Reppisch

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Reppisch
Gewässertyp Fliessgewässer
Lage Kanton Zürich und auf einem kurzen Abschnitt Kanton Aargau
Flusssystem Rhein
Abflussweg LimmatAare → Rhein → Nordsee
Ursprung Abfluss des Türlersees
Quellhöhe etwa 615 m ü. M.
Mündung bei Dietikon in die Limmat
Mündungshöhe etwa 385 m ü. M.
Länge rund 27 km
Einzugsgebiet rund 69 km²
Bedeutende Zuflüsse Wüeribach, Rummelbach und Lunnerenbach
Durchflossene Gemeinden Aeugst am Albis, Stallikon, Birmensdorf, Urdorf und Dietikon

Die Reppisch ist ein Fluss im schweizerischen Kanton Zürich, der auf einem kurzen Abschnitt auch das Gebiet des Kantons Aargau berührt. Sie entspringt als Abfluss des Türlersees, durchquert das nach ihr benannte Reppischtal und mündet bei Dietikon von rechts in die Limmat. Über Limmat, Aare und Rhein gehört sie zum Einzugsgebiet der Nordsee.

Die Reppisch ist rund 27 Kilometer lang und entwässert ein Gebiet von ungefähr 69 Quadratkilometern. Zwischen dem Türlersee auf etwa 615 m ü. M. und der Mündung in Dietikon auf ungefähr 385 m ü. M. überwindet sie einen Höhenunterschied von rund 230 Metern.[1]

Vor allem im oberen und mittleren Reppischtal besitzt der Fluss lange naturnahe Abschnitte. Der Kanton Zürich zählt ihn zu den ökologisch wertvollsten Fliessgewässern seines Gebiets. In den dicht besiedelten Gemeinden des Limmattals wurde die Reppisch dagegen auf verschiedenen Strecken begradigt, eingeengt oder mit Ufermauern und Hochwasserschutzbauten versehen.[2]

Name

Die Herkunft des Namens Reppisch ist nicht abschliessend geklärt. Der Gewässername ist älter als viele heutige Siedlungs- und Flurnamen im Tal. Historische Schreibweisen unterschieden sich je nach Epoche und Quelle.

Der Name des Flusses wurde auf das Reppischtal, verschiedene Flurnamen, Verkehrswege und ehemalige Gewerbebetriebe übertragen. In Dietikon trugen unter anderem die Reppisch-Werke und die daraus hervorgegangenen Reppischhallen den Namen des Gewässers.

Verlauf

Türlersee und Aeugstertal

Die Reppisch beginnt am nordwestlichen Ende des Türlersees. Der See liegt zwischen dem Albis und den Höhenzügen des Knonaueramts und besitzt keinen grossen oberirdischen Zufluss. Sein Abfluss wird durch ein Wehr beziehungsweise einen Stauweiher reguliert.

Vom See fliesst die Reppisch zunächst durch das Gebiet der Gemeinde Aeugst am Albis. Sie durchquert das Aeugstertal und passiert landwirtschaftlich genutzte Flächen, kleinere Waldgebiete und die Siedlung Aeugstertal.

Der oberste Flussabschnitt wurde durch frühere Eingriffe, Wehre und einzelne Eindolungen verändert. Kantonale Planungen sehen seit längerer Zeit Massnahmen zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit und zur Aufwertung der Ufer vor.[3]

Stallikon und Reppischtal

Unterhalb von Aeugstertal erreicht die Reppisch das Gemeindegebiet von Stallikon. Sie fliesst zwischen dem Albis im Nordosten und den bewaldeten Höhen des Knonaueramts im Südwesten durch das eigentliche Reppischtal.

Dieser Abschnitt gehört zu den landschaftlich und ökologisch wertvollsten Teilen des Flusses. Besonders zwischen Gamlikon und der Gemeindegrenze zu Birmensdorf besitzt die Reppisch einen über mehrere Kilometer weitgehend naturnahen Lauf. In flacheren Abschnitten bildet sie Mäander, Kiesbänke und wechselnde Uferstrukturen. In engeren Talbereichen fliesst sie schneller und wird von bewaldeten Hängen begleitet.[2]

Zu den Siedlungen und Weilern entlang des Flusses gehören unter anderem Tägerst, Gamlikon, Sellenbüren und Stallikon. Im Tal verlaufen die Reppischtalstrasse sowie Wander- und Velowege.

