-Bahn Zürich bedient.

Linie Regelmässige Verbindung im Fahrplanjahr 2026 Funktion in Schlieren
S11 Aarau–Lenzburg–Dietikon–Schlieren–Zürich HB–Winterthur–Wila Verbindung nach Zürich, Lenzburg, Aarau und ins Zürcher Oberland
S12 Brugg–Baden–Dietikon–Schlieren–Zürich HB–Winterthur–Wil Verbindung nach Zürich, Baden, Brugg, Winterthur und Wil
SN1 Aarau–Dietikon–Schlieren–Zürich HB–Winterthur Nachtverbindung an Wochenenden

Die Linien S11 und S12 verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt. Da ihre Abfahrtszeiten gegeneinander versetzt sind, ergibt sich zwischen Schlieren und Zürich während eines grossen Teils des Tages ungefähr ein Viertelstundentakt.[6]

Die genauen Endpunkte einzelner Kurse können je nach Tageszeit, Baustellenlage und Fahrplanperiode abweichen. Für den aktuellen Betrieb sind deshalb die elektronischen Fahrplaninformationen massgebend.

Tram- und Busverkehr

Unmittelbar südöstlich des SBB-Bahnhofs liegt die Haltestelle Schlieren, Zentrum/Bahnhof. Sie dient als Umsteigepunkt zwischen S-Bahn, Tram, Limmattalbahn und Bus.

Im Fahrplanjahr 2026 wird der Verkehrsknoten von folgenden Linien bedient:

Linie Verkehrsmittel Verbindung
2 Tram Schlieren, Geissweid–Zürich, Klusplatz
20 Limmattalbahn Zürich Altstetten, Bahnhof–Schlieren–Dietikon–Killwangen, Bahnhof
201 Bus Schlieren, Zentrum/Bahnhof–Uitikon Waldegg, Bahnhof
302 Bus Urdorf Weihermatt, Bahnhof–Schlieren–Geroldswil, Zentrum
307 Bus Schlieren–Zürich, Bahnhof Altstetten Nord
317 Bus Schlieren, Zentrum/Bahnhof–Urdorf, Oberurdorf
N17 Nachtbus Zürich, Bahnhofstrasse/HB–Schlieren, Geissweid
N30 Nachtbus Schlieren–Geroldswil, Zentrum
N34 Nachtbus Schlieren–Oetwil an der Limmat, Zentrum

Die Haltekanten der Busse verteilen sich auf die Haltestellen Zentrum/Bahnhof, Bahnhof und Bahnhof Nord.[6]

Die Tramlinie 2 wurde im September 2019 von Zürich bis zur Wendeschleife Schlieren Geissweid verlängert. Sie nutzt im Bereich zwischen Zürich und Schlieren die Gleise der ersten Etappe der Limmattalbahn.[7]

Die vollständige Limmattalbahn zwischen Zürich Altstetten und Killwangen nahm mit dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember 2022 den Betrieb auf. Ihre Linie 20 verkehrt tagsüber im Viertelstundentakt und verbindet Schlieren mit Dietikon, Spreitenbach und Killwangen.[8]

Dienstleistungen

Im und um das Bahnhofsgebäude befinden sich verschiedene Angebote für Reisende und die Bevölkerung. Dazu gehören unter anderem:

  • ein bedientes SBB-Reisezentrum;
  • Billettautomaten;
  • ein Kiosk;
  • Gepäck- und Geldtransferdienstleistungen;
  • öffentliche Toiletten;
  • Veloabstellplätze;
  • ein Mobility-Standort;
  • Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten im Bahnhofsumfeld.

Die konkreten Dienstleistungen und Öffnungszeiten können sich verändern. Die SBB veröffentlicht die aktuellen Angaben auf ihrer Bahnhofseite.[9]

Bahnhof und Industrialisierung

Der Bahnhof war eine entscheidende Voraussetzung für die Industrialisierung Schlierens. Unternehmen fanden in der Umgebung grosse und vergleichsweise preiswerte Grundstücke sowie einen direkten Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz.

