Schweizerisches Rotes Kreuz

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Schweizerisches Rotes Kreuz
Abkürzung SRK
Rechtsform Privatrechtlicher Verein
Gründung 17. Juli 1866
Gründungsort Bern
Sitz Bern
Tätigkeitsbereiche Gesundheit, Integration, Rettung, Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit
Präsident Thomas Zeltner
Direktorin Nora Kronig
Kantonalverbände 24
Rettungsorganisationen 4
Website www.redcross.ch

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK; französisch Croix-Rouge suisse, italienisch Croce Rossa Svizzera, rätoromanisch Crusch Cotschna Svizra) ist die nationale Rotkreuzgesellschaft der Schweiz. Es wurde 1866 in Bern gegründet und gilt als älteste und grösste humanitäre Organisation des Landes. Seine Tätigkeiten umfassen insbesondere die Bereiche Gesundheit, soziale Unterstützung, Integration, Migration, Rettung, Katastrophenvorsorge sowie internationale Zusammenarbeit.[1]

Das SRK ist föderalistisch und dezentral organisiert. Ihm gehören 24 selbstständige Rotkreuz-Kantonalverbände, vier Rettungsorganisationen, die Blutspende SRK Schweiz, die Humanitäre Stiftung SRK und die Geschäftsstelle SRK an. Der ebenfalls zum SRK gehörende Rotkreuzdienst unterstützt den Sanitätsdienst der Schweizer Armee.[2]

Als nationale Gesellschaft ist das SRK Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Es arbeitet mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften zusammen, ist organisatorisch und rechtlich jedoch von diesen Institutionen getrennt.

Geschichte

Gründung

Die Entstehung des Schweizerischen Roten Kreuzes steht im Zusammenhang mit der internationalen Rotkreuzbewegung, die in den 1860er-Jahren auf Initiative des Genfer Geschäftsmanns Henry Dunant entstand. Dunant hatte die Folgen der Schlacht von Solferino von 1859 miterlebt und in seinem Buch Eine Erinnerung an Solferino die Schaffung freiwilliger Hilfsgesellschaften zur Unterstützung verwundeter Soldaten gefordert.

Am 17. Juli 1866 wurde in Bern auf Initiative des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eine schweizerische Hilfsorganisation gegründet. Zu den führenden Persönlichkeiten gehörten der frühere Bundesrat Jakob Dubs und General Guillaume Henri Dufour. Die Organisation trug zunächst die Bezeichnung Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und deren Familien.[3]

Die ursprüngliche Aufgabe bestand darin, den Sanitätsdienst der Armee zu unterstützen und im Kriegsfall für verwundete oder erkrankte Soldaten sowie deren Familien Hilfe zu organisieren. Anders als in zahlreichen anderen europäischen Staaten blieb die Schweiz im späteren 19. Jahrhundert von grösseren militärischen Konflikten verschont. Das Schweizerische Rote Kreuz entwickelte deshalb zunehmend Tätigkeiten im zivilen Gesundheits- und Sozialbereich.

Ausbau der Krankenpflege

Ein wichtiger Schwerpunkt der frühen Rotkreuzarbeit war die Ausbildung von Pflegepersonal. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Pflegerinnenschulen und Einrichtungen, die mit dem Roten Kreuz verbunden waren. Die Ausbildung qualifizierter Krankenpflegerinnen sollte sowohl der zivilen Gesundheitsversorgung als auch der Vorbereitung auf mögliche militärische Notlagen dienen.

Das SRK arbeitete mit bestehenden Frauenvereinen, Krankenpflegeorganisationen und konfessionellen Einrichtungen zusammen. Damit leistete es einen Beitrag zur Professionalisierung der Krankenpflege in der Schweiz. Frauen übernahmen innerhalb der Organisation früh eine bedeutende Rolle, verfügten in den leitenden Gremien jedoch zunächst nur über begrenzte Mitwirkungsmöglichkeiten.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden die Ausbildungs- und Anerkennungsaufgaben im Gesundheitswesen erweitert. Das SRK entwickelte Standards für verschiedene Gesundheitsberufe und übernahm später im Auftrag der öffentlichen Hand auch die Prüfung ausländischer Berufsqualifikationen.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs blieb die Schweiz neutral. Das SRK beteiligte sich dennoch an umfangreichen humanitären Tätigkeiten. Dazu gehörten die Unterstützung internierter und verwundeter Soldaten, der Austausch von Nachrichten zwischen getrennten Familien, die Organisation medizinischer Hilfe sowie die Betreuung von Kriegsopfern.

