Forum Schweizer Geschichte Schwyz

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 30. Juli 2026, 20:46 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:315px; margin:0 0 1em 1em;" ! colspan="2" | Forum Schweizer Geschichte Schwyz |- | colspan="2" style="text-align:center;" | 300px|Forum Schweizer Geschichte Schwyz |- | Art | Historisches und kulturgeschichtliches Museum |- | Ort | Schwyz |- | Eröffnung | 1995 |- | Trägerschaft | Schweizerisches Nationalmuseum |- | Museumsgebäude | Ehemaliges…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Forum Schweizer Geschichte Schwyz
Forum Schweizer Geschichte Schwyz
Art Historisches und kulturgeschichtliches Museum
Ort Schwyz
Eröffnung 1995
Trägerschaft Schweizerisches Nationalmuseum
Museumsgebäude Ehemaliges Korn- und Zeughaus
Baujahr 1711
Dauerausstellung «Entstehung Schweiz. Unterwegs vom 12. ins 14. Jahrhundert»
Adresse Zeughausstrasse 5, 6430 Schwyz
Website forumschwyz.ch

Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz ist ein historisches Museum in Schwyz und der Zentralschweizer Standort des Schweizerischen Nationalmuseums. Es befindet sich in einem 1711 errichteten barocken Korn- und Zeughaus im Zentrum von Schwyz. Das Museum wurde 1995 eröffnet und verbindet ein historisches Gebäude mit einer zeitgenössischen Ausstellungsarchitektur.[1]

Im Mittelpunkt steht die permanente Ausstellung «Entstehung Schweiz. Unterwegs vom 12. ins 14. Jahrhundert». Sie behandelt die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung der Alten Eidgenossenschaft. Anstelle einer ausschliesslich auf die traditionellen Gründungslegenden ausgerichteten Erzählung zeigt das Museum die frühe Schweizer Geschichte im grösseren Zusammenhang des mittelalterlichen Mitteleuropas und des Alpenraums.[2]

Neben der Dauerausstellung präsentiert das Forum regelmässig wechselnde Ausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen. Führungen, Veranstaltungen, Angebote für Schulen, digitale Medien und familienorientierte Programme ergänzen den Museumsbetrieb. Das Forum versteht sich dadurch nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Begegnungs- und Diskussionsraum für Fragen zur Geschichte und Identität der Schweiz.

Lage

Das Museum befindet sich an der Hofmatt im Zentrum von Schwyz. In seiner unmittelbaren Umgebung liegen mehrere für die Geschichte des Ortes und der Eidgenossenschaft bedeutende Einrichtungen und Bauwerke. Dazu gehören das Bundesbriefmuseum, das Ital-Reding-Haus, das Haus Bethlehem, das Rathaus von Schwyz und die Pfarrkirche St. Martin.

Die Lage des Forums ist eng mit der historischen Bedeutung von Schwyz verbunden. Der Ort war eines der drei Länder der frühen Eidgenossenschaft und gab später sowohl dem Kanton Schwyz als auch der Schweiz ihren Namen. Dadurch befindet sich das Museum in einer Region, die in der traditionellen Erinnerungskultur eine zentrale Stellung einnimmt.

Während das Bundesbriefmuseum vor allem historische Bündnisurkunden, Banner und die Wirkungsgeschichte des Bundesbriefs von 1291 behandelt, richtet das Forum seinen Blick stärker auf die allgemeinen Bedingungen, unter denen im Mittelalter neue politische Bündnisse und kommunale Organisationsformen entstanden. Beide Museen ergänzen sich deshalb in ihrer Darstellung der frühen Schweizer Geschichte.

Museumsgebäude

Korn- und Zeughaus

Das Gebäude wurde 1711 als Korn- und Zeughaus errichtet. Es diente zunächst der Lagerung von Getreide und später auch der Aufbewahrung von Waffen, militärischer Ausrüstung und anderem Verteidigungsmaterial.[1]

Solche Speicher- und Zeughäuser waren für frühneuzeitliche Gemeinwesen von grosser Bedeutung. Getreidevorräte sollten die Versorgung der Bevölkerung in Zeiten schlechter Ernten, unterbrochener Handelswege oder militärischer Krisen sichern. Die Lagerung von Waffen und Ausrüstungsgegenständen war Teil der militärischen Organisation des Landes Schwyz.

