Berner Kantonalbank
| Berner Kantonalbank AG | |
|---|---|
| Kurzbezeichnung | BEKB |
| Französische Bezeichnung | Banque Cantonale Bernoise SA |
| Markenauftritt | BCBE |
| Unternehmensform | Aktiengesellschaft |
| Branche | Bankwesen |
| Banktyp | Kantonalbank und Universalbank |
| Gründung | 1834 |
| Sitz | Bern |
| Hauptsitz | Bundesplatz 8, Bern |
| Marktgebiet | Kantone Bern und Solothurn sowie angrenzende Wirtschaftsräume |
| Mehrheitsaktionär | Kanton Bern mit 51,5 % |
| Verwaltungsratspräsidentin | Annelis Lüscher Hämmerli |
| Vorsitzender der Geschäftsleitung | Armin Brun |
| Mitarbeitende | rund 1270 |
| Kundinnen und Kunden | rund 483'000 |
| Standorte | 72 |
| Börsenkotierung | SIX Swiss Exchange |
| Börsensymbol | BEKN |
| ISIN | CH0009691608 |
| Website | www.bekb.ch |
Die Berner Kantonalbank AG' (kurz BEKB; französisch Banque Cantonale Bernoise SA beziehungsweise BCBE) ist eine Schweizer Kantonalbank mit Sitz in Bern. Sie tritt zweisprachig unter der Marke BEKB | BCBE auf und ist hauptsächlich in den Kantonen Bern und Solothurn sowie in den unmittelbar angrenzenden Wirtschaftsräumen tätig.
Die Bank wurde 1834 als Kantonalbank von Bern gegründet und gilt als erste schweizerische Kantonalbank. Seit 1998 ist sie als privatrechtliche Aktiengesellschaft organisiert. Ihre Namenaktien werden seit 2000 an der SIX Swiss Exchange gehandelt. Der Kanton Bern hält 51,5 Prozent des Aktienkapitals und der Stimmrechte und bleibt damit Mehrheitsaktionär.[1][2]
Die BEKB ist eine Universalbank. Sie bietet Dienstleistungen für Privatpersonen, Unternehmen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und institutionelle Kundschaft an. Zu ihren Geschäftsfeldern gehören Konten und Zahlungsverkehr, Hypotheken, Unternehmensfinanzierungen, Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Vorsorge, Wertschriftenhandel und Private Banking.
Mit einer Bilanzsumme von rund 43 Milliarden Franken, rund 483'000 Kundinnen und Kunden und 72 Standorten gehört sie zu den grösseren Kantonalbanken der Schweiz. Anders als die meisten Kantonalbanken verfügt sie nicht mehr über eine Staatsgarantie.[3][4]
Name und Markenauftritt
Der deutsche Unternehmensname lautet Berner Kantonalbank AG. In der französischsprachigen Kommunikation verwendet die Bank den Namen Banque Cantonale Bernoise SA.
Der zweisprachige Markenauftritt BEKB | BCBE trägt der sprachlichen Vielfalt des Kantons Bern Rechnung. Der Kanton umfasst neben den deutschsprachigen Regionen auch den französischsprachigen Berner Jura und die zweisprachige Stadt Biel/Bienne.
Die Abkürzung BEKB leitet sich vom deutschen, BCBE vom französischen Banknamen ab. Beide Bezeichnungen erscheinen auf Geschäftsstellen, Publikationen, Bankkarten, digitalen Angeboten und in der Unternehmenskommunikation.
Historisch trug das Institut zunächst den Namen Kantonalbank von Bern. Die heutige Berner Kantonalbank entstand 1991 aus deren Zusammenschluss mit der Hypothekarkasse des Kantons Bern.
Rechtsform und kantonaler Auftrag
Die BEKB ist eine privatrechtliche Aktiengesellschaft nach dem Schweizerischen Obligationenrecht. Sie unterscheidet sich damit von Kantonalbanken, die als öffentlich-rechtliche Anstalten oder spezialgesetzliche Aktiengesellschaften organisiert sind.
Die Grundlagen für die Beteiligung des Kantons finden sich in der Verfassung und Gesetzgebung des Kantons Bern. Nach Artikel 53 der Kantonsverfassung betreibt der Kanton zur Förderung der volkswirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eine Bank.
Das kantonale Gesetz über die Aktiengesellschaft Berner Kantonalbank verpflichtet den Kanton, kapital- und stimmenmässig die absolute Mehrheit zu halten. Ende 2025 besass der Kanton 51,5 Prozent des Aktienkapitals. Die übrigen 48,5 Prozent befanden sich im Publikum.[5]
Der öffentliche Auftrag bedeutet nicht, dass die Bank Weisungen der Kantonsregierung zu einzelnen Geschäften erhält. Die politische Eigentümerrolle und die unternehmerische Führung sind institutionell voneinander getrennt.
Die Mitglieder des Verwaltungsrats werden durch die Generalversammlung gewählt. Der Kanton entsendet keine Regierungs- oder Verwaltungsvertreter kraft Amtes in den Verwaltungsrat. Die BEKB ist steuerpflichtig und untersteht wie andere Schweizer Banken der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht.
Staatsgarantie
Bei ihrer Gründung und während eines grossen Teils ihrer Geschichte besass die Berner Kantonalbank eine kantonale Staatsgarantie. Der Kanton haftete damit unter bestimmten Voraussetzungen für Verbindlichkeiten, welche die Bank nicht aus eigenen Mitteln hätte erfüllen können.
Nach der Immobilien- und Bankenkrise der frühen 1990er Jahre wurden Rechtsform, Eigentümerstruktur und Risikopolitik grundlegend geändert. Der Grosse Rat des Kantons Bern beschloss später, die Staatsgarantie schrittweise aufzuheben.
