Obersee (Zürichsee)
| Obersee | |
|---|---|
| Gewässer | Teil des Zürichsees |
| Lage | Kanton St. Gallen und Kanton Schwyz, Schweiz |
| Region | Zürichseegebiet, Linthgebiet |
| Seehöhe | rund 406 m ü. M. |
| Fläche | 20,25 km² |
| Länge | 10,5 km |
| Grösste Breite | 2,5 km |
| Maximale Tiefe | 48 m |
| Mittlere Tiefe | 23 m |
| Volumen | rund 0,47 km³ |
| Einzugsgebiet | rund 1'564 km² |
| Wichtigster Zufluss | Linthkanal |
| Weitere Zuflüsse | Jona, Wägitaler Aa, Goldinger Aabach, Alte Linth |
| Abfluss | durch die Öffnungen beim Seedamm von Rapperswil in den unteren Zürichsee |
| Uferorte | Rapperswil, Jona, Schmerikon, Lachen, Altendorf, Nuolen, Hurden |
| Koordinaten | 47° 12′ N, 8° 54′ O |
Der Obersee, auch Zürich-Obersee genannt, ist der östliche und kleinere der beiden Hauptteile des Zürichsees. Er erstreckt sich zwischen dem Seedamm von Rapperswil im Westen und der Mündung des Linthkanals bei Schmerikon im Osten. Seine Wasserfläche gehört zu den Kantonen St. Gallen und Schwyz.
Der Obersee ist durch die natürliche Halbinsel Hurden und den künstlich aufgeschütteten Seedamm weitgehend vom unteren Zürichsee getrennt. Zwischen beiden Seeteilen findet der Wasseraustausch durch mehrere Öffnungen und Kanäle im Bereich des Seedamms statt. Hydrologisch bildet der Obersee jedoch keine selbstständige Einheit, sondern gehört zum zusammenhängenden Gewässersystem von Walensee, Linthkanal, Obersee, Zürichsee und Limmat.[1]
Mit einer Fläche von gut 20 Quadratkilometern ist der Obersee wesentlich kleiner und flacher als der untere Zürichsee. Der starke Zufluss aus dem Linthkanal sorgt für eine kurze Wassererneuerungszeit. Landschaftlich wird der See im Norden durch das St. Galler Seeufer und im Süden durch die Hügel und Voralpen des Kantons Schwyz geprägt.
Name und Abgrenzung
Der Name «Obersee» bezieht sich auf die Lage oberhalb beziehungsweise östlich des engeren Seedammgebiets. Die Fliessrichtung des Wassers verläuft vom Linthkanal durch den Obersee und den unteren Zürichsee bis zum Seeausfluss in Zürich, wo die Limmat beginnt.
In amtlichen Veröffentlichungen wird häufig die Bezeichnung «Zürich-Obersee» verwendet, um eine Verwechslung mit anderen gleichnamigen Gewässern zu vermeiden. Oberseen gibt es unter anderem auch beim Zugersee, beim Bodensee sowie in verschiedenen alpinen Regionen.
Als westliche Grenze gilt der Bereich zwischen Rapperswil und Hurden. Die Trennung ist nicht vollständig, da der Seedamm mehrere Wasserdurchlässe besitzt. Das Wasser des Obersees fliesst an drei Stellen in den unteren Zürichsee.[1]
Die östliche Begrenzung bildet die Linthmündung. Der anschliessende Linthkanal verbindet den Obersee mit dem Walensee. Die Wasserflächen des Obersees liegen vollständig ausserhalb des Kantons Zürich, obwohl der See als Teil des Zürichsees bezeichnet wird.
Geografie
Lage
Der Obersee liegt am Übergang zwischen der Ostschweiz, der Zentralschweiz und dem östlichen Schweizer Mittelland. Das Nordufer gehört zum Kanton St. Gallen, das Südufer zum Kanton Schwyz.
