Urnersee: Unterschied zwischen den Versionen

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Bis ins 19. Jahrhundert fehlte entlang des östlichen Ufers eine durchgehend befahrbare Strasse. Die [[Axenstrasse]] wurde 1864/65 für Pferdefuhrwerke eröffnet und verband Brunnen mit Flüelen. Für ihren Bau mussten zahlreiche Felsabschnitte durchbrochen, Stützmauern errichtet und Galerien angelegt werden.<ref name="astra_axenstrasse">[https://www.astra.admin.ch/de/a4-axenstrasse A4 Axenstrasse], Bundesamt für Strassen, abgerufen am 28. Juli 2026.</ref>
Bis ins 19. Jahrhundert fehlte entlang des östlichen Ufers eine durchgehend befahrbare Strasse. Die [[Axenstrasse]] wurde 1864/65 für Pferdefuhrwerke eröffnet und verband Brunnen mit Flüelen. Für ihren Bau mussten zahlreiche Felsabschnitte durchbrochen, Stützmauern errichtet und Galerien angelegt werden.<ref name="astra_axenstrasse">[https://www.astra.admin.ch/de/a4-axenstrasse A4 Axenstrasse], Bundesamt für Strassen, abgerufen am 28. Juli 2026.</ref>


Die Strasse galt wegen ihrer spektakulären Lage hoch über dem See als technische und touristische Sehenswürdigkeit. Seit den 1930er-Jahren wurde sie schrittweise für den motorisierten Verkehr ausgebaut. Heute gehört sie zur [[Autobahn A4 (Schweiz)|Nationalstrasse A4]] und verläuft teilweise durch Tunnel und Schutzgalerien.
Die Strasse galt wegen ihrer spektakulären Lage hoch über dem See als technische und touristische Sehenswürdigkeit. Seit den 1930er-Jahren wurde sie schrittweise für den motorisierten Verkehr ausgebaut. Heute gehört sie zur [[Autobahn A4|Nationalstrasse A4]] und verläuft teilweise durch Tunnel und Schutzgalerien.


=== Gotthardbahn ===
=== Gotthardbahn ===

Aktuelle Version vom 28. Juli 2026, 19:24 Uhr

Urnersee
Gewässer Teil des Vierwaldstättersees
Lage Uri und Schwyz, Schweiz
Region Zentralschweiz
Seehöhe 433 m ü. M.
Fläche rund 20 km², je nach Abgrenzung
Länge rund 10 km
Grösste Breite rund 2,5 km
Maximale Tiefe 192 m
Wichtigster Zufluss Reuss
Abfluss über den übrigen Vierwaldstättersee zur Reuss in Luzern
Uferorte Brunnen, Sisikon, Flüelen, Bauen
Koordinaten 46° 56′ N, 8° 36′ O

Der Urnersee ist der südlichste und am weitesten in die Alpen hineinreichende Teil des Vierwaldstättersees. Er erstreckt sich zwischen Brunnen im Norden und Flüelen sowie dem Reussdelta im Süden. Seine Ufer gehören zu den Kantonen Uri und Schwyz. Der langgestreckte, von steilen Bergflanken eingefasste Seeteil besitzt einen ausgeprägt fjordähnlichen Charakter und zählt zu den bekanntesten Landschaften der Zentralschweiz.

Der Urnersee ist eng mit der Entstehungsgeschichte und der nationalen Symbolik der Schweiz verbunden. Am westlichen Ufer liegen das Rütli, der Schillerstein und historische Verkehrswege, am östlichen Ufer die Tellsplatte, die Tellskapelle und die Axenstrasse. Der See war über Jahrhunderte ein wichtiger Abschnitt des Verkehrswegs zum Gotthardpass und ist heute ein bedeutender Natur-, Erholungs- und Tourismusraum.

Name und Abgrenzung

Der Name leitet sich vom Kanton Uri ab, dessen Gebiet den grössten Teil der Uferlandschaft umfasst. In älteren Texten findet sich gelegentlich die Schreibweise «Urner See». Heute ist «Urnersee» die übliche geografische Bezeichnung.