Der langgestreckte Bau besitzt massive Mauern, ein steiles Dach und vergleichsweise kleine Fensteröffnungen. Sein äusseres Erscheinungsbild erinnert weiterhin an die ursprüngliche Funktion als Speicher. Die weissen Fassaden, die roten Fensterläden und die grossflächige Dachkonstruktion machen das Gebäude zu einem markanten Bestandteil des Schwyzer Ortsbildes.

Umbau zum Museum

Vor der Eröffnung des Forums wurde das historische Gebäude von 1992 bis 1994 für die museale Nutzung umgebaut. An der architektonischen Planung waren Andi Scheitlin, Marc Syfrig und Hans Steiner beteiligt.[3]

Das Umbaukonzept bewahrte den historischen Charakter der äusseren Gebäudehülle, während im Inneren eine moderne und grosszügige Museumsarchitektur entstand. Ein neu gestalteter Erschliessungsbereich verbindet die verschiedenen Ausstellungsebenen. Historische Bauteile und moderne Einbauten bleiben als unterschiedliche Zeitschichten erkennbar.

Die Verbindung von barockem Nutzbau und zeitgenössischer Innenarchitektur gehört zu den besonderen Merkmalen des Forums. Das Gebäude ist dadurch selbst ein Teil der kulturgeschichtlichen Vermittlung: Es erinnert sowohl an die Vorratshaltung und das Wehrwesen des alten Landes Schwyz als auch an den modernen Umgang mit historischen Baudenkmälern.

Gründung des Museums

Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz wurde 1995 eröffnet. Mit der Einrichtung des Museums erhielt das damalige Schweizerische Landesmuseum einen eigenen Standort in der Zentralschweiz. Das Forum sollte die Geschichte der Schweiz nicht lediglich anhand einzelner berühmter Urkunden oder militärischer Ereignisse darstellen, sondern gesellschaftliche, wirtschaftliche, religiöse und kulturelle Zusammenhänge vermitteln.[1]

Die erste Dauerausstellung behandelte schwerpunktmässig den Alltag der Menschen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz zwischen dem späten Mittelalter und dem Ende des Ancien Régime. Städtische und ländliche Lebensformen, Handel, Religion, Politik und Gesellschaft wurden auf mehreren Geschossen dargestellt. Bereits bei der Eröffnung setzte das Museum auf Hörstationen, audiovisuelle Medien und interaktive Elemente.[4]

Das Konzept entsprach einem Wandel in der Museumsvermittlung. Historische Museen sollten nicht mehr nur Sammlungen besonders wertvoller Gegenstände präsentieren, sondern auch Fragen an die Vergangenheit stellen, verschiedene Perspektiven sichtbar machen und die Besucherinnen und Besucher zur eigenen Auseinandersetzung mit Geschichte anregen.

Im Verlauf der folgenden Jahre zeigte das Forum zahlreiche Wechselausstellungen. Dabei wurden sowohl Themen von gesamtschweizerischer Bedeutung als auch Aspekte der Geschichte und Kultur der Zentralschweiz aufgegriffen.

Dauerausstellung «Entstehung Schweiz»

Die heutige Dauerausstellung trägt den vollständigen Titel «Entstehung Schweiz. Unterwegs vom 12. ins 14. Jahrhundert». Sie wurde 2011 eröffnet und erstreckt sich über drei Geschosse. Der Rundgang beginnt im Dachgeschoss und führt anschliessend durch das Obergeschoss in das Erdgeschoss.

Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die Frage, ob einzelne Ereignisse aus den traditionellen Gründungserzählungen historisch nachweisbar sind. Sie untersucht vielmehr, wie Herrschaft, Handel, Schriftlichkeit, Verkehr, lokale Gemeinden und politische Bündnisse die Entwicklung der frühen Eidgenossenschaft beeinflussten.[2]

Das Ausstellungskonzept beruht auf einer räumlichen Bewegung vom grossen zum kleineren geografischen Zusammenhang. Zunächst wird Mitteleuropa betrachtet, danach der Alpenraum und schliesslich die Zentralschweiz. Dadurch erscheint die Entstehung der Eidgenossenschaft nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Teil umfassender Veränderungen des Hoch- und Spätmittelalters.

