Bahnhof Zürich Giesshübel: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 3. August 2026, 21:38 Uhr
| Bahnhof Zürich Giesshübel | |
|---|---|
| Ort | Zürich |
| Quartier | Alt-Wiedikon |
| Stadtkreis | Kreis 3 |
| Kanton | Zürich |
| Lage im Netz | Trennungs- und Betriebsbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Eröffnung | 3. August 1892 |
| Bahnsteiggleise | 1 |
| Bahnsteig | 1 Seitenperron |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Höhe | 418 m ü. M. |
| Abkürzung | ZGH |
| IBNR | 8503091 |
| Bahnstrecken | Sihltalbahn Uetlibergbahn Verbindungsstrecke nach Zürich Wiedikon |
| Tarifverbund | Zürcher Verkehrsverbund |
| Tarifzone | 110 |
| Eigentümerin | SZU |
| Betreiberin | SZU |
| Personenverkehr | S-Bahn Zürich, Linien S4 und SN4 |
| Adresse | Wolframplatz 1 8045 Zürich |
| Website | szu.ch |
Der Bahnhof Zürich Giesshübel ist ein Bahnhof der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) im Zürcher Quartier Alt-Wiedikon. Er liegt am Wolframplatz im Stadtkreis 3 und bildet den betrieblichen Mittelpunkt des SZU-Bahnnetzes.
Am Bahnhof treffen die Strecken der Sihltalbahn und der Uetlibergbahn zusammen. Zusätzlich besteht eine Verbindung zum normalspurigen Netz der Schweizerischen Bundesbahnen beim Bahnhof Zürich Wiedikon. Auf dem weitläufigen Areal befinden sich Abstell-, Werkstatt- und Dienstgleise, technische Anlagen sowie der Hauptsitz der SZU.
Für den öffentlichen Personenverkehr besitzt der Bahnhof nur einen Bahnsteig an einem Gleis. Dieses wird von den Zügen der Sihltalbahn-Linie S4 und der Nachtlinie SN4 bedient. Die Züge der Uetlibergbahn-Linie S10 durchfahren das Bahnhofareal ohne Halt; ihre nächstgelegene Station ist Zürich Binz.[1]
Der Bahnhof wurde am 3. August 1892 mit der Sihltalbahn eröffnet. Er entwickelte sich zum Übergangspunkt für den Personen- und Güterverkehr, zum Sitz der Bahngesellschaft und später zum zentralen Betriebsstandort der SZU.[2]
Name
Der Name Giesshübel ist eine historische Orts- und Flurbezeichnung. Sie wurde bereits vor dem Bau der Eisenbahn für das Gebiet zwischen Wiedikon, der Sihl und dem späteren Industriegebiet Binz verwendet.
Der Ausdruck setzt sich aus «Giess» beziehungsweise «Giessen» und «Hübel» zusammen. «Hübel» ist eine schweizerdeutsche Bezeichnung für einen Hügel oder eine kleinere Geländeerhebung. Der Name dürfte sich auf die ursprünglichen Gelände- und Wasserverhältnisse am Rand der Sihlebene beziehen.
Die amtliche Bahnhofsbezeichnung lautet Zürich Giesshübel. Im lokalen Sprachgebrauch wird häufig nur «Giesshübel» verwendet.
Lage
Der Bahnhof liegt südwestlich des Zürcher Stadtzentrums zwischen der Manessestrasse, der Uetlibergstrasse, der Eichstrasse und dem Wolframplatz. Das Areal gehört zum Quartier Alt-Wiedikon und befindet sich nahe der Grenze zum Quartier Enge.
Östlich des Bahnhofs verlaufen die Sihl und die aufgeständerte Autobahn A3. Westlich steigt das Gelände in Richtung Binz und Friesenberg an. Südlich schliessen sich Gewerbe-, Büro- und Wohngebiete entlang der Uetlibergstrasse an.
Der Wolframplatz liegt unmittelbar beim Personenperron. Er entstand im Zusammenhang mit der Überbauung eines früheren Teils des Bahnareals und bildet heute einen kleinen städtischen Platz zwischen Bahnhof, Wohngebäuden und dem SZU-Hauptsitz.
