Schweizerpsalm

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Schweizerpsalm
Noten des Schweizerpsalms
Alternativer Titel Trittst im Morgenrot daher
Funktion Nationalhymne der Schweiz
Text Leonhard Widmer
Melodie Alberich Zwyssig
Entstehungsjahr 1841
Provisorische Einführung 1961
Definitive Anerkennung 1981
Originalsprache Deutsch
Offizielle Fassungen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch
Informationen admin.ch

Der Schweizerpsalm ist die Nationalhymne der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Er ist auch nach seiner ersten Textzeile «Trittst im Morgenrot daher» bekannt. Den deutschsprachigen Originaltext verfasste der Zürcher Dichter und Verleger Leonhard Widmer. Die Melodie stammt vom Zisterziensermönch und Komponisten Alberich Zwyssig. Text und Melodie wurden 1841 zum Schweizerpsalm verbunden.[1]

Der Bundesrat erklärte den Schweizerpsalm 1961 zunächst provisorisch zur schweizerischen Landeshymne. Nach einer rund zwanzigjährigen Erprobungszeit und einer Vernehmlassung bei den Kantonen wurde er 1981 definitiv als offizielle Nationalhymne bestätigt.[2]

Der Text beschreibt Naturerscheinungen in der schweizerischen Berglandschaft und verbindet sie mit religiösen Vorstellungen. In den vier Strophen erscheinen Morgenrot, Abendglühen, Nebel, Wolken und ein aufziehendes Unwetter als Zeichen der Gegenwart Gottes. Der ausgeprägt religiöse Charakter unterscheidet den Schweizerpsalm von vielen Nationalhymnen, deren Texte stärker von politischen, militärischen oder revolutionären Motiven geprägt sind.

Offizielle Textfassungen bestehen in den vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Die fremdsprachigen Fassungen sind keine wortgetreuen Übersetzungen, sondern eigenständige Nachdichtungen, die an die Melodie angepasst wurden.

Bezeichnung

Die Bezeichnung Schweizerpsalm verweist auf den religiösen Charakter des Liedes. Ein Psalm ist ursprünglich ein geistliches Lied oder Gebet. Die Naturbilder des Textes werden als Hinweise auf Gott und seine Gegenwart im Vaterland gedeutet.

In amtlichen Veröffentlichungen wird neben «Schweizerpsalm» auch die Bezeichnung Schweizer Landeshymne verwendet. Umgangssprachlich ist häufig von der Schweizer Nationalhymne die Rede.

Der Titel «Trittst im Morgenrot daher» stammt von der ersten Zeile der deutschen Fassung. Das Lied besitzt keinen Refrain im engeren Sinn. Jede Strophe endet jedoch mit einer wiederholten Anrufung Gottes im Vaterland.

Entstehung

Leonhard Widmer

Der deutsche Originaltext wurde von Leonhard Widmer verfasst. Widmer wurde 1809 in Feldmeilen am Zürichsee geboren und war als Dichter, Journalist, Verleger und Buchhändler tätig. Er gehörte zum Freundeskreis des Komponisten Alberich Zwyssig.

Widmer schrieb einen patriotisch-religiösen Text, der die schweizerische Landschaft mit dem Glauben an Gott verbindet. Anders als viele Nationalgesänge des 19. Jahrhunderts verherrlicht der Schweizerpsalm weder Krieg noch militärische Siege. Im Mittelpunkt stehen Natur, Gebet, Freiheit und die Vorstellung eines von Gott behüteten Vaterlandes.

Der Originaltext entstand um 1840 beziehungsweise 1841. Zwyssig nahm für die Vertonung kleinere Änderungen am Text vor.

Alberich Zwyssig

Die Melodie komponierte der Zisterzienserpater Alberich Zwyssig. Er wurde 1808 in Bauen am Vierwaldstättersee geboren und trat in das Kloster Wettingen ein.

Zwyssig hatte die musikalische Grundlage bereits 1835 für den lateinischen Messgesang Diligam te Domine geschaffen. Die Worte bedeuten auf Deutsch ungefähr «Ich will dich lieben, Herr». Im Jahr 1841 passte er diese Melodie an Widmers Text an.[3]

Das Kloster Wettingen war 1841 im Zuge des Aargauer Klosterstreits aufgehoben worden. Zwyssig hielt sich danach zeitweise im Privathaushalt seines Bruders in Zug auf. Dort soll er den Schweizerpsalm einstudiert und erstmals aufführen lassen haben.

