Uetlibergbahn

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Uetlibergbahn
Linienbezeichnung S10
Strecke Zürich HauptbahnhofUetliberg
Betreiberin Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn
Eröffnungsfeier 10. Mai 1875
Aufnahme des fahrplanmässigen Betriebs 12. Mai 1875
Ursprünglicher Ausgangspunkt Zürich Selnau
Heutiger Ausgangspunkt Zürich HB SZU
Betriebslänge 10,36 km
Spurweite 1'435 mm
Bahnsystem normalspurige Adhäsionsbahn
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Früheres Stromsystem 1'200 V Gleichstrom
Elektrischer Betrieb seit 1923
Umstellung auf Wechselstrom 2022
Maximale Neigung 79 ‰
Anzahl bedienter Stationen neun
Bergstation Uetliberg, 813 m ü. M.
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Website szu.ch

Die Uetlibergbahn ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke von Zürich Hauptbahnhof auf den Uetliberg, den Hausberg der Stadt Zürich. Sie wird von der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) betrieben und bildet als Linie S10 einen Bestandteil der S-Bahn Zürich und des Zürcher Verkehrsverbunds.

Die 1875 eröffnete Strecke gehört zu den ältesten noch betriebenen Bergbahnen der Schweiz. Mit einer maximalen Neigung von 79 Promille zählt sie zu den steilsten normalspurigen Adhäsionsbahnen Europas. Anders als eine Zahnradbahn bewältigt sie den Höhenunterschied ausschliesslich durch die Haftung zwischen Rad und Schiene.

Die Uetlibergbahn verbindet innerstädtische Wohn- und Arbeitsplatzgebiete mit den Quartieren am westlichen Hang des Uetlibergs, der Gemeinde Uitikon und dem bedeutenden Naherholungsgebiet auf dem Zürcher Hausberg. Sie erfüllt damit sowohl Aufgaben des täglichen Pendlerverkehrs als auch des Freizeit- und Ausflugsverkehrs.

Die Strecke beginnt im unterirdischen SZU-Bahnhof unter dem Zürcher Hauptbahnhof und führt über Zürich Selnau, Binz, Friesenberg, Schweighof und Triemli nach Uitikon Waldegg, Ringlikon und zur Endstation Uetliberg. Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof bis zur Bergstation beträgt ungefähr 20 Minuten.

Name

Der Name der Bahn leitet sich vom Uetliberg ab.

In älteren Quellen finden sich auch die Schreibweisen Üetlibergbahn, Üetliberg-Bahn und Uetliberg-Bahn. Die heutige Betreiberin verwendet die Schreibweise Uetlibergbahn ohne Umlaut und ohne Bindestrich.

Die ursprüngliche Bahngesellschaft wurde als Uetlibergbahn-Gesellschaft bezeichnet und verwendete die Abkürzung UeB. Ihre Nachfolgerin hiess ab 1922 Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg und wurde als BZUe abgekürzt.

Seit der Fusion mit der Sihltalbahn im Jahr 1973 gehört die Strecke zur Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn.

Strecke

Verlauf

Die Uetlibergbahn beginnt im unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU. Dieser liegt ungefähr 13 Meter unter dem Bahnhofsplatz und wird gemeinsam mit der Sihltalbahn genutzt.

Unmittelbar nach dem Hauptbahnhof führt die Strecke in einem Tunnel unter dem Stadtzentrum und teilweise unter dem Flussbett der Sihl zur Station Zürich Selnau.

Südlich von Selnau steigt die Bahn in Richtung Giesshübel an. Zwischen Zürich HB und dem Betriebsbahnhof Giesshübel verläuft sie gemeinsam mit der als S4 betriebenen Sihltalbahn.

Die Züge der S10 halten nicht in Giesshübel. Dort trennen sich die beiden Linien:

  • Die Sihltalbahn führt südwärts durch das Sihltal nach Adliswil, Langnau-Gattikon und Sihlwald.
  • Die Uetlibergbahn wendet sich nach Südwesten und steigt über Binz und Friesenberg zum Uetliberg an.

Zwischen Binz und Triemli verläuft die Strecke durch dicht besiedelte Stadtquartiere. Sie erschliesst unter anderem Wohngebiete im Friesenberg sowie das Stadtspital Zürich am Standort Triemli.