Besonders prägend war die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren. Sie entstand Ende des 19. Jahrhunderts unmittelbar nördlich der Bahnstrecke und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Schweizer Hersteller von Eisenbahnwagen, Trams, Aufzügen und Rolltreppen.

Die Fabrik beschäftigte zeitweise mehrere tausend Personen. Ein grosser Teil der Belegschaft gelangte über den Bahnhof zur Arbeit. Anschlussgleise verbanden die Produktionshallen mit dem SBB-Netz.

Nach der Schliessung der Wagonsfabrik im Jahr 1985 wurden Teile des Areals anders genutzt oder neu überbaut. Der Name der Haltestelle Schlieren, Wagonsfabrik an der Limmattalbahn erinnert weiterhin an das Unternehmen.

Auch das Gaswerk der Stadt Zürich, die Firmen Geistlich und Färbi sowie zahlreiche Maschinen-, Metall- und Chemiebetriebe profitierten von der Bahnanbindung.

Güterverkehr

Während der industriellen Hochphase besass der Güterverkehr am Bahnhof eine grosse Bedeutung. Rohstoffe, Kohle, Maschinen, Chemikalien und Fertigprodukte wurden über Anschlussgleise zu den Betrieben transportiert.

Zum Bahnhofsareal gehörten Güterschuppen, Ladeflächen, Rangiergleise und weitere betriebliche Anlagen. Die Güterstrasse auf der Südseite des Bahnhofs erinnert an diese Nutzung.

Mit dem Rückgang der traditionellen Industrie, der Verlagerung des Güterverkehrs auf zentrale Anlagen und dem Abbruch zahlreicher Anschlussgleise verlor der örtliche Güterumschlag an Bedeutung. Mehrere ehemalige Bahn- und Gewerbeflächen wurden für Wohnhäuser, Büros, Geschäfte und öffentliche Räume verwendet.

Die Hauptstrecke bleibt jedoch eine bedeutende Achse für den überregionalen Güterverkehr. Güterzüge durchfahren den Bahnhof regelmässig ohne Halt.

Entwicklung des Bahnhofareals

Seit den 1990er-Jahren veränderte sich das Umfeld des Bahnhofs grundlegend. Frühere Industrie- und Lagerflächen wurden zu neuen Stadtquartieren entwickelt.

SBB Immobilien realisierte westlich und östlich des historischen Aufnahmegebäudes mehrere Neubauten. Drei unterschiedlich gestaltete Baukörper umfassen Wohnungen, Büro-, Gewerbe-, Lager- und Verkaufsflächen. Ein gläserner Pavillon kennzeichnet den östlichen Zugang zur Personenunterführung.[10]

Der Pavillon wurde 2023 erstellt. Seine vollständig verglaste Fassade soll Transparenz schaffen und den Unterführungszugang als wichtigen Ankunftsort hervorheben.[11]

Die neuen Bauten fassen den Bahnhofsvorplatz räumlich ein. Nutzungen in den Erdgeschossen sollen das Areal beleben und die Verbindung zwischen Bahnhof, Stadtplatz und angrenzenden Quartieren stärken.

Begegnungszone

Die Stadt Schlieren gestaltete die Bahnhofstrasse und Teile der Güterstrasse zwischen 2024 und 2025 als Begegnungszone um. Grundlage war ein Volksentscheid vom 7. März 2021.

In der Begegnungszone gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Fussgängerinnen und Fussgänger besitzen grundsätzlich Vortritt. Die Gestaltung verzichtet weitgehend auf herkömmliche Randsteine und getrennte Trottoirs.