2005 wurde die Garantie in einem ersten Schritt auf Spargelder bis zu einem bestimmten Höchstbetrag sowie auf bestimmte Obligationenanleihen beschränkt. Ende 2012 fiel sie vollständig weg.[6]
Die BEKB gehört damit zusammen mit der Waadtländer und der Genfer Kantonalbank zu den Kantonalbanken ohne umfassende Staatsgarantie. Für Kundeneinlagen gelten stattdessen die allgemeinen Bestimmungen des schweizerischen Bankenrechts und der gesetzlichen Einlagensicherung.
Der Wegfall soll verhindern, dass die Bank gegenüber privatwirtschaftlichen Wettbewerbern einen staatlich abgesicherten Finanzierungsvorteil besitzt. Gleichzeitig trägt die BEKB die wirtschaftlichen Risiken ihrer Geschäftstätigkeit selbst.
Geschäftstätigkeit
Privatkundengeschäft
Das Privatkundengeschäft umfasst Konten, Karten, Zahlungsverkehr, Sparprodukte, Konsum- und Immobilienfinanzierungen sowie Vorsorge- und Anlagelösungen.
Ein besonders bedeutender Bereich ist die Finanzierung von Wohneigentum. Hypothekarforderungen bilden den grössten Teil der Kundenausleihungen. Ende 2025 beliefen sich die Hypothekarforderungen auf rund 30,5 Milliarden Franken.
Die Bank bietet unter anderem Festhypotheken, Geldmarkthypotheken, Baukredite und Finanzierungen für energetische Sanierungen an. Ein grosser Teil der als Sicherheit dienenden Grundstücke befindet sich im Kanton Bern.
Neben persönlichen Beratungen stellt die Bank E-Banking, Mobile Banking, digitale Bezahlverfahren und weitere Online-Dienstleistungen bereit.
Firmenkundengeschäft
Die BEKB finanziert kleine und mittlere Unternehmen, Landwirtschaftsbetriebe, Immobiliengesellschaften, grössere Firmen und öffentlich-rechtliche Institutionen.
Zum Angebot gehören Betriebskredite, Investitionsfinanzierungen, Hypotheken, Leasinglösungen, Zahlungsverkehr, Devisengeschäfte, Liquiditätsmanagement und Beratung bei Unternehmensnachfolgen.
Die Bank versteht sich als wichtige Finanzierungspartnerin der regionalen Wirtschaft. Ende 2025 unterhielten nach Angaben der Bank rund 29 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen im Kanton Bern eine Bankverbindung mit der BEKB.[5]
Eine besondere Rolle spielen langfristige Kundenbeziehungen. Die Bank verfolgt nach eigenen Angaben eine vergleichsweise zurückhaltende Risikopolitik und konzentriert sich im Kreditgeschäft vor allem auf Geschäftsmodelle und Sicherheiten, die sie in ihrem Marktgebiet beurteilen kann.
Anlagegeschäft und Vermögensverwaltung
Im Anlagegeschäft berät die BEKB Privatpersonen, Unternehmen, Pensionskassen, Stiftungen und weitere institutionelle Anleger.
Sie bietet Vermögensverwaltungsmandate, Anlageberatung, Wertschriftendepots, Fonds, strukturierte Produkte und Vorsorgelösungen an. Das betreute Kundenvermögen belief sich Ende 2025 auf rund 45,3 Milliarden Franken.
Die Anlageberatung wird in mehreren Beratungsmodellen angeboten. Je nach Modell trifft die Kundschaft ihre Anlageentscheide selbst oder überträgt sie im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandats an die Bank.
Die BEKB betont in ihrer Anlagestrategie langfristige und nachhaltige Kriterien. Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte werden in verschiedene Anlageprozesse einbezogen.
Private Banking
Das Private Banking richtet sich an vermögende Privatpersonen, Unternehmerfamilien und institutionelle Kundschaft.
Zum Angebot gehören individuelle Vermögensverwaltung, Finanzplanung, Vorsorgeplanung, Nachlassfragen, Steuerunterlagen und die Strukturierung grösserer Vermögen.
Die Bank verbindet das Private Banking mit ihrem regionalen Geschäftsmodell. Entscheidungs- und Beratungskompetenzen sollen möglichst nahe bei den Kundinnen und Kunden bleiben.
Dienstleistungen für öffentliche Institutionen
Der Kanton Bern, Gemeinden, öffentlich-rechtliche Körperschaften, Spitäler, Schulen und andere Institutionen gehören ebenfalls zur Kundschaft.
Die Bank stellt Zahlungsverkehr, Kontoführung, Finanzierungen, Kapitalmarkttransaktionen und Anlageleistungen bereit. Der Kanton ist zwar Mehrheitsaktionär, muss Bankdienstleistungen jedoch nach den jeweils geltenden rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen beziehen.
Marktgebiet
Das Kerngeschäft der BEKB konzentriert sich auf die Kantone Bern und Solothurn. Darüber hinaus betreut sie Kundschaft in angrenzenden Wirtschaftsräumen.
Das Marktgebiet ist geografisch und sprachlich vielfältig. Es umfasst:
- die Stadt und Agglomeration Bern;
- das Berner Oberland;
- das Emmental;
- den Oberaargau;
- das Seeland;
- den Berner Jura;
- Biel und Umgebung;
- den Kanton Solothurn;
- unmittelbar angrenzende Regionen anderer Kantone.
Wohnbaufinanzierungen über Kooperationspartner, digitale Dienstleistungen, Anlageangebote und Teile des Konsortialgeschäfts werden auch ausserhalb des engeren Marktgebiets angeboten.
Die regionale Ausrichtung begrenzt nicht jedes einzelne Geschäft geografisch. Sie bildet jedoch die Grundlage für die Kreditpolitik, die Standortplanung und den öffentlichen Auftrag der Bank.[7]
Standorte
Die BEKB verfügte Ende 2025 über 72 Standorte. Davon waren 54 bediente und 18 selbstbediente Standorte.