Verbindung von Text und Melodie

Zwyssig bearbeitete Widmers Gedicht so, dass es zu seiner bereits vorhandenen geistlichen Melodie passte. Die Verbindung von Text und Musik verlieh dem Lied seinen hymnenartigen Charakter.

Der Schweizerpsalm war damit eine eigenständige schweizerische Schöpfung. Dies wurde später zu einem wichtigen Argument für seine Anerkennung als Nationalhymne, weil sein Vorgänger Rufst du, mein Vaterland dieselbe Melodie wie die britische Nationalhymne verwendete.

Die Originalhandschrift des Schweizerpsalms wird in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern aufbewahrt. Sie trägt die Signatur Ms M 3 HelvRara.[3]

Verbreitung im 19. Jahrhundert

Nach seiner Entstehung wurde der Schweizerpsalm bei Sängerfesten und patriotischen Veranstaltungen aufgeführt. Das Lied fand Eingang in das Repertoire von Männerchören und des Eidgenössischen Sängervereins.

Die schweizerische Chorbewegung besass im 19. Jahrhundert eine grosse gesellschaftliche und politische Bedeutung. Gesangsvereine trugen zur Verbreitung patriotischer Lieder bei und förderten über sprachliche, konfessionelle und kantonale Grenzen hinweg ein gemeinsames nationales Bewusstsein.

Der Schweizerpsalm war jedoch zunächst nicht die allgemein anerkannte Hymne des Landes. Mehrere patriotische Lieder wurden bei öffentlichen Anlässen verwendet. Besonders verbreitet war Rufst du, mein Vaterland.

Vorgänger «Rufst du, mein Vaterland»

Vor der Einführung des Schweizerpsalms erfüllte das Lied Rufst du, mein Vaterland während mehrerer Jahrzehnte faktisch die Funktion einer schweizerischen Nationalhymne.

Den Text schrieb der Berner Philosoph und Dichter Johann Rudolf Wyss im Jahr 1811. Gesungen wurde er zur Melodie von God Save the King, der heutigen britischen Nationalhymne. Dieselbe Melodie wurde im 19. Jahrhundert auch für Hymnen und Herrscherlieder verschiedener europäischer Staaten verwendet.

Das Lied beginnt mit den Worten:

<poem> Rufst du, mein Vaterland, Sieh uns mit Herz und Hand All dir geweiht! </poem>

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die gemeinsame Melodie mit der britischen Hymne zunehmend als problematisch empfunden. Bei internationalen Veranstaltungen konnte es zu Verwechslungen kommen, wenn für die Schweiz und das Vereinigte Königreich dieselbe Melodie gespielt wurde.[3]

Auch der Text von Rufst du, mein Vaterland galt mit der Zeit als sprachlich und inhaltlich veraltet. Deshalb verstärkte sich der Wunsch nach einer eindeutig schweizerischen Nationalhymne.

Suche nach einer Nationalhymne

Haltung des Bundesrates

Die Frage einer offiziellen Nationalhymne beschäftigte den Bundesrat wiederholt. Im Jahr 1894 schlug ein Genfer Gesangslehrer vor, den Schweizerpsalm zur Nationalhymne zu erklären.

Der Bundesrat lehnte eine amtliche Festlegung damals ab. Er vertrat die Auffassung, die Einführung eines solchen Liedes könne nicht einfach durch eine staatliche Behörde angeordnet werden. Vielmehr müsse sich eine Hymne durch die Akzeptanz der Bevölkerung entwickeln.

Eine weitere Eingabe folgte 1933. Mehr als 250 Delegierte des Eidgenössischen Sängervereins sprachen sich für den Schweizerpsalm aus. Auch der Vorstand des Schweizerischen Tonkünstlervereins unterstützte das Anliegen. Der Bundesrat verzichtete 1934 erneut auf eine offizielle Entscheidung.[3]

Wettbewerbe

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden verschiedene Wettbewerbe zur Schaffung einer neuen schweizerischen Nationalhymne durchgeführt. Einen solchen Wettbewerb veranstalteten 1935 die Schweizer Illustrierte Zeitung und die französischsprachige Zeitschrift L’Illustré.

Die Wettbewerbe führten jedoch zu keinem Lied, das sich dauerhaft durchsetzen konnte. Die Schwierigkeit bestand unter anderem darin, einen Text und eine Melodie zu finden, die in allen Sprachregionen akzeptiert wurden und zugleich den politischen und kulturellen Besonderheiten der Schweiz entsprachen.

