Geschichte des Kantons Zug

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Geschichte des Kantons Zug
Älteste Besiedlung Altsteinzeit
Erste Nennung Zugs 1092 als «Ziuge»
Gründung der Stadt Zug frühes 13. Jahrhundert
Habsburgisches Amt Zug seit dem späten 13. Jahrhundert
Zugerbund 27. Juni 1352
Reichsfreiheit 1415
Reformation und Kappelerkriege 1520er- und 1530er-Jahre
Ende der Untertanenverhältnisse 1798
Kanton Waldstätten 1798–1803
Wiederherstellung des Kantons 1803
Sonderbundskrieg 1847
Moderne Kantonsverfassung 1848
Abschaffung der Landsgemeinde 1848
Einführung des Proporzes 1894
Frauenstimmrecht 1971

Die Geschichte des Kantons Zug umfasst die Entwicklung des Gebietes zwischen Zugersee, Ägerisee, Lorze, Zugerberg und den Hügelzügen an der Grenze zum Schweizer Mittelland von der Altsteinzeit bis zum modernen Wirtschafts- und Dienstleistungsstandort. Trotz seiner geringen Fläche weist der Kanton Zug eine vielschichtige politische Geschichte auf.

Der heutige Kanton entstand nicht aus einem von Anfang an einheitlichen Territorium. Bis 1798 bestand der Stand Zug aus der Stadt Zug, dem sogenannten Äusseren Amt und mehreren von der Stadt beherrschten Vogteien. Zum Äusseren Amt gehörten vor allem Baar, Ägeri und die Gemeinde am Berg, aus der später Menzingen und Neuheim hervorgingen. Die Bewohner dieser freien Gemeinden besassen politische Mitwirkungsrechte, während die Einwohner der städtischen Vogteien Cham, Hünenberg, Risch, Steinhausen, Walchwil und Oberrüti Untertanen der Stadt Zug waren.

Das politische Zusammenleben von Stadt und Land war von einem dauernden Gleichgewicht zwischen gemeinsamen Institutionen und selbständigen örtlichen Körperschaften geprägt. Die Landsgemeinde, das gemeinsame Banner, das Siegel und die eidgenössische Aussenpolitik verbanden die verschiedenen Teile des Standes. Gleichzeitig verfügten die Stadt und die Gemeinden über eigene Behörden, Vermögen und Rechte.

Die Französische Revolution und die Helvetische Republik beseitigten 1798 die Untertanenverhältnisse. Seit der Mediationszeit von 1803 besteht Zug als Kanton aus politisch gleichberechtigten Gemeinden. Im 19. Jahrhundert entwickelte er sich von einem landwirtschaftlich geprägten Kleinkanton zu einem Industriestandort. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Zug zu einem international bedeutenden Zentrum für Unternehmenssitze, Handel, Finanzdienstleistungen, Rohstoffe, Technologie und Life Sciences.[1]

Urgeschichte

Nach dem Rückzug der Gletscher wurde das Gebiet des heutigen Kantons Zug allmählich für Menschen zugänglich. Die ältesten bekannten menschlichen Spuren stammen aus der späten Altsteinzeit. Jäger und Sammler nutzten die Uferzonen, Wälder und erhöhten Geländepunkte als Lager- und Jagdplätze.

Seit der Jungsteinzeit entstanden dauerhafte bäuerliche Siedlungen. Besonders dicht war die Besiedlung an den Ufern des Zugersees. Die Bewohner betrieben Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und Jagd. Sie errichteten Häuser in feuchten Uferbereichen, deren hölzerne Bauteile durch den sauerstoffarmen Boden teilweise bis in die Gegenwart erhalten blieben.

Im Kanton Zug sind an 33 Standorten Reste von rund 50 prähistorischen Seeufersiedlungen bekannt. Sie stammen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Zu den bedeutendsten Fundstellen gehören Zug-Sumpf, Zug-Riedmatt und Zug-Oterswil beziehungsweise Insel Eielen.[2]

Die drei Fundstellen gehören seit 2011 zum seriellen UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Die Funde umfassen Werkzeuge aus Stein, Knochen und Geweih, Keramik, Schmuck, Textilien, Nahrungsmittelreste und Holzkonstruktionen. Sie ermöglichen detaillierte Einblicke in Ernährung, Handwerk, Landwirtschaft und Handel der prähistorischen Bevölkerung.

Ein aussergewöhnliches Fundstück ist eine verzierte Doppelaxt aus Hirschgeweih, die bei Cham-Eslen im Zugersee entdeckt wurde. Das Objekt stammt aus der Jungsteinzeit und wird als Kult- oder Statusgegenstand interpretiert.

Während der Bronzezeit bestanden weiterhin zahlreiche Siedlungen an den Seeufern. Metallgegenstände, Gussformen und Handelsgüter zeigen, dass die Region in grössere Austauschsysteme eingebunden war. Über Flüsse, Seen und Landwege bestanden Verbindungen zum Schweizer Mittelland, zum Alpenraum und nach Süddeutschland.

Eisenzeit und keltische Besiedlung

In der Eisenzeit entstanden Siedlungen auch auf erhöhten und leichter zu verteidigenden Plätzen. Eine besondere Bedeutung besass die Baarburg, ein markanter Geländesporn oberhalb von Baar.

Archäologische Untersuchungen weisen auf mehrere Besiedlungsphasen hin. Die Baarburg wurde zeitweise als befestigter Siedlungs-, Handels- oder Herrschaftsplatz genutzt. Funde von Keramik, Münzen und Metallgegenständen belegen Kontakte zu anderen keltischen Regionen.

Auch im übrigen Kantonsgebiet wurden eisenzeitliche Gräber, Siedlungsspuren und Einzelfunde entdeckt. Das Gebiet lag zwischen den Siedlungsräumen der Helvetier im Mittelland und den Verkehrswegen in Richtung Innerschweiz und Alpen.

Die heutige Bezeichnung Zug ist nicht sicher auf einen keltischen Ortsnamen zurückzuführen. Die ältere, besonders im 19. Jahrhundert verbreitete lateinische Bezeichnung «Tugium» ist keine nachgewiesene römische Ortsbezeichnung, sondern eine spätere gelehrte Form.

Römische Zeit

Nach der Eingliederung des Gebietes der Helvetier in das Römische Reich gehörte das Zugerland zum Hinterland grösserer römischer Zentren. Eine eigentliche römische Stadt ist im heutigen Kantonsgebiet nicht nachgewiesen.

Die Region war jedoch keineswegs unbesiedelt. Bei Baar, Cham, Hünenberg und an weiteren Orten wurden Reste römischer Gutshöfe gefunden. Diese sogenannten Villae rusticae produzierten landwirtschaftliche Güter und waren zugleich Wohnsitze wohlhabender Grundbesitzer.

Ein bedeutender Gutshof befand sich im heutigen Zentrum von Baar. Weitere Funde stammen unter anderem aus Lindencham, Hagendorn, Hünenberg und von der Baarburg. Münzen, Keramik, Werkzeuge und Gebäudereste weisen auf eine intensive Nutzung des Gebietes hin.

Strassen und lokale Wege verbanden die Gutshöfe mit den römischen Siedlungen im Mittelland. Wahrscheinlich bestanden Verbindungen in Richtung Turicum, dem heutigen Zürich, nach Vindonissa und in den Raum des Vierwaldstättersees.

Seit dem 3. Jahrhundert wurde die römische Herrschaft durch politische Krisen, wirtschaftliche Veränderungen und germanische Angriffe geschwächt. Viele Gutshöfe wurden aufgegeben. Einzelne Siedlungsplätze könnten jedoch bis in die Spätantike weiterbestanden haben.

Frühmittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannischsprachige Bevölkerungsgruppen im Gebiet nieder. Gräberfelder, Ortsnamen und Siedlungsspuren dokumentieren diesen Wandel.

Die Bevölkerung lebte überwiegend in kleinen bäuerlichen Siedlungen. Landwirtschaft, Viehzucht, Waldnutzung und Fischerei bildeten die wirtschaftliche Grundlage. Das Christentum breitete sich schrittweise aus, und ältere Kirchenorte entwickelten sich zu regionalen Zentren.

Im Jahr 858 wurde der Hof Cham als «Chama» urkundlich erwähnt. König Ludwig der Deutsche übertrug ihn dem neu gegründeten Fraumünsterkloster in Zürich. Der Hof umfasste wahrscheinlich nicht nur das heutige Cham, sondern ein grösseres Gebiet am nördlichen Zugersee.

Auch andere Klöster und kirchliche Institutionen verfügten über Güter und Rechte im Zugerland. Dazu gehörten unter anderem die Klöster Einsiedeln, Kappel, Muri, St. Blasien und Schänis sowie das Stift St. Leodegar in Luzern.

Neben kirchlichen Grundherren waren regionale Adelsfamilien tätig. Die Grafen von Lenzburg, die Grafen von Kyburg und später die Habsburger spielten eine zentrale Rolle. Kleinere Adelsgeschlechter errichteten Burgen und befestigte Wohnsitze.

Zu den mittelalterlichen Herrschaftssitzen gehörten die Burg Zug, die Burg Hünenberg, die Wildenburg bei Baar, St. Andreas bei Cham und die Burg Buonas. Die Herren von Hünenberg waren während des 13. und 14. Jahrhunderts eines der einflussreichsten Adelsgeschlechter der Region.

Erste Erwähnung und Gründung der Stadt Zug

Der Name Zug wurde 1092 erstmals urkundlich als «Ziuge» erwähnt. Die Bezeichnung bezog sich vermutlich zunächst auf eine ältere Siedlung im Umfeld der heutigen Kirche St. Michael und der Burg Zug.

Der Name wird häufig vom althochdeutschen beziehungsweise mittelhochdeutschen Begriff für das Ziehen von Fischernetzen abgeleitet. Ein «Zug» konnte eine Stelle bezeichnen, an der Netze durch das Wasser gezogen wurden. Eine vollständig gesicherte Deutung besteht jedoch nicht.

Die befestigte Stadt Zug entstand wahrscheinlich im frühen 13. Jahrhundert unter den Grafen von Kyburg. Die erste Stadtmauer wurde um 1220 oder 1230 errichtet. 1242 wurde Zug erstmals ausdrücklich als «oppidum», also als befestigter städtischer Ort, bezeichnet.[3]

Die mittelalterliche Stadt lag zwischen dem Zugersee und dem ansteigenden Gelände. Sie bestand aus einer Hauptgasse, schmalen Grundstücken, Marktflächen, Befestigungen und Zugängen zum See. Der Warenumschlag, die Fischerei, das Handwerk und die regionale Verwaltung waren für ihre Entwicklung wichtiger als ein grossräumiger Gotthardhandel.

Die Burg Zug lag unmittelbar ausserhalb oder am Rand des ursprünglichen Stadtgebietes. Ihre ältesten Bauteile reichen bis ins Hochmittelalter zurück. Sie diente zunächst als herrschaftlicher Sitz und später als repräsentatives Wohnhaus bedeutender Zuger Familien.[4]

Habsburgisches Amt Zug

Nach dem Aussterben der Lenzburger waren die kyburgischen Herrschaftsrechte im 12. Jahrhundert an die Grafen von Kyburg gelangt. Nach dem Aussterben der älteren Kyburgerlinie erwarb Rudolf von Habsburg 1273 die Stadt Zug und weitere Rechte.

Die Habsburger verbanden die Stadt und die umliegenden ländlichen Gebiete zum Amt Zug. Dieses Amt umfasste einen grossen Teil des späteren Kantons, wenn auch nicht alle Rechte in einer Hand vereinigt waren.

Die Stadt Zug war Verwaltungs-, Gerichts- und Marktzentrum. Ein habsburgischer Amtmann beziehungsweise Vogt übte die Herrschaft im Namen der Landesherren aus. Die lokalen Gemeinden behielten jedoch eigene genossenschaftliche Strukturen.

Ausserhalb der Stadt bildeten Baar, Ägeri und die Gemeinde am Berg das Äussere Amt. Die Gemeinde am Berg umfasste im Wesentlichen die späteren Gemeinden Menzingen und Neuheim. Das Äussere Amt war kein Untertanengebiet der Stadt, sondern Teil des gemeinsamen habsburgischen Amtes Zug.[5]

Die Habsburger liessen die Stadtbefestigung erweitern. Der heutige Zytturm entwickelte sich aus einem Stadttor und wurde zum wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Zug besass eine strategische Lage zwischen Zürich, Luzern, Schwyz und den habsburgischen Gebieten im Aargau.

Vor der Schlacht am Morgarten von 1315 diente Zug wahrscheinlich als Sammel- und Aufmarschgebiet habsburgischer Truppen. Die Stadt stand zu dieser Zeit eindeutig auf habsburgischer Seite.

Belagerung und Zugerbund von 1352

Hauptartikel: Zugerbund

Im Konflikt zwischen Zürich und den Habsburgern geriet Zug in den Einflussbereich der jungen Eidgenossenschaft. Zürich, Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden wollten verhindern, dass Zug weiterhin als habsburgischer Stützpunkt zwischen ihren Gebieten genutzt wurde.

Am 8. Juni 1352 begann ein eidgenössisches Heer mit der Belagerung der Stadt. Die Angreifer setzten wahrscheinlich auch schweres Belagerungsgerät ein. Da die erwartete habsburgische Hilfe ausblieb, kapitulierte Zug.

Am 27. Juni 1352 schlossen die Stadt Zug und Teile des Äusseren Amtes ein Bündnis mit Zürich, Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden. Dieses als Zugerbund bezeichnete Abkommen wird traditionell als Eintritt Zugs in die Eidgenossenschaft betrachtet.

Die moderne Geschichtsforschung beurteilt den Vorgang differenzierter. Das Bündnis wurde nach einer militärischen Eroberung erzwungen und war kein Beitritt zu einem bereits bestehenden Bundesstaat. Eine solche Schweiz existierte im 14. Jahrhundert noch nicht.

Zudem beseitigte das Bündnis die habsburgische Herrschaft nicht unmittelbar. Zug musste weiterhin habsburgische Rechte, Gerichte und Abgaben anerkennen. Im Frieden zwischen den Eidgenossen und Österreich wurde der Zugerbund faktisch vorübergehend bedeutungslos.[6]

Dennoch blieben die Beziehungen zu den eidgenössischen Orten bestehen. Da die Habsburger ihre Herrschaft im Amt Zug immer weniger wirksam durchsetzen konnten, verstärkten Zürich, Luzern und besonders Schwyz ihren Einfluss.

Das Jahr 1352 erhielt erst in späteren Jahrhunderten seine herausragende symbolische Bedeutung. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert wurde es als «Beitritt Zugs zur Eidgenossenschaft» gefeiert.

Entstehung des eidgenössischen Standes Zug

Während des späten 14. und frühen 15. Jahrhunderts entwickelte sich Zug schrittweise zu einem eigenständigen eidgenössischen Ort. Stadt und Äusseres Amt lösten sich zunehmend von der habsburgischen Herrschaft.

Um 1400 erhielt Zug von König Wenzel die hohe Gerichtsbarkeit über das Gebiet des früheren habsburgischen Amtes. Damit gewann die gemeinsame Landeshoheit von Stadt und Amt eine festere rechtliche Grundlage.

