Interlaken
| Interlaken | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Bern |
| Verwaltungskreis | Interlaken-Oberhasli |
| Region | Berner Oberland |
| Gemeindenummer | 0581 |
| Postleitzahl | 3800 |
| Koordinaten | 46° 41′ N, 7° 52′ O |
| Höhe | 568 m ü. M. |
| Fläche | 4,32 km² |
| Bevölkerung | 6'291 Einwohnerinnen und Einwohner Stand: 1. Januar 2026 |
| Amtssprache | Deutsch |
| Website | interlaken-gemeinde.ch |
Interlaken ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli des Kantons Bern. Der Ort liegt im Berner Oberland auf dem Bödeli zwischen dem Thunersee und dem Brienzersee. Zusammen mit den politisch selbstständigen Nachbargemeinden Unterseen und Matten bei Interlaken bildet Interlaken einen zusammenhängenden Siedlungsraum mit rund 16'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Interlaken gehört zu den bekanntesten Tourismusorten der Schweiz. Die Gemeinde ist ein international bedeutender Ausgangspunkt für Reisen in die Jungfrau-Region, nach Grindelwald, Lauterbrunnen, Wengen, Mürren und zum Jungfraujoch. Auch der Thunersee, der Brienzersee und die umliegenden Berge prägen die touristische Bedeutung des Ortes.
Mit den Bahnhöfen Interlaken West und Interlaken Ost besitzt Interlaken eine zentrale Verkehrsfunktion im Berner Oberland. Die Gemeinde ist zudem ein regionales Zentrum für Hotellerie, Gastronomie, Handel, Bildung, Verwaltung, Kultur und Kongresswesen.
Geographie
Lage
Interlaken liegt auf etwa 568 m ü. M. im flachen Talboden zwischen Thunersee und Brienzersee. Diese Schwemmebene wird als Bödeli bezeichnet. Sie entstand hauptsächlich durch Ablagerungen der Lütschine, welche im Verlauf der Jahrtausende Geschiebe aus den südlich gelegenen Alpentälern herantransportierte.
Die Aare fliesst vom Brienzersee durch das Gemeindegebiet in Richtung Thunersee. Im Siedlungsraum ist sie teilweise kanalisiert und wird von mehreren Brücken überspannt. Der Fluss bildet an verschiedenen Stellen die Grenze zwischen Interlaken und Unterseen.
Nördlich des Ortes erhebt sich der zum Emmentaler Alpenraum gehörende Harder. Die Gemeinde besitzt einen Anteil am bewaldeten Südhang des Berges. Der Aussichtspunkt Harder Kulm auf 1322 m ü. M. ist mit der Harderbahn erreichbar. Im Süden öffnet sich der Blick über Matten in Richtung der Bergkette von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Nachbargemeinden von Interlaken sind Bönigen, Därligen, Matten bei Interlaken, Ringgenberg und Unterseen.
Bödeli und Siedlungsraum
Der Name Bödeli bezeichnet den weitgehend ebenen Raum zwischen den beiden Seen. Zu diesem Siedlungsgebiet gehören hauptsächlich Interlaken, Unterseen, Matten und Teile der angrenzenden Gemeinden. Die politischen Gemeindegrenzen sind im dicht bebauten Gebiet teilweise kaum wahrnehmbar.
Interlaken besitzt kein ausgeprägtes mittelalterliches Stadtzentrum. Das heutige Ortsbild entwickelte sich aus mehreren Siedlungskernen, darunter Aarmühle, der ehemalige Klosterbezirk und die Gebiete entlang des Höhewegs. Die touristische Entwicklung des 19. Jahrhunderts führte zur Errichtung zahlreicher Hotels, Villen, Parkanlagen und Geschäftshäuser.
Die wichtigste städtebauliche Achse ist der Höheweg, der den Bereich des Bahnhofs Interlaken West mit dem ehemaligen Klosterbezirk und dem Bahnhof Interlaken Ost verbindet. Entlang dieser Strasse befinden sich Hotels, Geschäfte, Restaurants, der Kursaal und die grosse Freifläche der Höhematte.
