Staatsrat des Kantons Genf

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Staatsrat des Kantons Genf
Französische Bezeichnung Conseil d'État de la République et canton de Genève
Stellung Regierung und oberste vollziehende Behörde des Kantons Genf
Mitglieder 7
Wahl Volkswahl im Majorzverfahren
Amtsdauer 5 Jahre
Aktuelle Amtsperiode 2023–2028
Präsidentin Anne Hiltpold
Vizepräsidentin Carole-Anne Kast
Staatsschreiberin Michèle Righetti-El Zayadi
Sitz Hôtel de Ville
Rue de l’Hôtel-de-Ville 2
1204 Genf
Verfassungsgrundlage Artikel 101–115B der Genfer Kantonsverfassung
Website ge.ch

Der Staatsrat des Kantons Genf (französisch Conseil d'État de la République et canton de Genève) ist die Regierung und die oberste vollziehende Behörde des Kantons Genf. Er besteht aus sieben Mitgliedern, die von den Stimmberechtigten für eine Amtsdauer von fünf Jahren im Majorzverfahren gewählt werden.

Der Staatsrat setzt die vom Grossen Rat beschlossenen Gesetze um, erlässt die erforderlichen Verordnungen und Beschlüsse, führt die kantonale Verwaltung und vertritt den Kanton nach aussen. Er ist zudem für die öffentliche Sicherheit, die kantonalen Finanzen, die Vorbereitung von Gesetzesvorlagen und die Durchführung von Wahlen und Abstimmungen verantwortlich.[1]

Die französische Bezeichnung Conseil d'État ist im Kanton amtlich. Im deutschsprachigen Schweizer Kontext wird das Organ gewöhnlich als Staatsrat oder als Genfer Kantonsregierung bezeichnet. Es ist nicht mit dem Ständerat der Schweizerischen Bundesversammlung zu verwechseln.

Seit dem 1. Juni 2026 wird der Staatsrat von Anne Hiltpold präsidiert. Carole-Anne Kast ist Vizepräsidentin. Die aktuelle Amtsperiode dauert vom 1. Juni 2023 bis zum 31. Mai 2028.[2]

Verfassungsrechtliche Stellung

Die Genfer Kantonsverfassung bezeichnet den Staatsrat ausdrücklich als Träger der vollziehenden Gewalt. Er bildet neben dem Grossen Rat als gesetzgebender Behörde und der unabhängigen Justiz eine der drei kantonalen Staatsgewalten.

Die gegenwärtige Verfassung wurde am 14. Oktober 2012 angenommen und trat am 1. Juni 2013 in Kraft. Sie ersetzte die Verfassung vom 24. Mai 1847, die während mehr als 160 Jahren die institutionelle Grundlage des Kantons gebildet hatte.[1]

Der Staatsrat ist eine Kollegialbehörde. Seine Entscheide werden vom Gesamtgremium getroffen und nach aussen als Entscheide der Regierung vertreten. Die einzelnen Mitglieder leiten zwar je ein Departement, bleiben jedoch gemeinsam für die Tätigkeit der Regierung verantwortlich.

Die Mitglieder üben ihr Mandat grundsätzlich frei aus und müssen ihre Verbindungen zu Interessengruppen öffentlich bekannt geben. Das Amt ist unvereinbar mit jedem anderen gewählten politischen Mandat sowie mit einer weiteren Erwerbstätigkeit.[1]

Wahl

Wahlverfahren

Die sieben Staatsratsmitglieder werden direkt durch die kantonalen Stimmberechtigten gewählt. Der gesamte Kanton bildet einen einzigen Wahlkreis.

Die Wahl erfolgt nach dem Majorzsystem. Im ersten Wahlgang sind jene Kandidatinnen und Kandidaten gewählt, die zu den Stimmenstärksten gehören und zugleich das absolute Mehr der gültigen Wahlzettel erreichen. Auch leere, aber gültige Wahlzettel werden bei der Berechnung des absoluten Mehrs berücksichtigt.

Werden im ersten Wahlgang nicht alle Sitze besetzt, findet ein zweiter Wahlgang statt. In diesem genügt das relative Mehr. Gewählt sind somit die Kandidierenden mit den meisten Stimmen bis zur Besetzung aller noch freien Sitze.[3]

Der erste Wahlgang findet gleichzeitig mit der Wahl des Grossen Rates statt. Die Wahlperiode beträgt fünf Jahre. Die Staatsratsmitglieder können ohne verfassungsrechtlich festgelegte Amtszeitbegrenzung wiedergewählt werden.