In Gehdistanz liegen unter anderem:
- das ehemalige Hürlimann-Areal;
- das Einkaufszentrum Sihlcity;
- die Sportanlage Saalsporthalle;
- das Gewerbegebiet Binz;
- der Manesseplatz;
- der Bahnhof Zürich Binz;
- der Bahnhof Zürich Wiedikon.
Bedeutung im Bahnnetz
Giesshübel ist der zentrale betriebliche Knoten des SZU-Bahnnetzes. Nördlich des Bahnhofs verlaufen die Sihltalbahn und die Uetlibergbahn gemeinsam in Richtung Zürich Selnau und Zürich Hauptbahnhof.
Südlich beziehungsweise südwestlich des Bahnhofs trennen sich die Strecken:
- Die Sihltalbahn führt der Sihl entlang über Zürich Saalsporthalle, Brunau, Manegg und Leimbach nach Adliswil, Langnau-Gattikon und Sihlwald.
- Die Uetlibergbahn steigt über Zürich Binz, Friesenberg, Schweighof, Triemli und Uitikon Waldegg zum Uetliberg an.
- Eine separate Verbindung führt in Richtung Bahnhof Zürich Wiedikon und stellt den Anschluss an das SBB-Netz her.
Diese Verzweigung macht Giesshübel zu einem wichtigen Punkt für die Fahrplangestaltung, die Betriebssteuerung, die Zuführung von Fahrzeugen und den Güterverkehr.
Die Lage der Werkstätten, Abstellgleise und Verwaltungsgebäude verstärkt die betriebliche Bedeutung. Viele Zugfahrten der SZU beginnen oder enden als Dienstfahrt im Bahnhofareal, auch wenn sie im Fahrplan für Reisende nicht erscheinen.
Bahnhofanlage
Personenanlage
Die für Reisende zugängliche Station besitzt einen Seitenperron an einem einzigen Bahnsteiggleis. Das Gleis wird von den Zügen der S4 in beiden Fahrtrichtungen benutzt.
Der Bahnsteig liegt auf der Nordseite des eigentlichen Betriebsareals und ist vom Wolframplatz zugänglich. Er verfügt über:
- ein Perrondach;
- Sitzgelegenheiten;
- digitale Abfahrtsanzeigen;
- Lautsprecheranlagen;
- Billettautomaten;
- Beleuchtung;
- taktile Markierungen;
- stufenfreie Zugänge.
Der Bahnhof entspricht nach Angaben der SZU den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes. Ein stufenfreier Einstieg ist bei den dafür geeigneten Fahrzeugen möglich.[3]
Die einfache Personenanlage steht in einem deutlichen Gegensatz zum umfangreichen Gleisfeld. Der grösste Teil des Bahnhofs dient nicht dem Ein- und Aussteigen, sondern dem Betrieb und Unterhalt der Bahn.
Betriebsgleise
Südlich des Personenperrons erstrecken sich mehrere Durchfahrts-, Abstell-, Werkstatt- und Rangiergleise. Über Weichenverbindungen können Fahrzeuge zwischen der Sihltalbahn, der Uetlibergbahn, den Unterhaltsanlagen und der Verbindung nach Wiedikon wechseln.
Die Gleisanlage dient unter anderem:
- dem Abstellen von S4- und S10-Zügen;
- der Zuführung zur Werkstätte;
- technischen Prüf- und Rangierfahrten;
- dem Austausch von Fahrzeugen zwischen den Linien;
- Güter- und Dienstzügen;
- dem Übergang zum SBB-Netz.
Der Bahnhof ist mit elektronischen Sicherungsanlagen ausgestattet und wird durch die Betriebsorganisation der SZU gesteuert.
Fahrleitung
Die Sihltalbahn verwendet seit ihrer Elektrifizierung das schweizerische Vollbahnstromsystem mit 15 Kilovolt Wechselstrom und einer Frequenz von 16,7 Hertz.
Die Uetlibergbahn wurde dagegen 1923 mit 1200 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Wegen der gemeinsamen Strecke zwischen Giesshübel und Zürich bestanden dort während beinahe hundert Jahren zwei unterschiedliche Fahrleitungssysteme.
Die Gleichstromleitung der Uetlibergbahn war seitlich gegenüber der Gleismitte angeordnet. Die Stromabnehmer der Uetlibergbahnfahrzeuge waren entsprechend seitlich versetzt. Dieses System war ein markantes technisches Merkmal der SZU.
