Bahnhof Urdorf Weihermatt
| Bahnhof Urdorf Weihermatt | |
|---|---|
| Offizieller Name | Urdorf Weihermatt |
| Ort | Urdorf |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Dietikon |
| Eigentümerin | Schweizerische Bundesbahnen (SBB) |
| Betriebsstellenart | Haltestelle |
| Eröffnung | 27. Mai 1990 |
| Bahnstrecke | Zürich–Affoltern am Albis–Zug |
| Streckenkilometer | 9,84 |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Bahnsteige | 2 Seitenperrons |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Höhe | 456 m ü. M. |
| Betriebsstellenkürzel | URDW |
| IBNR | 8502229 |
| S-Bahn-Linien | S5 und S14 |
| Nacht-S-Bahn | SN5 |
| Buslinie | 302 |
| Verkehrsverbund | Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) |
| Tarifzone | 154 |
Der Bahnhof Urdorf Weihermatt, betrieblich eine Haltestelle, ist eine Eisenbahnstation in der politischen Gemeinde Urdorf im Kanton Zürich. Er liegt an der Bahnstrecke Zürich–Affoltern am Albis–Zug zwischen den Bahnhöfen Urdorf und Birmensdorf ZH. Die Station wird von den Linien S5 und S14 der Zürcher S-Bahn sowie in den Wochenendnächten von der Nacht-S-Bahn SN5 bedient.[1]
Die Haltestelle wurde 1990 im Zusammenhang mit der Einführung der Zürcher S-Bahn eröffnet. Anders als der bereits seit 1864 bestehende Bahnhof Urdorf entstand Weihermatt nicht als klassischer Regionalbahnhof mit Aufnahmegebäude und Güteranlagen, sondern als zweckmässige Vorortshaltestelle an einer zweigleisigen Strecke.
Durch das Wachstum der umliegenden Wohnquartiere und die Verknüpfung mit der Buslinie 302 entwickelte sich Weihermatt zum wichtigsten öffentlichen Verkehrsknoten der Gemeinde. Der Gemeinderat bezeichnet den Standort heute als zentrale Verkehrsdrehscheibe beziehungsweise faktischen Hauptbahnhof Urdorfs.[2]
Name und Abgrenzung
Der offizielle Stationsname lautet Urdorf Weihermatt. Die Schreibweise ohne Bindestrich wird von den Schweizerischen Bundesbahnen und im nationalen Fahrplan verwendet.
Die angrenzende Bushaltestelle trägt den Namen Urdorf Weihermatt, Bahnhof. Im örtlichen Sprachgebrauch sind auch die Bezeichnungen Bahnhof Weihermatt und S-Bahn-Station Weihermatt verbreitet.
Die Station darf nicht mit dem rund 1,3 Kilometer nordwestlich gelegenen Bahnhof Urdorf verwechselt werden. Beide Stationen befinden sich an derselben Bahnstrecke und werden von denselben S-Bahn-Linien bedient.
Der Name Weihermatt bezeichnet ein Wohn-, Schul-, Sport- und Freizeitzentrum im südöstlichen Teil Urdorfs. Zum Gebiet gehören unter anderem die Wohnsiedlung Weihermatt, das Schulhaus, das Alterszentrum, die reformierte Kirche sowie das Frei- und Hallensportangebot der Gemeinde.
Lage
Der Bahnhof befindet sich am südöstlichen Rand des zusammenhängenden Siedlungsgebiets von Urdorf. Die Gleise verlaufen zwischen der Uitikonerstrasse und dem offenen Landwirtschaftsgebiet am Hang in Richtung Uitikon.
Nordwestlich der Station führt die Bahnstrecke über den Bahnhof Urdorf nach Zürich Altstetten und zum Zürcher Hauptbahnhof. Südöstlich verläuft sie über Birmensdorf, Bonstetten-Wettswil, Hedingen und Affoltern am Albis nach Zug.