Höhematte
Die Höhematte ist eine zentrale Grünfläche im Ortskern. Sie wurde von der dichten Bebauung freigehalten und ermöglicht einen weitgehend ungehinderten Blick auf die Jungfrau. Die Wiese gehört zu den charakteristischen Bestandteilen des Ortsbilds.
Heute dient die Höhematte als Erholungsraum und Veranstaltungsfläche. Sie wird zudem häufig als Landeplatz für Gleitschirmflieger genutzt. Die Verbindung aus offener Landschaft, historischen Hotelbauten und Hochgebirgspanorama prägt das international bekannte Erscheinungsbild Interlakens.
Klima
Interlaken besitzt ein feuchtes, durch die Lage am Alpennordrand beeinflusstes Klima. Die Sommer sind meist mild bis warm, während die Winter im Talboden vergleichsweise gemässigt, aber niederschlagsreich sein können. Niederschläge fallen während des ganzen Jahres.
Die Seen wirken temperaturausgleichend. Gleichzeitig können Staulagen an den Alpen zu länger andauernden Niederschlägen führen. Bei starkem Regen und hoher Wasserführung besteht auf dem Bödeli ein erhöhtes Hochwasserrisiko.
Der Klimawandel zeigt sich in der Region unter anderem durch steigende Durchschnittstemperaturen, häufigere Hitzeperioden, Veränderungen der Schneesicherheit und zunehmende Risiken durch Starkniederschläge. Die Gemeinde verabschiedete 2026 eine Klimastrategie mit Zielen und Massnahmen in den Bereichen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.[1]
Name
Der Name Interlaken geht auf die lateinische Bezeichnung «inter lacus» zurück, die «zwischen den Seen» bedeutet. Sie bezog sich ursprünglich auf das mittelalterliche Kloster Interlaken. In einer Urkunde aus dem Jahr 1133 erscheint die Bezeichnung «inter lacus Madon».
Das Gebiet der heutigen politischen Gemeinde hiess bis zum Ende des 19. Jahrhunderts offiziell Aarmühle. Der Name bezog sich auf eine Mühle an der Aare, die 1365 als «Amuli» erwähnt wurde. Im Alltag, im Fremdenverkehr, bei der Post und für die Bahnhöfe wurde jedoch zunehmend der bekanntere Name Interlaken verwendet.
Am 5. Dezember 1891 genehmigte der Regierungsrat des Kantons Bern die Umbenennung der Einwohnergemeinde Aarmühle in Interlaken.[2] Der Name der heutigen Gemeinde ist somit vergleichsweise jung, obwohl die Bezeichnung Interlaken bereits seit dem Mittelalter belegt ist.[3]
Im örtlichen Berndeutsch wird der Name gewöhnlich als «Interlake» ausgesprochen.
Geschichte
Frühgeschichte
Im Gemeindegebiet wurden einzelne Feuersteingeräte aus der Jungsteinzeit oder frühen Bronzezeit, ein Bronzeschwert und römische Münzen gefunden. Diese Funde weisen auf die Anwesenheit von Menschen hin, erlauben jedoch keine eindeutigen Aussagen über eine dauerhafte vorgeschichtliche oder römische Siedlung.
Die dauerhaft fassbare Siedlungsentwicklung begann im Mittelalter und war eng mit dem Kloster Interlaken verbunden.
Kloster Interlaken
Das Augustiner-Chorherrenstift Interlaken wurde vermutlich im frühen 12. Jahrhundert gegründet. 1133 nahm Kaiser Lothar III. das Kloster unter seinen Schutz. Es lag auf Reichsgebiet am linken Ufer der Aare und kontrollierte einen wichtigen Übergang zwischen dem unteren und dem oberen Teil des Berner Oberlands.
Das Kloster entwickelte sich zu einem bedeutenden geistlichen und wirtschaftlichen Zentrum. Es besass umfangreiche Ländereien, Alpen, Wälder, Fischereirechte und kirchliche Rechte in verschiedenen Teilen des Berner Oberlands. Zeitweise bestand neben dem Männerkonvent auch eine grosse Frauengemeinschaft.