Der Hauptsitz befindet sich am Bundesplatz 8 in Bern, unmittelbar beim Bundeshaus. Die Bank ist seit 1906 an diesem Standort ansässig.
Weitere grössere Geschäftsstellen befinden sich unter anderem in:
- Biel/Bienne;
- Thun;
- Burgdorf;
- Langenthal;
- Interlaken;
- Spiez;
- Langnau im Emmental;
- Lyss;
- Münsingen;
- Solothurn;
- Grenchen;
- Olten.
Das Geschäftsstellennetz wurde im Verlauf der Digitalisierung verändert. Klassische Schaltergeschäfte nahmen ab, während Beratungsangebote und digitale Dienstleistungen ausgebaut wurden.
Einzelne kleinere Geschäftsstellen wurden in Selbstbedienungsstandorte umgewandelt oder mit regionalen Beratungszentren zusammengelegt. Gleichzeitig investierte die Bank in die Modernisierung verbleibender Standorte.
Geschichte
Politischer und wirtschaftlicher Hintergrund
Die liberale Kantonsverfassung vom 31. Juli 1831 brachte im Kanton Bern politische Freiheitsrechte sowie Handels- und Gewerbefreiheit.
Der wirtschaftliche Wandel erhöhte den Bedarf an Krediten. Handwerksbetriebe, Kaufleute, Landwirtschaftsbetriebe und entstehende Industrieunternehmen hatten nur begrenzten Zugang zu langfristiger Finanzierung.
Private Bankhäuser konzentrierten sich teilweise auf Handel, vermögende Kundschaft und internationale Geschäfte. Eine staatlich getragene Bank sollte Kapital im Kanton verfügbar machen und die wirtschaftliche Entwicklung fördern.
Gründung der Kantonalbank von Bern
1834 gründete der Kanton die Kantonalbank von Bern. Sie gilt als erste eigentliche Kantonalbank der Schweiz.
Die Bank eröffnete ihre ersten Schalter an der Brunngasse in Bern. Ihr Auftrag bestand insbesondere darin, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft mit Krediten zu versorgen und sichere Anlagemöglichkeiten für Ersparnisse anzubieten.[6]
Die Gründung wurde zum Vorbild für weitere Kantonalbanken. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts schufen fast alle Kantone eigene Bankinstitute.
Die Bank war eng mit dem Kanton verbunden. Kapital, Aufsicht und strategische Vorgaben wurden durch staatliche Organe bestimmt.
Hypothekarkasse des Kantons Bern
1846 gründete der Kanton die Hypothekarkasse des Kantons Bern. Sie war auf langfristige, durch Grundstücke gesicherte Kredite ausgerichtet.
Die Kantonalbank und die Hypothekarkasse bestanden während mehr als 140 Jahren nebeneinander. Während die Kantonalbank ein breiteres Bankgeschäft betrieb, konzentrierte sich die Hypothekarkasse vor allem auf Immobilien- und Landwirtschaftsfinanzierungen.
Diese parallele Struktur entsprach der damaligen Vorstellung, unterschiedliche Bankaufgaben auf spezialisierte staatliche Institute zu verteilen.
Ausbau des Geschäftsstellennetzes
1858 eröffnete die Kantonalbank ihre ersten drei Niederlassungen ausserhalb Berns. Sie befanden sich in Saint-Imier, Burgdorf und Biel.
Der Ausbau des Netzes erleichterte Unternehmen und Privatpersonen in den Regionen den Zugang zu Bankdienstleistungen. Weitere Niederlassungen und Agenturen folgten.
Die Bank entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der kantonalen Infrastruktur. Ihre Geschäftsstellen nahmen Einlagen entgegen, vergaben Kredite und wickelten Zahlungen ab.
Banknoten und Eisenbahnfinanzierung
1882 erhielt die Kantonalbank vom Bundesrat das Recht, eigene Banknoten auszugeben. Dieses Recht bestand bis zur Zentralisierung der schweizerischen Banknotenausgabe bei der 1907 gegründeten Schweizerischen Nationalbank.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beteiligte sich die Kantonalbank bedeutend an der Finanzierung der Berner Alpenbahn-Gesellschaft Bern–Lötschberg–Simplon.
Die spätere BLS erschloss den Kanton verkehrstechnisch und schuf eine neue Nord-Süd-Verbindung durch den Lötschbergtunnel. Die Finanzierung zeigt die Bedeutung der Kantonalbank für grosse Infrastrukturvorhaben.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Während des 20. Jahrhunderts wuchsen Kundschaft, Bilanzsumme und Geschäftsstellennetz stark.
1938 gründeten mehrere Kantonalbanken auf Initiative des Berner Instituts eine gemeinsame Reisecheckzentrale. Sie erleichterte den bargeldlosen Zahlungsverkehr für Reisende.
1958 überschritt die Bilanzsumme erstmals eine Milliarde Franken. In den folgenden Jahrzehnten weitete die Bank das Hypothekar-, Spar-, Firmenkunden- und Anlagegeschäft aus.
Die zunehmende Motorisierung und wirtschaftliche Entwicklung führten zur Eröffnung moderner Regionalstellen. Gleichzeitig wurden elektronische Datenverarbeitung, Bankautomaten und neue Zahlungsverkehrssysteme eingeführt.
Gründung des Kantons Jura
Mit der Gründung des Kantons Jura im Jahr 1979 änderte sich das Geschäftsgebiet.
Vier Niederlassungen der Kantonalbank von Bern wurden auf die neu geschaffene Banque Cantonale du Jura übertragen. Die BEKB blieb jedoch im beim Kanton Bern verbliebenen Berner Jura und in der zweisprachigen Region Biel tätig.
Der politische Kantonswechsel hatte damit auch direkte organisatorische Folgen für das kantonale Bankwesen.