Der Zugang zur Haltestelle liegt beim Knotenpunkt von Uitikonerstrasse und Sportweg. Der Sportweg stellt eine direkte Fuss- und Veloverbindung zu den Wohnsiedlungen sowie zu den Schul-, Alters- und Sportanlagen an der Weihermattstrasse her.[3]
In unmittelbarer Umgebung befinden sich:
- die Wohnsiedlungen Weihermatt und Fadmatt;
- das Schulhaus Weihermatt;
- das Alterszentrum Weihermatt;
- die reformierte Kirche;
- das Freibad Weihermatt;
- die Kunsteisbahn;
- die Curlinghalle;
- Tennis- und weitere Sportanlagen;
- Landwirtschafts- und Naherholungsgebiete;
- Fuss- und Velowege nach Oberurdorf und Uitikon.
Die Gleisanlage bildet den nordöstlichen Abschluss des bebauten Gebiets. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bahn schliessen sich Felder und bewaldete Hänge an.
Geschichte
Bahnstrecke Zürich–Zug
Die Bahnstrecke von Zürich über Affoltern am Albis nach Zug wurde am 1. Juni 1864 durch die Zürich-Zug-Luzern-Bahn eröffnet.
Die ursprünglichen Zwischenstationen waren Urdorf, Birmensdorf, Bonstetten, Hedingen, Affoltern am Albis, Mettmenstetten und Knonau. Im Gebiet der späteren Haltestelle Weihermatt bestand zunächst kein Halt.
Die Strecke diente anfangs als wichtige Verbindung zwischen Zürich, Zug und Luzern. Nach der Eröffnung der direkteren Strecke Thalwil–Zug im Jahr 1897 verlor die Linie einen grossen Teil ihres Fernverkehrs und entwickelte sich zu einer regionalen Bahnstrecke durch das Knonaueramt.
Die Zürich-Zug-Luzern-Bahn wurde zunächst durch die Schweizerische Nordostbahn betrieben und später vollständig von ihr übernommen. Mit der Verstaatlichung der Nordostbahn gelangte die Strecke 1902 an die Schweizerischen Bundesbahnen.
Elektrifizierung
Die Strecke Zürich Altstetten–Zug wurde am 15. Oktober 1932 elektrifiziert. Sie verwendet das schweizerische Bahnstromsystem mit 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom.
Die Elektrifizierung ermöglichte schnellere und leistungsfähigere Regionalzüge. Trotzdem blieb das Fahrplanangebot während mehrerer Jahrzehnte vergleichsweise begrenzt.
Im Raum der heutigen Haltestelle Weihermatt führte die Strecke weiterhin ohne Halt an den landwirtschaftlich genutzten Flächen südöstlich des Dorfes vorbei.
Entwicklung des Gebiets Weihermatt
Urdorf erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg ein starkes Bevölkerungswachstum. Zwischen 1950 und 1970 vervielfachte sich die Einwohnerzahl.
Im Gebiet Weihermatt entstanden seit den 1960er-Jahren umfangreiche Wohnsiedlungen. Hinzu kamen Schulen, Sportanlagen, ein Alterszentrum und weitere öffentliche Einrichtungen.
Die zwischen Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre errichteten Wohnbauten veränderten den südöstlichen Ortsteil grundlegend. Das Gebiet lag jedoch relativ weit vom bestehenden Bahnhof Urdorf entfernt.
Der Wunsch nach einer eigenen Bahnstation nahm mit dem Wachstum der Wohnquartiere und der Zahl der Berufspendlerinnen und Berufspendler zu.
Doppelspurausbau
Für die geplante Zürcher S-Bahn musste die Leistungsfähigkeit der Strecke durch das Knonaueramt erhöht werden.
Der Abschnitt zwischen Urdorf und der Dienststation Mören wurde am 23. Oktober 1989 auf Doppelspur ausgebaut. Die neue Haltestelle Weihermatt entstand innerhalb dieses Streckenabschnitts.[4]
Der Ausbau umfasste:
- den Bau eines zweiten Streckengleises;
- zwei Seitenperrons;
- Zugänge von der Uitikonerstrasse;
- Perrondächer und Wartebereiche;
- Beleuchtungs- und Informationsanlagen;
- moderne Fahrleitungen;
- neue Signal- und Sicherungseinrichtungen.