In der Umgebung des Klosters entstanden mehrere Siedlungen. Am linken Aareufer entwickelte sich Aarmühle, während am rechten Ufer das 1239 als «villa Inderlappen» erwähnte Dorf Interlaken lag. In unmittelbarer Nähe wurde um 1279 oder 1280 die Stadt Unterseen gegründet.
Während des Spätmittelalters verlor das Kloster zunehmend an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Im Zuge der Reformation wurde es 1528 durch die Stadt und Republik Bern aufgehoben. Der Klosterbesitz ging an Bern über.
Bernische Landvogtei
Nach der Aufhebung des Klosters richtete Bern die Landvogtei Interlaken ein. Die ehemaligen Klostergebäude wurden zum Amtssitz des bernischen Landvogts umgestaltet. Aus diesem Verwaltungssitz entwickelte sich das heutige Schloss Interlaken.
Die Landvogtei umfasste grosse Teile des Berner Oberlands. Interlaken blieb damit ein regionaler Verwaltungsort, obwohl Unterseen lange das bedeutendere Markt- und Gewerbezentrum auf dem Bödeli war.
Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Landwirtschaft, Viehzucht, Handwerk, Mühlenbetrieb und regionalem Handel. Die Aare war zugleich Verkehrsweg, Energiequelle und wiederkehrende Ursache von Überschwemmungen.
Entstehung der politischen Gemeinde
In den Jahren 1837 und 1838 trennte sich Aarmühle von Matten und wurde eine selbstständige politische Gemeinde. Sie umfasste das Dorf Aarmühle, den ehemaligen Kloster- und Landvogteibezirk sowie Teile des Aarelaufs.
Das historische Dorf Interlaken am rechten Aareufer wurde dagegen Bestandteil der Gemeinde Unterseen. Die heutige Gemeinde Interlaken trägt somit den Namen einer älteren Siedlung, die ursprünglich überwiegend ausserhalb ihres späteren Gemeindegebiets lag.
1891 wurde Aarmühle offiziell in Interlaken umbenannt. Ausschlaggebend war vor allem die Tatsache, dass der Name Interlaken im internationalen Reiseverkehr bereits wesentlich bekannter war.[2]
Aufstieg des Tourismus
Der Aufstieg Interlakens zum Fremdenverkehrsort begann um 1800. Reisende, Schriftsteller und Künstler entdeckten das Berner Oberland als Landschafts- und Naturraum. Die Alpen wurden nun nicht mehr nur als bedrohlich und unzugänglich, sondern zunehmend als erhaben, malerisch und gesundheitsfördernd wahrgenommen.
Der Berner Maler Franz Niklaus König trug mit seinen Landschaftsdarstellungen zur Bekanntheit der Region bei. Auch die Unspunnenfeste von 1805 und 1808 lenkten internationale Aufmerksamkeit auf Interlaken und das Berner Oberland.
Zu den frühen Gästen gehörten Angehörige des europäischen Adels, wohlhabende Bürger, Künstler und Schriftsteller. Johann Wolfgang von Goethe besuchte die Region bereits 1779, Lord Byron hielt sich 1816 am Genfersee und im Berner Oberland auf.
Ab etwa 1820 entstanden Pensionen, Gasthäuser und grössere Hotels. Interlaken entwickelte sich zu einem Kurort, in dem Molkenkuren, Spaziergänge, Bergluft und gesellschaftliche Veranstaltungen angeboten wurden. 1859 nahm der Kursaal seinen Betrieb auf.[4]
Dampfschiffe und Eisenbahn
Die Verbesserung der Verkehrsverbindungen beschleunigte die touristische Entwicklung. Ab 1835 verkehrten Dampfschiffe von Thun zum Hafen Neuhaus bei Unterseen. 1839 wurde auch auf dem Brienzersee eine Dampfschiffverbindung eingerichtet.
