Neuenburg NE
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Neuenburg NE |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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BFS-Nummer |
6458 |
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Postleitzahl |
2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2006, 2034, 2035, 2042 |
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Höhe |
434 m ü. M. |
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Fläche |
30.00 km² |
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Einwohner |
45455 |
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Website |
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Neuenburg (französisch Neuchâtel, im örtlichen Sprachgebrauch fast ausschliesslich unter dem französischen Namen bekannt) ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Kantons Neuenburg in der Schweiz. Die Stadt liegt am Nordwestufer des Neuenburgersees am Jurasüdfuss. Sie ist das politische, administrative, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum des Kantons sowie ein bedeutender Standort der Uhrenindustrie, Mikrotechnik und Präzisionsforschung.
Seit der Gemeindefusion vom 1. Januar 2021 umfasst Neuenburg neben der historischen Stadt auch die ehemaligen Gemeinden Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin. Die vergrösserte Gemeinde zählte am 31. Dezember 2025 insgesamt 45'455 Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons.[1]
Das historische Stadtzentrum wird vom Schloss und der reformierten Stiftskirche überragt. Die Altstadt erstreckt sich vom Schlosshügel bis zum See und ist durch Bauten aus dem charakteristischen gelblichen Kalkstein der Region geprägt. Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere soll Neuenburg deshalb als eine «aus Butter geschnitzte Stadt» bezeichnet haben.
Neuenburg beherbergt die Universität Neuenburg, den Innovationscampus Microcity, das Schweizerische Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik sowie mehrere Museen und Forschungsinstitutionen. Mit Bahn-, Bus-, Schiffs- und Standseilbahnverbindungen bildet die Stadt einen wichtigen Verkehrsknoten im Drei-Seen-Land und in der französischsprachigen Schweiz.
Name
Der französische Name Neuchâtel bedeutet wörtlich «neues Schloss». Er geht auf mittellateinische Formen wie Novum Castellum zurück. Die erste bekannte schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1011, als der burgundische König Rudolf III. seiner Gemahlin Irmengard eine königliche Residenz mit der Bezeichnung Novum Castellum schenkte.[2]
Aus der lateinischen Bezeichnung entwickelten sich die französischen Formen Neufchastel, Neufchâtel und schliesslich Neuchâtel. Im Deutschen wurde der Name als Neuenburg übersetzt. Zur Unterscheidung von Neuenburg am Rhein und anderen gleichnamigen Orten wird häufig die Bezeichnung Neuenburg NE verwendet.
Seit dem 16. Jahrhundert erscheint in wissenschaftlichen und humanistischen Texten auch die gräzisierende Form Neocomum. Das davon abgeleitete Adjektiv neocomensis findet sich unter anderem im Siegel der Universität Neuenburg.[3]
Die amtliche Sprache der Gemeinde ist Französisch. In deutschsprachigen Texten werden sowohl Neuenburg als auch Neuchâtel verwendet. Bei Institutionen, Unternehmen und Eigennamen bleibt in der Regel die französische Bezeichnung erhalten.
Geographie
Lage
Neuenburg liegt im westlichen Schweizer Mittelland am Nordwestufer des Neuenburgersees. Das Stadtgebiet erstreckt sich vom Seeufer über einen steilen Hang bis auf die Höhen des Chaumont und in das Tal des Seyon.
Die historische Innenstadt liegt ungefähr 430 bis 480 Meter über Meer. Der tiefste Bereich befindet sich am Seeufer, während der höchste Punkt der Gemeinde auf dem Chaumont eine Höhe von rund 1174 Metern erreicht.[4]
Seit der Fusion von 2021 umfasst das Gemeindegebiet rund 3000 Hektaren. Fast die Hälfte davon besteht aus Waldflächen. Neben dicht bebauten Stadtquartieren gehören Weinberge, Landwirtschaftsflächen, bewaldete Jurahänge und ländliche Gebiete zur Gemeinde.[4]
Neuenburg grenzt an Milvignes, Rochefort, Val-de-Ruz, Enges, Hauterive, Saint-Blaise und Cressier.
Neuenburgersee
Der Neuenburgersee prägt das Landschaftsbild, das Klima und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Mit einer Fläche von rund 218 Quadratkilometern ist er der grösste vollständig in der Schweiz gelegene See.
Das Stadtzentrum besitzt eine mehrere Kilometer lange Uferzone mit Hafenanlagen, Parks, Promenaden, Sporteinrichtungen und Badeplätzen. Vom Hafen bestehen Schiffsverbindungen zu Orten am Neuenburger-, Bieler- und Murtensee.
Durch die Juragewässerkorrektionen im 19. Jahrhundert wurde der Wasserspiegel des Sees abgesenkt. Dadurch entstanden neue Uferflächen, auf denen Strassen, Hafenanlagen, öffentliche Gebäude und Parks errichtet wurden.
Seyon
Der Seyon entspringt im Val-de-Ruz und durchquert das Gemeindegebiet von Valangin bis zum Neuenburgersee.
Der Fluss floss ursprünglich offen durch die Altstadt. Wiederholte Überschwemmungen verursachten schwere Schäden. Besonders verheerend war das Hochwasser von 1579, bei dem zahlreiche Gebäude und Teile des städtischen Archivs zerstört wurden.
Zwischen 1839 und 1843 wurde der Seyon westlich der Altstadt durch einen Tunnel direkt in den See geleitet. Das trockengelegte ehemalige Flussbett wurde zu einer wichtigen Verkehrsachse, der heutigen Rue du Seyon.