Da keine Weichen, Abstellgleise oder Güteranlagen vorgesehen waren, wurde Weihermatt betrieblich als Haltestelle und nicht als eigenständiger Bahnhof angelegt.
Eröffnung mit der Zürcher S-Bahn
Die Zürcher S-Bahn nahm am 27. Mai 1990 ihren Betrieb auf.[5]
Urdorf Weihermatt wurde auf diesen Zeitpunkt hin als neue Station eingerichtet. Sie gehörte zu den Haltestellen, mit denen dicht bewohnte Gebiete ausserhalb der historischen Dorfzentren besser erschlossen wurden.
Das ursprüngliche S-Bahn-Angebot schuf direkte Verbindungen nach Zürich und ins Knonaueramt. Gegenüber den früheren Bus- und Fusswegen zum Bahnhof Urdorf verkürzte sich der Zugang zum Bahnverkehr für die Bewohnerinnen und Bewohner der Weihermatt erheblich.
Die Station erhielt kein eigentliches Aufnahmegebäude. Der Fahrkartenverkauf erfolgte an Automaten, während die betriebliche Steuerung durch zentrale Stellwerke der SBB übernommen wurde.
Ausbau des Angebots
Der Erfolg der Zürcher S-Bahn führte zu einer starken Zunahme der Fahrgastzahlen auf der Strecke durch das Knonaueramt.
Das Angebot wurde schrittweise verdichtet. Heute verkehren die S5 und die S14 jeweils im Halbstundentakt. Dadurch bestehen in beiden Fahrtrichtungen grundsätzlich vier Zugverbindungen pro Stunde.[3]
Die S5 stellt die durchgehende Verbindung zwischen Zug, dem Knonaueramt, Zürich, dem Zürcher Oberland und Pfäffikon SZ her. Die S14 ergänzt sie zwischen Affoltern am Albis und Zürich und führt weiter über Oerlikon, Uster und Wetzikon nach Hinwil.
Die Haltestelle entwickelte sich dadurch von einem zusätzlichen Quartierhalt zum meistgenutzten Bahnhof der Gemeinde Urdorf.
Entwicklung des Busangebots
Die Buslinien rund um Urdorf wurden mehrfach neu geordnet.
Mit der Eröffnung der Limmattalbahn und dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2022 wurden die früheren Linien 308 und 311 aufgehoben. Die Linie 302 übernahm einen Teil ihrer Aufgaben und wurde bis zum Bahnhof Urdorf Weihermatt verlängert.[6]
Die Buslinie verbindet die Station seither im Viertelstundentakt mit Schlieren, Unterengstringen, Weiningen und Geroldswil. Ihre Fahrzeiten sind auf die S-Bahn-Anschlüsse abgestimmt.
Reduktion der Billettautomaten
Die SBB bauten im Mai 2022 je einen Billettautomaten an den Bahnhöfen Urdorf und Urdorf Weihermatt ab.
Als Grund nannten sie die zunehmende Verlagerung des Billettverkaufs auf digitale Kanäle. An der Haltestelle blieb weiterhin mindestens ein Automat bestehen.[7]
Bahnhofsanlage
Gleise und Perrons
Die Haltestelle besitzt zwei durchgehende Gleise an zwei Seitenperrons.
| Gleis | Allgemeine Fahrtrichtung | Wichtigste Ziele |
|---|---|---|
| 1 | Richtung Birmensdorf und Affoltern am Albis | Birmensdorf, Bonstetten-Wettswil, Hedingen, Affoltern am Albis und Zug |
| 2 | Richtung Urdorf und Zürich | Zürich Altstetten, Zürich Hauptbahnhof, Zürich Oerlikon, Uster und Hinwil beziehungsweise Pfäffikon SZ |
Die tatsächliche Gleisbelegung kann bei Bauarbeiten, Störungen oder anderen betrieblichen Änderungen abweichen.
