Grüne Partei der Schweiz

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Grüne Partei der Schweiz
Kurzbezeichnung GRÜNE Schweiz
Abkürzung GPS
Französischer Name Les VERT-E-S suisses
Italienischer Name VERDI svizzeri
Rätoromanischer Name VERDA Svizra
Staat Schweiz
Gründung 28. Mai 1983 in Freiburg im Üechtland
Ursprünglicher Name Föderation der grünen Parteien der Schweiz
Heutiger Name seit 1986
Politische Ausrichtung Grüne Politik, Ökologismus, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Liberalismus
Parteipräsidentin Lisa Mazzone
Fraktionspräsidentin Greta Gysin
Generalsekretär Luzian Franzini
Nationalrat 23 von 200 Sitzen
Ständerat 3 von 46 Sitzen
Bundesrat Kein Sitz
Wähleranteil 9,8 % (Nationalratswahlen 2023)
Jungpartei Junge Grüne Schweiz
Europäische Organisation Europäische Grüne Partei
Internationale Organisation Global Greens
Sitz Bern
Website gruene.ch

Die Grüne Partei der Schweiz, die öffentlich überwiegend unter der Bezeichnung GRÜNE Schweiz auftritt, ist eine politische Partei der Schweiz. Sie verbindet ökologische Politik mit sozialer Gerechtigkeit, gesellschaftlicher Offenheit, Menschenrechten und internationaler Solidarität. Die Partei wird im schweizerischen Parteiensystem gewöhnlich dem links-grünen Spektrum zugeordnet.

Die Partei entstand am 28. Mai 1983 in Freiburg im Üechtland als Föderation der grünen Parteien der Schweiz. Seit 1986 trägt sie den Namen Grüne Partei der Schweiz. Ihre Wurzeln reichen in die Umwelt-, Anti-Atomkraft-, Friedens-, Frauen- und Alternativbewegungen der 1970er-Jahre zurück. Daneben gingen mehrere frühe grüne Gruppierungen aus Bürgerbewegungen hervor, die sich gegen konkrete Strassen-, Energie- und Grossbauprojekte einsetzten.

Bei den eidgenössischen Wahlen 2023 erreichten die Grünen einen gesamtschweizerischen Wähleranteil von 9,8 Prozent. Seit Beginn der Legislaturperiode 2023–2027 verfügen sie über 23 Sitze im Nationalrat und drei Sitze im Ständerat. Sie bilden damit die grösste Partei, die nicht im Bundesrat vertreten ist.[1][2]

Parteipräsidentin ist seit April 2024 die Genfer Politikerin Lisa Mazzone. Sie wurde im März 2026 für eine weitere zweijährige Amtszeit bestätigt. Die Partei ist Mitglied der Europäischen Grünen Partei und der Global Greens.

Name und Selbstbezeichnung

Der offizielle deutsche Name lautet Grüne Partei der Schweiz. Im politischen Auftritt verwendet die Organisation überwiegend die Kurzform GRÜNE Schweiz. Auf Französisch heisst sie Les VERT-E-S suisses, auf Italienisch VERDI svizzeri und auf Rätoromanisch VERDA Svizra.

Die Abkürzung GPS ist besonders in politischen Statistiken, wissenschaftlichen Publikationen und historischen Darstellungen gebräuchlich. In französischsprachigen Texten wurde traditionell die Abkürzung PES für Parti écologiste suisse verwendet.

Der Begriff «grün» bezeichnet sowohl die ökologische Grundausrichtung als auch die Zugehörigkeit zur internationalen grünen Parteienfamilie. Die Grünen verstehen Umwelt-, Sozial-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik als miteinander verbunden. Ihr Leitsatz lautet «Ökologisch konsequent. Sozial engagiert. Global solidarisch.»[3]

Vorgeschichte

Umweltbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre

Die Entstehung grüner Parteien in der Schweiz stand im Zusammenhang mit einem wachsenden Umweltbewusstsein. Luft- und Gewässerverschmutzung, Landschaftsverbrauch, neue Autobahnen, Atomkraftwerke und das schnelle wirtschaftliche Wachstum führten seit den 1960er-Jahren zu politischen Konflikten.

Die bestehenden Parteien nahmen ökologische Forderungen zunächst nur teilweise auf. Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen versuchten deshalb, mit Petitionen, Demonstrationen und lokalen Abstimmungen Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.

Eine wichtige Rolle spielte der Widerstand gegen geplante Atomkraftwerke. Besonders bekannt wurde die ab 1975 organisierte Besetzung des vorgesehenen Kraftwerkgeländes in Kaiseraugst. Die Anti-Atomkraftbewegung verband ökologische Anliegen mit Fragen nach demokratischer Mitsprache, wirtschaftlicher Macht und den Risiken technischer Grosssysteme.

Gleichzeitig entstanden neue soziale Bewegungen, darunter:

  • die Frauenbewegung;
  • die Friedensbewegung;
  • die Bewegung für die Rechte von Migrantinnen und Migranten;
  • lokale Verkehrs- und Landschaftsschutzgruppen;
  • linksalternative und selbstverwaltete Projekte.

Aus diesem Umfeld gingen zahlreiche kantonale und kommunale Parteien hervor, die später teilweise der nationalen Grünen Partei beitraten.

Mouvement populaire pour l’environnement

Als eine der ersten erfolgreichen grünen Parteien der Schweiz gilt das Mouvement populaire pour l’environnement im Kanton Neuenburg.

Die Bewegung entstand 1971 aus dem Widerstand gegen eine geplante Führung der Nationalstrasse N5 entlang des Neuenburger Seeufers. Da die etablierten Parteien das Projekt unterstützten, beschlossen die Gegnerinnen und Gegner, selbst an Wahlen teilzunehmen.