Die politische Ordnung blieb ungewöhnlich. Zug war weder ein reiner Stadtort wie Zürich oder Bern noch ein klassischer Länderort wie Uri oder Schwyz. Die kleine Stadt und die drei freien Landgemeinden bildeten gemeinsam einen Stand mit einer Landsgemeinde.

Die Stadt stellte einen Teil der Amtsträger und besass erheblichen wirtschaftlichen Einfluss. Das Äussere Amt verfügte jedoch über eigene politische Rechte und konnte nicht wie ein städtisches Untertanengebiet verwaltet werden.

Der Gegensatz führte 1404 zum sogenannten Banner- und Siegelhandel. Die Gemeinden des Äusseren Amtes verlangten eine stärkere Beteiligung an den gemeinsamen Herrschaftszeichen und staatlichen Entscheidungen. Eidgenössische Vermittler halfen, den Konflikt zu beenden.

Die gemeinsamen Symbole, insbesondere Banner und Siegel, waren nicht nur zeremonielle Gegenstände. Wer über sie verfügte, konnte Truppen aufbieten, Urkunden ausstellen und den Stand nach aussen vertreten.

Reichsfreiheit und Eroberung des Aargaus

1415 unterstützte Zug die eidgenössische Eroberung habsburgischer Gebiete im Aargau. Anlass war die Reichsacht gegen Herzog Friedrich IV. von Österreich, die König Sigismund während des Konzils von Konstanz ausgesprochen hatte.

Im selben Zusammenhang bestätigte König Sigismund die Reichsfreiheit Zugs. Damit wurde die direkte Unterstellung unter das Reich betont und die Loslösung von den Habsburgern rechtlich abgesichert.[7]

Zug beteiligte sich fortan an den gemeinsamen Herrschaften der Eidgenossen. Zuger Landvögte verwalteten zeitweise Gebiete wie die Freien Ämter, den Thurgau, das Rheintal und die italienischen Vogteien.

Die Beteiligung an den Gemeinen Herrschaften brachte politische Ämter, Einkünfte und Einfluss. Sie verstärkte zugleich die Einbindung Zugs in das eidgenössische Bündnissystem.

Städtische Vogteien

Parallel zur gemeinsamen Entwicklung von Stadt und Äusserem Amt baute die Stadt Zug ein eigenes Untertanengebiet auf. Sie kaufte oder erwarb Gerichts- und Herrschaftsrechte über mehrere umliegende Gemeinden.

1379 kaufte die Stadt die gerichtsherrlichen Rechte über Walchwil. Im 15. Jahrhundert folgten in mehreren Schritten Cham, Hünenberg, Gangolfswil beziehungsweise das spätere Risch, Steinhausen und Oberrüti.

Diese Gebiete wurden als städtische Vogteien verwaltet. Die Bewohner besassen örtliche Gemeinderechte, waren auf der Ebene des Standes jedoch nicht mit den Stadtbürgern und den freien Gemeinden des Äusseren Amtes gleichgestellt.

Die Stadt setzte Vögte ein, erhob Abgaben und übte Gerichtsrechte aus. Gleichzeitig verwalteten die Dorfgemeinden Allmenden, Wälder und lokales Vermögen häufig in genossenschaftlicher Form.

Die Herrschaft über die Vogteien verschaffte der kleinen Stadt eine wirtschaftliche Grundlage und ein grösseres politisches Gewicht. Sie erzeugte aber auch soziale und rechtliche Ungleichheiten, die erst 1798 beseitigt wurden.

Oberrüti gehörte bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft zur Stadt Zug. Nach der Helvetik wurde die Gemeinde jedoch nicht dem wiederhergestellten Kanton Zug, sondern dem Kanton Aargau zugeteilt.

Katastrophe von 1435

Am 4. März 1435 ereignete sich in der Stadt Zug eine schwere Uferkatastrophe. Ein Teil der unteren Altstadt rutschte in den Zugersee.

Mehrere Häuser, Gassen und Befestigungsanlagen wurden zerstört. Rund 60 Menschen kamen ums Leben. Das Ereignis veränderte die Uferlinie und die bauliche Struktur der Stadt erheblich.[8]

Die Ursache lag in den instabilen geologischen Verhältnissen am Seeufer. Lockere Ablagerungen konnten unter dem Gewicht der Bebauung und durch Veränderungen des Wasserhaushalts ins Rutschen geraten.

Beim Wiederaufbau wurde die Stadt teilweise neu geordnet. Die Erinnerung an die Katastrophe blieb in Chroniken und lokalen Überlieferungen lebendig.

Stadterweiterung und spätmittelalterliche Wirtschaft

Die Stadt Zug war klein, entwickelte sich aber zu einem regionalen Markt- und Umschlagplatz. Wichtige Wirtschaftszweige waren Handwerk, Fischerei, Weinbau, Landwirtschaft und der Handel mit Salz, Eisen, Getreide und weiteren Gütern.

Der Zugersee war ein bedeutender Verkehrsweg. Waren wurden mit Schiffen zwischen Zug, Cham, Buonas, Immensee und weiteren Orten transportiert. Von dort bestanden Landverbindungen nach Zürich, Luzern und in die Innerschweiz.

Ab 1478 wurde die Stadt planmässig erweitert. Eine neue äussere Stadtmauer umschloss zusätzliche Wohn-, Gewerbe- und Gartenflächen. Türme und Tore wie der Huwilerturm, der Pulverturm und der Kapuzinerturm gehörten zum neuen Befestigungssystem.

Die Stadterweiterung fällt in eine wirtschaftlich und politisch erfolgreiche Phase. Zug beteiligte sich an den Burgunderkriegen, am Schwabenkrieg und an den italienischen Feldzügen der Eidgenossen.

Der Solddienst wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle. Zuger Männer dienten in französischen, päpstlichen, spanischen und anderen ausländischen Armeen. Einzelne Familien gelangten durch die Vermittlung von Soldverträgen und durch Pensionen zu erheblichem Reichtum.

Reformation

Die reformatorischen Ideen Huldrych Zwinglis verbreiteten sich seit den 1520er-Jahren auch im Zugerland. In Zug, Baar und weiteren Gemeinden bestanden Gruppen, die reformierte Predigten besuchten und kirchliche Veränderungen forderten.

Besonders das nahe gelegene Kloster Kappel und die Stadt Zürich wirkten als Zentren der neuen Lehre. Der Zuger Rat versuchte, den Besuch reformierter Gottesdienste und die Verbreitung entsprechender Schriften einzuschränken.

1526 entschieden sich Stadt und Amt Zug für die Beibehaltung des katholischen Glaubens. Reformorientierte Geistliche und Bürger mussten sich anpassen oder das Gebiet verlassen.

Zug schloss sich damit den katholischen Orten Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden an. Gemeinsam bildeten sie einen politischen und militärischen Gegenpol zu den reformierten Städten Zürich und Bern.

Die konfessionelle Entscheidung prägte die Geschichte des Kantons über mehrere Jahrhunderte. Kirche, Bildung, Politik und gesellschaftliches Leben blieben eng miteinander verbunden.[9]

Kappelerkriege

Die konfessionellen und politischen Spannungen führten 1529 zum Ersten Kappelerkrieg. Truppen der reformierten und katholischen Orte standen sich bei Kappel am Albis gegenüber.

Eine offene Schlacht konnte durch Verhandlungen verhindert werden. Mit dem Ereignis ist die später ausgeschmückte Erzählung von der Kappeler Milchsuppe verbunden, die das gemeinsame Essen einfacher Soldaten über die konfessionellen Grenzen hinweg symbolisiert.

