Chur

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Grunddaten
Merkmal Angabe
Staat Schweiz
Kanton Kanton Graubünden
Region Region Plessur
Amtliche Sprache Deutsch
BFS-Nummer 3901
Fläche 81,99 km²
Höhe des Bahnhofplatzes 584 m ü. M.
Tiefster Punkt 538 m ü. M. am Rhein bei Haldenstein
Höchster Punkt 2'823 m ü. M. am Parpaner Weisshorn
Einwohner 41'713 (31. Dezember 2025)[1]
Postleitzahlen 7000–7007, 7026, 7063 und 7064
Ortsteile Chur, Haldenstein, Maladers, Praden und Tschiertschen
Gewässer Plessur, Alpenrhein
Website www.chur.ch

Chur (rätoromanisch Cuira, italienisch Coira, französisch Coire) ist eine politische Gemeinde, die Hauptstadt des Kantons Graubünden und dessen bevölkerungsreichste Stadt. Sie liegt im Churer Rheintal am rechten Ufer des Alpenrheins, dort, wo die Plessur aus dem Schanfigg in die Talebene eintritt.

Chur ist das politische, wirtschaftliche, kulturelle und verkehrstechnische Zentrum Graubündens. Die Stadt ist Sitz der kantonalen Regierung, des Grossen Rates, des Kantonsgerichts und zahlreicher kantonaler Institutionen. Darüber hinaus befindet sich in Chur der Sitz des Bistums Chur, dessen Geschichte bis in die Spätantike zurückreicht.

Aufgrund archäologischer Funde, die eine Besiedlung des heutigen Stadtgebiets seit rund 13'000 Jahren belegen, bezeichnet sich Chur als die älteste Stadt der Schweiz.[2] Die Bezeichnung bezieht sich auf die aussergewöhnlich lange Siedlungsgeschichte; städtische Strukturen entstanden erst wesentlich später.

Seit den Gemeindefusionen mit Maladers im Jahr 2020, Haldenstein im Jahr 2021 und Tschiertschen-Praden im Jahr 2025 umfasst die Gemeinde neben dem dicht besiedelten Stadtgebiet auch ausgedehnte ländliche und alpine Gebiete.

Name

Der Name Chur geht auf die lateinische Bezeichnung Curia zurück. In römischer Zeit wurde der Ort wahrscheinlich auch als Curia Raetorum, also als «Verwaltungssitz der Räter», bezeichnet. Das lateinische Wort curia konnte einen Versammlungs-, Gerichts- oder Verwaltungssitz bezeichnen.

Die deutsche Form Chur entwickelte sich im Mittelalter. Ältere Schreibweisen waren unter anderem Churwalchen, Churwalen und Coira. Die französische Form lautet Coire, die italienische Coira und die rätoromanische Cuira. Im bündnerromanischen Sprachraum ist Cuira bis heute die gebräuchliche Bezeichnung.

Der Name des nahe gelegenen Churwaldens bedeutet ursprünglich «Wald von Chur» beziehungsweise «Waldgebiet im Einflussbereich Churs».

Geographie

Lage

Chur liegt im nördlichen Teil Graubündens in einer weiten Talebene des Alpenrheins. Die historische Altstadt befindet sich etwas erhöht am Ausgang des Plessurtals. Die Plessur durchquert das Stadtgebiet von Südosten nach Nordwesten und mündet westlich des Zentrums in den Rhein.

Westlich des Rheins erhebt sich der markante Calanda. Im Osten und Südosten wird die Stadt von den Ausläufern des Montalins, des Mittenbergs und des Schanfiggs begrenzt. Südwestlich liegt das Hochplateau von Brambrüesch, das als Churer Hausberg und Naherholungsgebiet gilt.

Die Lage an der Kreuzung wichtiger Alpenrouten machte Chur bereits in der Antike und im Mittelalter zu einem bedeutenden Verkehrs- und Handelsplatz. Von hier führen Verkehrswege in Richtung Prättigau, Engadin, Oberhalbstein, Domleschg, Surselva und über die Bündner Alpenpässe nach Italien.

