Crypto Valley

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Crypto Valley
Art Technologie- und Wirtschaftscluster
Kerngebiet Stadt und Kanton Zug
Erweiterter Raum Gesamte Schweiz und Liechtenstein
Entstehung Ab 2013
Initiator Johann Gevers
Bedeutende Organisation Crypto Valley Association
Gründung der Vereinigung 2017
Wirtschaftszweige Blockchain, Kryptowährungen, digitale Vermögenswerte, FinTech und Web3
Bedeutende Standorte Zug, Zürich, Genf, Lugano, Neuenburg, Luzern und Vaduz
Website cryptovalley.swiss

Das Crypto Valley ist ein schweizerisches Technologie- und Wirtschaftscluster für Blockchain-Anwendungen, Kryptowährungen, digitale Vermögenswerte, dezentrale Software und Finanztechnologie. Sein historisches Zentrum liegt in der Stadt und im Kanton Zug. Der Begriff wird jedoch zunehmend für das gesamte schweizerische Blockchain-Ökosystem sowie für eng damit verbundene Unternehmen und Organisationen in Liechtenstein verwendet.[1]

Crypto Valley ist kein amtlich abgegrenztes Gebiet und besitzt weder eine eigene Verwaltung noch eine einheitliche Rechtsordnung. Es handelt sich um die informelle Bezeichnung für ein Netzwerk aus Unternehmen, Stiftungen, Hochschulen, Investoren, Anwaltskanzleien, Banken, Verbänden, Behörden und Fachpersonen. Der Name ist an das amerikanische Silicon Valley angelehnt und soll die räumliche Konzentration sowie die internationale Bedeutung der Branche ausdrücken.

Die Entwicklung begann 2013, als der Unternehmer Johann Gevers seine auf digitale Zahlungssysteme ausgerichtete Firma Monetas nach Zug verlegte und die Vision eines internationalen Zentrums für kryptografische Technologien formulierte.[2] Im selben Jahr wurde in Zug das Finanzdienstleistungsunternehmen Bitcoin Suisse gegründet. Einen entscheidenden Schub erhielt das Ökosystem durch die Ansiedlung der Ethereum Foundation im Jahr 2014.[3]

Der Erfolg des Clusters beruht auf dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Dazu zählen die wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen im Kanton Zug, die politische Stabilität der Schweiz, der Zugang zu einem bedeutenden Finanzplatz, die Verfügbarkeit spezialisierter Fachkräfte, die vergleichsweise flexible Verwendung schweizerischer Rechtsformen und eine grundsätzlich technologieoffene Regulierung. Gleichzeitig gelten für Unternehmen des Crypto Valley die allgemeinen Vorschriften des Gesellschafts-, Steuer-, Finanzmarkt-, Geldwäscherei- und Datenschutzrechts.

Begriff und geografische Abgrenzung

Der Ausdruck «Crypto Valley» bezeichnete ursprünglich die Ansammlung von Blockchain- und Kryptowährungsunternehmen in der Stadt Zug und ihrer unmittelbaren Umgebung. Mit dem Wachstum der Branche wurde die Bezeichnung auf den gesamten Kanton und später auf weitere Regionen der Schweiz ausgedehnt.

Zug bildet weiterhin den Kern des Ökosystems. Dort haben zahlreiche Unternehmen, Stiftungen und Verbände ihren Sitz. Die Stadt liegt in kurzer Entfernung zu Zürich, einem der wichtigsten europäischen Finanz- und Hochschulstandorte. Gleichzeitig verfügt der Kanton über eine lange Tradition als Standort internationaler Unternehmen.

Weitere bedeutende Zentren befinden sich in Zürich, Genf, Lugano, Neuenburg und Luzern. Zürich ist insbesondere als Finanz-, Forschungs- und Hochschulstandort wichtig. Genf besitzt eine starke internationale Finanzbranche und war Sitz grosser Projekte im Bereich digitaler Zahlungssysteme. Lugano entwickelte eigene Initiativen zur Nutzung von Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten. Liechtenstein ergänzte das schweizerische Ökosystem durch eine eigene Regulierung für vertrauenswürdige Technologien und tokenisierte Rechte.

In Branchenberichten wird Crypto Valley deshalb häufig als grenzüberschreitender Wirtschaftsraum aus der Schweiz und Liechtenstein beschrieben. Diese Erweiterung bedeutet nicht, dass alle dort erfassten Unternehmen organisatorisch miteinander verbunden sind. Gemeinsam sind ihnen vor allem die Tätigkeit im Blockchain-Bereich und die Einbindung in ähnliche fachliche, rechtliche und wirtschaftliche Netzwerke.

Entstehung des Namens

Johann Gevers entwickelte nach eigenen Angaben im Mai 2013 die Idee eines internationalen Clusters für kryptografische Technologien nach dem Vorbild des Silicon Valley. Im Juli 2013 verlegte er seinen Wohn- und Unternehmenssitz in den Kanton Zug.[2]

Gevers suchte für sein Unternehmen Monetas einen Standort mit politischer Stabilität, Rechtssicherheit und einem offenen Umgang mit neuartigen digitalen Geschäftsmodellen. Er begann, Kontakte zwischen Unternehmern, Juristen, Investoren und Behörden aufzubauen.

Die genaue Entstehung der Bezeichnung «Crypto Valley» wird in verschiedenen Darstellungen unterschiedlich beschrieben. Sie setzte sich jedenfalls ab 2014 zunehmend als Name für das Zuger Blockchain-Cluster durch. Der Ausdruck verband die Begriffe Kryptografie und Kryptowährung mit dem aus der Technologiebranche bekannten Bild eines «Valley».

Die Bezeichnung wurde zunächst von Unternehmern und Unterstützern der Branche verwendet. Später übernahmen sie auch Medien, Behörden, Verbände und Standortförderungsorganisationen. Der Kanton Zug bezeichnet sich in seiner Wirtschaftsförderung ausdrücklich als Zentrum des Crypto Valley.[4]

Zug vor der Entstehung des Crypto Valley

Der Kanton Zug war bereits vor dem Aufkommen von Bitcoin und Blockchain ein international ausgerichteter Wirtschaftsstandort. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts siedelten sich zahlreiche Rohstoffhandels-, Finanz-, Technologie- und Holdinggesellschaften an.