Der Frieden von 1529 löste die grundlegenden Gegensätze nicht. 1531 begann der Zweite Kappelerkrieg. In der Schlacht bei Kappel besiegten die katholischen Orte das Zürcher Heer. Huldrych Zwingli fiel in der Schlacht.

Zürcher Truppen versuchten anschliessend, über das Zugerland vorzudringen. In der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 1531 kam es zur Schlacht am Gubel. Katholische Truppen und lokale Kämpfer griffen das reformierte Lager überraschend an und errangen einen Sieg.

Der Zweite Kappeler Landfrieden bestätigte die katholische Ausrichtung Zugs. Der Gubel entwickelte sich zu einem Erinnerungsort der katholischen Innerschweiz.

Katholische Konfessionalisierung

Nach der Reformation wurden Kirche und Staat im Zugerland enger miteinander verbunden. Die Obrigkeit beaufsichtigte Gottesdienst, Sitten, Ehe, Schule und Armenfürsorge.

Klöster und religiöse Gemeinschaften gewannen an Bedeutung. Das Zisterzienserinnenkloster Frauenthal, das Kapuzinerkloster in Zug und zahlreiche Bruderschaften prägten das religiöse Leben.

Kirchen und Kapellen wurden im Barock erneuert oder neu errichtet. Wallfahrtsorte und Heiligenverehrung spielten eine wichtige Rolle. Die Kirche St. Oswald in Zug wurde zu einem zentralen religiösen und repräsentativen Bauwerk.

Die katholische Reform förderte auch das Bildungswesen. Geistliche, Klöster und später religiöse Frauengemeinschaften betrieben Schulen und soziale Einrichtungen.

Im 19. Jahrhundert entstanden in Menzingen, Cham und Zug mehrere katholische Schwesterngemeinschaften. Besonders die 1844 gegründeten Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen wirkten weit über den Kanton hinaus im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Politische Ordnung der Frühen Neuzeit

Die höchste gemeinsame Gewalt des Standes war die Landsgemeinde. An ihr nahmen die stimmberechtigten Männer der Stadt und der freien Gemeinden des Äusseren Amtes teil.

Die Landsgemeinde wählte wichtige Amtsträger, entschied über Bündnisse, Kriege und gemeinsame Angelegenheiten und bestätigte teilweise Gesetze. Die tatsächliche politische Macht war jedoch ungleich verteilt.

Einflussreiche Familien besetzten über Generationen hinweg Ämter im Rat, in den Vogteien, im Solddienst und in der eidgenössischen Diplomatie. Zu den bedeutenden Zuger Geschlechtern gehörten die Familien Zurlauben, Kolin, Landtwing, Brandenberg, Keiser und Beat.

Die Stadt besass eigene Räte und verwaltete ihre Vogteien. Auch Baar, Ägeri und die Gemeinde am Berg verfügten über eigene Gemeindeversammlungen und Behörden.

Diese mehrstufige Ordnung führte immer wieder zu Streit über Ämter, Steuern, Siegel, Banner, ausländische Pensionen und die Verteilung gemeinsamer Einkünfte.

Die Bewohner der Vogteien blieben von der Landsgemeinde ausgeschlossen. Ihre politische Benachteiligung bildete einen deutlichen Gegensatz zur späteren Vorstellung, Zug sei bereits vor 1798 ein vollständig demokratisches Gemeinwesen gewesen.

Solddienst und Familie Zurlauben

Der fremde Kriegsdienst prägte die Zuger Gesellschaft vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Viele Männer dienten zeitweise in ausländischen Armeen.

Führende Familien organisierten ganze Kompanien und Regimenter. Sie schlossen Verträge mit ausländischen Mächten, warben Soldaten an und erhielten dafür Geld, Titel und politischen Einfluss.

Besonders bedeutend war die Familie Zurlauben. Ihre Angehörigen standen vor allem in französischen Diensten und bekleideten gleichzeitig zahlreiche Zuger Ämter.

Der Solddienst bot wirtschaftliche Chancen, war aber mit grossen Risiken verbunden. Viele Soldaten kehrten verwundet oder gar nicht zurück. Gemeinden und Familien mussten für Hinterbliebene und Invaliden sorgen.

Ausländische Pensionen beeinflussten die Innenpolitik. Der Streit darüber, wer von diesen Zahlungen profitierte, trug zu schweren politischen Konflikten bei.

Harten- und Lindenhandel

Zwischen 1728 und 1736 sowie erneut in den 1760er-Jahren wurde Zug von den sogenannten Harten- und Lindenhändeln erschüttert.

Die Bezeichnungen «Harte» und «Linde» standen für politische Gruppierungen, deren Zusammensetzung sich im Verlauf der Konflikte verändern konnte. Im Zentrum standen ausländische Pensionen, Solddienstverträge, Salzhandel, Ämterverteilung und der Einfluss führender Familien.

Der erste Konflikt richtete sich besonders gegen die französisch orientierte Familie Zurlauben. Vertreter des Äusseren Amtes und städtische Gegner warfen ihr Machtmissbrauch und die private Aneignung öffentlicher Einkünfte vor.

Prozesse, Verbannungen, Vermögensstrafen und eidgenössische Vermittlungsversuche begleiteten die Auseinandersetzungen. Die Konflikte zeigten die Schwäche der staatlichen Institutionen und die starke Bedeutung persönlicher und familiärer Netzwerke.

Der zweite Harten- und Lindenhandel von 1764 bis 1768 führte erneut zu Amtsenthebungen und politischen Machtwechseln. Eine grundlegende Demokratisierung wurde jedoch nicht erreicht.

Wirtschaft und Gesellschaft vor 1798

Die Mehrheit der Bevölkerung lebte von Landwirtschaft und Viehzucht. In den tieferen Lagen wurden Getreide, Obst und Reben angebaut. In den Berggemeinden dominierten Viehhaltung, Milchwirtschaft und Waldnutzung.

Der Kirschenanbau entwickelte sich zu einem charakteristischen Wirtschaftszweig. Kirschen wurden frisch verkauft, getrocknet oder zu Kirsch verarbeitet. Die spätere Bedeutung der Zuger Kirschtorte knüpft an diese regionale Tradition an.

Handwerk und Gewerbe konzentrierten sich in der Stadt Zug sowie in grösseren Dörfern wie Baar und Cham. Heimarbeit spielte eine geringere Rolle als in stark textilindustriell geprägten Kantonen.

Armut, Missernten und Teuerung führten immer wieder zu Notlagen. Die Versorgung hing teilweise von Getreideeinfuhren ab. Gemeinden, Kirche und private Stiftungen organisierten Armenfürsorge.

Die Bevölkerung war rechtlich in Stadtbürger, Landleute, Untertanen, Beisassen und weitere Gruppen gegliedert. Der Zugang zu Gemeindegut, Ämtern und politischer Beteiligung hing von der jeweiligen Rechtsstellung ab.

Französische Revolution und Ende der alten Ordnung

Die Französische Revolution verbreitete die Forderungen nach Rechtsgleichheit und politischer Beteiligung auch in der Schweiz. In den Zuger Vogteien wuchs der Widerstand gegen die Herrschaft der Stadt.

Als französische Truppen Anfang 1798 in die Alte Eidgenossenschaft einmarschierten, versuchte die Zuger Obrigkeit, einen gewaltsamen Umsturz zu verhindern.

Am 17. Februar 1798 verzichtete die Stadt Zug auf ihre Herrschaft über die Vogteien. Cham, Hünenberg, Risch, Steinhausen und Walchwil wurden politisch selbständig. Damit endeten die jahrhundertealten Untertanenverhältnisse.

Die Gleichstellung wurde nicht freiwillig allein aus reformerischer Überzeugung beschlossen. Sie erfolgte unter dem unmittelbaren Druck der revolutionären Entwicklung und der drohenden französischen Intervention.