Die beiden Streckengleise besitzen im Bereich der Haltestelle keine Weichen. Ein Wechsel von einem Gleis auf das andere ist erst ausserhalb der Station möglich.
Seitenperrons
Beide Seitenperrons verfügen über einfache Überdachungen, Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und Fahrgastinformationen.
Die Anlage wurde nach den funktionalen Grundsätzen der ersten Zürcher S-Bahn-Generation gestaltet. Im Vordergrund standen kurze Bauzeiten, niedrige Kosten und ein möglichst direkter Zugang aus den Wohnquartieren.
Ein klassisches Aufnahmegebäude mit Schalterhalle, Wartesaal oder Diensträumen besteht nicht.
Zugänge
Der wichtigste Zugang befindet sich bei der Uitikonerstrasse und dem Sportweg.
Die beiden Perrons sind über Wege und eine Unterführung miteinander verbunden. Der Sportweg führt von der Haltestelle durch die Wohnsiedlung zu den Schul- und Sportanlagen an der Weihermattstrasse.
Die heutige Wegführung wird den Anforderungen einer stark genutzten Verkehrsdrehscheibe nur teilweise gerecht. Insbesondere die Erkennbarkeit des Bahnhofs, die Trennung verschiedener Verkehrsarten und die vollständige Hindernisfreiheit sollen verbessert werden.[2]
Barrierefreiheit
Bei den regulär eingesetzten Niederflur- beziehungsweise Doppelstockzügen ist an beiden Gleisen grundsätzlich ein selbstständiger Ein- und Ausstieg möglich.[8][9]
Die Zugänge und das Umfeld erfüllen jedoch nach Einschätzung der Gemeinde nicht sämtliche Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes. Dies betrifft insbesondere die Verbindung zwischen Perron, Bushaltestelle und angrenzenden Wegen.
Bahnverkehr
Hauptartikel: Zürcher S-Bahn
Im Fahrplanjahr 2026 halten die Linien S5 und S14 in Urdorf Weihermatt. In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen verkehrt zusätzlich die Nacht-S-Bahn SN5.[1]
| Linie | Grundlegende Streckenführung | Angebot |
|---|---|---|
| S5 | Zug–Affoltern am Albis–Urdorf Weihermatt–Zürich HB–Uster–Wetzikon–Rüti ZH–Rapperswil–Pfäffikon SZ | Halbstündlich |
| S14 | Affoltern am Albis–Urdorf Weihermatt–Zürich HB–Zürich Oerlikon–Dübendorf–Uster–Wetzikon–Hinwil | Halbstündlich |
| SN5 | Knonau–Affoltern am Albis–Urdorf Weihermatt–Zürich HB–Rapperswil–Pfäffikon SZ | In den Wochenendnächten |
Durch die Überlagerung von S5 und S14 bestehen tagsüber vier Verbindungen pro Stunde nach Zürich und Affoltern am Albis.
Die ungefähre Fahrzeit zum Zürcher Hauptbahnhof beträgt rund 15 Minuten.[10]
Direkte Bahnverbindungen bestehen unter anderem nach:
- Zürich Altstetten;
- Zürich Hauptbahnhof;
- Zürich Oerlikon;
- Uster;
- Wetzikon;
- Hinwil;
- Rüti ZH;
- Rapperswil;
- Pfäffikon SZ;
- Birmensdorf;
- Bonstetten-Wettswil;
- Hedingen;
- Affoltern am Albis;
- Zug.
Busverkehr
Die Bushaltestelle Urdorf Weihermatt, Bahnhof befindet sich an der Uitikonerstrasse.
Im Jahresfahrplan 2026 wird sie durch die Linie 302 bedient.[11]
| Linie | Verbindung | Grundangebot |
|---|---|---|
| 302 | Urdorf Weihermatt–Urdorf Feldegg–Schlieren–Unterengstringen–Weiningen–Geroldswil | Viertelstündlich |
Die Buslinie stellt Verbindungen zu den nördlichen Teilen Urdorfs sowie zu den Gemeinden und Arbeitsgebieten im Limmattal her.