Der Urnersee ist kein eigenständiges Gewässer, sondern eines der tiefen Teilbecken des stark gegliederten Vierwaldstättersees. Seine nördliche Grenze ist nicht überall einheitlich festgelegt. In einer engeren geografischen Abgrenzung beginnt der Urnersee südlich der Linie zwischen Brunnen und Treib. Bei einer weiteren Abgrenzung werden auch angrenzende Wasserflächen des Übergangs zum Gersauer Becken einbezogen.

Aus diesem Grund unterscheiden sich die Angaben zur Fläche, Länge und maximalen Tiefe in der Literatur. Für das eigentliche Urner Becken wird häufig eine Fläche von rund 20 km² angegeben. Die grösste Tiefe beträgt nach dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler 192 Meter.[1]

Geografie

Lage

Der Urnersee verläuft annähernd von Norden nach Süden. Im Norden geht er bei Brunnen und Treib in das übrige Seesystem des Vierwaldstättersees über. Sein südliches Ende bildet die breite Schwemmebene des Urner Reusstals zwischen Flüelen und Seedorf.

Das westliche Ufer gehört vollständig zum Kanton Uri. Dort liegen von Norden nach Süden das Rütli, Bauen, Isleten und das Reussdelta. Das östliche Ufer gehört im nördlichen Abschnitt bei Brunnen zum Kanton Schwyz und südlich davon bei Sisikon, der Tellsplatte und Flüelen zum Kanton Uri.

Der Seespiegel liegt auf durchschnittlich etwa 433 m ü. M. Der Wasserstand ist mit dem gesamten Vierwaldstättersee verbunden und wird durch das Reusswehr in Luzern beeinflusst.

Ausdehnung

Der Urnersee ist rund zehn Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle ungefähr zweieinhalb Kilometer breit. Die steilen Ufer und die grosse Tiefe führen dazu, dass nur wenige ausgedehnte Flachwasserzonen vorhanden sind.

Die einzige grosse Flachwasserlandschaft befindet sich am südlichen Ende des Sees im Reussdelta. An den übrigen Ufern fallen die Bergflanken vielerorts unmittelbar und steil zum See hin ab. Einige Siedlungen und Verkehrswege mussten deshalb auf schmalen Uferterrassen, auf Dämmen oder in den Fels gebaut werden.

Uferlandschaft

Am westlichen Ufer erhebt sich die Gebirgslandschaft um den Niederbauen Chulm, den Oberbauenstock und den Uri Rotstock. Hinter Bauen und Isleten öffnet sich das Isental, das weit in die Urner Alpen hineinführt.

Das östliche Ufer wird vom Fronalpstock, vom Axen, vom Rophaien und weiteren Bergen der Schwyzer und Urner Voralpen geprägt. Besonders zwischen Sisikon und Flüelen bestehen eindrückliche Felswände, über denen sich Bergweiden und bewaldete Hänge befinden.

Die starken Höhenunterschiede zwischen dem See und den umliegenden Gipfeln tragen zum fjordähnlichen Erscheinungsbild bei. Anders als ein echter Fjord ist der Urnersee jedoch kein vom Meer überflutetes Tal, sondern ein eiszeitlich geformtes und mit Süsswasser gefülltes Seebecken.

Geologie und Entstehung

Der Urnersee liegt in einem eiszeitlich übertieften Trogtal. Während der Kaltzeiten bewegte sich der Reussgletscher durch das heutige Reusstal nach Norden. Das Eis vertiefte und verbreiterte das Tal und schuf mehrere hintereinanderliegende Becken des heutigen Vierwaldstättersees.

Der felsige Untergrund des Urner Beckens wurde stellenweise bis unter den heutigen Meeresspiegel ausgeschürft. Nach dem Rückzug des Gletschers füllte sich das Becken mit Schmelzwasser. Gleichzeitig lagerten Gletscher, Flüsse und Wildbäche grosse Mengen an Kies, Sand, Schlamm und anderem Gesteinsmaterial ab.[1]

Der Untergrund und die Bergflanken rund um den See gehören zu den Helvetischen Decken. In den Felswänden sind gefaltete und übereinandergeschobene Gesteinsschichten aus verschiedenen geologischen Zeitaltern sichtbar. Zu den auffälligen Gesteinen gehören Kieselkalk, Schrattenkalk, Mergel und Flysch.