Oberhalb von Triemli verlässt die Bahn das dichter bebaute Stadtgebiet. Sie führt durch Wald- und Hanglandschaften zur Station Uitikon Waldegg und danach über Ringlikon zur Bergstation Uetliberg.

Die Endstation befindet sich auf ungefähr 813 Metern über Meer. Von dort führt ein Fussweg zum Uetliberggipfel mit Aussichtsturm, Fernsehturm, Hotel und Ausflugsgastronomie. Der höchste Punkt des Berges liegt auf 870 Metern über Meer.

Höhenunterschied

Zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und der Bergstation überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von rund 400 Metern.

Der stärkste Anstieg befindet sich im oberen Streckenabschnitt. Die maximale Neigung beträgt 79 Promille. Das bedeutet, dass die Strecke auf einer horizontalen Entfernung von 1'000 Metern bis zu 79 Meter an Höhe gewinnt.

Die Bahn verwendet keine Zahnstange. Die Triebfahrzeuge müssen deshalb über genügend Antriebsleistung verfügen, während das Bremssystem auch auf den langen Gefällestrecken einen sicheren Betrieb gewährleisten muss.

Gleisanlage

Die Strecke ist normalspurig und besitzt eine Spurweite von 1'435 Millimetern.

Der Abschnitt vom Hauptbahnhof bis in den Raum Giesshübel ist für den gemeinsamen Betrieb der Linien S4 und S10 ausgebaut. Der weitere Verlauf zum Uetliberg ist überwiegend einspurig.

Kreuzungsmöglichkeiten und zusätzliche Gleisverbindungen ermöglichen die Begegnung von Zügen und die Abwicklung eines regelmässigen Taktfahrplans.

Die begrenzte Zahl an Kreuzungsstellen stellt hohe Anforderungen an Fahrplanstabilität und Pünktlichkeit. Bereits kleine Verspätungen können sich auf entgegenkommende Züge übertragen.

Stationen

Stationen der Linie S10
Station Gemeinde Höhe Bemerkung
Zürich HB SZU Zürich etwa 396 m ü. M. unterirdischer Ausgangspunkt; Anschlüsse an Fernverkehr, S-Bahn, Tram und Bus
Zürich Selnau Zürich etwa 398 m ü. M. unterirdische Station im Bereich der Sihl
Zürich Binz Zürich etwa 423 m ü. M. Erschliessung des Entwicklungs- und Arbeitsplatzgebiets Binz
Zürich Friesenberg Zürich etwa 480 m ü. M. Wohnquartier am westlichen Uetliberghang
Zürich Schweighof Zürich etwa 500 m ü. M. Wohn- und Entwicklungsgebiet im Friesenberg
Zürich Triemli Zürich etwa 545 m ü. M. Anschluss an Tram und Bus; Nähe zum Stadtspital Zürich
Uitikon Waldegg Uitikon etwa 620 m ü. M. wichtigste Station der Gemeinde Uitikon
Ringlikon Uitikon etwa 682 m ü. M. Ausgangspunkt für Wanderungen am Uetliberg
Uetliberg Zürich 813 m ü. M. Bergstation und Zugang zum Gipfelgebiet

Der Betriebsbahnhof Zürich Giesshübel liegt an der gemeinsam mit der Sihltalbahn genutzten Strecke, wird von den regulären Zügen der S10 jedoch nicht als Personenverkehrshalt bedient.

Geschichte

Planung

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Uetliberg zu einem beliebten Ausflugsziel für die wachsende Bevölkerung Zürichs.

Der Aufstieg erfolgte zunächst zu Fuss, zu Pferd oder mit Kutschen. Mit dem Wachstum der Stadt entstand der Wunsch nach einer leistungsfähigen Verkehrsverbindung auf den Berg.

In der Planungsphase wurden verschiedene technische Systeme untersucht. Neben einer gewöhnlichen Eisenbahn kamen eine Zahnradbahn und andere besondere Bergbahnsysteme in Betracht.

Die Projektanten entschieden sich schliesslich für eine normalspurige Adhäsionsbahn. Diese Lösung sollte den Betrieb mit gewöhnlichen Eisenbahnfahrzeugen erleichtern und den Bau einer Zahnstange vermeiden.