Zusammenschluss von Kantonalbank und Hypothekarkasse
1988 beschloss der Grosse Rat einstimmig den Zusammenschluss der Kantonalbank von Bern mit der Hypothekarkasse des Kantons Bern.
Ziel war eine leistungsfähigere Universalbank mit einheitlicher Führung, gemeinsamen Systemen und einer breiteren Geschäftsbasis.
Die aus der Fusion entstandene Berner Kantonalbank nahm am 1. Januar 1991 ihre Geschäftstätigkeit auf.
Der Zusammenschluss fiel in eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Nach dem starken Immobilien- und Kreditwachstum der 1980er Jahre geriet die Schweiz zu Beginn der 1990er Jahre in eine Immobilienkrise.
Immobilienkrise und Sanierung
Die Berner Kantonalbank war stark von notleidenden Immobilienkrediten und weiteren problematischen Ausleihungen betroffen.
Fallende Immobilienpreise führten dazu, dass Sicherheiten den Wert ausstehender Kredite teilweise nicht mehr deckten. Zugleich gerieten zahlreiche Kreditnehmer in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1991 leitete die Bank eine Neuausrichtung ihrer Geschäfts- und Kreditpolitik ein. Kreditprüfungen, Risikokontrolle und organisatorische Verantwortlichkeiten wurden verschärft.
1993 wurden problematische Vermögenswerte von der operativen Bank getrennt und auf die neu gegründete Dezennium-Finanz AG übertragen. Diese Gesellschaft sollte die übernommenen Kredite und Immobilien über einen längeren Zeitraum verwerten.
Der Kanton Bern unterstützte die Sanierung in den folgenden Jahren mit insgesamt rund 1,45 Milliarden Franken.[6]
Die Rettung war politisch umstritten. Sie belastete den Kantonshaushalt und führte zu einer grundlegenden Diskussion über Staatsgarantie, politische Kontrolle, Kreditpolitik und Rechtsform.
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft
Als Folge der Krise wurde die Bank stärker von der kantonalen Verwaltung getrennt.
Am 1. Januar 1998 wurde die BEKB als erste Schweizer Kantonalbank in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft nach Artikel 620 ff. des Obligationenrechts umgewandelt.
Der Kanton blieb Mehrheitsaktionär, konnte aber einen Teil der Aktien an private und institutionelle Anleger veräussern. Sein Anteil wurde schrittweise auf 51,5 Prozent reduziert.
Die neue Rechtsform sollte:
- die unternehmerische Verantwortung stärken;
- politische und operative Zuständigkeiten trennen;
- das Eigenkapital breiter abstützen;
- die Transparenz erhöhen;
- die Bank stärker den Regeln des Kapitalmarkts unterstellen.
Die Umwandlung galt innerhalb des schweizerischen Kantonalbankwesens als Pionierschritt.
Expansion nach Solothurn
Nach der Auflösung der Solothurner Kantonalbank im Jahr 1994 entstand im Kanton Solothurn Raum für neue Anbieter.
1999 eröffnete die BEKB an der Hauptgasse in Solothurn ihren ersten ausserkantonalen Standort. Später wurde das Geschäftsstellennetz im Kanton Solothurn erweitert.
Der Kanton Solothurn entwickelte sich neben Bern zum zweiten Kernmarkt. Die französische Bezeichnung BCBE wird dort weniger verwendet, während im Berner Jura und in Biel die zweisprachige Kommunikation eine grössere Rolle spielt.
Börsenkotierung
Im Jahr 2000 wurden die Namenaktien der BEKB an der damaligen SWX Swiss Exchange, der heutigen SIX Swiss Exchange, kotiert.
Das Börsensymbol lautet BEKN, die internationale Wertpapierkennnummer CH0009691608.
Durch die Börsenkotierung unterliegt die Bank zusätzlichen Publikations-, Transparenz- und Corporate-Governance-Pflichten. Sie veröffentlicht Geschäftsberichte, Halbjahreszahlen, kursrelevante Mitteilungen und Angaben zu Vergütungen und Aktionariat.
Beim ersten Handelstag an der Schweizer Börse am 28. Juni 2000 zählte die Bank bereits mehr als 25'000 Aktionärinnen und Aktionäre.[8]
Aufhebung der Staatsgarantie
2005 wurde die kantonale Garantie erstmals deutlich eingeschränkt. Sie galt danach nur noch für begrenzte Einlagen und bestimmte Anleihen.
Ende 2012 wurde die Staatsgarantie vollständig aufgehoben.
Die Bank hatte zu diesem Zeitpunkt ihre Kapitalbasis gestärkt, Risiken abgebaut und ihre Kreditpolitik neu ausgerichtet. Die Aufhebung sollte die Eigenverantwortung des Unternehmens verdeutlichen.
Entwicklung seit 2013
Seit den 2010er Jahren investierte die BEKB verstärkt in digitale Dienstleistungen, hybride Beratung und die Modernisierung ihres Geschäftsstellennetzes.
2015 wurde Antoinette Hunziker-Ebneter als erste Frau zur Präsidentin des Verwaltungsrats gewählt.
2019 übernahm Armin Brun den Vorsitz der Geschäftsleitung. Unter seiner Führung setzte die Bank die Verbreiterung ihrer Ertragsbasis und den Ausbau des Anlagegeschäfts fort.
Während der COVID-19-Pandemie beteiligte sich die Bank an der Abwicklung staatlich verbürgter Kredite und unterstützte Unternehmen in ihrem Marktgebiet.
2022 nahm die neu gegründete IT-Tochtergesellschaft aity AG ihre operative Tätigkeit auf. Sie übernahm wesentliche Aufgaben im Betrieb und in der Weiterentwicklung der Bankinformatik.