Bei den Gemeindewahlen von 1972 gewann die Bewegung auf Anhieb acht der 41 Sitze im Neuenburger Gemeindeparlament. Der Erfolg zeigte, dass ökologische Bürgerbewegungen auch als eigenständige politische Parteien bestehen konnten.[4]

Ähnliche Gruppierungen entstanden in der Waadt. Das dortige Mouvement populaire pour l’environnement erreichte 1973 bei den Gemeindewahlen in Lausanne 5,6 Prozent der Stimmen und fünf Mandate.

Erster grüner Nationalrat

Bei den Nationalratswahlen von 1979 wurde der Waadtländer Mathematiker und Umweltpolitiker Daniel Brélaz in den Nationalrat gewählt. Er gehörte der Groupement pour la protection de l’environnement an, die aus der waadtländischen Umweltbewegung hervorgegangen war.

Brélaz war der erste ausdrücklich als Vertreter einer grünen Partei gewählte Abgeordnete im schweizerischen Bundesparlament. Seine Wahl fand auch international Beachtung, da grüne Parteien damals in nationalen Parlamenten noch kaum vertreten waren.

In der Deutschschweiz entstanden gegen Ende der 1970er- und zu Beginn der 1980er-Jahre ebenfalls grüne oder linksalternative Parteien. Bedeutend waren insbesondere die Grüne Partei des Kantons Zürich, die Freie Liste im Kanton Bern sowie verschiedene alternative Listen in Basel, Luzern, Aargau und weiteren Kantonen.

Parteigründung

Gescheiterter gemeinsamer Zusammenschluss

Zu Beginn der 1980er-Jahre bestanden grüne Gruppierungen in zahlreichen Kantonen, jedoch keine gesamtschweizerische Dachorganisation. Im Hinblick auf die Nationalratswahlen von 1983 wurde versucht, die verschiedenen Strömungen zusammenzuführen.

Die Verhandlungen zeigten erhebliche politische Unterschiede. Ein Teil der Gruppierungen verstand sich vor allem als ökologische Reformpartei, die auch für politisch gemässigte und bürgerlich geprägte Mitglieder offen sein sollte. Andere Gruppen verbanden Umweltpolitik mit kapitalismuskritischen, pazifistischen, feministischen und linksalternativen Positionen.

Besonders umstritten waren die Abschaffung der Armee, die Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratischen Partei und das Verhältnis zur traditionellen parlamentarischen Politik.

Am 7. Mai 1983 scheiterten die Verhandlungen über einen gemeinsamen Zusammenschluss.

Föderation der grünen Parteien

Am 28. Mai 1983 gründeten die gemässigteren Gruppierungen in Freiburg die Föderation der grünen Parteien der Schweiz. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten grüne Parteien aus Genf, Waadt, Neuenburg, Zürich und der Nordwestschweiz.

Zwei Wochen später schlossen sich linksalternative Gruppierungen zur Grünen Alternative Schweiz zusammen. Diese nannte sich später Grünes Bündnis Schweiz.

Bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober 1983 erreichte die Föderation 1,7 Prozent der Stimmen und drei Nationalratsmandate. Nach dem späteren Beitritt der Freien Liste Bern gehörten vier Nationalratsmitglieder zur Partei. Die Grüne Alternative erhielt 0,8 Prozent, gewann jedoch keinen Sitz.

Am 4. September 1983 wurden in Genf die Statuten der neuen Partei beschlossen. Die Organisation war von Beginn an föderalistisch aufgebaut. Die kantonalen Parteien behielten eine weitgehende programmatische und organisatorische Selbstständigkeit.

1985 wählte die Föderation Monica Zingg zur Präsidentin. Sie war damit die erste Frau an der Spitze einer gesamtschweizerischen Partei.[4]

Umbenennung

1986 änderte die Föderation ihren Namen in Grüne Partei der Schweiz. Die Umbenennung sollte die zunehmende organisatorische Geschlossenheit und den Anspruch einer gesamtschweizerischen Partei verdeutlichen.

Bis zu den Nationalratswahlen von 1987 traten weitere kantonale Gruppierungen bei, darunter die Freie Liste Bern, die Grüne Partei Thurgau und das Movimento ecologista ticinese.

Aufstieg in den 1980er-Jahren

Die zweite Hälfte der 1980er-Jahre war von einer stärkeren öffentlichen Aufmerksamkeit für Umweltfragen geprägt. Entscheidenden Einfluss hatten mehrere Ereignisse:

  • die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im April 1986;
  • der Grossbrand im Chemielager von Schweizerhalle im November 1986;
  • Debatten über Waldsterben und Luftverschmutzung;
  • Konflikte um neue Strassen und Atomkraftwerke;
  • der Schutz von Mooren und Landschaften.

Bei den Nationalratswahlen 1987 erreichte die Grüne Partei 5,1 Prozent der Stimmen und neun Nationalratsmandate. Das Grüne Bündnis gewann zusätzlich zwei Sitze.

Im selben Jahr nahm die Schweizer Stimmbevölkerung die Rothenthurm-Initiative an. Die Initiative verlangte den Schutz der Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung. Ihr Erfolg war ein bedeutender Durchbruch für den modernen Natur- und Landschaftsschutz.

1986 waren mit Leni Robert und Benjamin Hofstetter erstmals Vertreter einer grünen Gruppierung in eine kantonale Regierung gewählt worden. Beide gehörten der Freien Liste an und wurden Mitglieder des Regierungsrats des Kantons Bern.

Entwicklung in den 1990er-Jahren

Bei den Nationalratswahlen 1991 erreichte die Grüne Partei mit 6,1 Prozent und 14 Sitzen ihr bis dahin bestes Ergebnis.

In den folgenden Jahren näherten sich die gemässigten und linksalternativen grünen Strömungen einander an. Zahlreiche Mitglieder und Kantonalparteien des Grünen Bündnisses traten der Grünen Partei bei. Der Gegensatz zwischen den beiden nationalen Organisationen verlor dadurch an Bedeutung.