Gemeinsam mit anderen Rotkreuzorganisationen wirkte das SRK bei der Aufnahme verwundeter oder kranker Personen aus den kriegführenden Staaten mit. Die Schweiz wurde aufgrund ihrer Neutralität zu einem wichtigen Ort für humanitäre Vermittlung und medizinische Betreuung.

Zwischenkriegszeit

Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte sich die Arbeit verstärkt auf zivile Aufgaben. Das SRK engagierte sich unter anderem in der Tuberkulosebekämpfung, der Säuglingspflege, der Gesundheitsvorsorge, der Ausbildung von Pflegepersonal und bei Hilfsaktionen nach Naturkatastrophen.

Die Organisation baute ihre föderale Struktur aus und arbeitete zunehmend mit kantonalen und lokalen Rotkreuzsektionen zusammen. Gleichzeitig gewann die internationale Katastrophenhilfe an Bedeutung.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war das SRK in zahlreichen Bereichen tätig. Es unterstützte den Armeesanitätsdienst, organisierte Hilfslieferungen, betreute Flüchtlinge und Internierte und beteiligte sich an Kinderhilfsaktionen.

Bekannt wurde insbesondere die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes. Tausende kriegsgeschädigte Kinder aus verschiedenen europäischen Ländern konnten sich zeitweise in der Schweiz erholen oder erhielten in ihren Herkunftsländern Lebensmittel, Kleidung und medizinische Unterstützung.

Die Flüchtlingspolitik der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs ist Gegenstand historischer Kritik. Auch einzelne Entscheidungen und Verflechtungen humanitärer Organisationen mit der offiziellen schweizerischen Flüchtlingspolitik wurden später untersucht. Die praktische Hilfe zahlreicher Mitarbeitender und Freiwilliger stand dabei neben den restriktiven staatlichen Rahmenbedingungen jener Zeit.

Entwicklung nach 1945

Nach Kriegsende beteiligte sich das SRK am Wiederaufbau und an Hilfsprogrammen in europäischen Ländern. Später weitete es seine internationale Arbeit auf Afrika, Asien, Lateinamerika und den Nahen Osten aus.

In der Schweiz entstanden neue Angebote für ältere, kranke, beeinträchtigte und sozial benachteiligte Menschen. Dazu gehörten Fahrdienste, Besuchsdienste, Entlastungsangebote für Angehörige, Notrufsysteme und Gesundheitskurse.

Die zunehmende Migration führte seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu weiteren Tätigkeitsfeldern. Das SRK engagierte sich in der Betreuung von Flüchtlingen und Asylsuchenden, in der Integrationsförderung sowie bei der Vermittlung interkultureller Kenntnisse.

Grundsätze

Das Schweizerische Rote Kreuz orientiert sich an den sieben Grundsätzen der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Sie wurden 1965 auf einer internationalen Rotkreuzkonferenz in Wien in ihrer heutigen Form beschlossen.

Menschlichkeit

Ziel der Rotkreuzbewegung ist es, menschliches Leiden überall und unter allen Umständen zu verhindern oder zu lindern. Leben und Gesundheit sollen geschützt und die Würde des Menschen soll geachtet werden.

Unparteilichkeit

Hilfe wird ohne Benachteiligung aufgrund von Staatsangehörigkeit, ethnischer oder sozialer Herkunft, Religion, politischer Überzeugung, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung geleistet. Massgebend ist das Ausmass der Notlage.

Neutralität

Das Rote Kreuz beteiligt sich nicht an Feindseligkeiten und nimmt grundsätzlich keine Stellung in politischen, ethnischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen. Die Neutralität soll ermöglichen, das Vertrauen aller Konfliktparteien zu bewahren.

Unabhängigkeit

Die nationalen Rotkreuzgesellschaften unterstützen die Behörden bei humanitären Aufgaben, müssen aber ihre Eigenständigkeit bewahren. Sie sollen jederzeit entsprechend den Grundsätzen der Rotkreuzbewegung handeln können.

Freiwilligkeit

Die Rotkreuzbewegung ist nicht auf die Erzielung von Gewinn ausgerichtet. Ein grosser Teil ihrer Arbeit wird von Freiwilligen getragen.

Einheit

In jedem Staat kann nur eine anerkannte nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft bestehen. Sie muss allen Menschen offenstehen und ihre humanitären Tätigkeiten im gesamten Staatsgebiet ausüben.

