Alpnachersee

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Alpnachersee
Lage Kanton Obwalden und Kanton Nidwalden, Schweiz
Seesystem Teilbecken des Vierwaldstättersees
Ufergemeinden Alpnach und Stansstad
Höhe 434 m ü. M.
Fläche 4,67 km²
Länge rund 4,8 km
Maximale Breite rund 1,4 km
Maximale Tiefe 35 m
Wichtigste Zuflüsse Sarner Aa und Kleine Schliere
Abfluss über die Acheregg in den Vierwaldstättersee
Besonderheiten flaches Teilbecken, Schifffahrt nach Alpnachstad, bedeutendes Wassersportgebiet

Der Alpnachersee ist ein Teilbecken des Vierwaldstättersees in der Zentralschweiz. Er liegt in den Kantonen Obwalden und Nidwalden zwischen dem Pilatus, der Ebene von Alpnach und der Seeenge bei Stansstad. Der See ist rund 4,8 Kilometer lang, bis zu 1,4 Kilometer breit und weist eine Fläche von 4,67 Quadratkilometern auf. Seine grösste Tiefe beträgt 35 Meter.[1]

Vom übrigen Vierwaldstättersee ist der Alpnachersee durch den Lopper und die nur knapp 100 Meter breite Verbindung bei der Acheregg weitgehend getrennt. Er bildet dennoch keinen hydrologisch eigenständigen See. Sein Wasser fliesst durch die Seeenge bei Stansstad in die übrigen Becken des Vierwaldstättersees und schliesslich über die Reuss bei Luzern ab.

Der Alpnachersee ist aufgrund seiner Lage, seiner vergleichsweise geringen Tiefe und der bedeutenden Zuflüsse hydrologisch und ökologisch anders geprägt als die tieferen Becken des Vierwaldstättersees. Er ist zugleich Verkehrsraum, Fischgewässer, Naherholungsgebiet, Wassersportzentrum und Teil einer bedeutenden Kulturlandschaft am Fuss des Pilatus.

Geografie

Der Alpnachersee erstreckt sich von Alpnachstad im Südwesten bis zur Acheregg bei Stansstad im Nordosten. Der grösste Teil des Sees liegt im Kanton Obwalden. Der nordöstliche Bereich mit der Seeenge, dem Rotzloch und dem Südhang des Loppers gehört zum Kanton Nidwalden.

Das Südufer wird durch die Ebene von Alpnach und das Mündungsgebiet der Sarner Aa geprägt. Dort befinden sich das Städerried, der Flugplatz Alpnach, Landwirtschaftsflächen, Hafenanlagen und verschiedene Freizeitgebiete. Der Ortsteil Alpnachstad liegt am südwestlichen Ende des Sees.

Am Nordufer steigt das Gelände teilweise steil zum Lopper und zum Pilatusmassiv an. Die bewaldeten Hänge reichen stellenweise bis nahe an das Wasser. Die schmale Uferzone wird dort von Verkehrswegen, Felswänden und kleineren Buchten bestimmt.

Östlich des Sees liegen das Rotzloch und die Ausläufer des Rotzbergs. Bei Stansstad öffnet sich der Alpnachersee durch die Acheregg zum übrigen Vierwaldstättersee. Stansstad selbst liegt auf einer Schwemmebene zwischen dem Pilatus und dem Bürgenberg.[2]

Der Seespiegel liegt auf rund 434 m ü. M. und bildet den tiefsten Punkt des Kantons Obwalden.[3]

Entstehung

Der Alpnachersee entstand während der Eiszeiten durch die Tätigkeit grosser Alpengletscher. Ein Arm des Aaregletschers und weitere Eisströme schliffen das Sarneraatal und die Becken des heutigen Vierwaldstättersees aus. Nach dem Rückzug der Gletscher füllten sich die entstandenen Vertiefungen mit Schmelz- und Niederschlagswasser.

Nach der letzten Eiszeit bildeten der heutige Alpnachersee und der Sarnersee zunächst gemeinsam mit dem Vierwaldstättersee eine grössere Wasserfläche. Durch die Ablagerung von Geschiebe, Sand, Schlamm und organischem Material im Sarneraatal wurde der Sarnersee allmählich vom Alpnachersee getrennt. Der Alpnachersee blieb dagegen durch die Acheregg mit dem Hauptsee verbunden.[1]

Moränen, Schwemmebenen und Flussdeltas prägen die Uferlandschaft bis heute. Besonders deutlich ist der Einfluss der Flüsse am Südufer, wo die Sarner Aa und die Kleine Schliere während Jahrhunderten grosse Mengen Geschiebe ablagerten.