Am 12. Mai 2026 wählte die Generalversammlung Annelis Lüscher Hämmerli zur Präsidentin des Verwaltungsrats. Sie folgte auf Antoinette Hunziker-Ebneter, welche die statutarische Höchstdauer ihres Amts erreicht hatte.[9]
Eigentumsverhältnisse
Das Aktienkapital befindet sich mehrheitlich im Eigentum des Kantons Bern.
Die Aktionärsstruktur per 31. Dezember 2025 setzte sich wie folgt zusammen:
| Aktionärsgruppe | Anteil am Aktienkapital |
|---|---|
| Kanton Bern | 51,5 % |
| Publikumsaktionariat | 48,5 % |
Der Kanton war der einzige im Aktienregister eingetragene Aktionär mit einer Beteiligung von mindestens drei Prozent.
Die übrigen Aktien verteilten sich auf mehr als 48'000 private und institutionelle Aktionärinnen und Aktionäre. Die breite Streuung soll verhindern, dass neben dem Kanton ein einzelner privater Grossaktionär massgebenden Einfluss gewinnt.
Es bestehen keine Stimmrechts- oder Vorzugsaktien. Grundsätzlich vermittelt jede Namenaktie dasselbe Stimmrecht.
Die Statuten enthalten eine prozentuale Eintragungsbeschränkung. Der Verwaltungsrat kann die Eintragung einer Person als stimmberechtigte Aktionärin oder stimmberechtigten Aktionär verweigern, wenn diese mehr als fünf Prozent des Aktienkapitals hält. Die besondere Stellung des Kantons bleibt davon unberührt.
Debatte über die Kantonsbeteiligung
Die Mehrheitsbeteiligung des Kantons wurde wiederholt politisch diskutiert.
Befürworter eines Verkaufs oder einer Reduktion argumentierten, dass eine moderne, börsenkotierte Bank keine staatliche Aktienmehrheit benötige. Ein Verkauf könnte dem Kanton einmalige Einnahmen bringen und wirtschaftliche Risiken weiter reduzieren.
Gegner verwiesen auf die Bedeutung der Bank für den Wirtschaftsraum, die langfristigen Dividendenerträge und die stabilisierende Wirkung des kantonalen Mehrheitsaktionärs. Zudem verfüge die BEKB bereits über eine weitgehende institutionelle Unabhängigkeit und keine Staatsgarantie.
Der Regierungsrat legte 2025 einen umfassenden Bericht zu drei Varianten vor:
- Beibehaltung der Mehrheitsbeteiligung;
- Reduktion auf eine Minderheitsbeteiligung;
- vollständiger Verkauf der kantonalen Aktien.
Der Regierungsrat empfahl die Beibehaltung des Status quo. Am 12. Juni 2025 sprach sich der Grosse Rat mit 127 zu 12 Stimmen bei fünf Enthaltungen grundsätzlich für die Fortsetzung der kantonalen Mehrheitsbeteiligung aus.[10]
Der Entscheid schliesst eine spätere Änderung nicht dauerhaft aus. Eine Beteiligung unter 50 Prozent würde nach der bestehenden Rechtslage jedoch eine Anpassung der kantonalen Grundlagen erfordern.
Organisation
Generalversammlung
Die Generalversammlung ist das oberste aktienrechtliche Organ der BEKB.
Sie genehmigt unter anderem den Geschäftsbericht und die Jahresrechnung, beschliesst über die Verwendung des Gewinns und wählt die Mitglieder und das Präsidium des Verwaltungsrats.
Der Kanton Bern verfügt mit 51,5 Prozent der Stimmen über die Mehrheit. Die übrigen Aktionärinnen und Aktionäre nehmen ihre Rechte persönlich, schriftlich oder über die unabhängige Stimmrechtsvertretung wahr.
Die ordentliche Generalversammlung findet üblicherweise einmal jährlich in Bern statt.
Verwaltungsrat
Der Verwaltungsrat ist für die strategische Führung und die Oberaufsicht über die Geschäftsleitung verantwortlich.
Er legt Strategie, Risikopolitik, Organisation und wichtige Geschäftsgrundsätze fest. Ausschüsse befassen sich unter anderem mit Prüfung, Risiko, Vergütung, Personalfragen und Strategie.
Seit dem 12. Mai 2026 wird der Verwaltungsrat von Annelis Lüscher Hämmerli präsidiert. Das Gremium besteht aus acht Mitgliedern.[11]
Die Verwaltungsratsmitglieder sind nicht Vertreter einzelner Regionen oder politischer Parteien. Sie werden aufgrund ihrer fachlichen und persönlichen Qualifikationen durch die Generalversammlung gewählt.
Geschäftsleitung
Die Geschäftsleitung führt die operativen Geschäfte der Bank.
Seit dem 1. Juli 2019 ist Armin Brun Vorsitzender der Geschäftsleitung und Chief Executive Officer. Zuvor hatte er verschiedene Führungsfunktionen bei der Luzerner Kantonalbank und bei PostFinance ausgeübt.
Die Geschäftsleitung ist in mehrere Fach- und Marktbereiche gegliedert. Dazu gehören Kundenbetreuung, Anlagegeschäft, Finanzen, Risiko, Personal, Betrieb, Technologie und Unternehmensentwicklung.
Kontrolle und Aufsicht
Die BEKB untersteht der Bankenaufsicht der FINMA. Als börsenkotierte Gesellschaft muss sie zudem die Regeln der SIX Swiss Exchange und die aktienrechtlichen Bestimmungen erfüllen.
Die externe Revisionsstelle prüft Jahresrechnung und regulatorische Anforderungen. Die interne Revision unterstützt den Verwaltungsrat bei der Überwachung von Organisation, Prozessen und Risiken.
Der Kanton überwacht seine Beteiligung im Rahmen des kantonalen Beteiligungscontrollings. Diese Eigentümeraufsicht ersetzt jedoch nicht die bankengesetzliche Aufsicht.
