Aare
| Gewässertyp | Fluss |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kantone | Bern, Solothurn, Aargau |
| Flusssystem | Rhein |
| Abflussweg | Rhein – Nordsee |
| Länge | rund 288 km |
| Einzugsgebiet | rund 17'700 km² |
| Quellgebiet | Oberaar- und Unteraargletscher im Grimselgebiet |
| Mündung | bei Koblenz AG in den Rhein |
| Mündungshöhe | rund 312 m ü. M. |
| Mittlerer Abfluss | rund 550–560 m³/s am Unterlauf |
| Durchflossene Seen | Brienzersee, Thunersee, Bielersee |
| Bedeutende Zuflüsse | Gadmerwasser, Lütschine, Kander, Zulg, Gürbe, Saane, Zihl, Emme, Dünnern, Wigger, Suhre, Reuss und Limmat |
| Grössere Orte am Fluss | Interlaken, Thun, Bern, Solothurn, Olten, Aarau, Brugg |
Die Aare ist ein Fluss in der Schweiz und ein linker Nebenfluss des Rheins. Mit einer Länge von rund 288 Kilometern ist sie der längste Fluss, dessen gesamter Lauf innerhalb der Schweiz liegt. Ihr Einzugsgebiet umfasst weite Teile der nördlichen Alpen, des Schweizer Mittellands und des Juras.
Die Aare entspringt im hochalpinen Grimselgebiet, durchfliesst den Brienzer-, Thuner- und Bielersee und mündet bei Koblenz im Kanton Aargau in den Rhein. Am Zusammenfluss führt die Aare im langjährigen Mittel mehr Wasser als der Rhein oberhalb der Mündung. Aus hydrologischer Sicht ist sie deshalb der wasserreichere der beiden Flussarme, obwohl der gemeinsame Strom den Namen Rhein behält.
Die Aare ist für die Landschafts- und Siedlungsentwicklung der Schweiz von grosser Bedeutung. An ihren Ufern liegen unter anderem die Städte Thun, Bern, Solothurn, Olten, Aarau und Brugg. Der Fluss dient der Energiegewinnung, dem Hochwasserschutz und der Erholung und bildet zugleich einen bedeutenden Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Name
Der Name der Aare ist seit der Antike in verschiedenen Formen überliefert. Römische und mittelalterliche Quellen verwendeten unter anderem Bezeichnungen wie Arura, Araris und Arola. Der Gewässername dürfte vor- oder frühgeschichtlichen Ursprungs sein. Seine genaue sprachliche Herleitung ist nicht abschliessend geklärt.
Im Französischen heisst der Fluss Aar oder Aare, im Italienischen Aare. In der deutschsprachigen Schweiz wird der Name mit langem Anfangsvokal ausgesprochen.
Geografie
Quellgebiet und Oberlauf
Das Quellgebiet der Aare liegt in den östlichen Berner Alpen im Gebiet der Oberaar- und Unteraargletscher. Die dort entstehenden Schmelz- und Gebirgsbäche werden im Grimselgebiet teilweise in Speicherseen gesammelt. Zu diesen gehören der Oberaarsee, der Grimselsee und der Räterichsbodensee. Die Anlagen sind Bestandteil des Kraftwerksystems der Kraftwerke Oberhasli.
Unterhalb der Grimsel fliesst die junge Aare durch das Haslital. Bei Innertkirchen nimmt sie das Gadmerwasser auf. Anschliessend durchquert sie zwischen Innertkirchen und Meiringen die Aareschlucht. Diese bis zu rund 200 Meter tiefe Klamm entstand durch die Erosionskraft des Flusses im Kalkgestein und gehört zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten des Berner Oberlands.
Nach Meiringen erreicht die Aare bei Brienz den Brienzersee. Wichtige Zuflüsse dieses Sees sind neben der Aare die Lütschine und der Giessbach. Der Brienzersee wirkt als natürliches Ausgleichsbecken: Sedimente lagern sich ab, und Abflussspitzen werden teilweise gedämpft.