Mitteleuropa im Mittelalter

Der erste Teil der Ausstellung befindet sich im Dachgeschoss. Er behandelt die politische und gesellschaftliche Ordnung Mitteleuropas im 12. und 13. Jahrhundert. Zu den zentralen Themen gehören das Heilige Römische Reich, die Herrschaft des Königs, die Bedeutung des Adels und der Kirche sowie die Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung.

Ein lebensgrosser Ritter auf einem Pferd bildet einen auffälligen Ausgangspunkt des Rundgangs. Die Inszenierung verweist auf die militärische und gesellschaftliche Rolle des Adels. Zugleich zeigt die Ausstellung, dass mittelalterliche Herrschaft nicht mit einem modernen, flächendeckend verwalteten Staat vergleichbar war. Rechte und Besitzungen waren zwischen Königen, Herzögen, Grafen, Klöstern, Städten und lokalen Herren aufgeteilt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die zunehmende Bedeutung der Schrift. In einer nachgebildeten Schreibstube beziehungsweise einem Skriptorium wird gezeigt, wie Urkunden, Bücher und Verwaltungstexte entstanden. Kanzleien und Bildungsstätten ermöglichten eine genauere schriftliche Festhaltung von Besitzansprüchen, Verträgen, Privilegien und Bündnissen.

Die Verbreitung der Schriftlichkeit veränderte die Ausübung von Herrschaft. Rechte, die zuvor vor allem durch Gewohnheit und mündliche Überlieferung begründet worden waren, konnten nun in Urkunden festgehalten werden. Für die Geschichte der frühen Eidgenossenschaft sind solche Dokumente von besonderer Bedeutung, da die überlieferten Bündnisbriefe nur innerhalb dieser allgemeinen Entwicklung verstanden werden können.

Handel und Verkehr im Alpenraum

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem Alpenraum. Eine grosse, durch mehrere Geschosse reichende Bergkonstruktion bildet das gestalterische Zentrum des Museums. Sie verdeutlicht die Alpen nicht nur als natürliche Grenze, sondern auch als Verkehrs-, Wirtschafts- und Lebensraum.

Im Hochmittelalter nahm der Fernhandel zwischen den wirtschaftlich wachsenden Städten Norditaliens und den Gebieten nördlich der Alpen zu. Alpenpässe gewannen dadurch an Bedeutung. Der Ausbau des Weges über den Gotthardpass veränderte auch die wirtschaftliche und politische Stellung der Talschaften am Vierwaldstättersee.

Die Ausstellung zeigt, welche Waren über die Alpen transportiert wurden, wie mittelalterliche Märkte funktionierten und welche Gefahren Reisende und Händler überwinden mussten. Salz, Wein, Getreide, Stoffe, Metalle, Vieh und weitere Güter wurden auf Saumtieren oder von Menschen über schmale und steile Wege getragen.

Nachbildungen einer Sust, eines Hospizes und eines Marktstandes vermitteln Einblicke in die Infrastruktur des mittelalterlichen Verkehrs. Eine Sust war ein Lager- und Umschlagplatz, an dem Waren zwischengelagert und teilweise auf andere Transportmittel verladen wurden. Hospize boten Reisenden Schutz, Unterkunft und Verpflegung.

Interaktive Stationen machen die körperlichen Anforderungen des Warentransports erfahrbar. Sie zeigen zugleich, dass die Kontrolle über Wege, Brücken, Zölle und Märkte wirtschaftliche Einnahmen und politische Macht versprach.[2]

Leben und Wohnen

Die Ausstellung behandelt neben Herrschaft und Handel auch den Alltag der Bevölkerung. Werkzeuge, Haushaltsgegenstände, Kleidungsbestandteile, Waffen und sakrale Objekte vermitteln einen Eindruck von der materiellen Kultur des Mittelalters.