Universalität

Alle nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften besitzen innerhalb der internationalen Bewegung die gleichen Rechte und Pflichten und unterstützen einander.

Rechtliche Stellung

Das Schweizerische Rote Kreuz ist als privatrechtlicher Verein nach dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch organisiert. Es ist die einzige vom Bund anerkannte nationale Rotkreuzgesellschaft der Schweiz.[4]

Die Anerkennung als nationale Rotkreuzgesellschaft unterscheidet das SRK von anderen gemeinnützigen Vereinen. Es nimmt bestimmte Aufgaben im öffentlichen Interesse wahr und arbeitet im Rahmen von Leistungsvereinbarungen mit Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen.

Das Rotkreuzzeichen ist durch das humanitäre Völkerrecht und die schweizerische Gesetzgebung geschützt. Seine missbräuchliche Verwendung ist verboten. Das Schutzzeichen darf insbesondere nicht ohne Berechtigung als Firmenlogo, Werbesymbol oder allgemeines Kennzeichen für medizinische Dienstleistungen verwendet werden.

Organisation

Föderale Struktur

Das SRK ist entsprechend der föderalistischen Struktur der Schweiz dezentral aufgebaut. Die Kantonalverbände und Rettungsorganisationen sind rechtlich selbstständige Vereine. Sie verfügen über eigene Organe und richten ihre Angebote nach regionalen Bedürfnissen aus.

Der Gesamtverein koordiniert gemeinsame Aufgaben, vertritt das Schweizerische Rote Kreuz auf nationaler und internationaler Ebene und legt übergeordnete strategische Ziele fest.

Rotkreuz-Versammlung

Die Rotkreuz-Versammlung ist das oberste Organ des Vereins SRK. Sie besteht aus Delegierten der Mitgliedorganisationen. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Genehmigung der Statuten, die Wahl bestimmter Organe, die Festlegung strategischer Grundsätze und die Abnahme der Jahresberichte.

Nach Angaben des SRK umfasst die Rotkreuz-Versammlung 97 Delegierte aus den Mitgliedorganisationen.[2]

Rotkreuzrat

Der Rotkreuzrat ist das oberste Führungsorgan des Schweizerischen Roten Kreuzes und seiner Geschäftsstelle. Er leitet den Verein auf strategischer Ebene, vertritt ihn nach aussen und nimmt die Interessen des SRK in nationalen und internationalen Gremien wahr.

Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Rotkreuzrates ist Thomas Zeltner.[5]

Geschäftsstelle

Die Geschäftsstelle SRK befindet sich in Bern. Sie führt das Tagesgeschäft des Gesamtvereins, unterstützt die Mitgliedorganisationen und koordiniert nationale sowie internationale Programme.

Seit Mai 2024 wird die Geschäftsstelle von Nora Kronig geleitet.[6]

Geschäftsprüfungskommission

Die Geschäftsprüfungskommission überwacht die Einhaltung der Statuten, der Rotkreuzgrundsätze und der Beschlüsse der Rotkreuz-Versammlung. Sie prüft insbesondere, ob die leitenden Organe ihre Aufgaben ordnungsgemäss erfüllen.[7]

Kantonalverbände

Die 24 Rotkreuz-Kantonalverbände bilden das regionale Fundament des SRK. Dass nicht für jeden Kanton ein eigener Verband besteht, hängt mit gemeinsamen Organisationen mehrerer Kantone zusammen. So werden beispielsweise Obwalden und Nidwalden durch einen gemeinsamen Kantonalverband betreut.

Die Kantonalverbände sind selbstständige Vereine und entwickeln ihre Angebote entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Bevölkerung. Häufige Tätigkeitsbereiche sind:

  • Fahrdienste für ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Personen;
  • Besuchs- und Begleitdienste;
  • Entlastung pflegender Angehöriger;
  • Kinderbetreuung in Notsituationen;
  • Notrufsysteme;
  • Bildungs- und Gesundheitskurse;
  • Integrationsprogramme;
  • Unterstützung von Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten;
  • Vermittlung von Freiwilligen;
  • finanzielle oder materielle Nothilfe.

Art und Umfang der Angebote unterscheiden sich je nach Kanton. Teilweise erfüllen die Kantonalverbände Aufgaben im Auftrag kantonaler oder kommunaler Behörden.