Die Region bot eine gut ausgebaute Infrastruktur, eine zentrale Lage zwischen Zürich und Luzern, eine mehrsprachige Bevölkerung und einen vergleichsweise direkten Zugang zu Behörden. Internationale Unternehmen konnten von der Nähe zum Flughafen Zürich, zu Hochschulen, Banken und spezialisierten Beratungsfirmen profitieren.

Diese bestehende Unternehmenslandschaft erleichterte die Ansiedlung der ersten Blockchain-Firmen. Rechtsanwälte, Treuhänder, Steuerberater und Unternehmensdienstleister waren mit internationalen Unternehmensstrukturen bereits vertraut. Zug musste deshalb für die neue Branche kein vollständig neues wirtschaftliches Umfeld schaffen.

Die überschaubare Grösse von Stadt und Kanton erleichterte zudem den Austausch zwischen Unternehmen und Behörden. Vertreter der Branche konnten ihre Projekte frühzeitig mit Handelsregister-, Steuer- und Finanzbehörden besprechen. Dies bedeutete keine Befreiung von gesetzlichen Anforderungen, ermöglichte jedoch eine vergleichsweise schnelle Klärung praktischer Fragen.

Monetas und die frühe Aufbauphase

Monetas gehörte zu den ersten Unternehmen, die gezielt zur Entwicklung eines kryptografischen Technologieclusters in Zug beitrugen. Das Unternehmen arbeitete an digitalen Zahlungs- und Transaktionssystemen.

Johann Gevers verstand Crypto Valley nicht als einzelnes Unternehmen, sondern als Ökosystem. Durch die Ansiedlung weiterer Firmen sollte ein Netzwerk entstehen, in dem sich technische Entwicklung, Kapital, Beratung, Regulierung und internationale Vermarktung gegenseitig verstärken.

Die frühe Phase war von grosser Unsicherheit geprägt. Bitcoin war ausserhalb spezialisierter Kreise wenig bekannt und wurde häufig vor allem mit spekulativem Handel oder illegalen Online-Marktplätzen in Verbindung gebracht. Für viele Geschäftsmodelle bestanden noch keine ausdrücklichen gesetzlichen Vorschriften oder gefestigten aufsichtsrechtlichen Praktiken.

Trotzdem zeigte sich früh, dass bestehende schweizerische Gesetze auf zahlreiche Tätigkeiten angewendet werden konnten. Entscheidend war nicht allein die verwendete Technologie, sondern die wirtschaftliche Funktion eines Angebots. Wer beispielsweise fremde Vermögenswerte verwaltete, Zahlungsdienste erbrachte oder öffentlich Gelder entgegennahm, konnte unabhängig von der technischen Umsetzung finanzmarktrechtlichen Vorschriften unterstehen.

Gründung von Bitcoin Suisse

2013 gründeten Niklas Nikolajsen von Karlshof, Fabian Hediger und Andrej Majcen in Zug das Unternehmen Bitcoin Suisse. Es entwickelte Dienstleistungen für den Kauf, Verkauf, die Verwahrung und die Übertragung von Kryptowährungen.[5]

Bitcoin Suisse gehörte zu den ersten Unternehmen, welche eine Verbindung zwischen der entstehenden Kryptowährungswirtschaft und dem traditionellen schweizerischen Finanzsystem herstellten. Dazu gehörten die Abwicklung von Zahlungen, die Unterstützung von Token-Ausgaben und später Dienstleistungen für private und institutionelle Kunden.

Das Unternehmen wirkte an mehreren öffentlich sichtbaren Projekten in Zug mit. Es stellte unter anderem die technische Zahlungsabwicklung bereit, als die Stadt Zug begann, bestimmte Gebühren in Bitcoin anzunehmen. Später wurde Bitcoin Suisse Partner des Kantons bei der Annahme von Steuerzahlungen in Bitcoin und Ether.

Die Entwicklung von Bitcoin Suisse machte deutlich, dass sich Crypto Valley nicht nur auf Softwareentwicklung beschränkte. Zum Ökosystem gehörten zunehmend auch Verwahrung, Handel, Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung, Staking, Tokenisierung und weitere Finanzdienstleistungen.

Ethereum Foundation

Ein entscheidender Schritt für die internationale Wahrnehmung des Crypto Valley war die Gründung der Ethereum Foundation als schweizerische Stiftung mit Sitz in Zug. Die Organisation unterstützt die Entwicklung des offenen Blockchain-Netzwerks Ethereum.[6]

Ethereum wurde 2013 von Vitalik Buterin konzipiert. Im Gegensatz zu Bitcoin sollte das Netzwerk nicht nur die Übertragung einer digitalen Währung ermöglichen, sondern eine allgemeine Plattform für programmierbare Vereinbarungen, sogenannte Smart Contracts, bereitstellen.

Die Stiftung wurde 2014 in Zug errichtet. Im März 2015 bezog das Ethereum-Team eigene Büroräume im Kanton.[7]

Die Ansiedlung von Ethereum verlieh dem Standort internationale Glaubwürdigkeit. Entwickler, Investoren und weitere Projekte wurden auf Zug aufmerksam. Die erfolgreiche Finanzierung und spätere technische Entwicklung des Ethereum-Netzwerks zeigten, dass eine global ausgerichtete Open-Source-Infrastruktur von einer schweizerischen Stiftung unterstützt werden konnte.

Die Ethereum Foundation kontrolliert das dezentrale Netzwerk nicht allein. Sie finanziert Forschung und Entwicklung, unterstützt Teile des Ökosystems und organisiert Veranstaltungen. Der technische Betrieb und die Weiterentwicklung von Ethereum beruhen auf einer grösseren internationalen Gemeinschaft aus Entwicklern, Unternehmen, Anwendern und unabhängigen Netzwerkteilnehmern.

Bedeutung der Stiftung als Rechtsform

Die schweizerische Stiftung wurde zu einer häufig verwendeten Rechtsform im Crypto Valley. Eine Stiftung besitzt keine Aktionäre oder Eigentümer. Ihr Vermögen ist dauerhaft einem in der Stiftungsurkunde festgelegten Zweck gewidmet.

Diese Struktur kann für offene Blockchain-Protokolle geeignet sein, wenn eine unabhängige Organisation Entwicklung, Forschung, Standardisierung oder Gemeinschaftsprojekte fördern soll. Sie kann Vermögen verwalten, Entwickler finanzieren und Marken- oder Immaterialgüterrechte halten.