Chaumont
Der Chaumont bildet den bewaldeten Höhenzug oberhalb der Stadt. Von seinem Aussichtsturm reicht der Blick über den Neuenburgersee und das Mittelland bis zu den Alpen.
Der Höhenunterschied zwischen dem Seeufer und dem Chaumont beträgt mehr als 700 Meter. Die Standseilbahn von La Coudre nach Chaumont überwindet einen grossen Teil dieser Distanz.
Der Chaumont ist ein wichtiges Naherholungsgebiet mit Wanderwegen, Aussichtspunkten, Restaurants und Freizeitangeboten.
Gemeindeteile
Die heutige Gemeinde umfasst die historische Stadt Neuenburg und die 2021 eingemeindeten Ortschaften:
- Corcelles;
- Cormondrèche;
- Peseux;
- Valangin.
Zum Gemeindegebiet gehören zudem Quartiere und Siedlungen wie Serrières, La Coudre, Monruz, Hauterive-nahe Wohngebiete, Pierre-à-Bot, Vauseyon, Les Cadolles, Mail, La Maladière und Port-Roulant.
Die früher selbstständigen Gemeinden besitzen weiterhin eigene Ortszentren, historische Bauwerke und lokale Identitäten.
Klima
Neuenburg besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima. Der See gleicht die Temperaturen teilweise aus und mildert starke Schwankungen.
Die Sommer sind meist warm, während die Winter in den tieferen Stadtteilen vergleichsweise mild sind. Auf den höher gelegenen Gemeindeteilen und am Chaumont fallen die Temperaturen deutlich tiefer aus, und Schnee bleibt länger liegen.
Die Hanglage begünstigt den Weinbau. An den nach Süden und Südosten ausgerichteten Hängen werden vor allem Chasselas-, Pinot-noir- und weitere Rebsorten angebaut.
Wie in anderen Gebieten am Jurasüdfuss kann die Bise kräftig wehen. Bei bestimmten Wetterlagen verursacht sie hohen Wellengang und niedrige gefühlte Temperaturen.
Bevölkerung
Am 31. Dezember 2025 lebten 45'455 Personen in der Gemeinde Neuenburg.[1] Die Stadt ist damit deutlich grösser als La Chaux-de-Fonds, die zweitgrösste Gemeinde des Kantons.
Vor der Fusion von 2021 zählte die damalige Stadtgemeinde rund 34'000 Einwohner. Durch den Zusammenschluss mit Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin stieg die Einwohnerzahl auf mehr als 44'000. Die neue Gemeinde gehört zu den grösseren Städten der französischsprachigen Schweiz.[5]
Die Bevölkerungsentwicklung wurde seit dem 19. Jahrhundert durch Industrialisierung, Uhrenindustrie, Ausbau der Kantonsverwaltung und Entstehung wissenschaftlicher Einrichtungen geprägt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wanderten zahlreiche Einwohner in die umliegenden Gemeinden ab. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wächst die Bevölkerung wieder.
Ein bedeutender Teil der Einwohner besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen stammen unter anderem aus Frankreich, Portugal, Italien, Spanien, Kosovo und weiteren europäischen Staaten.
Sprache
Französisch ist die Amtssprache und die mit Abstand meistgesprochene Sprache.
Der traditionelle regionale Dialekt gehörte zum frankoprovenzalischen Sprachraum. Er verlor im 19. und 20. Jahrhundert weitgehend seine Funktion als Alltagssprache.
Deutsch ist aufgrund der Nähe zur Sprachgrenze, der Bundesverwaltung, des Tourismus und der inneren Migration verbreitet. Daneben werden Portugiesisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Albanisch und zahlreiche weitere Sprachen gesprochen.
Neuenburg liegt nahe der deutsch-französischen Sprachgrenze und unterhält enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zum zweisprachigen Kanton Bern und zur Region Biel.
Religion
Die Stadt schloss sich 1530 unter dem Einfluss des französischen Reformators Guillaume Farel der Reformation an. Die frühere katholische Stiftskirche wurde evangelisch-reformiert.
Die reformierte Kirche prägte das politische und gesellschaftliche Leben über Jahrhunderte. Mit der Industrialisierung und der Zuwanderung nahm der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung wieder zu.
Heute bestehen reformierte, römisch-katholische, christkatholische, orthodoxe und freikirchliche Gemeinden. Hinzu kommen muslimische, jüdische, buddhistische und weitere Religionsgemeinschaften.
Wie in anderen Schweizer Städten ist der Anteil der Personen ohne konfessionelle Zugehörigkeit stark gestiegen.
Geschichte
Frühgeschichte
Das Gebiet am Neuenburgersee war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Fundstellen am Seeufer dokumentieren Siedlungen seit der Jungsteinzeit.
Bei Monruz wurde eine bedeutende jungpaläolithische Fundstelle entdeckt. Die dort gefundenen Lagerplätze, Werkzeuge und Kunstobjekte sind mehr als 13'000 Jahre alt.
Die Pfahlbausiedlungen am Neuenburgersee gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der prähistorischen Besiedlung. Mehrere Fundstellen sind Bestandteil des UNESCO-Welterbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.
Östlich der Stadt liegt die Fundstelle La Tène, die einer ganzen Epoche der europäischen Eisenzeit den Namen gab. Die dort entdeckten Waffen, Werkzeuge und Schmuckstücke werden der keltischen Latènekultur zugeordnet.
Römische Zeit
Während der römischen Herrschaft gehörte das Gebiet zum Umfeld von Aventicum, der Hauptstadt der Helvetier.