Rettungsorganisationen

Dem Schweizerischen Roten Kreuz gehören vier spezialisierte Rettungsorganisationen an.[2]

Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) setzt sich für die Verhütung von Ertrinkungsunfällen ein. Sie bildet Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer aus, vermittelt Kenntnisse in Erster Hilfe und fördert die Sicherheit an Seen, Flüssen und in Schwimmbädern.

Die regionalen Sektionen organisieren Kurse, Wasserrettungsdienste und Präventionskampagnen. Ein bekanntes Tätigkeitsfeld ist die Ausbildung von Personen, die Kinder oder Erwachsene im Wasser beaufsichtigen.

Samariter Schweiz

Samariter Schweiz ist die nationale Organisation der Samaritervereine. Die Mitglieder leisten Erste Hilfe, führen Sanitätsdienste bei Veranstaltungen durch und bieten Kurse für die Bevölkerung an.

Zu den verbreiteten Bildungsangeboten gehören Nothilfekurse für Führerausweiserwerbende, Erste-Hilfe-Kurse, Reanimationsschulungen und Weiterbildungen für betriebliche Ersthelfende.

REDOG

REDOG ist die Schweizerische Vereinigung für Such- und Rettungshunde. Die Organisation bildet Teams aus Hundeführenden und Rettungshunden für die Suche nach vermissten oder verschütteten Menschen aus.

REDOG-Teams können nach Gebäudeeinstürzen, Erdbeben, Lawinen oder bei der Suche nach vermissten Personen eingesetzt werden. Neben Rettungshunden verwendet die Organisation auch technische Ortungsmittel.

Schweizerischer Militär-Sanitäts-Verband

Der Schweizerische Militär-Sanitäts-Verband (SMSV) fördert die ausserdienstliche Ausbildung im Sanitäts- und Rettungswesen. Seine Mitglieder vertiefen Kenntnisse in Erster Hilfe, Patientenbetreuung und medizinischer Unterstützung.

Die Tätigkeiten stehen traditionell in Verbindung mit der sanitätsdienstlichen Ausbildung der Schweizer Armee, richten sich jedoch auch an zivile Einsatzbereiche.

Blutspende SRK Schweiz

Die Blutspende SRK Schweiz ist eine Institution innerhalb des Schweizerischen Roten Kreuzes. Sie koordiniert zusammen mit den regionalen Blutspendediensten die Versorgung der Schweizer Spitäler mit Blutprodukten.

Zu ihren Aufgaben gehören:

  • Förderung der freiwilligen und unentgeltlichen Blutspende;
  • Planung und Koordination der Blutversorgung;
  • Qualitäts- und Sicherheitsstandards;
  • Information der Bevölkerung;
  • Registrierung von Blutstammzellspenderinnen und -spendern;
  • Suche nach passenden Stammzellspenden für erkrankte Menschen.

Die Versorgung der Spitäler erfolgt im Auftrag des Bundes in Zusammenarbeit mit zehn regionalen Blutspendediensten.[4]

Blut kann nur begrenzt gelagert werden. Deshalb sind regelmässige Spenden erforderlich. Der Bedarf schwankt unter anderem aufgrund von Operationen, Unfällen, Krebsbehandlungen und saisonalen Veränderungen im Spendeverhalten.

Rotkreuzdienst

Der Rotkreuzdienst (RKD) ist eine Organisation des Schweizerischen Roten Kreuzes, die den Sanitätsdienst der Schweizer Armee unterstützt. Angehörige des Rotkreuzdienstes verfügen über eine qualifizierte medizinische Berufsausbildung und leisten freiwillig Dienst in Uniform.

Nach Angaben des SRK gehören dem Rotkreuzdienst rund 250 Frauen an.[2] Sie können in militärischen medizinischen Einrichtungen, bei sanitätsdienstlichen Einsätzen und im Rahmen ausserordentlicher Lagen eingesetzt werden.

Der Rotkreuzdienst ist organisatorisch mit dem SRK verbunden, arbeitet im Einsatz jedoch eng mit der Armee zusammen. Seine Angehörigen sind keine regulären Mitglieder der Armee, unterstehen während ihres Dienstes aber militärischen Bestimmungen.

Tätigkeiten in der Schweiz

Unterstützung älterer Menschen

Ein bedeutender Teil der Angebote richtet sich an ältere Menschen, die möglichst lange selbstständig leben möchten. Die Kantonalverbände organisieren unter anderem Fahrdienste zu medizinischen Terminen, Besuchsdienste, Alltagshilfen und Notrufsysteme.