Im November 1872 wurde die Uetlibergbahn-Gesellschaft gegründet. Sie erhielt die Aufgabe, die Strecke vom damaligen Bahnhof Selnau zum Uetliberg zu bauen und zu betreiben.

Bau und Eröffnung

Die Bauarbeiten waren wegen des steilen Geländes, instabiler Hänge und der grossen Neigung anspruchsvoll.

Die feierliche Eröffnung fand am 10. Mai 1875 statt. Am 12. Mai begann der fahrplanmässige Betrieb mit täglich vier Berg- und Talfahrten.[1]

Der Ausgangspunkt befand sich im oberirdischen Bahnhof Selnau am Rand der damaligen Zürcher Innenstadt. Die Strecke führte von dort über Giesshübel, den Friesenberg und Uitikon zum Uetliberg.

Zum ursprünglichen Fahrzeugbestand gehörten drei kleine Dampflokomotiven und zweiachsige Personenwagen. Auf den besonders steilen Abschnitten wurden die Wagen aus Sicherheitsgründen teilweise von der Lokomotive bergwärts geschoben.

Im selben Jahr wurde beim Endbahnhof ein Hotel eröffnet. Bahn und Gastronomie sollten gemeinsam den Ausflugstourismus fördern.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Der Betrieb war stark vom Wetter und vom Ausflugsverkehr abhängig.

An schönen Sonn- und Feiertagen nutzten zahlreiche Gäste die Bahn. Bei schlechtem Wetter oder im Winter blieben die Fahrgastzahlen jedoch gering.

Die Einnahmen reichten über längere Zeit nicht aus, um die hohen Bau-, Betriebs- und Unterhaltskosten zu decken. Eine geplante Verlängerung vom Bahnhof Selnau zum Zürcher Hauptbahnhof konnte aus finanziellen und städtebaulichen Gründen nicht verwirklicht werden.

Die Eröffnung der Sihltalbahn im Jahr 1892 brachte zusätzlichen Verkehr auf den gemeinsam genutzten Abschnitt zwischen Selnau und Giesshübel. Die wirtschaftlichen Grundprobleme der Uetlibergbahn blieben jedoch bestehen.

Während des Ersten Weltkriegs gingen die Fahrgastzahlen stark zurück. Kohlemangel und steigende Betriebskosten erschwerten den Dampfbetrieb zusätzlich.

Ende Oktober 1920 wurde der Personenverkehr eingestellt. Die Uetlibergbahn-Gesellschaft wurde liquidiert.

Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg

Die Stadt Zürich und private Interessenten wollten die für den Ausflugsverkehr wichtige Bahn erhalten.

1922 wurde die Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg gegründet. Sie übernahm die Strecke und bereitete deren Wiedereröffnung vor.

Gleichzeitig wurde die Elektrifizierung beschlossen. In der damaligen Planung wurde zeitweise erwogen, die Bahn später auf Meterspur umzubauen und in das Zürcher Tramnetz einzubeziehen.

Aus diesem Grund erhielten die ersten elektrischen Fahrzeuge einen vergleichsweise strassenbahnähnlichen Aufbau. Die Umspurung wurde jedoch nie durchgeführt.

1923 nahm die Bahn den elektrischen Betrieb mit 1'200 Volt Gleichstrom auf. Damit endete der aufwendige Dampfbetrieb.

Zusammenarbeit mit der Sihltalbahn

Die Sihltalbahn und die Uetlibergbahn nutzten zwischen Selnau und Giesshübel dieselbe Trasse.

Die Sihltalbahn war mit dem bei den Schweizerischen Bundesbahnen üblichen Wechselstromsystem von 15 Kilovolt elektrifiziert, während die Uetlibergbahn Gleichstrom verwendete.

Damit beide Bahnen ihre verschiedenen Stromsysteme auf denselben Gleisen nutzen konnten, erhielt die Uetlibergbahn eine seitlich versetzte Fahrleitung. Auch die Stromabnehmer ihrer Fahrzeuge waren um ungefähr 1,3 Meter aus der Fahrzeugmitte verschoben.