Die Grünen entwickelten sich von einem Zusammenschluss einzelner Bewegungsparteien zu einer dauerhaften politischen Organisation mit professionellem Sekretariat, gemeinsamen Wahlprogrammen und einer eigenen Bundeshausfraktion.

Bei den Wahlen 1995 fiel die Partei auf 5,0 Prozent und acht Nationalratssitze zurück. Der Sitzverlust war teilweise eine Folge der kantonal getrennten Mandatsverteilung und ungünstiger Listenverbindungen.

1999 erreichten grüne Listen erneut neun Sitze. Die Partei begann stärker, einen Anspruch auf Beteiligung am Bundesrat zu formulieren. Sie argumentierte, dass die parteipolitische Zusammensetzung der Landesregierung die veränderten Kräfteverhältnisse im Parlament und in der Bevölkerung abbilden müsse.

Aufschwung von 2003 bis 2007

Bei den Nationalratswahlen 2003 steigerten die Grünen ihren Wähleranteil von 5,0 auf 7,4 Prozent. Sie gewannen 13 Sitze und wurden zur stärksten Partei ohne Vertretung im Bundesrat.

Die Jahre nach 2003 waren von intensiven Diskussionen über Klimawandel, Atomenergie, Feinstaub, Gentechnik und den zunehmenden Landschaftsverbrauch geprägt. Die Partei gewann auch in mehreren kantonalen und kommunalen Parlamenten Sitze.

Bei den eidgenössischen Wahlen 2007 erreichte sie 9,6 Prozent und 20 Nationalratssitze. Mit Robert Cramer aus Genf und Luc Recordon aus der Waadt wurden erstmals zwei grüne Politiker in den Ständerat gewählt.

Die Grüne Fraktion nahm zusätzlich Vertreter anderer linker und ökologischer Parteien auf und umfasste dadurch zeitweise mehr Mitglieder als die Grüne Partei selbst.

Abspaltung der Grünliberalen

Innerhalb der grünen Bewegung bestanden seit ihrer Entstehung unterschiedliche Vorstellungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik.

Ein Teil der Mitglieder wollte ökologische Forderungen stärker mit wirtschaftsliberalen Positionen, marktwirtschaftlichen Lenkungsabgaben und einer zurückhaltenderen Sozialpolitik verbinden. Andere betrachteten ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit als untrennbar.

2004 entstand im Kanton Zürich die Grünliberale Partei. 2007 wurde die Grünliberale Partei Schweiz gegründet.

Seither bestehen auf nationaler Ebene zwei grössere Parteien mit ausdrücklich ökologischer Ausrichtung. Die Grünen positionieren sich sozial-ökologisch und links der politischen Mitte, während die Grünliberalen wirtschafts- und gesellschaftsliberale Positionen vertreten und sich der politischen Mitte zuordnen.

In Umwelt-, Europa- und Gesellschaftsfragen arbeiten beide Parteien teilweise zusammen. In der Sozial-, Steuer-, Wirtschafts- und Verteilungspolitik bestehen dagegen deutliche Unterschiede.

Wahlen von 2011 und 2015

Bei den Nationalratswahlen 2011 verloren die Grünen fünf Sitze und erreichten noch 15 Mandate. Der Wähleranteil sank auf 8,4 Prozent. Die beiden Sitze im Ständerat konnten zunächst gehalten werden.

Die Verluste standen unter anderem im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Grünliberalen und einer stärkeren Konkurrenz innerhalb des ökologischen Wählerspektrums.

2015 sank der Wähleranteil auf 7,1 Prozent. Die Partei erhielt elf Nationalratssitze und einen Sitz im Ständerat. Die Wahlen waren insgesamt durch einen Rechtsruck zugunsten von SVP und FDP geprägt.

Trotz der nationalen Verluste blieb die Partei in mehreren Städten und Kantonen stark vertreten. Grüne Mitglieder gehörten zahlreichen Stadt- und Kantonsregierungen an.

Klimawahl 2019

Seit 2018 entwickelte sich in der Schweiz eine breite Klimastreikbewegung. Zehntausende Jugendliche und Erwachsene beteiligten sich an Demonstrationen für eine konsequentere Klimapolitik.

Die Klimakrise wurde zum wichtigsten Thema des Wahlkampfs 2019. Die Grünen profitierten besonders stark von dieser Entwicklung.

Bei den Nationalratswahlen vom 20. Oktober 2019 erzielten sie 13,2 Prozent der Stimmen. Sie gewannen 17 zusätzliche Mandate und verfügten neu über 28 Nationalratssitze.

Auch im Ständerat waren sie erfolgreich. Mit fünf Mitgliedern erreichten sie ihre bis dahin stärkste Vertretung in der kleinen Kammer.

Der Wahlerfolg wurde als «grüne Welle» oder «Klimawahl» bezeichnet. Gemeinsam mit den Grünliberalen gewannen die ökologisch ausgerichteten Parteien einen erheblichen Einfluss im Parlament.

Die Partei erhob nach der Wahl Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat. Parteipräsidentin Regula Rytz kandidierte im Dezember 2019 gegen FDP-Bundesrat Ignazio Cassis, wurde jedoch nicht gewählt.

Wahlen 2023

Bei den Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 verloren die Grünen gegenüber ihrem aussergewöhnlich starken Ergebnis von 2019 an Stimmen und Mandaten.

Sie erreichten 9,8 Prozent der Parteistimmen und 23 Nationalratssitze. Der Wähleranteil blieb damit deutlich über dem Ergebnis von 2015.

Im Ständerat fiel die Vertretung von fünf auf drei Mitglieder. Gewählt wurden:

Die Grünen blieben die fünftstärkste nationale Partei und die grösste Partei ohne Sitz im Bundesrat.

Bei der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats im Dezember 2023 kandidierte der Freiburger Nationalrat Gerhard Andrey für die Grünen. Er wurde nicht gewählt.