Die Landsgemeinde lehnte die helvetische Einheitsverfassung zunächst ab. Nach militärischem Druck musste Zug die neue Ordnung jedoch annehmen.

Kanton Waldstätten

Hauptartikel: Kanton Waldstätten

In der 1798 gegründeten Helvetischen Republik verloren die bisherigen Kantone ihre Souveränität. Zug wurde zusammen mit Uri, Obwalden, Nidwalden und Teilen von Schwyz dem neu gebildeten Kanton Waldstätten zugeteilt.

Die bisherigen Zuger Gemeinden wurden zu gleichberechtigten Verwaltungseinheiten. Stadt und Land besassen erstmals grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte.

Nach der Niederschlagung des Nidwaldner Widerstands wurde der Hauptort des Kantons Waldstätten 1799 von Schwyz nach Zug verlegt. Zug blieb bis 1801 beziehungsweise zeitweise bis 1802 Sitz wichtiger kantonaler Behörden.

Die Bevölkerung litt unter Einquartierungen, Abgaben, militärischen Requisitionen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Französische, helvetische und gegnerische Truppen bewegten sich durch die Region.

Die zentralistische Ordnung stiess auf breite Ablehnung. Konservative Kreise wollten die alte kantonale Selbständigkeit wiederherstellen, während frühere Untertanengemeinden ihre neu erworbene Gleichberechtigung verteidigten.[10]

Mediationszeit

1803 beendete Napoleon Bonaparte mit der Mediationsakte die Helvetische Republik. Der Kanton Zug wurde als selbständiger Kanton der Eidgenossenschaft wiederhergestellt.

Die Stadt Zug, die drei ehemaligen freien Gemeinden und die früheren Vogteien wurden staatsrechtlich gleichgestellt. Die vorrevolutionären Untertanenverhältnisse kehrten nicht zurück.

Die Gemeinden erhielten eigene Behörden und weitreichende Zuständigkeiten. Die kantonale Ordnung beruhte weiterhin auf einer Landsgemeinde und einem gemeinsamen Landrat.

Oberrüti wurde nicht mehr Zug zugeteilt, sondern kam zum neu geschaffenen Kanton Aargau. Das übrige Kantonsgebiet erhielt im Wesentlichen seine heutigen Grenzen.

Die Mediationszeit brachte eine gewisse politische Stabilität. Zug blieb jedoch wirtschaftlich schwach und war durch die Folgen der Kriege belastet.

Restauration und politische Konflikte

Nach dem Sturz Napoleons gab sich Zug 1814 eine konservative Verfassung. Die alte politische Elite gewann erneut an Einfluss, ohne die Gleichberechtigung der Gemeinden vollständig rückgängig machen zu können.

Die Landsgemeinde wählte wichtige Amtsträger, besass aber nur begrenzte gesetzgeberische Kompetenzen. Viele Entscheidungen wurden vom Kantonsrat und von führenden Politikern vorbereitet.

In den 1830er- und 1840er-Jahren verschärfte sich der Gegensatz zwischen Liberalen und katholischen Konservativen. Liberale verlangten eine stärkere Gewaltenteilung, Rechtsgleichheit, Pressefreiheit und moderne staatliche Institutionen.

Die Konservativen verteidigten die Stellung der katholischen Kirche, die kantonale Souveränität und die traditionellen politischen Strukturen. Sie verfügten besonders in den ländlichen Gemeinden über starken Rückhalt.

Die konfessionelle Frage wurde durch die Aufhebung von Klöstern in liberalen Kantonen und durch die Berufung der Jesuiten nach Luzern verschärft.

Sonderbund

Hauptartikel: Sonderbund, Sonderbundskrieg

1845 schloss sich Zug mit Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Freiburg und dem Wallis zum katholisch-konservativen Sonderbund zusammen.

Das Bündnis sollte die kantonale Souveränität und die katholische Ordnung gegen liberale Veränderungen schützen. Die Mehrheit der eidgenössischen Tagsatzung erklärte den Sonderbund jedoch für unvereinbar mit dem Bundesvertrag.

Im November 1847 begann der Sonderbundskrieg. Wegen seiner Lage zwischen Zürich, Aargau, Luzern und Schwyz besass Zug strategische Bedeutung.

Nach der Niederlage Freiburgs und den erfolgreichen Operationen der eidgenössischen Armee wurde die Lage für Zug aussichtslos. Der Kanton kapitulierte am 21. beziehungsweise 22. November 1847 und wurde von eidgenössischen Truppen besetzt.

Der Krieg verlief im Zuger Gebiet vergleichsweise kurz und verursachte keine grossen Zerstörungen. Politisch bedeutete die Niederlage jedoch einen tiefen Einschnitt.

Am 5. Dezember 1847 setzte eine ausserordentliche Landsgemeinde die bisherigen Behörden ab und wählte eine provisorische Regierung. Ein mehrheitlich liberaler Verfassungsrat bereitete eine neue Kantonsverfassung vor.[11]

Kantonsverfassung von 1848

Die neue Kantonsverfassung trat Anfang 1848 in Kraft. Sie schuf die Grundlagen des modernen Zuger Staates.

Die kantonale Landsgemeinde wurde abgeschafft. An ihre Stelle traten ein repräsentatives Parlament, die Urnenwahl und schriftliche Abstimmungen.

Die Verfassung regelte die Zuständigkeiten von Legislative, Exekutive und Gerichten neu. Der Kantonsrat wurde zum gesetzgebenden Organ, während der Regierungsrat die vollziehende Gewalt übernahm.

Auch die Gemeindestruktur wurde neu geordnet. Einwohnergemeinden, Bürgergemeinden und Korporationen entwickelten sich zu rechtlich getrennten Körperschaften mit unterschiedlichen Aufgaben und Vermögen.

Neuheim trennte sich 1848 von Menzingen und wurde zu einer eigenständigen Gemeinde. Damit entstand die bis heute bestehende Gliederung des Kantons in elf Einwohnergemeinden.[12]

Die liberale Verfassung wurde später teilweise wieder konservativ verändert. Die grundlegende Gleichberechtigung der Gemeinden und das Ende der Landsgemeinde blieben jedoch bestehen.

Zug im Bundesstaat

1848 entstand der moderne schweizerische Bundesstaat. Die Mehrheit der Zuger Stimmberechtigten lehnte die Bundesverfassung ab, der Kanton wurde aber aufgrund des gesamtschweizerischen Ergebnisses Gliedstaat des Bundes.

Der Bund übernahm unter anderem die Aussenpolitik, das Zollwesen, das Münzwesen und wichtige militärische Aufgaben. Dadurch entstand ein einheitlicher schweizerischer Wirtschaftsraum.

Für Zug bedeutete der Bundesstaat zunächst auch eine finanzielle und administrative Herausforderung. Eine professionelle Kantonsverwaltung musste schrittweise aufgebaut werden.

Die Kantonsverfassung von 1848 erlaubte dem Staat erstmals die systematische Erhebung von Einkommens- und Vermögenssteuern. Zuvor hatten Gebühren, Zölle, Vermögenserträge und indirekte Abgaben eine grössere Rolle gespielt.

Neue Gesetze regelten das Schulwesen, den Strassenbau, die Armenfürsorge, das Gesundheitswesen und die Gemeindeverwaltung.

Verfassungsentwicklung und direkte Demokratie

Die Verfassung von 1873 beziehungsweise 1876 erweiterte die politischen Rechte der Bevölkerung. Referendum und Initiative erhielten eine grössere Bedeutung.

Die Trennung zwischen Einwohner-, Bürger- und Korporationsgemeinden wurde weiter ausgebaut. Dadurch entstanden im Kanton Zug besonders komplexe kommunale Strukturen.