Ein Teil des Tals liegt im Landschaftsgebiet Albiskette–Reppischtal. Die offene Kulturlandschaft, Feuchtgebiete, Magerwiesen, Wälder und das Fliessgewässer bilden einen zusammenhängenden Naturraum. Mit dem sogenannten Öko-Korridor Reppisch wurden Massnahmen zur Sicherung und Vernetzung dieser Lebensräume umgesetzt.[4]

Landikon und Birmensdorf

Bei Landikon tritt die Reppisch in das Gemeindegebiet von Birmensdorf ein. Das Tal wird hier enger und stärker durch Verkehrswege, Siedlungen und technische Anlagen geprägt.

Im Bereich von Landikon wurde ein zuvor stark verbauter Flussabschnitt revitalisiert. Dabei wurden Uferbefestigungen entfernt, das Gerinne verbreitert und neue Kiesbänke, Flachwasserbereiche und Uferstrukturen geschaffen. Das Projekt sollte sowohl die ökologische Vielfalt als auch die Aufenthaltsqualität verbessern.[5]

In Birmensdorf nimmt die Reppisch mehrere Seitenbäche auf. Zu den bedeutendsten gehört der Wüeribach, dessen Einzugsgebiet grosse Teile der Umgebung von Wettswil, Bonstetten und Birmensdorf umfasst.

Der Fluss wurde im Siedlungsgebiet teilweise begradigt und eingeengt. Brücken, Strassen, Gewerbegebiete und die Nähe zur Bahnlinie begrenzen den verfügbaren Gewässerraum.

Urdorf und aargauischer Abschnitt

Unterhalb von Birmensdorf fliesst die Reppisch in Richtung Urdorf. In diesem Gebiet berührt sie auf einem kurzen Abschnitt die Grenze beziehungsweise das Gebiet des Kantons Aargau.

Von links münden unter anderem der Rummelbach und der Lunnerenbach. Diese Seitengewässer entwässern Gebiete im Grenzraum der Kantone Zürich und Aargau.

Das Tal öffnet sich zunehmend zum Limmattal. Gleichzeitig nimmt die Siedlungsdichte deutlich zu. Der Fluss verläuft abschnittsweise entlang von Verkehrswegen, Industrie- und Gewerbeflächen.

Dietikon und Mündung

In Dietikon fliesst die Reppisch durch das Stadtgebiet. Sie passiert unter anderem das Gebiet Grunschen, ehemalige Industrieareale und das Zentrum von Dietikon.

Die Reppisch war für die historische Entwicklung des Ortes von grosser Bedeutung. Mühlen, Werkstätten und spätere Industriebetriebe nutzten ihre Wasserkraft. Das Siedlungsgebiet entwickelte sich teilweise entlang des Flusses.

Im dicht bebauten Zentrum ist das Gewässer stark eingeengt. Mehrere Brücken, Strassen und Gebäude liegen unmittelbar am Fluss. Dadurch besteht bei extremen Hochwasserereignissen ein erhebliches Schadenpotenzial.

Kurz nördlich des Bahnhofs Dietikon mündet die Reppisch in die Limmat. Die Mündung befindet sich in einem stark durch Verkehr, Siedlung und technische Infrastrukturen geprägten Gebiet.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet der Reppisch umfasst rund 69 Quadratkilometer. Es erstreckt sich vom Türlersee und den umliegenden Höhenzügen bis zum Limmattal.

Die Landschaft im Einzugsgebiet ist abwechslungsreich. Im oberen Bereich dominieren Wälder, Wiesen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im unteren Bereich nimmt der Anteil der Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen deutlich zu.

Ein grosser Teil der Seitenbäche entspringt an den bewaldeten Talhängen. Sie besitzen meist kurze und steile Läufe. Bei Starkregen können sie innerhalb kurzer Zeit grosse Wassermengen in die Reppisch führen.

Die mittlere Höhe des Einzugsgebiets nimmt von den Höhen des Albis und des Knonaueramts in Richtung Limmattal ab. Der Türlersee wirkt als natürlicher Speicher und gleicht den Abfluss im obersten Abschnitt teilweise aus.

Zuflüsse

Die Reppisch nimmt zahlreiche kleine Bäche und Entwässerungsgräben auf. Die bedeutendsten Zuflüsse sind der Wüeribach, der Rummelbach und der Lunnerenbach.