Der langjährige Sedimenteintrag der Reuss hat das südliche Ende des ursprünglichen Seebeckens allmählich aufgefüllt. Dadurch entstand das heutige Reussdelta. Auch kleinere Zuflüsse wie der Isitalerbach, der Gruonbach und weitere Wildbäche bildeten Schwemmkegel und lokale Deltas.

Hydrologie

Zuflüsse und Wasserhaushalt

Die Reuss ist der mit Abstand wichtigste Zufluss des Urnersees und des gesamten Vierwaldstättersees. Sie mündet zwischen Flüelen und Seedorf in den See und führt Wasser aus einem grossen Teil des Kantons Uri sowie aus den vergletscherten Gebieten der Zentralalpen zu.

Mehr als 40 Prozent des gesamten Wasserdurchflusses des Vierwaldstättersees stammen aus der Reuss. Weitere Zuflüsse des Urnersees sind der Isitalerbach bei Isleten, der Gruonbach bei Flüelen und zahlreiche kleinere Berg- und Wildbäche.[2]

Da der Urnersee Teil eines zusammenhängenden Gewässers ist, besitzt er keinen eigenständigen oberirdischen Abfluss. Das Wasser strömt nach Norden in die übrigen Becken des Vierwaldstättersees und verlässt den See schliesslich in Luzern wieder als Reuss.

Durchmischung

Der Urnersee unterscheidet sich hydrologisch von den windgeschützteren Becken des Vierwaldstättersees. Der häufig kräftige Föhn und der Wasserzufluss der Reuss fördern die Durchmischung des Wasserkörpers.

Die tiefen Wasserschichten des Urnersees sind dadurch vergleichsweise gut mit Sauerstoff versorgt. Sie sind teilweise wärmer als das Tiefenwasser im benachbarten Gersauer Becken. Dichte- und Temperaturunterschiede können starke unterseeische Strömungen zwischen den einzelnen Seebecken verursachen.[2]

Wasserstand und Hochwasser

Der Wasserstand des Urnersees entspricht demjenigen des Vierwaldstättersees. Er wird durch Niederschläge, Schneeschmelze, Gletscherschmelze und den Abfluss der Zuflüsse beeinflusst. Besonders hohe Wasserstände können nach langanhaltendem Regen in Verbindung mit intensiver Schnee- oder Gletscherschmelze auftreten.

Die Reuss transportiert bei Hochwasser grosse Mengen an Schwebstoffen und gröberem Geschiebe in den See. In den Sedimenten des Urnersees lassen sich deshalb Spuren früherer Hochwasser, Bergstürze und Erdbeben nachweisen.

Wind und Klima

Der Urnersee liegt in einer ausgeprägten Nord-Süd-Achse. Dadurch können sich Luftströmungen entlang des Sees verstärken. Besonders bekannt ist der Föhn, der aus den Alpen in Richtung Norden strömt und auf dem See innerhalb kurzer Zeit kräftige Böen und hohe Wellen erzeugen kann.

Im Sommer bildet sich bei geeigneter Wetterlage ein thermisches Windsystem. Die Erwärmung der Bergflanken und des Reusstals führt zu regelmässigen Talwinden, die von Seglern, Wind- und Kitesurfern genutzt werden. Wetterumschwünge können jedoch schnell erfolgen und für kleine Boote sowie ungeübte Wassersportler gefährlich werden.

Das lokale Klima an geschützten und sonnigen Uferlagen ist vergleichsweise mild. Besonders bei Bauen, Isleten und am Rütli gedeihen Pflanzen, die sonst eher aus südlicheren Regionen bekannt sind. Dazu gehören Feigenbäume, Edelkastanien und verschiedene wärmeliebende Zierpflanzen.

Orte am Urnersee

Brunnen

Brunnen liegt am nördlichen Übergang zwischen dem Urnersee und dem übrigen Vierwaldstättersee. Der Ort gehört zur Gemeinde Ingenbohl im Kanton Schwyz. Durch seine Lage am See, am Eingang zum Kanton Uri und an historischen Verkehrswegen entwickelte sich Brunnen zu einem wichtigen Umschlag- und Tourismusort.