Parteipräsidium seit 2024

Nach den Wahlverlusten von 2023 kündigte Parteipräsident Balthasar Glättli seinen Rücktritt an. Die Delegiertenversammlung wählte am 6. April 2024 die ehemalige Genfer National- und Ständerätin Lisa Mazzone zur Präsidentin.

Am 21. März 2026 bestätigten die Delegierten Mazzone für eine zweite zweijährige Amtszeit. Das Vizepräsidium wurde zugleich teilweise erneuert und erweitert.[5]

Parteipräsidium 2026–2028
Person Funktion Politisches Amt beziehungsweise Herkunft
Lisa Mazzone Präsidentin Genf
Sibel Arslan Vizepräsidentin Nationalrätin, Basel-Stadt
Samantha Bourgoin Vizepräsidentin Tessiner Grossrätin
Magdalena Erni Vizepräsidentin Vertreterin der Jungen Grünen
Léonore Porchet Vizepräsidentin Nationalrätin, Waadt
Marionna Schlatter Vizepräsidentin Nationalrätin, Zürich
Michael Töngi Vizepräsident Nationalrat, Luzern

Die Grüne Fraktion der Bundesversammlung wird von der Tessiner Nationalrätin Greta Gysin präsidiert. Generalsekretär der Partei ist seit 2025 Luzian Franzini.[6]

Wahlergebnisse

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse der Grünen Partei und der ihr zugerechneten grünen Listen bei den Nationalratswahlen. Wegen der früheren Aufteilung der grünen Bewegung auf mehrere Parteien und kantonale Listen sind die älteren Ergebnisse nur eingeschränkt direkt vergleichbar.

Ergebnisse bei den Nationalratswahlen
Wahljahr Wähleranteil Nationalratssitze Ständeratssitze
1983 1,7 % 3 0
1987 5,1 % 9 0
1991 6,1 % 14 0
1995 5,0 % 8 0
1999 5,0 % 9 0
2003 7,4 % 13 0
2007 9,6 % 20 2
2011 8,4 % 15 2
2015 7,1 % 11 1
2019 13,2 % 28 5
2023 9,8 % 23 3

Die Zahl der Mitglieder einer Fraktion kann von der Zahl der Parteimandate abweichen. Die Grüne Fraktion nahm in verschiedenen Legislaturperioden auch Mitglieder kleinerer linker oder ökologischer Parteien auf.

Politische Grundausrichtung

Die Grünen verbinden den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderung.

In ihrer Agenda für die Legislaturperiode 2023–2027 gliedert die Partei ihre Ziele nach fünf Grundprinzipien:

  • Planet;
  • Menschen;
  • Wohlstand;
  • Frieden;
  • Partnerschaft.

Diese Struktur orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Die Partei vertritt die Ansicht, dass dauerhaftes wirtschaftliches Wohlergehen nur innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde möglich sei.[7]

Die Grünen verstehen sich nicht als reine Umweltpartei. Nach eigener Darstellung gehören liberale Grundrechte, soziale Verantwortung, Gleichstellung, Frieden und internationale Solidarität ebenfalls zu den Grundlagen ihrer Politik.

Umwelt- und Klimapolitik

Der Schutz von Klima, Biodiversität, Landschaft, Böden, Gewässern und natürlichen Ressourcen bildet den politischen Kernbereich der Partei.

Die Grünen verlangen eine rasche Senkung der Treibhausgasemissionen. In ihrem Klimaplan streben sie für die Schweiz spätestens 2040 Netto-Null-Emissionen und danach eine klimapositiv wirkende Bilanz an.[8]

Zu ihren Forderungen gehören insbesondere:

  • Ausbau von Solar-, Wind-, Wasser- und weiteren erneuerbaren Energien;
  • energetische Sanierung von Gebäuden;
  • Ersatz fossiler Heizungen;
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs;
  • Förderung des Fuss- und Veloverkehrs;
  • Verringerung des motorisierten Individualverkehrs;
  • Dekarbonisierung von Industrie und Finanzplatz;
  • Förderung einer Kreislaufwirtschaft;
  • Schutz und Wiederherstellung natürlicher Lebensräume.

Die Partei lehnt den Bau neuer Atomkraftwerke ab. Sie begründet dies mit den Unfallrisiken, den ungelösten Fragen der Lagerung radioaktiver Abfälle, hohen Kosten und langen Bauzeiten.

Beim Ausbau erneuerbarer Energien versucht sie, Klimaschutz und Biodiversitätsschutz miteinander zu verbinden. Innerhalb der Partei bestehen Diskussionen darüber, wie Energieanlagen, Landschaftsschutz und lokale Interessen gegeneinander abzuwägen sind.

Energiepolitik

Die Grünen befürworten einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Erdöl, Erdgas und Kohle sollen durch erneuerbare Energie, Effizienz und eine Verringerung des Verbrauchs ersetzt werden.

Die Partei unterstützt:

  • Solaranlagen auf Gebäuden und geeigneten Infrastrukturen;
  • dezentrale Energieproduktion;
  • Wärmepumpen und erneuerbare Wärmenetze;
  • Energiespeicher;
  • Modernisierung der Stromnetze;
  • eine bessere Nutzung bestehender Wasserkraftanlagen;
  • Energiegenossenschaften und kommunale Versorgungsunternehmen.

Sie spricht sich gegen eine Rückkehr zur Kernenergie aus und bekämpft politische Bestrebungen, das gesetzliche Neubauverbot für Atomkraftwerke aufzuheben.

Biodiversität und Landschaft

Die Grünen betrachten den Verlust von Tier- und Pflanzenarten als eine ähnlich grundlegende Krise wie die Klimaerwärmung.

Sie fordern grössere und besser miteinander verbundene Schutzgebiete, naturnahe Gewässer, weniger Pestizide und eine stärkere ökologische Ausrichtung der Raumplanung.

Die Partei unterstützte die 2024 zur Abstimmung gelangte Biodiversitätsinitiative. Diese wurde von Volk und Ständen abgelehnt.