In Schlieren bestehen Anschlüsse an weitere S-Bahn-, Bus- und Limmattalbahnlinien. Die Endhaltestelle Weihermatt ermöglicht ein direktes Umsteigen zwischen Bus und S-Bahn, obwohl die räumliche Gestaltung noch verbessert werden soll.
Dienstleistungen
Urdorf Weihermatt ist eine unbediente Haltestelle. Ein SBB-Reisezentrum oder ein personell besetzter Fahrkartenschalter besteht nicht.
Zur Ausstattung gehören:
- Billettautomat;
- überdachte Wartebereiche;
- Sitzgelegenheiten;
- elektronische Fahrgastinformationen;
- Lautsprecheranlagen;
- Beleuchtung;
- Veloabstellplätze.
Nach Angaben der SBB stehen 38 überdachte Veloabstellplätze zur Verfügung.[12]
Seit Juni 2025 besteht beim Bahnhof ausserdem eine Station des Veloverleihsystems Züri Velo. Die dort angebotenen Velos und E-Bikes können über eine App ausgeliehen und an anderen Stationen des Netzes zurückgegeben werden.[13]
Geschäfte, Gastronomie und weitere Dienstleistungen befinden sich in den umliegenden Wohnquartieren und im Zentrum von Urdorf.
Tarif
Der Bahnhof liegt in der ZVV-Tarifzone 154.[14]
Die Zone umfasst neben Urdorf unter anderem Teile des Limmattals und angrenzende Gemeinden.
Innerhalb der gelösten Zonen können Bahn, Bus, Tram und weitere in den Verbundtarif einbezogene Verkehrsmittel während der Gültigkeitsdauer des Billetts grundsätzlich frei kombiniert werden.
Für Fahrten in die Stadt Zürich muss auch die Tarifzone 110 gelöst werden. Diese zählt wegen des besonders dichten Verkehrsangebots tariflich als zwei Zonen.
Bedeutung für Urdorf
Der Bahnhof Weihermatt erschliesst einen grossen Teil der Urdorfer Bevölkerung und zahlreiche öffentliche Einrichtungen.
Von besonderer Bedeutung ist er für:
- Berufspendlerinnen und Berufspendler nach Zürich;
- Schülerinnen und Schüler;
- Besucherinnen und Besucher der Sportanlagen;
- Bewohnerinnen und Bewohner des Alterszentrums;
- die Wohnsiedlungen Weihermatt und Fadmatt;
- den Busverkehr zwischen Urdorf und dem Limmattal;
- den Fuss- und Veloverkehr.
Als die Haltestelle in den 1980er-Jahren geplant wurde, galt sie als ergänzender Quartierhalt. Durch die Siedlungsentwicklung, das verdichtete S-Bahn-Angebot und die Busanbindung übernahm sie später die Funktion des wichtigsten Bahnhofs der Gemeinde.[2]
Die schnelle Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof ist ein wesentlicher Standortvorteil Urdorfs. Gleichzeitig ermöglicht die S-Bahn direkte Fahrten ins Knonaueramt und nach Zug.
Weiterentwicklung des Bahnhofareals
Ausgangslage
Der Bahnhof wurde als einfache S-Bahn-Haltestelle konzipiert. Die heutige Nutzung entspricht jedoch jener einer multimodalen Verkehrsdrehscheibe.
Die Gemeinde stellte insbesondere folgende Mängel fest:
- nicht vollständig hindernisfreie Zugänge;
- ungenügende Verbindung zwischen Bahn und Bus;
- geringe Erkennbarkeit des Bahnhofs;
- Konflikte zwischen Fuss-, Velo-, Bus- und Autoverkehr;
- unzureichende Aufenthaltsflächen;
- veraltete Veloabstellanlagen;
- fehlende Kurzzeitparkplätze;
- begrenzte Einkaufsmöglichkeiten.