Von Brunnen bestehen Schiffsverbindungen in Richtung Flüelen, Rütli, Luzern und zu weiteren Stationen des Vierwaldstättersees. Die Uferpromenade bietet einen weiten Blick über den Urnersee und die umliegenden Berge.

Sisikon

Sisikon liegt auf einem schmalen Uferstreifen am östlichen Seeufer. Das Gemeindegebiet steigt vom See steil zum Rophaien und zu den umliegenden Bergen an. Durch den Ort führen die Axenstrasse und die Gotthardbahn.

Südlich von Sisikon befinden sich die Tellsplatte und die Tellskapelle. Die Umgebung ist durch Felswände, kleine Buchten und steile Ufer geprägt.

Flüelen

Flüelen liegt am südöstlichen Ende des Urnersees. Der Ort war über Jahrhunderte der wichtigste Hafen für den Waren- und Personenverkehr zwischen dem Seeweg und der Landroute über den Gotthard.

Heute besitzt Flüelen einen Bahnhof an der Gotthardstrecke, eine Schiffstation und Anschlüsse an das regionale Busnetz. Die Uferanlagen, die Badeplätze und der nahe gelegene Urnersee-Uferweg machen den Ort zu einem Ausgangspunkt für Freizeitaktivitäten.

Bauen

Bauen liegt am westlichen Ufer auf einer kleinen, sonnigen Geländeterrasse. Das frühere Gemeindegebiet gehört heute zur Gemeinde Seedorf. Wegen seiner geschützten Lage besitzt Bauen ein besonders mildes Lokalklima.

Der Ort ist eng mit Alberich Zwyssig verbunden, dem Komponisten des Schweizerpsalms. Bauen ist auf dem Landweg über Isleten erreichbar und besitzt zudem eine Schiffstation.

Isleten

Isleten liegt an der Mündung des Isitalerbachs und am Eingang zum Isental. Der Bach schuf hier einen Schwemmkegel, der ausreichend Platz für Verkehrswege, Gebäude und gewerbliche Anlagen bot.

Von Isleten führt eine Strasse hinauf nach Isenthal. Die Bucht wird wegen ihrer Windverhältnisse häufig für Wind- und Kitesurfen genutzt.

Natur und Landschaftsschutz

Grosse Teile der Landschaft rund um den Urnersee gehören zum Objekt «Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Geschützt werden unter anderem die charakteristischen See- und Berglandschaften, geologische Aufschlüsse, naturnahe Ufer, Wälder und Feuchtgebiete.[1]

Die meisten Uferabschnitte sind von Natur aus steil und weisen nur schmale Übergänge zwischen Wasser und Land auf. Die wichtigste Ausnahme ist das Reussdelta mit seinen Flachwasserbereichen, Riedwiesen, Auenwäldern und künstlich geschaffenen Inseln.

Reussdelta

Das Reussdelta bildet die ökologisch bedeutendste Uferlandschaft des Urnersees. Es liegt zwischen Flüelen und Seedorf und umfasst die Mündungsarme der Reuss, Flachwasserzonen, Schilfbestände, Riedwiesen, Auenwald und Kiesflächen.

Über Jahrzehnte wurde im Delta Kies abgebaut. Dadurch entstanden tiefe Baggerlöcher, während ehemalige Flachwasserbereiche und Schilfgürtel zurückgingen. Die Wellen konnten weiter in das Land vordringen, und die Uferlinie verschob sich örtlich deutlich landeinwärts.

1985 nahm das Urner Stimmvolk ein Gesetz über die nachhaltige Nutzung und Entwicklung des Reussdeltas an. In der Folge wurden Dämme teilweise entfernt, seitliche Mündungsarme wieder geöffnet und neue Flachwasserbereiche geschaffen.[3]

Für die Renaturierung wurde unter anderem Ausbruchmaterial aus der Umfahrung Flüelen und dem Gotthard-Basistunnel verwendet. Damit entstanden mehrere Inseln und seichte Uferbereiche. Ein Teil der Inseln dient dem Naturschutz, während andere als öffentlich zugängliche Badeinseln gestaltet wurden.