Am Seeufer und entlang der Verkehrswege entstanden Gutshöfe, Siedlungen und Hafenanlagen. Bedeutende römische Funde wurden unter anderem in Serrières und Monruz gemacht.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft ging die Bevölkerungszahl zurück. Die schriftlichen Quellen zur frühmittelalterlichen Entwicklung sind spärlich.
Erste Erwähnung
Im Jahr 1011 schenkte König Rudolf III. von Burgund seiner Gemahlin Irmengard die königliche Residenz Novum Castellum. Diese Urkunde gilt als erste sichere Erwähnung Neuenburgs.[2]
Der Name deutet darauf hin, dass damals bereits ein befestigter Sitz bestand. Über Lage und Gestalt dieser frühen Burg ist jedoch wenig bekannt.
Nach dem Ende des Königreichs Burgund gelangte die Region in den Einflussbereich des Heiligen Römischen Reiches.
Herren und Grafen von Neuenburg
Im 12. Jahrhundert trat ein lokales Adelsgeschlecht auf, das sich nach Neuenburg benannte. Die Herren und späteren Grafen von Neuenburg bauten ihre Herrschaft am Jurasüdfuss aus.
Unter Ulrich II. begann gegen Ende des 12. Jahrhunderts der Bau der Stiftskirche neben der Burg. Um die Burganlage entwickelte sich eine befestigte städtische Siedlung.
1214 verliehen Ulrich III. und Berthold von Neuenburg der Stadt einen Freiheitsbrief. Er regelte Rechte, Abgaben, Handel und Selbstverwaltung der Bürgerschaft.[3]
Die Stadt wurde von Mauern und Türmen geschützt. Innerhalb der Befestigung entstanden Wohnhäuser, Werkstätten, Märkte und kirchliche Einrichtungen.
Stiftskirche und Grafengrab
Die Stiftskirche wurde ab etwa 1190 errichtet. Sie verbindet romanische und gotische Bauelemente und wurde 1276 geweiht.
In der Kirche befindet sich das Grabmal der Grafen von Neuenburg, ein bedeutendes mittelalterliches Skulpturenensemble. Es besteht aus farbig gefassten Figuren verschiedener Angehöriger des Herrscherhauses.
Neben der Kirche entstand ein Chorherrenstift, das bis zur Reformation bestand.
Herrschaftswechsel
Nach dem Aussterben der älteren Grafenlinie wechselte die Herrschaft durch Erbschaft an verschiedene Dynastien.
Neuenburg gehörte zeitweise den Grafen von Freiburg im Breisgau und später den Markgrafen von Hochberg. 1504 gelangte die Grafschaft an das Haus Orléans-Longueville.
Die Stadt und die Landschaft pflegten enge Beziehungen zu den eidgenössischen Orten, insbesondere zu Bern. Neuenburg schloss Burgrechte und Bündnisse mit mehreren Schweizer Städten.
Eidgenössische Besetzung
Während der Italienischen Kriege besetzten eidgenössische Truppen 1512 die Grafschaft Neuenburg. Die zwölf beteiligten Orte verwalteten das Gebiet gemeinsam.
1529 wurde Neuenburg an Johanna von Hochberg und ihren Gemahl Ludwig von Orléans-Longueville zurückgegeben.
Die eidgenössische Besetzung verstärkte die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Schweiz.
Reformation
Der aus Frankreich stammende Reformator Guillaume Farel begann 1530 in Neuenburg zu predigen.
Am 4. November 1530 entschied eine Mehrheit der Bürgerschaft, die katholische Messe abzuschaffen und die Reformation einzuführen. Die Stiftskirche wurde zur reformierten Hauptkirche.
Klöster und kirchliche Einrichtungen wurden aufgehoben oder umgestaltet. Ein Teil ihres Vermögens ging an die Stadt und diente sozialen und schulischen Aufgaben.
Die Landesherren blieben zunächst katholisch, akzeptierten jedoch unter politischem Druck die reformierte Ordnung.
Fürstentum Neuenburg
1648 wurde die Grafschaft Neuenburg zum Fürstentum erhoben.
Nach dem Tod der kinderlosen Fürstin Marie de Nemours im Jahr 1707 erhoben mehrere europäische Herrscherhäuser Anspruch auf die Nachfolge. Die Stände von Neuenburg entschieden sich für den preussischen König Friedrich I.
Neuenburg wurde damit ein Fürstentum unter der Herrschaft der Könige von Preussen. Die preussischen Herrscher regierten das Land überwiegend durch Gouverneure und bestätigten seine bestehenden Rechte und Institutionen.
Die grosse Entfernung zu Berlin ermöglichte eine weitgehende lokale Selbstverwaltung. Wirtschaft und Handel orientierten sich weiterhin stark an der Schweiz und an Frankreich.
Wohlstand im 18. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert erlebte Neuenburg einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.
Der Handel mit Textilien, bedruckten Baumwollstoffen, Uhren und Kolonialwaren brachte mehreren Familien grossen Wohlstand. Bedeutende Kaufleute unterhielten internationale Handelsnetze.
Pierre-Alexandre DuPeyrou liess zwischen 1764 und 1771 das repräsentative Hôtel DuPeyrou errichten. Er unterstützte den Philosophen Jean-Jacques Rousseau und finanzierte die Veröffentlichung eines Teils seines Nachlasses.
Der Bankier und Mäzen David de Pury vermachte der Stadt ein grosses Vermögen. Mit diesen Mitteln wurden unter anderem das Rathaus, Schulen, Spitäler und weitere öffentliche Einrichtungen finanziert.