Ersatzwahl

Wird während einer laufenden Amtsperiode ein Sitz frei, findet grundsätzlich so rasch wie möglich eine Ersatzwahl statt. Sie folgt ebenfalls dem Majorzverfahren.

Nach dem Rücktritt von Antonio Hodgers wurde 2025 eine Ersatzwahl durchgeführt. Im zweiten Wahlgang vom 19. Oktober 2025 wurde Nicolas Walder von den Grünen gewählt. Er legte am 30. Oktober 2025 den Amtseid ab und übernahm anschliessend das Departement für Raum und Gebiet.[4]

Präsidium

Der Staatsrat wählt jedes Jahr aus seiner Mitte eine Präsidentin oder einen Präsidenten sowie eine Vizepräsidentin oder einen Vizepräsidenten. Die Amtszeit beginnt jeweils am 1. Juni und dauert ein Jahr.

Eine unmittelbar anschliessende Wiederwahl in das gleiche Amt ist ausgeschlossen. Die abtretende Präsidentin oder der abtretende Präsident kann im folgenden Jahr auch nicht das Vizepräsidium übernehmen.[1]

Das Präsidium hat in erster Linie koordinierende und repräsentative Aufgaben. Die Präsidentin oder der Präsident leitet die Regierungssitzungen, vertritt das Kollegium bei offiziellen Anlässen und beaufsichtigt die Staatskanzlei. Die Stellung entspricht jedoch nicht jener eines Regierungschefs mit Richtlinienkompetenz. Alle Staatsratsmitglieder bleiben innerhalb des Kollegiums grundsätzlich gleichberechtigt.

Für die Amtsperiode 2023–2028 wurde folgende Rotation beschlossen:[5]

Zeitraum Präsidium Vizepräsidium
1. Juni 2023 bis 31. Mai 2024 Antonio Hodgers Nathalie Fontanet
1. Juni 2024 bis 31. Mai 2025 Nathalie Fontanet Thierry Apothéloz
1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 Thierry Apothéloz Anne Hiltpold
1. Juni 2026 bis 31. Mai 2027 Anne Hiltpold Carole-Anne Kast
1. Juni 2027 bis 31. Mai 2028 Carole-Anne Kast Pierre Maudet

Anne Hiltpold übernahm das Präsidium am 1. Juni 2026. Ihre Amtszeit dauert bis zum 31. Mai 2027. Gleichzeitig wurde Carole-Anne Kast Vizepräsidentin.[6]

Zusammensetzung

Der Staatsrat der Amtsperiode 2023–2028 umfasst im August 2026 vier Frauen und drei Männer. Die sieben Sitze verteilen sich auf fünf politische Parteien.

Mitglied Partei Funktion und Departement Im Staatsrat seit
Anne Hiltpold PLR Präsidentin des Staatsrates
Departement für Unterricht, Bildung und Jugend (DIP)
2023
Carole-Anne Kast Parti socialiste Vizepräsidentin des Staatsrates
Departement für Institutionen und Digitalisierung (DIN)
2023
Nathalie Fontanet PLR Departement für Finanzen, Personal und auswärtige Angelegenheiten (DF) 2018
Thierry Apothéloz Parti socialiste Departement für sozialen Zusammenhalt (DCS) 2018
Pierre Maudet Libertés et justice sociale Departement für Gesundheit und Mobilität (DSM) 2023
zuvor 2012–2021
Delphine Bachmann Le Centre Departement für Wirtschaft, Beschäftigung und Energie (DEE) 2023
Nicolas Walder Les Vert-e-s Departement für Raum und Gebiet (DT) 2025

Die personelle und politische Zusammensetzung ist das Ergebnis der Gesamterneuerungswahl von 2023 und der Ersatzwahl von 2025. Nathalie Fontanet und Thierry Apothéloz wurden 2023 wiedergewählt. Anne Hiltpold, Carole-Anne Kast und Delphine Bachmann wurden erstmals in die Kantonsregierung gewählt. Pierre Maudet kehrte nach seiner früheren Amtszeit in den Staatsrat zurück.[7]

Departemente

Jedes Staatsratsmitglied leitet eines der sieben Departemente der kantonalen Verwaltung. Der Staatsrat bestimmt die Aufteilung der Zuständigkeitsbereiche. Änderungen der Zusammensetzung der Departemente müssen dem Grossen Rat zur Genehmigung vorgelegt werden.