Hydrologie

Zuflüsse

Der wichtigste Zufluss des Alpnachersees ist die Sarner Aa. Sie entwässert einen grossen Teil des Kantons Obwalden und führt Wasser aus dem Sarnersee, dem Wichelsee sowie aus mehreren Seitenbächen in den Alpnachersee.

Ein weiterer bedeutender Zufluss ist die Kleine Schliere. Sie entspringt im Gebiet westlich von Alpnach und mündet heute unmittelbar in den See. Der Lauf des Flusses wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts verändert und kanalisiert.

Kleinere Bäche fliessen von den Hängen des Pilatus, des Loppers und der umliegenden Höhenzüge in den See. Ihre Wasserführung kann nach starken Niederschlägen oder während der Schneeschmelze rasch zunehmen.

Verbindung mit dem Vierwaldstättersee

Der Alpnachersee ist bei der Acheregg durch eine knapp 100 Meter breite Wasserstrasse mit dem übrigen Vierwaldstättersee verbunden.[1] Diese Engstelle liegt zwischen dem Lopper und Stansstad und wird von mehreren Verkehrsverbindungen überquert.

Der Wasseraustausch durch die Acheregg wird durch Zuflussmengen, Wind, Temperaturunterschiede und den Wasserstand des gesamten Vierwaldstättersees beeinflusst. Da der Alpnachersee nur 35 Meter tief ist, erwärmt und durchmischt er sich anders als die tieferen Hauptbecken.

Der einzige endgültige Abfluss des gesamten Seesystems ist die Reuss in der Stadt Luzern. Wasser aus dem Sarneraatal gelangt somit über die Sarner Aa, den Alpnachersee, den Vierwaldstättersee und die Reuss in die Aare und danach in den Rhein.

Wasserqualität

Der Alpnachersee unterscheidet sich in seiner Wasserchemie deutlich von den übrigen Becken des Vierwaldstättersees. Aufgrund seiner geringen Tiefe, des verhältnismässig grossen Einzugsgebiets und der Zuflüsse aus dem intensiv genutzten Sarneraatal ist er empfindlicher gegenüber Nährstoffeinträgen.

In den 1980er-Jahren durchlief der Alpnachersee eine deutlich stärkere Eutrophierungsphase als die tieferen Becken des Vierwaldstättersees. Abwässer, landwirtschaftliche Nährstoffe und weitere Einträge förderten das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen.

Mit dem Ausbau der Abwasserreinigung, dem Anschluss der Siedlungen an Kläranlagen und dem Verbot phosphathaltiger Waschmittel nahm die Belastung später wieder ab. Die heutige Wasserqualität gilt grundsätzlich als gut, die Nährstoffkonzentrationen sind jedoch weiterhin höher als im übrigen Vierwaldstättersee.

Die gemessenen Phosphorkonzentrationen liegen je nach Jahreszeit ungefähr zwischen 9 und 18 Milligramm pro Kubikmeter. Beim Nitrat werden Werte von rund 600 bis 1'200 Milligramm pro Kubikmeter gemessen. Das stärkere Algenwachstum kann dem Wasser im Sommer eine deutlich trübere Färbung verleihen.[4]

Seit 2022 wird der Alpnachersee im Auftrag der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee jeweils im Frühling und Herbst gesondert untersucht. Dabei werden unter anderem Temperatur, Sauerstoff, Nährstoffe, Algen und weitere chemische sowie biologische Eigenschaften erfasst.[4]

Temperaturschichtung und Durchmischung

Während des Sommers bildet sich im Alpnachersee eine Temperaturschichtung. Das warme Oberflächenwasser liegt über dem kälteren Tiefenwasser. Zwischen diesen Schichten entsteht ein Bereich, in dem die Temperatur rasch abnimmt.

Wegen seiner geringen Tiefe wird der Alpnachersee im Winter regelmässig vollständig durchmischt. Wind und Abkühlung sorgen dafür, dass sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis zum Seegrund gelangt. Die Durchmischung ist für Fische und andere im Tiefenwasser lebende Organismen von grosser Bedeutung.