Hundertjahrfeier 1941

Im Jahr 1941 jährte sich die Entstehung des Schweizerpsalms zum hundertsten Mal. Gleichzeitig wurde das damals angenommene 650-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft gefeiert.

Erneut wurde gefordert, den Schweizerpsalm zur offiziellen Nationalhymne zu erklären. Der Schweizerische Tonkünstlerverein unterstützte das Anliegen. Der Eidgenössische Sängerverein äusserte sich dagegen zurückhaltender, da Rufst du, mein Vaterland während der Geistigen Landesverteidigung und nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs neue Popularität gewonnen hatte.

Der Bundesrat verzichtete abermals auf eine definitive Festlegung.

Einführung als Nationalhymne

Provisorische Einführung 1961

In den 1950er-Jahren wurde die gemeinsame Melodie von Rufst du, mein Vaterland und der britischen Nationalhymne bei zunehmenden internationalen Kontakten immer störender. Der Bundesrat beschloss deshalb, den Schweizerpsalm ab 1961 versuchsweise als Nationalhymne zu verwenden.

Die provisorische Regelung galt zunächst für drei Jahre. Der Schweizerpsalm sollte vor allem bei militärischen und diplomatischen Anlässen gespielt werden. Die Kantone wurden eingeladen, ihn auch bei ihren Veranstaltungen zu verwenden.

Das Provisorium wurde danach mehrmals um jeweils drei Jahre verlängert. In dieser Zeit sollte sich zeigen, ob das Lied von Bevölkerung, Kantonen und Organisationen als Nationalhymne angenommen wurde.

Definitive Anerkennung 1981

Vor der endgültigen Entscheidung führte der Bund eine Vernehmlassung bei den Kantonen durch. Die Mehrheit sprach sich für die Beibehaltung des Schweizerpsalms aus.

Am 1. April 1981 erklärte der Bundesrat den Schweizerpsalm definitiv zur offiziellen Nationalhymne der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Damit endete die seit 1961 geltende provisorische Regelung.[2]

Die Anerkennung erfolgte durch einen Beschluss des Bundesrates und nicht durch eine Verfassungsbestimmung oder ein eigenes Bundesgesetz. Die Nationalhymne ist deshalb rechtlich anders geregelt als beispielsweise die Flagge der Schweiz und das Wappen der Schweiz.

Deutscher Text

Der deutschsprachige Originaltext besteht aus vier Strophen. Bei offiziellen Anlässen wird meist nur die erste Strophe gesungen.

Erste Strophe

<poem> Trittst im Morgenrot daher, Seh’ ich dich im Strahlenmeer, Dich, du Hocherhabener, Herrlicher! Wenn der Alpenfirn sich rötet, Betet, freie Schweizer, betet! Eure fromme Seele ahnt, Eure fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland. </poem>

Zweite Strophe

<poem> Kommst im Abendglühn daher, Find’ ich dich im Sternenheer, Dich, du Menschenfreundlicher, Liebender! In des Himmels lichten Räumen Kann ich froh und selig träumen; Denn die fromme Seele ahnt, Denn die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland. </poem>

Dritte Strophe

<poem> Ziehst im Nebelflor daher, Such’ ich dich im Wolkenmeer, Dich, du Unergründlicher, Ewiger! Aus dem grauen Luftgebilde Bricht die Sonne klar und milde, Und die fromme Seele ahnt, Und die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland. </poem>

Vierte Strophe

<poem> Fährst im wilden Sturm daher, Bist du selbst uns Hort und Wehr, Du, allmächtig Waltender, Rettender! In Gewitternacht und Grauen Lasst uns kindlich ihm vertrauen! Ja, die fromme Seele ahnt, Ja, die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland, Gott, den Herrn, im hehren Vaterland. </poem>

Aufbau und Inhalt

Jede der vier Strophen folgt einem ähnlichen Aufbau. Zu Beginn erscheint Gott in einem Naturereignis. Darauf folgt eine Beschreibung der Wirkung dieser Erscheinung auf den Menschen. Am Ende steht die wiederholte Erkenntnis Gottes im Vaterland.

Die erste Strophe ist dem Morgen gewidmet. Das rötliche Licht auf den verschneiten Alpengipfeln wird als Zeichen einer höheren göttlichen Gegenwart verstanden.