Im August 2022 wurde die Uetlibergbahn auf 15 Kilovolt Wechselstrom umgestellt. Seither verwenden S4 und S10 dasselbe Stromsystem. Neue Weichen- und Fahrleitungsverbindungen ermöglichen eine flexiblere Nutzung der Doppelspur zwischen Zürich Hauptbahnhof und Giesshübel.[4]
Personenverkehr
S-Bahn-Linie S4
Der Bahnhof wird im regulären Tagesverkehr durch die Linie S4 der S-Bahn Zürich bedient. Ihre Grundstrecke lautet:[5]
- S4: Zürich HB – Zürich Selnau – Zürich Giesshübel – Zürich Saalsporthalle – Zürich Brunau – Zürich Manegg – Zürich Leimbach – Sood-Oberleimbach – Adliswil – Sihlau – Wildpark-Höfli – Langnau-Gattikon – Sihlwald.
Die S4 verkehrt auf dem inneren Streckenabschnitt grundsätzlich in einem dichten Takt. Ein grosser Teil der Züge fährt bis Langnau-Gattikon, während einzelne Verbindungen bis Sihlwald weitergeführt werden.
Die Fahrzeit von Giesshübel nach Zürich Hauptbahnhof beträgt rund vier Minuten. Nach Adliswil dauert die Fahrt ungefähr eine Viertelstunde.
Während der Hauptverkehrszeiten verkehren zusätzliche Verstärkungszüge. Wegen der begrenzten Kapazität einzelner eingleisiger Streckenabschnitte sind die Zugfolgen eng auf die Kreuzungsstellen und Endbahnhöfe abgestimmt.
Nachtlinie SN4
In den Nächten vor Samstagen und Sonntagen wird Zürich Giesshübel von der Nacht-S-Bahn-Linie SN4 bedient:[6]
- SN4: Zürich HB – Zürich Selnau – Zürich Giesshübel – Zürich Saalsporthalle – Zürich Brunau – Zürich Manegg – Zürich Leimbach – Sood-Oberleimbach – Adliswil – Sihlau – Wildpark-Höfli – Langnau-Gattikon.
Die Nachtverbindung erschliesst das Sihltal und die südwestlichen Zürcher Stadtquartiere während der üblichen nächtlichen Betriebspause des Tagesnetzes.
Durchfahrende S10
Die Uetlibergbahn-Linie S10 fährt durch den Bahnhof Giesshübel, hält dort jedoch nicht. Ihre Züge zweigen im südlichen Bereich des Bahnhofareals in Richtung Zürich Binz und Uetliberg ab.
Die nächstgelegene Zugangsstelle zur S10 ist der Bahnhof Zürich Binz. Dieser liegt rund zehn Gehminuten westlich von Giesshübel.
Die unterschiedlichen Haltekonzepte gehen auf die historische Entwicklung beider Bahnen zurück. Giesshübel wurde als Ausgangs- und Betriebsbahnhof der Sihltalbahn ausgebaut, während die Uetlibergbahn bereits seit 1875 eine eigene Strecke zwischen Selnau und Uetliberg besass.
Vorübergehende Einschränkungen 2026
Vom 29. April bis zum 18. Oktober 2026 ist die Strecke zwischen Zürich Selnau und Zürich Hauptbahnhof wegen des Umbaus der unterirdischen SZU-Station vollständig gesperrt.
Während dieser Zeit wenden die regulären Züge der S4 und S10 in Zürich Selnau. Einzelne Verstärkungszüge der S4 enden bereits an der Station Zürich Saalsporthalle.[7]
Der Bahnhof Giesshübel bleibt während der Sperre grundsätzlich in Betrieb. Reisende in Richtung Hauptbahnhof müssen in Selnau auf Fusswege oder städtische Verkehrsmittel ausweichen.
Anschluss an den Stadtverkehr
Direkt am Personenperron befindet sich keine grössere Bus- oder Tramhaltestelle. Aufgrund der innerstädtischen Lage sind jedoch mehrere Angebote der Verkehrsbetriebe Zürich zu Fuss erreichbar.