1894 nahm das Zuger Stimmvolk eine neue Kantonsverfassung an. Sie führte das Proporzsystem für die Wahl der kantonalen Behörden ein.[13]

Das System begünstigte eine proportionale Vertretung politischer Gruppierungen. Es trug zur Ausbildung einer politischen Kultur bei, in der Konservative, Liberale und später Sozialdemokraten gemeinsam in den Behörden vertreten waren.

Die katholisch-konservativen Kräfte blieben während eines grossen Teils des 19. und 20. Jahrhunderts die stärkste politische Richtung. Mit Industrialisierung, Zuwanderung und gesellschaftlichem Wandel wurde das Parteiensystem vielfältiger.

Verkehr und Eisenbahn

Der Ausbau der Verkehrswege war eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung. Im frühen 19. Jahrhundert wurden neue Kantons- und Gemeindestrassen gebaut.

1864 nahm die Eisenbahnverbindung Zürich–Zug–Luzern ihren Betrieb auf. Die ursprüngliche Strecke erreichte Zug über das Knonauer Amt und verband Cham und Rotkreuz mit Luzern.[14]

Rotkreuz entwickelte sich durch weitere Bahnlinien zu einem wichtigen Eisenbahnknoten. Die Aargauische Südbahn stellte Verbindungen in Richtung Gotthard und Aargau her.

1897 wurde die direkte Bahnlinie von Zürich über Thalwil und Baar nach Zug und Arth-Goldau eröffnet. Sie verbesserte die Verbindung zum Wirtschaftsraum Zürich und zur Gotthardbahn erheblich.

Im frühen 20. Jahrhundert verband eine elektrische Strassenbahn die Stadt Zug mit Baar, Menzingen und dem Ägerital. Sie wurde später durch Autobuslinien ersetzt.

Seit dem späten 20. Jahrhundert wurden Bahn- und Busangebote stark ausgebaut. Die 2004 eröffnete Stadtbahn Zug verstärkte die Verbindung der Gemeinden untereinander und mit den Nachbarkantonen.

Industrialisierung

Die Industrialisierung setzte in Zug im Vergleich zu Zürich, Glarus oder Basel relativ spät ein. Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kanton überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Entlang der Lorze entstanden Fabriken, welche die Wasserkraft nutzten. In Cham und Baar entwickelten sich Betriebe der Papier-, Textil-, Holz- und Metallindustrie.

Die Papierfabrik Cham wurde zu einem bedeutenden Arbeitgeber. Daneben entstanden Spinnereien, Webereien, Mühlen, Ziegeleien und mechanische Werkstätten.

Der Eisenbahnanschluss erleichterte den Bezug von Rohstoffen und den Verkauf industrieller Produkte. Zug wurde zugleich für auswärtige Unternehmer und Arbeitskräfte besser erreichbar.

1896 gründete Richard Theiler in Zug das Elektrotechnische Institut Theiler & Cie. Das Unternehmen produzierte Elektrizitätszähler und entwickelte sich unter dem Namen Landis+Gyr zu einem international tätigen Konzern.

Das 1896 errichtete Theilerhaus gilt als Geburtsstätte des Unternehmens. Landis & Gyr prägte während des 20. Jahrhunderts die wirtschaftliche, soziale und städtebauliche Entwicklung der Stadt Zug.[15]

1913 wurde die Verzinkerei Zug gegründet. Aus ihr entwickelte sich das Haushaltsgeräteunternehmen V-Zug. Weitere bedeutende Unternehmen entstanden im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung, im Handel und in der Nahrungsmittelindustrie.

Soziale Folgen der Industrialisierung

Die Fabriken zogen Arbeitskräfte aus anderen Kantonen und aus dem Ausland an. Die Bevölkerung der Stadt Zug, von Baar und Cham nahm deutlich zu.

Arbeiterfamilien lebten häufig in einfachen Wohnungen. Arbeitszeiten waren lang, und eine umfassende soziale Absicherung bestand zunächst nicht.

Gewerkschaften, Arbeitervereine, katholische Sozialorganisationen und gemeinnützige Gesellschaften beschäftigten sich mit den sozialen Folgen der Industrialisierung.

Frauen arbeiteten in grosser Zahl in Fabriken, im Gewerbe, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsbereich. Besonders Landis & Gyr beschäftigte im 20. Jahrhundert viele Arbeiterinnen.

Italienische Arbeitskräfte spielten nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Wohnheime und einfache Unterkünfte entlang der Baarerstrasse wurden zu sichtbaren Zeichen der Arbeitsmigration.

Der Ausbau von Schulen, Krankenhäusern, Altersversorgung und öffentlicher Fürsorge erfolgte schrittweise. Kirchliche Institutionen blieben lange wichtige Träger sozialer Einrichtungen.

Vorstadtkatastrophe von 1887

Am 5. Juli 1887 ereignete sich in der Stadt Zug eine zweite schwere Uferkatastrophe. Während Bauarbeiten an einer neuen Quaianlage gerieten Bodenschichten am Seeufer ins Rutschen.

Ein grosser Teil der Vorstadt versank im Zugersee. 35 Gebäude wurden zerstört, elf Menschen kamen ums Leben, und mehrere hundert Personen verloren vorübergehend ihre Unterkunft.

Die Katastrophe wurde durch Pfählungen, Aufschüttungen und die instabile geologische Beschaffenheit des Ufers begünstigt. Nach dem Unglück wurden weitere gefährdete Häuser vorsorglich abgebrochen.

Hilfsgüter und Spenden trafen aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland ein. Ein Hilfskomitee organisierte die Unterstützung der Betroffenen.

Der Wiederaufbau führte zu einer grundlegenden Umgestaltung des Seeufers. Anstelle der früheren Häuserzeilen entstanden teilweise Grünflächen, Strassen und öffentliche Anlagen.[16]

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs blieb die Schweiz neutral. Viele Zuger Männer leisteten jedoch während längerer Zeit Aktivdienst.

Die Abwesenheit der Soldaten belastete Familien, Landwirtschaft und Betriebe. Lebensmittel, Brennstoffe und Rohstoffe wurden knapp und verteuerten sich.

Die exportorientierte Industrie musste mit unterbrochenen Lieferwegen und unsicheren Absatzmärkten umgehen. Gleichzeitig erhielten einzelne Unternehmen Aufträge im Zusammenhang mit der Landesversorgung und militärischen Ausrüstung.

Soziale Spannungen nahmen zu. Arbeiterorganisationen verlangten höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und bessere soziale Versicherungen.

Der Landesstreik von 1918 fand im Kanton Zug weniger Unterstützung als in grossen Industriezentren, wirkte aber auch hier auf die politische Entwicklung und die Beziehungen zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum.

Zwischenkriegszeit

Die Zwischenkriegszeit war von wirtschaftlichen Schwankungen geprägt. Landis & Gyr entwickelte sich zu einem der wichtigsten Unternehmen des Kantons und exportierte seine Messgeräte in zahlreiche Länder.

Auch andere Industriebetriebe bauten ihre Produktion aus. Gleichzeitig blieben Landwirtschaft, Kleingewerbe und Tourismus wichtige Erwerbszweige.

1934 wurde der Zuger Politiker Philipp Etter in den Bundesrat gewählt. Er war der erste Bundesrat aus dem Kanton Zug und blieb bis 1959 im Amt.

Etter vertrat eine katholisch-konservative Politik und gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der Geistigen Landesverteidigung. Seine Rolle wird heute auch wegen seines konservativen Gesellschaftsbildes und seiner Haltung gegenüber autoritären Strömungen kritisch untersucht.