Ein Teil des damaligen Wohlstands stand in Verbindung mit kolonialen Handelsnetzen und der Sklavenwirtschaft. Diese historischen Zusammenhänge werden seit dem 21. Jahrhundert verstärkt wissenschaftlich und öffentlich untersucht.
Französische Herrschaft
1806 trat der preussische König das Fürstentum Neuenburg an Napoleon Bonaparte ab. Napoleon übergab es seinem Marschall Louis-Alexandre Berthier.
Obwohl Neuenburg Teil des napoleonischen Machtbereichs wurde, blieb seine innere Verwaltung weitgehend erhalten.
Nach dem Sturz Napoleons fiel das Fürstentum 1814 wieder an den König von Preussen.
Beitritt zur Eidgenossenschaft
Am 12. September 1814 nahm die eidgenössische Tagsatzung Neuenburg als 21. Kanton in die Schweiz auf. Der Bundesvertrag von 1815 bestätigte die Mitgliedschaft.
Neuenburg besass damit eine besondere Doppelstellung: Es war gleichzeitig Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum.
Der König von Preussen blieb formell Landesherr, während Neuenburg als Kanton an den Organen der Eidgenossenschaft beteiligt war. Diese widersprüchliche Ordnung führte zu politischen Spannungen zwischen Monarchisten und Republikanern.
Revolution von 1848
Am 1. März 1848 zogen republikanische Kräfte aus Le Locle und La Chaux-de-Fonds unter der Führung von Fritz Courvoisier und Ami Girard nach Neuenburg.
Sie besetzten das Schloss ohne grössere Kämpfe und setzten die monarchische Regierung ab. Eine provisorische Regierung rief die Republik Neuenburg aus.
Eine neue demokratische Kantonsverfassung wurde angenommen. Der preussische König erkannte den Verlust seiner Herrschaft zunächst nicht an, griff aber wegen der europäischen Revolutionslage nicht militärisch ein.
Der 1. März ist heute ein offizieller Feiertag des Kantons Neuenburg.
Neuenburgerhandel
1856 versuchten royalistische Anhänger des preussischen Königs, die republikanische Regierung zu stürzen. Der Aufstand scheiterte, und mehrere Beteiligte wurden festgenommen.
Preussen verlangte ihre Freilassung und drohte mit militärischen Massnahmen. Die Schweiz mobilisierte Truppen unter General Guillaume Henri Dufour.
Durch internationale Vermittlung wurde der Konflikt friedlich gelöst. Im Pariser Vertrag von 1857 verzichtete der preussische König endgültig auf seine Herrschaftsrechte über Neuenburg. Die Schweiz gewährte den festgenommenen Royalisten Amnestie.
Industrialisierung
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Neuenburg zu einem bedeutenden Industrie- und Verwaltungszentrum.
Die Uhrenindustrie war vor allem in den Neuenburger Bergen konzentriert, doch auch die Stadt beherbergte Werkstätten, Handelsunternehmen, Forschungseinrichtungen und Zulieferbetriebe.
Im Tal von Serrières entstanden industrielle Anlagen. Die Firma Suchard errichtete dort ab 1826 eine Schokoladenfabrik, die sich zu einem international bekannten Unternehmen entwickelte.
Der Eisenbahnanschluss, neue Strassen und die Schifffahrt verbesserten die Verkehrsverbindungen. Die Stadt wuchs über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus.
Stadterweiterung
Die Absenkung des Neuenburgersees durch die Juragewässerkorrektion schuf im späten 19. Jahrhundert neue Flächen am Ufer.
Auf den Aufschüttungen entstanden die Avenue du 1er-Mars, Hafenanlagen, Parks, Verwaltungsgebäude und Wohnquartiere.
1890 wurden Serrières und 1930 La Coudre in die Stadt eingemeindet.
Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglichte eine stärkere Besiedlung der Hanglagen.
20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Neuenburg zu einem Zentrum von Verwaltung, Bildung, Forschung und Dienstleistungen.
Die Universität wurde ausgebaut, und neue wissenschaftliche Institute entstanden. Die Uhrenkrise der 1970er und 1980er Jahre traf die Region schwer, förderte jedoch die Umstellung auf Mikrotechnik, Elektronik und hoch spezialisierte Präzisionsindustrie.
Wohnquartiere dehnten sich entlang des Seeufers und an den Hängen aus. Gleichzeitig wurde ein Teil der Bevölkerung in umliegende Gemeinden verlagert.
Der Bau der Autobahn A5, die teilweise in Tunnels verläuft, entlastete das Stadtzentrum vom Durchgangsverkehr und ermöglichte eine Aufwertung der Uferbereiche.
Gemeindefusion von 2021
Am 1. Januar 2021 vereinigten sich Neuenburg, Corcelles-Cormondrèche, Peseux und Valangin zur neuen Gemeinde Neuenburg.[5]
Die Fusion schuf eine Gemeinde mit fast 45'000 Einwohnern. Sie sollte die politische Planung, Verwaltung, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung besser auf den zusammenhängenden Lebensraum abstimmen.
Die Stimmberechtigten der vier früheren Gemeinden hatten dem Zusammenschluss zuvor zugestimmt. Die ersten gemeinsamen Behörden wurden am 25. Oktober 2020 gewählt.
Die ehemaligen Gemeinden behielten ihre Ortsnamen und einen Teil ihrer lokalen Identität. Verwaltung, politische Organe und Finanzen wurden jedoch vereinheitlicht.