Die nächstgelegenen Haltestellen liegen unter anderem an der Manessestrasse, der Uetlibergstrasse und im Gebiet Binz. Über sie bestehen Verbindungen zum Bahnhof Wiedikon, nach Altstetten, zum Triemli, nach Enge und in die Innenstadt.
Eine wichtige ergänzende Verbindung bildet die Buslinie 76, die zwischen dem Bahnhof Wiedikon und dem Gebiet Binz verkehrt. Bei Betriebsunterbrüchen der Uetlibergbahn wird sie teilweise als alternative Verbindung empfohlen.[8]
Am und um den Bahnhof bestehen Abstellmöglichkeiten für Velos. In der Umgebung befinden sich mehrere Mobility-Carsharing-Standorte.[9]
Geschichte
Uetlibergbahn von 1875
Die Uetlibergbahn-Gesellschaft eröffnete am 12. Mai 1875 ihre normalspurige Adhäsionsbahn vom damaligen Bahnhof Zürich Selnau auf den Uetliberg.
Die Strecke führte durch das Gebiet Giesshübel, besass dort zunächst jedoch nicht die spätere Funktion eines grossen Betriebs- und Übergabebahnhofs. Sie diente vor allem dem Ausflugsverkehr auf den Zürcher Hausberg.
Der Bau galt wegen der starken Steigungen als technische Besonderheit. Die Strecke wurde zunächst mit Dampflokomotiven betrieben.
Gründung der Sihltalbahn
Im späten 19. Jahrhundert entstanden Pläne für eine Bahnverbindung von Zürich durch das Sihltal. Die Strecke sollte die Gemeinden Adliswil und Langnau am Albis erschliessen und insbesondere den Transport von Holz aus dem Sihlwald erleichtern.
Als nördlicher Ausgangspunkt wurde Giesshübel gewählt. Dort konnte die neue Bahn an die bestehende Strecke der Uetlibergbahn nach Selnau angeschlossen werden.
Die Sihltalbahn nahm am 3. August 1892 den Betrieb zwischen Giesshübel und Sihlwald auf. Gleichzeitig wurde der Abschnitt Giesshübel–Selnau für die gemeinsame Benutzung durch beide Bahnen ausgebaut.[10]
Die Personenzüge der Sihltalbahn fuhren von Beginn an über Giesshübel hinaus bis zum Bahnhof Selnau. Giesshübel wurde dennoch zum betrieblichen Ausgangspunkt, weil dort die Bahngesellschaft, die technischen Anlagen und der Güterumschlag konzentriert waren.
Verbindung nach Wiedikon
Für den Güterverkehr benötigte die Sihltalbahn einen Anschluss an das Netz der Schweizerischen Nordostbahn. Deshalb wurde am 1. Dezember 1892 die Verbindungsstrecke zwischen Giesshübel und Wiedikon eröffnet.[11]
Über diese Verbindung konnten Güterwagen zwischen der Sihltalbahn und dem schweizerischen Hauptbahnnetz ausgetauscht werden. Besonders wichtig war der Transport von Holz aus dem Sihlwald.
Mit dem Umbau und der Tieferlegung der linksufrigen Zürichseebahn in den 1920er-Jahren wurde auch die Verbindung nach Wiedikon neu trassiert. Sie führt heute durch den Manessetunnel.
Die Strecke ist weiterhin für Güter-, Dienst- und Überführungsfahrten nutzbar. Dadurch besitzt das ansonsten weitgehend abgeschlossene SZU-Netz einen direkten normalspurigen Anschluss an die SBB.
Verlängerung nach Sihlbrugg
Am 1. Juni 1897 wurde die Sihltalbahn von Sihlwald nach Sihlbrugg verlängert. Dort entstand ein zweiter Anschluss an das Netz der Nordostbahn beziehungsweise der späteren SBB.
Der Bahnhof Giesshübel blieb dennoch der wichtigste Übergabe- und Betriebsstandort der Sihltalbahn. Er lag näher bei den Zürcher Gewerbe- und Industriegebieten und war Sitz der Bahngesellschaft.
Der fahrplanmässige Personenverkehr zwischen Sihlwald und Sihlbrugg wurde im Dezember 2006 eingestellt. Der Abschnitt bleibt für Sonder-, Museums- und Dienstfahrten erhalten.