Der Gemeinderat löste deshalb 2023 ein Vorprojekt zur Weiterentwicklung der Anlage aus.[2]
Vorprojekt von 2024
Das Vorprojekt wurde im Juni 2024 vom Gemeinderat zur weiteren Projektierung freigegeben.
Nach dem im Februar 2025 veröffentlichten Planungsstand sind vorgesehen:[15]
- ein zusätzlicher Perronzugang über eine Rampe;
- eine neue Führung der Buslinie;
- eine Buswendeschlaufe;
- zeitgemässe und hindernisfreie Bushaltekanten;
- eine Neuordnung der Fuss- und Velowege;
- erneuerte Veloabstellanlagen;
- Kurzzeitparkplätze für das Bringen und Abholen von Reisenden;
- eine besser sichtbare und attraktivere Freiraumgestaltung;
- Sitzgelegenheiten;
- ein kleiner Kiosk oder Verkaufsladen.
Die verschiedenen Verkehrsarten sollen stärker voneinander getrennt werden. Gleichzeitig sollen die Wege zwischen S-Bahn, Bus, Wohnquartieren und Sportanlagen kürzer und übersichtlicher werden.
Finanzierung und Zeitplan
Die Massnahme ist im Agglomerationsprogramm Limmattal der vierten Generation mit Priorität A eingestuft. Der Bund stellte grundsätzlich eine Mitfinanzierung in Aussicht.[16]
Die Kosten des kommunalen Vorprojekts wurden 2024 auf rund sechs Millionen Franken geschätzt. Das Bauprojekt sollte ab dem Frühjahr 2025 ausgearbeitet werden.
Nach dem damals veröffentlichten Zeitplan wäre eine bauliche Umsetzung frühestens ab 2028 möglich. Termin, Kosten und genaue Ausgestaltung hängen von den Bewilligungen, politischen Beschlüssen und Vereinbarungen mit den SBB und Verkehrsbetrieben ab.
Entwicklung der Wohnsiedlung Weihermatt
Die Wohnsiedlung Weihermatt wurde Ende der 1960er-Jahre errichtet. Die Gebäude entsprechen hinsichtlich Energieverbrauch, Barrierefreiheit, Erdbebensicherheit und Wohnungsangebot nicht mehr vollständig den heutigen Anforderungen.
Die Eigentümerinnen GEWOBAG und Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich planen deshalb einen schrittweisen Ersatz der bestehenden Bauten.
Der Gestaltungsplan umfasst eine Fläche von rund 31'100 Quadratmetern. Die Gemeindeversammlung stimmte ihm am 27. November 2024 zu; die Baudirektion des Kantons Zürich genehmigte ihn am 4. Juni 2025.[17]
Die künftige Siedlung soll:
- mehr Wohnungen bieten;
- sozialverträglich in Etappen erstellt werden;
- hindernisfreie Wohnungen umfassen;
- hochwertige Grün- und Freiräume erhalten;
- weiterhin einen Kindergarten aufnehmen;
- eng mit dem Bahnhof und dem Sportweg verbunden sein;
- den Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr fördern.
Die geplante Verdichtung dürfte die Bedeutung des Bahnhofs weiter erhöhen. Die Neugestaltung der Verkehrsdrehscheibe und die Siedlungsentwicklung werden deshalb aufeinander abgestimmt.
Langfristige Entwicklung der Bahnstrecke
Die Bahnstrecke zwischen Zürich und Zug ist nur abschnittsweise zweigleisig. Der Bereich Urdorf Weihermatt gehört bereits zum Doppelspurabschnitt zwischen Urdorf und Mören.
Im kantonalen Richtplan ist langfristig ein vollständiger Doppelspurausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Zürich und Zug vorgesehen.[3]
Ein durchgehender Ausbau könnte:
- zusätzliche S-Bahn-Verbindungen ermöglichen;
- die Fahrplanstabilität verbessern;
- Verspätungsübertragungen reduzieren;
- dichtere Takte im Knonaueramt ermöglichen;
- die Kapazität für Bau- und Dienstzüge erhöhen.