Über den Gleisen verliefen damit zwei voneinander getrennte Fahrleitungen:

  • eine mittig angeordnete Wechselstromleitung für die Sihltalbahn;
  • eine seitlich angeordnete Gleichstromleitung für die Uetlibergbahn.

Diese weltweit ungewöhnliche technische Lösung blieb fast hundert Jahre lang in Betrieb und wurde zu einem charakteristischen Merkmal der Uetlibergbahn.

1932 übernahm die Sihltalbahn die Betriebsführung und Verwaltung der Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg. Beide Unternehmen blieben rechtlich selbständig, arbeiteten betrieblich jedoch eng zusammen.

Entstehung der SZU

Am 1. Januar 1973 fusionierten die Sihltalbahn und die Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg zur Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn.

Die neue Gesellschaft übernahm beide Eisenbahnstrecken, deren Fahrzeuge, Anlagen und Betriebsorganisation.

Trotz der Fusion blieben die unterschiedlichen Stromsysteme bestehen. Fahrzeuge der beiden Linien konnten deshalb nur eingeschränkt gemeinsam eingesetzt werden.

Die Uetlibergbahn wurde weiterhin mit orangefarbenen Fahrzeugen betrieben, während auf der Sihltalbahn traditionell rote Fahrzeuge verkehrten.

Umbau des Abschnitts Selnau–Giesshübel

In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde die Infrastruktur schrittweise modernisiert.

Der stark beanspruchte Abschnitt zwischen Selnau und Giesshübel wurde ausgebaut, um den zunehmenden Verkehr der beiden Linien aufzunehmen.

Neue Sicherungsanlagen, verbesserte Kreuzungsmöglichkeiten und modernisierte Stationen erhöhten die Leistungsfähigkeit.

Verlängerung zum Hauptbahnhof

Bis 1990 endeten die Züge der Uetliberg- und der Sihltalbahn im oberirdischen Bahnhof Selnau.

Der Bahnhof lag zwar nahe der Innenstadt, besass aber keine direkte Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof. Reisende mussten zu Fuss oder mit dem städtischen Verkehr weiterfahren.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Zürcher S-Bahn wurde die SZU-Strecke unterirdisch zum Hauptbahnhof verlängert.

Die neue Strecke wurde teilweise als Tunnel im Flussbett der Sihl errichtet. Gleichzeitig entstand ein neuer unterirdischer Bahnhof Selnau.

Unter dem Bahnhofsplatz wurde eine ursprünglich für die nicht verwirklichte Zürcher U-Bahn vorbereitete Station für die SZU ausgebaut.

Die Verlängerung wurde im Mai 1990 eröffnet. Seit der Inbetriebnahme der Zürcher S-Bahn verkehrt die Uetlibergbahn als Linie S10 direkt ab Zürich HB.[2]

Die direkte Erschliessung des Hauptbahnhofs erhöhte die Attraktivität der Bahn erheblich und erleichterte den Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz.

Einbindung in den ZVV

Mit der Gründung des Zürcher Verkehrsverbundes im Jahr 1990 wurde die Uetlibergbahn vollständig in dessen Tarif- und Fahrplansystem integriert.

Seither gelten auf der Strecke die Fahrausweise des ZVV. Reisen können mit Anschlüssen an S-Bahn, Tram, Bus und Schiff kombiniert werden.

Die Bahn wurde zugleich stärker als Teil des regionalen Alltagsverkehrs wahrgenommen. Besonders die Stationen Binz, Friesenberg, Schweighof, Triemli und Uitikon Waldegg gewannen für Pendlerinnen und Pendler an Bedeutung.

Elektrifizierung

Gleichstrombetrieb von 1923 bis 2022

Die Elektrifizierung mit 1'200 Volt Gleichstrom ermöglichte gegenüber dem Dampfbetrieb einen zuverlässigeren, saubereren und wirtschaftlicheren Betrieb.

Das Gleichstromsystem wurde fast ein Jahrhundert lang beibehalten. Es war innerhalb des normalspurigen Schweizer Eisenbahnnetzes jedoch eine technische Sonderlösung.

Die getrennten Stromsysteme erschwerten:

  • den flexiblen Einsatz von Fahrzeugen;
  • den Unterhalt der Fahrleitungen;
  • die Beschaffung neuer Züge;
  • die Nutzung beider Gleise auf gemeinsam befahrenen Abschnitten;
  • den Störungs- und Baustellenbetrieb.