Stiftungen mit schweizweitem oder internationalem Zweck können der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht unterstehen. Die Aufsicht kontrolliert insbesondere, ob das Stiftungsvermögen entsprechend dem festgelegten Zweck verwendet wird.

Die Wahl einer Stiftung bedeutet nicht automatisch, dass ein Projekt gemeinnützig oder von der Finanzmarktregulierung ausgenommen ist. Entscheidend sind der konkrete Zweck, die ausgeübten Tätigkeiten, die Finanzierung und die wirtschaftliche Funktion ausgegebener Token.

Neben der Ethereum Foundation liessen sich weitere Protokollorganisationen in Zug nieder. Dazu gehört die Tezos Foundation, welche die Entwicklung des dezentralen Tezos-Ökosystems unterstützt.[8]

Wachstum des Ökosystems

Nach der Ansiedlung der ersten Unternehmen und Stiftungen nahm die Zahl der Blockchain-Projekte rasch zu. Neben Entwicklern kamen spezialisierte Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Personalvermittler, Kommunikationsagenturen und Investoren nach Zug.

Im Ökosystem entstanden unterschiedliche Geschäftsbereiche. Dazu gehörten Kryptowährungsbörsen, Wallet-Anbieter, Verwahrungsdienstleister, Analyseunternehmen, Sicherheitsfirmen, Tokenisierungsplattformen und Anbieter dezentraler Anwendungen.

Einige Organisationen entwickelten grundlegende Blockchain-Protokolle. Andere nutzten bestehende Netzwerke für Finanzprodukte, Lieferketten, Identitätslösungen, Spiele, Kunst, Energiehandel oder Verwaltungssysteme.

Mit der Ausweitung auf Zürich und weitere Kantone entwickelte sich Crypto Valley von einem lokalen Start-up-Cluster zu einem nationalen Branchenökosystem. Die geografische Konzentration in Zug blieb bedeutend, doch technische Entwicklung, Banken, Hochschulen und Investoren waren über die gesamte Schweiz verteilt.

Ein von der privaten Investmentgesellschaft CV VC veröffentlichter Branchenbericht erfasste für das Jahr 2024 insgesamt 1'749 aktive Blockchain-Unternehmen im schweizerisch-liechtensteinischen Crypto Valley. Davon waren 719 beziehungsweise rund 41 Prozent im Kanton Zug registriert. Der Kanton Zürich folgte mit 264 Unternehmen.[9]

Solche Zahlen beruhen auf der Methodik des jeweiligen Herausgebers und sind nicht mit einer amtlichen Unternehmensstatistik gleichzusetzen. Sie verdeutlichen jedoch die Ausdehnung der Branche über Zug hinaus.

Crypto Valley Association

2017 wurde die Crypto Valley Association gegründet. Sie ist ein unabhängiger, nichtstaatlicher Verein mit Sitz im Kanton Zug.[1]

Die Vereinigung soll Unternehmen, Fachpersonen, Wissenschaft, Politik und Verwaltung miteinander vernetzen. Sie vertritt Interessen der Blockchain-Branche, organisiert Veranstaltungen und erarbeitet fachliche Stellungnahmen.

Innerhalb der Vereinigung bestehen Arbeitsgruppen zu Themen wie Regulierung, Cybersecurity, Tokenisierung, Nachhaltigkeit, Start-ups, dezentrale Finanzanwendungen und institutionelle Nutzung digitaler Vermögenswerte.

Die Crypto Valley Association vergibt keine staatlichen Bewilligungen und beaufsichtigt keine Unternehmen. Ihre Tätigkeit ist von den Aufgaben der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht und anderer Behörden zu unterscheiden.

Die Vereinigung trug dazu bei, den Namen Crypto Valley international zu etablieren. Sie organisierte Konferenzen, förderte den Austausch mit anderen Technologiezentren und beteiligte sich an öffentlichen Debatten über die schweizerischen Rahmenbedingungen.

CV Labs und Investitionsumfeld

Im Umfeld des Crypto Valley entstanden Inkubatoren, Coworking-Angebote, Risikokapitalgesellschaften und Programme für junge Unternehmen. Zu den bekannten Einrichtungen gehört CV Labs, das aus dem Umfeld von CV VC hervorging.

Solche Organisationen stellen Arbeitsplätze, Kontakte, Beratung und teilweise Kapital zur Verfügung. Start-ups können ihre Geschäftsmodelle entwickeln, Investoren treffen und Fachpersonen aus Recht, Regulierung und Technik einbeziehen.

Das Investitionsumfeld ist international ausgerichtet. Finanzierungen erfolgen über klassische Beteiligungen, Risikokapital, strategische Partnerschaften oder die Ausgabe digitaler Token.

Die Verfügbarkeit von Kapital unterliegt starken Schwankungen. In Phasen steigender Kurse und grosser öffentlicher Aufmerksamkeit nimmt häufig auch die Finanzierung neuer Projekte zu. Marktkrisen, regulatorische Unsicherheit und Zusammenbrüche internationaler Unternehmen können dagegen zu einem schnellen Rückgang der Investitionen führen.

Initial Coin Offerings

Zwischen 2016 und 2018 wurde das Crypto Valley zu einem bedeutenden Standort für Initial Coin Offerings, kurz ICOs. Dabei finanzierten sich Projekte durch die Ausgabe digitaler Token.

Die wirtschaftliche Funktion solcher Token war sehr unterschiedlich. Manche sollten als Zahlungsmittel dienen. Andere gewährten Zugang zu einer digitalen Anwendung oder verkörperten vermögensrechtliche Ansprüche.