Politik
Gemeindeordnung
Die Gemeinde Neuenburg besitzt ein Gemeindeparlament und eine fünfköpfige Exekutive.
Die politischen Organe sind:
- die Stimmberechtigten;
- der Conseil général;
- der Conseil communal;
- kommunale Kommissionen und Kontrollorgane.
Die Legislaturperiode dauert vier Jahre. Die laufende Amtsperiode umfasst die Jahre 2024 bis 2028.
Conseil général
Der Conseil général ist das Gemeindeparlament. Er zählt 41 Mitglieder, die im Proporzverfahren gewählt werden.[6]
Der Generalrat erlässt kommunale Reglemente, genehmigt Budget und Rechnung, bewilligt grössere Kredite und kontrolliert die Tätigkeit des Gemeinderats.
Im Parlament sind sozialdemokratische, grüne, freisinnige, grünliberale, linke und weitere politische Gruppierungen vertreten.
Die Sitzungen finden im Rathaus statt und sind grundsätzlich öffentlich.
Conseil communal
Der Conseil communal bildet die Exekutive. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die von der Bevölkerung für vier Jahre gewählt werden.[7]
Die Mitglieder führen verschiedene Verwaltungsbereiche, die in französischer Sprache als dicastères bezeichnet werden.
Das Präsidium wechselt jährlich. Seit dem 1. Juli 2026 wird der Gemeinderat von Jonathan Gretillat präsidiert.[8]
Kantonshauptort
Neuenburg ist Sitz des Staatsrats, des Grossen Rats, der Kantonskanzlei und eines grossen Teils der kantonalen Verwaltung.
Das Schloss dient als Sitz der Kantonsregierung und des kantonalen Parlaments. Damit verbindet der Gebäudekomplex seine historische Funktion als Residenz mit seiner heutigen Bedeutung als politisches Zentrum der Republik und des Kantons Neuenburg.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in goldenem Feld einen schwarzen Adler mit roter Bewehrung und roter Zunge. Auf seiner Brust befindet sich ein Schild mit den rot-weissen Sparren der historischen Grafen von Neuenburg.
Der Adler verweist auf die mittelalterliche Herrschaft und die reichspolitische Stellung der Stadt. Das Wappen unterscheidet sich vom grün-weiss-roten Kantonswappen, das nach der republikanischen Revolution von 1848 eingeführt wurde.
Die 2021 fusionierte Gemeinde behielt das Wappen der früheren Stadt Neuenburg.
Wirtschaft
Neuenburg ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort der Westschweiz. Die Stadt verbindet traditionelle Präzisionsindustrie mit Forschung, Verwaltung, Bildung, Handel, Tourismus und Dienstleistungen.
Zu den bedeutenden Branchen gehören:
- Uhrenindustrie;
- Mikrotechnik;
- Elektronik;
- Medizintechnik;
- Informations- und Kommunikationstechnologie;
- Finanz- und Unternehmensdienstleistungen;
- Forschung und Entwicklung;
- öffentliche Verwaltung;
- Gesundheitswesen;
- Tourismus und Gastronomie.
Die Nähe zu den Uhrenzentren La Chaux-de-Fonds und Le Locle sowie zum Wirtschaftsraum Biel prägt den Arbeitsmarkt.
Uhrenindustrie und Mikrotechnik
Neuenburg liegt im Zentrum des sogenannten Schweizer Uhrenbogens. Während die grossen historischen Produktionsorte vor allem in den Jurahöhen liegen, entwickelte sich die Stadt zu einem Forschungs-, Verwaltungs- und Entwicklungsstandort der Branche.
Unternehmen wie Bulgari, Panerai, Patek Philippe und verschiedene Zulieferbetriebe unterhalten Produktions-, Forschungs- oder Verwaltungsaktivitäten in der Region.[9]
Die in der Uhrenindustrie entwickelten Kenntnisse in Präzisionsmechanik, Werkstoffkunde und Miniaturisierung bildeten eine Grundlage für moderne Mikrotechnik, Sensorik und Medizintechnik.
CSEM
Das Centre suisse d’électronique et de microtechnique (CSEM) hat seinen Hauptsitz in Neuenburg.
Das Forschungs- und Entwicklungszentrum arbeitet in Bereichen wie Mikroelektronik, Photovoltaik, Präzisionsfertigung, Digitalisierung, Quantentechnologie und Medizintechnik.
Das CSEM arbeitet mit Hochschulen, Start-ups und Industrieunternehmen zusammen und überführt Forschungsergebnisse in marktfähige Anwendungen.
Microcity
Microcity ist ein Innovationsstandort im Osten der Stadt. Er verbindet Forschung, Hochschullehre, Unternehmensgründung und industrielle Entwicklung.
Auf dem Campus befinden sich unter anderem Einrichtungen der École polytechnique fédérale de Lausanne, des CSEM und weiterer Partner.
Der Standort konzentriert sich auf Mikrotechnik, Nanotechnologie, Sensorik, Präzisionssysteme und digitale Produktion.
Serrières
Serrières war seit dem frühen 19. Jahrhundert ein bedeutendes Industriequartier.
Besonders bekannt wurde die Schokoladenfabrik Suchard. Philippe Suchard gründete sein Unternehmen 1826 und nutzte die Wasserkraft des Serrières-Bachs.
Das ehemalige Industriegebiet wurde nach dem Rückgang der Produktion teilweise zu Wohn-, Dienstleistungs- und Kulturzwecken umgenutzt. Historische Fabrikgebäude erinnern an die industrielle Vergangenheit.[10]
Handel und Dienstleistungen
Das Stadtzentrum ist ein bedeutender Einkaufs- und Dienstleistungsstandort für den Kanton.