1872 eröffnete die Bödelibahn die Strecke von Därligen nach Interlaken. Zwei Jahre später wurde sie bis Bönigen verlängert. Die Bahn verband zunächst vor allem die Schifffahrt auf dem Thunersee mit jener auf dem Brienzersee.
Mit der Eröffnung der Thunerseebahn 1893 erhielt Interlaken einen direkten Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Die Brünigbahn verband ab 1888 Luzern mit Brienz; 1916 wurde die durchgehende Bahnverbindung bis Interlaken hergestellt.
Gleichzeitig entstanden Berg- und Ausflugsbahnen in der Umgebung. Sie erschlossen Lauterbrunnen, Grindelwald, die Schynige Platte, die Kleine Scheidegg und schliesslich das Jungfraujoch. Interlaken wurde dadurch zum wichtigsten Verkehrsknoten des östlichen Berner Oberlands.
Belle Époque
Zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem Beginn des Ersten Weltkriegs erlebte Interlaken seine erste grosse touristische Blütezeit. Entlang des Höhewegs entstanden repräsentative Grandhotels, Parkanlagen, Villen und Geschäftshäuser.
Die Hotels beschäftigten zahlreiche Arbeitskräfte und zogen Gäste aus Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und weiteren Ländern an. Neben dem Bergtourismus spielten gesellschaftliche Veranstaltungen, Konzerte, Kuren und längere Sommeraufenthalte eine wichtige Rolle.
Der Erste Weltkrieg führte zu einem weitgehenden Zusammenbruch des internationalen Reiseverkehrs. Mehrere Hotels mussten schliessen oder wurden vorübergehend anders genutzt. In der Zwischenkriegszeit erholte sich der Tourismus nur teilweise. Der Zweite Weltkrieg brachte einen erneuten starken Rückgang.
Entwicklung nach 1945
Ab den 1950er-Jahren setzte eine neue Wachstumsphase ein. Interlaken wurde als Ferien-, Kongress- und Ausflugsort positioniert. Der Ausbau des Strassenverkehrs, steigender Wohlstand und bezahlte Ferien ermöglichten breiteren Bevölkerungsschichten Reisen ins Berner Oberland.
Neben klassischen Hotelgästen gewannen Gruppenreisen, Tagestourismus und internationale Rundreisen an Bedeutung. Seit dem späten 20. Jahrhundert entwickelte sich Interlaken zudem zu einem Zentrum für Abenteuer- und Outdoorsportarten.
Filme des indischen Regisseurs Yash Chopra machten Interlaken und die Jungfrau-Region in Indien und weiteren Teilen Südasiens besonders bekannt. Die Gemeinde ernannte Chopra 2010 zu ihrem ersten «Botschafter von Interlaken». Seither gehört der südasiatische Reisemarkt zu den sichtbarsten Bestandteilen des örtlichen Tourismus.
Bevölkerung
Interlaken hatte am 1. Januar 2026 insgesamt 6'291 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Ausländeranteil betrug 38,67 Prozent. Zusammen mit Matten und Unterseen zählt der zusammenhängende Siedlungsraum ungefähr 16'000 Einwohnerinnen und Einwohner.[5]
Die Bevölkerungsentwicklung wurde seit dem 19. Jahrhundert wesentlich durch den Tourismus, den Ausbau des Verkehrs und die Funktion Interlakens als regionales Dienstleistungszentrum bestimmt.
| Jahr | Einwohnerinnen und Einwohner |
|---|---|
| 1764 | 397 |
| 1850 | 1'054 |
| 1900 | 2'962 |
| 1950 | 4'368 |
| 2000 | 5'119 |
| 2026 | 6'291 |
Die Angaben bis 2000 stammen aus dem Historischen Lexikon der Schweiz, der Wert für 2026 aus der Statistik der Einwohnergemeinde.[4][5]
Sprache
Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine örtliche Form des Berndeutschen gesprochen. Durch die internationale Bevölkerung und den Tourismus sind auch Englisch, Französisch, Italienisch und zahlreiche weitere Sprachen verbreitet.
