Kunstmuseum Basel

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Kunstmuseum Basel
Art Kunstmuseum
Ort Basel, Kanton Basel-Stadt
Trägerschaft Kanton Basel-Stadt
Sammlung Öffentliche Kunstsammlung Basel
Ursprung der Sammlung Ankauf des Amerbach-Kabinetts 1661
Eröffnung des Hauptbaus 1936
Standorte Hauptbau, Neubau und Gegenwart
Umfang über 300'000 Werke
Sammlungsschwerpunkte Kunst vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart
Direktorin Elena Filipovic
Hauptadresse St. Alban-Graben 16, 4051 Basel
Website kunstmuseumbasel.ch

Das Kunstmuseum Basel ist ein staatliches Kunstmuseum in Basel und beherbergt die Öffentliche Kunstsammlung Basel. Diese umfasst mehr als 300'000 Werke aus acht Jahrhunderten, vom späten Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Das Museum zählt zu den international bedeutenden Sammlungs- und Ausstellungshäusern für bildende Kunst und gilt als eines der wichtigsten Museen der Schweiz.

Die Sammlung geht auf das 1661 von der Stadt Basel und der Universität Basel erworbene Amerbach-Kabinett zurück. Dieses wurde 1671 im Haus zur Mücke öffentlich zugänglich gemacht. Basel bezeichnet seine Kunstsammlung deshalb als die älteste öffentliche Kunstsammlung eines städtischen Gemeinwesens. Der historische Kernbestand umfasst bedeutende Werke von Hans Holbein dem Jüngeren, dessen Familie sowie weiteren Künstlern der oberrheinischen Spätgotik und Renaissance.[1]

Das Kunstmuseum wird an drei Standorten betrieben. Der 1936 eröffnete Hauptbau am St. Alban-Graben dient vorwiegend der Präsentation der Sammlung. Das 2016 eröffnete, gegenüberliegende Gebäude wird als Neubau bezeichnet und vor allem für Sonderausstellungen sowie wechselnde Sammlungspräsentationen verwendet. Das am St. Alban-Rheinweg gelegene Haus Gegenwart wurde 1980 als Museum für Gegenwartskunst eröffnet.

Institution und Auftrag

Das Kunstmuseum Basel gehört zu den staatlichen Museen des Kantons Basel-Stadt. Es ist eine Dienststelle der kantonalen Abteilung Kultur. Die rechtliche Grundlage bildet unter anderem das Gesetz über die Museen des Kantons Basel-Stadt, das die Öffentliche Kunstsammlung Basel als staatliches Museum aufführt.[2]

Zu den zentralen Aufgaben des Museums gehören:

  • das Sammeln bedeutender Werke der bildenden Kunst;
  • die Bewahrung, Pflege und Restaurierung der Bestände;
  • die wissenschaftliche Erforschung der Sammlung;
  • die Präsentation von Kunst in Dauer- und Sonderausstellungen;
  • die Vermittlung an unterschiedliche Bevölkerungs- und Altersgruppen;
  • die Durchführung von Provenienzforschung;
  • die Dokumentation der Sammlung in Archiven, Katalogen und digitalen Datenbanken.

Das Kunstmuseum verbindet die Funktion eines historischen Sammlungsinstituts mit jener eines international tätigen Ausstellungshauses. Neben Gemälden und Skulpturen gehören Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Installationen, Filme, Videos und digitale Medien zum Bestand.

Geschichte

Amerbach-Kabinett

Der Ursprung der Öffentlichen Kunstsammlung Basel liegt im Amerbach-Kabinett. Die Sammlung war über mehrere Generationen von der Basler Gelehrten- und Druckerfamilie Amerbach aufgebaut worden.

Eine zentrale Rolle spielte der Jurist und Humanist Bonifacius Amerbach. Er war mit Erasmus von Rotterdam und Hans Holbein dem Jüngeren befreundet und sammelte Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher, Münzen und weitere kulturhistorische Gegenstände.