Ein besonders bedeutendes Ausstellungselement ist die sogenannte Schwarze Stube. Es handelt sich um die grosse Wohnstube eines für den Schwyzer Talkessel typischen mittelalterlichen Blockbaus aus dem Jahr 1311. Sie wurde vor dem Abbruch des ursprünglichen Wohnhauses gerettet und in die Dauerausstellung integriert.[5]

Die Stube ist begehbar und ermöglicht einen unmittelbaren Einblick in die mittelalterliche Wohnkultur. Ihre Bezeichnung geht auf die durch Rauch und jahrhundertelange Nutzung dunkel verfärbten Holzoberflächen zurück. Das Objekt zeigt, dass historische Erkenntnisse nicht nur aus Schriftquellen gewonnen werden, sondern auch aus Gebäuden, archäologischen Funden und alltäglichen Gebrauchsgegenständen.

Zentralschweiz und frühe Bündnisse

Im Erdgeschoss richtet sich der Blick auf die Zentralschweiz um 1300. Die Ausstellung beschreibt eine Gesellschaft, in der Konflikte häufig als Fehden ausgetragen wurden. Eigentum wurde beschädigt, Vieh geraubt oder getötet, und Angehörige gegnerischer Gruppen wurden angegriffen.

Eine inszenierte tote Kuh steht stellvertretend für solche Gewalttaten. Das ungewöhnliche Ausstellungsobjekt soll verdeutlichen, wie Fehden den Alltag einer vorwiegend bäuerlich geprägten Gesellschaft beeinträchtigen konnten.[2]

Vor diesem Hintergrund werden die politischen Bündnisse der Talschaften am Vierwaldstättersee erklärt. Zusammenschlüsse dienten unter anderem dazu, Frieden zu sichern, Streitigkeiten zu regeln und gemeinsame Interessen gegenüber auswärtigen Herrschaftsträgern zu vertreten.

Die Ausstellung behandelt die Entwicklung lokaler Gemeinden, die Bedeutung gemeinschaftlich genutzter Weiden und Wälder sowie die Entstehung der Landsgemeinde. Dabei wird deutlich, dass politische Selbstorganisation nicht plötzlich entstand. Sie entwickelte sich aus älteren Formen lokaler Zusammenarbeit und stand gleichzeitig in Beziehung zu königlichen, adeligen und kirchlichen Herrschaftsrechten.

Auch die Bündnisse zwischen ländlichen Talschaften und Städten werden thematisiert. Die frühe Eidgenossenschaft war kein einheitlicher Staat, sondern ein wachsendes und wiederholt verändertes Netz von Vereinbarungen. Die einzelnen Bündnispartner verfolgten nicht immer dieselben Interessen und bewahrten ihre eigenen Rechtsordnungen.

Der zeitliche Rahmen reicht bis in das 14. Jahrhundert. Dazu gehören die Ausweitung des Bündnisnetzes, Auseinandersetzungen mit den Habsburgern und die Schlacht bei Sempach von 1386.

Gründungslegenden

Der letzte Teil der Dauerausstellung ist den schweizerischen Gründungslegenden gewidmet. Im Mittelpunkt stehen Wilhelm Tell, der Rütlischwur und Arnold Winkelried.

Diese Erzählungen entstanden beziehungsweise erhielten ihre bekannten Formen erst nach den Ereignissen, auf die sie sich beziehen. Chroniken, Theaterstücke, Bilder, Schulbücher und politische Feiern trugen dazu bei, sie im kollektiven Gedächtnis zu verankern.

Das Museum stellt Legenden nicht einfach als historische Tatsachen oder als bedeutungslose Erfindungen dar. Es untersucht vielmehr, wann sie schriftlich festgehalten wurden, wie sie sich veränderten und welche Funktionen sie für unterschiedliche Generationen erfüllten.

Die Gründungserzählungen dienten unter anderem der Rechtfertigung politischer Freiheit, der Vermittlung gemeinsamer Werte und der Stärkung des nationalen Zusammenhalts. Gleichzeitig konnten sie je nach Epoche unterschiedlich ausgelegt und politisch verwendet werden.