In Hotels, Gastronomiebetrieben, Reisebüros und Geschäften werden Dienstleistungen häufig mehrsprachig angeboten. Die sprachliche Vielfalt gehört zu den auffälligen Merkmalen des heutigen Interlaken.
Politik und Verwaltung
Die Legislative der Einwohnergemeinde ist der Grosse Gemeinderat mit 30 Mitgliedern. Die Exekutive bildet der siebenköpfige Gemeinderat. Das Gemeindepräsidium ist Bestandteil des Gemeinderats.
Anders als viele kleinere Gemeinden des Kantons Bern besitzt Interlaken keine Gemeindeversammlung. Die Stimmberechtigten entscheiden jedoch weiterhin über kommunale Wahlen und Abstimmungsvorlagen. Die Mitglieder der politischen Behörden üben ihre Ämter nebenamtlich aus.[5]
Neben der Einwohnergemeinde besteht die Burgergemeinde Interlaken. Sie verwaltet ihr eigenes Vermögen und nimmt die ihr durch das kantonale und kommunale Recht übertragenen Aufgaben wahr.
Interlaken ist ein wichtiger Verwaltungsstandort des Verwaltungskreises Interlaken-Oberhasli. Verschiedene kommunale und regionale Aufgaben werden gemeinsam mit Unterseen, Matten und weiteren Gemeinden des Bödelis organisiert.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt auf silbernem Grund einen wachsenden schwarzen Steinbock mit roter Zunge. Der Steinbock ist ein in der Heraldik des Alpenraums häufig verwendetes Tier und verweist auf die Lage Interlakens im Berner Oberland.
Wirtschaft
Tourismus
Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig Interlakens. Er prägt die Hotellerie, Gastronomie, den Detailhandel, die Transportbetriebe, Reiseveranstalter und einen grossen Teil des Dienstleistungssektors.
Interlaken ist weniger ein klassischer Bergferienort als vielmehr ein zentral gelegener Ausgangspunkt für eine ganze Tourismusregion. Von hier aus erreichen Reisende die Täler von Grindelwald und Lauterbrunnen, die Wintersportorte Wengen und Mürren sowie die Ausflugsziele Jungfraujoch, Schynige Platte und Harder Kulm.
Auch die Schifffahrt auf dem Thunersee und dem Brienzersee spielt eine wichtige Rolle. Weitere Ausflugsziele sind die St. Beatus-Höhlen, der Giessbachfall, das Freilichtmuseum Ballenberg, Brienz, Spiez und Thun.
Interlaken ist ausserdem für Abenteuer- und Outdoorsport bekannt. Angeboten werden unter anderem Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen, Canyoning, River-Rafting, Kajakfahren, Klettern, Wandern und Mountainbiken. Im Winter dient der Ort vielen Gästen als Ausgangspunkt für die Skigebiete der Jungfrau-Region.
Die starke touristische Nachfrage schafft Arbeitsplätze und internationale Verbindungen, führt aber auch zu Herausforderungen. Dazu gehören saisonale Schwankungen, Verkehrsbelastung, hoher Flächenverbrauch, steigende Wohnkosten und die grosse Abhängigkeit von internationalen Reisemärkten.
Kongress- und Veranstaltungswesen
Mit dem Congress Centre Kursaal Interlaken verfügt die Gemeinde über ein bedeutendes Kongress- und Veranstaltungszentrum. Dort finden Tagungen, Konzerte, kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen und gesellschaftliche Anlässe statt.
Das Kongresswesen wurde besonders nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut. Es sollte die touristische Saison verlängern und die Abhängigkeit vom klassischen Sommerreiseverkehr verringern.
Handel und Dienstleistungen
Interlaken erfüllt für das östliche Berner Oberland wichtige Zentrumsfunktionen. Die Gemeinde verfügt über zahlreiche Geschäfte, Banken, Versicherungen, Restaurants, Bildungsangebote und Verwaltungsstellen.