Departement für Unterricht, Bildung und Jugend

Das Département de l'instruction publique, de la formation et de la jeunesse (DIP) ist für das öffentliche Bildungswesen, die Berufsbildung, Jugendfragen und Teile der Kultur- und Hochschulpolitik zuständig.

Zu seinem Verantwortungsbereich gehören insbesondere die obligatorischen Schulen, die Sekundarstufe II, die Berufsbildung, die sonderpädagogischen Angebote sowie die Zusammenarbeit mit der Universität Genf und den Genfer Hochschulen.

Das Departement wird von Anne Hiltpold geleitet.

Departement für Institutionen und Digitalisierung

Das Département des institutions et du numérique (DIN) umfasst zentrale staatliche Aufgaben in den Bereichen Sicherheit, Bevölkerung, politische Institutionen und digitale Verwaltung.

Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Kantonspolizei, der Bevölkerungsschutz, der Straf- und Massnahmenvollzug, das Einwohner- und Migrationswesen sowie die kantonale Informatik und Digitalisierung.

Vorsteherin ist Carole-Anne Kast.

Departement für Finanzen, Personal und auswärtige Angelegenheiten

Das Département des finances, des ressources humaines et des affaires extérieures (DF) erstellt den kantonalen Finanzplan, bereitet den Staatshaushalt vor und führt das Personalwesen der kantonalen Verwaltung.

Zum Departement gehören ausserdem die kantonale Steuerverwaltung und die Vertretung der Genfer Interessen gegenüber dem Bund, anderen Kantonen, Frankreich und europäischen Institutionen.

Das Departement wird von Nathalie Fontanet geleitet.

Departement für sozialen Zusammenhalt

Das Département de la cohésion sociale (DCS) ist insbesondere für Sozialhilfe, Integration, Gleichstellung, gesellschaftliche Teilhabe, Sport und Teile der Kulturpolitik verantwortlich.

Es arbeitet mit Gemeinden, öffentlichen Einrichtungen und privaten Organisationen zusammen. Zu den wichtigen Partnerinstitutionen gehören das Hospice général und verschiedene soziale Einrichtungen des Kantons.

Vorsteher ist Thierry Apothéloz.

Departement für Gesundheit und Mobilität

Das Département de la santé et des mobilités (DSM) verbindet die kantonale Gesundheits- und Verkehrspolitik.

Es beaufsichtigt das Gesundheitswesen, plant die Spitalversorgung und arbeitet mit den Hôpitaux universitaires de Genève sowie weiteren Leistungserbringern zusammen. Im Mobilitätsbereich ist es unter anderem für Strassen, öffentlichen Verkehr, Verkehrsplanung und die Zusammenarbeit mit den Transports publics genevois zuständig.

Das Departement wird von Pierre Maudet geleitet.

Departement für Wirtschaft, Beschäftigung und Energie

Das Département de l'économie, de l'emploi et de l'énergie (DEE) befasst sich mit Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt, Energiepolitik, Handel und kantonalen Bewilligungsfragen.

Zu seinem Verantwortungsbereich gehören die Unterstützung von Unternehmen, die Arbeitslosenversicherung, der Vollzug arbeitsrechtlicher Vorschriften sowie die Umsetzung der kantonalen Energie- und Klimapolitik.

Vorsteherin ist Delphine Bachmann.

Departement für Raum und Gebiet

Das Département du territoire (DT) ist für Raumplanung, Wohnungsbau, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Gewässerschutz sowie die kantonale Bau- und Bodenpolitik zuständig.

Das Departement spielt wegen des begrenzten Kantonsgebiets, des hohen Bevölkerungswachstums und der grenzüberschreitenden Agglomeration eine zentrale Rolle in der Genfer Politik.

Seit Ende Oktober 2025 wird es von Nicolas Walder geleitet.