Die Fussgängerzonen in der Altstadt, Einkaufszentren, Märkte und Gastronomiebetriebe ziehen Besucher aus der gesamten Region an.
Als Kantonshauptort bietet Neuenburg zahlreiche Arbeitsplätze in Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Banken, Versicherungen und öffentlichen Betrieben.
Weinbau
An den Hängen des Neuenburgersees wird seit Jahrhunderten Wein angebaut.
Die wichtigsten Rebsorten sind Chasselas und Pinot noir. Eine regionale Spezialität ist der ungefilterte Neuenburger Chasselas, der jeweils im Januar des auf die Ernte folgenden Jahres auf den Markt kommt.
Aus Pinot noir wird auch der traditionelle Roséwein Œil-de-Perdrix hergestellt.
Die Gemeinde besitzt Rebflächen insbesondere in Corcelles-Cormondrèche, Peseux und am westlichen Stadtrand.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Neuenburg ist ein wichtiger Knoten des Schweizer Eisenbahnnetzes.
Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach:
Die Jurasüdfusslinie verbindet Neuenburg mit Yverdon-les-Bains, Biel und Olten. Eine weitere Hauptstrecke führt durch den Juratunnel nach La Chaux-de-Fonds.
Der Bahnhof liegt oberhalb des Stadtzentrums. Mehrere Buslinien und eine Standseilbahn verbinden ihn mit den tiefer gelegenen Quartieren und dem Universitätsbereich.
Standseilbahnen
Neuenburg verfügt über mehrere Standseilbahnen.
Die Fun'ambule verbindet den Bahnhof mit dem unteren Stadtteil und dem Universitätsquartier. Sie wurde im Zusammenhang mit der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02 eröffnet.
Die Standseilbahn Écluse–Plan verbindet das Stadtzentrum mit höher gelegenen Wohngebieten.
Die Standseilbahn La Coudre–Chaumont führt vom östlichen Stadtteil La Coudre auf den Chaumont.
Stadt- und Regionalbusse
Der öffentliche Nahverkehr wird vor allem durch Transports publics neuchâtelois betrieben.
Trolleybus- und Autobuslinien verbinden das Zentrum mit Peseux, Corcelles-Cormondrèche, Hauterive, Saint-Blaise, Marin, Valangin und weiteren Orten.
Der Trolleybusbetrieb gehört zu den wenigen noch bestehenden Systemen dieser Art in der Schweiz.
Die Verkehrsangebote sind in den Tarifverbund Onde Verte eingebunden.[11]
Schifffahrt
Vom Hafen Neuenburg verkehren Kursschiffe der Gesellschaft Navigation Lacs de Neuchâtel et Morat.
Verbindungen führen zu Orten am Neuenburgersee sowie über den Broye- und Zihlkanal zum Murten- und Bielersee.
Die Drei-Seen-Rundfahrt ist ein bedeutendes touristisches Angebot der Region.
Strassenverkehr
Die Autobahn A5 führt durch das Gemeindegebiet. Im Bereich der Innenstadt verläuft sie grösstenteils in Tunnels.
Die A5 verbindet Neuenburg mit Yverdon-les-Bains, Biel und dem übrigen Schweizer Autobahnnetz.
Hauptstrassen führen ins Val-de-Ruz, nach La Chaux-de-Fonds und entlang des Seeufers.
Die engen topografischen Verhältnisse zwischen See und Jurahang erschweren die Verkehrsplanung. Die Stadt fördert deshalb den öffentlichen Verkehr, den Fussverkehr und den Ausbau von Veloverbindungen.
Bildung und Forschung
Universität Neuenburg
Die Universität Neuenburg geht auf eine 1838 gegründete Akademie zurück. 1909 erhielt sie den Status einer Universität.
Sie umfasst Fakultäten für Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Recht sowie Wirtschaftswissenschaften. Die Theologische Fakultät wurde in die geisteswissenschaftlichen Strukturen integriert.
Die Universität ist mit rund 4000 Studierenden eine der kleineren Schweizer Universitäten. Sie besitzt besondere Schwerpunkte in Mikrotechnik, Hydrogeologie, Biologie, Sprachwissenschaft, Migrationsforschung und internationalem Recht.
Die meisten Gebäude liegen zwischen Bahnhof und See sowie im Quartier Mail.
EPFL und Microcity
Die École polytechnique fédérale de Lausanne betreibt in Neuenburg einen Teil ihrer Forschung und Lehre im Bereich Mikrotechnik.
Das frühere Institut für Mikrotechnik der Universität Neuenburg wurde 2009 in die EPFL integriert.
Der Campus Microcity bündelt Labore, Ausbildungsräume, Start-ups und industrielle Partner.
Schulen
Die Gemeinde führt Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulen an zahlreichen Standorten.
Weiterführende Schulen umfassen Gymnasien, Berufsbildungszentren und spezialisierte Fachschulen.
Das Lycée Denis-de-Rougemont und das Lycée Jean-Piaget gehören zu den bedeutenden kantonalen Bildungseinrichtungen.
Kultur
Museen
Neuenburg besitzt mehrere Museen von nationaler und regionaler Bedeutung.
Das Laténium in Hauterive ist das archäologische Museum des Kantons. Es zeigt Funde von der Altsteinzeit bis zum Mittelalter und besitzt einen archäologischen Park am See.