In der Raumplanung wendet sich die Partei gegen eine fortschreitende Zersiedelung. Die Jungen Grünen lancierten die Zersiedelungsinitiative, über die 2019 abgestimmt wurde. Die Vorlage fand keine Mehrheit.

Landwirtschaft und Ernährung

Die Agrarpolitik der Grünen verbindet Umwelt-, Tier-, Gesundheits- und Einkommensfragen.

Die Partei setzt sich ein für:

  • eine standortangepasste Landwirtschaft;
  • geringeren Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide;
  • Reduktion von Stickstoff- und Phosphorüberschüssen;
  • Schutz fruchtbarer Böden;
  • tierfreundlichere Haltung;
  • Förderung pflanzlicher Lebensmittel;
  • regionale Verarbeitung und Vermarktung;
  • faire Einkommen für landwirtschaftliche Betriebe.

Freihandelsabkommen sollen nach Auffassung der Grünen verbindliche Umwelt-, Arbeits-, Menschenrechts- und Tierschutzstandards enthalten.

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die Grünen streben einen ökologischen Umbau der Wirtschaft an. Wirtschaftliche Tätigkeit soll sich an Klimazielen, Ressourcenverbrauch und sozialer Verantwortung orientieren.

Die Partei befürwortet marktwirtschaftliche Instrumente wie Lenkungsabgaben, verlangt jedoch zugleich staatliche Investitionen, Vorschriften und soziale Ausgleichsmassnahmen.

Zu den wirtschaftspolitischen Forderungen gehören:

  • Förderung einer Kreislaufwirtschaft;
  • längere Lebensdauer und Reparierbarkeit von Produkten;
  • Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur;
  • ökologische Ausrichtung des Finanzplatzes;
  • stärkere Verantwortung international tätiger Konzerne;
  • Bekämpfung von Steuervermeidung;
  • progressive Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen;
  • Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen;
  • Erhaltung eines starken Service public.

Die Grünen unterstützten die Konzernverantwortungsinitiative. Diese erreichte 2020 eine Mehrheit der Volksstimmen, scheiterte jedoch am erforderlichen Ständemehr.

Wirtschaftsverbände und bürgerliche Parteien kritisieren grüne Vorschläge häufig als zu regulierend, teuer oder nachteilig für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Grünen entgegnen, dass unterlassener Umwelt- und Klimaschutz langfristig wesentlich höhere wirtschaftliche Kosten verursache.

Sozialpolitik

Die Partei verbindet ökologische Reformen mit sozialem Ausgleich. Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen sollen durch die Klimapolitik nicht übermässig belastet werden.

Die Grünen setzen sich unter anderem ein für:

  • bezahlbare Krankenkassenprämien;
  • Prämienverbilligungen;
  • existenzsichernde Löhne;
  • bessere soziale Absicherung atypischer Beschäftigung;
  • Stärkung von AHV und Ergänzungsleistungen;
  • bezahlbaren Wohnraum;
  • Schutz der Mieterinnen und Mieter;
  • Ausbau familienergänzender Kinderbetreuung;
  • Elternzeit;
  • Anerkennung und bessere Entschädigung von Pflege- und Betreuungsarbeit.

Die Partei arbeitet in sozialpolitischen Fragen häufig mit der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften zusammen.

Gleichstellung und Gesellschaftspolitik

Die Grünen vertreten gesellschaftlich liberale und feministische Positionen. Sie verlangen die tatsächliche Gleichstellung aller Geschlechter in Politik, Wirtschaft, Familie und Gesellschaft.

Zu den zentralen Anliegen gehören:

  • gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit;
  • Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt;
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf;
  • gleichmässigere Verteilung unbezahlter Betreuungsarbeit;
  • Schutz vor Diskriminierung;
  • rechtliche Gleichstellung von LGBTIQ-Personen;
  • politische und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.

Die Partei unterstützte die Einführung der Ehe für alle und die Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm um den Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Die Grünen verfügen traditionell über einen hohen Frauenanteil in ihren parlamentarischen Vertretungen. Mit Maya Graf stellte die Partei 2012 erstmals die Präsidentin des Nationalrats. In der Amtsperiode 2021/22 wurde mit Irène Kälin eine weitere Grüne Nationalratspräsidentin.

Migration und Integration

Die Grünen treten für eine humanitäre Asyl- und Migrationspolitik ein. Menschen auf der Flucht sollen Zugang zu rechtsstaatlichen Verfahren, Beratung und menschenwürdiger Unterbringung erhalten.

Die Partei fordert:

  • sichere und legale Fluchtwege;
  • Aufnahme besonders gefährdeter Personen;
  • Schutz des Familienlebens;
  • rasche gesellschaftliche und berufliche Integration;
  • Zugang zu Bildung;
  • Schutz vor rassistischer Diskriminierung;
  • erleichterte Einbürgerung für gut integrierte Personen;
  • politische Teilhabemöglichkeiten für ausländische Einwohnerinnen und Einwohner.

Verschärfungen des Asylrechts, die nach Ansicht der Partei Grund- oder Menschenrechte gefährden, lehnt sie ab.

Europa- und Aussenpolitik

Die Grünen verstehen die Schweiz als Teil Europas. Sie unterstützen enge und stabile Beziehungen zur Europäischen Union.

Kurzfristig befürworten sie eine institutionelle Regelung, welche die bilateralen Beziehungen sichert und weiterentwickelt. Der Beitritt zur Europäischen Union bleibt für die Partei eine mittelfristige politische Möglichkeit, wird jedoch nicht als unmittelbar erreichbares Ziel betrachtet.[9]

Die Aussenpolitik soll nach grüner Auffassung an Menschenrechten, Völkerrecht, Klimaschutz, Frieden und nachhaltiger Entwicklung ausgerichtet werden.

Die Partei vertritt eine zurückhaltende Rüstungsexportpolitik und setzt sich für internationale Abrüstung ein. Sie unterstützt Sanktionen gegen Staaten und Personen, die das Völkerrecht schwer verletzen.