Das Delta ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel. Zu den dort vorkommenden oder brütenden Arten gehören Haubentaucher und Flussregenpfeifer. Die Flachmoore beherbergen seltene Pflanzenarten, Amphibien und zahlreiche Insekten. Für die Seeforelle stellt das Gebiet einen der bedeutenden Laichräume im Einzugsgebiet des Vierwaldstättersees dar.[1]

Wasserqualität

Der Vierwaldstättersee und damit auch der Urnersee gelten heute als nährstoffarme Gewässer. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Belastung durch ungeklärte Abwässer und phosphathaltige Stoffe jedoch deutlich zu.

Der Bau und Ausbau von Abwasserreinigungsanlagen, die Phosphorelimination und das Verbot von Phosphaten in Textilwaschmitteln führten seit den 1980er-Jahren zu einer starken Verringerung der Nährstoffbelastung. Der See entwickelte sich wieder von einem zeitweise mässig nährstoffreichen zu einem nährstoffarmen Zustand.[2]

Die gute Durchmischung des Urner Beckens sorgt für vergleichsweise günstige Sauerstoffverhältnisse im Tiefenwasser. Die Wasserqualität wird von den zuständigen Kantonen und der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee regelmässig überwacht.

Geschichte

Frühe Besiedlung

Das Gebiet um den Urnersee war bereits in vorgeschichtlicher Zeit begangen und teilweise besiedelt. Wegen der steilen Ufer konzentrierten sich dauerhafte Siedlungen auf das Reussdelta, Schwemmkegel und kleinere Geländeterrassen.

Der See bildete zugleich ein verbindendes und trennendes Landschaftselement. Viele Orte waren über lange Zeit leichter mit dem Schiff als auf dem Landweg erreichbar.

Verkehrsweg zum Gotthard

Mit der zunehmenden Bedeutung des Gotthardpasses im Hochmittelalter wurde der Urnersee zu einem wichtigen Abschnitt einer europäischen Nord-Süd-Verbindung. Reisende und Waren wurden zwischen Luzern oder Brunnen und Flüelen mit Nauen, Ledischiffen und kleineren Personenbooten transportiert.

In Flüelen erfolgte der Umschlag vom Schiff auf Fuhrwerke oder Saumtiere. Von dort führte die Route durch das Reusstal, die Schöllenen und über den Gotthardpass in Richtung Tessin und Norditalien.

Die Schifffahrt war wegen plötzlicher Stürme, Föhn und hoher Wellen nicht ungefährlich. Dennoch blieb der Wasserweg lange die praktischste Verbindung entlang der steilen Seeufer. Bereits vor der Neuzeit entstanden organisierte Schiffer- und Transportgesellschaften.[4]

Dampfschifffahrt

1837 begann auf dem Vierwaldstättersee die Dampfschifffahrt. Die neuen Schiffe erleichterten den regelmässigen Personen- und Güterverkehr und förderten den aufkommenden Tourismus.

Der Urnersee wurde zu einem wichtigen Abschnitt der Kurslinie zwischen Luzern, Brunnen und Flüelen. Auch nach dem Ausbau der Strassen und Eisenbahnen blieb die Schifffahrt für den regionalen Verkehr und den Tourismus von Bedeutung.

Axenstrasse

Bis ins 19. Jahrhundert fehlte entlang des östlichen Ufers eine durchgehend befahrbare Strasse. Die Axenstrasse wurde 1864/65 für Pferdefuhrwerke eröffnet und verband Brunnen mit Flüelen. Für ihren Bau mussten zahlreiche Felsabschnitte durchbrochen, Stützmauern errichtet und Galerien angelegt werden.[5]

Die Strasse galt wegen ihrer spektakulären Lage hoch über dem See als technische und touristische Sehenswürdigkeit. Seit den 1930er-Jahren wurde sie schrittweise für den motorisierten Verkehr ausgebaut. Heute gehört sie zur Nationalstrasse A4 und verläuft teilweise durch Tunnel und Schutzgalerien.

Gotthardbahn

Mit der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 erhielt das östliche Seeufer eine leistungsfähige Eisenbahnverbindung. Die Strecke zwischen Brunnen und Flüelen wurde teilweise unmittelbar am Wasser, teilweise in Tunneln durch die Felsflanken geführt.

Die Bahn verringerte die Bedeutung der Schiffe für den internationalen Transitverkehr. Gleichzeitig erleichterte sie den touristischen Zugang zum Urnersee und zu den Orten entlang des Gotthardwegs.