Tochtergesellschaften und Beteiligungen
Aity AG
Die aity AG ist eine vollständig im Eigentum der BEKB stehende IT-Dienstleisterin mit Sitz in Köniz.
Sie nahm ihre operative Tätigkeit am 1. April 2022 auf. Dabei übernahm sie rund 150 Mitarbeitende der bisherigen IT-Partnerin DXC sowie die Verantwortung für Betrieb und Weiterentwicklung der IBIS-Bankenplattform.[12]
Später wurden weitere Informatikbereiche und Mitarbeitende in die Tochtergesellschaft überführt. Ende 2025 beschäftigte die aity AG rund 300 Personen.
Zu ihren Aufgaben gehören:
- Betrieb der Bankinformatik;
- Weiterentwicklung des Kernbankensystems;
- digitale Finanzlösungen;
- IT-Sicherheit;
- Datenverarbeitung;
- technische Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen.
Mit der Tochtergesellschaft will die BEKB ihre technologische Kompetenz erhöhen und Abhängigkeiten von externen Dienstleistern reduzieren.
Weitere Beteiligungen
Die BEKB hält verschiedene strategische Beteiligungen. Ende 2025 gehörten dazu unter anderem:
- die Pfandbriefzentrale der schweizerischen Kantonalbanken AG;
- die Seniorenresidenz Talgut Ittigen AG;
- die Jungfraubahn Holding AG;
- Unternehmen und Plattformen aus den Bereichen Digitalisierung, Vorsorge und Immobilien.
Die Beteiligung an der Pfandbriefzentrale unterstützt die langfristige Refinanzierung des Hypothekargeschäfts.
Nicht jede Beteiligung wird in der Jahresrechnung konsolidiert. Die Bank prüft die Konsolidierungspflicht nach wirtschaftlicher Bedeutung und den geltenden Rechnungslegungsvorschriften.
Geschäftszahlen
Die wichtigsten Kennzahlen des Geschäftsjahrs 2025 lauteten:
| Kennzahl | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Bilanzsumme | 42'977 Mio. CHF | 40'499 Mio. CHF |
| Kundenausleihungen | 31'944 Mio. CHF | 30'545 Mio. CHF |
| davon Hypothekarforderungen | 30'100 Mio. CHF | 28'347 Mio. CHF |
| Kundeneinlagen | 28'087 Mio. CHF | 27'059 Mio. CHF |
| verwaltete Vermögen | 45'309 Mio. CHF | 42'818 Mio. CHF |
| Eigenkapital nach Gewinnverwendung | 2'981 Mio. CHF | 2'902 Mio. CHF |
| Geschäftsertrag | 547,3 Mio. CHF | 553,1 Mio. CHF |
| Geschäftserfolg | 220,7 Mio. CHF | 247,9 Mio. CHF |
| Jahresgewinn | 175,4 Mio. CHF | 180,7 Mio. CHF |
| Dividendenausschüttung | 100,7 Mio. CHF | 96,9 Mio. CHF |
| Gesamtkapitalquote | 20,4 % | 19,4 % |
Der Gewinn sank 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent. Das tiefere Ergebnis im Zinsengeschäft wurde teilweise durch höhere Erträge im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ausgeglichen.[13]
Die Generalversammlung beschloss für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 10,80 Franken je Aktie. Von der gesamten Ausschüttung floss aufgrund der Beteiligungsquote etwas mehr als die Hälfte an den Kanton Bern.
Aktie
Die Namenaktie der Berner Kantonalbank wird an der SIX Swiss Exchange gehandelt.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Börse | SIX Swiss Exchange |
| Börsensymbol | BEKN |
| ISIN | CH0009691608 |
| Aktienart | Namenaktie |
| Mehrheitsaktionär | Kanton Bern |
| Börsenkotierung | seit 28. Juni 2000 |
Die Aktie wird insbesondere von Privatanlegerinnen und Privatanlegern aus dem Marktgebiet gehalten. Ende 2025 zählte die Bank mehr als 48'000 Aktionärinnen und Aktionäre.
Die Mitarbeitenden der BEKB können unter bestimmten Voraussetzungen Aktien erwerben. Ende 2025 hielten Mitarbeitende zusammen rund 4,4 Prozent des Aktienkapitals.
Der Aktienkurs unterliegt wie bei anderen börsenkotierten Gesellschaften Marktschwankungen. Er wird unter anderem durch Geschäftsergebnis, Dividende, Zinsentwicklung, Kapitalausstattung und Erwartungen an die regionale Wirtschaft beeinflusst.
Risikopolitik
Das Kreditgeschäft stellt den wichtigsten Risikobereich der BEKB dar. Ein grosser Teil der Bilanz besteht aus Hypotheken und anderen Kundenausleihungen.
Nach den Erfahrungen der Immobilienkrise der 1990er Jahre richtete die Bank ihre Kredit- und Risikopolitik neu aus. Kreditentscheide werden nach Tragbarkeit, Bonität, Sicherheiten und langfristigen wirtschaftlichen Aussichten beurteilt.
Zu den überwachten Risikoarten gehören:
- Kreditrisiken;
- Zinsänderungsrisiken;
- Markt- und Handelsrisiken;
- Liquiditätsrisiken;
- operationelle Risiken;
- Cyber- und Technologierisiken;
- Rechts- und Compliance-Risiken.
Die Gesamtkapitalquote lag Ende 2025 bei 20,4 Prozent. Damit verfügte die Bank über Eigenmittel oberhalb der regulatorischen Mindestanforderungen.
Die Bank strebt nach eigenen Angaben keine kurzfristige Gewinnmaximierung an. Ein Teil des Gewinns wird zur Stärkung des Eigenkapitals einbehalten.
Mitarbeitende und Ausbildung
Ende 2025 beschäftigte die BEKB einschliesslich der Mitglieder des Verwaltungsrats 1273 Mitarbeitende. Teilzeitbereinigt entsprach dies 1058 Vollzeitstellen.