Die Weltwirtschaftskrise führte zu Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Unsicherheit. Kanton und Gemeinden unterstützten Notstandsarbeiten und soziale Hilfsprogramme.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg leisteten erneut viele Zuger Männer Aktivdienst. Verkehrswege, Industrieanlagen und Zugänge zur Innerschweiz wurden militärisch gesichert.

Lebensmittel und Konsumgüter waren rationiert. Im Rahmen der Anbauschlacht wurden zusätzliche Flächen landwirtschaftlich genutzt.

Die Industrie musste ihre Produktion an die Kriegswirtschaft anpassen. Der Mangel an Rohstoffen und Arbeitskräften stellte viele Betriebe vor Schwierigkeiten.

Flüchtlinge und internierte Soldaten hielten sich zeitweise im Kanton auf. Wie in der übrigen Schweiz war die Aufnahme- und Rückweisungspolitik gegenüber Flüchtlingen widersprüchlich und teilweise sehr restriktiv.

Zug blieb von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont. Die gesellschaftlichen Erfahrungen von Mobilisierung, Rationierung und Bedrohung prägten dennoch eine ganze Generation.

Wirtschaftlicher Aufschwung nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Zug einen starken wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung. Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen schufen zahlreiche Arbeitsplätze.

Landis & Gyr, V-Zug, die Metallwarenindustrie und weitere Unternehmen beschäftigten Tausende Menschen. Italienische und später spanische, portugiesische, türkische und jugoslawische Arbeitskräfte zogen in den Kanton.

Neue Wohnquartiere entstanden in Zug, Baar, Cham, Steinhausen, Hünenberg und Rotkreuz. Frühere Dörfer entwickelten sich zu städtisch geprägten Agglomerationsgemeinden.

Der Ausbau der Autobahnen und der Eisenbahn verstärkte die Verflechtung mit Zürich und Luzern. Viele Einwohner pendelten in andere Kantone, während zugleich immer mehr Beschäftigte täglich nach Zug fuhren.

Landwirtschaftliche Flächen wurden überbaut. Raumplanung, Verkehr, Gewässerschutz und Landschaftsschutz entwickelten sich zu zentralen politischen Themen.

Entwicklung zum internationalen Wirtschaftsstandort

Seit den 1950er- und 1960er-Jahren verfolgten Kanton und Gemeinden eine Politik vergleichsweise niedriger Steuern. Die finanzielle Stabilität und die günstige Lage zwischen Zürich und Luzern erhöhten die Attraktivität für Unternehmen.

Zunächst siedelten sich Holding-, Finanz- und Handelsgesellschaften an. Später folgten internationale Konzernzentralen, Rohstoffhändler, Pharma- und Medizintechnikunternehmen sowie Firmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie.

Zug entwickelte sich zu einem Zentrum des internationalen Rohstoffhandels. Viele Geschäfte werden als Transithandel abgewickelt, bei dem die Waren nicht physisch durch die Schweiz transportiert werden.[17]

Die Zahl der registrierten Unternehmen nahm stark zu. In einzelnen Gemeinden überstieg die Zahl der juristischen Personen zeitweise deutlich jene der Einwohner.

Der wirtschaftliche Erfolg führte zu hohen Steuereinnahmen und einer gut ausgebauten Infrastruktur. Gleichzeitig entstanden Diskussionen über Steuerwettbewerb, Briefkastenfirmen, Rohstoffhandel und die gesellschaftliche Verantwortung internationaler Unternehmen.

Seit den 2010er-Jahren etablierte sich Zug unter der Bezeichnung «Crypto Valley» als Standort für Blockchain-, Kryptowährungs- und Finanztechnologieunternehmen.

Bevölkerungswachstum und Internationalisierung

Das Bevölkerungswachstum veränderte den Kanton grundlegend. Aus einem kleinen, katholisch und ländlich geprägten Gemeinwesen wurde eine dicht besiedelte und international zusammengesetzte Region.

Menschen aus zahlreichen Ländern liessen sich im Kanton nieder. Englisch gewann in internationalen Unternehmen und im privaten Alltag an Bedeutung.

Die konfessionelle Zusammensetzung veränderte sich. Reformierte Christen, Angehörige orthodoxer Kirchen, Muslime, Hindus, Buddhisten, Juden und Konfessionslose wurden zu einem festen Bestandteil der Bevölkerung.

Die katholische Kirche verlor ihre frühere gesellschaftliche Monopolstellung. Dennoch blieben katholische Feste, Bräuche und Institutionen für die kulturelle Identität bedeutend.

Das starke Wachstum führte zu steigenden Boden- und Wohnungspreisen. Bezahlbarer Wohnraum wurde besonders in der Stadt Zug und in den gut erschlossenen Gemeinden knapp.

Frauenstimmrecht

Frauen waren bis 1971 von kantonalen Wahlen und Abstimmungen ausgeschlossen. Frauenvereine und politische Organisationen setzten sich während Jahrzehnten für die politische Gleichberechtigung ein.

Am 7. Februar 1971 wurde das Frauenstimmrecht auf eidgenössischer Ebene angenommen. Gleichzeitig erhielten die Zugerinnen das kantonale und kommunale Stimm- und Wahlrecht.

Frauen konnten danach in Gemeinde-, Kantons- und Regierungsbehörden gewählt werden. Ihre Vertretung nahm zunächst langsam, später deutlicher zu.

Die Einführung des Stimmrechts beseitigte nicht alle gesellschaftlichen Ungleichheiten. Fragen der Erwerbsarbeit, Bildung, Familienpolitik, Lohngleichheit und politischen Repräsentation blieben wichtige Themen.

Politische Entwicklung seit 1970

Die traditionelle Dominanz der katholisch-konservativen Partei ging im späten 20. Jahrhundert zurück. FDP, SP, SVP, Alternative Gruppierungen, Grünliberale und weitere Parteien gewannen an Bedeutung.

Der wirtschaftliche Strukturwandel veränderte die politische Debatte. Steuerpolitik, Raumplanung, Verkehr, Umweltschutz und internationale Unternehmensansiedlungen wurden zu zentralen Themen.

1973 wurde Hans Hürlimann in den Bundesrat gewählt. Er war nach Philipp Etter der zweite Bundesrat aus dem Kanton Zug.

Die direkte Demokratie blieb ein wichtiges Element. Kantonale Initiativen, Referenden und Urnenabstimmungen ermöglichten eine breite Beteiligung an politischen Entscheidungen.

Die starke Finanzkraft Zugs führte zu Konflikten um den nationalen Finanzausgleich. Zug gehört seit Jahren zu den wichtigsten Geberkantonen und leistet hohe Beiträge an finanzschwächere Kantone.

Zuger Attentat

Am 27. September 2001 drang ein bewaffneter Mann während einer Sitzung in das Zuger Regierungsgebäude ein und schoss auf Mitglieder des Kantons- und Regierungsrats.

Drei Mitglieder des Regierungsrats und elf Mitglieder des Kantonsrats wurden getötet. 15 weitere Personen erlitten teilweise schwere Verletzungen. Der Täter nahm sich anschliessend selbst das Leben.[18]

Das Attentat erschütterte den Kanton und die gesamte Schweiz. Es war einer der schwersten Angriffe auf eine demokratische Institution in der neueren Schweizer Geschichte.

Nach dem Ereignis wurden die Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Gebäuden überprüft und verstärkt. Gleichzeitig bemühten sich die Behörden, die Zugänglichkeit demokratischer Institutionen nicht vollständig aufzugeben.

Die Gedenkstätte «Einschnitt» beim Regierungsgebäude erinnert an die Opfer. Am Jahrestag finden Gedenkveranstaltungen statt, und die Kirchenglocken im Kanton werden geläutet.

Historische Identität

Die Zuger Geschichte wurde lange durch die Vorstellung einer kontinuierlichen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft seit 1352 geprägt. Jubiläumsfeiern machten den Zugerbund zu einem zentralen Bestandteil der kantonalen Identität.