Am Nordufer liegen die Stadt Rapperswil-Jona mit den Ortsteilen Rapperswil, Jona, Busskirch und Bollingen sowie die Gemeinde Schmerikon. Das Südufer wird von den Gemeinden Freienbach, Altendorf, Lachen und Wangen eingenommen. Zu Freienbach gehört die Halbinsel Hurden, zu Wangen die Ortschaft Nuolen.
Der See ist etwa 10,5 Kilometer lang und erreicht eine grösste Breite von rund 2,5 Kilometern. Die Wasserfläche beträgt 20,25 Quadratkilometer. Mit maximal 48 Metern ist der Obersee deutlich weniger tief als das Hauptbecken des Zürichsees, dessen tiefste Stelle 136 Meter erreicht.[2]
Landschaft
Das Landschaftsbild unterscheidet sich deutlich vom langgestreckten unteren Zürichsee. Im Westen verengt sich das Gewässer bei Rapperswil und Hurden. Nach Osten öffnet sich ein breiteres, flaches Seebecken, das in die ehemalige Sumpf- und Schwemmlandlandschaft der Linthebene übergeht.
Nördlich des Obersees erhebt sich das Gelände über Rapperswil-Jona und Bollingen allmählich zum Zürcher Oberland und zum St. Galler Oberland. Im Nordosten bilden der Buechberg und die Landschaft um Schmerikon einen markanten Abschluss.
Am Südufer liegen die dicht besiedelten Gebiete von Altendorf und Lachen. Weiter östlich wird die Landschaft bei Nuolen, dem Wägitaler-Aa-Delta und der Linthmündung flacher und naturnäher. Im Hintergrund erheben sich die Schwyzer Voralpen mit dem Etzel, dem Stockberg, dem Gross Aubrig und weiteren Bergen.
Seebecken
Der Obersee besitzt mehrere unterschiedlich tiefe Teilbereiche. Die tiefste Stelle liegt im sogenannten Lachner Becken. Grosse Teile des östlichen Sees und der Uferzonen sind deutlich flacher.
Die mittlere Tiefe beträgt rund 23 Meter. Aufgrund der geringen Tiefe und des grossen Wasserdurchflusses reagiert der Obersee schneller auf Zuflüsse, Wetterlagen und Veränderungen der Wasserqualität als der untere Zürichsee.
Entstehung
Der Obersee entstand wie der gesamte Zürichsee während und nach den Eiszeiten. Der Linthgletscher formte das Seebecken und hinterliess beim Rückzug Moränen, Schotterflächen und Schwemmland.
Eine Endmoräne im Bereich von Rapperswil und Hurden trug zur Ausbildung der natürlichen Engstelle bei. Diese flache Verbindung wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit als Übergang über den See genutzt.
Östlich des heutigen Obersees erstreckte sich früher eine wesentlich grössere Wasser- und Sumpflandschaft. In der Linthebene bei Tuggen bestand bis ins Mittelalter der Tuggenersee. Er verlandete allmählich durch die Ablagerungen der Linth und ihrer Nebenflüsse.[1]
Auch der heutige Obersee wird durch Sedimente geprägt. Der Linthkanal führt zwar wesentlich weniger Geschiebe als die frühere unregulierte Linth, dennoch gelangen Feinsedimente und organisches Material in das Seebecken. An den Mündungen kleinerer Flüsse haben sich Schwemmkegel, Flachwasserzonen und Riedlandschaften gebildet.
Hydrologie
Zuflüsse
Der mit Abstand wichtigste Zufluss ist der Linthkanal. Er führt das Wasser des Walensees und damit auch einen grossen Teil des Wassers aus dem Glarnerland in den Obersee.
Rund zwei Drittel des gesamten Zuflusses stammen aus dem Linthkanal. Weitere bedeutende Zuflüsse sind:
- die Jona bei Rapperswil-Jona;
- die Wägitaler Aa bei Nuolen;
- der Goldinger Aabach;
- die Alte Linth;
- die Hintergräben der Linthebene;
- kleinere Bäche aus dem St. Galler und Schwyzer Umland.