Der Detailhandel konzentriert sich vor allem entlang der Bahnhofstrasse, der Centralstrasse, der Marktgasse und des Höhewegs. Ein Teil des Angebots richtet sich stark an internationale Gäste, während andere Betriebe der Versorgung der einheimischen Bevölkerung und der umliegenden Gemeinden dienen.
Industrie und Landwirtschaft besitzen innerhalb der kleinen und dicht bebauten Gemeinde nur eine geringe Bedeutung. Im sekundären Sektor sind vor allem Bauunternehmen, Werkstätten und kleinere Produktionsbetriebe tätig.
Verkehr
Eisenbahn
Interlaken verfügt mit Interlaken West und Interlaken Ost über zwei Bahnhöfe. Beide liegen an der normalspurigen Bahnstrecke von Spiez nach Interlaken.
Von Interlaken bestehen direkte oder regelmässige Bahnverbindungen über Spiez und Thun nach Bern, Basel, Zürich und in weitere Teile der Schweiz. Einzelne internationale Fernverkehrszüge verbinden Interlaken mit ausländischen Städten.
Der Bahnhof Interlaken Ost ist der wichtigste Umsteigeknoten der Region. Hier beginnen die meterspurige Brünigbahn der Zentralbahn nach Brienz, Meiringen und Luzern sowie die Strecken der Berner Oberland-Bahnen nach Grindelwald und Lauterbrunnen.
Über Grindelwald oder Lauterbrunnen, Kleine Scheidegg und den Eiger Express bestehen Anschlüsse zum Jungfraujoch. Damit bildet Interlaken Ost eines der wichtigsten Eingangstore zum öffentlichen Verkehr der Jungfrau-Region.
Schifffahrt
Die Kursschiffe auf dem Thunersee und dem Brienzersee werden von der BLS Schifffahrt betrieben. Die Schiffe des Thunersees erreichen Interlaken West über den schiffbaren Aarekanal. Die Anlegestelle für den Brienzersee befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Interlaken Ost.
Die Kombination von Bahn und Schiff war für die touristische Entwicklung Interlakens von grosser historischer Bedeutung und ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil des regionalen Verkehrsangebots.
Strassenverkehr
Interlaken wird durch die Autobahn A8 erschlossen. Nach Westen führt sie über Spiez in Richtung Thun und Bern. Nach Osten verläuft sie entlang des Brienzersees über Brienz und Meiringen in Richtung Brünigpass und Zentralschweiz.
Die Autobahnumfahrung entlastet den Ortskern vom Durchgangsverkehr. Aufgrund des hohen Gästeaufkommens, des Ausflugsverkehrs und der begrenzten Fläche bleibt die Verkehrsbelastung dennoch ein wichtiges kommunalpolitisches Thema.
Regionale Buslinien verbinden Interlaken mit Unterseen, Matten, Wilderswil, Bönigen, Ringgenberg, Beatenberg und weiteren Ortschaften. Innerhalb des zusammengewachsenen Siedlungsraums übernehmen sie eine wichtige Funktion im Alltags- und Tourismusverkehr.
Flugplatz
Südlich von Interlaken befindet sich auf dem Gebiet von Matten und Wilderswil der ehemalige Militärflugplatz Interlaken. Das Gelände wird heute unter anderem für Veranstaltungen, Fallschirmsport und weitere Freizeitnutzungen verwendet. Es gehört nicht zur politischen Gemeinde Interlaken, wird touristisch jedoch häufig mit dem Ort in Verbindung gebracht.
Bildung
Interlaken verfügt über Kindergärten sowie Schulen der Primar- und Sekundarstufe. Von regionaler Bedeutung sind das Gymnasium Interlaken und das Bildungszentrum Interlaken, das Angebote in der Berufsbildung und Weiterbildung bereitstellt.
Das Bildungsangebot wird teilweise gemeindeübergreifend organisiert. Wegen der engen räumlichen Verflechtung nutzen Schülerinnen und Schüler aus Interlaken, Matten, Unterseen und weiteren Gemeinden gemeinsame oder regional koordinierte Einrichtungen.