Nationale Symbolik

Rütli

Das Rütli ist eine Bergwiese am westlichen Ufer des nördlichen Urnersees. Nach der schweizerischen Befreiungstradition sollen dort Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden den Rütlischwur abgelegt haben.

Die Erzählung wurde erst im Spätmittelalter schriftlich überliefert und kann nicht als historischer Bericht über ein genau bestimmbares Ereignis im Jahr 1291 verstanden werden. Dennoch entwickelte sich das Rütli zu einem der wichtigsten nationalen Erinnerungsorte der Schweiz.

1859 wurde die Wiese durch eine von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft organisierte Sammlung erworben und der Eidgenossenschaft als unverbaubares nationales Gut übergeben. Seit 1891 findet dort eine Feier zum Schweizer Bundesfeiertag statt.[6]

Tellsplatte und Tellskapelle

Am östlichen Ufer südlich von Sisikon liegt die Tellsplatte. Nach der Tellssage sprang Wilhelm Tell während eines Sturms an dieser Stelle aus dem Boot des Landvogts Gessler und stiess es wieder in den See zurück.

Die nahe gelegene Tellskapelle erinnert mit Wandbildern an Szenen aus der Sage. Der Ort ist über die Axenstrasse, einen Wanderweg und eine Schiffstation erreichbar.

Schillerstein

Der Schillerstein ist eine markante Felsnadel am westlichen Ufer nahe dem Rütli. Er trug ursprünglich den Namen Mythenstein. 1859 wurde er zu Ehren des deutschen Dichters Friedrich Schiller in ein Denkmal umgestaltet.

Auf der dem See zugewandten Seite befindet sich eine goldene Inschrift, die Schiller als Verfasser des Dramas Wilhelm Tell ehrt. Der Felsen ist besonders gut vom Schiff aus sichtbar.

Darstellung im Bundeshaus

Die Landschaft des Urnersees wurde zu einem zentralen Bild der nationalen Erinnerungskultur. Im Bundeshaus in Bern zeigt das monumentale Gemälde Die Wiege der Eidgenossenschaft von Charles Giron den Blick über den Urnersee in Richtung Rütli und umliegende Berge.

Schifffahrt

Auf dem Urnersee verkehren die Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Die wichtigste Linie führt von Luzern über Brunnen in Richtung Flüelen.

Zu den Schiffstationen am oder unmittelbar beim Urnersee gehören Brunnen, Treib, Rütli, Sisikon, Tellsplatte, Bauen, Isleten-Isenthal, Seedorf und Flüelen. Nicht jede Station wird während des ganzen Jahres und von jedem Kurs bedient.

Die Schifffahrt erfüllt heute hauptsächlich touristische und freizeitbezogene Aufgaben. Für das autofreie Rütli sowie für einzelne Wanderungen stellt das Schiff jedoch weiterhin eine wichtige öffentliche Verkehrsverbindung dar. Rundfahrten zwischen Brunnen und Flüelen erschliessen die fjordähnliche Landschaft des Sees.[7]

Freizeit und Tourismus

Weg der Schweiz

Der Weg der Schweiz wurde anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Eidgenossenschaft im Jahr 1991 angelegt. Er beginnt auf dem Rütli und führt über Seelisberg, Bauen, Isleten, Flüelen, die Tellsplatte und Sisikon nach Brunnen.

Die einzelnen Abschnitte des Weges sind den Kantonen der Schweiz gewidmet. Ihre Länge wurde ursprünglich im Verhältnis zur damaligen Bevölkerungszahl der Kantone bestimmt. Der Weg verbindet nationale Erinnerungsorte mit naturnahen Ufern, historischen Saumwegen und Aussichtspunkten.

Zwischen dem Rütli und Seelisberg überwindet die Route einen beträchtlichen Höhenunterschied. Der Abschnitt von Seelisberg nach Bauen führt über einen alten, teilweise mit zahlreichen Steinstufen versehenen Saumweg.[8]

Urnersee-Uferweg

Der Urnersee-Uferweg verbindet Flüelen mit Isleten. Er führt durch die renaturierte Landschaft des Reussdeltas, entlang von Flachwasserzonen und an verschiedenen Aussichtspunkten vorbei.