111 Personen befanden sich in Ausbildung. Dazu gehörten Lernende, Berufsmaturitätsschülerinnen und -schüler, Trainees und Praktikantinnen beziehungsweise Praktikanten.[14]
Die Bank bildet unter anderem Kaufleute, Informatikerinnen und Informatiker sowie Mediamatikerinnen und Mediamatiker aus.
Die Zweisprachigkeit spielt besonders im Berner Jura und in Biel eine wichtige Rolle. Die Bieler Niederlassung wurde mehrfach mit dem «Label du Bilinguisme» ausgezeichnet.
Die BEKB und ihre IT-Tochtergesellschaft verfügen über Zertifizierungen in den Bereichen Arbeitsplatzgesundheit und Lohngleichheit.
Nachhaltigkeit
Die BEKB bezeichnet Nachhaltigkeit als Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie.
Sie berücksichtigt ökologische und soziale Kriterien in Teilen des Anlage-, Kredit- und Betriebsbereichs. Dazu gehören:
- nachhaltige Anlageprodukte;
- Beratung zu energetischen Gebäudesanierungen;
- Finanzierung erneuerbarer Energien;
- betrieblicher Klimaschutz;
- Förderung regionaler Unternehmen;
- Aus- und Weiterbildung;
- gesellschaftliches und kulturelles Engagement.
Bereits 1997 veröffentlichte die Bank als erste Kantonalbank ein Energieleitbild. Dieses wurde später zu einem umfassenderen Nachhaltigkeitsleitbild weiterentwickelt.
Die BEKB verfügt über Zertifizierungen nach ISO 9001 für Qualitätsmanagement und ISO 14001 für Umweltmanagement.
Im Nachhaltigkeitsbericht informiert sie über Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Personalthemen, Kredit- und Anlageprozesse sowie ihre Beiträge zur regionalen Entwicklung.
Kritisch beurteilt werden können Zielkonflikte zwischen Nachhaltigkeitsansprüchen und der Finanzierung emissionsintensiver Tätigkeiten oder des zusätzlichen Flächenverbrauchs. Wie andere Banken muss die BEKB zwischen Kundenbedürfnissen, regulatorischen Anforderungen, wirtschaftlichen Zielen und Klimaschutz abwägen.
Bedeutung für den Kanton Bern
Die BEKB erfüllt für den Kanton mehrere Funktionen.
Als Bank stellt sie Kredite, Zahlungsverkehr und Anlagemöglichkeiten bereit. Als Arbeitgeberin schafft sie Arbeits- und Ausbildungsplätze. Als Steuerzahlerin und Beteiligungsgesellschaft leistet sie finanzielle Beiträge an den Kanton.
Der Kanton erhält:
- Dividenden auf seinem Aktienanteil;
- Steuern;
- weitere gesetzlich oder vertraglich vorgesehene Leistungen.
Seit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft flossen dem Kanton erhebliche Dividenden- und Steuererträge zu. Die Gesamtsumme überstieg nach Angaben der Bank bereits bis 2012 die damaligen Sanierungskosten der 1990er Jahre.
Die Bank besitzt im regionalen Kreditmarkt eine starke Stellung. Ende 2025 hatten rund 32 Prozent der Privatpersonen und 29 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen im Kanton Bern eine Bankverbindung mit der BEKB.
Befürworter der kantonalen Beteiligung sehen darin eine Möglichkeit, ein langfristig orientiertes Finanzinstitut mit regionalem Entscheidungszentrum zu erhalten.
Kritiker weisen darauf hin, dass eine staatliche Aktienmehrheit grundsätzlich zu Interessenkonflikten führen könne. Der Kanton sei gleichzeitig Eigentümer, Gesetzgeber, Steuerbehörde und bedeutender Kunde.
Die heutige Governance-Struktur soll diese Rollen durch eine klare Trennung zwischen Politik und Bankführung auseinanderhalten.
Öffentliches und gesellschaftliches Engagement
Die BEKB unterstützt Projekte in Sport, Kultur, Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft.
Zu den geförderten Bereichen gehören regionale Veranstaltungen, Vereine, Nachwuchsprojekte, Kulturinstitutionen und gemeinnützige Organisationen.
Das Engagement ist Bestandteil der Marken- und Standortpolitik. Es soll die Verbindung zu den Regionen stärken und die gesellschaftliche Entwicklung im Marktgebiet unterstützen.
Die Bank veröffentlicht wirtschaftliche Analysen, Immobilienmarktberichte und regionale Konjunkturinformationen. Diese Studien werden teilweise in Zusammenarbeit mit Hochschulen oder spezialisierten Forschungsunternehmen erstellt.
Kritik und Kontroversen
Rettungsaktion der 1990er Jahre
Die grösste Kontroverse der Unternehmensgeschichte betraf die staatliche Rettungsaktion während der Immobilienkrise.
Kritisiert wurden die frühere Kreditpolitik, ungenügende Risikokontrollen, politische Aufsichtsstrukturen und die Belastung der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.
Die Krise führte zum Aufbau neuer Kontrollmechanismen und zur privatrechtlichen Organisation. Sie prägt die politische Diskussion über die Bank bis heute.
Staatliche Beteiligung
Die Mehrheitsbeteiligung wird sowohl als Stabilitätsfaktor als auch als möglicher Eingriff des Staates in den Wettbewerb beurteilt.
Da keine Staatsgarantie mehr besteht und der Verwaltungsrat unabhängig von der Regierung tätig ist, sind die direkten Wettbewerbsvorteile gegenüber Privatbanken geringer als bei verschiedenen anderen Kantonalbanken.
Trotzdem kann bereits die Verbindung mit dem Kanton das Vertrauen von Kundschaft und Kapitalmarkt beeinflussen.