Der mittlere Abfluss durch den Obersee beträgt rund 76 Kubikmeter pro Sekunde. Das Einzugsgebiet umfasst ungefähr 1'564 Quadratkilometer.[2]
Linthkanal
Der Linthkanal ist Teil des im 19. Jahrhundert geschaffenen Linthwerks. Vor der Linthkorrektion floss die Glarner Linth direkt durch die Linthebene in Richtung Obersee. Sie führte grosse Mengen Geschiebe mit sich, staute den Abfluss des Walensees und verursachte wiederholt Überschwemmungen.
Unter der Leitung von Hans Conrad Escher von der Linth wurde die Linth zunächst durch den Escherkanal in den Walensee umgeleitet. Der Walensee dient seither als Ausgleichsbecken und hält einen grossen Teil des Geschiebes zurück.
Der Abfluss des Walensees wurde in einem geradlinigen Kanal zum Obersee geführt. Die Arbeiten begannen 1807. Das letzte Kanalstück von der Grynau bis zur Mündung in den Obersee entstand ab 1866.[3]
Der Linthkanal ist für den Hochwasserschutz der Linthebene von zentraler Bedeutung. Der Walensee dämpft Hochwasserspitzen und verzögert den Abfluss aus dem Glarner Einzugsgebiet. Dadurch erreicht das Wasser den Obersee gleichmässiger und mit einer geringeren Geschiebefracht.[4]
Abfluss zum unteren Zürichsee
Der Obersee besitzt keinen einzelnen natürlichen Seeausfluss. Sein Wasser gelangt im Bereich von Hurden und Rapperswil durch drei Öffnungen in den unteren Zürichsee.
Die Durchlässe gewährleisten den Wasseraustausch und dienen teilweise auch der Schifffahrt. Der Ausbau des Seedamms musste deshalb stets so erfolgen, dass der Wasserabfluss nicht unterbrochen wurde.
Vom unteren Zürichsee fliesst das Wasser weiter nach Zürich. Dort verlässt es den See als Limmat und gelangt über die Aare und den Rhein zur Nordsee.
Wassererneuerung
Das Volumen des Obersees beträgt etwa 0,47 Kubikkilometer. Im Verhältnis dazu ist der Zufluss sehr gross. Die theoretische Aufenthaltszeit des Wassers liegt deshalb nur bei ungefähr zehn Wochen.[2]
Im unteren Zürichsee dauert die vollständige rechnerische Wassererneuerung wesentlich länger. Der Obersee reagiert daher schneller auf Hochwasser, Nährstoffeinträge und Veränderungen im Einzugsgebiet.
Der mittlere Wasserstand liegt bei ungefähr 406 Metern über Meer. Da Obersee und unterer Zürichsee miteinander verbunden sind, besitzen beide grundsätzlich denselben Seespiegel.
Wasserqualität
Die Wasserqualität des Obersees gilt heute als gut. Sie wird wesentlich durch das Wasser aus dem Walensee und dem Linthkanal bestimmt.[5]
Seit 1972 untersucht die Wasserversorgung Zürich den Obersee, den Walensee und den unteren Zürichsee in Langzeitprogrammen. An den Untersuchungen beteiligen sich die Gewässerschutzfachstellen der Kantone St. Gallen, Schwyz, Zürich und Glarus sowie das Elektrizitätswerk Lachen.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die Belastung durch Phosphor, ungeklärte Abwässer und landwirtschaftliche Nährstoffe stark zu. Der Ausbau der Kanalisationen und Abwasserreinigungsanlagen führte anschliessend zu einer deutlichen Verbesserung.
Die Konzentrationen von Gesamtphosphor und Nitrat-Stickstoff sind seit den 1990er-Jahren stabil oder leicht rückläufig. Im Tiefenwasser des Lachner Beckens werden die Anforderungen an den Sauerstoffgehalt jedoch zeitweise nicht vollständig erreicht.[1]
Untersuchungen von Sedimentkernen zeigten, dass der Sauerstoffmangel in der tiefsten Zone nicht als rein natürliche Erscheinung betrachtet werden kann. Er wird mit der früheren Überdüngung des Sees sowie Veränderungen der Materialzufuhr aus dem Einzugsgebiet in Verbindung gebracht.