Sein Sohn Basilius Amerbach erweiterte die Bestände systematisch. Nach seinem Tod umfasste das Kabinett gegen 50 Gemälde, darunter 15 Werke von Hans Holbein dem Jüngeren, sowie einen umfangreichen Bestand an Zeichnungen und Druckgrafiken. Neben Kunstwerken enthielt die Sammlung auch naturgeschichtliche und ethnografische Gegenstände sowie eine bedeutende Bibliothek.

1661 drohte die Sammlung nach Amsterdam verkauft zu werden. Professoren der Universität setzten sich dafür ein, sie in Basel zu bewahren. Der Grosse Rat und Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein unterstützten den Ankauf.

Für 9'000 Reichstaler erwarben Stadt und Universität das Kabinett. Die Stadt übernahm zwei Drittel des Kaufpreises, die Universität einen Drittel. Die Sammlung wurde dem Universitätsgut zugeordnet und von der Universität verwaltet.

1671 wurde das Amerbach-Kabinett im Haus zur Mücke am Münsterplatz öffentlich zugänglich gemacht. Der Zutritt war zunächst stärker geregelt als in einem modernen Museum, dennoch konnte die Sammlung von Gelehrten, Reisenden und weiteren Interessierten besucht werden.

Museum Faesch

1823 wurde die Sammlung durch das Museum Faesch wesentlich erweitert. Dieses war von dem Juristen und Sammler Remigius Faesch angelegt worden.

Das Museum Faesch umfasste Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk, Bücher, Münzen, Altertümer und naturwissenschaftliche Gegenstände. Besonders bedeutend waren weitere Werke Hans Holbeins des Jüngeren und der oberrheinischen Kunst des 15. bis 17. Jahrhunderts.

Durch die Vereinigung des Amerbach-Kabinetts mit dem Museum Faesch entstand ein umfangreicher Bestand, der weit über eine reine Gemäldesammlung hinausging. Aus diesem gemeinsamen Ursprung entwickelten sich später mehrere der heutigen staatlichen Museen Basels.

Kantonstrennung von 1833

Die Basler Kantonstrennung von 1833 gefährdete den Zusammenhalt der Universität und ihrer Sammlungen. Zwischen den neu entstandenen Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft musste das Vermögen des früheren Kantons Basel aufgeteilt werden.

Die Sammlungsbestände wurden schliesslich gegen einen Schätzpreis von 22'000 Franken der Stadt Basel überlassen. Dadurch blieben das Amerbach-Kabinett und die später hinzugekommenen Bestände weitgehend zusammen.

Museum an der Augustinergasse

Da die Räume im Haus zur Mücke nicht mehr ausreichten, entstand an der Augustinergasse ein neues Museumsgebäude. Der spätklassizistische Bau wurde von Melchior Berri entworfen und 1849 eröffnet.

Das Gebäude beherbergte neben der Kunstsammlung auch naturhistorische, ethnografische und kulturhistorische Bestände. Es wird heute hauptsächlich vom Naturhistorischen Museum Basel und vom Museum der Kulturen Basel genutzt.

Im Verlauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden die verschiedenen Sammlungsbereiche zunehmend voneinander getrennt und als eigenständige Museumsinstitutionen organisiert.

Birmann-Fonds und Ankaufspolitik

Eine wichtige Grundlage für den planmässigen Ausbau der Kunstsammlung bildete das Vermächtnis des Basler Landschaftsmalers und Kunsthändlers Samuel Birmann. Seit 1855 standen aus dem Birmann-Fonds Mittel für den Erwerb zeitgenössischer Schweizer Kunst zur Verfügung.

Unter der Aufsicht der Kunstkommission entwickelte sich eine gezielte Ankaufspolitik. Dadurch entstand unter anderem eine bedeutende Werkgruppe von Arnold Böcklin. Das Kunstmuseum besitzt heute eine der umfangreichsten und repräsentativsten Sammlungen seines Schaffens.

Seit 1903 stellte auch der Kanton Basel-Stadt regelmässig öffentliche Mittel für Kunstankäufe zur Verfügung. Private Schenkungen, Legate, Stiftungen und Deposita blieben jedoch für die Entwicklung der Sammlung von entscheidender Bedeutung.