Gemeindegebiet

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bestand die Gemeinde im Wesentlichen aus dem städtischen Siedlungsgebiet und den unmittelbar angrenzenden Wald- und Bergflächen. Durch drei Gemeindefusionen vergrösserte sich ihr Territorium erheblich:

Das Gemeindegebiet umfasst seither 8'199 Hektaren. Davon entfallen 3'571 Hektaren auf Wald und 828 Hektaren auf vegetationslose Flächen wie Fels und Geröll. Die Bauzonen umfassen insgesamt 691 Hektaren.[1]

Zwischen dem tiefsten Punkt am Rhein bei Haldenstein auf 538 m ü. M. und dem höchsten Punkt auf dem Parpaner Weisshorn auf 2'823 m ü. M. besteht ein Höhenunterschied von mehr als 2'200 Metern. Das höchstgelegene bewohnte Gebäude der Gemeinde befindet sich bei Spina oberhalb von Tschiertschen auf rund 1'600 m ü. M.

Stadtgliederung

Das eigentliche Stadtgebiet gliedert sich in verschiedene Quartiere. Dazu gehören:

  • Altstadt
  • Welschdörfli
  • Sand
  • Gäuggeli
  • Rheinquartier
  • Lacunaquartier
  • Lürlibad
  • Masans
  • Daleu
  • Dreibünden
  • Giacomettiquartier
  • Tittwiesen
  • Kornquader
  • Wiesental
  • Kleinbruggen
  • Chur West

Die historische Altstadt liegt südlich der Plessur. Nördlich und westlich davon entstanden vor allem im 19. und 20. Jahrhundert neue Wohn-, Gewerbe- und Verwaltungsquartiere. Chur West entwickelte sich seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Wohn- und Dienstleistungsgebiet.

Haldenstein, Maladers, Praden und Tschiertschen besitzen weiterhin einen deutlich dörflichen Charakter. Sie bilden räumlich voneinander getrennte Ortsteile innerhalb der politischen Gemeinde.

Klima

Chur besitzt ein inneralpines Übergangsklima. Die Lage im Rheintal führt zu vergleichsweise warmen und trockenen Verhältnissen. Einen wichtigen Einfluss hat der Föhn, der besonders im Frühling und Herbst hohe Temperaturen und eine klare Sicht verursachen kann.

Die Sommer sind häufig warm bis heiss, während die Winter im Tal verhältnismässig mild ausfallen. In den höher gelegenen Ortsteilen und Berggebieten sind die Temperaturen deutlich niedriger und die Schneemengen grösser. Aufgrund der grossen Höhenunterschiede umfasst die Gemeinde mehrere Klima- und Vegetationsstufen.

Bevölkerung

Ende 2025 lebten 41'713 Menschen in der Gemeinde Chur. Davon waren 31'521 schweizerische und 10'192 ausländische Staatsangehörige.[1] Damit ist Chur mit Abstand die grösste Gemeinde Graubündens.

Das Bevölkerungswachstum wurde seit dem 19. Jahrhundert durch die Entwicklung Churs zum Verwaltungs-, Bildungs-, Gesundheits- und Verkehrszentrum gefördert. Die Eingemeindungen von Maladers, Haldenstein und Tschiertschen-Praden führten ebenfalls zu einem Anstieg der Einwohnerzahl, wobei der grösste Teil der Bevölkerung weiterhin im geschlossenen Stadtgebiet lebt.

Sprachen

Amtssprache der Stadt ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend Bündnerdeutsch gesprochen, eine Gruppe hochalemannischer Dialekte mit Einflüssen aus den benachbarten rätoromanischen und walserischen Sprachgebieten.

Chur war ursprünglich rätoromanisch geprägt. Seit dem Mittelalter nahm der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung zu. Zu dieser Entwicklung trugen die Zuwanderung aus deutschsprachigen Gebieten, die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, die Reformation und der Einfluss deutschsprachiger Handwerker und Kaufleute bei.

Obwohl Rätoromanisch heute nur von einer Minderheit als Hauptsprache gesprochen wird, besitzt es in Chur eine hohe kulturelle und institutionelle Bedeutung. Die Stadt beherbergt mehrere rätoromanische Organisationen und Medien, darunter die Lia Rumantscha und Radiotelevisiun Svizra Rumantscha. Auch Italienisch ist aufgrund der Mehrsprachigkeit Graubündens und der Zuwanderung aus den italienischsprachigen Bündner Tälern verbreitet.

Chur bildet damit einen wichtigen Begegnungsort der deutschen, rätoromanischen und italienischen Sprachkulturen Graubündens.