Geschäftsstellennetz und Digitalisierung
Die Umgestaltung des Geschäftsstellennetzes führte lokal zu Kritik. Besonders in kleineren Ortschaften werden Schliessungen oder die Umwandlung in unbediente Standorte als Verlust öffentlicher Infrastruktur empfunden.
Die Bank verweist auf die zunehmende Nutzung digitaler Angebote und den hohen Aufwand für den Betrieb wenig genutzter Schalter.
Gleichzeitig müssen ältere Menschen, Personen ohne digitale Kenntnisse und Kundinnen und Kunden mit besonderen Bedürfnissen weiterhin Zugang zu Bankdienstleistungen erhalten.
Zeittafel
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1831 | Die liberale Berner Kantonsverfassung schafft wichtige Voraussetzungen für Handel und Gewerbe. |
| 1834 | Gründung der Kantonalbank von Bern; Eröffnung der ersten Schalter an der Brunngasse. |
| 1846 | Gründung der Hypothekarkasse des Kantons Bern. |
| 1858 | Eröffnung der ersten Niederlassungen in Saint-Imier, Burgdorf und Biel. |
| 1882 | Der Bundesrat erteilt der Kantonalbank das Recht zur Ausgabe von Banknoten. |
| 1906 | Die Bank bezieht ihren Hauptsitz am Bundesplatz und beteiligt sich an der Finanzierung der BLS. |
| 1938 | Gründung einer Reisecheckzentrale durch mehrere Kantonalbanken auf Berner Initiative. |
| 1958 | Die Bilanzsumme überschreitet erstmals eine Milliarde Franken. |
| 1979 | Vier Niederlassungen werden nach der Gründung des Kantons Jura an die neue jurassische Kantonalbank übertragen. |
| 1988 | Der Grosse Rat beschliesst den Zusammenschluss von Kantonalbank und Hypothekarkasse. |
| 1991 | Die neue Berner Kantonalbank nimmt ihre Geschäftstätigkeit auf. |
| 1993 | Problematische Vermögenswerte werden auf die Dezennium-Finanz AG übertragen. |
| 1993–1997 | Der Kanton unterstützt die Sanierung mit insgesamt rund 1,45 Milliarden Franken. |
| 1998 | Umwandlung der BEKB in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft. |
| 1999 | Eröffnung des ersten ausserkantonalen Standorts in Solothurn. |
| 2000 | Kotierung der Namenaktien an der Schweizer Börse. |
| 2005 | Erste wesentliche Einschränkung der Staatsgarantie. |
| 2012 | Vollständiger Wegfall der Staatsgarantie. |
| 2015 | Antoinette Hunziker-Ebneter wird erste Verwaltungsratspräsidentin der Bank. |
| 2019 | Armin Brun übernimmt den Vorsitz der Geschäftsleitung. |
| 2022 | Die IT-Tochtergesellschaft aity AG nimmt ihre operative Tätigkeit auf. |
| 2025 | Der Grosse Rat bestätigt grundsätzlich die kantonale Mehrheitsbeteiligung. |
| 2026 | Annelis Lüscher Hämmerli wird Präsidentin des Verwaltungsrats. |
Siehe auch
- Kantonalbank
- Liste der Kantonalbanken in der Schweiz
- Bankwesen in der Schweiz
- Kanton Bern
- Banque Cantonale du Jura
- Solothurner Kantonalbank
- Schweizerische Nationalbank
- SIX Swiss Exchange
- Aity AG
Literatur
- Berner Kantonalbank AG (Hrsg.): Geschäftsbericht 2025. Bern 2026.
- Berner Kantonalbank AG (Hrsg.): Nachhaltigkeitsbericht 2025. Bern 2026.
- Kanton Bern: Bericht zur kantonalen Beteiligung an der Berner Kantonalbank AG. Bern 2025.
- Swiss Economics: Volkswirtschaftliche Beurteilung der kantonalen Beteiligung an der BEKB. Zürich 2024.
- Berner Kantonalbank: 175 Jahre BEKB. Geschichte einer Kantonalbank. Bern 2009.
- Hans-Ulrich Jost: Banken und Finanzwesen im Kanton Bern. In: Geschichte des Kantons Bern seit 1798. Bern.
- Schweizerischer Kantonalbankenverband: Die Kantonalbanken in der Schweiz. Basel.
Weblinks
- Offizielle Website der Berner Kantonalbank
- Geschichte der BEKB
- Geschäftsbericht 2025
- Informationen für Aktionärinnen und Aktionäre
- BEKB-Aktie bei der SIX Swiss Exchange
- Gesetz über die Aktiengesellschaft Berner Kantonalbank
- Bericht des Kantons Bern zur Mehrheitsbeteiligung
Einzelnachweise
- ↑ Porträt der Berner Kantonalbank. BEKB, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Konzernstruktur und Aktionariat. Geschäftsbericht der BEKB 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Geschäftszahlen und Fakten. BEKB, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Regierungsrat hält an der kantonalen Mehrheitsbeteiligung fest. Kanton Bern, 7. März 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Eigentümerstrategie. Geschäftsbericht der BEKB 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Firmengeschichte der BEKB. Berner Kantonalbank, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Geschäftstätigkeiten. Geschäftsbericht der BEKB 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ BEKB/BCBE Namenaktie. SIX Swiss Exchange, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Annelis Lüscher Hämmerli ist neue Präsidentin des Verwaltungsrats. BEKB, 12. Mai 2026, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Bericht zur kantonalen Beteiligung an der Berner Kantonalbank AG. Grosser Rat des Kantons Bern, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Organisation der BEKB. Berner Kantonalbank, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Aity AG startet operativ. BEKB, 31. März 2022, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ BEKB bestätigt mit gutem Jahresergebnis ihre finanzielle Stärke. BEKB, 29. Januar 2026, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Personalbestand. Geschäftsbericht der BEKB 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Berner Kantonalbank