Aufgaben und Kompetenzen

Vollzug der Gesetze

Der Staatsrat verkündet die vom Grossen Rat beschlossenen Gesetze und ist für deren Umsetzung verantwortlich. Zu diesem Zweck erlässt er Verordnungen, Vollzugsbestimmungen und einzelne Regierungsbeschlüsse.

Er kann dem Parlament eigene Gesetzesentwürfe, Änderungen und Anträge unterbreiten. Bei der Vorbereitung wichtiger Erlasse sollen die Gemeinden, Parteien und betroffenen gesellschaftlichen Kreise angehört werden.[1]

Legislaturprogramm

Innerhalb von sechs Monaten nach seinem Amtsantritt legt der Staatsrat dem Grossen Rat ein Legislaturprogramm vor. Das Parlament nimmt dazu in Form einer Resolution Stellung.

Die Regierung berichtet anschliessend jährlich über den Stand der Umsetzung. Sie soll dabei auch langfristige Entwicklungen berücksichtigen, die über die laufende fünfjährige Amtsperiode hinausreichen.

Finanzen

Der Staatsrat erstellt jedes Jahr den Entwurf des kantonalen Budgets und legt ihn dem Grossen Rat zur Beratung und Genehmigung vor. Er führt die Staatsrechnung und veröffentlicht einen Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Verwaltung.

Der mehrjährige Finanzplan verbindet die finanzpolitischen Ziele mit dem Legislaturprogramm. Für die Bewilligung von Steuern, Ausgaben und Krediten gelten die Zuständigkeiten des Grossen Rates sowie die direktdemokratischen Rechte der Bevölkerung.

Auswärtige Beziehungen

Der Staatsrat führt die Aussenpolitik des Kantons. Er vertritt Genf gegenüber dem Bund, anderen Kantonen, Nachbarregionen und ausländischen Behörden.

Eine besondere Bedeutung besitzt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den französischen Departementen Ain und Haute-Savoie. Viele Fragen zu Verkehr, Raumplanung, Arbeitsmarkt, Umwelt und Gesundheitsversorgung werden im Rahmen des grenzüberschreitenden Grossraums Genf behandelt.

Als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen besitzt Genf zudem eine besondere Rolle in der schweizerischen Aussen- und Standortpolitik.

Sicherheit und Notlagen

Der Staatsrat ist für die öffentliche Sicherheit und Ordnung verantwortlich. Er führt die kantonalen Sicherheitsorgane und kann in besonderen Situationen die Unterstützung anderer Kantone, des Bundes oder der Armee anfordern.

Bei Katastrophen oder anderen ausserordentlichen Lagen darf er die zum Schutz der Bevölkerung notwendigen Massnahmen treffen. Der Grosse Rat ist darüber zu informieren und entscheidet, sofern er zusammentreten kann, über das Vorliegen einer Notlage.[1]

Wahlen und Abstimmungen

Die Regierung organisiert und beaufsichtigt die kantonalen Wahl- und Abstimmungsverfahren. Die praktische Durchführung obliegt insbesondere der Staatskanzlei und dem kantonalen Dienst für Abstimmungen und Wahlen.

Der Staatsrat stellt das Zustandekommen von Initiativen und Referenden fest, legt Abstimmungstermine fest und veröffentlicht die amtlichen Ergebnisse.

Arbeitsweise

Der Staatsrat versammelt sich in der Regel am Mittwochvormittag zu seiner wöchentlichen Sitzung. Die Traktanden werden am Vortag von der Staatsschreiberin gemeinsam mit den Generalsekretärinnen und Generalsekretären der sieben Departemente vorbereitet.[8]

Die Regierungssitzungen sind nicht öffentlich. Nach den Sitzungen informiert der Staatsrat mit einem wöchentlichen Communiqué und bei Bedarf an einer Medienkonferenz über wichtige Beschlüsse.

Die einzelnen Departemente bereiten ihre Geschäfte fachlich vor. Vorlagen von grundsätzlicher oder departementsübergreifender Bedeutung werden dem Gesamtstaatsrat zum Entscheid vorgelegt.

Der Staatsrat tagt im Hôtel de Ville in der Genfer Altstadt. Das historische Gebäude ist zugleich Sitz des Grossen Rates und der Staatskanzlei.

Staatskanzlei

Die Staatskanzlei des Kantons Genf (Chancellerie d'État) ist die zentrale Stabsstelle der Regierung. Sie steht unter der Aufsicht der Präsidentin oder des Präsidenten des Staatsrates und dient allen Departementen.