Der Weg ist rund acht Kilometer lang und bildet einen Teil des regionalen Wanderwegnetzes. An mehreren Stellen bestehen Zugänge zu Badeplätzen, Picknickstellen und Schiffstationen.[9]

Wassersport

Der Urnersee ist wegen seiner regelmässigen thermischen Winde und des Föhns ein bekanntes Revier für Segeln, Windsurfen, Wingsurfen und Kitesurfen. Häufig genutzte Einstiegsorte befinden sich bei Flüelen, Isleten, Sisikon und entlang der Axengalerien.

Am Morgen ist die Wasseroberfläche bei ruhigem Wetter oft vergleichsweise glatt und wird für Stand-up-Paddling oder Rudern genutzt. Im Tagesverlauf kann der Wind deutlich zunehmen. Wegen der steilen Ufer bestehen ausserhalb der ausgewiesenen Plätze nur begrenzte Möglichkeiten, bei einer Wetterverschlechterung an Land zu gelangen.

Baden

Bademöglichkeiten bestehen unter anderem bei Flüelen, im Reussdelta, auf den öffentlich zugänglichen Inseln, bei Isleten und in verschiedenen Strandbädern entlang des Sees.

Das Schwimmen ausserhalb geschützter Uferbereiche erfordert Vorsicht. Kursschiffe, Sportboote, Wind, Wellen und stellenweise rasch zunehmende Wassertiefen können Gefahren verursachen.

Fischerei

Der Urnersee ist Teil des Fischereigebiets des Vierwaldstättersees. Zu den vorkommenden Fischarten gehören Felchen, Egli, Hecht, Seeforelle und weitere an tiefe, sauerstoffreiche Alpenseen angepasste Arten.

Die Fischerei wird durch kantonale Vorschriften und interkantonale Vereinbarungen geregelt. Für bestimmte Fangmethoden und Gewässerbereiche sind Patente oder besondere Bewilligungen erforderlich.

Bedeutung für den Kanton Uri

Der Urnersee prägt das Landschaftsbild, das Klima und die Siedlungsstruktur des nördlichen Kantons Uri. Er bildet den Übergang zwischen dem offenen Becken der Zentralschweiz und dem engen alpinen Reusstal.

Historisch war der See die wichtigste Verbindung Uris mit Luzern und den nördlich gelegenen Gebieten. Auch heute verlaufen bedeutende Verkehrsachsen entlang seines östlichen Ufers. Gleichzeitig ist der See ein zentraler Bestandteil des touristischen Erscheinungsbildes des Kantons.

Die Verbindung von Berglandschaft, nationalen Erinnerungsorten, historischer Verkehrsinfrastruktur und ökologisch wertvollen Ufergebieten macht den Urnersee zu einer der kulturell und landschaftlich bedeutendsten Regionen der Zentralschweiz.

Siehe auch

Literatur

  • Hansjakob Baumann, Stefan Fryberg: Der Urnersee. Landschaft, Geschichte, Kultur. Gisler, Altdorf 1993.
  • Jürg Gwerder und andere: Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, Luzern 1987.
  • Margarita Primas: Archäologie zwischen Vierwaldstättersee und Gotthard. Siedlungen und Funde der ur- und frühgeschichtlichen Epochen. Universitätsverlag, Freiburg 1992.
  • Aufsichtskommission Vierwaldstättersee: Der Vierwaldstättersee und sein Einzugsgebiet. Luzern.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung: Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 28. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Der Vierwaldstättersee – Zustand bezüglich Wasserqualität, Bundesamt für Umwelt, 1. Juli 2016, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. Reussdelta, Kanton Uri, abgerufen am 28. Juli 2026.
  4. Vierwaldstättersee, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 28. Juli 2026.
  5. A4 Axenstrasse, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 28. Juli 2026.
  6. Rütli, Uri Tourismus, abgerufen am 28. Juli 2026.
  7. Schifffahrt auf dem Urnersee, Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, abgerufen am 28. Juli 2026.
  8. Weg der Schweiz: Etappe 1, Uri Tourismus, abgerufen am 28. Juli 2026.
  9. Urnersee-Uferweg, Uri Tourismus, abgerufen am 28. Juli 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Urnersee