Sehenswürdigkeiten
Ehemaliges Kloster und Schloss
Der ehemalige Klosterbezirk gehört zu den historisch bedeutendsten Bereichen Interlakens. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1528 wurden die Gebäude zum bernischen Verwaltungssitz umgebaut.
Zum Ensemble gehören das Schloss Interlaken, die Schlosskirche und weitere ehemalige Kloster- und Verwaltungsgebäude. Die Anlage erinnert an die mittelalterliche und frühneuzeitliche Bedeutung Interlakens als geistliches und administratives Zentrum.
Schlosskirche
Die reformierte Schlosskirche steht an der Stelle der früheren Klosterkirche. Der Bau wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Kirche und Schloss bilden gemeinsam eines der wichtigsten historischen Bauensembles des Ortes.
Unmittelbar daneben befindet sich die katholische Heiliggeistkirche. Das Nebeneinander der beiden Kirchen prägt den östlichen Bereich des Höhewegs.
Höheweg und Grandhotels
Der Höheweg ist die bekannteste Strasse Interlakens. Er wird von Hotels, Geschäften, Parkanlagen und öffentlichen Gebäuden gesäumt. Mehrere Bauten erinnern an die touristische Blütezeit der Belle Époque.
Zu den bekanntesten historischen Hotelanlagen gehört das Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa. Die repräsentativen Gebäude entlang des Höhewegs dokumentieren den Wandel Interlakens vom ländlichen Ort zum internationalen Tourismuszentrum.
Kursaal
Der Kursaal geht auf den 1859 eröffneten Kurbetrieb zurück. Die heutige Anlage verbindet historische Architektur mit modernen Kongress- und Veranstaltungssälen. Sie wird für Konzerte, Tagungen, Ausstellungen und gesellschaftliche Anlässe genutzt.
Zum Areal gehören Gartenanlagen und ein Casino. Der Kursaal ist sowohl ein touristisches Wahrzeichen als auch ein bedeutender Veranstaltungsort des Berner Oberlands.
Japanischer Garten
In der Nähe des ehemaligen Klosterbezirks befindet sich ein japanischer Garten. Er entstand als Zeichen der Freundschaft zwischen Interlaken und der japanischen Partnerstadt Ōtsu. Der Garten umfasst Wasserflächen, Steine, Pflanzen und Gestaltungselemente nach japanischem Vorbild.
Harder Kulm
Der Harder Kulm ist ein Aussichtspunkt oberhalb von Interlaken. Von dort reicht der Blick über das Bödeli, den Thunersee, den Brienzersee und die Bergkette von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Die 1908 eröffnete Harderbahn führt von einer Talstation nahe dem Bahnhof Interlaken Ost auf den Berg. Obwohl der Gipfelbereich ausserhalb des dicht bebauten Ortszentrums liegt, gilt der Harder als Hausberg Interlakens.
Kultur und Veranstaltungen
Interlaken besitzt ein vielfältiges Kulturangebot, das sich sowohl an die einheimische Bevölkerung als auch an Gäste richtet. Veranstaltungsorte sind unter anderem der Kursaal, das Kunsthaus Interlaken, die Schlosskirche und verschiedene Hotels.
Das Musikfestival Interlaken Classics knüpft an die lange Tradition Interlakens als Treffpunkt von Musikerinnen, Musikern und internationalem Publikum an. Das Programm umfasst klassische Konzerte, Nachwuchsförderung und Meisterkurse.
Das Unspunnenfest wird in unregelmässigen Abständen in der Region Interlaken veranstaltet. Es verbindet Schwingen, Steinstossen, Trachten, Volksmusik und weitere Elemente des schweizerischen Brauchtums. Die ersten Feste von 1805 und 1808 waren für die frühe touristische Bekanntheit der Region von grosser Bedeutung.
Die Tellspiele Interlaken werden auf einer Freilichtbühne in der Nachbargemeinde Matten aufgeführt. Sie basieren auf Friedrich Schillers Drama «Wilhelm Tell» und gehören seit dem frühen 20. Jahrhundert zum kulturellen Angebot der Region.