Die Grünen bekennen sich zur militärischen Neutralität der Schweiz, lehnen jedoch eine politische Gleichgültigkeit gegenüber Völkerrechtsverletzungen ab.

Sicherheitspolitik

Die Grünen vertreten ein umfassendes Verständnis von Sicherheit. Dazu gehören neben militärischen Gefahren auch:

  • Klimawandel;
  • Naturkatastrophen;
  • Cyberangriffe;
  • Pandemien;
  • Energieabhängigkeit;
  • Armut und soziale Konflikte;
  • Angriffe auf demokratische Institutionen.

Die Partei befürwortet die Stärkung ziviler Friedensförderung, diplomatischer Vermittlung, Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenvorsorge.

Bei höheren Militärausgaben und grossen Rüstungsbeschaffungen nimmt sie eine kritische Haltung ein. Sie verlangt eine stärkere parlamentarische und demokratische Kontrolle der Sicherheitspolitik.

Verkehrspolitik

Die Grünen wollen die Verkehrspolitik stärker auf Klimaschutz, Flächeneffizienz und Lebensqualität ausrichten.

Sie fordern:

  • Ausbau des Bahn-, Bus- und Tramverkehrs;
  • bessere internationale Bahnverbindungen;
  • Nachtzüge;
  • sichere Velowege;
  • verkehrsberuhigte Ortszentren;
  • Verringerung des Flugverkehrs;
  • Verzicht auf zusätzliche Autobahnkapazitäten;
  • Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Die Partei gehörte zu den wichtigsten politischen Kräften gegen den Ausbau mehrerer Autobahnabschnitte, der in der Volksabstimmung vom 24. November 2024 abgelehnt wurde.

Digitalisierung und Grundrechte

Die Grünen unterstützen die Digitalisierung, sofern sie demokratisch kontrolliert, sozial zugänglich und ökologisch gestaltet wird.

Sie setzen sich für Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, Netzneutralität und transparente Algorithmen ein.

Digitale Infrastrukturen der öffentlichen Hand sollen nach Möglichkeit auf offenen Standards beruhen. Die Partei befürwortet eine staatlich verantwortete elektronische Identität und lehnt eine umfassende kommerzielle Überwachung des Nutzerverhaltens ab.

Direkte Demokratie

Die Grünen nutzen Volksinitiative und Referendum intensiv. Sie verstehen ausserparlamentarische Bewegungen, Demonstrationen und zivilgesellschaftliche Kampagnen als Ergänzung zur institutionellen Politik.

Zu den von grünen Parteien, Mitgliedern oder nahestehenden Organisationen lancierten beziehungsweise stark unterstützten Vorlagen gehörten:

Auswahl bedeutender Volksinitiativen und Abstimmungskampagnen
Vorlage Abstimmungsjahr Ergebnis
Rothenthurm-Initiative zum Schutz der Moore 1987 Angenommen
Initiative für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge 1993 Abgelehnt
Initiative für eine Grüne Wirtschaft 2016 Abgelehnt
Atomausstiegsinitiative 2016 Abgelehnt
Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen 2019 Abgelehnt
Konzernverantwortungsinitiative 2020 Volksmehr, aber kein Ständemehr
Klimaschutzgesetz 2023 Angenommen
Biodiversitätsinitiative 2024 Abgelehnt

Nicht alle aufgeführten Vorlagen wurden von der nationalen Partei allein lanciert. Mehrere entstanden aus breiten Bündnissen von Parteien, Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Kirchen und weiteren Organisationen.

Organisation

Rechtsform und föderalistischer Aufbau

Die Grünen sind als Verein nach schweizerischem Recht organisiert. Sitz und Generalsekretariat befinden sich am Waisenhausplatz in Bern.

Der föderalistische Aufbau entspricht dem politischen System der Schweiz. Die kantonalen Parteien verfügen über eigene Statuten, Programme, Organe und Finanzen.

Kommunale und regionale Sektionen sind in der Regel den jeweiligen Kantonalparteien angeschlossen.

Die kantonalen Parteien können bei regionalen Fragen eigenständige Positionen vertreten. Dadurch unterscheiden sich politische Schwerpunkte und Bündnisse teilweise von Kanton zu Kanton.

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung ist das oberste Organ der nationalen Partei. Sie umfasst 165 Delegierte der Kantonalparteien sowie weitere statutarisch bestimmte Mitglieder.[10]

Zu ihren Aufgaben gehören:

  • Wahl des Parteipräsidiums;
  • Verabschiedung von Wahlprogrammen und Positionspapieren;
  • Beschluss der Abstimmungsparolen;
  • Lancierung oder Unterstützung von Volksinitiativen;
  • Änderung der Statuten;
  • Genehmigung von Budget und Jahresrechnung;
  • Aufnahme oder Ausschluss von Kantonalparteien.

Die Versammlungen finden abwechslungsweise in verschiedenen Regionen der Schweiz statt. Sie sind für alle Parteimitglieder zugänglich, das Stimmrecht ist jedoch den Delegierten und weiteren statutarisch bestimmten Personen vorbehalten.

Vorstand

Der Vorstand legt die übergeordnete politische Ausrichtung fest und koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den Kantonalparteien, der Geschäftsleitung und der Delegiertenversammlung.

Im Vorstand sind sämtliche Kantonalparteien vertreten. Grössere Kantonalparteien verfügen über zusätzliche Vertretungen.

Präsidium und Geschäftsleitung

Das Parteipräsidium ist das operative politische Führungsorgan. Es wird für jeweils zwei Jahre gewählt.

Die Geschäftsleitung bereitet politische Kampagnen, Stellungnahmen, Sitzungen und Parteientscheide vor. Ihr gehören das Parteipräsidium, die Leitung der Bundeshausfraktion, der Generalsekretär und weitere gewählte Mitglieder an.