Die zweite Strophe beschreibt Abendglühen und Sternenhimmel. Die nächtliche Landschaft vermittelt Ruhe, Geborgenheit und die Möglichkeit eines «frohen und seligen» Traumes.

Die dritte Strophe verwendet Nebel und Wolken als Sinnbilder des Verborgenen und Unergründlichen. Das Durchbrechen der Sonne steht für Hoffnung und Offenbarung.

In der vierten Strophe erscheinen Sturm, Gewitter und Gefahr. Gott wird als Schutz, Verteidigung und Rettung angerufen. Damit besitzt die letzte Strophe einen stärkeren gemeinschaftlichen und sicherheitsbezogenen Charakter als die vorhergehenden Abschnitte.

Sprache und Stil

Der Schweizerpsalm ist in der gehobenen poetischen Sprache des frühen 19. Jahrhunderts verfasst. Auffällig sind Wörter und Formulierungen wie «Alpenfirn», «hehr», «Nebelflor», «Hort und Wehr» und «Waltender».

Mit «Alpenfirn» ist der alte, verdichtete Schnee auf den Alpengipfeln und Gletschern gemeint. Das Wort «hehr» bezeichnet etwas Erhabenes oder Ehrwürdiges. «Nebelflor» beschreibt einen schleierartigen Nebel. Die Wendung «Hort und Wehr» bedeutet Schutz und Verteidigung.

Der Text richtet sich nicht unmittelbar an die Schweiz, sondern an Gott. Die Landschaft und das Vaterland bilden den Raum, in dem die göttliche Gegenwart wahrgenommen wird.

Der Satz «Betet, freie Schweizer, betet!» verbindet Religion mit politischer Freiheit. Die Freiheit der Schweizer erscheint dabei nicht als Ergebnis eines militärischen Sieges, sondern als Bestandteil einer höheren Ordnung.

Melodie

Die Melodie des Schweizerpsalms besitzt einen feierlichen und choralartigen Charakter. Ihre Herkunft aus einem geistlichen Messgesang ist deutlich erkennbar.

Das Lied steht üblicherweise in einem langsamen bis gemässigten Tempo. Die Melodie umfasst grössere Tonsprünge und verlangt besonders bei den wiederholten Schlusszeilen einen vergleichsweise grossen Tonumfang.

Im Unterschied zu vielen Marsch- und Revolutionshymnen ist der Schweizerpsalm rhythmisch ruhig. Er eignet sich daher besonders für zeremonielle und feierliche Anlässe.

Die Melodie wurde häufig für Blasmusik, Orchester, Chor, Orgel und verschiedene kleinere Besetzungen bearbeitet. Bei Sportveranstaltungen und internationalen Zeremonien wird meist eine verkürzte Instrumentalfassung gespielt.

Fassungen in den Landessprachen

Die Schweiz besitzt vier nationale Sprachfassungen des Schweizerpsalms. Neben dem deutschen Original bestehen Texte in französischer, italienischer und rätoromanischer Sprache.[1]

Die Fassungen geben die Grundgedanken des Originals wieder, unterscheiden sich jedoch in Wortwahl, Bildern und Satzbau. Dies war notwendig, um Textbetonung, Silbenzahl und Rhythmus an die vorhandene Melodie anzupassen.

Sprache Bezeichnung Beginn
Deutsch Schweizerpsalm Trittst im Morgenrot daher
Französisch Cantique suisse Sur nos monts, quand le soleil
Italienisch Salmo svizzero Quando bionda aurora il mattin c’indora
Rätoromanisch Psalm svizzer En l’aurora la damaun

Französische Fassung

Die französische Fassung trägt den Titel Cantique suisse. Ihre erste Zeile lautet:

<poem> Sur nos monts, quand le soleil Annonce un brillant réveil </poem>

Der Text ist keine direkte Übersetzung der deutschen Wörter. Er übernimmt jedoch die Verbindung von Landschaft, religiöser Empfindung und Vaterland.

Italienische Fassung

Die italienische Fassung wird Salmo svizzero genannt. Sie beginnt mit den Worten:

<poem> Quando bionda aurora il mattin c’indora L’alma mia t’adora, re del ciel! </poem>

Auch diese Version stellt die morgendliche Naturerscheinung und die Anbetung Gottes in den Mittelpunkt.