Natur und Lebensräume
Uferzonen
Die ökologische Qualität der Ufer ist sehr unterschiedlich. In den dicht besiedelten Bereichen von Rapperswil, Lachen und Altendorf wurden viele Uferabschnitte durch Strassen, Hafenanlagen, Mauern, Gebäude und private Grundstücke verändert.
Am östlichen Obersee bestehen dagegen ausgedehnte naturnahe Ufer. Flachwasserzonen, Schilfbestände, Riedwiesen und Mündungsgebiete bieten Lebensräume für Wasservögel, Fische, Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen.
Zu den besonders wertvollen Gebieten am Schwyzer Ufer gehören:
- die Bätzimatt;
- das Nuoler Riet;
- das Delta der Wägitaler Aa;
- die Flachwasserzonen bei der Linthmündung.
Diese Gebiete umfassen Flachmoore, Schilfröhrichte, Kiesflächen und zeitweise überflutete Ufer. Mehrere davon besitzen nationale Bedeutung.[1]
Wurmsbach und Bollingen
Am St. Galler Nordufer liegen bei Bollingen und Wurmsbach ebenfalls ökologisch wertvolle Landschaften. Das Gebiet ist durch Wald, Riedflächen, Schilfgürtel und wenig verbaute Ufer geprägt.
Beim Kloster Mariazell Wurmsbach befindet sich ein Naturwaldreservat. Im Reservat wird auf die forstliche Nutzung verzichtet, damit sich ein natürlicher Laubmischwald mit Alt- und Totholz entwickeln kann.[6]
Vogelwelt
Der Obersee ist ein wichtiger Brut-, Rast- und Überwinterungsraum für Wasservögel. Zu den regelmässig beobachteten Arten gehören Haubentaucher, Blässhuhn, verschiedene Entenarten, Kormoran, Graureiher und Möwen.
Für gefährdete Vogelarten wurden bei Rapperswil-Jona und Wurmsbach künstliche Brutplattformen geschaffen. Sie werden unter anderem von Flussseeschwalben und Lachmöwen genutzt. Der Kanton St. Gallen und die Stadt Rapperswil-Jona betreiben diese Anlagen gemeinsam.[7]
Fischbestand
Im Obersee leben zahlreiche Fischarten. Dazu gehören Felchen, Egli, Hecht, Zander, Seeforelle, Seesaibling, Rotauge, Brachsmen und Karpfenartige.
Die kurze Wassererneuerungszeit, die Flachwasserzonen und die Zuflüsse schaffen unterschiedliche Lebensräume. Mündungsgebiete sind wichtige Laich- und Jungfischgebiete.
Die Fischerei wird interkantonal geregelt. Die Kantone Zürich, Schwyz, Glarus und St. Gallen arbeiten in der Fischereikommission für Zürichsee, Linthkanal und Walensee zusammen. Vorschriften betreffen unter anderem Schonzeiten, Mindestmasse, Fanggeräte und Schutzgebiete.[8]
Geschichte
Vorgeschichtliche Besiedlung
Die flache Seeenge bei Rapperswil und Hurden war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und wurde als Verkehrsweg genutzt. Unter Wasser und in den Uferzonen wurden Überreste von Siedlungen, Holzpfählen, Wegen und Brückenkonstruktionen entdeckt.
Die Fundstellen Hurden-Rosshorn und Hurden-Seefeld gehören zum seriellen UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Das Welterbe umfasst insgesamt 111 ausgewählte Fundstätten in sechs Staaten, darunter 56 in der Schweiz.[9]
Die archäologischen Funde zeigen, dass Menschen den Übergang zwischen den beiden Seeteilen seit Jahrtausenden nutzten. Die günstige Lage ermöglichte Verbindungen zwischen dem Gebiet des heutigen Rapperswil, der Halbinsel Hurden und den Wegen in Richtung Einsiedeln und Zentralschweiz.
Mittelalterliche Brücke
Bis ins 14. Jahrhundert erfolgte die Überquerung zwischen Rapperswil und Hurden hauptsächlich mit Fährbooten. Herzog Rudolf IV. von Habsburg liess danach eine hölzerne Brücke errichten.