Die moderne Forschung betont, dass mittelalterliche Bündnisse keine Beitritte zu einem Nationalstaat waren. Stadt und Amt Zug entwickelten sich erst schrittweise zu einem gemeinsamen eidgenössischen Stand.

Auch die Landsgemeinde wird heute differenzierter beurteilt. Sie ermöglichte einem Teil der männlichen Bevölkerung politische Beteiligung, schloss jedoch Frauen, Beisassen und die Einwohner der Vogteien aus.

Die konfessionelle Tradition, die Erinnerung an die Kappelerkriege und die katholisch-konservative Politik prägten das Selbstverständnis bis weit ins 20. Jahrhundert.

Heute verbindet die kantonale Identität historische Elemente wie Altstadt, Landsgemeindeplatz, Kirschen, Brauchtum und katholische Feste mit dem Bild eines modernen, internationalen Wirtschaftsstandorts.

Geschichtsforschung und Museen

Das Staatsarchiv Zug bewahrt Unterlagen aus rund 700 Jahren Kantonsgeschichte. Dazu gehören Urkunden, Ratsprotokolle, Verwaltungsakten, Karten, Fotografien und private Nachlässe.[19]

Das Stadtarchiv Zug verwahrt die historischen Bestände der Stadt. Sein digitaler Lesesaal ermöglicht den Zugang zu Dokumenten, Bildern und Sammlungen.

Das Museum Burg Zug vermittelt die Geschichte des Kantons vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Burg selbst ist zugleich eines der bedeutendsten historischen Bauwerke der Stadt.

Das Museum für Urgeschichte(n) Zug präsentiert archäologische Funde von der Altsteinzeit bis zum Frühmittelalter. Einen Schwerpunkt bilden die Pfahlbausiedlungen am Zugersee.

Das jährlich erscheinende Jahrbuch Tugium veröffentlicht archäologische, kunsthistorische und geschichtswissenschaftliche Beiträge. Es wird vom Staatsarchiv, vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie, vom Museum für Urgeschichte(n) und vom Museum Burg Zug herausgegeben.

Der Historische Verein des Kantons Zug wurde 1852 gegründet. Er fördert die Erforschung und Vermittlung der Kantonsgeschichte und gibt wissenschaftliche Publikationen heraus.

Historische Bedeutung

Die Geschichte Zugs zeigt, dass die Entstehung der Schweizer Kantone ein langwieriger und keineswegs geradliniger Prozess war.

Der Zugerbund von 1352 war ein erzwungenes Bündnis in einem regionalen Krieg. Erst im Verlauf des späten 14. und 15. Jahrhunderts entstand ein eigenständiger eidgenössischer Stand.

Die Verbindung einer kleinen Stadt mit freien Landgemeinden und städtischen Untertanengebieten schuf eine ungewöhnliche politische Ordnung. Sie unterschied Zug sowohl von den grossen Stadtstaaten als auch von den klassischen Landsgemeindekantonen.

Die Helvetische Revolution von 1798 beseitigte die Untertanenverhältnisse. Die Kantonsverfassung von 1848 schuf nach dem Sonderbundskrieg die Grundlagen des modernen Staates und beendete die Landsgemeindedemokratie.

Industrialisierung, Migration und internationale Unternehmensansiedlungen veränderten Zug im 19. und 20. Jahrhundert stärker als fast jeden anderen Kleinkanton.

Der Gegensatz zwischen der historischen Kleinstadt, den ehemaligen Bauerngemeinden und dem globalisierten Wirtschaftsstandort ist bis heute ein kennzeichnendes Element der Zuger Geschichte.

Siehe auch

Literatur

  • Historischer Verein des Kantons Zug (Hrsg.): Beiträge zur Zuger Geschichte. Zug, seit 1977.
  • Staatsarchiv Zug, Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Museum für Urgeschichte(n) Zug und Museum Burg Zug (Hrsg.): Tugium. Jahrbuch des Kantons Zug. Zug, seit 1985.
  • Eugen Gruber: Geschichte des Kantons Zug. Bern 1968.
  • Albert Müller: Geschichte des Kantons Zug. Zürich 1930.
  • Thomas Glauser: 1352 – Zug wird nicht eidgenössisch. In: Tugium, Band 18, Zug 2002, S. 103–115.
  • Renato Morosoli: Zug – eine kleine Geschichte des Kantons. Zug.
  • Direktion des Innern des Kantons Zug (Hrsg.): Der Kanton Zug zwischen 1798 und 1850. 2 Bände, Zug 1998.
  • Josef Grünenfelder, Toni Hofmann und Peter Lehmann: Die Burg Zug. Archäologie, Baugeschichte, Restaurierung. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 28, Zug und Basel 2003.
  • Gerhard Matter: Der Kanton Zug auf dem Weg zu seiner Verfassung von 1876. Beiträge zur Zuger Geschichte, Zug.
  • Stadt Zug (Hrsg.): Die Zuger Vorstadt. Gedenkschrift zum 100. Jahrestag der Vorstadtkatastrophe vom 5. Juli 1887. Zug 1987.
  • Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug (Hrsg.): ZG – Ein Heimatbuch. Zug.
  • Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug (Hrsg.): Archäologie im Kanton Zug. Zug.

Einzelnachweise

  1. Historisches Lexikon der Schweiz: Zug (Kanton), abgerufen am 30. Juli 2026.
  2. Kanton Zug: Zuger Pfahlbauten entdecken, abgerufen am 30. Juli 2026.
  3. Kanton Zug: Unterschutzstellung und Sanierung der Zuger Stadtmauer, 3. April 2017, abgerufen am 30. Juli 2026.
  4. Museum Burg Zug: Geschichte der Burg Zug, abgerufen am 30. Juli 2026.
  5. Historisches Lexikon der Schweiz: Äusseres Amt, abgerufen am 30. Juli 2026.
  6. Thomas Glauser: «1352 – Zug wird nicht eidgenössisch». In: Tugium, Band 18, 2002, S. 103–115.
  7. Kanton Zug: Die wichtigsten Daten der Zuger- und Schweizer Geschichte, abgerufen am 30. Juli 2026.
  8. Stadtarchiv Zug: See-Katastrophen in Zug 1435 und 1887, abgerufen am 30. Juli 2026.
  9. Kanton Zug: Einfach Archäologie – Die Burg Zug, abgerufen am 30. Juli 2026.
  10. Staatsarchiv Zug: Beständeübersicht und Archiv des Kantons Waldstätten, abgerufen am 30. Juli 2026.
  11. Bürgergemeinde Hünenberg: Geschichte, Sonderbund und Verfassung von 1848, abgerufen am 30. Juli 2026.
  12. Bürgergemeinde Zug: Geschichte der Zuger Gemeinden seit 1848, abgerufen am 30. Juli 2026.
  13. Kanton Zug: Chronologie, Einführung des Proporzes 1894, abgerufen am 30. Juli 2026.
  14. Gemeinde Risch: Bahn- und Strassenbau im 19. Jahrhundert, abgerufen am 30. Juli 2026.
  15. Kanton Zug: Theilerhaus und Geschichte von Landis & Gyr, abgerufen am 30. Juli 2026.
  16. Stadtarchiv Zug: Vorstadtkatastrophe 1887, abgerufen am 30. Juli 2026.
  17. Historisches Lexikon der Schweiz: Überseehandel und Zug als Zentrum des Transithandels, abgerufen am 30. Juli 2026.
  18. Kanton Zug: Gedenkanlass zum Zuger Attentat, abgerufen am 30. Juli 2026.
  19. Kanton Zug: Staatsarchiv, abgerufen am 30. Juli 2026.