Rätoromanische Fassung

Die rätoromanische Version trägt die Bezeichnung Psalm svizzer. Im Laufe der Zeit bestanden unterschiedliche Fassungen in rätoromanischen Idiomen. Für den offiziellen Gebrauch wird eine standardisierte Fassung verwendet.

Der Anfang lautet:

<poem> En l’aurora la damaun Ta splendur dal firmament </poem>

Verwendung

Der Schweizerpsalm wird bei staatlichen, militärischen, diplomatischen, sportlichen und gesellschaftlichen Anlässen gespielt oder gesungen.

Zu den wichtigsten Gelegenheiten gehören Feiern zum Bundesfeiertag am 1. August, Staatsbesuche, militärische Zeremonien, internationale Sportveranstaltungen und offizielle Empfänge.

Bei diplomatischen Anlässen wird die Hymne nach den internationalen protokollarischen Gepflogenheiten verwendet. Bei einem Staatsbesuch werden gewöhnlich sowohl die Nationalhymne des Gaststaates als auch der Schweizerpsalm gespielt.

In Schulen, Vereinen und Gemeinden wird die Hymne besonders im Zusammenhang mit dem Bundesfeiertag gesungen. Die Kenntnis des vollständigen Textes ist in der Bevölkerung jedoch begrenzt. Häufig ist lediglich die erste Strophe bekannt.

Bundesfeiertag

Am 1. August gehört der Schweizerpsalm zu zahlreichen offiziellen Bundesfeiern und lokalen Veranstaltungen. Er wird oft am Anfang oder am Ende der Feier gesungen.

Je nach Sprachregion wird die entsprechende Sprachfassung verwendet. Bei gesamtschweizerischen Veranstaltungen können mehrere Fassungen nacheinander oder in einer mehrsprachigen Kombination gesungen werden.

Sportveranstaltungen

Bei internationalen Sportwettkämpfen erklingt der Schweizerpsalm vor Spielen schweizerischer Nationalmannschaften und bei Siegerehrungen schweizerischer Sportlerinnen und Sportler.

In diesem Umfeld wird meist nur ein kurzer instrumentaler Ausschnitt gespielt. Bei Mannschaftswettbewerben wird häufig die erste Strophe gesungen.

Der ruhige Rhythmus und der religiöse Text wurden wiederholt als für Sportveranstaltungen wenig geeignet kritisiert. Dennoch besitzt die Hymne gerade durch ihre regelmässige Verwendung im Sport eine grosse öffentliche Bekanntheit.

Militärisches Zeremoniell

Die Schweizer Armee verwendet den Schweizerpsalm bei offiziellen Empfängen, Fahnenzeremonien, Staatsbesuchen und anderen militärischen Anlässen.

Die Nationalhymne ist vom Fahnenmarsch der Schweizer Armee zu unterscheiden. Der Fahnenmarsch wird insbesondere beim Abschreiten einer militärischen Ehrenformation gespielt, während die Nationalhymnen den Gaststaat und die Schweiz repräsentieren.[4]

Verhalten beim Abspielen

Für das Verhalten während der Nationalhymne bestehen in der Schweiz gesellschaftliche und protokollarische Gepflogenheiten, jedoch keine umfassenden gesetzlichen Vorschriften für Privatpersonen.

Üblicherweise stehen die Anwesenden auf, verhalten sich ruhig und wenden sich der Fahne oder dem Ort der Zeremonie zu. Uniformierte Angehörige der Armee handeln nach den militärischen Vorschriften.

Eine gesetzliche Pflicht zum Mitsingen besteht nicht. Ebenso gibt es keine allgemeine Strafbestimmung, die eine ablehnende Haltung oder das Sitzenbleiben während der Hymne untersagt.

Religiöser Charakter

Alle vier Strophen des Schweizerpsalms sind von christlicher Gottesverehrung geprägt. Gott wird als erhaben, menschenfreundlich, unergründlich, ewig, allmächtig und rettend beschrieben.

Dieser religiöse Charakter entspricht dem kulturellen und politischen Umfeld der Entstehungszeit. Im 19. Jahrhundert waren patriotische und religiöse Vorstellungen in vielen europäischen Liedern eng miteinander verbunden.

In der heutigen religiös und weltanschaulich vielfältigen Schweiz wird dieser Inhalt unterschiedlich beurteilt. Befürworter betrachten ihn als Teil des historischen und kulturellen Erbes. Kritiker halten eine ausdrücklich religiöse Hymne für einen modernen säkularen Staat für wenig repräsentativ.