Religionen

Chur ist seit der Spätantike Sitz eines Bischofs. Der bischöfliche Hof und die Kathedrale blieben während und nach der Reformation katholisch, während sich die Stadtbevölkerung im 16. Jahrhundert mehrheitlich der reformierten Konfession anschloss. Diese konfessionelle Teilung prägte Chur über Jahrhunderte.

Ende 2025 gehörten 13'081 Einwohnerinnen und Einwohner der römisch-katholischen und 9'790 der evangelisch-reformierten Kirche an. 18'842 Menschen waren Mitglied einer anderen Religionsgemeinschaft oder konfessionslos.[1]

Neben der katholischen und der reformierten Kirche bestehen orthodoxe, evangelische, muslimische und weitere religiöse Gemeinschaften.

Geschichte

Vorgeschichte

Archäologische Funde belegen, dass sich bereits vor rund 13'000 Jahren Jäger und Sammler zeitweise auf dem heutigen Stadtgebiet aufhielten.[2] Besonders bedeutende Fundstellen befinden sich im Gebiet des heutigen Welschdörfli.

Aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit wurden Überreste von Siedlungen, Gräbern, Werkzeugen und Keramik entdeckt. Die günstige Lage am Zugang zu mehreren Alpentälern machte das Gebiet zu einem geeigneten Siedlungs- und Handelsplatz.

Die Funde bedeuten nicht, dass während des gesamten Zeitraums eine Stadt im heutigen Sinn bestand. Sie zeigen jedoch eine aussergewöhnlich lange und teilweise kontinuierliche Nutzung des Siedlungsraums.

Römische Zeit

Im Jahr 15 v. Chr. eroberten römische Truppen unter Drusus und Tiberius den zentralen Alpenraum. Das Gebiet des heutigen Graubündens wurde in das Römische Reich eingegliedert.

Chur entwickelte sich unter dem Namen Curia zu einem bedeutenden Verwaltungs- und Verkehrsort. In der Spätantike war es wahrscheinlich ein Hauptort der Provinz Raetia prima. Römische Strassen verbanden Curia mit dem Bodenseeraum, dem Wallis, dem Engadin und Norditalien.

Die wichtigste römische Siedlung befand sich nicht innerhalb der heutigen Altstadt, sondern im tiefer gelegenen Welschdörfli. Archäologische Ausgrabungen brachten dort Fundamente von Wohnhäusern, Werkstätten, öffentlichen Gebäuden und andere Zeugnisse des römischen Lebens zum Vorschein.

Frühchristliches Zentrum

Chur entwickelte sich früh zu einem Zentrum des Christentums. Das Bistum Chur gehört zu den ältesten Bistümern nördlich der Alpen. Mit Bischof Asinio ist im Jahr 451 erstmals ein Churer Bischof sicher schriftlich belegt.

Der Bischofssitz entstand auf dem sogenannten Hof, einer erhöhten und gut zu verteidigenden Terrasse oberhalb der heutigen Altstadt. Dort befinden sich bis heute die Kathedrale, der Bischöfliche Hof und weitere kirchliche Gebäude.

Im Frühmittelalter gehörte Chur zunächst zum Ostgotenreich und später zum Frankenreich. Die Bischöfe gewannen neben ihrer kirchlichen Funktion auch politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Ihr Herrschaftsgebiet umfasste zeitweise weite Teile des heutigen Graubündens, des Vinschgaus und anderer Alpentäler.

Mittelalterliche Bischofsstadt

Im Mittelalter war Chur sowohl Bischofssitz als auch Markt- und Handwerkerstadt. Die Lage an den Zufahrten zu den Alpenpässen Septimerpass, Julierpass, Splügenpass und San-Bernardino-Pass förderte den Warenverkehr.

Zwischen dem Bischof und der Stadtbevölkerung kam es wiederholt zu Konflikten um politische Rechte, Steuern und wirtschaftliche Freiheiten. Kaufleute, Handwerker und städtische Bürger versuchten, sich schrittweise aus der bischöflichen Herrschaft zu lösen.