Die seitlich versetzte Fahrleitung erforderte eigens für die Uetlibergbahn gebaute oder angepasste Fahrzeuge.

Zweistromfahrzeuge

2013 nahm die SZU moderne niederflurige Zweistromtriebzüge in Betrieb.

Diese Fahrzeuge konnten sowohl unter 1'200 Volt Gleichstrom als auch unter 15 Kilovolt Wechselstrom verkehren. Ihre Stromabnehmer liessen sich seitlich verschieben.

Die Zweistromtechnik ermöglichte einen Einsatz auf der Uetlibergbahn und auf den mit Wechselstrom elektrifizierten Strecken der SZU.

Die Fahrzeuge bildeten zugleich eine Vorbereitung auf die spätere Vereinheitlichung der Stromversorgung.

Umstellung auf Wechselstrom

Im Sommer 2022 wurde die Uetlibergbahn von Gleichstrom auf das schweizerische Bahnstromsystem mit 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom umgestellt.[3]

Für die Umstellung mussten entlang einer ungefähr neun Kilometer langen Strecke:

  • die Fahrleitung erneuert;
  • rund 350 Masten und Fundamente ersetzt oder angepasst;
  • Schalt- und Sicherungsanlagen umgebaut;
  • besondere Kreuzungsbauwerke erstellt;
  • neue Fahrzeuge beschafft;
  • bestehende Zweistromfahrzeuge angepasst werden.

Am 22. August 2022 wurde der reguläre Betrieb unter dem neuen Stromsystem vollständig aufgenommen.

Die Umstellung vereinfachte die Infrastruktur und verbesserte die betriebliche Flexibilität. Beide SZU-Bahnlinien verwenden seither dasselbe Stromsystem.

Die seitlich versetzte Gleichstromfahrleitung wurde überflüssig. Damit endete eine der auffälligsten technischen Besonderheiten der Schweizer Eisenbahngeschichte.

Betrieb

Linie S10

Die Uetlibergbahn wird als Linie S10 der Zürcher S-Bahn betrieben.

Der reguläre Linienweg lautet:

Zürich HB–Zürich Selnau–Zürich Binz–Zürich Friesenberg–Zürich Schweighof–Zürich Triemli–Uitikon Waldegg–Ringlikon–Uetliberg

Die Züge verkehren grundsätzlich in einem regelmässigen Takt. Auf dem stark genutzten unteren Abschnitt zwischen Zürich HB und Triemli können zusätzliche Verbindungen angeboten werden.

Die genaue Taktfolge hängt von Tageszeit, Wochentag, Bauarbeiten und Fahrplanperiode ab.

Die Nachfrage unterscheidet sich deutlich nach Streckenabschnitt:

  • Im Stadtgebiet überwiegt der Pendler-, Schul- und Einkaufsverkehr.
  • Zwischen Triemli und Uitikon wird die Bahn sowohl von Pendlern als auch von Ausflüglern genutzt.
  • Auf dem oberen Abschnitt nach Ringlikon und Uetliberg besitzt der Freizeitverkehr besonders grosse Bedeutung.

Bei schönem Wetter, an Wochenenden und bei Schnee kann die Nachfrage stark ansteigen.

Tarif

Auf der gesamten Strecke gilt der Tarif des Zürcher Verkehrsverbundes.

Fahrausweise berechtigen innerhalb der gelösten Zonen zum Umsteigen auf andere Verkehrsmittel. Generalabonnement und Halbtaxabonnement werden nach den allgemeinen Bestimmungen des öffentlichen Verkehrs anerkannt.

Für Velos gelten besondere Einschränkungen. Auf dem steilen oberen Streckenabschnitt zwischen Uitikon Waldegg und Uetliberg ist die Velomitnahme nicht zugelassen.[4]

Besondere Betriebsbedingungen

Die grosse Steigung erfordert leistungsfähige Antriebs- und Bremssysteme.

Bei Laub, Schnee oder Eis können sich die Haftungsverhältnisse zwischen Rad und Schiene verschlechtern. Die Fahrzeuge verfügen deshalb über Sandstreueinrichtungen und mehrere voneinander unabhängige Bremssysteme.