Entstehung des Hauptbaus

Mit dem Wachstum der Bestände wurde der Bau eines eigenen Kunstmuseums notwendig. Der Hauptbau am St. Alban-Graben wurde von dem Basler Architekten Rudolf Christ und dem Stuttgarter Architekten Paul Bonatz entworfen.

Das 1936 eröffnete Gebäude gehört stilistisch zu einer konservativen Richtung der Moderne. Seine klare, monumentale Architektur verbindet traditionelle Steinverkleidungen und Arkaden mit einer funktionalen Museumsorganisation.

Der Bau war ursprünglich als reines Sammlungshaus geplant. Grosse Oberlichtsäle, Kabinette und ein zentraler Innenhof ermöglichen eine weitgehend natürliche Beleuchtung der Ausstellungsräume.

Der Hauptbau markierte die endgültige institutionelle Trennung der Kunstsammlung von den naturhistorischen und ethnografischen Sammlungen an der Augustinergasse.

Aufbau der Sammlung der Moderne

Seit den 1920er-Jahren wurde die internationale Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts systematisch ausgebaut. Unter Direktor Otto Fischer begann eine stärkere Orientierung an der europäischen Moderne.

Sein Nachfolger Georg Schmidt setzte diesen Weg fort. 1939 erwarb er auf Auktionen in der Schweiz mehrere Werke, die von den nationalsozialistischen Behörden aus deutschen Museen entfernt und als «entartete Kunst» diffamiert worden waren.

Zu den in diesem Zusammenhang erworbenen Werken gehörten Arbeiten von Künstlern wie Paul Klee, Franz Marc, Oskar Kokoschka, Marc Chagall und Lov­is Corinth. Diese Ankäufe stärkten den Bestand der klassischen Moderne erheblich.

Die Erwerbungen von 1939 werden heute in ihrem politischen, rechtlichen und historischen Zusammenhang untersucht. Dabei geht es sowohl um die Rettung bedeutender Werke vor möglicher Zerstörung als auch um die Verfolgungsgeschichte, die Enteignung deutscher Museen und die Rolle des internationalen Kunsthandels während der nationalsozialistischen Herrschaft.

Private Schenkungen und Deposita

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Museum zahlreiche Schenkungen, Vermächtnisse und Dauerleihgaben. Zu den bedeutenden Förderern gehörten unter anderem:

  • Raoul La Roche;
  • Maja Sacher-Stehlin;
  • Marguerite Arp-Hagenbach;
  • Richard Doetsch-Benziger;
  • Max Geldner;
  • Martha und Robert von Hirsch;
  • Maja Oeri.

Die Sammlung von Raoul La Roche stärkte insbesondere den Bestand des Kubismus. Die 1933 gegründete Emanuel Hoffmann-Stiftung stellte dem Museum wichtige Werke der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst als Dauerleihgaben zur Verfügung.

Seit 2004 befindet sich auch die Sammlung Im Obersteg als Depositum im Kunstmuseum Basel. Sie umfasst bedeutende Werke von Marc Chagall, Alexej von Jawlensky, Chaïm Soutine, Pablo Picasso, Paul Klee, Cuno Amiet und weiteren Künstlern der klassischen Moderne.[3]

Basler Picasso-Jahr 1967

1967 drohte der Verkauf zweier Gemälde Pablo Picassos aus der Sammlung Rudolf Staechelin. Die Werke Les deux frères von 1906 und Arlequin assis von 1923 waren über längere Zeit im Kunstmuseum ausgestellt gewesen und wurden von vielen Baslerinnen und Baslern als Teil der eigenen Sammlung wahrgenommen.

Der Kanton Basel-Stadt stellte einen öffentlichen Kredit für den Ankauf zur Diskussion. Die Vorlage wurde in einer Volksabstimmung angenommen. Voraussetzung war, dass zusätzlich 2,4 Millionen Franken durch private Spenden zusammenkamen.

Eine breite Bevölkerungskampagne sammelte das fehlende Geld. Zu den öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen gehörte das sogenannte Bettlerfest. Schülerinnen und Schüler, Vereine, Unternehmen, Kunstschaffende und Privatpersonen beteiligten sich an der Sammlung.