Im Jahr 1367 entstand der Gotteshausbund. Er vereinigte unter anderem das Domkapitel, Vertreter der Stadt Chur und zahlreiche Talschaften des bischöflichen Herrschaftsgebiets. Ziel war es, eine drohende Übertragung bischöflicher Rechte an das Haus Habsburg zu verhindern. Der Gotteshausbund wurde später gemeinsam mit dem Grauen Bund und dem Zehngerichtebund Teil der Drei Bünde.

Stadtbrand und Zunftverfassung

Ein verheerender Stadtbrand zerstörte 1464 grosse Teile Churs. Beim Wiederaufbau wurden zahlreiche Häuser in Stein errichtet. Der Brand beschleunigte zugleich politische Veränderungen.

Kaiser Friedrich III. bestätigte der Stadt verschiedene Rechte. Noch im selben Jahr wurde eine Zunftverfassung eingeführt. Die Bürger wurden fünf Zünften zugeteilt:

  • Rebleute
  • Schuhmacher
  • Schneider
  • Schmiede
  • Pfister beziehungsweise Bäcker

Die Zünfte übernahmen wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Funktionen. Der Einfluss des Bischofs auf die Stadtverwaltung nahm weiter ab.

Reformation

Die Reformation wurde in Chur vor allem durch den Geistlichen Johannes Comander geprägt. Er predigte seit 1523 reformatorische Ideen an der Martinskirche. Die Stadt schloss sich in den folgenden Jahren mehrheitlich der reformierten Konfession an.

Eine wichtige Rolle spielten die Ilanzer Artikel und die Religionsgespräche von Ilanz. Sie beschränkten die weltlichen Rechte des Bischofs und stärkten die politischen Gemeinden der Drei Bünde.

Der bischöfliche Hof mit der Kathedrale blieb jedoch katholisch. Dadurch bestanden auf engem Raum eine reformierte Bürgerstadt und ein katholisches kirchliches Zentrum nebeneinander. Diese besondere Situation prägte die religiöse und politische Entwicklung Churs bis in die Neuzeit.

Frühe Neuzeit

Während der Bündner Wirren im 17. Jahrhundert war Chur ein wichtiger politischer Schauplatz. Die Drei Bünde lagen im Spannungsfeld zwischen Frankreich, Spanien, Venedig und den Habsburgern. Die Kontrolle über die Bündner Alpenpässe war für die europäischen Mächte von grosser strategischer Bedeutung.

Stadtbrände, Epidemien und politische Konflikte belasteten die Bevölkerung wiederholt. Dennoch blieb Chur das Verwaltungs- und Handelszentrum der Drei Bünde.

Das Stadtbild wurde in dieser Zeit durch repräsentative Bürgerhäuser, Zunfthäuser, Kirchen und öffentliche Gebäude erweitert. Ausserhalb der Mauern entstanden landwirtschaftlich genutzte Güter und erste Vorstädte.

Vom Freistaat zum Kanton Graubünden

1798 wurde das Gebiet der Drei Bünde in die Helvetische Republik einbezogen. Während der Koalitionskriege war Chur zeitweise von französischen und österreichischen Truppen besetzt.

Mit der Mediationsakte von 1803 entstand der Kanton Graubünden als vollwertiger Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Chur wurde dessen Hauptstadt. Die kantonalen Behörden und Institutionen wurden schrittweise in der Stadt konzentriert.

Im 19. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Stadtbefestigungen grösstenteils abgebrochen. Die Stadt wuchs über die Grenzen der Altstadt hinaus. Neue Strassen, Schulen, Verwaltungsgebäude und Wohnquartiere entstanden.

Eisenbahn und Industrialisierung

1858 erhielt Chur Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Der Bahnhof wurde nördlich der damaligen Stadt angelegt und förderte die Entwicklung neuer Quartiere.

Mit dem Ausbau der Rhätischen Bahn wurde Chur zum wichtigsten Eisenbahnknoten Graubündens. Die Bahnverbindungen erschlossen das Prättigau, das Engadin, die Surselva, das Domleschg und weitere Regionen des Kantons.

Die Industrialisierung blieb im Vergleich zu Städten des Schweizer Mittellands begrenzt. Dennoch entstanden Lebensmittelbetriebe, Druckereien, Maschinenbauunternehmen, Bauunternehmen und Dienstleistungsbetriebe. Die 1780 gegründete Brauerei im Welschdörfli entwickelte sich später zur bekannten Calanda-Brauerei.

Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wuchs Chur zu einer regionalen Dienstleistungsstadt. Neue Wohnquartiere entstanden vor allem in der Rheinebene. Die Stadt übernahm zentrale Aufgaben in den Bereichen Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Handel und Verkehr.

Der Ausbau der Autobahn A13, des öffentlichen Verkehrs und des Bahnhofs stärkte Churs Funktion als Verkehrsknotenpunkt. Gleichzeitig verlagerte sich ein Teil des Detailhandels und der wirtschaftlichen Entwicklung in die westlichen Stadtquartiere.

Die Fusionen mit Maladers, Haldenstein und Tschiertschen-Praden veränderten die Gemeinde grundlegend. Aus einer kompakten Stadtgemeinde wurde eine territorial vielfältige Gemeinde, die städtische Quartiere, historische Dörfer, Landwirtschaftsflächen, Wälder und hochalpine Gebiete umfasst.

Politik und Verwaltung

Als Kantonshauptstadt ist Chur Sitz der Regierung und des Parlaments des Kantons Graubünden. Die kantonalen Behörden sind jedoch von den kommunalen Behörden der Stadt zu unterscheiden.

Die kommunale Exekutive ist der Stadtrat. Er besteht aus drei hauptamtlichen Mitgliedern, darunter die Stadtpräsidentin oder der Stadtpräsident. Die Mitglieder werden von den Stimmberechtigten für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt.

Die Legislative ist der Gemeinderat. Das Churer Stadtparlament besitzt 21 Mitglieder und wird ebenfalls für vier Jahre gewählt. Es berät unter anderem das Budget, die Jahresrechnung, Bauvorhaben und Geschäfte, die einer Volksabstimmung unterliegen.[4]

Die Stimmberechtigten können durch Wahlen, Abstimmungen, Initiativen und Referenden direkt an der Stadtpolitik teilnehmen. Bei besonders wichtigen Geschäften entscheidet die Gesamtheit der Stimmberechtigten an der Urne.

Die Stadtverwaltung gliedert sich in drei Departemente:

  • Finanzen, Wirtschaft und Sicherheit
  • Bildung, Gesellschaft und Kultur
  • Bau, Planung und Umwelt

Neben der politischen Gemeinde besteht die Bürgergemeinde Chur. Sie verwaltet eigenes Vermögen und erfüllt Aufgaben im Zusammenhang mit dem Bürgerrecht sowie mit ihren Liegenschaften und Grundstücken.

Wappen

Das Churer Stadtwappen zeigt in Silber ein rotes Stadttor mit drei Türmen. Im geöffneten Tor steht ein schwarzer Steinbock.

Das Stadttor verweist auf die mittelalterliche Stadt und ihre Befestigungen. Der Steinbock ist ein traditionelles Wappentier des Bistums Chur und wurde später auch zum Wappentier des Kantons Graubünden. Das Churer Wappen gehört zu den ältesten städtischen Wappen der Schweiz.

Wirtschaft

Chur ist das wichtigste Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum Graubündens. Der grösste Teil der Beschäftigten arbeitet im Dienstleistungssektor. Von besonderer Bedeutung sind:

  • öffentliche Verwaltung
  • Gesundheitswesen
  • Bildung
  • Detailhandel
  • Banken und Versicherungen
  • Verkehr und Logistik
  • Bauwirtschaft
  • Tourismus
  • Medien und Kommunikation

Die kantonale Verwaltung und die Stadtverwaltung gehören zu den bedeutenden Arbeitgebern. Weitere wichtige Institutionen sind das Kantonsspital Graubünden, die Graubündner Kantonalbank, die Rhätische Bahn und verschiedene Bildungsbetriebe.

Chur ist der wichtigste Einkaufsort des Kantons. Die Altstadt besitzt zahlreiche kleinere Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungsbetriebe. Grössere Einkaufszentren und Gewerbezonen befinden sich vor allem in Chur West und entlang der wichtigen Verkehrsachsen.

Die Calanda-Brauerei steht für die lange Tradition der Bierherstellung in Chur. Auch das Druck- und Medienwesen ist historisch bedeutend. Das Medienunternehmen Somedia hat seinen Hauptsitz in Chur.

Die Stadt dient als Ausgangspunkt für Reisen in zahlreiche Bündner Ferienregionen. Dadurch profitieren Hotellerie, Gastronomie, Detailhandel und Verkehrsbetriebe vom Tourismus.