Ausstellungsgestaltung

Die Dauerausstellung ist als Erlebnisparcours gestaltet. Originalobjekte, Rekonstruktionen, grossformatige Inszenierungen, Hörstationen, Projektionen und interaktive Medien werden miteinander verbunden.

Die Präsentation folgt keiner einfachen Abfolge von Jahreszahlen. Stattdessen werden historische Fragen anhand verschiedener Räume und Themenfelder behandelt. Die Besucherinnen und Besucher begegnen beispielsweise einem Ritter, einem Skriptorium, einer mittelalterlichen Lehranstalt, einem Alpenübergang, einem Markt, einer Sust und einem künstlichen Wald.

Diese Gestaltung soll historische Zusammenhänge auch für Personen verständlich machen, die nur geringe Vorkenntnisse besitzen. Gleichzeitig werden Originalobjekte und schriftliche Quellen so eingeordnet, dass sie nicht lediglich als Einzelstücke erscheinen.

Ein wesentlicher Grundsatz ist die Unterscheidung zwischen historischen Quellen, wissenschaftlichen Deutungen und später entstandenen Erinnerungsbildern. Gerade bei der Entstehungsgeschichte der Schweiz ist diese Unterscheidung wichtig, weil mittelalterliche Ereignisse, frühneuzeitliche Chroniken und moderne nationale Vorstellungen häufig miteinander vermischt wurden.

Sammlungsobjekte

Ein grosser Teil der ausgestellten Objekte stammt aus den Beständen des Schweizerischen Nationalmuseums. Hinzu kommen Leihgaben aus der Schweiz und aus dem Ausland.[1]

Die Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums umfasst kulturgeschichtliche Gegenstände von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Im Forum werden daraus insbesondere Objekte ausgewählt, die Aussagen über das mittelalterliche Leben, die Ausübung von Herrschaft, Handel und Verkehr, Religion, Kriegführung und Wohnkultur ermöglichen.

Zu den Objektgruppen gehören Waffen und Rüstungsteile, Münzen, Urkunden, Bücher, kirchliche Gegenstände, Werkzeuge, Hausrat und archäologische Funde. Die Objekte werden durch Rekonstruktionen ergänzt, wenn historische Abläufe oder Räume mit erhaltenen Einzelstücken allein nur schwer darstellbar wären.

Die Schwarze Stube nimmt innerhalb der Ausstellung eine besondere Stellung ein, weil sie nicht lediglich ein einzelner Gegenstand, sondern ein weitgehend erhaltener historischer Innenraum ist.

Wechselausstellungen

Im unteren Bereich des Museums werden regelmässig Wechselausstellungen gezeigt. Sie behandeln Themen der Schweizer Kultur- und Sozialgeschichte und besitzen häufig einen Bezug zur Zentralschweiz.[1]

Das Spektrum reicht von historischen Persönlichkeiten und Alltagskultur über Politik, Religion, Wirtschaft und Tourismus bis zu gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart. Manche Ausstellungen werden eigens für Schwyz entwickelt, andere entstehen in Zusammenarbeit mit den übrigen Häusern des Schweizerischen Nationalmuseums.

Die Wechselausstellungen ermöglichen es dem Forum, Themen ausserhalb des mittelalterlichen Schwerpunkts der Dauerausstellung aufzugreifen. Dadurch umfasst das Programm unterschiedliche Epochen und vermittelt Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Begleitend finden Vorträge, Podiumsgespräche, Führungen, Konzerte, Workshops und Veranstaltungen für Familien statt. Historische Themen werden dabei teilweise mit aktuellen Debatten über Identität, Erinnerung, gesellschaftlichen Wandel und den Umgang mit Kulturerbe verbunden.

Vermittlung

Die Kulturvermittlung bildet einen wichtigen Teil des Museumsbetriebs. Für Schulklassen werden stufengerechte Führungen, Workshops und Unterrichtsmaterialien angeboten. Die Programme behandeln unter anderem das Leben im Mittelalter, den Warenverkehr über die Alpen, Ritter und Herrschaftsverhältnisse sowie die Entstehung politischer Bündnisse.