Picasso war von dem Engagement beeindruckt und schenkte Basel vier weitere Werke: Homme, femme et enfant, eine Entwurfszeichnung zu Les Demoiselles d’Avignon sowie die beiden Spätwerke Vénus et l’amour und Le couple. Maja Sacher-Stehlin ergänzte die Gruppe durch Picassos kubistisches Gemälde Le poète von 1912.[4]

Das Ereignis gilt als bedeutendes Beispiel für die enge Beziehung zwischen der Basler Bevölkerung und ihrem Kunstmuseum.

Museum für Gegenwartskunst

Am 8. Februar 1980 wurde im St. Alban-Tal das Museum für Gegenwartskunst eröffnet. Es entstand durch das Zusammenwirken der Emanuel Hoffmann-Stiftung, ihrer Gründerin Maja Sacher-Stehlin, der Christoph Merian Stiftung und des Kantons Basel-Stadt.

Die Architekten Katharina und Wilfrid Steib verbanden eine umgebaute ehemalige Papierfabrik mit einem Neubau. Das Museum gehörte zu den ersten Häusern in Europa, die ausdrücklich der zeitgenössischen Kunst und ihren aktuellen Entwicklungen gewidmet waren.

Gezeigt wurden Werke der Öffentlichen Kunstsammlung Basel und der Emanuel Hoffmann-Stiftung. Neben wechselnden Sammlungspräsentationen fanden regelmässig Einzelausstellungen, thematische Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen statt.

2005 wurde das Gebäude umfassend renoviert. Seit 2016 trägt es die Bezeichnung Kunstmuseum Basel | Gegenwart.[5]

Neubau von 2016

Wegen des Wachstums der Sammlung und des Bedarfs an geeigneten Räumen für grosse Sonderausstellungen wurde gegenüber dem Hauptbau ein Erweiterungsgebäude errichtet.

Der Neubau wurde vom Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein entworfen und im April 2016 eröffnet. Er ist durch einen unterirdischen Gang mit dem Hauptbau verbunden.

Die Baukosten betrugen rund 100 Millionen Franken. Die Laurenz-Stiftung übernahm 50 Millionen Franken. Die übrige Hälfte wurde durch die öffentliche Hand finanziert. Maja Oeri hatte dem Kanton zuvor die Mittel zum Erwerb des Baugrundstücks geschenkt.

Der Neubau nimmt mit seiner grauen Backsteinfassade, seinen Proportionen und dem monumentalen Treppenhaus Elemente des Hauptbaus auf, interpretiert sie jedoch in einer zeitgenössischen Form. Eine Besonderheit ist ein in die Fassade integrierter Lichtfries, der für Schrift und bewegte Bilder genutzt werden kann.

Gebäude und Standorte

Das Kunstmuseum Basel verteilt sich auf drei Gebäude.

Standorte des Kunstmuseums Basel
Standort Eröffnung Architektur Hauptnutzung
Hauptbau 1936 Rudolf Christ und Paul Bonatz Dauerausstellung mit Kunst vom Mittelalter bis zur klassischen und europäischen Nachkriegsmoderne
Gegenwart 1980 Katharina und Wilfrid Steib zeitgenössische Kunst, Installationen und Wechselausstellungen
Neubau 2016 Christ & Gantenbein grosse Sonderausstellungen und wechselnde Sammlungspräsentationen

Hauptbau

Der Hauptbau steht am St. Alban-Graben 16. Die repräsentative Fassade ist mit hellem Naturstein verkleidet. Arkaden öffnen das Erdgeschoss zur Strasse und zum Innenhof.

Im Erdgeschoss werden vor allem Werke der Basler Kunst präsentiert. Im ersten Obergeschoss befinden sich Bestände des Mittelalters, der Renaissance sowie des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Das zweite Obergeschoss ist der klassischen Moderne und der europäischen Nachkriegsmoderne gewidmet.

Im Hauptbau befinden sich ausserdem das Kupferstichkabinett, der Museumsshop, ein Bistro, Verwaltungsräume und Einrichtungen für die wissenschaftliche Arbeit.

Neubau

Der Neubau befindet sich am St. Alban-Graben 20. Seine Ausstellungsräume sind flexibel angelegt und für unterschiedliche Formate geeignet.