Bildung und Forschung

Chur ist der wichtigste Bildungsstandort Graubündens. Neben der städtischen Volksschule befinden sich hier kantonale, berufliche und hochschulische Einrichtungen.

Zu den bedeutenden Bildungsinstitutionen gehören:

Die Fachhochschule Graubünden bietet Studiengänge unter anderem in Architektur, Bauingenieurwesen, Information Science, Technik, Tourismus, Betriebsökonomie und Multimedia Production an.

Die Pädagogische Hochschule bildet Lehrpersonen für den mehrsprachigen Kanton aus. Dabei spielen Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch eine besondere Rolle.

Kultur

Chur besitzt trotz seiner vergleichsweise kleinen Einwohnerzahl ein vielfältiges kulturelles Angebot. Als Hauptstadt des dreisprachigen Kantons erfüllt die Stadt eine wichtige Vermittlungsfunktion zwischen den unterschiedlichen Regionen und Sprachgemeinschaften Graubündens.

Museen

Zu den wichtigsten Museen gehören:

Das Bündner Kunstmuseum zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern mit Bezug zu Graubünden. Besondere Bedeutung besitzen Arbeiten der Familie Giacometti, von Angelika Kauffmann, Ernst Ludwig Kirchner und weiteren Kunstschaffenden.

Das Rätische Museum befindet sich in einem historischen Patrizierhaus in der Altstadt und dokumentiert die Geschichte und Kultur Graubündens von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart.

Das Bündner Naturmuseum widmet sich der Tierwelt, der Pflanzenwelt, der Geologie und den Lebensräumen des Kantons.

Theater und Musik

Das Theater Chur ist die wichtigste professionelle Theaterbühne Graubündens. Das Programm umfasst Schauspiel, Musiktheater, Tanz und Produktionen für Kinder und Jugendliche.

Weitere Kulturorte sind die Klibühni, das Kulturhaus, verschiedene Galerien, Musiklokale und Veranstaltungssäle. Die Kammerphilharmonie Graubünden veranstaltet in Chur und anderen Orten des Kantons Konzerte.

Medien und Mehrsprachigkeit

Chur ist ein bedeutendes Medienzentrum. Neben deutschsprachigen Zeitungen und elektronischen Medien haben rätoromanische Medienorganisationen ihren Sitz in der Stadt. Radiotelevisiun Svizra Rumantscha produziert hier Radio-, Fernseh- und Onlineangebote in rätoromanischer Sprache.

Die Präsenz deutsch-, rätoromanisch- und italienischsprachiger Institutionen macht Chur zu einem zentralen Ort der bündnerischen Mehrsprachigkeit.

Sehenswürdigkeiten

Altstadt

Die weitgehend verkehrsfreie Altstadt besitzt enge Gassen, historische Bürgerhäuser, Plätze, Brunnen und Reste der mittelalterlichen Befestigung. Zu ihren bekanntesten Bereichen gehören der Arcas, der Kornplatz, der Martinsplatz und die Reichsgasse.

Der Arcas ist ein von historischen Häusern umgebener Platz im südlichen Teil der Altstadt. Seine heutige Gestalt entstand durch Umbauten und Restaurierungen im 20. Jahrhundert.

Das Obertor ist eines der erhaltenen Stadttore und ein Wahrzeichen Churs. Es bildete früher den südlichen Zugang zur befestigten Stadt.

Kathedrale und Bischöflicher Hof

Die Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt steht auf dem Hof oberhalb der Altstadt. Der heutige Bau wurde im 12. und 13. Jahrhundert errichtet und vereint romanische und gotische Elemente.

Zur Ausstattung gehören ein spätgotischer Hochaltar, mittelalterliche Skulpturen, Wandmalereien und bedeutende liturgische Kunstwerke. Die Kathedrale wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts umfassend restauriert.

Neben der Kathedrale befinden sich der Bischöfliche Hof, das Priesterseminar und weitere Gebäude des Bistums. Der Hof war über Jahrhunderte ein rechtlich und konfessionell besonderer Bezirk innerhalb Churs.

Martinskirche

Die reformierte Martinskirche ist nach dem heiligen Martin von Tours benannt. Nach dem Stadtbrand von 1464 wurde sie im spätgotischen Stil neu errichtet.