Elektrifizierung
Die Sihltalbahn wurde 1924 mit dem schweizerischen Vollbahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16⅔ Hertz elektrifiziert.
Die Uetlibergbahn hatte bereits 1923 den elektrischen Betrieb aufgenommen, allerdings mit 1200 Volt Gleichstrom. Die Wahl dieses Systems hing mit damaligen Plänen zusammen, die Bahn möglicherweise in ein schmalspuriges städtisches Strassenbahnnetz umzuwandeln.
Auf der gemeinsam benutzten Strecke mussten deshalb zwei voneinander abweichende Fahrleitungssysteme nebeneinander betrieben werden. Diese technische Besonderheit blieb bis zur Umstellung der Uetlibergbahn im Jahr 2022 bestehen.
Güterbahnhof und Werkstätten
Giesshübel entwickelte sich zu einem bedeutenden Güterbahnhof. Auf dem Areal bestanden Freiverladegleise, Güterschuppen, Rampen, Lagerplätze, Anschlussgleise und Rangieranlagen.
Umgeschlagen wurden unter anderem:
- Holz aus dem Sihlwald;
- Baustoffe;
- Kohle und Brennstoffe;
- landwirtschaftliche Erzeugnisse;
- Maschinen und Industrieprodukte;
- Waren für Betriebe in Wiedikon, Enge und im Sihltal.
Die Werkstätten dienten der Wartung von Dampflokomotiven, Personenwagen und Güterwagen. Nach der Elektrifizierung wurden sie für Triebwagen, Lokomotiven und elektrische Ausrüstungen angepasst.
Das Bahnhofareal war damit über Jahrzehnte nicht nur eine Haltestelle, sondern ein bedeutender Arbeits- und Industriestandort.
Fusion zur SZU
Die Sihltalbahn und die Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg arbeiteten bereits lange eng zusammen. Sie benutzten gemeinsame Streckenabschnitte, besassen jedoch unterschiedliche technische Systeme und blieben rechtlich selbstständig.
1973 fusionierten die beiden Unternehmen zur Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU AG.[10]
Giesshübel wurde zum Hauptsitz des neuen Unternehmens. Die Verwaltung, Betriebsleitung und technischen Abteilungen wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf dem Areal zusammengeführt.
Verlängerung zum Hauptbahnhof
Bis 1990 endeten die Personenzüge der Sihltal- und Uetlibergbahn am oberirdischen Bahnhof Selnau. Reisende zum Hauptbahnhof oder in die Innenstadt mussten zu Fuss oder mit dem Tram weiterfahren.
Pläne für eine direkte Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof bestanden bereits seit den 1930er-Jahren. Die dichte Bebauung zwischen Selnau und Hauptbahnhof erschwerte jedoch die Linienführung.[12]
Am 5. Mai 1990 nahm die SZU die unterirdische Verlängerung von Selnau zum Hauptbahnhof in Betrieb. Gleichzeitig wurde der alte oberirdische Bahnhof Selnau geschlossen und durch eine unterirdische Station ersetzt.
Die Verlängerung verbesserte die Erreichbarkeit des gesamten SZU-Netzes erheblich. Giesshübel erhielt eine direkte Verbindung zum wichtigsten Verkehrsknoten der Schweiz und wurde in das neu geschaffene Netz der S-Bahn Zürich integriert.
Umgestaltung des Bahnhofareals
Aufgabe von Güterflächen
Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Strasse und dem Strukturwandel im Zürcher Gewerbe wurden Teile des Freiverlads und der Lagerflächen nicht mehr benötigt.
Die SZU konnte deshalb Grundstücke am nördlichen Rand des Bahnhofs für eine neue städtebauliche Nutzung freigeben. Ein Studienauftrag für die Überbauung wurde 2006 von Burkhalter Sumi Architekten gewonnen.[13]
Wolframplatz
Zwischen 2010 und 2013 entstand rund um den heutigen Wolframplatz eine gemischt genutzte Überbauung mit Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen.
Drei unterschiedlich gestaltete Gebäude fassen den Platz ein. Die Gleise bilden seine südliche Begrenzung. Der Name erinnert an den mittelhochdeutschen Dichter Wolfram von Eschenbach.