Für Erwachsene, Vereine und Unternehmen können allgemeine oder thematisch ausgerichtete Gruppenführungen gebucht werden. Kostümführungen stellen historische Lebenswelten aus der Perspektive fiktiver oder überlieferter Personen dar.

Familienangebote verbinden die Ausstellung mit spielerischen Aufgaben. Kinder können bestimmte Themen mit Entdeckungsmaterialien, Rätseln oder praktischen Tätigkeiten erschliessen. Die Inszenierungen der Dauerausstellung sind bewusst so gestaltet, dass sie sowohl Erwachsene als auch jüngere Besucherinnen und Besucher ansprechen.

Das Forum beteiligt sich zudem an regionalen und nationalen Kulturveranstaltungen. Kooperationen mit Schulen, historischen Organisationen, Tourismusstellen und anderen Museen stärken seine Funktion als kultureller Treffpunkt.

Digitale Angebote

Zur Dauerausstellung steht ein Audioguide in deutscher, französischer, italienischer und englischer Sprache zur Verfügung. Mit der kostenlosen App «Forum Schwyz» können die Audiobeiträge auf dem eigenen Smartphone abgerufen werden. Eine digitale Wegführung unterstützt die Orientierung im Gebäude.[6]

Digitale Medien werden nicht nur als zusätzliche Informationsquelle eingesetzt. An mehreren Stationen sind sie Bestandteil der Ausstellungsgestaltung. Animationen, Hörbilder und interaktive Anwendungen veranschaulichen historische Abläufe, für die keine direkten Bildquellen vorhanden sind.

Die digitalen Angebote erlauben unterschiedliche Vertiefungsstufen. Besucherinnen und Besucher können den Rundgang auf die zentralen Aussagen beschränken oder zusätzliche Informationen zu einzelnen Objekten und Themen abrufen.

Zugehörigkeit zum Schweizerischen Nationalmuseum

Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz gehört zum Schweizerischen Nationalmuseum. Unter dessen Dach sind das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins, das Forum in Schwyz und das Sammlungszentrum Affoltern am Albis zusammengeschlossen.[7]

Die drei Museumshäuser setzen unterschiedliche regionale und thematische Schwerpunkte. Das Landesmuseum Zürich behandelt die Geschichte und Kultur der Schweiz über einen grossen Zeitraum. Das Château de Prangins widmet sich insbesondere der Geschichte der Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert sowie kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Themen der Westschweiz. Das Forum in Schwyz konzentriert sich in seiner Dauerausstellung auf das Mittelalter und die Entstehungsbedingungen der Alten Eidgenossenschaft.

Das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis dient der Lagerung, Konservierung, Restaurierung und wissenschaftlichen Bearbeitung der Sammlungsbestände.

Seit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Museen und Sammlungen des Bundes am 1. Januar 2010 ist das Schweizerische Nationalmuseum eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit. Es steht unter der Aufsicht des Bundesrates.[7]

Stellung in der Schwyzer Museumslandschaft

Schwyz verfügt über mehrere Museen und historische Gebäude, die unterschiedliche Aspekte der lokalen und nationalen Geschichte vermitteln. Das Forum nimmt innerhalb dieser Museumslandschaft eine besondere Position ein, weil es eine gesamtschweizerische Perspektive mit dem historischen Ort Schwyz verbindet.

Das benachbarte Bundesbriefmuseum bewahrt den Bundesbrief von 1291 sowie weitere Bündnisurkunden und historische Banner. Das Ital-Reding-Haus vermittelt die Wohn- und Repräsentationskultur einer führenden Schwyzer Familie der Frühen Neuzeit. Das Haus Bethlehem gehört zu den ältesten erhaltenen Holzhäusern der Region.

Das Forum ergänzt diese Einrichtungen durch eine thematisch und geografisch breiter angelegte Darstellung. Es erklärt die Entstehung der Eidgenossenschaft nicht nur aus den Ereignissen in Uri, Schwyz und Unterwalden, sondern bezieht die Entwicklungen im Heiligen Römischen Reich, in den oberitalienischen Städten und im gesamten Alpenraum ein.