Im 16. Jahrhundert wirkte Johannes Comander an der Kirche und machte sie zu einem Zentrum der Reformation in Graubünden. Die Glasfenster im Chor wurden im 20. Jahrhundert von Augusto Giacometti gestaltet.

Vor der Kirche steht der Martinsbrunnen. Der Martinsplatz bildet einen der wichtigsten historischen Plätze der Altstadt.

Kirche St. Luzi

Die Kirche St. Luzi liegt oberhalb des Bischöflichen Hofs. Sie geht auf eine frühmittelalterliche Anlage zurück und ist dem heiligen Luzius von Chur gewidmet, der als Schutzpatron des Bistums gilt.

In der Nähe befinden sich die Theologische Hochschule und kirchliche Ausbildungsstätten.

Rathaus

Das Churer Rathaus liegt an der Poststrasse. Teile des Gebäudes gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Nach dem Stadtbrand von 1464 wurde es erneuert und später mehrfach umgebaut.

Das Rathaus war über Jahrhunderte das politische Zentrum der Bürgerstadt. Heute wird es weiterhin von den kommunalen Behörden genutzt.

Fontanapark

Der Fontanapark ist eine historische Grünanlage in der Nähe der Altstadt. Er trägt den Namen des Bündner Freiheitskämpfers Benedikt Fontana, der 1499 in der Schlacht an der Calven fiel.

Der Park gehörte ursprünglich zu einem privaten Herrschaftshaus und wurde später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Haldenstein

Der Ortsteil Haldenstein besitzt mehrere kulturhistorisch bedeutende Bauwerke. Dazu gehören das Schloss Haldenstein, die Ruinen der Burgen Haldenstein und Lichtenstein sowie die reformierte Dorfkirche.

Das Schloss Haldenstein ist von einer Gartenanlage umgeben und wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Das Dorf ist zudem für seinen Weinbau bekannt.

Maladers, Praden und Tschiertschen

Maladers liegt auf einer sonnigen Terrasse am Eingang zum Schanfigg. Das Dorf besitzt ein historisches Ortsbild und eine reformierte Kirche.

Praden und Tschiertschen liegen auf der südlichen Talseite des Schanfiggs. Tschiertschen ist für sein gut erhaltenes Dorfbild mit traditionellen Holzhäusern bekannt. Der Ort ist zugleich ein Sommer- und Wintersportgebiet.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Chur ist der wichtigste Verkehrsknoten Graubündens. Er wird von den Schweizerischen Bundesbahnen und der Rhätischen Bahn bedient.

Normalspurige Züge verbinden Chur direkt mit Zürich, St. Gallen, Basel, Bern und weiteren Städten. Die meterspurigen Linien der Rhätischen Bahn führen unter anderem nach:

Chur ist Ausgangs- oder Zwischenstation international bekannter Panoramazüge wie des Glacier Express und des Bernina Express.

Eine Besonderheit ist die Bahnstrecke Chur–Arosa. Die Züge fahren nach der Abfahrt vom Bahnhof zunächst wie eine Strassenbahn durch das Stadtgebiet, bevor die Strecke in das Schanfigg ansteigt.

Busverkehr

Der städtische und regionale Busverkehr wird von Bus und Service sowie weiteren Transportunternehmen betrieben. Das Netz verbindet die Wohnquartiere, die Altstadt, den Bahnhof, Chur West und verschiedene Nachbargemeinden.

Der Bahnhof Chur ist ausserdem einer der wichtigsten Knoten des schweizerischen Postauto-Netzes. Postautolinien führen in zahlreiche Bündner Täler und Ferienorte.

Strassenverkehr

Die Autobahn A13 führt westlich der Stadt durch das Rheintal. Sie verbindet Chur nach Norden mit Sargans, dem Fürstentum Liechtenstein und dem Bodenseeraum sowie nach Süden mit dem Domleschg, dem San-Bernardino-Tunnel und dem Kanton Tessin.

Die Hauptstrasse 28 beginnt im Raum Landquart und führt über das Prättigau in Richtung Engadin. Weitere Strassen verbinden Chur mit dem Schanfigg, der Lenzerheide und der Surselva.

Bergbahnen

Eine Luftseilbahn verbindet das Stadtgebiet mit dem Hochplateau Brambrüesch. Das Gebiet ist im Sommer ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbike-Touren. Im Winter stehen Skipisten, Winterwanderwege und Schlittelmöglichkeiten zur Verfügung.