Zufluss Seite Mündungsgebiet Bemerkung
Wüeribach links bei Birmensdorf Bedeutendster Zufluss; entwässert Gebiete um Wettswil, Bonstetten und Birmensdorf
Rummelbach links unterhalb von Birmensdorf Entwässert Teile des Grenzgebiets zwischen Zürich und Aargau
Lunnerenbach links im Raum Urdorf und Dietikon Rund vier Kilometer langer Zufluss aus dem Grenzgebiet der Kantone Aargau und Zürich
Aemerlibach rechts bei Stallikon Kleiner Seitenbach aus den Hängen des Reppischtals
Lättenbach links bei Tägerst Zufluss im oberen Reppischtal
Wissenbach rechts im Raum Stallikon Entwässert einen Teil des Albishangs

Neben den offenen Seitenbächen bestehen zahlreiche eingedolte oder technisch ausgebaute Zuflüsse. Besonders in den Siedlungsgebieten wurden kleinere Bäche früher in Leitungen verlegt. Bei Revitalisierungsprojekten werden solche Gewässer nach Möglichkeit wieder geöffnet oder naturnäher gestaltet.

Hydrologie

Der Wasserstand der Reppisch wird durch Niederschläge, Schneeschmelze, den Abfluss aus dem Türlersee und die Zuflüsse aus den steilen Talhängen beeinflusst.

Bei Trockenwetter führt der Fluss im oberen Abschnitt vergleichsweise wenig Wasser. In einer kantonalen Untersuchung wurde der Abfluss einige hundert Meter unterhalb des Türlersees mit ungefähr 100 Litern pro Sekunde angegeben. Vor der Mündung in die Limmat kann der mittlere Abfluss mehr als 1100 Liter pro Sekunde erreichen.[1]

Nach starken oder lang anhaltenden Niederschlägen kann die Wasserführung rasch ansteigen. Das schmale Tal und die teilweise versiegelten Flächen im unteren Einzugsgebiet begünstigen einen schnellen Abfluss.

Der Türlersee besitzt eine regulierende Wirkung, verhindert jedoch nicht sämtliche Hochwasserspitzen. Bedeutende Wassermengen gelangen bei Starkregen über Seitenbäche und Siedlungsentwässerungen in den Fluss.

Hochwasser

Hochwasserereignisse sind aus dem Reppischtal und dem Limmattal seit Jahrhunderten überliefert. Besonders betroffen sind die dicht bebauten Abschnitte in Birmensdorf und Dietikon.

Die frühere Begradigung und Einengung des Flusses erhöhte seine Abflussgeschwindigkeit und verringerte in manchen Gebieten die natürlichen Rückhalteräume. Gleichzeitig nahm das Schadenpotenzial durch die Bebauung der Uferbereiche zu.

Der Kanton Zürich und die betroffenen Gemeinden entwickelten deshalb verschiedene Hochwasserschutzkonzepte. Diese verbinden technische Schutzmassnahmen mit einer ökologischen Aufwertung des Gewässers.

Projekt Zukunft Reppisch

In Dietikon wird das Projekt Zukunft Reppisch geplant. Es betrifft den ungefähr drei Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Gebiet Grunschen und der Mündung in die Limmat.

Der Fluss soll so umgestaltet werden, dass das Stadtzentrum künftig auch vor einem Jahrhunderthochwasser geschützt ist. Vorgesehen sind unter anderem eine Vertiefung der Flusssohle, die Abflachung oder leichte Erhöhung einzelner Ufer sowie der Umbau oder Ersatz mehrerer Brücken.[6]

Neben dem Hochwasserschutz soll der Fluss stärker in den Stadtraum integriert werden. Neue Uferbereiche, Wege, Aufenthaltsflächen und naturnahe Strukturen sollen die Reppisch für Menschen, Tiere und Pflanzen aufwerten.[7]

Gewässerqualität

Die Wasserqualität der Reppisch wird vom Kanton Zürich regelmässig untersucht. Dabei werden chemische Stoffe, Nährstoffe, wirbellose Wassertiere, Kieselalgen und Fischbestände erfasst.

Die Qualität unterscheidet sich zwischen den einzelnen Flussabschnitten. Im oberen Reppischtal sind die ökologischen Bedingungen häufig besser als in den stark besiedelten Bereichen.