Die schnelle Entwicklung stellte Behörden und Marktteilnehmer vor neue Fragen. Nicht jede als «Utility Token» oder «Coin» bezeichnete Einheit war rechtlich gleich zu behandeln. Je nach Ausgestaltung konnten Vorschriften des Banken-, Börsen-, Wertpapier-, Kollektivanlagen- oder Geldwäschereirechts anwendbar sein.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht teilte 2017 mit, dass sie mehrere ICOs untersuche. Sie betonte, dass die Schweiz zwar kein ausschliesslich für ICOs geschaffenes Sondergesetz besitze, bestehende Finanzmarktgesetze jedoch je nach Struktur eines Angebots anwendbar seien.[10]

Im Februar 2018 veröffentlichte die FINMA eine Wegleitung für Unterstellungsanfragen zu ICOs. Sie unterschied hauptsächlich zwischen Zahlungs-, Nutzungs- und Anlage-Token. Mischformen sind möglich.[11]

Die Wegleitung schuf keine automatische Genehmigung für Token-Projekte. Sie erläuterte, nach welchen Grundsätzen die Behörde einzelne Geschäftsmodelle beurteilt.

Token-Kategorien der FINMA

Die FINMA verwendet für die aufsichtsrechtliche Beurteilung drei grundlegende Token-Kategorien.

Zahlungs-Token sind für die Verwendung als Zahlungsmittel oder für die Übertragung von Geld und Werten vorgesehen. Sie vermitteln üblicherweise keine Ansprüche gegenüber einem Emittenten. Tätigkeiten mit solchen Token können dem Geldwäschereirecht unterstehen.

Nutzungs-Token sollen den digitalen Zugang zu einer Anwendung oder Dienstleistung vermitteln. Sie werden aufsichtsrechtlich nur dann ausschliesslich als Nutzungs-Token behandelt, wenn ihre Funktion bereits besteht und sie nicht zusätzlich Anlagezwecken dienen.

Anlage-Token repräsentieren Vermögenswerte, Forderungen, Mitgliedschaftsrechte oder Ansprüche auf Erträge. Sie können wirtschaftlich Aktien, Obligationen oder derivativen Finanzinstrumenten ähneln und als Effekten gelten.

Ein Token kann gleichzeitig Eigenschaften mehrerer Kategorien besitzen. Die rechtliche Beurteilung richtet sich nach seiner tatsächlichen Funktion und nicht allein nach der vom Herausgeber gewählten Bezeichnung.

Öffentliche Hand in Zug

Die Stadt und der Kanton Zug unterstützten die Entwicklung des Crypto Valley nicht nur durch Standortwerbung. Sie testeten auch konkrete Anwendungen digitaler Währungen und der Blockchain-Technologie.

Am 1. Juli 2016 begann die Stadt Zug, Gebühren der Einwohnerkontrolle bis zu einem Gegenwert von 200 Franken in Bitcoin anzunehmen. Das zunächst auf sechs Monate beschränkte Pilotprojekt wurde anschliessend weitergeführt.[12]

Für die Stadt war das geringe tatsächliche Zahlungsvolumen weniger wichtig als die Möglichkeit, Erfahrungen mit der Technik zu sammeln und ihre Offenheit gegenüber dem neuen Wirtschaftscluster zu zeigen.

Zug wurde dadurch international als eine der ersten öffentlichen Verwaltungen bekannt, die Bitcoin als Zahlungsoption einsetzte. Die Stadt erhielt den Gegenwert über einen Zahlungsdienstleister in Schweizer Franken und trug damit nicht unmittelbar das Kursrisiko.

Digitale Identität

2017 führte die Stadt Zug ein Pilotprojekt für eine Blockchain-basierte digitale Identität ein. Einwohnerinnen und Einwohner konnten eine elektronische Identität beantragen und auf ihrem Smartphone verwalten.

Die digitale Identität sollte zeigen, wie Nutzer persönliche Daten selbst kontrollieren und gegenüber Dienstleistern nachweisen könnten. Die Stadt bestätigte die Identität, während die technischen Zugangsdaten dezentral verwaltet wurden.

In späteren Projekten wurde die Identität unter anderem für elektronische Abstimmungstests und die Nutzung von Leihfahrrädern eingesetzt. Die Versuche hatten vor allem Pilot- und Forschungscharakter.

Das Projekt zeigte zugleich Grenzen früher Blockchain-Anwendungen. Für eine breite Nutzung waren rechtliche Anerkennung, Benutzerfreundlichkeit, Datenschutz, sichere Schlüsselverwaltung und die Einbindung weiterer Dienstleister erforderlich.

Die Stadt und der Kanton entwickelten später auch andere elektronische Identifikations- und Verwaltungsangebote, die nicht zwingend auf einer öffentlichen Blockchain beruhten.

Kryptowährungen als Sacheinlage

2017 akzeptierte das Handelsregisteramt Zug erstmals eine Unternehmensgründung, bei der Bitcoin als Sacheinlage für die Liberierung des Kapitals verwendet wurde.[13]

Eine Sacheinlagegründung setzt voraus, dass der eingebrachte Vermögenswert bewertbar, übertragbar, verfügbar und verwertbar ist. Wegen der starken Kursschwankungen digitaler Vermögenswerte mussten Fragen der Bewertung und ausreichenden Kapitaldeckung besonders beachtet werden.

Die Anerkennung bedeutete nicht, dass Kryptowährungen gesetzliches Zahlungsmittel wurden. Sie zeigte vielmehr, dass digitale Vermögenswerte unter bestimmten Voraussetzungen wie andere bewertbare Vermögensgegenstände in eine Gesellschaft eingebracht werden können.

Steuerzahlungen mit Bitcoin und Ether

Seit Februar 2021 können natürliche und juristische Personen Steuerrechnungen der kantonalen Steuerverwaltung Zug mit Bitcoin oder Ether begleichen.[14]

Zu Beginn galt eine Obergrenze von 100'000 Franken. Im März 2023 wurde sie auf 1,5 Millionen Franken pro Steuerrechnung erhöht.

Die Steuerpflicht wird weiterhin in Schweizer Franken berechnet. Wer in Kryptowährung bezahlen möchte, erhält einen Zahlungslink und einen anhand des aktuellen Wechselkurses berechneten Betrag.

Die technische Abwicklung erfolgt über Bitcoin Suisse. Der Kanton erhält ausschliesslich Schweizer Franken und trägt kein unmittelbares Kursrisiko. Die Verwendung von Bitcoin oder Ether ist daher eine zusätzliche Zahlungsmethode und keine Umstellung der kantonalen Rechnungsführung auf Kryptowährungen.

Regulierung in der Schweiz

Die Entwicklung des Crypto Valley wurde häufig mit dem Begriff «kryptofreundliche Regulierung» beschrieben. Damit ist nicht eine grundsätzlich unregulierte Umgebung gemeint. Die schweizerische Politik verfolgte überwiegend einen technologieunabhängigen Ansatz.