Zum Projekt gehörten:

  • ein neu gestalteter Bahnhofsvorplatz;
  • zusätzliche Bäume und Pflanzflächen;
  • Sitzgelegenheiten;
  • eine grosse Brunnenschale;
  • Flächen für Strassencafés;
  • eine Verdoppelung der Veloabstellplätze;
  • entsiegelte Flächen zur Versickerung von Regenwasser;
  • die Erneuerung unterirdischer Werkleitungen.

Die Bauarbeiten begannen im August 2024 und wurden im März 2025 abgeschlossen. Im Juni 2025 fand ein Einweihungsfest statt.[12]

Die Umgestaltung soll den Bahnhof stärker mit dem Stadtplatz verbinden, den Durchgangsverkehr reduzieren und die Aufenthaltsqualität im Stadtzentrum verbessern.

Bedeutung für die Stadtentwicklung

Der Bahnhof beeinflusste die Entwicklung Schlierens in mehreren Phasen. Im 19. Jahrhundert ermöglichte er die Ansiedlung von Industrie. Im 20. Jahrhundert förderte er das Wachstum der Wohnquartiere und den Pendlerverkehr. Seit dem frühen 21. Jahrhundert bildet er den Mittelpunkt neuer gemischter Stadtquartiere.

Die gute Erreichbarkeit des Zürcher Hauptbahnhofs macht Schlieren zu einem attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig führen die Bahnstrecke und die umfangreichen Gleisanlagen zu einer räumlichen Trennung der Stadt.

Für die weitere Stadtentwicklung sind deshalb insbesondere folgende Aufgaben von Bedeutung:

  • Verbesserung der Bahnquerungen;
  • sichere und attraktive Fuss- und Veloverbindungen;
  • Verknüpfung des Bahnhofs mit Stadtplatz und Limmattalbahn;
  • Verdichtung des Bahnhofsumfelds;
  • Schutz des historischen Aufnahmegebäudes;
  • Gestaltung hochwertiger öffentlicher Räume;
  • Bewältigung wachsender Fahrgastzahlen.

Der Bahnhof ist damit sowohl Verkehrsanlage als auch historisches Baudenkmal und zentraler Stadtraum.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Grunder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band IX: Der Bezirk Dietikon. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1997.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1976.
  • Stadt Schlieren: Jahrheft 2013. Vom Bauerndorf zur Wohnstadt? Schlieren 2013.
  • Stadt Schlieren: Jahrheft 2016. Schlieren 2016.
  • Kanton Zürich, Baudirektion: Bahnhof Schlieren. Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Zürich 2019.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ursula Fortuna: Schlieren, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 20. November 2012.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Kanton Zürich, Baudirektion, Archäologie und Denkmalpflege: Bahnhof Schlieren – Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Inventarblatt vom 13. September 2019.
  3. Stadt Schlieren: Jahrheft 2013 – Geschichtlicher Rückblick auf die Entwicklung von Schlieren, Schlieren 2013.
  4. 4,0 4,1 Stadt Schlieren: Jahrheft 2016 – Der Schlieremer Bahnhof, Schlieren 2016, S. 30–31.
  5. Stadt Schlieren: Willkommen in Schlieren, abgerufen am 2. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Schlieren, Fahrplanjahr 2026, abgerufen am 2. August 2026.
  7. Verkehrsbetriebe Zürich: Fahrzeugeinsatz ab Eröffnung der Tramlinie 2 nach Schlieren, Medienmitteilung vom 15. November 2018.
  8. Aargau Verkehr: Fahrplan Linie 20 Zürich Altstetten–Killwangen, Fahrplanjahr 2026, Stand 1. Oktober 2025.
  9. Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Schlieren, abgerufen am 2. August 2026.
  10. SBB Immobilien: Zürich Schlieren – Am Bahnhof Schlieren, abgerufen am 2. August 2026.
  11. Eyrise: Pavilion Schlieren, abgerufen am 2. August 2026.
  12. Stadt Schlieren: Begegnungszone Bereich Bahnhof 2021–2025, abgerufen am 2. August 2026.

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