Der Schweizerpsalm nennt keine bestimmte Kirche oder Konfession. Dennoch ist seine Sprache deutlich christlich geprägt.

Diskussionen über eine neue Hymne

Seit der Einführung des Schweizerpsalms wurden mehrfach Änderungen oder eine vollständige Ersetzung der Hymne vorgeschlagen.

Kritisiert werden vor allem die altertümliche Sprache, die geringe Bekanntheit des Textes, der ausgeprägte religiöse Inhalt und die musikalischen Anforderungen. Daneben wird argumentiert, der Text greife moderne gesellschaftliche Werte wie Demokratie, Menschenrechte, sprachliche Vielfalt und Gleichstellung nicht ausdrücklich auf.

Befürworter des Schweizerpsalms verweisen dagegen auf seine historische Bedeutung, seine friedliche Grundhaltung und seine Verankerung im schweizerischen Brauchtum. Zudem sei eine Nationalhymne nicht als vollständige Beschreibung der heutigen Gesellschaft zu verstehen, sondern als historisches Symbol.

Parlamentarische Vorstösse

Im Jahr 2004 reichte die Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen eine Motion ein, die eine zeitgemässere Nationalhymne verlangte. Der Text sollte insbesondere moderne gesellschaftliche Werte besser widerspiegeln.

Der Vorstoss stiess im Parlament auf Widerstand und wurde 2006 zurückgezogen.[3]

Auch andere parlamentarische Anfragen und öffentliche Initiativen beschäftigten sich mit der Hymne. Zu einer Änderung durch den Bundesrat oder das Parlament kam es jedoch nicht.

Wettbewerb der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft führte ab 2013 einen Wettbewerb für einen neuen Text zur bestehenden Melodie durch. Gesucht wurde ein Text, der sich an den Werten der Präambel der Bundesverfassung orientieren sollte.

Aus dem Wettbewerb ging 2015 der Beitrag «Weisses Kreuz auf rotem Grund» von Werner Widmer als Sieger hervor. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft bezeichnete ihn als möglichen neuen Hymnentext und warb für seine Verbreitung.

Der Beitrag erhielt jedoch keinen amtlichen Status. Der Bundesrat hielt am Schweizerpsalm als offizieller Nationalhymne fest. Bei staatlichen und diplomatischen Anlässen wird weiterhin der traditionelle Text verwendet.

Rechtlicher Status

Der Schweizerpsalm wurde durch einen Bundesratsbeschluss zur offiziellen Landeshymne erklärt. Seine Stellung ist weder in der Bundesverfassung noch in einem besonderen Nationalhymnengesetz festgeschrieben.

Die Hymne gehört zu den staatlichen Symbolen der Schweiz, besitzt aber nicht denselben spezialgesetzlichen Schutz wie das Schweizerwappen, das Schweizerkreuz und die Schweizerfahne.

Die ursprünglichen Urheberrechte an Text und Melodie sind aufgrund des Alters der Werke abgelaufen. Der Schweizerpsalm ist daher grundsätzlich gemeinfrei. Moderne Bearbeitungen, Tonaufnahmen und besondere musikalische Arrangements können dagegen weiterhin urheberrechtlich geschützt sein.

Handschrift und Überlieferung

Die Originalhandschrift des Schweizerpsalms befindet sich in der Schweizerischen Nationalbibliothek. Sie zählt zu den bedeutenden musikalischen Dokumenten der schweizerischen Nationalgeschichte.

Das Manuskript dokumentiert die Bearbeitung des Textes und die musikalische Gestaltung durch Alberich Zwyssig. Die Nationalbibliothek bewahrt daneben weitere Unterlagen zur Entstehung, Verbreitung und politischen Anerkennung des Liedes auf.

Fotografien und Faksimiles der Handschrift wurden bei Ausstellungen und Jubiläumsveranstaltungen gezeigt. Das Original selbst wird aus konservatorischen Gründen nur unter besonderen Bedingungen ausgestellt.

Denkmäler und Erinnerungsorte

An mehreren Orten erinnern Denkmäler und Gedenktafeln an die Schöpfer des Schweizerpsalms.

In Bauen im Kanton Uri, dem Geburtsort Alberich Zwyssigs, befindet sich ein Denkmal für den Komponisten. Der Ort pflegt die Erinnerung an Zwyssig und seine Verbindung zur Nationalhymne.