Neue Geschäftsmodelle werden grundsätzlich anhand ihrer wirtschaftlichen Funktion beurteilt. Für gleiche Tätigkeiten und Risiken sollen soweit möglich gleiche rechtliche Anforderungen gelten, unabhängig davon, ob traditionelle Datenbanken oder Blockchain-Systeme verwendet werden.

Zu den relevanten Erlassen gehören insbesondere das Obligationenrecht, das Bankengesetz, das Finanzmarktinfrastrukturgesetz, das Finanzdienstleistungsgesetz, das Finanzinstitutsgesetz, das Kollektivanlagengesetz und das Geldwäschereigesetz.

Unternehmen müssen je nach Tätigkeit eine Bewilligung der FINMA besitzen, sich einer anerkannten Selbstregulierungsorganisation anschliessen oder weitere aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen.

Der Standortvorteil der Schweiz besteht daher weniger in einer Befreiung von Vorschriften als in der schrittweisen Klärung, wie bestehende und neue Regeln auf Blockchain-Geschäftsmodelle angewendet werden.

Geldwäschereibekämpfung

Der Umgang mit Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung gehört zu den wichtigsten regulatorischen Themen des Crypto Valley. Kryptowährungen können grenzüberschreitend und teilweise ohne traditionelle Finanzintermediäre übertragen werden.

Wer berufsmässig Zahlungsverkehr, Tausch, Verwahrung oder bestimmte Übertragungsdienste anbietet, kann als Finanzintermediär dem schweizerischen Geldwäschereigesetz unterstehen. Daraus folgen Pflichten zur Identifizierung von Kunden, Feststellung wirtschaftlich berechtigter Personen, Abklärung ungewöhnlicher Transaktionen und Meldung begründeter Verdachtsfälle.

Die FINMA wendet bei Blockchain-Zahlungen die sogenannte Travel Rule an. Beaufsichtigte Institute müssen Angaben über Auftraggeber und Empfänger einer Übertragung erfassen und weiterleiten.

2019 betonte die FINMA anlässlich der ersten Bankbewilligungen für spezialisierte Blockchain-Dienstleister, dass die Geldwäschereivorschriften auch im Blockchain-Bereich konsequent einzuhalten seien.[15]

FinTech-Bewilligung

Am 1. Januar 2019 wurde in der Schweiz eine neue Bewilligungskategorie für Finanztechnologieunternehmen eingeführt. Die sogenannte FinTech-Bewilligung ermöglicht die Entgegennahme von Publikumseinlagen oder die Sammelverwahrung kryptobasierter Vermögenswerte bis zu einem gesetzlich festgelegten Umfang, sofern die Gelder nicht angelegt und nicht verzinst werden.[16]

Die Anforderungen sind gegenüber einer vollständigen Bankbewilligung teilweise erleichtert. FinTech-Institute bleiben jedoch insbesondere dem Geldwäschereirecht und organisatorischen Mindeststandards unterstellt.

Die Bewilligung ist nicht auf Blockchain-Unternehmen beschränkt. Sie wurde allgemein für innovative Geschäftsmodelle im Finanzbereich geschaffen.

Erste schweizerische Kryptobanken

Im August 2019 erteilte die FINMA erstmals Bank- und Effektenhändlerbewilligungen an zwei Unternehmen, die sich auf Blockchain-basierte Vermögenswerte spezialisierten.

Dabei handelte es sich um die in Zug registrierte SEBA Crypto AG und die in Zürich registrierte Sygnum Bank AG.[15] SEBA wurde später in AMINA Bank umbenannt.

Die Bewilligungen ermöglichten den Instituten, regulierte Bankdienstleistungen für digitale und traditionelle Vermögenswerte anzubieten. Dazu gehören je nach Geschäftsmodell Verwahrung, Handel, Kontoführung und Dienstleistungen für professionelle oder institutionelle Kunden.

Die Entstehung spezialisierter Banken war ein wichtiger Schritt für die Verbindung des Crypto Valley mit dem traditionellen Finanzsystem. Sie löste jedoch nicht alle Probleme beim Zugang von Blockchain-Unternehmen zu Bankkonten. Banken prüfen weiterhin jedes Unternehmen anhand seines Geschäftsmodells, seiner Eigentümer, der Herkunft der Gelder und der damit verbundenen Risiken.

DLT-Gesetz

Der Bundesrat kam 2018 zum Schluss, dass das schweizerische Recht grundsätzlich für Blockchain- und DLT-Anwendungen geeignet sei, in einzelnen Bereichen jedoch Anpassungen benötige.

Das Parlament verabschiedete daraufhin das Bundesgesetz zur Anpassung des Bundesrechts an Entwicklungen der Technik verteilter elektronischer Register. Teile der Reform traten am 1. Februar 2021 in Kraft, die übrigen Bestimmungen und die zugehörige Verordnung am 1. August 2021.[17]

Das DLT-Gesetz änderte mehrere bestehende Bundesgesetze. Es führte die Möglichkeit sogenannter Registerwertrechte ein. Rechte können dadurch unter bestimmten Voraussetzungen in einem fälschungssicheren elektronischen Register abgebildet und übertragen werden.

Weitere Änderungen betrafen die Aussonderung kryptobasierter Vermögenswerte im Konkurs und den Zugang zu Daten, die für die Verfügung über solche Werte erforderlich sind.

Zudem entstand eine neue Bewilligungskategorie für DLT-Handelssysteme. Diese können den multilateralen Handel mit DLT-Effekten ermöglichen und je nach Bewilligungsumfang weitere Funktionen übernehmen.

Im März 2025 bewilligte die FINMA mit BX Digital erstmals ein DLT-Handelssystem nach den neuen Vorschriften.[18]

Stablecoins

Stablecoins sind Token, deren Wert an eine staatliche Währung, einen Rohstoff, einen Vermögenswert oder einen Korb verschiedener Werte gebunden werden soll.

Die FINMA veröffentlichte 2019 eine Ergänzung ihrer ICO-Wegleitung zur aufsichtsrechtlichen Behandlung solcher Projekte. Sie betonte, dass die rechtliche Beurteilung von der wirtschaftlichen Funktion und der konkreten Ausgestaltung der Wertstabilisierung abhängt.[19]

Je nach Struktur können Stablecoins unter das Banken-, Kollektivanlagen-, Finanzmarktinfrastruktur-, Geldwäscherei- oder Wertpapierrecht fallen.