Freiwillige begleiten Personen, die nur eingeschränkt mobil sind oder wenige soziale Kontakte haben. Diese Angebote sollen Einsamkeit vermindern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Entlastung pflegender Angehöriger

Angehörige übernehmen einen grossen Teil der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Mehrere Kantonalverbände bieten zeitweise Entlastung an. Geschulte Betreuungspersonen übernehmen dabei für einige Stunden die Begleitung, damit Angehörige Termine wahrnehmen oder sich erholen können.

Die Rotkreuzangebote ersetzen keine medizinische Pflege, können aber professionelle Dienste und private Betreuung ergänzen.

Fahrdienst

Der Rotkreuz-Fahrdienst bringt Personen, die öffentliche Verkehrsmittel nicht oder nur mit Schwierigkeiten benutzen können, zu Ärztinnen und Ärzten, Therapien, Spitälern oder anderen wichtigen Terminen.

Die Fahrten werden häufig von Freiwilligen mit privaten Fahrzeugen durchgeführt. Die Nutzerinnen und Nutzer bezahlen in der Regel eine festgelegte Kilometer- oder Einsatzentschädigung.

Notrufsystem

Das Rotkreuz-Notrufsystem ermöglicht es älteren oder gesundheitlich gefährdeten Personen, über einen tragbaren Sender Hilfe anzufordern. Je nach Angebot wird der Alarm an Angehörige, eine Kontaktperson oder eine rund um die Uhr besetzte Notrufzentrale weitergeleitet.

Das System soll die Sicherheit im eigenen Haushalt erhöhen und kann dazu beitragen, einen Eintritt in eine stationäre Einrichtung hinauszuzögern.

Kinderbetreuung zu Hause

Einige Kantonalverbände vermitteln Betreuungspersonen für Familien, wenn ein Kind erkrankt ist oder Eltern kurzfristig ausfallen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Familien, denen keine private Betreuung zur Verfügung steht.

Die Bedingungen, Kosten und Verfügbarkeit unterscheiden sich regional.

Bildung und Gesundheit

Das SRK bietet Kurse für Betreuung, Pflege, Gesundheit und Erste Hilfe an. Bekannt ist insbesondere der Lehrgang Pflegehelfende SRK. Er vermittelt Grundkenntnisse für die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen und kann den Einstieg in eine Tätigkeit im Pflege- und Betreuungsbereich erleichtern.

Die Kantonalverbände führen zudem Kurse für pflegende Angehörige, Babysitter, Freiwillige und Personen durch, die ihre Gesundheitskompetenz verbessern möchten.

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Das Schweizerische Rote Kreuz übernimmt im Auftrag des Bundes Aufgaben bei der Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse in bestimmten Gesundheitsberufen. Personen, die einen entsprechenden Beruf im Ausland erlernt haben und in der Schweiz arbeiten möchten, müssen ihre Qualifikation je nach Beruf durch das SRK prüfen lassen.

Dabei wird untersucht, ob die ausländische Ausbildung mit den schweizerischen Anforderungen vergleichbar ist. Bei wesentlichen Unterschieden können Ausgleichsmassnahmen wie zusätzliche Praktika, Lehrgänge oder Prüfungen verlangt werden.

Die Anerkennung ausländischer Diplome ist eine gebührenpflichtige Verwaltungsleistung und keine klassische humanitäre Hilfe. Sie ist jedoch für die Qualitätssicherung und die berufliche Mobilität im schweizerischen Gesundheitswesen von Bedeutung.

Migration und Integration

Das SRK unterstützt Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung bei der Orientierung und gesellschaftlichen Integration in der Schweiz. Die konkreten Programme werden häufig durch Kantonalverbände und regionale Fachstellen durchgeführt.

Zu den Angeboten können gehören:

  • Sprach- und Begegnungsprogramme;
  • Mentoring und Integrationsbegleitung;
  • Unterstützung bei Alltags- und Behördenfragen;
  • Beratung zu Gesundheit und sozialer Sicherheit;
  • Betreuung von Asylsuchenden;
  • Vermittlung interkultureller Dolmetschender;
  • Unterstützung bei der beruflichen Integration;
  • Angebote für Familien und Kinder.

Im Kanton Uri ist das SRK im Auftrag des Kantons für die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen zuständig.[4] Auch in anderen Kantonen übernehmen Rotkreuzorganisationen Aufgaben auf Grundlage öffentlicher Leistungsvereinbarungen.