Die Umgestaltung veränderte das Erscheinungsbild des Bahnhofs grundlegend. Aus einem von Güterflächen, Rampen und Betriebsgebäuden geprägten Areal entstand ein dichter städtischer Wohn- und Arbeitsort.
Teile der älteren Bahnhofsbauten wurden abgebrochen oder in Neubauten integriert. Das ehemalige Betriebsgebäude erhielt eine neue Aufstockung in Holzbauweise und dient weiterhin betrieblichen und administrativen Zwecken.
Hauptsitz der SZU
Der Hauptsitz der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn befindet sich am Wolframplatz 21. Von Giesshübel aus werden die verschiedenen Unternehmensbereiche koordiniert.
Dazu gehören unter anderem:
- Unternehmensleitung;
- Bahnproduktion;
- Infrastruktur;
- Fahrplan- und Angebotsplanung;
- Personalwesen;
- Finanzen;
- Kommunikation;
- Immobilien;
- Projektmanagement;
- technische Dienste.
Der Standort verdeutlicht die besondere Verbindung zwischen Bahnhof und Bahngesellschaft. Giesshübel ist nicht nur eine Station im Streckennetz, sondern das organisatorische Zentrum des Unternehmens.
Neue Unterhaltsanlage
Die bestehende Werkstätte stammt im Kern aus den 1960er-Jahren. Ihre Unterhaltsgleise sind nur ungefähr 60 Meter lang und für moderne, nicht mehr einfach trennbare Triebzüge zu kurz.
Die SZU plant deshalb am Standort Giesshübel eine neue Unterhaltsanlage und einen neuen Hauptsitz. Die Anlage soll voraussichtlich bis etwa 2032 fertiggestellt werden.[14]
Das Projekt umfasst insbesondere:
- längere Werkstattgleise;
- Arbeitsplätze für den modularen Fahrzeugunterhalt;
- Kran- und Hebeanlagen;
- technische Räume;
- Lager- und Logistikflächen;
- Reinigungs- und Versorgungsanlagen;
- neue Büro- und Aufenthaltsräume;
- eine Neuordnung der Zufahrts- und Abstellgleise.
Die neue Anlage ist auf die längeren Fahrzeuge der S4 und S10 sowie auf künftige Fahrzeuggenerationen ausgerichtet. Sie bildet eine Voraussetzung für den geplanten Ausbau des SZU-Angebots.
Die Bauarbeiten müssen unter engen Platzverhältnissen und bei weitgehend aufrechterhaltenem Bahnbetrieb erfolgen. Gleichzeitig sind die benachbarten Wohn- und Gewerbenutzungen sowie die bestehenden Gleisverbindungen zu berücksichtigen.
Angebotsausbau bis 2035
Die SZU rechnet mit einem weiteren starken Wachstum der Fahrgastzahlen. Im Rahmen des Angebotskonzepts 2035 sollen die Linien S4 und S10 während der Hauptverkehrszeiten auf einen 7,5-Minuten-Takt verdichtet werden.
Bei vollständiger Umsetzung würde im Bereich Giesshübel durchschnittlich alle 112,5 Sekunden ein Zug verkehren.[15]
Für dieses Angebot sind verschiedene Infrastrukturmassnahmen erforderlich:
- zusätzliche Doppelspurabschnitte;
- neue und verlängerte Kreuzungsstellen;
- modernisierte Stellwerke;
- neue Fahrzeuge;
- leistungsfähigere Werkstätten;
- der Ausbau des Tiefbahnhofs Zürich HB SZU;
- flexiblere Gleisverbindungen im Bereich Giesshübel.
Der Bahnhof Giesshübel bleibt damit auch künftig ein zentraler Engpass und Schlüsselpunkt des gesamten SZU-Netzes.
Güterverkehr
Der Güterverkehr besitzt heute eine geringere Bedeutung als im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Der Anschluss zum SBB-Netz ermöglicht jedoch weiterhin Güter- und Überführungsfahrten.
Über Giesshübel können unter anderem:
- neue oder revidierte Schienenfahrzeuge zugeführt;
- Fahrzeuge zu externen Werkstätten überführt;
- Bau- und Unterhaltsmaterialien transportiert;
- Dienst- und Messfahrzeuge ausgetauscht;
- einzelne Güterkunden bedient werden.