Die 1358 vollendete Brücke war ungefähr 1'450 Meter lang und ruhte auf Hunderten von Eichenpfählen. Sie diente Fussgängern, Karren und dem Viehtrieb. Gleichzeitig war sie ein bedeutender Abschnitt des Pilgerwegs nach Einsiedeln.
Die Brücke wurde während ihrer langen Geschichte mehrfach beschädigt, erneuert oder unterbrochen. Sie blieb bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige regionale Verkehrsverbindung.
Seedamm
Der heutige Seedamm wurde im 19. Jahrhundert als feste Strassen- und Eisenbahnverbindung gebaut. Seine Einweihung fand 1878 statt. Der Damm ersetzte die ältere Holzbrücke und ermöglichte einen leistungsfähigeren Verkehr zwischen Rapperswil und Pfäffikon.[10]
Im 20. Jahrhundert wurde der Seedamm mehrfach verbreitert und verstärkt. Heute führen die Hauptstrasse 8 und die Eisenbahnstrecke Rapperswil–Pfäffikon über den Damm.
Der Seedamm bildet eine markante landschaftliche und hydrologische Grenze. Seine Öffnungen müssen sowohl den Wasserdurchfluss als auch die Schifffahrt zwischen den beiden Seeteilen ermöglichen.
Neue Holzbrücke
Im Jahr 2001 wurde zwischen Rapperswil und Hurden ein neuer Fussgängersteg eröffnet. Er orientiert sich am Verlauf der historischen Brücke, ist jedoch kürzer und ausschliesslich für den Langsamverkehr bestimmt.
Die Holzbrücke ist 841 Meter lang und ruht auf 233 Pfählen. Sie gehört zur ViaJacobi und verbindet die Altstadt von Rapperswil mit Hurden und dem weiteren Pilgerweg nach Einsiedeln.[10]
Linthkorrektion
Die Linthkorrektion veränderte den Wasserhaushalt und die Landschaft des Obersees grundlegend. Vor der Regulierung floss die Linth in einem verzweigten Flusssystem durch die Ebene und verursachte regelmässig Überschwemmungen.
Mit dem Bau des Escherkanals und des Linthkanals wurde die Linth zunächst in den Walensee und von dort kontrolliert in den Obersee geleitet. Das Werk verbesserte den Hochwasserschutz, senkte den Wasserspiegel des Walensees und ermöglichte die Entwässerung grosser Flächen der Linthebene.
Das Linthwerk gilt als eines der bedeutendsten frühen Wasserbauprojekte der Schweiz. Zwischen 2008 und 2013 wurde es umfassend saniert und an verschiedenen Stellen ökologisch aufgewertet.[11]
Orte am Obersee
Rapperswil-Jona
Rapperswil-Jona liegt am nordwestlichen Ufer. Rapperswil befindet sich unmittelbar an der Engstelle zum unteren Zürichsee. Die historische Altstadt, das Schloss Rapperswil, die Hafenanlagen und der Seedamm prägen das westliche Ende des Obersees.
Östlich von Rapperswil erstreckt sich das Siedlungsgebiet von Jona. Die Jona mündet im Bereich der Stadt in den See. Weiter östlich liegen Busskirch, Wurmsbach und Bollingen.
Rapperswil besitzt den wichtigsten Hafen und Bahnhof der Region. Die Stadt ist ein bedeutender Knotenpunkt für Eisenbahn, Strassenverkehr und Schifffahrt.
Schmerikon
Schmerikon liegt am östlichen Ende des Obersees nahe der Linthmündung. Die Gemeinde entwickelte sich an einer geschützten Bucht zwischen dem Buechberg und der Linthebene.
Der Ort besitzt eine Uferpromenade, einen Hafen, Badeanlagen und einen Bahnhof. Wegen seiner Lage ist Schmerikon ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren entlang des Obersees und des Linthkanals.
Lachen
Lachen liegt am südlichen Ufer und ist Hauptort des Bezirks March. Die Ortschaft besitzt eine historische Seefront, Hafenanlagen und öffentliche Uferbereiche.