Die grossen Oberlichtsäle im obersten Geschoss ermöglichen umfangreiche Sonderausstellungen. Weitere Räume werden für Kunst nach 1950 und für wechselnde Präsentationen aus den eigenen Beständen genutzt.

Hauptbau und Neubau bilden trotz ihrer unterschiedlichen Entstehungszeit ein zusammenhängendes Museum. Die unterirdische Verbindung erlaubt den Wechsel zwischen beiden Gebäuden, ohne den öffentlichen Strassenraum überqueren zu müssen.

Gegenwart

Das Kunstmuseum Basel | Gegenwart liegt am St. Alban-Rheinweg 60 in der Nähe des Rheins. Es besteht aus einem umgenutzten Industriegebäude und einem damit verbundenen Neubau.

Die Räume eignen sich besonders für Installationen, Skulpturen, Videoarbeiten und andere zeitgenössische Kunstformen. Gezeigt werden Werke des Kunstmuseums, der Emanuel Hoffmann-Stiftung und teilweise weiterer öffentlicher oder privater Sammlungen.

Die nicht ausgestellten Bestände der Emanuel Hoffmann-Stiftung werden seit 2003 im Schaulager in Münchenstein aufbewahrt.

Sammlung

Umfang und zeitlicher Rahmen

Die Öffentliche Kunstsammlung Basel umfasst über 300'000 Werke aus acht Jahrhunderten. Dazu gehören mehrere Tausend Gemälde, Skulpturen, Installationen und Videos sowie ein wesentlich grösserer Bestand an Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken.

Die Sammlung ist nicht als lückenlose Darstellung der gesamten europäischen Kunstgeschichte angelegt. Sie besitzt vielmehr historisch gewachsene Schwerpunkte, die durch gezielte Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben ergänzt wurden.

Oberrheinische Kunst

Ein herausragender Sammlungsschwerpunkt ist die Kunst des Oberrheins vom 15. bis zum 16. Jahrhundert. Dazu gehören Werke aus Basel, dem Elsass, Süddeutschland und angrenzenden Gebieten.

Besonders bedeutend ist der Bestand von Hans Holbein dem Jüngeren. Zu den bekannten Werken gehören:

  • Bildnis des Bonifacius Amerbach;
  • Der tote Christus im Grabe;
  • die Flügel des Oberried-Altars;
  • Bildnisse von Erasmus von Rotterdam;
  • Zeichnungen und Entwürfe aus dem Amerbach-Kabinett.

Vertreten sind ausserdem Hans Holbein der Ältere, Ambrosius Holbein, Konrad Witz, Hans Baldung, Matthias Grünewald, Urs Graf der Ältere und Niklaus Manuel.

Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

Die Sammlung des 17. Jahrhunderts umfasst niederländische, flämische, französische, italienische und deutsche Malerei. Vertreten sind unter anderem Werke aus dem Umfeld von Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens, Nicolas Poussin und weiteren europäischen Schulen.

Die Bestände des 18. Jahrhunderts sind weniger umfangreich als jene der Renaissance oder Moderne, zeigen aber wichtige Entwicklungen zwischen Barock, Rokoko und Klassizismus.

Kunst des 19. Jahrhunderts

Die Kunst des 19. Jahrhunderts bildet einen weiteren Schwerpunkt. Eine herausragende Stellung nimmt Arnold Böcklin ein, der in Basel geboren wurde.

Zum Bestand gehören zahlreiche Landschaften, mythologische Darstellungen und Figurenbilder Böcklins. Die Sammlung ermöglicht einen umfassenden Überblick über verschiedene Phasen seines Schaffens.

Vertreten sind ausserdem Künstler wie:

Klassische Moderne

Die Sammlung der klassischen Moderne gehört zu den international bekanntesten Teilen des Museums. Zu ihren Schwerpunkten zählen Kubismus, Expressionismus, Surrealismus und abstrakte Kunst.

Bedeutende Künstler sind unter anderem:

Die Bestände wurden durch öffentliche Ankäufe, private Schenkungen sowie die Sammlungen La Roche, Emanuel Hoffmann und Im Obersteg geprägt.