Die Bergbahn beginnt ungewöhnlich nahe am Stadtzentrum und macht Chur zu einer der wenigen Schweizer Städte mit einem direkt erschlossenen Wintersportgebiet.

Sport und Freizeit

Chur bietet zahlreiche Sportanlagen, Hallen- und Freibäder, Eisfelder, Fussballplätze und Leichtathletikanlagen. Der Rhein, die Wälder und die umliegenden Berge ermöglichen vielfältige Freizeitaktivitäten.

Der bekannteste Eishockeyverein ist der EHC Chur. Im Fussball ist unter anderem der Verein Chur 97 aktiv. Unihockey besitzt in Graubünden und in Chur ebenfalls eine starke Stellung.

Brambrüesch ist ein wichtiges Gebiet für Wandern, Mountainbiken, Skifahren und Schlitteln. Durch die Eingemeindung von Tschiertschen-Praden gehören weitere Wanderwege, Alpgebiete und Wintersportanlagen zur Stadtgemeinde.

Veranstaltungen

Zu den regelmässigen Veranstaltungen gehören:

  • das Churer Fest
  • die Churer Schlagerparade
  • das Fest der Kulturen
  • der Churer Weihnachtsmarkt
  • verschiedene Theater-, Musik- und Filmveranstaltungen
  • Sportveranstaltungen auf Brambrüesch und in Tschiertschen

Das Churer Fest findet in der Altstadt und den angrenzenden Quartieren statt. Es verbindet Musik, Gastronomie, Vereinsleben und kulturelle Darbietungen.

Die Schlagerparade ist für ihren Umzug mit historischen Fahrzeugen und bunt gestalteten Wagen bekannt.

Kulinarik

Als Hauptstadt Graubündens vereint Chur kulinarische Traditionen aus verschiedenen Regionen des Kantons. Typische Bündner Speisen sind Capuns, Maluns, Pizzoccheri, Gerstensuppe und Bündnerfleisch.

Die Weinbaugebiete des Churer Rheintals beginnen unmittelbar nördlich der Stadt. Besonders Haldenstein, Trimmis, Zizers und die Gemeinden der Bündner Herrschaft sind für ihre Weine bekannt. In Haldenstein und auf dem Churer Stadtgebiet werden vor allem Pinot-Noir-Trauben angebaut.

Die Churer Brautradition ist eng mit dem Namen Calanda verbunden.

Persönlichkeiten

Zu den bekannten Persönlichkeiten, die in Chur geboren wurden oder eng mit der Stadt verbunden sind, gehören:

Bedeutung für Graubünden

Chur nimmt innerhalb Graubündens eine zentrale Stellung ein. Die Stadt ist der wichtigste Verwaltungs-, Bildungs-, Gesundheits-, Kultur- und Verkehrsort des Kantons. Viele Dienstleistungen, die in kleineren Tälern und Gemeinden nicht angeboten werden können, sind in Chur konzentriert.

Gleichzeitig ist die Stadt ein Treffpunkt der unterschiedlichen bündnerischen Regionen und Sprachgemeinschaften. Menschen aus dem deutschsprachigen, rätoromanischen und italienischsprachigen Graubünden kommen hier zum Arbeiten, Lernen, Einkaufen oder für Behördengänge zusammen.

Durch die Verbindung von städtischen Quartieren, historischen Dörfern und alpinen Landschaften bildet die heutige Gemeinde zahlreiche Gegensätze Graubündens auf kleinem Raum ab. Chur ist damit nicht nur die politische Hauptstadt, sondern auch ein bedeutendes Symbol für die historische, kulturelle und sprachliche Vielfalt des Kantons.

Siehe auch

Literatur

  • Bündner Monatsblatt: Churer Stadtgeschichte. Verschiedene Beiträge, Chur.
  • Urs Clavadetscher: Chur – eine Stadt erzählt ihre Geschichte. Chur.
  • Peter Conradin von Planta: Chronik der Stadt Chur. Chur.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band VII: Die Stadt Chur und der Kreis der fünf Dörfer. Birkhäuser, Basel.
  • Stadtarchiv Chur: Quellen zur Geschichte der Stadt Chur. Chur.

Einzelnachweise