Belastungen entstehen unter anderem durch:

  • gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen;
  • Einleitungen aus Regenüberläufen;
  • Abschwemmungen von Strassen und Siedlungsflächen;
  • Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge aus der Landwirtschaft;
  • Verbauungen und fehlende Ufervegetation;
  • Hindernisse für wandernde Fische und andere Wasserorganismen.

In Birmensdorf und Rudolfstetten wird gereinigtes Abwasser in das Gewässersystem eingeleitet. Bei geringem natürlichem Abfluss kann der Anteil des gereinigten Abwassers am Gesamtwasserstand deutlich ansteigen.[1]

Die kantonalen Untersuchungen zeigen, dass einzelne Messstellen gute ökologische Werte erreichen, während andere Abschnitte nur als mässig oder zeitweise unbefriedigend beurteilt werden. Die Ergebnisse hängen vom untersuchten Indikator und vom Untersuchungszeitraum ab.[8]

Natur und Landschaft

Die Reppisch ist ein wichtiges Verbindungselement zwischen dem Türlersee, dem Reppischtal und dem Limmattal. Sie verbindet Wälder, Feuchtgebiete, Wiesen und Siedlungsräume miteinander.

Naturnahe Abschnitte besitzen eine abwechslungsreiche Gewässerstruktur. Dazu gehören:

  • Kies- und Sandbänke;
  • Prall- und Gleithänge;
  • flache und tiefe Wasserbereiche;
  • unterspülte Ufer;
  • Totholz;
  • Ufergehölze;
  • Quell- und Seitenbäche;
  • Feuchtwiesen und Riedflächen.

Diese Strukturen bieten Lebensraum für Fische, Wasserinsekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.

Der naturnahe Abschnitt in Stallikon verdankt seine Erhaltung unter anderem der Topographie. Viele angrenzende Flächen sind steil, schattig oder landwirtschaftlich wenig ertragreich und wurden deshalb weniger intensiv genutzt als das offene Kulturland.

Flora

An den Ufern wachsen standorttypische Gehölze wie Schwarzerlen, Weiden, Eschen, Ahorn und Hasel. In den Auenbereichen kommen feuchtigkeitsliebende Kräuter, Seggen und Hochstauden vor.

In offenen und sonnigen Abschnitten grenzen teilweise Magerwiesen und Trockenstandorte an den Fluss. Diese Flächen erhöhen die botanische Vielfalt des Reppischtals.

In stark veränderten Siedlungsabschnitten ist die Ufervegetation eingeschränkt. Neophyten können sich entlang der Gewässer besonders rasch ausbreiten und einheimische Arten verdrängen.

Zu den problematischen gebietsfremden Pflanzen gehören je nach Standort das Drüsige Springkraut, der Japanische Staudenknöterich und die Kanadische Goldrute. Ihre Bekämpfung ist Teil des Gewässerunterhalts.

Fauna

Die Reppisch beherbergt verschiedene Fischarten. Typisch für die kühlen und sauerstoffreichen Abschnitte sind unter anderem Bachforellen und Groppen.

In langsamer fliessenden Bereichen und nahe der Mündung können weitere Fischarten vorkommen. Hindernisse wie Wehre, Schwellen und Abstürze erschweren jedoch die Wanderung zwischen der Reppisch, ihren Zuflüssen und der Limmat.

Der Kanton setzt deshalb Massnahmen zur Wiederherstellung der Längsdurchgängigkeit um. Dazu gehören der Rückbau von Schwellen, der Bau von Rampen und Umgehungsgerinnen sowie eine naturnähere Gestaltung der Flusssohle.

An der Reppisch leben auch Eisvögel, Wasseramseln, Gebirgsstelzen und verschiedene Entenarten. Ufergehölze und Totholz bieten Brut- und Rückzugsräume für Vögel, Kleinsäuger und Insekten.

Amphibien nutzen Seitengewässer, Weiher und Feuchtflächen im Tal. Die Verbindung zwischen diesen Lebensräumen ist ein wichtiges Ziel des Öko-Korridors Reppisch.

Revitalisierung

Seit den 1990er-Jahren wurden an verschiedenen Abschnitten der Reppisch Revitalisierungsprojekte durchgeführt.