Der teilweise einspurige Betrieb verlangt eine genaue Fahrplankoordination. Kreuzungen müssen an dafür vorgesehenen Betriebsstellen stattfinden.

Wegen der starken Nachfrage im Ausflugsverkehr werden bei Bedarf längere Zugkompositionen oder zusätzliche Fahrten eingesetzt.

Fahrzeuge

Dampflokomotiven

Zur Eröffnung standen kleine Dampflokomotiven zur Verfügung, die speziell für die steile Strecke beschafft worden waren.

Sie führten kurze Züge aus zweiachsigen Personenwagen. Der Dampfbetrieb war personal- und unterhaltsintensiv und verursachte hohe Brennstoffkosten.

Wegen der grossen Neigung mussten Geschwindigkeit, Zuggewicht und Bremsleistung besonders sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Erste elektrische Fahrzeuge

Mit der Elektrifizierung von 1923 wurden elektrische Motorwagen beschafft.

Die Fahrzeuge ähnelten teilweise zeitgenössischen Strassenbahnwagen. Ihre Gestaltung stand im Zusammenhang mit der damals erwogenen Einbindung der Uetlibergbahn in das Zürcher Tramnetz.

Die elektrischen Züge ermöglichten kürzere Fahrzeiten, häufigere Verbindungen und einen wesentlich saubereren Betrieb.

Orange Triebwagen

Über Jahrzehnte waren die orangefarbenen Fahrzeuge ein Erkennungszeichen der Uetlibergbahn.

Besonders bekannt wurden die 1992 in Betrieb genommenen Triebwagen der Reihe Be 520. Sie wurden später mit Niederflur-Zwischenwagen ergänzt.

Die Fahrzeuge waren ausschliesslich für den Gleichstrombetrieb vorgesehen. Mit der Umstellung auf Wechselstrom erreichten sie das Ende ihres Einsatzes bei der SZU.

Moderne Niederflurtriebzüge

Seit 2013 setzt die SZU dreiteilige Niederflurtriebzüge ein, die auf Fahrzeugfamilien des Schweizer Herstellers Stadler Rail beruhen.

Die ersten Fahrzeuge waren für Gleich- und Wechselstrom ausgerüstet. Sie besassen verschiebbare Stromabnehmer und konnten dadurch sowohl die seitlich angeordnete Gleichstromleitung als auch eine gewöhnliche mittige Wechselstromleitung erreichen.

Für die Umstellung von 2022 wurden fünf weitere dreiteilige Triebzüge beschafft. Sie werden bei der SZU als Be 570 bezeichnet.

Die modernen Züge bieten:

  • niederflurige Einstiege;
  • Mehrzweckbereiche;
  • Klimatisierung;
  • Fahrgastinformationssysteme;
  • hohe Antriebs- und Bremsleistung;
  • Platz für mehr als 600 Fahrgäste in Doppeltraktion;
  • bessere Zugänglichkeit für Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Die Vereinheitlichung des Stromsystems erlaubt einen flexibleren Fahrzeug- und Werkstatteinsatz.[5]

Bedeutung für den öffentlichen Verkehr

Die Uetlibergbahn wird häufig vor allem als Ausflugsbahn wahrgenommen. Tatsächlich übernimmt sie auf ihrem unteren und mittleren Abschnitt wichtige Aufgaben des städtischen und regionalen Verkehrs.

Sie erschliesst:

  • das Zürcher Stadtzentrum;
  • die Arbeitsplatzgebiete Binz und Giesshübel;
  • die Wohnquartiere am Friesenberg;
  • das Stadtspital Zürich;
  • die Gemeinde Uitikon;
  • das Naherholungsgebiet Uetliberg.

Die direkte Verbindung zum Hauptbahnhof ermöglicht kurze Umsteigewege zu regionalen, nationalen und internationalen Zügen.

Für die Gemeinde Uitikon stellt die Bahn eine der wichtigsten Verbindungen nach Zürich dar. Die Station Uitikon Waldegg ist mit lokalen Buslinien und Fusswegen verknüpft.

Touristische Bedeutung

Der Uetliberg ist eines der meistbesuchten Ausflugsziele im Raum Zürich.