Vor Lachen befindet sich das tiefste Becken des Obersees. Der Ort ist über die Bahnstrecke Zürich–Chur und die Autobahn A3 mit den umliegenden Regionen verbunden.
Altendorf
Altendorf liegt westlich von Lachen. Das Gemeindegebiet reicht vom Seeufer bis zu den Hängen in Richtung Etzel und Schwyzer Voralpen.
Die Ufer sind teilweise dicht bebaut und werden durch Wohngebiete, Gewerbe, Hafenanlagen und Verkehrswege geprägt. Daneben bestehen einzelne naturnahe Abschnitte und öffentliche Zugänge zum Wasser.
Nuolen und Wangen
Nuolen gehört zur Gemeinde Wangen. Der Ort liegt am südöstlichen Obersee zwischen dem Wägitaler-Aa-Delta und der Linthebene.
Die Umgebung umfasst bedeutende Ried- und Flachwassergebiete. Gleichzeitig wird der See für Wassersport, Fischerei und Naherholung genutzt.
Hurden
Hurden liegt auf einer schmalen natürlichen Halbinsel zwischen Obersee und unterem Zürichsee. Die Ortschaft gehört zur Gemeinde Freienbach.
Der Ort ist durch den Seedamm, den Fussgängersteg und die Bahnstrecke mit Rapperswil verbunden. Wegen seiner Lage an der Seeenge besitzt Hurden eine besondere verkehrsgeschichtliche und archäologische Bedeutung.
Verkehr
Strassen und Eisenbahn
Entlang des Südufers verlaufen wichtige Verkehrsachsen zwischen Zürich, Pfäffikon, Lachen und dem Glarnerland. Die Autobahn A3 liegt teilweise in geringer Entfernung zum See.
Die Bahnstrecke Zürich–Chur erschliesst Altendorf, Lachen und die östliche March. Am Nordufer verbindet die Bahnlinie Rapperswil mit Schmerikon, Uznach und dem Linthgebiet.
Über den Seedamm führen eine Strasse und eine Bahnverbindung zwischen Rapperswil und Pfäffikon. Dadurch bildet der westliche Obersee einen bedeutenden regionalen Verkehrsknoten.
Schifffahrt
Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft betreibt saisonale Kurse auf dem Obersee. Von Rapperswil führen Rundfahrten über verschiedene Stationen bis Schmerikon und zurück.
Die Oberseerundfahrt dient heute hauptsächlich dem Tourismus und der Freizeit. Sie erschliesst die Uferlandschaft von Rapperswil-Jona, Bollingen, Schmerikon, Nuolen, Lachen und Altendorf.[12]
Private Motorboote, Segelschiffe, Ruderboote und Berufsfischer nutzen den See ebenfalls. In Flachwasser- und Naturschutzgebieten gelten besondere Fahrverbote und Abstandsvorschriften.
Freizeit und Erholung
Der Obersee ist ein bedeutender Naherholungsraum für die Bevölkerung der Kantone St. Gallen und Schwyz. Öffentliche Uferanlagen, Strandbäder und Badeplätze befinden sich unter anderem in Rapperswil-Jona, Schmerikon, Lachen, Altendorf und Nuolen.
Zu den verbreiteten Freizeitaktivitäten gehören:
- Baden und Schwimmen;
- Segeln;
- Rudern;
- Stand-up-Paddling;
- Windsurfen;
- Sportfischerei;
- Wandern und Velofahren entlang der Ufer.
Die Windverhältnisse sind häufig schwächer als auf grossen Alpenseen. Bei Gewittern und Föhnlagen können jedoch rasch starke Böen und hohe Wellen entstehen.
Für Kitesurfen gelten kantonal unterschiedliche Regelungen. Im St. Galler Teil des Obersees ist es grundsätzlich nicht zugelassen. Im Schwyzer Teil bestehen grossräumige Sperrzonen, insbesondere im östlichen Obersee und in ökologisch empfindlichen Uferbereichen.[13]
Wirtschaftliche Bedeutung
Historisch war der Obersee ein Verkehrsweg für Waren, Vieh, Holz und Personen. Rapperswil, Lachen und Schmerikon entwickelten sich zu regionalen Markt-, Hafen- und Umschlagorten.