Die Staatsschreiberin oder der Staatsschreiber wird vom Staatsrat ernannt. Sie oder er nimmt mit beratender Stimme an den Regierungssitzungen teil, gehört jedoch nicht zu den sieben gewählten Staatsratsmitgliedern.[1]

Zu den Aufgaben der Staatskanzlei gehören:

  • Organisation und Protokollierung der Regierungssitzungen;
  • juristische Unterstützung des Staatsrates;
  • Koordination departementsübergreifender Geschäfte;
  • Veröffentlichung der amtlichen Erlasse;
  • Durchführung von Wahlen und Abstimmungen;
  • Kommunikation der Regierungsbeschlüsse;
  • Protokoll und offizielle Repräsentation;
  • Pflege der Beziehungen zwischen Regierung und Parlament.

Staatsschreiberin ist seit dem 1. Juni 2018 Michèle Righetti-El Zayadi. Sie wurde zu Beginn der Amtsperiode 2023–2028 erneut ernannt.[7]

Verhältnis zum Grossen Rat

Der Staatsrat und der Grosse Rat sind voneinander unabhängige, aber eng zusammenarbeitende Behörden. Der Grosse Rat erlässt die kantonalen Gesetze, genehmigt das Budget und beaufsichtigt die Regierung und die Verwaltung.

Die Staatsratsmitglieder nehmen an den Sitzungen des Grossen Rates teil und können sich an den Beratungen beteiligen. Sie beantworten parlamentarische Anfragen, Interpellationen, Motionen und schriftliche Fragen.

Der Staatsrat übermittelt dem Parlament insbesondere:

  • Gesetzesentwürfe;
  • Budget und Staatsrechnung;
  • Geschäftsberichte;
  • Antworten auf parlamentarische Vorstösse;
  • Berichte zu Initiativen und Referenden;
  • internationale und interkantonale Vereinbarungen;
  • Legislaturprogramm und Finanzplan.

Der Grosse Rat kann die organisatorische Gliederung der Departemente prüfen und muss Änderungen der Departementszusammensetzung durch eine Resolution genehmigen.

Abberufung eines Mitglieds

Die Kantonsverfassung sieht ein Verfahren zur Abberufung eines Staatsratsmitglieds wegen Vertrauensverlusts vor.

Ein entsprechender Resolutionsentwurf muss von mindestens 40 Mitgliedern des Grossen Rates unterzeichnet werden. Für die Annahme sind drei Viertel der abgegebenen Stimmen und gleichzeitig mindestens die Mehrheit aller Mitglieder des Parlaments erforderlich.

Eine angenommene Resolution wird obligatorisch der kantonalen Volksabstimmung unterstellt. Stimmt die Bevölkerung der Abberufung zu, endet das Mandat mit der amtlichen Feststellung des Abstimmungsergebnisses.[9]

Daneben kann das Gesetz ein Verfahren für den Fall vorsehen, dass ein Mitglied dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben.

Geschichte

Frühere Regierungsformen

Die Wurzeln der Genfer Exekutive reichen bis in das Mittelalter zurück. Die Stadt wurde zunächst unter der weltlichen Herrschaft des Bischofs regiert.

Später entwickelten sich die vier Syndics und der Kleine Rat, französisch Petit Conseil oder Conseil des Vingt-Cinq, zu den wichtigsten ausführenden Behörden der Republik Genf. Der Kleine Rat bestand zeitweise aus 25 Mitgliedern und vereinigte politische, administrative und richterliche Funktionen. Eine moderne Gewaltenteilung bestand noch nicht.[10]

Während der französischen Annexion von 1798 bis 1813 wurden die alten republikanischen Institutionen aufgehoben. Nach der Wiederherstellung der Republik und dem Beitritt Genfs zur Schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahr 1815 entstanden erneut kantonale Regierungsorgane.

Revolution von 1846

Die moderne Genfer Kantonsregierung geht wesentlich auf die radikale Revolution von 1846 zurück. Am 9. Oktober versammelte sich der Conseil général auf der Place du Molard, löste den Grossen Rat auf und nahm den Rücktritt der bisherigen Regierung entgegen.