Suchdienst

Der Suchdienst des Roten Kreuzes hilft Menschen, die aufgrund von Krieg, Flucht, Katastrophen oder Migration den Kontakt zu Angehörigen verloren haben. Er arbeitet innerhalb des internationalen Netzwerks der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.

Die Suche kann sich auf vermisste Familienmitglieder, die Übermittlung persönlicher Nachrichten oder die Klärung des Schicksals verschwundener Personen beziehen. Dabei gelten strenge Regeln zum Schutz persönlicher Daten und zur Sicherheit der gesuchten Menschen.

Der Suchdienst arbeitet mit nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sowie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zusammen. Ein erfolgreicher Kontakt kann nicht garantiert werden, insbesondere wenn Unterlagen fehlen oder die Sicherheitslage Nachforschungen verhindert.

Hilfe in Notsituationen

Menschen, die sich in einer akuten finanziellen oder sozialen Notlage befinden, können je nach Wohnort Unterstützung durch einen Rotkreuz-Kantonalverband erhalten. Möglich sind Beratung, Überbrückungshilfe, Gutscheine oder die Vermittlung an geeignete Fachstellen.

Die Hilfe ist in der Regel subsidiär. Das bedeutet, dass zunächst geprüft wird, ob gesetzliche Sozialleistungen, Versicherungen oder andere zuständige Institutionen die Kosten übernehmen müssen.

Bei grösseren Schadenereignissen in der Schweiz kann das SRK gemeinsam mit Behörden, Rettungsorganisationen und anderen Hilfswerken Soforthilfe leisten. Dazu gehören Betreuung, materielle Unterstützung und längerfristige Hilfe für besonders betroffene Personen.

Internationale Zusammenarbeit

Das Schweizerische Rote Kreuz ist nach eigenen Angaben in mehr als 30 Ländern tätig.[1] Die internationalen Programme werden meist gemeinsam mit den nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaften vor Ort umgesetzt.

Schwerpunkte sind:

  • Verbesserung der medizinischen Grundversorgung;
  • Prävention übertragbarer und nicht übertragbarer Krankheiten;
  • Mutter-Kind-Gesundheit;
  • Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen;
  • Katastrophenvorsorge;
  • Soforthilfe nach Naturkatastrophen;
  • Wiederaufbau;
  • Stärkung lokaler Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften;
  • Unterstützung besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen.

Das SRK verfolgt dabei zunehmend einen partnerschaftlichen Ansatz. Lokale Organisationen sollen nicht nur einzelne Projekte ausführen, sondern langfristig eigene Strukturen und Fachkenntnisse aufbauen.

Katastrophenhilfe

Nach Erdbeben, Überschwemmungen, Stürmen, Dürren oder anderen Katastrophen kann das SRK finanzielle Mittel, Hilfsgüter und Fachpersonal bereitstellen. Es arbeitet dabei mit den lokalen nationalen Gesellschaften, der Internationalen Föderation und weiteren Partnerorganisationen zusammen.

In einer ersten Phase stehen häufig folgende Aufgaben im Vordergrund:

  • medizinische Erstversorgung;
  • Bereitstellung von Trinkwasser;
  • Verteilung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln;
  • Errichtung vorübergehender Unterkünfte;
  • Bargeldhilfe;
  • Wiederherstellung familiärer Kontakte;
  • Schutz besonders gefährdeter Menschen.

Nach der unmittelbaren Nothilfe beteiligt sich das SRK teilweise am Wiederaufbau von Häusern, Gesundheitseinrichtungen und Wasserversorgungssystemen. Zudem unterstützt es Massnahmen, die Gemeinden besser auf künftige Katastrophen vorbereiten sollen.

Entwicklungszusammenarbeit

Die langfristige internationale Arbeit unterscheidet sich von der kurzfristigen Katastrophenhilfe. Sie soll Strukturen verbessern, die Gesundheitssysteme stärken und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung erhöhen.

Das SRK arbeitet dabei häufig mit lokalen Behörden, Gesundheitsdiensten und nationalen Rotkreuzgesellschaften zusammen. Die Projekte werden teilweise durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit finanziert.[4]

Zu den Zielen gehören eine bessere Grundversorgung in ländlichen Gebieten, die Ausbildung von Gesundheitspersonal, die Förderung gesunder Lebensbedingungen und die Vorbereitung auf klimabedingte Gefahren.