Kunst nach 1945

Die Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg umfasst europäische und amerikanische Positionen. Seit den 1960er-Jahren wurde insbesondere die amerikanische Kunst systematisch gesammelt.

Vertreten sind unter anderem:

Neben Malerei und Skulptur wurden zunehmend Installationen, Fotografie, Film, Video und konzeptuelle Arbeiten erworben.

Gegenwartskunst

Die Gegenwartskunst wird sowohl im Neubau als auch im Haus Gegenwart gezeigt. Das Museum sammelt internationale und schweizerische Kunst und berücksichtigt unterschiedliche Medien und Ausdrucksformen.

Die Sammlung wird durch Deposita der Emanuel Hoffmann-Stiftung wesentlich ergänzt. Diese Stiftung konzentriert sich traditionell auf Kunstschaffende, deren Werke neue und noch nicht allgemein anerkannte Ausdrucksformen entwickeln.

Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel gehört zu den grössten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Schweiz. Es umfasst Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Kupferstiche, Radierungen, Lithografien und weitere Arbeiten auf Papier.

Sein Ursprung liegt im Amerbach-Kabinett, dessen Zeichnungen und Druckgrafiken einen wesentlichen Teil des historischen Bestands bildeten. Durch das Museum Faesch, Schenkungen, Legate und kontinuierliche Erwerbungen wurde die Sammlung stark erweitert.

Besondere Schwerpunkte sind:

  • oberrheinische Zeichnung und Druckgrafik;
  • Werke Hans Holbeins des Jüngeren;
  • deutsche und schweizerische Kunst der Renaissance;
  • Zeichnungen des 19. Jahrhunderts;
  • klassische und internationale Moderne;
  • zeitgenössische Arbeiten auf Papier.

Da Arbeiten auf Papier lichtempfindlich sind, können sie nicht dauerhaft ausgestellt werden. Das Kupferstichkabinett zeigt deshalb wechselnde Präsentationen und stellt Werke für Forschung und Studium in einem Studiensaal bereit.

Kunstkommission und Direktion

Die Kunstkommission begleitet die strategische und sammlungspolitische Arbeit des Museums. Sie entscheidet im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten über Ankäufe, Schenkungen, Legate und weitere Fragen der Sammlung.

Die Direktion trägt die Verantwortung für die künstlerische, wissenschaftliche, organisatorische und wirtschaftliche Führung des Museums.

Seit April 2024 ist die Kunsthistorikerin und Kuratorin Elena Filipovic Direktorin des Kunstmuseums Basel. Zuvor leitete sie die Kunsthalle Basel.[6]

Zu den früheren Direktoren und Direktorinnen gehören:

  • Otto Fischer;
  • Georg Schmidt;
  • Franz Meyer;
  • Christian Geelhaar;
  • Katharina Schmidt;
  • Bernhard Mendes Bürgi;
  • Josef Helfenstein.

Die verschiedenen Direktionen setzten unterschiedliche Schwerpunkte, darunter die internationale Moderne, amerikanische Nachkriegskunst, Gegenwartskunst, Forschung, Provenienzfragen und den Ausbau der Ausstellungsprogramme.

Sonderausstellungen

Neben der Dauerausstellung organisiert das Kunstmuseum regelmässig Sonderausstellungen. Diese können einzelnen Künstlerinnen und Künstlern, historischen Epochen, künstlerischen Bewegungen oder gesellschaftlichen Themen gewidmet sein.

Der Neubau erlaubt die Präsentation grosser internationaler Ausstellungen, ohne dass wesentliche Teile der Dauerausstellung im Hauptbau abgebaut werden müssen.

Ausstellungen entstehen häufig in Zusammenarbeit mit Museen, privaten Sammlungen, Stiftungen, Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen. Zu vielen Projekten veröffentlicht das Museum umfangreiche Kataloge und Forschungspublikationen.

Das Museum greift neben kunsthistorischen Fragestellungen auch aktuelle Themen auf, darunter Identität, Migration, Kolonialismus, Geschlecht, Ökologie, politische Gewalt und die gesellschaftliche Funktion von Bildern.