2024 veröffentlichte die FINMA eine weitere Aufsichtsmitteilung. Sie wies insbesondere auf Risiken für Emittenten, Garantiegeber, Kunden und den Finanzplatz sowie auf erhöhte Geldwäschereirisiken hin.[20]

Forschung und Ausbildung

Die Entwicklung des Crypto Valley wurde durch Hochschulen und Forschungsinstitutionen begleitet. In der Schweiz entstanden Lehrveranstaltungen, Forschungsgruppen und Weiterbildungsangebote zu Blockchain, Kryptografie, digitalem Recht und dezentralen Wirtschaftssystemen.

Das Blockchain Center der Universität Zürich nahm 2017 seine Tätigkeit auf. Es verbindet Forschende aus Informatik, Wirtschaft, Recht, Finanzwissenschaft und weiteren Fachgebieten.[4]

Auch die Hochschule Luzern, die ETH Zürich, die Universität Basel und weitere Hochschulen beschäftigen sich mit Blockchain-Technologien und digitalen Vermögenswerten.

Im Januar 2026 eröffneten der Kanton Zug und die Universität Luzern das Zug Institute for Blockchain Research. Der Kanton sagte für die ersten fünf Jahre eine Finanzierung von 25 Millionen Franken zu.[21]

Das Institut soll Forschung zu Blockchain, Kryptografie, Wirtschaft, Regulierung und gesellschaftlichen Auswirkungen fördern. Seine Gründung zeigt, dass der Kanton den Bereich nicht mehr nur als Standort für Unternehmen, sondern auch als langfristiges Forschungsfeld betrachtet.

Veranstaltungen

Konferenzen, Meet-ups und Fachveranstaltungen spielen für das Crypto Valley eine wichtige Rolle. Sie bringen Entwickler, Unternehmer, Investoren, Behörden und Forschende zusammen.

Die Crypto Valley Conference wird seit 2018 durchgeführt und behandelt technische, wirtschaftliche und regulatorische Themen. Veranstaltungsort ist üblicherweise der Kanton Zug.[22]

Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich mit digitalem Bankwesen, Tokenisierung, dezentralen Finanzanwendungen, Cybersecurity und institutionellen Investitionen.

Nicht jede in der Schweiz veranstaltete Blockchain-Konferenz gehört organisatorisch zur Crypto Valley Association. Der Begriff Crypto Valley wird von verschiedenen privaten und öffentlichen Akteuren verwendet.

Technologische Schwerpunkte

Die ersten Unternehmen des Crypto Valley konzentrierten sich vor allem auf Bitcoin, Zahlungsverkehr und grundlegende Blockchain-Protokolle. Später wurde das Tätigkeitsfeld deutlich breiter.

Zu den Schwerpunkten gehören Smart Contracts, dezentrale Anwendungen, digitale Identitäten, Tokenisierung und die Verwahrung kryptobasierter Vermögenswerte.

Im Finanzbereich entwickeln Unternehmen Systeme für Handel, Abwicklung, Kreditvergabe, Staking, Vermögensverwaltung und die Ausgabe digitaler Wertrechte.

Andere Projekte befassen sich mit Lieferketten, Herkunftsnachweisen, Energiehandel, Versicherungen, Gesundheitsdaten, Spielen, digitaler Kunst und der Verwaltung von Organisationen.

Nicht jede Anwendung benötigt eine Blockchain. Fachleute prüfen daher, ob eine dezentrale Datenstruktur gegenüber einer herkömmlichen Datenbank tatsächlich Vorteile bietet. Nachteile können geringere Geschwindigkeit, hohe technische Komplexität, schwierige Fehlerkorrekturen und unklare Verantwortlichkeiten sein.

Tokenisierung

Unter Tokenisierung wird die digitale Abbildung von Vermögenswerten oder Rechten in einem elektronischen Register verstanden. Token können beispielsweise Beteiligungen, Schuldverschreibungen, Immobilienansprüche, Kunstwerke oder Nutzungsrechte repräsentieren.

Die Registerwertrechte des schweizerischen Obligationenrechts schufen eine ausdrückliche Grundlage für bestimmte tokenisierte Wertrechte.

Tokenisierung soll die Übertragung, Teilbarkeit und automatisierte Abwicklung von Vermögenswerten erleichtern. Smart Contracts können einzelne Vorgänge wie Zahlungen oder die Weiterleitung von Erträgen technisch ausführen.

Rechtliche Ansprüche entstehen jedoch nicht allein durch einen technischen Eintrag. Entscheidend ist, dass die Verbindung zwischen Token, Register und zugrunde liegendem Recht rechtswirksam ausgestaltet ist.

Das Crypto Valley entwickelte sich zu einem wichtigen Standort für Unternehmen, die solche Strukturen entwerfen, rechtlich prüfen oder technisch umsetzen.

Dezentrale Finanzanwendungen

Dezentrale Finanzanwendungen, meist als Decentralized Finance oder DeFi bezeichnet, verwenden Smart Contracts für Tätigkeiten wie Tausch, Kreditvergabe oder die Bereitstellung von Liquidität.

Solche Anwendungen können ohne einen klassischen zentralen Betreiber funktionieren. Häufig bleiben jedoch Entwickler, Benutzeroberflächen, Governance-Strukturen, Datenlieferanten oder zentrale Verwahrer beteiligt.

Die aufsichtsrechtliche Behandlung hängt von der konkreten Organisation und wirtschaftlichen Tätigkeit ab. Die Bezeichnung «dezentral» führt nicht automatisch dazu, dass keine verantwortlichen Personen oder bewilligungspflichtigen Dienstleistungen vorhanden sind.

DeFi eröffnet Möglichkeiten für programmierbare Finanzprodukte, bringt aber erhebliche Risiken mit sich. Dazu gehören fehlerhafte Smart Contracts, Marktmanipulation, unzureichende Sicherheiten, Verlust privater Schlüssel und schwer durchsetzbare Ansprüche.