Im Vergleich zu den tiefen Becken des Vierwaldstättersees reagiert der Alpnachersee schneller auf Wärmeperioden und Veränderungen der Lufttemperatur. Längere sommerliche Hitzeperioden können die Dauer und Stärke der Temperaturschichtung erhöhen.

In besonders kalten Wintern kann der Alpnachersee teilweise oder vollständig zufrieren. Historisch dokumentiert sind unter anderem ausgedehnte Eisdecken in den Jahren 1929 und 1963.

Uferlandschaft

Die Ufer des Alpnachersees weisen sehr unterschiedliche Formen auf. Neben steilen, bewaldeten Hängen bestehen flache Mündungsgebiete, Schilfzonen, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Häfen, Verkehrswege und befestigte Uferabschnitte.

Das Südufer wurde während der vergangenen 150 Jahre besonders stark verändert. Zu den wichtigsten Eingriffen gehörten:

  • die Umleitung der Grossen Melchaa in den Sarnersee um 1880;
  • die direkte Umleitung der Kleinen Schliere in den Alpnachersee um 1890;
  • die Errichtung des Geschiebesammlers Schlierenrüti um 1950;
  • der Aufstau des Wichelsees für das Kraftwerk Sarner Aa im Jahr 1955;
  • die Kanalisierung des Unterlaufs der Sarner Aa;
  • der Ausbau des Flugplatzes Alpnach;
  • die Gewinnung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen;
  • der langjährige Abbau von Kies und Sand im Mündungsgebiet.

Der Kiesabbau begann im frühen 20. Jahrhundert und wurde zwischen etwa 1950 und 2000 besonders intensiv betrieben. Dabei entstanden tiefe Baggerlöcher, künstliche Buchten und Halbinseln. Gleichzeitig gingen ökologisch wertvolle Flachwasserzonen und Flachmoore verloren.[5]

Städerried

Das Städerried am Südufer ist eines der bedeutendsten Naturgebiete des Alpnachersees. Es umfasst Flachwasserbereiche, Riedwiesen, Schilfbestände, Auen und teilweise künstlich entstandene Buchten.

Das Gebiet besitzt mehrere Schutzstellungen. Dazu gehören die seit 1976 bestehende Naturschutzzone Städerried, Flachmoore und Auen von nationaler Bedeutung, ein Vogelschutzgebiet sowie ein Gebiet des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.[5]

Das Städerried bietet Lebensräume für Wasservögel, Amphibien, Fische, Insekten und seltene Pflanzen. Die flachen Übergangszonen zwischen Land und Wasser sind besonders wertvoll, weil sie Laichplätze, Nahrungsräume und Schutz vor Wellenschlag bieten.

Gleichzeitig ist das Gebiet ein wichtiges Naherholungsgebiet. Wander- und Uferwege ermöglichen Naturbeobachtungen, ohne dass sämtliche empfindlichen Flächen betreten werden müssen.

Revitalisierung des Südufers

Mit dem Projekt «Aufwertung Südufer Alpnachersee» wurden Teile der durch Kiesabbau und Flusskorrektionen beeinträchtigten Uferlandschaft ökologisch wiederhergestellt.

Im Bereich der Mündungsbucht wurden ehemalige Baggerlöcher teilweise mit sauberem Aushub- und Ausbruchmaterial aufgefüllt. Dadurch entstanden neue Flachwasserzonen, Flachmoorflächen und Voraussetzungen für die Entwicklung eines natürlicheren Flussdeltas.[5]

Ein Teil des verwendeten Materials stammte aus dem Bau des Hochwasserentlastungsstollens im Sarneraatal und aus der Erneuerung des Kraftwerks Ritom im Kanton Tessin. Material aus dem Tessin wurde per Bahn nach Flüelen und von dort mit Klappschiffen über den Vierwaldstättersee zum Alpnachersee transportiert.