Besucherinformation und Barrierefreiheit

Das Museum liegt unmittelbar bei der Bushaltestelle «Schwyz, Zentrum». Vom Bahnhof Schwyz ist es mit dem Bus in Richtung Muotathal erreichbar. Für den Individualverkehr stehen Parkmöglichkeiten im Parkhaus Hofmatt zur Verfügung.[8]

Alle Ausstellungsgeschosse sind mit einem Lift erreichbar. Im Museum steht ein Rollstuhl zur Ausleihe zur Verfügung. Individuell abgestimmte Begleitungen können nach vorheriger Anmeldung organisiert werden. Eine behindertengerechte Toilette befindet sich im Untergeschoss.[8]

Zum Museum gehören ein Welcome Desk und ein Museumsshop. Die aktuellen Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Sonderöffnungen und Veranstaltungstermine werden auf der offiziellen Website veröffentlicht.

Bedeutung

Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz gehört zu den bedeutenden historischen Museen der Zentralschweiz. Seine Besonderheit liegt in der Verbindung eines geschichtsträchtigen Ortes, eines barocken Zweckbaus und einer modernen, interaktiven Museumsvermittlung.

Die Dauerausstellung trägt zu einer differenzierten Betrachtung der Schweizer Entstehungsgeschichte bei. Sie löst die frühen Bündnisse aus einer ausschliesslich nationalen Erzählung und ordnet sie in die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen des mittelalterlichen Europas ein.

Gleichzeitig behandelt das Museum die schweizerischen Gründungslegenden als eigenständigen Teil der Geschichte. Nicht nur die Frage nach ihrem historischen Wahrheitsgehalt ist von Bedeutung, sondern auch ihre Entstehung, Weitergabe und Wirkung.

Durch die Verbindung von Originalobjekten, historischen Räumen, Rekonstruktionen und digitalen Medien richtet sich das Forum an ein breites Publikum. Es erfüllt damit sowohl eine wissenschaftlich-kulturhistorische als auch eine bildungs- und tourismuspolitische Funktion.

Siehe auch

Literatur

  • Schweizerisches Nationalmuseum (Hrsg.): Entstehung Schweiz. Unterwegs vom 12. ins 14. Jahrhundert. Begleitpublikation zur Dauerausstellung des Forums Schweizer Geschichte Schwyz. Hier und Jetzt, Baden 2011, ISBN 978-3-03919-221-2.
  • Josef Wiget: Geschichte der Alten Eidgenossenschaft im Museum: das Forum der Schweizergeschichte in Schwyz. In: Der Geschichtsfreund, Band 148, 1995, S. 203–216.
  • Forum der Schweizergeschichte, Schwyz, 1992–1994: Architekten Andi Scheitlin, Marc Syfrig, Hans Steiner. In: Werk, Bauen + Wohnen, Jahrgang 82, 1995.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Geschichte des Forums Schweizer Geschichte Schwyz, Schweizerisches Nationalmuseum, abgerufen am 30. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Entstehung Schweiz, Forum Schweizer Geschichte Schwyz, abgerufen am 30. Juli 2026.
  3. Forum der Schweizergeschichte, Schwyz, 1992–1994: Architekten Andi Scheitlin, Marc Syfrig, Hans Steiner. In: Werk, Bauen + Wohnen, 1995.
  4. Geschichte der Alten Eidgenossenschaft im Museum: das Forum der Schweizergeschichte in Schwyz. In: Der Geschichtsfreund, Band 148, 1995.
  5. Entstehung Schweiz, Abschnitt «Wohnen im Mittelalter», Forum Schweizer Geschichte Schwyz, abgerufen am 30. Juli 2026.
  6. Entstehung Schweiz, Abschnitt «Audioguide», Forum Schweizer Geschichte Schwyz, abgerufen am 30. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 Organisation des Schweizerischen Nationalmuseums, abgerufen am 30. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 Infos für Besucherinnen und Besucher, Forum Schweizer Geschichte Schwyz, abgerufen am 30. Juli 2026.