Für den Bahnhof Weihermatt könnten zusätzliche Zugverbindungen zu einem weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen führen. Das kommunale Umbauprojekt berücksichtigt deshalb mögliche künftige Mehrbelastungen.
Eisenbahngeschichtliche Bedeutung
Urdorf Weihermatt ist ein typisches Beispiel für die im Zusammenhang mit der Zürcher S-Bahn entstandenen Vorortshaltestellen.
Die Station dokumentiert:
- den Wandel einer früheren Nebenstrecke zur leistungsfähigen S-Bahn-Achse;
- den Doppelspurausbau der späten 1980er-Jahre;
- die Einführung der Zürcher S-Bahn im Jahr 1990;
- die Erschliessung grosser Wohnsiedlungen ausserhalb historischer Ortszentren;
- die Entwicklung einer einfachen Haltestelle zur kommunalen Verkehrsdrehscheibe;
- die zunehmende Bedeutung von Bus-, Fuss- und Veloverkehr im Bahnhofsumfeld.
Anders als ältere Bahnhöfe besitzt Weihermatt kein historisches Aufnahmegebäude oder ehemalige Güteranlagen. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Verkehrs- und Siedlungsentwicklung seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert.
Siehe auch
- Urdorf
- Bahnhof Urdorf
- Bahnstrecke Zürich–Affoltern am Albis–Zug
- Bahnhof Birmensdorf ZH
- Bahnhof Bonstetten-Wettswil
- Bahnhof Affoltern am Albis
- Zürcher S-Bahn
- S-Bahn-Linie S5
- S-Bahn-Linie S14
- Zürcher Verkehrsverbund
- Limmattalbahn
- Liste der Bahnhöfe im Kanton Zürich
Weblinks
- Bahnhof Urdorf Weihermatt bei den Schweizerischen Bundesbahnen
- S-Bahn-Linien in Urdorf Weihermatt
- Buslinie am Bahnhof Weihermatt
- Öffentlicher Verkehr in Urdorf
- Weiterentwicklung des Bahnhofs Weihermatt
- Verkehrsprojekt Bahnhof Weihermatt beim Kanton Zürich
- Zürcher Verkehrsverbund
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Haltestellen- und Linienfahrpläne Urdorf Weihermatt, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Vorprojekt zur Weiterentwicklung des Bahnhofs Weihermatt beschlossen, Gemeinde Urdorf, 19. Januar 2023, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Privater Gestaltungsplan Weihermatt: Erläuterungsbericht, Gemeinde Urdorf und Planwerkstadt AG, 13. September 2023, S. 9 und 15, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bahnstrecke Zürich–Affoltern am Albis–Zug, Schienenverkehr-Schweiz.ch, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Geschichte des Zürcher Verkehrsverbunds, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Fahrplanwechsel und Inbetriebnahme der Limmattalbahn: Auswirkungen für Urdorf, Gemeinde Urdorf, 5. Dezember 2022, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Reduktion von Billettautomaten am Bahnhof Urdorf und Urdorf Weihermatt, Gemeinde Urdorf, 6. Mai 2022, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Angaben zur Hindernisfreiheit der S5, Zürcher Verkehrsverbund, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Angaben zur Hindernisfreiheit der S14, Zürcher Verkehrsverbund, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Öffentlicher Verkehr in Urdorf, Gemeinde Urdorf, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Haltestellen- und Linienfahrpläne Urdorf Weihermatt, Bahnhof, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bahnhof Urdorf Weihermatt, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Veloverleih-System Züri Velo neu in Urdorf verfügbar, Gemeinde Urdorf, 11. Juni 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Regionalnetz-Pläne und Haltestellenverzeichnis, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Erreichbarkeit und Zugänglichkeit des Bahnhofs Weihermatt sollen verbessert werden, in: Urdorf aktuell, Nr. 143, Februar 2025, S. 7, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Urdorf – Bahnhof Weihermatt: Optimierung Erschliessung und Zugänglichkeit, Kanton Zürich, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Privater Gestaltungsplan Weihermatt, Gemeinde Urdorf, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Urdorf Weihermatt