Generalsekretariat

Das Generalsekretariat führt die laufenden Geschäfte der Partei. Zu seinen Aufgaben gehören:

  • politische und fachliche Arbeit;
  • Medienkommunikation;
  • Organisation von Kampagnen;
  • Koordination mit den Kantonalparteien;
  • Betreuung der Parteiorgane;
  • Mitgliederverwaltung;
  • Finanzen und Mittelbeschaffung.

Grüne Fraktion

Die Mitglieder der Partei in National- und Ständerat bilden die Grüne Fraktion der Bundesversammlung.

Die Fraktion bereitet die parlamentarischen Geschäfte vor, bestimmt Vertretungen in den Kommissionen und versucht, gemeinsame Positionen für die Ratsdebatten festzulegen.

In früheren Legislaturperioden gehörten der Fraktion auch Mitglieder kleinerer linker und regionaler Parteien an. Die heutige Fraktion besteht im Wesentlichen aus den gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Grünen Schweiz.

Die Grünen stellen seit den Wahlen 2023 23 Mitglieder des Nationalrats und drei Mitglieder des Ständerats.[11]

Junge Grüne

Die Jungen Grünen Schweiz sind die eigenständige Jungpartei der Grünen. Sie arbeiten auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene mit der Mutterpartei zusammen.

Die Jungen Grünen vertreten häufig weitergehende Forderungen in Klima-, Wirtschafts-, Gleichstellungs- und Migrationsfragen.

Sie lancierten unter anderem die Zersiedelungsinitiative und beteiligen sich an Klima-, Frauen-, Friedens- und Menschenrechtsbewegungen.

Mitglieder der Jungen Grünen können gleichzeitig Mitglieder der Grünen Schweiz sein. Die Jungpartei ist in verschiedenen Organen der Mutterpartei vertreten.

Netzwerke und Arbeitsgruppen

Innerhalb der Partei bestehen thematische Netzwerke und Arbeitsgruppen. Dazu gehören unter anderem:

  • das Netzwerk grüne Frauen;
  • das Netzwerk Green LGBTIQ;
  • das Netzwerk Grüne International;
  • das Migra-Netzwerk;
  • fachpolitische Arbeitsgruppen.

Diese Strukturen sollen politische Gruppen einbeziehen, die in Parteien und öffentlichen Ämtern teilweise unterrepräsentiert sind.

Internationale Zusammenarbeit

Die Grünen Schweiz sind Mitglied der Europäischen Grünen Partei. Diese vereinigt grüne Parteien aus Staaten innerhalb und ausserhalb der Europäischen Union.

Auf globaler Ebene gehören sie den Global Greens an. Der internationale Verband ist in regionale Zusammenschlüsse in Europa, Afrika, Amerika und im asiatisch-pazifischen Raum gegliedert.[12]

Die internationale Zusammenarbeit umfasst gemeinsame Stellungnahmen, Wahlbeobachtung, Klimapolitik, Menschenrechte und Unterstützung grüner Parteien in Staaten mit schwach entwickelten demokratischen Strukturen.

Finanzierung und Transparenz

Die Partei finanziert sich insbesondere durch:

  • Mitgliederbeiträge;
  • Mandatsabgaben gewählter Amtsträgerinnen und Amtsträger;
  • private Spenden;
  • Legate;
  • staatliche Beiträge an die parlamentarische Fraktion.

Die Grünen sprechen sich für eine umfassende Transparenz der Parteien- und Kampagnenfinanzierung aus. Sie veröffentlichen Angaben zu ihren Einnahmen und wenden die gesetzlichen Offenlegungsvorschriften für grössere Spenden und Wahlkampagnen an.

Spenden von Unternehmen und Organisationen können innerhalb der Partei politische Diskussionen auslösen. Die Partei betont, dass finanzielle Beiträge keinen Einfluss auf politische Entscheidungen erhalten dürften.

Kantonale und kommunale Bedeutung

Die Stärke der Grünen unterscheidet sich erheblich zwischen den Kantonen.

Besonders erfolgreich sind sie traditionell in städtischen und französischsprachigen Gebieten sowie in Kantonen mit starken Umwelt- und Alternativbewegungen.

In verschiedenen Kantonen gehören grüne Mitglieder den Kantonsregierungen an. Die Partei stellt zudem Mitglieder zahlreicher Stadt- und Gemeinderegierungen.

Auf kommunaler Ebene beschäftigt sie sich neben nationalen Themen besonders mit:

  • Stadtplanung;
  • öffentlichem Verkehr;
  • Wohnpolitik;
  • Energieversorgung;
  • Grünflächen;
  • Veloinfrastruktur;
  • Schul- und Sozialpolitik;
  • lokaler Kultur.

In mehreren Städten bilden Grüne und Sozialdemokraten gemeinsame Mehrheiten oder Wahlbündnisse.

Verhältnis zu anderen Parteien

Die Grünen arbeiten am häufigsten mit der Sozialdemokratischen Partei zusammen. Beide Parteien bilden in vielen Parlamenten ein rot-grünes Lager.

In Umwelt-, Europa-, Grundrechts- und Gesellschaftsfragen bestehen auch Gemeinsamkeiten mit den Grünliberalen, der Evangelischen Volkspartei, der Mitte oder der FDP.

In Wirtschafts-, Sozial- und Steuerfragen liegen die Positionen der Grünen meist näher bei der SP und den Gewerkschaften als bei den bürgerlichen Parteien.

Mit der Schweizerischen Volkspartei bestehen besonders grosse Unterschiede in Klima-, Europa-, Migrations- und Gesellschaftspolitik.

Das schweizerische Konkordanzsystem führt dennoch dazu, dass die Partei bei einzelnen Vorlagen mit allen grösseren Parteien zusammenarbeitet.

Bundesratsfrage

Die Grünen waren bis 2026 nie im Bundesrat vertreten.

Seit den 1990er-Jahren erheben sie wiederholt Anspruch auf einen Regierungssitz. Sie argumentieren, dass eine Partei mit einem Wähleranteil von zeitweise mehr als zehn Prozent in einer breit abgestützten Konkordanzregierung berücksichtigt werden müsse.