Von der Endstation führen Wanderwege zu:

  • dem Uetliberggipfel;
  • dem Aussichtsturm;
  • dem Hotel Uto Kulm;
  • dem Planetenweg;
  • der Felsenegg;
  • dem Albisgrat;
  • Uitikon;
  • Birmensdorf;
  • dem Reppischtal.

Bei klarer Sicht reicht das Panorama über die Stadt Zürich und den Zürichsee bis zu den Glarner, Urner und Berner Alpen.

Im Winter wird der Uetliberg bei ausreichender Schneelage zum Schlitteln und Winterwandern genutzt. Die Bahn übernimmt dann einen grossen Teil des Anreiseverkehrs.

Die Strecke selbst besitzt touristischen Wert. Während der Fahrt öffnen sich Ausblicke auf Zürich, das Limmattal, den Zürichsee und die umliegenden Höhenzüge.

Denkmalschutz und Industriekultur

Die Uetlibergbahn ist ein bedeutendes Zeugnis der Schweizer Verkehrsgeschichte.

Ihre historische Bedeutung ergibt sich aus:

  • dem frühen Eröffnungsjahr 1875;
  • der grossen Steigung ohne Zahnstange;
  • der jahrzehntelangen Verbindung von Ausflugs- und Pendlerverkehr;
  • der besonderen Gleichstromelektrifizierung;
  • der seitlich versetzten Fahrleitung;
  • der Zusammenarbeit zweier Bahnen mit unterschiedlichen Stromsystemen;
  • der unterirdischen Verlängerung zum Hauptbahnhof.

Erhaltene Fahrzeuge, Fotografien, Pläne und technische Gegenstände dokumentieren die Entwicklung der Bahn.

Historische Fahrzeuge konnten wegen des dichten Taktfahrplans und ihrer vergleichsweise geringen Geschwindigkeit zuletzt nur noch eingeschränkt für Sonderfahrten eingesetzt werden.

Hindernisfreier Ausbau

Die modernen Triebzüge besitzen niederflurige Einstiege. Damit ein stufenfreier Zugang möglich ist, müssen jedoch auch die Perrons die erforderliche Höhe und Länge aufweisen.

Die SZU erneuert deshalb verschiedene Stationen und Haltestellen. Zu den Massnahmen gehören:

  • erhöhte Perrons;
  • niveaugleiche Zugänge;
  • Rampen und Aufzüge;
  • taktile Leitelemente;
  • bessere Beleuchtung;
  • moderne Fahrgastinformation;
  • längere Perrons für grössere Züge.

Die topografischen und räumlichen Verhältnisse erschweren den Umbau einzelner Stationen. Besonders im dicht bebauten Stadtgebiet stehen nur begrenzte Flächen zur Verfügung.

Modernisierung

Die SZU erneuert die Uetlibergbahn im Rahmen eines umfassenden Infrastrukturprogramms.

Zu den bereits verwirklichten oder geplanten Projekten gehören:

  • Umstellung auf Wechselstrom;
  • Beschaffung neuer Fahrzeuge;
  • Erneuerung von Gleisen und Weichen;
  • Ausbau von Kreuzungsstellen;
  • Modernisierung der Stationen;
  • Erneuerung des Bahnhofs Zürich HB SZU;
  • Anpassung der Sicherungsanlagen;
  • Verbesserung der Fahrplanstabilität;
  • Vorbereitung auf ein dichteres Angebot.

Auf den Abschnitten Triemli–Uitikon Waldegg und Ringlikon–Uetliberg werden Fahrbahn und Entwässerung schrittweise erneuert.

Der Umbau des unterirdischen Bahnhofs Zürich HB SZU soll breitere Perrons, bessere Zugänge und eine höhere betriebliche Leistungsfähigkeit ermöglichen.[6]

Langfristig wird eine Verdichtung des Angebots geprüft. Dafür sind zusätzliche Kreuzungsmöglichkeiten, längere Perrons, moderne Sicherungsanlagen und eine leistungsfähigere Infrastruktur erforderlich.

Umwelt

Die Uetlibergbahn wird vollständig elektrisch betrieben.