Die normalspurige Ausführung der Sihltal- und Uetlibergbahn erleichtert den Fahrzeug- und Güterwagenaustausch. Seit der Vereinheitlichung des Stromsystems können Fahrzeuge innerhalb des SZU-Netzes flexibler eingesetzt werden.
Städtebauliche Bedeutung
Der Bahnhof liegt an einer Schnittstelle zwischen historischer Eisenbahninfrastruktur und neuen Wohn- und Gewerbegebieten.
Das Gebiet war lange von Gleisanlagen, Lagerplätzen, Industriebauten und der nahe gelegenen Brauerei Hürlimann geprägt. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche ehemalige Gewerbeareale umgenutzt.
Heute verbinden sich rund um Giesshübel:
- historisches Bahnareal;
- moderner öffentlicher Verkehr;
- dichter Wohnungsbau;
- Büro- und Gewerbenutzungen;
- die Hochstrasse der Autobahn A3;
- Fuss- und Veloverbindungen;
- öffentliche und halböffentliche Freiräume.
Der Wolframplatz schafft einen Übergang zwischen dem Bahnhof und der umliegenden Bebauung. Trotz seiner Nähe zur Innenstadt ist er durch die Gleise, die Sihlhochstrasse und die Geländesprünge räumlich stark eingefasst.
Bedeutung
Der Bahnhof Zürich Giesshübel besitzt für den Personenverkehr weniger Fahrgastaufkommen als die SZU-Stationen Zürich Hauptbahnhof, Selnau, Saalsporthalle oder Adliswil. Seine eigentliche Bedeutung liegt in seiner betrieblichen Funktion.
Er ist:
- Verzweigungspunkt von Sihltal- und Uetlibergbahn;
- Anschlussstelle zum SBB-Netz;
- Standort der SZU-Werkstätten;
- Abstell- und Rangierbahnhof;
- Hauptsitz der Bahngesellschaft;
- Ausgangspunkt zahlreicher Dienstfahrten;
- Schlüsselstelle für den geplanten Angebotsausbau.
Die Kombination aus Personenstation, Betriebsbahnhof, Werkstätte und Unternehmenssitz ist innerhalb des Zürcher Bahnnetzes aussergewöhnlich.
Siehe auch
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- Sihltalbahn
- Uetlibergbahn
- Bahnhof Zürich Selnau
- Bahnhof Zürich Binz
- Bahnhof Zürich Wiedikon
- Zürich Hauptbahnhof
- S-Bahn Zürich
- Alt-Wiedikon
- Wolframplatz
Literatur
- Hans Waldburger, Hans Tempelmann: Die Sihltalbahn. 100 Jahre von der Dampfbahn zur modernen S-Bahn-Linie. Minirex, Luzern 1992, ISBN 3-907014-06-5.
- Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: 125 Jahre Sihltalbahn 1892–2017. Zürich 2017.
- Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
Weblinks
- Offizielle Website der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
- Haltestellenfahrplan Zürich Giesshübel
- Bahnhof Zürich Giesshübel bei den SBB
- Geschichte der SZU
- Projekt der neuen Unterhaltsanlage Giesshübel
- Ausbauprojekte der SZU
Einzelnachweise
- ↑ Zürich Giesshübel – Haltestellenfahrplan, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 125 Jahre Sihltalbahn 1892–2017, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, 2017, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Informationen zur Hindernisfreiheit der SZU-Bahnhöfe, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, 27. November 2023, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Hintergrundinformationen zur Umstromung und zum Spurwechsel, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ S4 Zürich HB–Sihlwald, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ SN4 Zürich HB–Langnau-Gattikon, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Ausbau Zürich HB SZU und Streckensperrung 2026, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Alternative Reiserouten im Gebiet Giesshübel und Binz, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bahnhof Zürich Giesshübel, SBB, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 10,0 10,1 Die Geschichte der SZU, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Aus den Annalen der linksufrigen Zürichseebahn, Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Wie die SZU an den Hauptbahnhof kam, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Dissonanter Dreiklang, Hochparterre, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Neubau Unterhaltsanlage Giesshübel, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Rund 27 Millionen Fahrgäste und mehrere Grossprojekte, Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, 24. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Zürich Giesshübel