Zu den grünen Kandidaturen gehörten:

Grüne Kandidaturen für den Bundesrat
Jahr Kandidatin oder Kandidat Anlass
2000 Cécile Bühlmann Nachfolge von Adolf Ogi
2007 Luc Recordon Gesamterneuerungswahl des Bundesrats
2019 Regula Rytz Gesamterneuerungswahl nach dem grünen Wahlerfolg
2023 Gerhard Andrey Gesamterneuerungswahl des Bundesrats

Die Kandidaturen blieben erfolglos. Die bürgerlichen Parteien vertraten mehrheitlich die Ansicht, die Grünen hätten keinen ausreichenden Anspruch auf einen Sitz oder ein amtierendes Bundesratsmitglied solle nicht ohne besonderen Grund abgewählt werden.

Kritik und politische Debatten

Kritiker werfen den Grünen vor, ihre Klima- und Umweltpolitik führe zu zusätzlichen Vorschriften, höheren Abgaben und steigenden Kosten für Haushalte und Unternehmen.

Besonders umstritten sind Forderungen nach einer Reduktion des Flug- und Autoverkehrs, höheren Energieabgaben, einem raschen Ausstieg aus fossilen Heizungen und einer stärkeren Regulierung des Finanzplatzes.

Landwirtschaftliche und wirtschaftliche Organisationen kritisieren teilweise, dass ökologische Vorschriften die Produktion verteuern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen könnten.

Innerhalb der Umweltbewegung werden die Grünen dagegen gelegentlich als zu kompromissbereit betrachtet. Aktivistinnen und Aktivisten verlangen mitunter schnellere und grundlegendere Veränderungen.

Spannungen bestehen auch zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energie und dem Schutz von Landschaften und Lebensräumen. Grüne Kantonalparteien oder einzelne Mitglieder können bei konkreten Wind-, Wasser- oder Solarkraftprojekten unterschiedliche Positionen vertreten.

Die Partei betrachtet ihre föderalistische und bewegungsnahe Struktur als Stärke. Kritiker sehen darin teilweise eine Ursache uneinheitlicher Positionen.

Bedeutung

Die Grüne Partei trug wesentlich dazu bei, Umwelt- und Klimafragen dauerhaft im schweizerischen Parteiensystem zu verankern.

Forderungen, die zunächst als Anliegen kleiner Protestbewegungen galten, wurden später Teil der allgemeinen Politik. Dazu gehören:

  • Schutz von Mooren und Landschaften;
  • Ausstieg aus ozonschädigenden Stoffen;
  • Förderung erneuerbarer Energien;
  • Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene;
  • Energieeffizienz;
  • Klimaziele;
  • ökologische Landwirtschaft;
  • nachhaltige Raumplanung.

Die Wahlergebnisse der Partei schwanken stark mit der öffentlichen Bedeutung von Umwelt- und Klimafragen. Der Wahlsieg von 2019 bildete den bisherigen Höhepunkt, während die Wahlen 2023 eine teilweise Rückkehr zu früheren Kräfteverhältnissen brachten.

Unabhängig von ihrer direkten Wählerstärke beeinflussen die Grünen auch die Programme anderer Parteien. Umwelt- und Klimapolitik gehören inzwischen zu den zentralen Themen nahezu aller grösseren politischen Kräfte.

Zeittafel

Wichtige Ereignisse
Jahr Ereignis
1971 Gründung des Mouvement populaire pour l’environnement in Neuenburg.
1972 Erster grosser kommunaler Wahlerfolg der Neuenburger Umweltbewegung.
1979 Daniel Brélaz wird als erster Vertreter einer grünen Partei in den Nationalrat gewählt.
28. Mai 1983 Gründung der Föderation der grünen Parteien der Schweiz in Freiburg.
1983 Drei Mandate bei den ersten Nationalratswahlen der nationalen Partei.
1985 Monica Zingg wird als erste Frau Präsidentin einer gesamtschweizerischen Partei.
1986 Umbenennung in Grüne Partei der Schweiz.
1986 Leni Robert und Benjamin Hofstetter werden in die Berner Kantonsregierung gewählt.
1987 Wahlerfolg mit 5,1 Prozent und neun Nationalratssitzen.
1987 Annahme der Rothenthurm-Initiative.
1991 Die Partei erreicht 14 Nationalratssitze.
1995 Rückgang auf acht Nationalratssitze.
2003 Anstieg auf 7,4 Prozent und 13 Nationalratssitze.
2007 20 Nationalratssitze und erstmals zwei Sitze im Ständerat.
2012 Maya Graf wird erste grüne Nationalratspräsidentin.
2015 Rückgang auf 7,1 Prozent und elf Nationalratssitze.
2019 Historischer Wahlerfolg mit 13,2 Prozent, 28 Nationalrats- und fünf Ständeratssitzen.
2019 Regula Rytz kandidiert für den Bundesrat.
2021 Irène Kälin wird Nationalratspräsidentin.
2023 Die Partei erreicht 9,8 Prozent, 23 Nationalrats- und drei Ständeratssitze.
2023 Gerhard Andrey kandidiert für den Bundesrat.
2024 Lisa Mazzone wird zur Parteipräsidentin gewählt.
2026 Lisa Mazzone wird für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Parteistärken bei den Nationalratswahlen 2023, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Parteien im Bundesrat und im Parlament, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Unsere Schwerpunkte, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Geschichte der GRÜNEN, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Fossilausstieg: Fürs Klima und für die Sicherheit, GRÜNE Schweiz, 21. März 2026.
  6. Präsidium und Geschäftsleitung, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Agenda 2023–2027, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Für eine klimapositive Schweiz, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Europa, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Delegiertenversammlung, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Grüne Fraktion, Schweizer Parlament, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. GRÜNE weltweit, GRÜNE Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.