Ziel ist es, verbaute Gewässerstrecken wieder naturnäher zu gestalten und die Lebensräume miteinander zu verbinden. Wo es die Sicherheit erlaubt, werden harte Uferverbauungen entfernt, Erosion zugelassen und dem Fluss mehr Raum gegeben.

Zu den möglichen Massnahmen gehören:

  • Verbreiterung des Flussbetts;
  • Entfernung von Beton- und Blockverbauungen;
  • Anlage von Kiesbänken;
  • Einbau von Totholz;
  • Rückbau von Schwellen;
  • Öffnung eingedolter Abschnitte;
  • Aufwertung von Seitenbächen;
  • Sicherung ausreichend breiter Gewässerräume;
  • extensive Bewirtschaftung angrenzender Flächen.

Bei der Planung müssen Naturschutz, Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Verkehr, Erholung und Eigentumsrechte aufeinander abgestimmt werden.

Öko-Korridor Reppisch

Der Öko-Korridor Reppisch ist ein Landschafts- und Naturschutzprojekt im oberen und mittleren Reppischtal.

Er soll das Fliessgewässer und die angrenzenden Lebensräume als zusammenhängende ökologische Verbindung sichern. Die Flächen entlang des Flusses werden teilweise extensiv bewirtschaftet oder gezielt gepflegt.

Landwirtschaftliche Betriebe wurden in die Pflege einbezogen. Durch angepasste Mahd, reduzierte Düngung, Ufergehölzpflege und die Erhaltung von Feucht- und Magerwiesen sollen wertvolle Lebensräume langfristig gesichert werden.[2]

Das Projekt gilt als Beispiel für die Verbindung von Gewässerschutz, Landwirtschaft und Landschaftspflege.

Nutzung der Wasserkraft

Die Wasserkraft der Reppisch wurde seit dem Mittelalter genutzt. Entlang des Flusses bestanden Mühlen, Sägen, Stampfen und später industrielle Anlagen.

Wehre leiteten Wasser in Mühlekanäle oder Gewerbekanäle. Die Energie des fliessenden Wassers trieb Wasserräder und später Turbinen an.

Zu den bekannten Anlagen gehörten Mühlen in Aeugstertal, Stallikon, Birmensdorf und Dietikon. Viele wurden im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts aufgegeben oder auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Einige Wehre und Kanäle blieben als technische Bauwerke oder kulturgeschichtliche Spuren erhalten. Aus ökologischer Sicht können solche Anlagen Wanderhindernisse darstellen.

Industriegeschichte

Im unteren Reppischtal gewann der Fluss im 19. und 20. Jahrhundert Bedeutung für die Industrialisierung.

In Dietikon entstanden Fabriken und Gewerbebetriebe entlang des Gewässers. Zu den bekanntesten gehörten die Reppisch-Werke Dietikon, die Holzerzeugnisse und Möbel produzierten.

Die ehemaligen Industriegebäude werden heute teilweise als Reppischhallen bezeichnet. Sie dienen verschiedenen Gewerbe-, Kultur- und Gemeinschaftsnutzungen.

Die Industrialisierung führte zu einer stärkeren Verbauung des Flusses und zeitweise auch zu erheblichen Verschmutzungen. Mit dem Ausbau der Kanalisation und der Abwasserreinigung verbesserte sich die Wasserqualität später deutlich.

Verkehr

Das Reppischtal bildet eine natürliche Verkehrsachse zwischen dem Knonaueramt, Birmensdorf und dem Limmattal.

Entlang des Flusses verläuft die Reppischtalstrasse. Sie verbindet Aeugstertal, Stallikon, Landikon und Birmensdorf.

Zwischen Birmensdorf und Dietikon folgen Bahnlinien, Hauptstrassen und lokale Verkehrswege teilweise dem Talraum. Im dicht besiedelten unteren Abschnitt konkurriert der Gewässerraum mit Verkehrs- und Siedlungsflächen.

Zahlreiche Strassen-, Bahn-, Fussgänger- und Velobrücken überqueren die Reppisch. Bei Hochwasserschutzprojekten müssen einzelne Brücken angepasst werden, da zu niedrige oder enge Bauwerke den Abfluss behindern können.

Erholung

Die Reppisch und das Reppischtal sind beliebte Naherholungsgebiete der Agglomeration Zürich.