Freiwilligenarbeit

Freiwillige bilden eine wichtige Grundlage der Arbeit des Schweizerischen Roten Kreuzes. Sie übernehmen unter anderem Besuchsdienste, Fahrdienste, Begleitungen, Erste-Hilfe-Einsätze, Rettungsaufgaben, Integrationsarbeit und organisatorische Funktionen.

Nach Angaben des SRK unterstützen über 48'000 Freiwillige die Organisation und ihre Mitgliedverbände.[8]

Freiwillige werden je nach Aufgabe eingeführt und ausgebildet. Tätigkeiten mit besonderen gesundheitlichen, rettungstechnischen oder sicherheitsbezogenen Anforderungen setzen entsprechende Qualifikationen voraus.

Die ehrenamtliche Arbeit ergänzt die Tätigkeit der angestellten Fachpersonen. Sie soll keine regulären Stellen ersetzen, ermöglicht aber zusätzliche soziale Kontakte und Dienstleistungen, die ohne freiwilliges Engagement nur eingeschränkt angeboten werden könnten.

Jugendorganisationen

Jugendliche und junge Erwachsene engagieren sich in verschiedenen Bereichen des SRK und seiner Rettungsorganisationen. Dazu gehören Jugendgruppen der Samaritervereine, der Lebensrettungs-Gesellschaft und weiterer Mitgliedorganisationen.

Das Swiss Red Cross Young Leaders Forum dient als Austauschplattform für junge Menschen, die sich innerhalb des SRK mit strategischen und organisatorischen Fragen befassen. Jugenddelegierte vertreten die Interessen junger Engagierter auch bei nationalen und internationalen Treffen.[2]

Jugendangebote sollen Kenntnisse in Erster Hilfe, Rettung, sozialem Engagement und humanitären Grundsätzen vermitteln.

Finanzierung

Das Schweizerische Rote Kreuz finanziert seine Arbeit aus mehreren Quellen. Dazu gehören private Spenden, Sponsoring, Beiträge von Stiftungen, öffentliche Leistungsaufträge, Beiträge anderer Organisationen und eigene Einnahmen.

Die Geschäftsstelle SRK finanziert ihre Tätigkeiten nach eigenen Angaben in der Regel zu ungefähr je einem Drittel aus:

  • privaten Spenden und Sponsoring;
  • öffentlichen Leistungsaufträgen;
  • Beiträgen anderer Organisationen und eigenen Erträgen.[4]

Als anerkannte nationale Rotkreuzgesellschaft erhält das SRK einen allgemeinen jährlichen Bundesbeitrag. Darüber hinaus bestehen Leistungsvereinbarungen für bestimmte Aufgaben. Die Kantonalverbände und Rettungsorganisationen führen als selbstständige Vereine eigene Rechnungen.

Einige Dienstleistungen, beispielsweise Kurse, Notrufsysteme oder Fahrdienste, sind kostenpflichtig. Die Tarife decken die tatsächlichen Kosten jedoch nicht immer vollständig. Ein Teil wird deshalb durch Spenden oder öffentliche Beiträge finanziert.

Das SRK ist mit dem Gütesiegel der Zewo zertifiziert. Die Zertifizierung soll bestätigen, dass die Organisation definierte Standards für Transparenz, Rechnungslegung und den Umgang mit Spenden einhält.

Zusammenarbeit mit der Glückskette

Das Schweizerische Rote Kreuz ist eine akkreditierte Partnerorganisation der Glückskette. Diese sammelt gemeinsam mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft Spenden für Menschen, die von Katastrophen und bewaffneten Konflikten betroffen sind.

Das SRK kann sich mit Projekten um Mittel aus entsprechenden Sammlungen bewerben. Die Finanzierung ermöglicht sowohl unmittelbare Nothilfe als auch längerfristige Wiederaufbauprojekte.[4]

Humanitäre Stiftung SRK

Die Humanitäre Stiftung SRK unterstützt Projekte der Rotkreuz- und Rothalbmondorganisationen. Sie entstand aus dem Vermögen des früheren Schweizerischen Blutspendedienstes und ist rechtlich als selbstständige Stiftung organisiert.

Die Stiftung finanziert ausschliesslich humanitäre Aufgaben innerhalb der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Sie unterstützt sowohl Projekte in der Schweiz als auch internationale Programme.