Am Westufer bei Lihren wurde 2023 ein weiterer Uferabschnitt revitalisiert. Der bisherige Uferweg wurde zurückversetzt und erhöht, Blocksteine wurden entfernt und das Ufer flacher gestaltet. In der Wechselwasserzone pflanzte man Schilf, während im landseitigen Bereich einheimische Gehölze sowie Holz- und Steinstrukturen angelegt wurden.[6]

Das Anschlussprojekt «Aufwertung Südufer Alpnachersee Plus», kurz ASA+, sieht weitere Flachwasserschüttungen in der mittleren Bucht des Städerrieds vor. Dabei sollen zusätzliche Baggerlöcher aufgefüllt, Flachufer geschaffen und der Seegrund ökologisch aufgewertet werden.

Pflanzenwelt

In den flachen Uferbereichen wachsen Schilf, Binsen, Seggen und verschiedene Unterwasserpflanzen. Die Vegetation schützt das Ufer, bindet Nährstoffe und bietet zahlreichen Tierarten Deckung.

Der Alpnachersee besitzt im Vergleich mit anderen Becken des Vierwaldstättersees eine besonders vielfältige Wasserpflanzenflora. Bei Untersuchungen wurden 26 Arten festgestellt. Armleuchteralgen machen allerdings einen geringeren Anteil des gesamten Pflanzenbestands aus als in mehreren anderen Seebecken.[7]

Wasserpflanzenbestände sind für Jungfische, Schnecken, Muscheln und Insektenlarven wichtig. Sie können jedoch durch Uferverbauung, Wellenschlag, invasive Arten und Veränderungen des Nährstoffhaushalts beeinträchtigt werden.

Fischbestand

Der Alpnachersee wird von Berufs- und Angelfischern genutzt. Durch seine geringe Tiefe, den höheren Nährstoffgehalt und die ausgedehnten Flachwasserzonen besitzt er eine andere Fischartengemeinschaft als die tieferen Becken des Vierwaldstättersees.

Zu den vorkommenden Fischarten gehören unter anderem:

  • Egli;
  • Rotauge;
  • Felchen;
  • Hecht;
  • Seeforelle;
  • Trüsche;
  • Alet;
  • Laube;
  • Schleie;
  • Brachsmen.

Standardisierte Befischungen dienen dazu, die Artenzusammensetzung, die Altersstruktur und den Zustand der Lebensräume zu untersuchen. Dabei werden verschiedene Netze, Elektrofischerei und wissenschaftliche Auswertungsmethoden eingesetzt.[1]

Für die Fortpflanzung vieler Arten sind natürliche Flachufer, Schilfgürtel, kiesige Bachmündungen und strukturreiche Unterwasserbereiche von grosser Bedeutung. Die Revitalisierung des Südufers soll deshalb auch die Bedingungen für den Fischbestand verbessern.

Die Fischerei wird durch interkantonale Vereinbarungen und kantonale Ausführungsbestimmungen geregelt. Der Alpnachersee gehört fischereirechtlich zum System des Vierwaldstättersees.

Quaggamuschel

Im Juli 2024 wurde im Alpnachersee erstmals die invasive Quaggamuschel nachgewiesen. Die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Muschel kann sich stark vermehren und praktisch alle festen Unterwasserflächen besiedeln.[8]

Eine starke Ausbreitung kann erhebliche Auswirkungen haben:

  • Veränderung der Nahrungsketten;
  • Verringerung des im freien Wasser verfügbaren Planktons;
  • Beeinflussung der Fischbestände;
  • Bewuchs von Leitungen, Booten und technischen Anlagen;
  • Verdrängung einheimischer Muschelarten;
  • Veränderung der Nährstoffverteilung im See.

Seit August 2024 gilt in der Zentralschweiz bei Gewässerwechseln für immatrikulierte Schiffe eine Melde- und Reinigungspflicht. Boote müssen vor dem Einsetzen in ein anderes Gewässer fachgerecht gereinigt werden. Auch Wassersport-, Fischerei- und Tauchausrüstungen sollen vollständig getrocknet und gereinigt werden.[8]

Seit 2026 wird die Verbreitung der Quaggamuschel im Vierwaldstättersee und im Alpnachersee mit Unterwasseraufnahmen und Sedimentproben genauer überwacht.[9]

Geschichte

Frühe Verkehrswege

Der Alpnachersee bildete während Jahrhunderten einen Teil einer wichtigen Verkehrsverbindung zwischen Luzern, Obwalden, dem Brünigpass und dem Berner Oberland. Reisende und Waren wurden mit Schiffen über den Vierwaldstättersee nach Alpnachstad gebracht und von dort auf dem Landweg weitertransportiert.