Wander- und Velowege führen abschnittsweise dem Fluss entlang. Besonders der naturnahe Abschnitt zwischen Aeugstertal, Stallikon und Landikon wird zum Wandern, Spazieren, Velofahren und Beobachten der Natur genutzt.

Im unteren Tal dienen die Uferwege als Verbindung zwischen Wohnquartieren, Arbeitsgebieten und dem Stadtzentrum von Dietikon.

Die Reppisch ist wegen ihrer geringen Tiefe, wechselnden Strömung und nicht regelmässig kontrollierten Wasserqualität kein offizielles Badegewässer. Das Baden und Spielen im Wasser erfolgt grundsätzlich auf eigene Verantwortung. Nach starken Niederschlägen können Strömung, Wasserstand und hygienische Belastung rasch zunehmen.[9]

Fischerei

Die Reppisch wird abschnittsweise fischereilich genutzt. Die Fischereirechte und Bewirtschaftungsmassnahmen richten sich nach kantonalem Recht.

Die Bachforelle ist eine wichtige Leitart. In der Vergangenheit wurden Jungfische eingesetzt, um Bestände zu stützen. Die moderne Gewässerbewirtschaftung legt zunehmend Wert auf natürliche Fortpflanzung und geeignete Lebensräume.

Für stabile Fischbestände sind sauberes Wasser, strukturreiche Sohlen, kühle Rückzugsräume und eine freie Verbindung zu Seitenbächen entscheidend.

Trockenperioden und hohe Wassertemperaturen können die Fischbestände belasten. Auch Hochwasser, Feinsedimente und Wanderhindernisse wirken sich auf die Populationen aus.

Siedlungen am Fluss

Die Reppisch durchfliesst oder berührt folgende Gemeinden und Siedlungen:

Gemeinde Bezirk oder Kanton Orte und Abschnitte an der Reppisch
Aeugst am Albis Bezirk Affoltern, Kanton Zürich Türlersee und Aeugstertal
Stallikon Bezirk Affoltern, Kanton Zürich Tägerst, Gamlikon, Stallikon und Sellenbüren
Birmensdorf Bezirk Dietikon, Kanton Zürich Landikon und Birmensdorf
Urdorf Bezirk Dietikon, Kanton Zürich Unteres Reppischtal
Dietikon Bezirk Dietikon, Kanton Zürich Grunschen, Stadtzentrum und Mündung in die Limmat

Der genaue Verlauf entlang einzelner Gemeinde- und Kantonsgrenzen ist teilweise kompliziert. Kleine Abschnitte und Zuflüsse berühren auch das Gebiet des Kantons Aargau.

Schutzstatus

Das Gebiet Albiskette–Reppischtal besitzt hohe landschaftliche Bedeutung und ist in verschiedenen Planungs- und Schutzinstrumenten berücksichtigt.

Der kantonale Richtplan und das Naturschutz-Gesamtkonzept des Kantons Zürich bewerten die Reppisch als besonders wertvolles Fliessgewässer. Vorrangige Ziele sind die Erhaltung naturnaher Abschnitte, die Wiederherstellung beeinträchtigter Strecken und die Vernetzung angrenzender Lebensräume.[2]

Gewässerraum, Ufervegetation und Schutzflächen unterstehen dem eidgenössischen und kantonalen Gewässerschutz-, Natur- und Heimatschutzrecht.

Eingriffe in das Gewässer benötigen Bewilligungen. Bei Bauprojekten müssen Hochwasserschutz, Gewässerraum und ökologische Ersatzmassnahmen berücksichtigt werden.

Bedeutung

Die Reppisch besitzt trotz ihrer geringen Grösse eine grosse Bedeutung für den Kanton Zürich.

Sie ist:

  • Abfluss des Türlersees;
  • zentrales Landschaftselement des Reppischtals;
  • Lebensraum und Wanderkorridor für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten;
  • historischer Energielieferant für Mühlen und Gewerbe;
  • Naherholungsraum der Agglomeration Zürich;
  • wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes im Limmattal;
  • verbindendes Gewässer zwischen ländlichen und stark urbanisierten Räumen.

Der Gegensatz zwischen dem naturnahen oberen Flusslauf und dem stark verbauten Unterlauf macht die Reppisch zu einem Beispiel für die unterschiedlichen Herausforderungen des modernen Gewässermanagements.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Reppisch