Verhältnis zum Internationalen Komitee vom Roten Kreuz

Das Schweizerische Rote Kreuz und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz werden aufgrund ihrer Namen und ihrer Sitze in der Schweiz gelegentlich miteinander verwechselt. Es handelt sich jedoch um unterschiedliche Organisationen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit Sitz in Genf ist insbesondere in bewaffneten Konflikten tätig. Es besucht Kriegsgefangene, vermittelt zwischen Konfliktparteien, unterstützt die Zivilbevölkerung und überwacht die Einhaltung des humanitären Völkerrechts.

Das SRK ist dagegen die nationale Rotkreuzgesellschaft der Schweiz. Seine Arbeit umfasst sowohl Tätigkeiten innerhalb der Schweiz als auch internationale Gesundheits-, Entwicklungs- und Katastrophenprogramme.

Beide Organisationen sind gemeinsam mit der Internationalen Föderation und den anderen nationalen Gesellschaften Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.

Internationale Föderation

Das SRK ist Mitglied der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Die Föderation verbindet 191 nationale Gesellschaften und koordiniert vor allem die internationale Zusammenarbeit bei Naturkatastrophen, Gesundheitskrisen und humanitären Notlagen.[9]

Der Hauptsitz der Föderation befindet sich in Genf. Bei grösseren Katastrophen kann sie internationale Hilfsaufrufe veröffentlichen und die Unterstützung mehrerer nationaler Gesellschaften koordinieren.

Rotkreuzzeichen

Das Zeichen des roten Kreuzes auf weissem Grund entstand als farbliche Umkehrung der Flagge der Schweiz. Es wurde als neutrales Schutzzeichen für medizinisches Personal und Einrichtungen in bewaffneten Konflikten geschaffen.

Das Zeichen besitzt zwei unterschiedliche Funktionen. Als Schutzzeichen kennzeichnet es in bewaffneten Konflikten berechtigte medizinische Einrichtungen, Fahrzeuge und Personen. Als Kennzeichen weist es in kleinerer Form auf die Zugehörigkeit zu einer anerkannten Rotkreuzorganisation hin.

Die Verwendung ist gesetzlich eingeschränkt. Apotheken, Arztpraxen, private Rettungsdienste und Hersteller medizinischer Produkte dürfen das Zeichen nicht ohne entsprechende Berechtigung verwenden.

Kritik und Herausforderungen

Wie andere grosse Hilfsorganisationen steht auch das SRK vor der Aufgabe, humanitäre Ziele, wirtschaftliche Führung und öffentliche Erwartungen miteinander zu vereinbaren.

Diskutiert werden unter anderem:

  • die Abgrenzung zwischen staatlichen Aufgaben und Tätigkeiten privater Hilfsorganisationen;
  • die Finanzierung kostenpflichtiger sozialer Dienstleistungen;
  • der Schutz persönlicher Daten;
  • die Arbeitsbedingungen in Pflege-, Betreuungs- und Migrationsangeboten;
  • die Kontrolle internationaler Partnerorganisationen;
  • die Wirkung und Nachhaltigkeit von Entwicklungsprojekten;
  • die Gewinnung und langfristige Bindung von Freiwilligen;
  • die angemessene Verwendung von Spendengeldern.

Die föderale Struktur ermöglicht regional angepasste Angebote, kann aber auch zu Unterschieden bei Leistungen, Preisen und organisatorischen Standards führen. Das SRK begegnet diesen Herausforderungen mit gemeinsamen Strategien, ethischen Richtlinien, internen Kontrollorganen und Berichten zur Unternehmensführung.

Bedeutung

Das Schweizerische Rote Kreuz verbindet lokale Freiwilligenarbeit mit professionellen sozialen und gesundheitlichen Dienstleistungen sowie internationaler humanitärer Hilfe. Durch seine Kantonalverbände ist es in sämtlichen Regionen der Schweiz vertreten.

Seine besondere Stellung ergibt sich aus der Verbindung mehrerer Funktionen. Das SRK ist zugleich gemeinnütziger Verein, nationale Rotkreuzgesellschaft, Partner staatlicher Stellen, Träger sozialer Angebote und Teil einer weltweiten humanitären Bewegung.

Historisch trug es zur Entwicklung der Krankenpflege, der Blutversorgung und des Rettungswesens in der Schweiz bei. Gegenwärtig liegen seine Schwerpunkte insbesondere bei der Unterstützung verletzlicher Menschen, der Gesundheitsförderung, der gesellschaftlichen Integration und der Bewältigung humanitärer Krisen.

Siehe auch

Einzelnachweise