Verhältnis zu Banken und Finanzplatz

Die Nähe zum schweizerischen Finanzplatz gehört zu den wichtigsten Standortfaktoren des Crypto Valley. Banken, Börsen, Vermögensverwalter und Versicherungen verfügen über umfangreiche Erfahrungen mit Regulierung und institutionellen Kunden.

Das Verhältnis zwischen Banken und Blockchain-Unternehmen war zunächst schwierig. Viele Banken lehnten die Eröffnung von Geschäftskonten ab, weil Geschäftsmodelle, Eigentümerstrukturen und die Herkunft von ICO-Geldern schwer einzuschätzen waren.

2018 veröffentlichte die Schweizerische Bankiervereinigung einen Leitfaden für die Eröffnung von Firmenkonten für Blockchain-Unternehmen. FINMA und Eidgenössisches Finanzdepartement unterstützten die Initiative.[23]

Mit der Zeit begannen mehr traditionelle Banken, Verwahrung, Handel oder Anlageprodukte für digitale Vermögenswerte anzubieten. Parallel entstanden spezialisierte Institute.

Die Annäherung zwischen klassischem Finanzwesen und Blockchain-Branche wird häufig als Übergang von einer weitgehend eigenständigen Kryptoszene zu einem institutionelleren Markt beschrieben.

Chancen

Befürworter des Crypto Valley sehen in Blockchain-Technologien die Möglichkeit, digitale Werte ohne zentrale Datenbank zu übertragen und Geschäftsprozesse zu automatisieren.

Offene Netzwerke können internationale Zusammenarbeit ermöglichen, ohne dass alle Beteiligten demselben Unternehmen vertrauen müssen. Tokenisierung kann die technische Übertragung bestimmter Vermögenswerte vereinfachen.

Das Cluster schafft Arbeitsplätze für Softwareentwickler, Juristen, Finanzfachpersonen, Sicherheitsexperten und weitere Spezialisten. Es fördert Unternehmensgründungen, Forschung und internationale Investitionen.

Für die Schweiz bietet die Branche die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in Finanzwirtschaft, Recht, Unternehmensdienstleistungen und dezentraler politischer Organisation auf neue digitale Geschäftsmodelle zu übertragen.

Die frühe Beschäftigung mit Blockchain stärkte zudem die internationale Wahrnehmung Zugs als Technologie- und Innovationsstandort.

Risiken und Kritik

Das Crypto Valley war von Beginn an auch Gegenstand von Kritik. Kryptowährungen unterliegen starken Preisschwankungen und können erhebliche Verluste verursachen.

Bei ICOs finanzierten Anleger teilweise Projekte, die nie ein funktionierendes Produkt entwickelten. Fehlende Transparenz, Interessenkonflikte und unrealistische Versprechen führten zu Streitigkeiten und behördlichen Verfahren.

Die technische Komplexität erschwert es privaten Anlegern, Risiken zu beurteilen. Selbst bei seriösen Projekten können Programmierfehler, Cyberangriffe oder der Verlust kryptografischer Schlüssel zum Verlust von Vermögenswerten führen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Energieverbrauch bestimmter Konsensverfahren. Insbesondere das frühere Proof-of-Work-Verfahren von Ethereum und der weiterhin auf diesem Verfahren beruhende Bitcoin benötigen grosse Mengen elektrischer Energie.

Auch Geldwäscherei, Sanktionsumgehung, Steuerhinterziehung, Betrug und illegale Online-Geschäfte stellen Risiken dar. Behörden und regulierte Anbieter versuchen, diese durch Identifikations-, Überwachungs- und Meldepflichten zu begrenzen.

Kritiker bemängeln zudem, dass die Zahl registrierter Unternehmen wenig über tatsächliche Beschäftigung, technische Entwicklung oder wirtschaftliche Substanz aussagt. Einige Organisationen unterhalten in Zug nur einen rechtlichen Sitz, während ihre Entwickler und Nutzer weltweit verteilt sind.

Marktkrisen

Das Crypto Valley war mehrfach von internationalen Krisen der Kryptowährungsbranche betroffen. Kursrückgänge führten zu sinkenden Unternehmensbewertungen, Entlassungen und dem Scheitern einzelner Projekte.

Die sogenannte Krypto-Winter-Phase nach dem ICO-Boom zeigte die Abhängigkeit vieler Unternehmen von Tokenpreisen und spekulativer Finanzierung.

Auch die internationalen Zusammenbrüche von Handelsplattformen, Kreditgebern und Stablecoin-Projekten wirkten sich auf das Vertrauen in die Branche aus. Schweizer Unternehmen mussten nachweisen, wie Kundengelder verwahrt, Risiken kontrolliert und Vermögenswerte bilanziert werden.

Die Krisen beschleunigten zugleich die Professionalisierung. Institutionelle Kunden verlangen geprüfte Abschlüsse, klare Eigentumsstrukturen, geregelte Verwahrung und eine nachvollziehbare Aufsicht.

Internationale Bedeutung

Crypto Valley gehört neben Standorten wie London, New York, Singapur, Dubai, Hongkong und Berlin zu den international bekannten Zentren der Blockchain-Branche.

Seine Bedeutung beruht weniger auf der Grösse des heimischen Marktes als auf der internationalen Ausrichtung der Schweiz. Viele Projekte bedienen Nutzer weltweit und beschäftigen dezentral organisierte Teams.

Die Ansiedlung von Ethereum machte Zug früh zu einem Bezugspunkt für die globale Entwicklergemeinschaft. Weitere Stiftungen und Protokollorganisationen verstärkten diesen Ruf.

Die schweizerische Regulierung wurde von anderen Staaten aufmerksam verfolgt. Insbesondere die FINMA-Tokenklassifikation und das DLT-Gesetz beeinflussten internationale Debatten über digitale Vermögenswerte.

Gleichzeitig steht Crypto Valley im Wettbewerb mit Rechtsordnungen, die eigene Krypto- und Blockchain-Gesetze, regulatorische Testumgebungen oder steuerliche Anreize geschaffen haben.

Verhältnis zu Liechtenstein

Liechtenstein entwickelte sich zu einem eng verbundenen Teil des erweiterten Crypto Valley. Das Fürstentum ist Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums und besitzt zugleich enge wirtschaftliche und währungspolitische Beziehungen zur Schweiz.