Interlaken, Thunersee und Bern
Die Aare verlässt den Brienzersee bei Interlaken und durchquert das sogenannte Bödeli. Der Flussabschnitt zwischen Brienzer- und Thunersee ist reguliert und wird auch als Interlakenkanal bezeichnet. Danach fliesst die Aare in den Thunersee.
Der wichtigste Zufluss des Thunersees ist die Kander. Sie mündet erst seit der Kanderkorrektion des frühen 18. Jahrhunderts direkt in den See. Vorher floss sie westlich von Thun in die Aare und verursachte dort regelmässig Überschwemmungen.
In der Stadt Thun verlässt die Aare den Thunersee. Der Abfluss wird durch Schleusen geregelt und auf mehrere Flussarme verteilt. Danach fliesst die Aare durch das breite Aaretal über Uttigen, Münsingen und Rubigen in Richtung Bern. In diesem Abschnitt nimmt sie unter anderem die Zulg und die Gürbe auf.
In Bern beschreibt die Aare eine markante Flussschlaufe um die auf einer Halbinsel gelegene Altstadt. Die erhöhte Lage innerhalb dieser Schlaufe war ein wichtiger Grund für die mittelalterliche Stadtgründung. Mehrere Brücken verbinden die Altstadt mit den umliegenden Quartieren, darunter die Nydeggbrücke, die Kirchenfeldbrücke und die Kornhausbrücke.
Unterhalb von Bern fliesst die Aare an Bremgarten bei Bern vorbei und erreicht den Wohlensee. Dieser langgestreckte Stausee entstand durch den Bau des Wasserkraftwerks Mühleberg. Danach setzt der Fluss seinen Lauf in Richtung Laupen und Aarberg fort. Bei der Einmündung der Saane erhält die Aare einen ihrer grössten Zuflüsse im westlichen Mittelland.
Seeland und Bielersee
Der heutige Lauf der Aare im Berner Seeland wurde durch die Juragewässerkorrektionen grundlegend verändert. Bei Aarberg wird der Hauptteil des Wassers durch den Hagneckkanal in den Bielersee geleitet. Vor der ersten Juragewässerkorrektion floss die Aare direkt von Aarberg in Richtung Büren an der Aare.
Der frühere Flusslauf besteht als Alte Aare weiter. Er führt deutlich weniger Wasser als der Hauptarm und bildet mit seinen Auen, Altarmen und Feuchtgebieten einen ökologisch wertvollen Landschaftsraum.
Der Bielersee dient als Ausgleichsbecken für die Aare und ist über den Zihlkanal und den Broyekanal mit dem Neuenburger- und Murtensee verbunden. Die drei Seen bilden gemeinsam ein reguliertes hydrologisches System. Die Aare verlässt den Bielersee bei Nidau durch den Nidau-Büren-Kanal und vereinigt sich in der Gegend von Büren beziehungsweise Meienried wieder mit der Alten Aare.
Unterlauf und Mündung
Unterhalb von Büren an der Aare fliesst der Fluss zunächst in östlicher Richtung durch das Mittelland. Er passiert Solothurn, Wangen an der Aare, Aarwangen und Murgenthal. Bei Luterbach und Zuchwil mündet die Emme in die Aare.
Bei Aarburg erreicht die Aare eine landschaftlich auffällige Engstelle. Danach durchfliesst sie Olten, wo wichtige Verkehrswege das Aaretal kreuzen. Weitere Orte am Unterlauf sind Niedergösgen, Schönenwerd, Aarau, Rupperswil, Wildegg und Brugg.
Zwischen Brugg, Windisch, Gebenstorf und Untersiggenthal liegt das sogenannte Wasserschloss der Schweiz. In diesem Gebiet münden innerhalb weniger Kilometer zuerst die Reuss und danach die Limmat in die Aare. Dadurch vergrössert sich ihre Wasserführung erheblich.