Der Namensbestandteil «Stad» in Alpnachstad bezeichnet einen als Landungs- oder Umschlagplatz dienenden Uferabschnitt. Bis zum Bau moderner Strassen und Eisenbahnen war Alpnachstad ein bedeutender Personen- und Güterumschlagplatz.[10]

Holz, Käse, Vieh, Salz, Wein und weitere Güter wurden zwischen Schiffen, Fuhrwerken und Saumtieren umgeladen. Der See war dadurch eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Sarneraatals verbunden.

Ausbau der Verkehrsverbindungen

Im 19. Jahrhundert wurden die Strassenverbindungen entlang des Loppers und über die Acheregg ausgebaut. Bereits 1855 fanden Besprechungen über eine neue Strasse und eine Brücke statt.[2]

Mit der zunehmenden Grösse der Dampfschiffe mussten die Brücken über die Acheregg mehrfach angepasst werden. Eine ältere Hebebrücke wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Drehbrücke ersetzt. Dadurch wurde die Durchfahrt für grössere Schiffe verbreitert.

Im Mai 1914 nahm eine neue, von der Firma Bell in Kriens gebaute Drehbrücke den Betrieb auf. Das Bauwerk galt als technische Sehenswürdigkeit und war für die Entwicklung der Schifffahrt und des Kantons Nidwalden von grosser Bedeutung.[2]

Im Jahr 1964 wurden Nidwalden und Stansstad durch neue Strassen- und Eisenbahnverbindungen enger an das schweizerische Verkehrsnetz angeschlossen. Dazu gehörten die Autobahnverbindung und die Bahnstrecke zwischen Hergiswil und Stansstad.

Unterwasserlager der Migros

In den 1940er- und 1950er-Jahren führte die Migros im Alpnachersee Versuche zur Unterwasserlagerung von Lebensmitteln durch. Die Idee stammte von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler.

Das kalte und sauerstoffarme Tiefenwasser sollte als natürlicher Lagerraum dienen. In Fässern wurden unter anderem Lebensmittel und Kokosöl versenkt. Bis zum Sommer 1955 umfassten die Versuche insgesamt 2'765 Fässer mit Kokosöl.[11]

Obwohl die technischen Ergebnisse teilweise positiv ausfielen, bewilligten die Behörden keine dauerhafte oder wesentlich grössere Unterwasserlagerung. Im Staatsarchiv Obwalden sind Beschlüsse, Bewilligungen, Pläne und Berichte zu den Versuchen aus den Jahren 1949 bis 1965 erhalten.[12]

Schifffahrt

Alpnachstad ist eine Anlegestelle der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Während der Sommersaison verkehren Kursschiffe zwischen Luzern, Stansstad und Alpnachstad.

Die Fahrt über den Alpnachersee ist Bestandteil der sogenannten Alpnacher Rundfahrt und der touristischen «Goldenen Rundfahrt» auf den Pilatus. Reisende fahren dabei mit dem Schiff nach Alpnachstad und setzen ihre Reise mit der Pilatusbahn fort.[13]

Die Durchfahrt bei der Acheregg stellt besondere Anforderungen an die Schiffe. Das Dampfschiff «Unterwalden» besitzt einen absenkbaren Kamin und kann deshalb die niedrigen Brücken auf dem Weg nach Alpnachstad passieren.[14]

Neben der Kursschifffahrt wird der See von privaten Motorbooten, Segelbooten, Ruderbooten und weiteren Wasserfahrzeugen genutzt.

Pilatusbahn

In Alpnachstad befindet sich die Talstation der Pilatusbahn. Die Zahnradbahn führt von der Seehöhe auf den Pilatus Kulm und überwindet auf einer Strecke von 4'618 Metern einen Höhenunterschied von mehr als 1'600 Metern.

Die Bahn wurde am 4. Juni 1889 mit Dampfbetrieb eröffnet. Ihre maximale Steigung beträgt 48 Prozent, womit sie als steilste Zahnradbahn der Welt gilt.[15]

Die Eröffnung der Bahn veränderte die Bedeutung Alpnachstads. Der frühere Umschlagplatz für den Verkehr über den Brünig wurde zu einem international bekannten Ausgangspunkt für Reisen auf den Pilatus.