Heute besitzt die Berufsschifffahrt nur noch eine geringe wirtschaftliche Bedeutung. Der See ist jedoch wichtig für Tourismus, Freizeitwirtschaft, Fischerei, Wohnqualität und Standortentwicklung.
Der Obersee und der Walensee liefern einen grossen Teil des Wassers, das anschliessend durch den unteren Zürichsee fliesst. Das gesamte Seesystem ist für die Trinkwasserversorgung des Grossraums Zürich von hoher Bedeutung. Rund eine Million Menschen werden direkt oder indirekt mit aufbereitetem Zürichseewasser versorgt.[14]
Schutz und Nutzungskonflikte
Die Ufer des Obersees sind zugleich Siedlungsraum, Verkehrsachse, Erholungsgebiet und ökologisch wertvoller Lebensraum. Daraus ergeben sich zahlreiche Nutzungskonflikte.
Der Ausbau von Hafenanlagen, Uferwegen und Wohngebieten kann Schilfbestände und Flachwasserzonen beeinträchtigen. Freizeitboote und Wassersport können brütende oder rastende Vögel stören. Landwirtschaftliche und siedlungsbedingte Stoffeinträge wirken sich auf die Wasserqualität aus.
Die Kantone und Gemeinden versuchen, diese Interessen durch Schutzgebiete, Uferabstände, Fahrverbote, Renaturierungen und eine koordinierte Gewässerüberwachung auszugleichen. Besondere Bedeutung besitzen dabei die verbliebenen Riedflächen und naturnahen Mündungsgebiete im östlichen Obersee.
Siehe auch
- Zürichsee
- Linth
- Linthkanal
- Linthwerk
- Seedamm von Rapperswil
- Holzbrücke Rapperswil–Hurden
- Tuggenersee
- Rapperswil-Jona
- Schmerikon
- Lachen SZ
- Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen
Literatur
- Wasserversorgung Zürich: Langzeituntersuchungen im Zürich-Obersee 1972–2000. Zürich.
- Wasserversorgung Zürich und beteiligte Kantone: Gewässerzustand von Zürichsee, Obersee und Walensee. Zürich.
- Linthverwaltung: Das neue Linthwerk. Benken.
- Beat Eberschweiler: Ur- und frühgeschichtliche Verkehrswege über den Zürichsee. Untersuchungen im Bereich Rapperswil–Hurden.
Weblinks
- Zürich-Obersee beim Kanton St. Gallen
- Zürich- und Obersee beim Kanton Schwyz
- Offizielle Website des Linthwerks
- Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft
- Obersee im Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Zürich- und Obersee, Kanton Schwyz, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Zürich-Obersee: Gewässerqualität und Kenngrössen, Kanton St. Gallen, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Die bewegte Geschichte der Linthkorrektion, Linthwerk, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Das System des Linthwerks, Linthwerk, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Gewässerqualität der St. Galler Seen, Kanton St. Gallen, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Projekte und Waldreservate der Waldregion 4 See, Kanton St. Gallen, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Erfolgreiche Artenförderung am Zürich-Obersee, Kanton St. Gallen, 9. Mai 2025, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Ausführungsbestimmungen über die Fischerei im Zürichsee und Obersee, Gesetzessammlung des Kantons St. Gallen, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Prehistoric Pile Dwellings around the Alps, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ 10,0 10,1 Holzbrücke und Seedamm, Stadt Rapperswil-Jona, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Das Linthwerk als Hochwasserschutzbauwerk, Linthwerk, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Fahrplan und Oberseerundfahrt, Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Wassersport und Sperrzonen, Kanton Schwyz, abgerufen am 28. Juli 2026.
- ↑ Zürichsee und Trinkwasserversorgung, Stadt Zürich, abgerufen am 28. Juli 2026.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Obersee (Zürichsee)