Unterhalb des Wasserschlosses fliesst die Aare durch den Klingnauer Stausee. Bei Koblenz AG mündet sie gegenüber der deutschen Stadt Waldshut-Tiengen in den Rhein. Mit einem mittleren Abfluss von rund 550 bis 560 Kubikmetern pro Sekunde führt sie an dieser Stelle mehr Wasser als der Hochrhein oberhalb der Einmündung.
Einzugsgebiet und Hydrologie
Das Einzugsgebiet der Aare umfasst rund 17'700 Quadratkilometer. Es schliesst grosse Teile der Kantone Bern, Freiburg, Waadt, Neuenburg, Solothurn, Luzern, Aargau, Zürich, Uri, Schwyz und Obwalden ein. Über die Zuflüsse Reuss und Limmat gehören auch Teile der Zentral- und Ostschweiz zum Aaregebiet.
Die Abflussverhältnisse unterscheiden sich je nach Flussabschnitt. Im Oberlauf bestimmen Schneeschmelze, Gletscherschmelze und Niederschläge den Wasserstand. Die natürlichen Seen und die alpinen Speicherseen gleichen einen Teil der jahreszeitlichen Schwankungen aus. Im Mittelland kommen die Abflüsse grosser Nebenflüsse hinzu.
Die Wasserführung ist gewöhnlich im späten Frühling und im Sommer besonders hoch. Intensive Niederschläge, eine starke Schneeschmelze oder bereits gesättigte Böden können jedoch zu Hochwasser führen. Im Winter ist der natürliche Abfluss im alpinen Einzugsgebiet meist geringer, wird aber durch den Betrieb der Speicherkraftwerke beeinflusst.
Zu den wichtigsten Zuflüssen und Zuflusssystemen gehören:
- Gadmerwasser
- Lütschine
- Kander
- Zulg
- Gürbe
- Saane
- Zihl mit dem Zuflusssystem von Neuenburger- und Murtensee
- Emme
- Dünnern
- Wigger
- Suhre
- Reuss
- Limmat
Gewässerkorrektionen
Kanderkorrektion
Die von 1711 bis 1714 ausgeführte Kanderkorrektion war eines der ersten grossen wasserbaulichen Projekte der Schweiz. Vor der Korrektion mündete die Kander unterhalb des Thunersees in die Aare. Die mitgeführten Geschiebeablagerungen behinderten den Abfluss der Aare und trugen zu Überschwemmungen in Thun und im Umland bei.
Durch einen Einschnitt in den Strättlighügel wurde die Kander direkt in den Thunersee geleitet. Der See übernahm damit die Funktion eines Geschiebesammlers. Da die zusätzliche Wassermenge zunächst zu höheren Wasserständen und neuen Problemen beim Seeausfluss führte, mussten später auch die Abflussverhältnisse in Thun verbessert werden.
Juragewässerkorrektionen
Vor dem 19. Jahrhundert war das Seeland häufig von Überschwemmungen betroffen. Die Aare lagerte zwischen Aarberg und Solothurn grosse Mengen Kies und Sand ab. Gleichzeitig konnten die Gewässer aus dem Gebiet der drei Jurarandseen nur ungenügend abfliessen. Weite Teile des Grossen Mooses waren versumpft.
Die erste Juragewässerkorrektion wurde zwischen 1868 und 1891 nach Plänen des Ingenieurs Richard La Nicca verwirklicht. Zu den wichtigsten Massnahmen gehörten:
- die Umleitung der Aare durch den Hagneckkanal in den Bielersee,
- der Bau des Nidau-Büren-Kanals,
- die Vertiefung und Begradigung der Verbindungen zwischen den drei Jurarandseen,
- die Korrektion verschiedener Zuflüsse und Entwässerungskanäle.
Der Bielersee wurde dadurch zum Ausgleichsbecken der Aare. Die Massnahmen senkten die Seespiegel und ermöglichten die landwirtschaftliche Nutzung weiter Flächen im Grossen Moos.
Da sich die entwässerten Böden mit der Zeit absenkten und weiterhin Hochwasserprobleme bestanden, wurde von 1962 bis 1973 die zweite Juragewässerkorrektion durchgeführt.