Im Jahr 1937 wurde die Bahn elektrifiziert. Zwischen 2021 und 2023 erfolgte eine umfassende Modernisierung mit neuen Triebwagen, zusätzlichen Perronanlagen und technischen Anpassungen.[16]

Verkehr

Der Alpnachersee liegt an bedeutenden Verkehrsachsen der Zentralschweiz. Entlang seiner Ufer und durch die angrenzenden Berge verlaufen Strassen und Bahnlinien zwischen Luzern, Nidwalden, Obwalden und dem Berner Oberland.

Die Autobahn A2 verläuft im Gebiet von Stansstad und Hergiswil. Bei der Verzweigung Lopper zweigt die Autobahn A8 in Richtung Alpnach, Sarnen, Brünig und Interlaken ab.

Die Bahnstrecke der Zentralbahn verbindet Luzern über Hergiswil und Alpnachstad mit Sarnen, dem Brünigpass und Interlaken. Eine weitere Strecke führt von Hergiswil über Stansstad nach Stans und Engelberg.

Bei der Acheregg konzentrieren sich Schiffsverkehr, Strassen und Bahnlinien auf engem Raum. Die Engstelle besitzt deshalb eine grosse verkehrstechnische Bedeutung.

Flugplatz Alpnach

Am Südufer des Sees liegt der Militärflugplatz Alpnach. Er wird insbesondere von Helikoptereinheiten der Schweizer Luftwaffe genutzt.

Der Ausbau des Flugplatzes war eng mit der Kanalisierung der Sarner Aa, dem Hochwasserschutz und der Umgestaltung des Städerrieds verbunden. Durch wasserbauliche Massnahmen entstanden zusätzliche Flächen für Pisten, Gebäude und Sicherheitsanlagen.

Der Flugbetrieb prägt einen Teil der Landschaft und führt zu Nutzungskonflikten mit Naturschutz, Erholung und Siedlungsentwicklung. Gleichzeitig ist der Flugplatz ein bedeutender Arbeitgeber und Infrastrukturstandort im Kanton Obwalden.

Wassersport

Der Alpnachersee ist für seine günstigen Windverhältnisse bekannt. Besonders bei sonnigem Wetter entstehen lokale thermische Winde, die durch die Geländeform und die Verengung beim Lopper verstärkt werden können.

Der See ist deshalb ein beliebtes Gebiet für:

  • Windsurfen;
  • Wingfoilen;
  • Kitesurfen in den dafür zugelassenen Bereichen;
  • Segeln;
  • Rudern;
  • Stand-up-Paddling;
  • Kanufahren;
  • Schwimmen.

Die Windverhältnisse können sich rasch verändern. Bei starkem Wind bilden sich trotz der begrenzten Seefläche kurze und steile Wellen. Kleine Wasserfahrzeuge und unerfahrene Sportler können dadurch gefährdet werden.

Wassersportler müssen Rücksicht auf Kursschiffe, Schutzgebiete, Badezonen und Sperrflächen nehmen. Besonders empfindliche Schilf- und Flachwasserbereiche dürfen nicht befahren werden.

Baden und Erholung

Am Alpnachersee befinden sich mehrere Bade- und Erholungsplätze. Öffentliche Seezugänge bestehen unter anderem bei Alpnachstad, entlang des Westufers und im Raum Stansstad.

Ein Uferweg verbindet verschiedene Abschnitte zwischen Alpnachstad, dem Lopper und Stansstad. Wegen steiler Felsbereiche, Verkehrswegen, Privatgrundstücken und Schutzgebieten verläuft der Weg nicht überall unmittelbar am Wasser.

Das Städerried und die revitalisierten Uferabschnitte dienen sowohl dem Naturschutz als auch der stillen Erholung. Beobachtungsstellen, Wege und Aufenthaltsbereiche ermöglichen den Zugang, ohne die empfindlichsten Lebensräume zu beeinträchtigen.

Hochwasserschutz

Der Alpnachersee nimmt das Wasser der Sarner Aa und damit einen grossen Teil des Abflusses aus dem Sarneraatal auf. Bei lang anhaltenden Niederschlägen und starker Schneeschmelze kann der Wasserstand des Sees deutlich steigen.