Das Musée d’art et d’histoire beherbergt Kunstwerke, historische Sammlungen und die berühmten Automaten des Uhrmachers Pierre Jaquet-Droz.
Das Musée d’ethnographie de Neuchâtel besitzt umfangreiche aussereuropäische Sammlungen und ist für seine kritischen und experimentellen Ausstellungen bekannt.
Das Muséum d’histoire naturelle widmet sich Tierwelt, Geologie und Umwelt.
Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel wurde vom Architekten Mario Botta gestaltet und ist dem Schriftsteller und Maler Friedrich Dürrenmatt gewidmet.
Theater und Musik
Das Théâtre du Passage ist die wichtigste grössere Theater- und Veranstaltungsstätte der Stadt.
Weitere Kulturorte bieten Schauspiel, Tanz, Musik, Film und Kleinkunst.
Die Haute École de musique Genève–Neuchâtel unterhält einen Standort in der Stadt.
Musikvereine, Chöre, freie Theatergruppen und Kulturzentren tragen zu einem vielfältigen Veranstaltungsangebot bei.
Bibliotheken und Archive
Die Bibliothèque publique et universitaire de Neuchâtel besitzt historische Bestände und wissenschaftliche Sammlungen.
Zu ihren bedeutenden Beständen gehören Handschriften und Dokumente von Jean-Jacques Rousseau.
Das Stadtarchiv und das Staatsarchiv bewahren Urkunden, Verwaltungsakten, Karten, Fotografien und weitere Quellen zur Geschichte von Stadt und Kanton auf.
Festivals und Veranstaltungen
Zu den bekannten Veranstaltungen gehören:
- das Neuchâtel International Fantastic Film Festival;
- die Fête des Vendanges;
- das Buskers Festival;
- die Fête de la Musique;
- das Festi'neuch;
- verschiedene Märkte und Sportveranstaltungen.
Die Fête des Vendanges findet gewöhnlich am letzten Septemberwochenende statt und gehört zu den grössten Volksfesten der Westschweiz.
Sehenswürdigkeiten
Schloss Neuenburg
Das Schloss liegt auf einem Felssporn oberhalb der Altstadt.
Seine ältesten Teile gehen auf das Mittelalter zurück. Die Anlage wurde unter verschiedenen Herrscherfamilien mehrfach erweitert und umgebaut.
Heute beherbergt das Schloss den Staatsrat, den Grossen Rat und Teile der kantonalen Verwaltung.
Während der wärmeren Jahreszeit werden Führungen durch ausgewählte Räume angeboten.
Stiftskirche
Die reformierte Stiftskirche Notre-Dame wurde ab dem späten 12. Jahrhundert errichtet und 1276 geweiht.
Sie besitzt romanische und gotische Bauelemente, zwei markante Türme und ein farbig glasiertes Dach.
Das Innere enthält das Kenotaph der Grafen von Neuenburg. Nach einer umfassenden Restaurierung wurde die Kirche 2022 wiedereröffnet.[12]
Altstadt
Die Altstadt liegt unterhalb des Schlosses und besteht aus engen Gassen, Plätzen, Brunnen und historischen Bürgerhäusern.
Bedeutende Bereiche sind die Rue des Moulins, die Rue du Château, die Rue des Chavannes, die Place des Halles und die Rue du Seyon.
Zahlreiche Fassaden bestehen aus gelblichem Hauterive-Kalkstein, der dem Stadtbild seine charakteristische Farbe gibt.
Maison des Halles
Die Maison des Halles an der Place des Halles wurde im 16. Jahrhundert errichtet.
Das reich verzierte Renaissancegebäude diente ursprünglich als Markt- und Handelshaus.
Es gehört zu den bekanntesten Profanbauten der Altstadt.
Rathaus
Das Hôtel de Ville wurde zwischen 1784 und 1790 nach Plänen des französischen Architekten Pierre-Adrien Pâris errichtet.
Finanziert wurde der Bau teilweise aus dem Vermächtnis David de Purys.
Das klassizistische Gebäude beherbergt den Generalrat und Teile der Stadtverwaltung.[13]
Hôtel DuPeyrou
Das Hôtel DuPeyrou entstand zwischen 1764 und 1771 für Pierre-Alexandre DuPeyrou.
Das spätbarocke Herrenhaus besitzt repräsentative Innenräume und einen Garten.
DuPeyrou war mit Jean-Jacques Rousseau befreundet und unterstützte die Herausgabe seiner Werke.
Gefängnisturm
Der Tour des Prisons ist ein Überrest der mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Von der oberen Plattform bietet sich ein Blick über die Altstadt, das Schloss und den See.
Brunnen
In der Altstadt befinden sich zahlreiche historische Brunnen.
Besonders bekannt sind der Bannerträgerbrunnen, der Gerechtigkeitsbrunnen, der Greifenbrunnen und der Löwenbrunnen.
Die farbig gefassten Figuren stammen teilweise aus der Renaissance und verweisen auf städtische Tugenden, Herrschaft und Wehrhaftigkeit.
Valangin
Valangin besitzt ein mittelalterliches Schloss, eine historische Kleinstadtsiedlung und eine spätgotische Stiftskirche.
Das Schloss liegt auf einem Felssporn über der Seyon-Schlucht und beherbergt ein Museum.
Valangin war bis 2020 eine selbstständige Gemeinde und ist seit 2021 Teil Neuenburgs.[14]
Chaumont
Der Aussichtsturm auf dem Chaumont bietet bei klarem Wetter ein Panorama vom Genferseegebiet bis zu den Berner und Zentralschweizer Alpen.