2020 trat das liechtensteinische Gesetz über Token und VT-Dienstleister in Kraft. Es wird häufig als Blockchain-Gesetz oder TVTG bezeichnet.

Das Gesetz regelt unter anderem die Registrierung bestimmter Dienstleister und die digitale Abbildung von Rechten durch Token. Sein Modell unterscheidet sich vom schweizerischen Ansatz, ergänzt diesen aber innerhalb des gemeinsamen Wirtschaftsraums.

Unternehmen können dadurch je nach Geschäftsmodell von der schweizerischen Finanz- und Technologielandschaft sowie vom Zugang Liechtensteins zum Europäischen Wirtschaftsraum profitieren.

Gesellschaftliche Wirkung in Zug

Das Crypto Valley veränderte das internationale Bild Zugs. Der Kanton war zuvor vor allem als Rohstoffhandels-, Holding- und Unternehmensstandort bekannt. Seit den 2010er Jahren wurde Blockchain zu einem sichtbaren Bestandteil der Standortidentität.

Konferenzen, Coworking-Räume und internationale Fachkräfte beeinflussten das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben. Englisch wurde in Teilen der Branche zur wichtigsten Arbeitssprache.

Die Ansiedlung gut finanzierter Unternehmen verstärkte zugleich Diskussionen über hohe Mieten, begrenzten Wohnraum und die soziale Zusammensetzung des Kantons. Diese Entwicklungen sind jedoch nicht allein auf die Blockchain-Branche zurückzuführen, sondern Teil des allgemeinen Wachstums des Wirtschaftsstandorts Zug.

Die Behörden versuchen, das Image des Crypto Valley mit breiteren Digitalisierungs-, Bildungs- und Forschungsstrategien zu verbinden. Blockchain wird dabei nicht nur als Finanzthema, sondern als Teil eines umfassenderen Technologieclusters betrachtet.

Bedeutung für die Schweiz

Crypto Valley wurde zu einem Symbol für den Anspruch der Schweiz, neue Technologien innerhalb eines stabilen rechtlichen Rahmens zu ermöglichen.

Der Standort verbindet die Tradition des schweizerischen Finanzplatzes mit dezentralen digitalen Netzwerken. Dabei entstanden sowohl neue Unternehmen als auch Kooperationen mit etablierten Banken und Industrieunternehmen.

Die Entwicklung zwang Politik und Behörden, bestehende Gesetze frühzeitig auf neue technische Strukturen anzuwenden. Daraus gingen die ICO-Wegleitung, die FinTech-Bewilligung und das DLT-Gesetz hervor.

Crypto Valley ist zugleich ein Beispiel für die Rolle des schweizerischen Föderalismus in der Standortpolitik. Stadt und Kanton Zug konnten Pilotprojekte umsetzen, während die eigentliche Finanzmarktgesetzgebung und -aufsicht auf Bundesebene verblieben.

Die langfristige Bedeutung des Clusters hängt davon ab, ob Unternehmen nachhaltige Produkte entwickeln, regulatorische Anforderungen erfüllen und über spekulative Marktzyklen hinaus wirtschaftliche Substanz schaffen können.

Siehe auch

Literatur

  • Bundesrat: Rechtliche Grundlagen für Distributed Ledger-Technologie und Blockchain in der Schweiz. Bericht des Bundesrates, Bern 2018.
  • Eidgenössische Finanzmarktaufsicht: Wegleitung für Unterstellungsanfragen betreffend Initial Coin Offerings. Bern 2018.
  • CV VC: Crypto Valley Company & Industry Report 2025. Zug 2025.
  • Daniela M. Mühlbach, Bernhard Müller: Blockchain und DLT im Schweizer Recht. Zürich.
  • Rolf H. Weber, Simone Baumann: FinTech und Blockchain in der Schweiz. Schulthess, Zürich.
  • Fabian Schär, Aleksander Berentsen: Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets. Books on Demand, Norderstedt 2017.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 About the Crypto Valley Association, Crypto Valley Association, abgerufen am 30. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Projects: Crypto Valley, Johann Gevers, abgerufen am 30. Juli 2026.
  3. Ethereum Foundation is hiring an Executive Director, Ethereum Foundation, 8. April 2015.
  4. 4,0 4,1 Blockchain, Fintech und IT, Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug, abgerufen am 30. Juli 2026.
  5. August Recap – Special Edition: 10 Year Bitcoin Suisse, Bitcoin Suisse, 12. September 2023.
  6. Ethereum Foundation, ethereum.org, abgerufen am 30. Juli 2026.
  7. Mihai’s Ethereum Project Update: The First Year, Ethereum Foundation, 14. März 2015.
  8. Contact us, Tezos Foundation, abgerufen am 30. Juli 2026.
  9. Crypto Valley Grows 132% Since 2020: Now Hosts 1,749 Companies, CV VC, 14. Mai 2025.
  10. FINMA untersucht ICO-Verfahren, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 29. September 2017.
  11. FINMA publiziert ICO-Wegleitung, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 16. Februar 2018.
  12. Von Bitcoin zu Blockchain-Anwendungen, Stadt Zug, 15. Dezember 2016.
  13. Merkblatt «Liberierung mit Kryptowährungen», Handelsregisteramt des Kantons Zug, Januar 2018.
  14. Steuern bezahlen mit Kryptowährungen, Kanton Zug, abgerufen am 30. Juli 2026.
  15. 15,0 15,1 FINMA erteilt erstmals Bewilligungen an Blockchain-Finanzdienstleister, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 26. August 2019.
  16. FinTech-Bewilligung, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, abgerufen am 30. Juli 2026.
  17. DLT, Blockchain und Tokenisierung, Staatssekretariat für internationale Finanzfragen, abgerufen am 30. Juli 2026.
  18. FINMA bewilligt erstmals ein DLT-Handelssystem, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 18. März 2025.
  19. FINMA publiziert Wegleitung zu Stablecoins, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 11. September 2019.
  20. FINMA veröffentlicht Aufsichtsmitteilung zu Stablecoins, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, 26. Juli 2024.
  21. Kanton Zug und die Universität Luzern eröffnen Blockchain-Forschungsinstitut, Kanton Zug, 23. Januar 2026.
  22. Crypto Valley Conference, abgerufen am 30. Juli 2026.
  23. FinTech-Finanzdienstleister, Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, abgerufen am 30. Juli 2026.