Am Zürichhorn in der Stadt Zürich steht ein Schweizerpsalm-Denkmal zu Ehren von Leonhard Widmer und Alberich Zwyssig. Das 1910 errichtete Denkmal wurde vom Bildhauer Franz Wanger geschaffen.

Auch in Wettingen, wo Zwyssig als Zisterziensermönch wirkte, wird an den Komponisten erinnert. Das ehemalige Kloster ist eng mit seiner musikalischen Tätigkeit verbunden.

Kulturelle Bedeutung

Der Schweizerpsalm gehört zusammen mit der Flagge der Schweiz, dem Wappen der Schweiz und der Figur der Helvetia zu den bekanntesten nationalen Symbolen der Schweiz.

Seine Bedeutung entsteht weniger durch den alltäglichen Gebrauch als durch besondere zeremonielle Situationen. Das Spielen der Hymne kennzeichnet einen Anlass als staatlich, national oder international bedeutsam.

Für viele Menschen ist die Hymne mit persönlichen Erinnerungen an Schule, Militärdienst, Bundesfeiern oder Sportveranstaltungen verbunden. Gleichzeitig zeigt die wiederkehrende Diskussion über ihren Text, dass nationale Symbole unterschiedlich interpretiert werden.

Der Schweizerpsalm betont keine einzelne Sprachregion, keinen Kanton und keine ethnische Herkunft. Seine verschiedenen Sprachfassungen ermöglichen eine Verwendung in allen Landesteilen.

Besonderheiten im internationalen Vergleich

Der Schweizerpsalm gehört zu den vergleichsweise wenigen Nationalhymnen, die als Gebet gestaltet sind. Er enthält keine Hinweise auf militärische Siege, Herrscherhäuser, Revolutionen oder territoriale Ansprüche.

Die Hymne erwähnt den Staatsnamen Schweiz nicht ausdrücklich. Stattdessen ist vom «Vaterland» und von den «freien Schweizern» die Rede.

Auch politische Institutionen wie Bundesrat, Parlament, Kantone oder direkte Demokratie werden nicht genannt. Der Text beschreibt vielmehr eine geistige Beziehung zwischen Mensch, Natur, Freiheit, Gott und Heimat.

Die vier Strophen entsprechen verschiedenen Tageszeiten und Wetterlagen. Diese naturbezogene Gliederung ist unter Nationalhymnen ungewöhnlich.

Rezeption und Kritik

Der Schweizerpsalm wird häufig als feierlich, friedlich und landschaftsbezogen wahrgenommen. Seine ruhige Melodie steht im Gegensatz zu kämpferischen Hymnen wie der französischen Marseillaise.

Kritik richtet sich unter anderem gegen den schwer verständlichen Wortschatz. Begriffe wie «Alpenfirn», «Nebelflor» und «hehr» gehören nicht mehr zur alltäglichen deutschen Sprache.

Auch die Melodie gilt manchen Sängerinnen und Sängern als anspruchsvoll. Die grossen Tonsprünge und langen musikalischen Phrasen erschweren das gemeinsame Singen durch ungeübte Gruppen.

Die geringe Textkenntnis wird regelmässig in Medien und Umfragen thematisiert. Dennoch ist die Anfangszeile «Trittst im Morgenrot daher» in der Schweiz weithin bekannt.

Siehe auch

Literatur

  • Edgar Refardt: Historisch-biographisches Musiker-Lexikon der Schweiz. Hug, Leipzig und Zürich 1928.
  • Ernst W. Fritzsch: Pater Alberich Zwyssig und der Schweizerpsalm. Atlantis, Zürich.
  • Schweizerische Nationalbibliothek: Die Schweizer Landeshymne. Bern.
  • Schweizerische Eidgenossenschaft: Schweizer Landeshymne. Bern.
  • Louis Mühlemann: Wappen und Fahnen der Schweiz. Bühler-Verlag, Lengnau 1991.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Nationalfeiertag und Nationalhymne. In: Präsenz Schweiz. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. Abgerufen am 2026-07-26.
  2. 2,0 2,1 Schweizer Landeshymne. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft. Abgerufen am 2026-07-26.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Die Schweizer Landeshymne. Hrsg.: Schweizerische Nationalbibliothek. Abgerufen am 2026-07-26.
  4. Militärisches Zeremoniell. In: Gruppe Verteidigung. Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Abgerufen am 2026-07-26.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Schweizerpsalm