Die Standseilbahn macht den Höhenzug vom Stadtgebiet aus leicht erreichbar.
Sport
Der bekannteste Sportverein der Stadt ist der Fussballklub Neuchâtel Xamax FCS.
Seine Heimspiele trägt der Klub im Stade de la Maladière aus. Das 2007 eröffnete Stadion ist Teil eines Komplexes mit Einkaufszentrum, Sporthallen und Feuerwehrstützpunkt.
Weitere Vereine betreiben Basketball, Eishockey, Volleyball, Rudern, Segeln, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis und zahlreiche weitere Sportarten.
Der Neuenburgersee bietet Möglichkeiten für Segeln, Windsurfen, Rudern, Schwimmen und weitere Wassersportarten.
Städtepartnerschaften
Neuenburg unterhält partnerschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen zu mehreren Städten.
Eine besonders bekannte Verbindung besteht mit Aarau. Die beiden Städte pflegen seit dem 20. Jahrhundert einen regelmässigen Austausch zwischen Behörden, Schulen, Vereinen und kulturellen Einrichtungen.
Weitere internationale Kontakte ergeben sich aus Hochschulkooperationen, Kulturprojekten und wirtschaftlichen Netzwerken.
Persönlichkeiten
Mit Neuenburg verbunden sind unter anderem:
- Guillaume Farel (1489–1565), Reformator;
- David de Pury (1709–1786), Bankier und Mäzen;
- Pierre-Alexandre DuPeyrou (1729–1794), Kaufmann und Mäzen;
- Pierre Jaquet-Droz (1721–1790), Uhrmacher und Automatenerbauer;
- Jean-Frédéric Osterwald (1663–1747), reformierter Theologe;
- Philippe Suchard (1797–1884), Unternehmer und Schokoladenfabrikant;
- Fritz Courvoisier (1799–1854), Revolutionär und Politiker;
- Louis Agassiz (1807–1873), Naturforscher;
- Ferdinand Gonseth (1890–1975), Mathematiker und Philosoph;
- Denis de Rougemont (1906–1985), Schriftsteller und Philosoph;
- Jean Piaget (1896–1980), Entwicklungspsychologe;
- Friedrich Dürrenmatt (1921–1990), Schriftsteller und Maler;
- Agota Kristof (1935–2011), Schriftstellerin;
- Blaise Cendrars (1887–1961), Schriftsteller;
- Max Petitpierre (1899–1994), Bundesrat;
- Didier Burkhalter (* 1960), Bundesrat;
- Robert Miles (1969–2017), Musiker und Produzent.
Bedeutung
Neuenburg verbindet in besonderer Weise mittelalterliche Residenzgeschichte, französischsprachige Stadtkultur, republikanische Tradition und moderne Präzisionsforschung.
Als Kantonshauptort beherbergt die Stadt die wichtigsten politischen und administrativen Institutionen des Kantons. Die Universität und die Forschungszentren verleihen ihr eine überregionale wissenschaftliche Bedeutung.
Die Lage zwischen See und Jura, das historische Zentrum, die Weinberge und die Nähe zu archäologischen Fundstätten machen Neuenburg zugleich zu einem bedeutenden Reiseziel.
Mit der Fusion von 2021 wurde der politisch-administrative Raum stärker an das zusammengewachsene Siedlungsgebiet angepasst. Die neue Gemeinde reicht vom dicht bebauten Seeufer bis zu ländlichen Dörfern, Schluchten und Jurawäldern.
Siehe auch
- Kanton Neuenburg
- Neuenburgersee
- Universität Neuenburg
- Schloss Neuenburg
- Stiftskirche Neuenburg
- Neuenburgerhandel
- Neuchâtel Xamax FCS
- Laténium
- Valangin
- Corcelles-Cormondrèche
- Peseux NE
- Liste der Gemeinden im Kanton Neuenburg
Literatur
- Philippe Henry, Jean-Pierre Jelmini: Neuenburg (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Jean-Pierre Jelmini: Neuchâtel 1011–2011. Mille ans, mille questions, mille et une réponses. Éditions Attinger, Hauterive 2010.
- Jean Courvoisier: Les monuments d’art et d’histoire du canton de Neuchâtel. Birkhäuser, Basel.
- Michel Egloff: Des premiers chasseurs au début du christianisme. In: Histoire du Pays de Neuchâtel. Hauterive.
- Jean-Pierre Jelmini: Neuchâtel 1848. La République et son histoire. Neuenburg.
- Stadt Neuenburg: Rapport de gestion 2025. Neuenburg 2026.
- Universität Neuenburg: Histoire de l’Université de Neuchâtel. Neuenburg.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Neuenburg
- Neuenburg im Historischen Lexikon der Schweiz
- Offizielle Website des Kantons Neuenburg
- Touristische Informationen über Neuenburg
- Universität Neuenburg
- Laténium
- Musée d’art et d’histoire de Neuchâtel
- Centre Dürrenmatt Neuchâtel
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 La population en 2025, Statistischer Dienst des Kantons Neuenburg, Version vom 30. April 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Philippe Henry, Jean-Pierre Jelmini: Neuenburg (Gemeinde), in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 8. September 2021, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Repères historiques, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 4,0 4,1 Géographie, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Fusion Neuchâtel, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Composition du Conseil général, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Conseil communal, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Composition du Conseil communal, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Tissu économique, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Histoire industrielle, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Transports publics, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ La Collégiale, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Hôtel de Ville, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
- ↑ Valangin, Stadt Neuenburg, abgerufen am 26. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Neuenburg