Anschliessend wurde eine provisorische Regierung unter dem Vorsitz von James Fazy gewählt. Sie leitete eine umfassende politische und institutionelle Neuordnung ein.[11]

Verfassung von 1847

Die unter starkem Einfluss von James Fazy ausgearbeitete Verfassung vom 24. Mai 1847 schuf die Grundlagen des modernen Genfer Staatswesens. Die vollziehende Gewalt wurde einem Kollegium aus sieben Staatsräten übertragen.

Das System der siebenköpfigen, vom Volk gewählten Kollegialregierung blieb in seinen Grundzügen erhalten. Verändert wurden im Laufe der Zeit insbesondere die Dauer der Amtsperiode, das Wahlsystem, die Stellung des Präsidiums und die Gliederung der Departemente.[12]

Neue Verfassung von 2012

Die am 14. Oktober 2012 angenommene Kantonsverfassung bestätigte die Zahl von sieben Staatsratsmitgliedern. Sie verlängerte die Amtsperiode von vier auf fünf Jahre und führte ein zweistufiges Majorzwahlverfahren ein.

Die neue Verfassung trat am 1. Juni 2013 in Kraft. Seither finden die Gesamterneuerungswahlen von Staatsrat und Grossem Rat am gleichen Tag statt.

Das heute geltende System sieht eine jährlich wechselnde Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft vor. Die Regierung bleibt als Kollegium organisiert; ein dauerhaftes Präsidialdepartement mit politischer Richtlinienkompetenz besteht nicht.

Amtsperiode 2023–2028

Die Gesamterneuerungswahl des Staatsrates wurde am 2. und 30. April 2023 durchgeführt. Das neu gewählte Kollegium trat sein Amt am 1. Juni 2023 an.

Antonio Hodgers gehörte der Regierung zunächst als Vorsteher des Departements für Raum und Gebiet an. Nach seiner vorzeitigen Demission wurde Nicolas Walder im Oktober 2025 als Nachfolger gewählt.

Nach Walders Amtsantritt wurde die Verteilung der Departemente angepasst. Die übrigen sechs Regierungsmitglieder behielten ihre bisherigen Zuständigkeitsbereiche.

Bedeutung

Der Genfer Staatsrat führt einen der grössten und finanzstärksten Kantone der Schweiz. Die Regierung ist für eine Verwaltung verantwortlich, deren Aufgaben durch die internationale Stellung Genfs, die hohe Bevölkerungsdichte und die enge Verflechtung mit Frankreich besonders komplex sind.

Zu den dauerhaft wichtigen Politikfeldern zählen:

  • Wohnungsbau und Raumplanung;
  • grenzüberschreitender Verkehr;
  • Gesundheitsversorgung;
  • internationale und humanitäre Organisationen;
  • öffentliche Sicherheit;
  • Integration einer international zusammengesetzten Bevölkerung;
  • wirtschaftliche Standortpolitik;
  • Energie- und Klimapolitik;
  • Beziehungen zu Bund, Kantonen und Frankreich.

Die politische Zusammensetzung des Kollegiums zwingt Parteien unterschiedlicher Ausrichtung zur Zusammenarbeit. Dieses Prinzip der Konkordanz und Kollegialität ist ein charakteristisches Merkmal der kantonalen Regierungssysteme in der Schweiz.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Constitution de la République et canton de Genève, République et canton de Genève, Artikel 101–115B, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Conseil d'État, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Constitution de la République et canton de Genève, Artikel 52, 55 und 102, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Le Conseil d’État est autorisé à valider le second tour de l'élection complémentaire du 19 octobre 2025, République et canton de Genève, 29. Oktober 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Premières décisions du Conseil d'État élu, République et canton de Genève, 2. Mai 2023, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Communiqué hebdomadaire du Conseil d'État du 27 mai 2026, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Conseil d'État – Législature 2023–2028, République et canton de Genève, Stand 1. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Chancellerie d'État – Nos missions, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Constitution de la République et canton de Genève, Artikel 65 und 115A–115B, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Les formes anciennes du pouvoir exécutif, Staatskanzlei des Kantons Genf, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Membres du gouvernement genevois depuis 1846, République et canton de Genève, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Le pouvoir exécutif de la Constitution de 1847 à nos jours, Staatskanzlei des Kantons Genf, abgerufen am 3. August 2026.