Die Hochwasserereignisse von 1910, 1970, 1999 und besonders 2005 verursachten in der Region erhebliche Schäden. Stansstad und die tiefer gelegenen Gebiete am See waren wiederholt von Überschwemmungen betroffen.[2]

Das Hochwasserschutzprojekt Sarneraatal umfasst einen Hochwasserentlastungsstollen, Ausbauten an der Sarner Aa und ökologische Aufwertungen im Mündungsbereich. Der Stollen führt Wasser aus dem Sarnersee bis unterhalb des Wichelsees, wo es in die Sarner Aa gelangt und danach in den Alpnachersee fliesst.[17]

Die Projekte sollen die Hochwassersicherheit verbessern, ohne die Belastung lediglich in das Gebiet von Alpnach und an den Alpnachersee zu verlagern. Deshalb werden Gerinne, Entlastungskorridore und Mündungsbereiche gemeinsam geplant.

Bedeutung

Der Alpnachersee besitzt für Obwalden und Nidwalden eine grosse landschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Bedeutung. Er verbindet das Sarneraatal mit dem Vierwaldstättersee und bildet einen natürlichen Übergang zwischen Mittelland, Voralpen und Alpen.

Für den Tourismus ist der See vor allem durch die Schifffahrt nach Alpnachstad und die Verbindung zur Pilatusbahn wichtig. Für die Bevölkerung dient er als Bade-, Wander-, Fischerei- und Wassersportgebiet.

Ökologisch sind vor allem das Städerried, die Bachmündungen, Schilfzonen und revitalisierten Flachufer wertvoll. Gleichzeitig zeigen die starke Veränderung des Südufers und die Ausbreitung der Quaggamuschel, wie empfindlich das Gewässer auf menschliche Eingriffe und eingeschleppte Arten reagiert.

Der Alpnachersee ist damit sowohl ein stark genutzter Verkehrs- und Erholungsraum als auch ein bedeutendes Schutz- und Revitalisierungsgebiet der Zentralschweiz.

Siehe auch

Literatur

  • Aquabios GmbH: Standardisierte Befischung Alpnachersee. Auftrag der Kantone Obwalden, Nidwalden und Luzern sowie der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee.
  • Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Berichte zur Wasserqualität und Ökologie des Vierwaldstättersees und des Alpnachersees.
  • Kanton Obwalden: Hochwassersicherheit Sarneraatal – Aufwertung Südufer Alpnachersee.
  • Gemeinde Stansstad: Geschichte der Verkehrswege und Brücken an der Acheregg.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Aquabios GmbH: Standardisierte Befischung Vierwaldstättersee und Alpnachersee – Ergebnisse der Erhebungen von 2025, 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Gemeinde Stansstad: Geschichte von Stansstad, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. Kanton Obwalden: Natur und Landschaft, abgerufen am 28. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Wasserqualität des Vierwaldstättersees und des Alpnachersees, abgerufen am 28. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Kanton Obwalden: Südufer Alpnachersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  6. Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Revitalisierungen am Alpnachersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  7. Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Wasserpflanzen im Vierwaldstättersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  8. 8,0 8,1 Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Engagement gegen aquatische Neobiota, 13. Februar 2025, abgerufen am 28. Juli 2026.
  9. Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Monitoring der Quaggamuschel im Vierwaldstättersee, 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
  10. ortsnamen.ch: Alpnachstad, abgerufen am 28. Juli 2026.
  11. Migros: Experimente unter Wasser, abgerufen am 28. Juli 2026.
  12. Staatsarchiv Obwalden: Alpnachersee, Unterwasserlagerung der Migros, 1949–1965, abgerufen am 28. Juli 2026.
  13. Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees: Alpnacher Rundfahrt, abgerufen am 28. Juli 2026.
  14. Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees: Dampfschiff Unterwalden, abgerufen am 28. Juli 2026.
  15. Pilatus-Bahnen: Geschichte der Pilatus-Zahnradbahn, abgerufen am 28. Juli 2026.
  16. Pilatus-Bahnen: Technische Daten der Pilatus-Zahnradbahn, abgerufen am 28. Juli 2026.
  17. Kanton Obwalden: Sarner Aa mit Hochwasserentlastungsstollen Ost, abgerufen am 28. Juli 2026.

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