Forschung

Die wissenschaftliche Erforschung der Sammlung gehört zu den Kernaufgaben des Kunstmuseums. Kuratorinnen, Restauratoren, Archivfachleute und externe Forschende untersuchen Werke, Künstlerbiografien, Sammlungsgeschichte, Materialien und historische Zusammenhänge.

Forschungsergebnisse erscheinen in:

  • Sammlungskatalogen;
  • Ausstellungskatalogen;
  • wissenschaftlichen Aufsätzen;
  • digitalen Datenbanken;
  • Restaurierungsberichten;
  • Provenienzdokumentationen;
  • öffentlichen Vorträgen und Tagungen.

Das Museumsarchiv bewahrt Akten zur Sammlung, zur Kunstkommission, zu Ausstellungen, Ankäufen und Schenkungen sowie Nachlässe und Dokumentationen bedeutender Persönlichkeiten auf.

Die Bibliothek des Kunstmuseums ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek für Kunstgeschichte und angrenzende Gebiete. Sie dient den Mitarbeitenden des Museums, Forschenden und weiteren interessierten Personen.

Provenienzforschung

Die Provenienzforschung untersucht die Herkunft und die früheren Eigentumsverhältnisse von Kunstwerken. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Erwerbungen während der Zeit des Nationalsozialismus und in den Jahrzehnten danach.

Dabei wird geprüft, ob Werke:

  • durch nationalsozialistische Verfolgung entzogen wurden;
  • unter dem Druck von Flucht und Verfolgung verkauft werden mussten;
  • aus beschlagnahmten deutschen Museumsbeständen stammten;
  • über den internationalen Kunsthandel nach Basel gelangten;
  • aus kolonialen oder anderen problematischen historischen Zusammenhängen stammen.

Das Museum veröffentlicht Ergebnisse seiner Forschungen und sucht bei berechtigten Ansprüchen nach gerechten und fairen Lösungen im Sinne der Washingtoner Prinzipien.

2024 vereinbarte das Kunstmuseum mit den Erbinnen des jüdischen Unternehmers Richard Semmel eine Entschädigung für Camille Pissarros Gemälde La Maison Rondest, l’Hermitage, Pontoise. Semmel hatte das Werk auf der Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung verkaufen müssen. Das Gemälde verblieb nach der Vereinbarung im Museum.[7]

Restaurierung und Bewahrung

Die Restaurierungsabteilung untersucht, konserviert und restauriert Werke der Sammlung. Dabei werden kunsthistorische, materialtechnische und naturwissenschaftliche Methoden miteinander verbunden.

Zu den Aufgaben gehören:

  • die Kontrolle des Erhaltungszustands;
  • die vorbeugende Konservierung;
  • die Regulierung von Licht, Klima und Luftfeuchtigkeit;
  • die Untersuchung von Farben, Bindemitteln und Bildträgern;
  • die Vorbereitung von Ausstellungen und Leihgaben;
  • die Dokumentation früherer Veränderungen;
  • die Behandlung beschädigter Werke.

Besondere Anforderungen stellen moderne und zeitgenössische Kunstwerke, da sie häufig aus vergänglichen Materialien, technischen Geräten oder digitalen Komponenten bestehen.

Kunstvermittlung

Das Museum bietet Führungen, Workshops, Gespräche, Vorträge und Veranstaltungen für Erwachsene, Familien, Kinder und Schulklassen an.

Die Kunstvermittlung soll nicht nur kunsthistorisches Wissen weitergeben, sondern auch die selbständige Wahrnehmung und Diskussion fördern. Programme werden an unterschiedliche Altersgruppen, Vorkenntnisse und sprachliche Bedürfnisse angepasst.

Zu den Angeboten gehören:

  • öffentliche Führungen;
  • Schulprogramme;
  • Familienateliers;
  • Ferienkurse;
  • Gespräche vor einzelnen Werken;
  • Angebote für Menschen mit Behinderungen;
  • digitale Vermittlungsformate;
  • Veranstaltungen mit Künstlerinnen und Künstlern.

Das Museum beteiligt sich ausserdem an städtischen Kulturveranstaltungen wie der Museumsnacht Basel.