Zu den regionalen Winterbräuchen gehört die Harder-Potschete. Dabei ziehen maskierte Gestalten und Trychler durch Interlaken und Unterseen.
Sport und Freizeit
Interlaken besitzt Sportanlagen, Hallen, Schwimmbäder und ein dichtes Netz von Spazier- und Wanderwegen. Die Aareufer, die Höhematte und die angrenzenden Wälder dienen als Naherholungsräume.
Die Umgebung bietet Möglichkeiten zum Wandern, Bergsteigen, Klettern, Velofahren, Wintersport und Wassersport. Auf dem Thunersee und dem Brienzersee werden Segeln, Windsurfen, Kajakfahren und Stand-up-Paddling betrieben.
Interlaken gilt international als bedeutendes Zentrum des Gleitschirmfliegens. Die Starts erfolgen meist an Hängen oberhalb des Bödelis, während die Landungen häufig auf der Höhematte stattfinden.
Internationale Beziehungen
Interlaken unterhält Städtepartnerschaften mit:
| Stadt | Land | Beginn der Partnerschaft |
|---|---|---|
| Ōtsu | Japan | 1978 |
| Třeboň | Tschechien | 1994 |
| Scottsdale | Vereinigte Staaten | 1999 |
| Huangshan | Volksrepublik China | 2008 |
Mit Zeuthen in Deutschland besteht seit 2009 eine Städtefreundschaft.[6]
Persönlichkeiten
In Interlaken geboren
- Hans Schaffner (1908–2004), Politiker und Bundesrat
- Dölf Reist (1921–2000), Bergsteiger und Fotograf
- Polo Hofer (1945–2017), Mundartrockmusiker
- Elisabeth Glauser (* 1943), Opernsängerin und Gesangspädagogin
- Walter Balmer (1948–2010), Fussballspieler
- Kilian Moser (* 1988), Radrennfahrer
Mit Interlaken verbunden
- Franz Niklaus König (1765–1832), Maler und Mitinitiator der frühen Unspunnenfeste
- Adrian Frutiger (1928–2015), Schriftgestalter; absolvierte in Interlaken eine Schriftsetzerlehre
- Yash Chopra (1932–2012), indischer Filmregisseur und erster «Botschafter von Interlaken»
- Zakhar Bron (* 1947), Violinist und Musikpädagoge; Gründer einer Musikakademie in Interlaken
Siehe auch
- Berner Oberland
- Bödeli
- Jungfrau-Region
- Kloster Interlaken
- Unterseen
- Matten bei Interlaken
- Thunersee
- Brienzersee
- Liste der Gemeinden des Kantons Bern
Literatur
- Anne-Marie Dubler: Interlaken (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 1. November 2007.
- Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen: Die Rechtsquellen des Kantons Bern. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft. Band 6: Das Recht der Ämter Interlaken und Unterseen. Aarau 1957.
- Peter Michel: Interlaken. Geschichte einer Gemeinde. Interlaken 1991.
- Toni P. Labhart: Geologie der Schweiz. Ott Verlag, Thun 1992.
Weblinks
- Offizielle Website der Einwohnergemeinde Interlaken
- Offizielle Website der Ferienregion Interlaken
- Interlaken im Historischen Lexikon der Schweiz
- Jungfrau Railways und Jungfrau-Region
- BLS Schifffahrt auf dem Thunersee und Brienzersee
Einzelnachweise
- ↑ Einwohnergemeinde Interlaken: Klimastrategie, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Einwohnergemeinde Interlaken: Geschichte, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Schweizerisches Nationalmuseum: Die Erfindung von Interlaken, 8. Mai 2024.
- ↑ 4,0 4,1 Anne-Marie Dubler: «Interlaken (Gemeinde)», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 1. November 2007.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Einwohnergemeinde Interlaken: Zahlen und Fakten, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Einwohnergemeinde Interlaken: Sister-Cities, abgerufen am 22. Juli 2026.