Sie ermöglicht den weitgehend autofreien Zugang zu einem empfindlichen Naherholungs- und Waldgebiet. Dadurch reduziert sie den motorisierten Ausflugsverkehr auf den Berg.

Die Bahn benötigt im Vergleich mit Strassenverkehr und Parkplätzen wenig Fläche. Gleichzeitig können zahlreiche Personen in kurzen Zeitabständen befördert werden.

Herausforderungen entstehen durch:

  • Bauarbeiten in Wald- und Hanggebieten;
  • Lärm in der Nähe von Wohnquartieren;
  • Energiebedarf;
  • Eingriffe in Böschungen und Gewässer;
  • zunehmende Besucherzahlen auf dem Uetliberg.

Bei Erneuerungsprojekten müssen Bahnbetrieb, Natur- und Landschaftsschutz, Siedlungsentwicklung und Erholungsnutzung aufeinander abgestimmt werden.

Jubiläum

2025 feierte die Uetlibergbahn ihr 150-jähriges Bestehen.

Die SZU veranstaltete am 10. Mai 2025 ein öffentliches Jubiläumsfest im Kraftwerk bei der Station Selnau. Rund 1'200 Besucherinnen und Besucher informierten sich über Geschichte, Betrieb und Zukunft der Bahn.

Das Jubiläum erinnerte an den Pioniercharakter des Baus von 1875 und an die Entwicklung von der dampfbetriebenen Ausflugsbahn zur modernen S-Bahn-Linie.[7]

Chronologie

Wichtige Ereignisse
Jahr Ereignis
1872 Gründung der Uetlibergbahn-Gesellschaft.
10. Mai 1875 Feierliche Eröffnung der Uetlibergbahn.
12. Mai 1875 Aufnahme des fahrplanmässigen Betriebs zwischen Zürich Selnau und Uetliberg.
1892 Eröffnung der Sihltalbahn; gemeinsamer Betrieb des Abschnitts Selnau–Giesshübel.
1920 Einstellung des regulären Personenverkehrs wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten.
1922 Gründung der Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg und Übernahme der Strecke.
1923 Wiederaufnahme des elektrischen Betriebs mit 1'200 Volt Gleichstrom.
1932 Die Sihltalbahn übernimmt Betriebsführung und Verwaltung der Uetlibergbahn.
1. Januar 1973 Fusion zur Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn.
1980er-Jahre Ausbau und Modernisierung des gemeinsam genutzten Streckenabschnitts.
Mai 1990 Eröffnung der unterirdischen Verlängerung von Selnau nach Zürich HB.
27. Mai 1990 Einbindung als S10 in die Zürcher S-Bahn und den Zürcher Verkehrsverbund.
1992 Inbetriebnahme der Gleichstromtriebwagen Be 520.
2013 Einführung moderner niederfluriger Zweistromtriebzüge.
2022 Beschaffung zusätzlicher Niederflurzüge und Umstellung der Strecke auf 15 Kilovolt Wechselstrom.
22. August 2022 Vollständige Wiederaufnahme des regulären Betriebs nach der Stromumstellung.
2025 Feier des 150-jährigen Bestehens der Bahn.

Siehe auch

Literatur

  • Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn: 150 Jahre Uetlibergbahn. Zürich 2025.
  • Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn: Unter der Sihl ins Zentrum. Die Verlängerung der SZU zum Hauptbahnhof. Zürich.
  • Hans Waldburger, Martin Gross: Die Uetlibergbahn. Geschichte und Fahrzeuge. Zürich.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Peter Willen: Lokomotiven und Triebwagen der Schweizer Bahnen. Orell Füssli, Zürich.
  • Schweizer Eisenbahn-Revue: Beiträge zur Elektrifizierung und Modernisierung der Uetlibergbahn.

Einzelnachweise

  1. 150 Jahre Uetlibergbahn. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Wie die SZU an den Hauptbahnhof kam. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Sihltalbahn und Uetlibergbahn. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. Veloselbstverlad im ZVV. In: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Vom Gleichstrom zum Wechselstrom. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Wir bauen heute das Eisenbahnnetz von morgen. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. 150 Jahre Uetlibergbahn. In: Sihltal Zürich Uetliberg Bahn. Abgerufen am 2026-07-23.