Finanzierung und privates Engagement

Als staatliches Museum wird das Kunstmuseum wesentlich durch den Kanton Basel-Stadt finanziert. Weitere Einnahmen stammen aus Eintrittsgeldern, Publikationen, Veranstaltungen, Vermietungen und privaten Zuwendungen.

Für den Ausbau der Sammlung und die Durchführung grosser Ausstellungen sind private Förderer, Stiftungen und Unternehmen von grosser Bedeutung.

Die Geschichte des Museums ist stark durch bürgerschaftliches Mäzenatentum geprägt. Das Amerbach-Kabinett, der Birmann-Fonds, die Emanuel Hoffmann-Stiftung, die Sammlung Im Obersteg, die Picasso-Aktion von 1967 sowie die Finanzierung des Neubaus sind Beispiele für die Verbindung öffentlicher Verantwortung und privaten Engagements.

Diese Zusammenarbeit ermöglicht bedeutende Projekte, wirft aber auch Fragen nach Transparenz, Einflussnahme, langfristigen Betriebskosten und der Unabhängigkeit öffentlicher Kulturinstitutionen auf.

Bedeutung für Basel

Das Kunstmuseum prägt das kulturelle Selbstverständnis Basels wesentlich. Die Stadt besitzt eine lange Tradition des Buchdrucks, des Humanismus, der Universität, des Kunsthandels und des privaten Sammelns.

Das Museum steht in enger Beziehung zu weiteren Institutionen der Region, darunter:

Zusammen mit der internationalen Kunstmesse Art Basel und zahlreichen Galerien trägt das Kunstmuseum zur Bedeutung Basels als Kunst- und Museumsstadt bei.

Seine Sammlung besitzt zugleich einen starken lokalen Bezug. Die Werke Holbeins, Böcklins und weiterer in Basel tätiger Kunstschaffender verbinden die europäische Kunstgeschichte mit der Geschichte der Stadt.

Kritik und Herausforderungen

Wie andere grosse Museen steht das Kunstmuseum Basel vor unterschiedlichen fachlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen.

Dazu gehören:

  • die wissenschaftliche Aufarbeitung problematischer Erwerbungen;
  • die angemessene Darstellung von Künstlerinnen und bisher wenig berücksichtigten Gruppen;
  • die Erweiterung der Sammlung unter stark gestiegenen Kunstmarktpreisen;
  • die Bewahrung empfindlicher und technisch komplexer Kunstwerke;
  • die Digitalisierung und öffentliche Zugänglichkeit der Bestände;
  • die Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs;
  • die Verbindung internationaler Ausstrahlung mit lokaler Teilhabe;
  • die Sicherung langfristiger öffentlicher und privater Finanzierung.

Die historische Sammlung entstand unter gesellschaftlichen Bedingungen, in denen männliche europäische Künstler deutlich bevorzugt wurden. Neuere Ankäufe und Ausstellungen sollen deshalb zusätzliche Perspektiven, Regionen und künstlerische Positionen sichtbar machen.

Siehe auch

Literatur

  • Kunstmuseum Basel: Die Meisterwerke. Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen, Videos. Kunstmuseum Basel, Basel.
  • Georg Schmidt: Die Öffentliche Kunstsammlung Basel. Basel.
  • Christian Geelhaar: Kunstmuseum Basel. Die Geschichte der Öffentlichen Kunstsammlung. Basel.
  • Dorothea Christ: Die Bedeutung der Basler Kunstsammler für das Kunstmuseum Basel. Basel.
  • Öffentliche Kunstsammlung Basel: Katalog der Gemälde und Skulpturen. Basel.
  • Kunstmuseum Basel: Der Neubau. Christoph Merian Verlag, Basel 2016.
  • Georg Kreis: Entartete Kunst für Basel. Die Herausforderung von 1939. Basel.

Einzelnachweise

  1. Geschichte der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Gesetz über die Museen des Kantons Basel-Stadt. In: Gesetzessammlung Basel-Stadt. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Stiftung Im Obersteg. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Die Picasso-Story. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. 40 Jahre Kunstmuseum Basel. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Kontakt und Leitung. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Jahresbericht 2024. In: Kunstmuseum Basel. Abgerufen am 2026-07-23.